Cajus Salustius Crispus Werke : Bd. 1.

Teljes szövegt

(1)

9íömtfdje ^ r o f a t f e v

. in

n e u e n U e & e ï f e f c u n g e n . herausgegeben

uon

9Ì. ». D f í a n b e r , SPrülaten ¡U Stuttgart, uni)

<S φ t» Я б , Dber-gonftftoiiat· unb ©tuMenratb ju Stuttgart.

© е ' ф § u n b b r e i ^ i g f t e S S ä n b d j e t t .

S t u t t g a r t ,

Seilctg bei 3· S3. 3>tefciei*fäen »u^banbtung.

1 8 7 3.

(2)
(3)

(Ε α j u s @ α I u f H u S (E

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2B e r f e,

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S l u g u f i и. @ о e r i a,

• SDìajor unb ©6er.ítr¡egérat& ©tuftgavt, ÍRittet beê JDvbeitS ber SlCűrtíemb. Ягопе !c. >

© t f t e ë Ш п Ь ф е п . í>t;i (te üluftage.

$>ie ЭЗец'фтоёптд beê (Satiíina.

3 » e i ©епЬ[ф1сс1Ьеп art ß ä f a t übet bte

©taate&emaltung. .

S t u t t g a r t ,

«erlag bet 3. Φ. âJtefclet'fôen Sud^anblung.

1873.

(4)
(5)

@ i n l c i l u n g .

• © a f u 8 S a l u f t f u S1) ß t f f b u S , CpicBcjiifd^en ®ef«bleeb=

te8, tturbe geboren j « Qimiterrium2) im Sabinerlanbe, im 3äbr ber S t a b t gtom 668, fe^Sunba^tjig 3abre bor

©eburt.3)

SSott feiner ©rjiebung fft Dii$t8 befannt; feine OBerfe aber mögen 3eugfcbaft geben, bafj er frübjeitfg naefj (Rom ge=

f ^ i t f t , in affem, mag ®rie<bif<be unb Sftömif«be ffifffenf^aft bot, unterbietet toorben fei. .

5118 fein fiebrer wirb genannt Qittejug $ratertatu8, mit berit SBefnamen fPbiloioguS, bo«b ift biefer ©rammatifer iro^I erji ber Srreunb feiner reiferen 3 a b « gemefen4)

S5te Sugenb be8 SalufliuS aber fiel in bie 3«it, too ber (Römtfebe S t a a t bitrcf) innere B^ietradbt unb SSürgerfrieg, buret) fiajier imb SSerberbnifj aöer 5lrt feinem Untergange . entgegeneilte. SBar e8 ein 5Bunber, menn ber ©eift feiner

Seit nitbt gnnj ffntrloS an feiner Sugenb »oruberging ?

*) Anbete febtetben ©aitujliuS.

2) 3n ber ötäfje be« Beutigen ©an ffiittorino in ben abtujjen.

3) Unbete herausgebet nennen baS 3abt 667 ober 69.

4) ©uetoniuö »on berühmten @j>ra«blebrern Ä. 10.

(6)

6 ( E i n l e i t u n g .

®etí($iíf<f}e «Berebfamfeft hat SatufiiuS, fo totct man mei§, nicht geübt; auch an friegerifchen unb anbeten Itebungen beS JtörberS fanb er toenig ©efchmacE. &ut<h mijfenfchaftltche Stubíen, borjüglfä) but<h ©ef<hi<htt, fucate et fidi) jum Staats»

manne 51t bitben.1) ©er SSetuf jum ©efchichtfchreiber feiner ßeit ermatte batb in tt)m. S^ucibibeb2) leuchtete ihm als

«Dlufter »otan unb SJlarcuS Eato3) ber flettere, ©eine öffentliche Saufbahn betrat' et als Duajior, fpäter matb er jum tBolEstrtbun ernannt. 3n biefer Sigenfdhaft braute ihn folgen»

ber «Borfatl mit ©cero in feinbliche «Berührung. ElobtuS, ber Stebting beS 93olfS, mar 'bon «Dillo, ber fi<h um'S Eonfulat bewarb, bei jufatti'ger aBegegnung auf ber 5lhhffch?tt ©tra'fje erfchtagen toorben. 3 n Qlnflageftanb berfefct, muffe fDlito, nnchbem er oon feinem greunbe Eiceto erfolglos »ertheibigt toorben, tn bte SSerbannung toanbern, benn bie Tribunen hatten ben'aSolfShafj auf's Qleufjerfte rege gemacht, unb felbji beS SSertheibigerS nicht gefront. «Daher leitet man bie Seinb»

fcfjaft jtoifdhen Eicero unb SatufiiuS, bie, wenn auch fhätet- triebet eine Ulnnaherung S t a t t gefunben haben feilte, nie ganj aufgehört ju haben fcheint. '

ßtoifchen Sitilo unb SatufiiuS aber mattete oorbem fchon

$rtOathaf. Saut einer «Jtadhricht beS XerentiuS a3arro.,. welche

«lluluS ©elliuS1) aufbewahrt hat, mar SatufituS für bie «Refje ber frönen gaufia,5) ber ©attin beS «Ditto, nicht unembfinb»

1) Eattitina Ä. 3, 4. Senbfdneiben an Eáfar l , 10.

2) «BelleiuS «ßaterculuS «Rom. ©efch· II, 36.

3) Suetomuä im Seben beS OctabtuS, A. 86. aSorjügliclj foü Salufüu« baS ©efchichtStterf beS Sato, Origines betitelt jiubitt· haben. '

4) ütttifcbe «Rächte XYH, 18.

6) fochtet beS ©ictatorS Sulla, eine burch ihre Siebeéabenteuer bamalS berüchtigte ©ante.

(7)

S f n l e í í u n g . 7 lt<b geblieben; etneS £age8 aber ím -(Sbebtuh ertappt, foli er

bon SDÍtfo mit Sßeitfchenbieben übel jugetitbiet uttb erfi nac§

felmerem Söfegelb enttaffen morben fepn.

3 « fener 3«ít főtten Sícero unb ©alufiítté Üíe noch borhanbenen ÍDeclamatlonen gegen einanber gehalten b<t&ttt,"

bíe btircb bfe ^űgeltofeften me<bfelfeftígen iperfőnUcbfeíten be=

rűhtígt ftnb, bon bét Sritíf aber al8 unciát bermorfen unb für ba8 ÜWacbtperí eíneS fráteren 9tbetor8 gehalten merben.

Stnfge S a b « tyvaaá) traf bén SalufífuS eítt karter

©dhlag. 3)er Senfor QlppiuS SláuVíug Splitter fHefj ihn auS bem «Senate, mo er traft früherer Síthtsmürbe fplab genom»

men bitte. . 5118 ®runb führt mart gemö'bttft<b' fetne 5lu8=

fcíjimeífungen an; boef) mag biefe Sefcbulbigung nur 5unt 93or=

mánbe gebient bitben. Seíbjt SaffiuS IDío,1) ber bem ©a»

luftíúg ba'8 SBort nícbt ju reben pflegt, erflart feine Sntfer=

nung au8 bem Senat für ba8 SPérí be8 iParteibaffeS. , j)er Sénfor, ein eifriger Qlnbänget be8 JPompejuS, fu^te írtt «Sinne - ber bámálígen Qirijtofratíe att8 bent Senate ju bérbrangen,

mag nícbt gut Spompejantfdj baébte.

5118 enblidj. ber Jtampf smiféb'en Saefar unb spompejus

¿unt 5lu86tuib.e fam, érfíárte ft<b Saíuftfué offen für Sáfár, hierauf sunt CUtájlót ¿mannt, erhielt er m'íéber Qlntbeil an ben őfferttlícben 5lngetegehbeíten unb feinen früheren S f | im Senate. Später berfth.affte ihm SäfarS Stnflufj bfe ißrätur.

®amal8 hätte SglufiiuS beinahe fein Seben bureb bfe hänbe einer meütrifhen Segton berlorén, bíe fiep irt Sampaitfett ihrer Sinfhiffung nach 5lfrifa miberfe|te2) mob'in fte Säfar gegen ätonig 3uba unb bie krümmer ber 5Pompejanff<ben 5ßar»

tei 51t fenben gebaute. 3 n biefern gelbpge mar SalufiittS im

1) XL, 62 unb 63. ·

2) Gafftu« &to XLII, 52. Slppian Sürgetfrieg n, 92:

(8)

8 © t n l í f t u n g .

©efolge beS ßaefatS, unb ¿eignete ftch but<b Segnahnte ber fefnbltchen ©etrefbesÜRagajine auf ber 3itfel ©ercina aus, wobutch bem btofjenben 5D?angel im Sager abgeholfen warb.1) íDfefcS linternehmen, mistig in feinen Solgen bot übrigens wenfget ©chwierigfeiten in ber SluSführmtg.

Dtadh áSeenbigung beS afrifanifäfen ÄriegeS erhielt ©a=

lufiiuS bie ©tatthalterfchaft über 3tumibien. "Diefe Seit ftheint er Wohl 6enü|t j u haben, nicht allein um SJiatetfalien j u t ®efchi<hte beS Sugutthinifchen JtriegeS ju fammeln, fon=

bent auch um feine SSettnögenSuntflänbe p oerbeffent. ©inige Sahre batauf fehrte er nach Síom p r ü c f , reich 5mar, aber be=

gleitet t o n bitteren 93 or würfen ber Qlftifaner über feine 9ßer=

maltung. SaffiuS ®fo2) berietet: '

. » S á f á r ben ©alufliuS jum (Statthalter gefegt, bem SÖorte nach, bie Regierung ju führen, ber ithat n a $ , 51t rauben unb ju blünbetn."

ffiegen (Sr^reffuitg angellagt, foll er mittelfi einer an ß a f a t bejahlten ©umrne feine greifprechung erwirft ha= . ben.3) 9ta<h be§ Sefcteren Sobe e n t p g ft<h ©alufttuS allen *

©taatSgefdhäften unb lebte fortan feiner SBfffenfchaft unb bem ©enuffe, p beffen 93efrtebtgung et bie SWittel in feinen gtefchthümem fanb. 5)ie nachmals in ber Äaiferjeit fo be»

tübntt geworbenen ©artenanlagen auf bem D u i r i n a l , nach feinem Stamen bie ©alufiifchen ©arten genannt, oerbanfen ihm ihren Urfotung. ©eíbfl ben f r o n e n Sanbftfc p S r i b u r (üiöoli) braute er aus ©äfatS 9ta<hiaife but<h Äauf an fleh4). 5)och langer ©enufj feiner ©üter war ihm n t ^ t Oer»

*) (§irtiué) ßommentarten rom Slfrif. Ärtege Ä. 8 unb 24.

z) XLIII, 9.

3) ©eclamation 5, 7.

*) ©eclamation St. 7.

(9)

9 ( E i n l e i t u n g .

gönnt. E r ftarb einunbfünfjig Sahre alt, bier Sahre bor ber Schladt bon Slctium. - .

3 n einet (pateren (ßeriobe feines SebenS folt SalufiiuS 'bie Serentia, Eicero'8 borntalige ©emahlin, geheiratet

haben. ¡Ob et mit bfefem SEßefbe glüdlicher gemefen, als ihr erfier SRann, ber ihr beit <S<hetbebrfef gegeben, mirb rttc^t be*

rittet, ©elbft ffttberloS nahm er an SohneS S t a t t ben Enfel feiner Schtoejler, ber na<hmal8 unter 5lugufiu8 ju

©unft unb Qlnfehen gelangt ift.1)

2ßa§ ben Eharafter be8 SalufiiuS al8 2Renft& betrifft, fo mar man bon feher ber SWeinung, baf er bon ben Saftern,

•bie er in feinen gefchicbtHc&en 5Berfen fo hart gerietet, n i e t frei getoefen fei. SRan hat ihm SSerfthtnenbung feiner bater»

lieen habe, ungezügelte Steigung jum anberen ©ef<hle<ht unb h a b f u e t 5um Sßorttmrfe gemalt. Erfi ju Qtnfange be8 bort»

gen SahrhunbertS berfuete Eorie tn ber SluSgabe be8 ©plu«

ftiuS feine Ehrenrettung. 3hm folgten Slnbere, benen e8 n i e t glaublie f f t^n, bah, 3Ber fo geff rieften habe, tofe Salufifug, fo gelebt haben fönne, toie bie ßeugniffe be8 QllterthumS über f i t lauten, ffifelanb2) befonberS hat f t f fehr viele 3Rühe gegeben, f n bon ber SSefcbulbigung grober QluSfftvetfung in ber Siebe freijufhrefen. 3hm ftnb atlerbingS manche Duellen, bie gegen Salufiiu8 jeugen, trübe. D a h i n gehört bezüglich ba8 SßaSquia be8 fPompefuS SenauS, eine« Sreige»

4) SacituS Slnnalen HI, 30. Sin ihn hat horatiu« bie Dbe II, 2 gerichtet.

2) 3« feiner Uebetfefcung ber horaj'f^en Sagten, I, 2, 40, too bon einem SBüjiling mit Stamen Salujltu« bie Stebe iji,

n

(10)

10 ( E i n l e i t u n g . lajfenen beS ©ompejuä,1) ferner bie öfter« angeführte Schmahrebe, bie bent Eicero folglich jugeffrieftett irfrb unb ben melfleit 5luSgaben be8 SalufliuS angehängt ifi; bejj- gleichen einzelne anbere Senterfungen über SalujtiuS fitt»

(íd)e8 Seben au8 bent SJiuttbe fpäterer riftfieller, bie 3ahr=

hunberte nach ihm, Z1,m Shell au8 ben eben gebachten unlau- teren Duellen g e k ö p f t haben mochten.

. ©tag man nun aber auch ade bfefe Seugnijfe ganz rer*

werfen, fo laffen ftch bof bie Cliafriften be8 ©arro im

©eQiu8 unb be8 EafftuS ®to nicht toohl öerbäfttg machen, unb SalujtiuS toirb bon bem ©ottourfe jugenblicher 5lu8=

f^loeífungen fo toeníg frefjufprechen fein, al8 oon bem ©er- lachte, feine Statthalterfchaft tn ©umibien zu feiner ©ereile*

rung benüfct zu haben. Sllfo urtheilt auch oon ihm Johannes

oon ©tüller:2) •

. »®(e herrfchenben aSoKüfle hatten ben SalufituS unter f r e m 3o<he. E r erlaubte fleh baS ©egenfeil ber bo'n ihm berebt empfohlenen Uneigennü|igfeit."

5118 ©efehidhtfehreiber bagegen" fleht SalufttuS auf einer höhe, bie ©iernanb oerfeitnen toirb, ber feinen SCBerth' z" be- urteilen oermag. ©ab e8 auch i m 5llterthum fchott JEunft»

richtet, bie f m bunfle Jtürze, Veraltete, vorgeblich bem alten Eato abgeborgte ©ebeformen, ©ríechifche ©acpítbungen, Ja foggr feine nioraliffen Einleitungen ju Eatilina unb 3u=

gurtha, alS t t f f t zur @ e f f i f t e gehörig, zum ©ortourfe

*) Eine (Stelle auS iiefem ©aáquite hat Suetoniué ,,©on be;

rühmten Sprachlehrern" Ä. 15 aufbewahrt, bie aber fo pöbel- haft ift, bajj fie nicht angeführt ju »erben oerbient.

©ietunbjtoanjig Sucher 5111g. Oefdj. ©b. I, 6 . 178. ©ergl.

auch 3· 3?. Soebell }ur"©eurtheilung be8 SátuftiuS. SteSlau

•1818. -

(11)

E i n l e i t u n g . 11 matten, fo jiitnmcn bo<h gerabe ©fefenfgen, auf beten Säbel

SBerth ju legen ifl, wie Seneca ber Dfebner unb Öuiinctiiia»

nuS, an anbeten Stellen mit anbeten ausgezeichneten ®e=

WahtSmcinnern ü6erein.

Unt üon ben Dielen Urtbeilen nur einige anjufüfjten, fo ftellt Seneca ber fftebnet ben SalufihtS in Qltfi^t auf bie ®e=

btungenlieit beS SttylS noch über ShuctybibeS.1)

ÖriinctilfanuS fefct ihn bent Sf)ucijbfbe§ jur Seite, ünb bemerit,

„DlichtS aSottfoinmeneveS gebe eS, als Salufitfche Aürje, aber nur für achtfanie unb gebitbete Öhren." 2)

«DtartialiS erflürt ihn für ben erfieit Stömifchen ©efchi^t»

fchreiber:

ßriftmS ©atuftiuä, fagen bie faebnerjlänbigen 9JIänner, Sleibt ber @r(te @ei^ifbt[§reiber bes einigen SRomS. ')

• Qludh SacituS nennt ihn

„beit Süuhmwürbigjien ißerfaffer ötömifcher ©ef^ichten.4) Stur SiöiuS, ber übrigens noch e'it Junget SKann. war, als SalujituS ftarb, foK ihn, ein ciferfüchtiger Stebenbühler, nid)t fo ganj günfiig beurtheilt haben.5) ©iefe betben ©e=

fchidhtfchteiber, gleich in hifiorifchet Aunfi, finb ftch auch wtrflich fehr unähnlich, betgletche man ihren S i n n unb Eharafter unb bie Slrt unb SEßeife, wie jeber feinen Stoff in ftch aufgenommen unb »erarbeitet hat. SBaltet im ÄiöuS ein

L) SontroB. IV, 24.

2) Slmoeifung p r Serebfamfeit X, I.

3) Sinngebichte XIV, 191 (SJtammler'fche lleberfefcung).

4) atnnateti III, 30. '

6) Seneca SontroB. IV, 24 unb 25.

(12)

12 ( E i n l e i t u n g . gemütlicher Qlrifiofratenftnn, ber an bet Stabilität als bem erhaltenben ¿Principe feftijält, fo jeigt fidj ©alufliuS ber ©ache beS ¿BolfeS ergeben, ein gefnb ber 2Rä<htigen unb ©ewalt»

habet, für 33otfStechte unb Freiheit begeifert SBenn StofuS Befdhetben unb liebenSwürbtg, mit jungfräulicher Jteufchhett nur leife auftritt; Wenn er anmuthig balb Wie ÜRilch unb Jponig bahin fließt, balb mit rebnerifcher ©leganj bie güile feineS Otei^thumS nicht p oerbergen Weiß, unb ber ©arftel»

lung juweilen felbft bie UBahrheit p m Opfer p bringen fcßeint; fo ifi ©aluftiuS großartiger burch feinen hohen ©rnfi, burch feine jüraft, burch fefn geuer, burch feine ©eftßwinbig»

feit, mit ber er ben Sefer oon hinnen reißt, unb burch unnach5

ahmliche ©ebrungenheit in 9Bort unb QluSbrucf, befonberS glücflfch in ber ©harafterjeichnung; ein treuer htftorifcher

¿Kater, bet oft mit (Einem fräftigen ¿Pinfelftriche anbeutet, Wop 5lnbere ofel gatbenfpiel oerfchwenbet hätten, ©cßrieb SiöiuS mit ber größten geichtigfeit, fo ifi im ©aluftiuS überall bie geile fichtbar, mit ber er feinen ©tpl bis p m Diagel glä©

tete.1) 3fi SioiuS burch eine gewiffe «reite auch für baS ge=

meine gaffungStermögen oerjiänbitch, fo nimmt ©alufliuS burch finnige JEütje bie angeftrengtejie Slufmerifamiett beS oerftänbigen SeferS in 2li*fpru<h. ¿ a r u m empfiehlt auch OufnctilianuS2) ben SioiuS beit Knaben p m Sefen, ben

©aluftiuS mehr bem reiferen URanneSalttr.

©elbft ber alterthümltche Jgauth, ber in ben @ei^icht§=

werten beS ©alußiuS Weht, ifi anjiehenb unb beurtunbet bie fiete (Richtung feines ©eijieS auf römtfche SSorjett.

S p r i n t ©aluftiuS oon feiner Seit unb p» feiner Seit, ') Stylus ad unguem eastigatus, wie «etiatca Bon ©aluftiuS

jagt. ··

2) Sin», jur «ereblf. II, 5.

(13)

© i n l e f t u n g . 13 mie er benn in feinen (Einleitungen p Satilfna unb 3u»

gurtpa oon beut Stanbpunite be8 aftoraltfien ausgebt, fo geflieht e8 mit ficptbarer Steigung für frühere beffere 9tßmer»

gett. ¿ m a r ftnbefi ®u in biefen moralifchen (Einleitungen nicht ben munben Scbmerj Ü6er bfe ©egenfoart unb bie bin=

gef^munbene Freiheit, ber im SacituS au8 ber Siefe beS @e»

mütbeS aufzeigt; nicpt bfe letfe SBebmutb beS StoiuS, ttvenn er gelegentlich auf ben SSerfaH ber Sitten p fpreehen iomrnt;

nicht bie innere harmonie .btefer SSeiben mit ft<|, bie, ein Sßrobuft ftttli^er Sßereblung, bem dichter tote bem hifiorifer bie SBeibe ber 23oHenbung e r t e i l t ; e8 ifi bie refteftirenbe S p r a y e eines jetrfffenen ©emütbeS, in bem ber S t u r m ber Setbenfhaften getbüthet bf lt; bie S p r a y e beS ftrengen Sitten»

ridhterS, ber, beS Sref6en8 in ber SEßett mübe, bei bergnüg»

lieber ©emaühltcbfett (Ruhe gefunben bat, unb nun ben S t a b über feine 3Jlftt»elt bricht, inbem er ihr pgleicb ben Spiegel befferer SSorgett borhalt unb ben S<bafc feiner SÖelterfabrung öffnet. O f t glaubt man, ber alte Sato fei feinem ©rabe ent»

fliegen, fein Senforamt p banbbaben. unb p ©erlebt p ft|en über feine Urenfel, fo ebel unb fräftig fjt bie S p r a y e , fo flrenge ber Säbel, fo altertbümlfch ba8 Solortt.

• ®ie SBerfe, toelebe ben Starnen beS SalufliuS unfterb«

lieh gentadht haben, finb: . 1) ®te aSerfchmörung beS (Eatilina. -

2) £>er .Krieg gegen Sugurtba. ' 3) günf SSüiber mörnifcher @efebbten,

bie ben furptt 3«ftraum pifeben bem Sugurtbinifchen .Kriege unb ber Satilinarifcben ißerfcpmörung fo jtemlteb ausgefüllt haben motten, unb oorjüglfeb ben SWitbribatifcben .Krieg, ben Qlufftanb beS SepibuS, ben Krieg mit SertortuS unb bie Stlaoenempörung unter SpartacuS Gilberten. Seiber

(14)

14 ( E i n l e i t u n g . finb1) Bon biefen fünf Suchern nur Sruhflücfe auf unS ge»

fommen, worunter einige öoßjlänbfge fReben unb Sriefe.

Enblich Werben

4) ju ben Saluftifheu «Serien gejahlt: bie Beiben

©enbfhreiBen (Bejfer, «Dtemoiren) an SutfuS Eafar über bie StaatSberwaltung. • Einige Aritifer Bezweifeln ihre Sieht»

Seit, anbete, namentlich de Brosses, halten fte für acht. 3e»

benfallS ift bie ßätfolge berfelBen in ben SluSgaBen beS ©a»

lufiiuS berrüeft, fnbem baS jWeite SenbfhwiBen, ber Seit n a h baS erfie, unb baS erfie bgS JWeite fein foßte. «Sieht ober unaht, WaS Wir bahittgefieflt fein laffen, finb fle höhfi intereffant unb tragen ©tt)l, Äunß unb (Sefft beS SalufüuS.

S e i ber Ueterfefjung ifi ber ©ert ber neuefieit fritifhen Qtu8ga6e '

') ®er franjôhfhe 5P«lamenth>râfli>ent ju ®ijon,Ch. de Brosses,

®raf »on ïoutnaî unb Sftontfalcon, béi getflreihe unb gelehrte Ueierfeèer ber ©alujtifhen SEBerfe, Bat ben intereffanten SBet»

fuh gemaht, bie fûnf SSûhet, Stômifher ©efhihten, berjn»

jîeUen, inbem et bie Stuhfiûde mit »ieler ïDlûIje fammelte unb nad} ber 3eiifol'.e orbnete, bie ?ucfen .feljbjt; abet tm ©alujlù fdjen ©eifîe auêjufûHen fuhie. Stabbem' et jïh me.hr alê btetfjtg Sahre mit ber llebctfejjutcg unb ©rgfinjung bed <5alu»

jiiuê BefhiSftigt ha'fe, erfhtenen ©effen fdmmtlihe ©efhihté»

toerfe unter bem ïitel: ' . ·

Histoire de la république Romaine, daps le cours du septième siècle ; Par .Saluste ; en partie traduite du latin sur l'original ; en partie rétablie et composée sur les fragmens qui son resté? de ses Livres perdus, remis en ordre dans leur .place véritable on le plus vraisemblable etc. Dijon, 1777. m . vol. 4.

©iefed iffierf fheint feinet ©eltenbeit nnb Aofibarfeit toegen meniger benûgt jn loerben, alé eê »erbiente.

(15)

E i n l e i t u n g . · 15 C. Crispi Salustii quae exstant. recogn. notisque crit. instr.

Franc. Doroth. Gerlach Basil., MDCCCXXIII 4.

Zu ©tunbe gelegt toorben.

©on f t f hat ber llebcrfefier.nur fo viel zu bewerfen, bafj er bie ©erbeutfthung ber ©aluftiffeu SBerfe nur auf Erfu<hen ber ©ebaftion unb ber ©uchhanblung übernommen hat, toefl er fich feibfi ben ©enif zu biefer Qlrbeit nicht z u g e g e n burfte.

iDiefeS Butrauen unb eine getutjfe ©orliebe für feinen © f r i f t - fieUer haben ihn oermocht, ben ©erfuch ju toagen. Ob unb in tote ioeit folf er gelungen, mögen SachOerftünbige beut»

theilen. Oer Ueberfefcer ift ft<h betoufjt, bei forgfalttger ©er»

gleichung unb ©enüfcung ber bereits oorhanbenen Ueberfe|un»

gen, reblich geftrebt zu haben, feinem unerreichbaren ©orbilbe nach Originalität, ¿traft unb Äurje, fo toeit eS ber ©entuS b e r D e u t z e n Sprache erlaubte, nape zu iommen.

S t u t t g a r t , im Sluguft 1828. '

31. © o e r i j .

(16)

(E a

t

i t i n a .

1. Stilen Wlenfdjen, bte ficß über bie übrige Stßiertoelt ju etlje:

ben gebenfen, gejiemt ju flrelen mit bßc&fter Jtraft, baß fte burch'S Seben nicht ftmtloS ßinbur^ gehen, toie baS 2? ¡eh, baS bte Statur jut (Erbe gebeugt unb bem fflaudje btenfibar gefdjaffen hat. Wun ruftet all' uitfer «etmögen in ©eele unb Seib. ©te ©eele tft baS (jett;

fißenbe, ber Seib mehr baS btenenbe Organ. ©aS ©tue iß unS mit ben Oettern, baS Snbere mit ben unvernünftigen Shieten gemein,

©arum feheinet mit naturgemäß er, mehr burch beS Oetfiefl -¡Wacht, als burch Äötpetvorjüge Stuhm ju fudjen, unb, toeil baS Sehen felbft, beffen totr genießen, furj ift, baS Oebäthtniß Unferer möglich fi bauetnb ju fliftin. ©enn Wußm beS WetehihumS unb ber Sffioljlgefialt verrinnt unb Vergeht, ©ugenb erfcheint in unvergänglicher Seuchte. Sange aber mar unter ben Sterblichen großer ©treif, ob burch SetbeSftärfe mehr, ober burch ©etfieSlraft baS ÄriegStoefen gefüttert toerbe. ©enn vor Stllem, toaS ©u beglnneft, ift «ath, nach bem Werth rafche ©h<rt

»on Wethen. Stlfo 3ebeS für ftch unjulängtich, bebatf (StneS ber hilfe beS Sintern.

2. Wun übten tm Sinfang bie Jtöntge (benn bieS mar aller:

WdrtS ber §errfcher erjter Warne) verfchiebentlich, ein £1)"' ben

(17)

ßatitina. 17

©eift, anbete ben Körbet. Stoib »erlebten bamaiS bte SRetifcSjen

»Bne @el6ftfu<Bt tijse Sage; SegUdjem gefiel genügltd; baS ©eine.

StadjmalS aBet, als in Slfien SpruS, in ©ttedjenlanb bie Cacebfis moniet «nb SitBener anfingen, ©töbte unb Stationen jtt unterfotBen, hettfdjftuBt für einen ©runb jum Kriege galt, unb bet größte Stußm in baS größte herrfdjergebtet gefegt würbe, ba erft warb tn ©efaBt unb ©efdBdftSnotB bte ®rfaBtung gewonnen, baß tm Kriege am meiften ber ®efji »ermöge. SBürbe nun bie geifltge Kraft bet Könige unb SKacBtBaBer tm grieben fo geitenb gemadjt wie im Kriege, bann Bätte ber puftanb ber 2BeIt meBr ©ieidjgeWttBt unb ©tetigfeit, unb r SDefnen ©liefen würben ft<B ni^t üffentBaiBen Umwdljung, 2Be<Bfet unb Sertüttung barBieten. ©emt bie ^errfcBaft wtrb letdjt buröß btefelben äSttttel BeBaubtet, WoburcB fte im Slnfang erworben Werben fft. SBo aber jjatt SBötigfeit — ©rfdßlaffung, (iatt ©eiBpeBetr«

fcBung unb SRäßtgung — Suftfuctjt unb HeBerntutB etngertffen (tnb, ba wanbelt (idj baS ©Iütf jugteicB mit ben ©itten. ©o ge^t bte herrfiBaft »on bem Sfttnberwürbigen ftefS auf ben SBürbtgjien über.

SBaS ber SStenfdj fcBafft, er mag bpgeu, fdjtffen, Bauen, SlHeS tfi »on fetner ©eifieStBütigfett «BBängtg. S3tele ©tetblicße aber, BtngegeBen bem fflaucB unb bem ©djlafe, ftnb fenntntßieer unb unge»

Bilbet, gleteB tpiigrtmen, burcB'S SeBen gewalit. ®tef«n war — jtcBeriidj ber Statur juwtber — ber Körber jut ©tmtenlufVbte Seele jur Sürbe. ©otdjer Seute ©ein ober Sttdjtfetn a<Bte tdj etn'S fo gfettBgülttg Wie baS anbere, btewetl »on feittem ©twäßmtng gefcButjt.

SffiäBritcB, ©er nur fdßeinf mir ju Ie6en unb fetneS ©afetnS ftoB ju Werben, ber auf ©ine« ®egenfianb Btnatbetfenb, nadj bem ShiBm einer IreffitiBen Sßat ober gemetnnüfctger Kenntniffe fireBt.

3. SIBer Bei ber ©tnge großer ®lanntgfalttgfett jetgt bie Statur bent ©tuen btefe, bem Stibern »tue anbete SaufBaBn.

©aluftiu«. 1. SBtxbn. 4. Stuft. 2

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18 SalujtiuS 2Betfe.

Schön ¡P'g bem Staate gut ju feierten; auch ein guter ©ortrag ijt fo uneben nicht. 3nt gttefeen fowohl al§ im Kriege läjjt fidj Berühmtheit erwerben, unb ©iete »erben gepttefen, eS fei, bah fte Shaten gethnn, ober anbetet ©baten befdjtieben. SBitb nun auch bem (Sefchi^tfchreiber nicht gleicher SRuhm ju Shetl, wie bem Reiben fetner Oefdfjidjfe; fo iji bocft, bäucfjt mir, ganj Befonberä fcbwietig,

©efdjicbte ju fdhret'hen, einmal, »eil ba8 SDort bet ©bat entforechen mu§; jum anbetn, »etl bie SBelt, rügjl ffitt ttgenb einen gehler, bie Sprache bet geinbfchaft unb SWiggunji ju hören gtauht; wäfjtenb Sebermann, fcbilbetjl ©u ftofte« ©etbienjl unb ben SRuftnii ebter SJiännet, mit Sauigfeit aufnimmt, »aS er felhfi leicbfltcb nachthun ju fönnen »ermeint; »ab batüher geht, hättet, als erbichtet, für Unwahrheit.

2BaS nun mid) feihft Betrifft, fo trat ich, wie bie Slteiften, tu jungen 3ahten Von ben 2Biffenfdjaften ju ben SfaaiSgefcbdffen über, abet ba t'jl ©teleg mit wibetwätiig gewefen. ©emt ftott ©efüftlS für Sitte', fiatt Uneigennitfetgfeit, (latt Serbienjteö, waren grecbbeit,

©eftechung, habfucht int Schwange. 3n>ar »erabfdjeuete ©er- gleichen mein arglofeö § e r j , feof Warb tn fo laftervoUer Umgehung meine unerfahrene S.ugcnb von ber Sucht nach Ehrenämtern »er- berBltch gefefelt, unb mich, bet in bie Sttfenlofegtett ber Uebrtgen nidit einjlimmte, quälte gleichwohl Sljrbegierbe, unb, wie bie anbeten, gleiche Stadjrebe unb ÜRtggunfl.

4. ajfe nun nach »ielen ©raugfafen unb ©efahren mein ®e- müth Jitr Stühe gelangt war unb mein Entfdjtuji feft jtanb, meinet Sage Stejl fern »on ©taaiögefchäften ju «»erleben, war eS meine abiidht nicht, in ©ebanfenloftgfeit unb Sltebföfbun bie fehöne Stufte ju »etiänbeln, noch mit Sanbbatt ober 3agb, in !ne<htifchem ©reiben befangen, meine Seit hinjubringen, fonbetn jnrüctgefommen ju

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©atilíncr. 19 früheren «Janen unb (Stubien, eon benen letbige Sßrfucßt mich abge:

hatten hatte, befcßloß ich, bie ©efcßicbten beS Stömifeßen SolfeS ßüefmeife, nie mir StwaS ber Ueberlteferung würbig erfchien, ju befeßteiben, jumat, als mir bie Seele »on Hoffnung, gurcßt unb hertfcßenbetn «arteigeiße frei mar.

. So leili ich benn eon ber ©erfdjtoörung beS Sattlina, fo wahr:

haftig ich lann, mit SBenigem berichten; benn biefeS Unternehmen achte ich für btfonberS btnfwütbig, ob; «eußeit beS grebelS unb ber

®»faßt. ·

. «on jenes ¿Dlenfcßen Sharafter iß jueötbetß eine fntje Sdjii;

betung nötßig, etje ich bie Srjifjíimg fetbß beginne.

5. SuciuS Satilina, entfproffen auS ebleni ©efcßlecßte'), war eott .Kraft an ®eiß nnb an .Körper, aber böfen unb eerfehrten J&et;

jenS.( 3hm Waren fcßon eon fräßen Saßren an innerliche .Kriege, SJtorb, Staub unb ©ürgerjtotetracßt wittfommen, nnb barin übte et fein 3ugenbatter. Sein .Körper ertrug junger, .Kälte, SBaößen, meßt benn glaublicß tß. Sin füßner ®etß, eerfcßtagen, toanbelbar,

¿Weißer in atten Künßen ber ¿heuchelet unb ©erßellung, nacß frembem ' ®ute lüßern, beS Seinigen «ergeuber, glüßenb in ben Seibenfcßaften,·

befaß et Sungenfertigfeit genug, Klugheit Wenig. Sern abenteuer:

ließet Sinn begehrte ßetS baS Ungemeffene, Unerhörte, Unerreichbare.

3ßn ßatte nach SuciuS SuUa'S 3nungßerrfchaft bie ßöcßße Suß befallen, |teß beS SiaatSrnberS ju bemeißern; bie ¿¡Sittel baju, wo:

fern ße ißn nur jur «tteinßerrfchaft führten, machten ißm wenig Slnfedjtung. ©ebrängt Warb täglich mtßr unb meßr baö unbänbige

©ernütß bureß ¿Wangel im hauötoeftn unb bnreß baS ¿Bewußtfein feiner greeel; benn baS eine wie baS anbete hatte er bureß jene Umtriebe

*) SluS ber gamtlie ber Sergiet.

2*

(20)

20 ©alufHug «Kerfe.

gemehrt, beren i<B cBen gebähte. 3ubem fanb et ©rmutBtgung tn bet ©iiienloftgfeit feinet 3«it, bie »on ben »etberBlihflen nnb ffh toiberfbtehenben liebeln, »on ©htoelgetei unb fjaBfudjt, Beiingefuht ttat. hier, too bie ©elegenBeit an ben flttlicfyen 3uftanb bed (Siaatg erinnerte, fcBeint ber 3ufammenBang ju gemaBnen, einen OtücibltcE in bie SSorjeit ju tBun unb mit SBenigem bie ©afcungen ber SHt»

»erbeten im 3nnern unb Beim Atiegdtoefen aBjuBanbein, t»ie fte ben Staat »ermatteten, tote mächtig |ie ihn hinterließen, unb tote folher attmdiig umgefkitet aud bem bcllfommenßen in ben fhlehteffen unb Ia)ier»oII)ien gemanbelt toorben

6. Sie Stabt SRom BaBen, toie i«B Berietet 6tn, juerft Srojaner erbaut unb Befeffen, bie unter Süenead güBrung lanbffühtig unb unffäf umBer fhtodrmten, unb mit iBnen bie Sboriginer '), ein bäurifh-

»Ber SWenfhenfhlog, ohne ©efejje, ohne SRegientngäform, frei unb ungeBunben. SBte leiht aBer SSeibe, fobalb nur einetlei SWanet fie ttmfhlof, Bei ungleihet Slbftammung, Bei »erfhtebenet ©Brahe unb unäBnliher SeBendart, in ©in SßoIE »etfhmoljen, ift eine in ber ®e»

fhthle faum glaubliche ©rfheinung. Biber nahbem ihr ®emein«

toefen bnrh®urgetjaBI, Sitten unb SünbergeBiet gemebrt, fattfamed

©ebei'Ben unb fattfame «Bläht »erstach, toarb nah ber Singe gemei»

nem Sauf burh ben SffioBIßanb ©iferfuht ertoeeft. Sähet »etfuhen BenahBarte Äönige unb 18älter bie geBbe. UBenige »on ben greunben heben jut hüfe; benn bie übrigen, »on gurht ergriffen, entäußerten ffh ber ©efabt. Sie SRömer inbeffen, im 3nnern gleich rührig toie im Ariegdtoefen, eilen, rüffen, ermuntern ©iner ben Slnbeen, geben

»ortodrtd gegen ben geinb, fhtrmen, mit bem ©htoert in bet hanb, gretbeii, ffiaterlanb unb gamilt'e. Sann, afd burh Sabferfeit ffe

*) Ureinwohner.

(21)

Gatílína. 21 bit ©efabr abgefdjlagen Balte«, brauten fie §tífeben ©unbeégenoffen unb greunben unb ertoarben (TcB freunbfcbaftttdje Serbinbungen, tttefjr burcB geletfiefc alé burcß empfangene Oienfte. S)ie SJtegierungáform toar gefejjmäftg, ber Stame ber ©taatégetoalt KontgíBum. ©rtoáBIte SMánner, beren Köper burcB Sabré fcBtoacß, ber ©eiji burdj 2Beié»

Bett gewaltig toar, BettelBett baé ©taatétoobt. ©te toutbett Sßäiet genannt, ob ¡Breé alteré ober ob tbrer »ateröB«l«(Ben ©orge. Stadl«

maté, alé bte fónigltcBe SJlacbt, toeícBe anfänglich gum ©dlufje ber greibett unb gum gwmmen beé ©emeintoefené Bejtanben, tn hoffaBrt unb SBiütürBerrftBaft ftcB »erlebt te, erBíelt bte Serfajfmtg eine neue

©efialt; fie .fdjufen, (id) iáfjrltcb toedjfeínbe ©etoalten unb jebeémat gtoet SBatBiBaBer.

Sei btefet ©inrtíBtung, glaubten fie, Fönne baé mettftBítdje her}

aut toentgjien burdj UngeBunbenBeil }um íKifibraud)e ber ©etoalt serteitet toetbeu.

7. 3u felbiger 3ett nun begann Seber etn BoBeteé ©treben }u entfalten unb feitt Saíent mebr gelfenb }u matBen. ©enn Könige ftnb Weit mtjjtrauifcber gegen gute Sürget alé gegen ,fd>led|te, unb immer ifi ftembeé Setbienfi iBnen futdjtbar. Sttbeffen Hingt eé taurn glaublich, }u toeitBer höbe ber ©taat nacb errungener greiBeit tu Kurjem emportoud|é; fo febr toaren alte hergen »on Siebe }um SRuBme Befeelt. 3efct lernte bte Sugenb, fobalb fie nur }um Kampfe erfiarlt toar, tn ben gelblagern, unter ©trapa}en, praFitfcb baé KttegéBanbtoerf, unb Batte ibre Suft mebt an blanfemSöaffenfcbmud unb ©trettroffen, alé an SuBlbttnen unb ©aftgelagen.

Scannern aué btefer @<Buíe toar Fetne arbeit ungetoobnt. Fein Ort untoegfam unb uttüBerftetglicp, Fern betoaffneter getnb furchtbar;

helbenfinn Balte aHeé gu übertotnben gemußt. Unter tbnen felbft aber toat ber größte fffiettfheit um beé SRubmé toiHen. Seber Wellie

(22)

22 SalufKttS S e r i e .

bet Erfle ben geinb treffen, Stauern erflimmen, bie SMicíe cmf fich jieljen bei felehet ©roßthat. ©teß galt in bet öffentlichen Steinung für Steichtfjum, fút guten Steif unb hohe» Slbel. ©eijenb nadj 2ob, waten fie tnit bem ©elbe freigebig; ungemeffenen Stuhm tofinfcljten

fie, Sieichthümet in Ehren erworben. 1

Etjáhlen fönnte ich, an welchen Orten ba« Stömetbolf mit geringet Sfreitfraft bie größten feinbltchen §eetljaufen fcfjlug. Welche

»on bet Statut befejtigte Stäbtee« im Sturme gewann; allein ©iefe«

würbe un« allzuweit »on bem ©egenfianbe ahlenfen.

8. ©o« fürwahr über allem waltet be« ©lüde« Stacht unb ftellt nach Saune mehr al« bet SBahrheit gemäß, bie ¡¡Begebenheiten in'« Sicht ober in Scholien.

©te ©efdjicbte bet atljenet ifl meine« Erachten« jwar reich an großartigen unb herrlichen ©haten, bodj flehen fie ber Sßitflidjfeit nach jiemlich unter ihrem Stufe. SBeil aber bort Sdjrtftfleliet »on großem ©eiß aufgetreten ftnb, Werben bie ©baten ber Etherier ben ganjen Erbftei« hinburch al« bte größten gepriefen. Sllfo Würbigt 'man ba« Sßerbienfi ber cfjanbelnben gerabe fo ftoch, al« treffliche N

Jtöpfe e« mit SBorten ju »erherrlichen »ermoChten.

©em Stömeroolfe aber warb folche ©unft nie ju ©heil, benn ber EinftChtéöolifie war immer gugleich ber@efd)äfi«thätigfie; deiner fuchte ben ©eift ohne ben Äörpet ju bilben, ber befie ¡¡Bürget wollte lieber hanbeln al« reben, lieber eigene« SBerbteufl loben (äffen, al«

ftentbe« erjählen.

9. Sllfo hielt man baheim unb im gelbe auf SMeinfteit ber Sitten. Sie größte Eintracht hewfdjte, bie niinbejie $abfudjt.

Steößt unb ©eredjtigfeit würben nicht foWohl burch ©efepe gehanbhaht, al« burCh natürlichen Stedjtéfinn. ¿aber, 3wift, Streit unterhiel- ten fie mit bem geinbe, ¡¡Bürger mit Sürgern Wetteiferten in ber

(23)

©aiftfnct. 23

¿Bürgertugenb. «radjtliebenb im ©tenße ber ©öttet, waren ße fpatfam im hauSWefen. Surch jWei ¿Wittel wahrten ße baS eigene unb baS öffentliche Sntereffe: burdj Snffchloffenheit im Krieg unb bttrcß ¿Wäßigung, wenn ber griebe erfolgt war. ©er fpredßenbfie

¿Beweis bafüt, iß meines StacßtenS ber, baß weit öfter ©trafen gegen foldje »erhängt Würben, bie, bem ©ienßbefehle juwiber ßcß mit bem geinbe eingelaffen ober auf baS Setchen jum Wücfjug ju lang auf bem Kampfplafce »erweilt hatten, als gegen Solche, bie eS wagten, ihrer gaßne untren ju Werben, ober ßcß »on ihrem «offen

»ertreihen ju laffen; im grieben aber, baß ße burch ¿Wilbe meßt als burch Schreiten regierten, unb erlittenes Unrecht lieber »erjetßeh als aßnben mocßten. -

10. Sllö aber bütcß Slnßrengung unb ©eredjtigfeit ber Staat emporgefommeit, mächtige Könige int Kriege bejwungen, wilbe Wa«

tionen imb jaßlretcße ¿Bölferfcßaften mit ®eWalt unterjocht Waten, Sarthagö, bie «ebenbußfertn ber Wömifchen herrfdjaft, jernichtet im

©taube lag , alte Wime unb Sänber offen ßanben: ba begann baS

•®lücf ju wütßeit, unb SllliS ju »erwtrren. ©enfelben SWännern, benen eö ein SetcßteS gewefen, ¿Wüßfelt'gfeiten, ©efaßren, «erlegen:

ßeiten unb ¿Wtßgefchtcf jtt ertragen, Waten ntin ¿Süße unb «eithtßum

— Slnberen fo WünfcßenSwerthe ®üter — jur Duelle ber Unju:

ftiebenßeit unb beö «erberbenS geworben. Suerß nun wuchs bie

¿Begterbe nach ®elb, fofort bie nacß herrfchaft. ©artn lag gteicßfam ber Utßöff aller Uebel. ©enn habfucßt »etbtängfe ©reue unb ®lau:

ben, «teberfeit unb jebeS eblere Streben; an beren Statt lehrte ße Uebermuth, ©raufamfeit, leßrfe bie ©öfter »ernacßläfßgen, SllleS feil haben. Sßrfurcht ßatoicle Sterbliche fcßon falfcß ju werben »erteitet ; ein SlnbeteS »erfcßloffen im ¿Bufen, ein SlnbereS bereit auf ber Bunge ju ßahen; greunbfcßafteit uttb gelnbfcßaften nicht nach innerem

(24)

24 ©aluftíud ¿Kerfe.

SBertBe, fonbetn nah bem ¿Bortbeiíe ju fhü&en, unb meBr bie SBliene bed ehrlichen ¿Bianned fidj anjueignen, ald bie ©eßnnung. 3war muh« Solche« in bet @tß nur allmälig, unb fanb mitunter nodj SIBnbung. J&ernah aber, ald bie Seudje, ber ¿ßeßilenj gleich» «m

ficB gegriffen hatte, ba manbelte fi<B ber Staat ganj unb gar, unb bie

¿Regierung, bie gerechtere juoor unb bie Bejie, warb graufam uub unerträglich.

11. S o h Slnfang« Berichte meBr noch ol« $abfuht ber ©Bt»

geij bie ®emütf)er ber ¿Btenfhen, ein gebier, ber mit ber Sugenb bocb noch in einiger ¿Berwanbtfhaft fianb. - Senn ¿Ruhm, ©Bre, ¿Bläht

»ünfht ßh ber ¿8ta»e gleich eifrig wie ber 5Riht«»ürbige, nur baß jener auf geraber ¿Bahn fein 3iel »erfolgt, biefer, »eil er aller guten

©igenfhaften ermangelt, burdj 2rug unb Schleichwege »orwärfd ßrebt. Ser ^abfucht brachten gebt nach ®elb, ba« tein Sffietfer je fleh erfebnt Bot· @ie entnerst, ald Wäre ße fhleihenben ©ifted

»oll, Aűther unb 5Btanne«ßnn; obne ©ränjen ßet« unb unerfättlich bleibt ße im UeBerßuffe fo unbefriebigt, wie beim ¿Biangel. Slld aber Suciud Sulla bureb SBaffengewalt wieber ¿Bleißer bed Staaled ge»

warben, unb nach gutem ¿Beginnen fehlest geenbet hotte, Wuroe ¿Raub unb ¿Blünberung allgemein. S a gelüßete ed ben ©inen nah einem Sßalaße, ben Slnbeten nah einem Sanbgute. Sie Sieger fannien Weber ¿Blaß noch Biel unb erlaubten ßh gegen ihre ¿Btitbürger (hmät)Iiche unb graufame ¿Bebräctungen.

hierju iam, baß Suciu« Sulla bad heer, bad er in Säßen ange»

führt, um ßh beffen Sreue ju »erßhern, ber 3ndjt ber ¿Bätet juwiber, fhwelgerifh unb alljufreigebig geBatten hotte. Sie anmuibigen

©egenben, reih on ¿ffiollußgenüfien, Botten Bei müßigem heben bie rauben Äriegerfeelen leiht »erweihliht. ®u juerß gewöhnte ßh ber ¿Römifhe Solbat an'd ¿Buhlen unb Sehen, lernte ©efhmacf

(25)

Gatflfna. 25 gewinnen an Silbfäulen, ©djtlberetett unb ©djntgtteri, foldjetlei an

{ßtt»at« unb öffentlichen Orten rauben, ©öttertempet plünbern, alle«

heilige unb Unljeilige ftränten. ©o gefepab eö, baß biefe ©olbaten«

baufen, nach erfämpftem ©fege, bem Seftegten Siebte übrig ließen.

gübrt boep baö OtücF oft Weife Scanner in ßarfe Serfucpung;

wie war »on fo »erbotbenen 5Senfdjen {Mäßigung int Siege gu gewarten?

12. Saepbem eö baptn geiommen, baß Seieptbum eine @bte war, unb Stußm, 5Saebt, ©tnfluß in feinem ©efolge Patte, ba begann ber @inn für ©ugenb ftumpf gu Werben; Slrmutb galt für ©djmad;;

ttnbefepolfenbeti warb für Böfen Süllen geartet, ©urd) ben SRetep»

tbnrn nun bracßen unter bie 3«genb ©epwelgetei unb habfuept gu«

fammt bem hoepmutp berein; man raubte, praßte, »erfdjleuberte baö

©eine, gierte nadj frembetn ®ute; ©djant, Sucht, göttlidjeö unb menfepltcpeö Stecht burdjeinanbet; übet SlUeö fegte man ftd) ptntoeg, tüefftepteloö unb ohne ©limpf.

haß S n bie Saläfie nnb Sanbpäufer gefepen, bte tote ©täbte erbaut jinb, fo lohnt fiep auCb ber Stühe, bte Sempel gu flauen, Welche unfere Slltootbern, bte etfttgßen Setepier ber {Religion, ben

©öttem errietet beten. SHopt fcbmücften btefe bte ©ötterpallen mit frommer SPtbacpt, bte SBopnungen mit tprem {Ruhme, unb ent«

riffen ben Seftegten Siebte, ate baö Sermögen Unrecht gu tbun.

3ene bagegen, bte fetgßen SWenfcpeti, raubten anf bte ruc&iofefte Sffietfe ben Sunbeögenoffen 9lKe«, toete ihnen bie tapferßen {Sännet ate

©teger gelajfen hatten, ate ob tm Unreepitbun erfi ber hetrfdpaft

©enuß beßänbe. /

13. Oenn toogu foH ich ©tnge ergäblen, bte bodj Stemanb glauben wirb, Wer fie nicht felbß gefepen pat, baß »on mehreren

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26 - ScilufHug S e r i e .

Priuaiperfonen ©erge umgeflürjt, Sleere geffaffen') würben, ©iefe haben, bünEt mir, mit ihrem ©elbe ein freche« Spiel getrieben, (inte- rnal fte in fepinblichem Slißbraucpe burchjagten, Wa« (te in ShrbarEeit genießen burften. aber ber §ang jur Unjucht, Schlemmerei unb ju alten arten be« Suru« War nicht minber ftertfcpenb geworben.

Slänner gaben ßdj a(« SBeiber pret«; SBeiber trugen bie Scham ju Siarlte; bcr greßtuß wegen butchfpähte man alierwärt« Sänber unb Seen; man fcpltef, ehe bie Statur ben Schlaf forberte; nicht junget ober ©urft, Weber Äälte noch SiübtgEeit warteten fte ab, fonbern atie«

©iefe« erregten fte »orwegburcp ¿tüiifie bei Ueppigleit. ®a« ent- jünbete bie 3ugenb, Wenn ba« eigene Erb aufgezehrt war, ju fchtechten Streichen, ©er Sinn, einmal ein böfe ©ewohnheiten »erfunfen, lonnte ftch bie ©enüjfe nicht leicht mehr »etfagen, um fo unmäßiger War er auf (ebe art be« Etwerb« unb be« aufmanbe« gerichtet.

14. 3n einer Stabt »on folget ©rßße unb ©erborbenheit hattex

Eatiiina mit leichter Stühe bie Sthaaren alier Saßet unb Stiffetlja- ten, gleichwie eine Seibwadje, um feine perfon »erfammelt. ©enn jegliCßer fcbamlofe ©uhe, Ehebrecher, SBüßling, ber fein väterlich Erbgut mit Spielen, Schlemmen, ¿puren »erpraßt, 3eber ber fiep tief in Schutben geßürjt hatte, um ein ©erbrechen ober eine Stiffe- tftai ahjuEaufen; überbie« »on allen Seifen her alte Patermorber,

©empelfchänbet, alle, bie »or ©eritht fdjon überführt Waren, ober ihrer Unthaten Wegen »or bem Stithterßuljle Bangten; ju bem, SB et mit gauß unb ¿junge, burCß Stetneib ober ©ürgerb tut feinen Unierhalt

*) E« iß betannt, baß mehrere Stömißhe Privatleute ungeheure gifdjteicpe unb ©afßn«, wahre fünßliche Sleere anlegten, ©on Suculiu« namentlich erjahlt ©elleju« ©atercullu« I I , 35, baß et ©erge umgegraben, unb ba« Sieer in'« Sanb hineingetrieben unb jufammengebämmt habe.

(27)

(Satttina. 27 gewann, — mit (Einem SBorte, Stile, bie burch greoelthaten, ©iirf:

tigieit «nb ©cßulbßeWußtfein angßsoll umßet getrieben Würben, alte

©iefe Waren ©atttina'S näcßfte unb »ertrauteße greunbe.

5£Bar auch einmal ein ©djulblofer in feine greunbfchaft gerafßen, fo Würbe er burcß täglichen Umgang unb locfenbe ¿Berfüßtung ben Sinbern fialb gleich unb ähnlich.

«orjüglidß aber ßußlte er um vertrauliche ¿Betßinbungen mit jungen Beuten, ©iefe, empfänglich fűt jeben (Sinbtucf unb butch ißr Stlter »on Wanbelßaret ©eßnnung, würben nnfchWer bie ¿Beute feiner Wänfe. ©enn fo wie nach ¿Betf)ältnifj be« ¿Utters in 3ebem eine Seibenfehaft auftoberte, »erfdjaffte er bem (Einen huren, taufte Sínbe:

reu hunbe unb «ferbe, ohne je Keßen ober feiner eigenen (Efjre ju fcfjonen, wofern er ße nur in fein Sntereffe jieljen, unb ßdj ißret

©reue »erßcßern tonnte. ¿Plan hat jwar, Wie mir nicht unbelannt iß, »etmuthet, baß bie jungen Beute, welche (Sattlina'« hau« iefuch«

ten, ßdj bafelßß jut ¿ffiolfuß hergegeben ßaben; allein btefe ©age grünbet ßcß meßt foWoßl auf juberläfßgc Wachrichten, als auf anbete Umßänbe.

15. SU« Süngling feßon ßatte (Satilina fetner »erWorfenen Suß manche« Opfer geiraeßt, bie ©achter eine« ebeln häufe«, bann eine

«tteßerin ber ¿Beßal) unb noch meßrere bergleicßen, göttlichen unb menfehtießen Orbnuftgen juwiber.

Suleßt feffelte ifjn bte Seibenfcßaft an Slurelta DreßiKa, an ber — ißre Steige auegenommen — fein ehrbarer ¿Wann je Soßen«:

Wertße« fanb. ©a ße au« ©eßeu bot einem erwaeßfenen ©tieffoßn

*) ©iefe «rießertn ber ¿Beßa War eine ©djtoeßer jener ©eretitia, Welche anfänglich (Sicero'« unb fpäter unfer« ©efößichtfößreißer«

©attin War.

(28)

2 8 ©alufUug ffittfe.

Stnftanb nahm, ihm ihre ifjanb ju reihen, foß er. Wie man juoetläfßg glaubt, für bie »etbreherifhi £ohjeit burh ben SWorb feine« SoB*

ne« ßMajj im £aufe gemäht Bot"11-1)

Stefe ¿Begebenheit »omämlih fheint bie ¿Befhleuntgung feiner frevelhaften Unternehmung herbeigeführt ju haben.

Senn fein unreiner ®eift, entjtofit mit ©öttern unb SRenfhen, fanb feine ¿Ruhe mehr, Weber im «ffiahen noh im Schlafe, fo febr tobte ba« ¿Bewußtfein bet S<5)ulb in feinem empörten ®emütbe. Sa»

5er teihenBIaß feine ®eft<htöfarBe; bet ©Ith gtinfenb; ber ®ang Balb Baßig, halb fhlepenb; ßumme ¿BerjWeiflung ßanb anf ®eßht unb üRienen gefhrieben.

16. Sie jungen heute inbeffen, Wethe er, wie oben erwähnt Werben, an ßh getoeft hatte, unterwie« er auf mancherlei SOBeife in fhlehten Streihen. Sin« ihrer SR Ute lieferte et falfhe ®eriht«*

unb Seßamentijeugen, lehrte fte Sren unb ©tauben, ®lücf«güter unb

©efabren für «Riebt« ahten. hatte er nur erß ¡Bren guten «Ramen unb ihr ßttlihe« ©efübl »ernihtet, fo trat er in ber golge mit fhwie»

tigeren Slüfträgen hervor, ja, wenn auh ber SIugenBltcf ju SBerBredjen feinen Stnlaß Bot, fo ließ er gletdjWoBl heute, bie ¿Riebt« gegen ihn verfhulbet Batten, al« Wären fte feine geinbe, umgarnen, erbolhen;

nur bamit hanb unb §etj nicht in SBatenloßgfelt erfhtaffen, War er, auh ohne herfönlichen ¿BortBeil, Bo«Baft unb graufam.

9luf folhe greunbe unb ©enoffen vertrauenb, jugleih mit Stüh»

fid)t auf bie ungeheure Shulbenmaffe, bie aßerWärt« taßete, unb Weil bie meißen au« ©ufla'« heer, nadjbem ße mit. bem 3B«8en

') SBie bie etße ©emabltn (Sattlina'« geheißen, iß ntht Befannt.

9luh biefe foß er bet Dreßißa wegen au« bem 2Bege getäumt BaBen. (Sicero in ben (Satil. ¿Reben, I, 6. •

(29)

i

Gaftffata. 29 fdjtedjt panégepalten, itt bet MütFertnnetung an bte Seute unb bért

frűperen ©teg, SúrgetFrieg petBettoűnfdptett, fafjte ©atilina ben

©ntfíptug, fid) gum herrn beá ©taaté aufgutoerfen. 3n Stalfen nttgenbS etn heer j Stteué Sompeju« füprte Krteg in ben fetnfien Sanben; *) et felbfi patté »tele hoffnung Bet fetner SJetoerBung unt'S Eonfulat; bet ©enat »ötlig forglo«; űberaH ©icperpett unb Stupe.

5l6er biefe Umftánbe getabe toaten fúr ©atilina fept gúnftig.

17. Ungefdpr atfc gu Slnfange be« 3untu8, in bem 3aprc,2) ba SuctuS ©áfar3) unb Gaju« giguíué 4) ©onfuln toaten, Befpritpt et ft<p gnetfi mit ©tngelnen, muntert ©tntge auf, fucpt SInbete auégupolen, fdjilbert ipnen feine Stiftéi, be« ©taateS un»orBe<

reitete Page unb bie grogén SBortpeile ber Serftptoörung. Satp«

bem er nun, toa« er toollte, genugfatn erfunbet patté, ruft.er atte ©iejenigen gufatnmen, Bet benen bte grögte Sebrángnt'g unb ber meijte Unternepmungégeijt toar. ©a erftpienen auő ber Klaffe ber ©enatoren: $uBltué fientulué ©ura, e) SuBliué Stutro«

2) 3n Sontué unb Slrmenien gegen Slitprtbate«.

2) Sapt 689 b. @t. unb 64 ». ©pr. @eB. Sátron. Seiíretpnung.

3) ©efdjtotflerftnb »on Sulin« ©áfát unb Sruber ber 3ntia, bte frűper an ben Berüpmten SJtebner Starcué Stntoniu« »erpet«

ratpet, gur Beit ber ©atil. Serfcptoőrung aBer bte ©emapltn be« SentuluS ©ura toar.

4) ©ajué Starctu« gtgulu« an« SleBejtftpem ©efcptecpt.

6) 3lu« bem ©efipteipte bet ©ornelter. ©ein Sater toar princeps Senatus getoefen, er fetBft patté tm 3apr 682 bte Gonfulat««

toürbe Begteiiet, tourbe aBer Batb ttatpper »on ben ©enforen aué bem ©enate geftopen. 3nt Beit ber Scrftptoötung wat er totebet Srötor. ©ura (bte Stabe) pteg er, toetl er alá Ouáftor Feine Medjnung aBlegen Fonnte unb őffentlitp feine SJabe bafúr pingiiretdjen fitp erBot, toie Kinber pgegten, bie eine 3ü(ptigung

»erbient pattén.

(30)

30 SatujHuS Serie.

niu«,1) SuriuS Eafßu« Songinu«,2) Eaju« Eetljegu«,3) Pub- liu« unb Ser»iu« Suíía, Sößne be« Seroiu« ,4) Suciu« ©argun»

teju«,5) Ouintu« anniu«,6) Platcu« Porciu« Säca,7) Suciu«

©eßia,8) Duintu« Euriu«;9) überbie« som Piitetßanbe: Piarcu«

gulviu« Pobilior, Suciu« Statiliu«, Publiu« ©abiniu« Eapito, Eaju« Eorneliu«10) gu>em viele au« ben Eolonien unb Ptunicipal- ßäbten von boriigem Sibel.

Podj gab e« in ben erßen gamtlien »tele geheimere anhänget biefe« Plane«, Welche mehr bie Hoffnung gut,§enfehaft reigte, ai«

©langet ober fonßige Stoib- Uebrtgen« Waten auch bte meißen jungen Seute, infonbetheil bie »om abel, für ba« Unternehmen Eati- iiita'« günßig geßimmt; ße,.bie im Scfjooße ber Puhe entweber pradjibotl ober üppig gu leben vermochten, gogen ba« Ungewiße bem

©eWifíen, jtrieg bem Stieben »or. 3« felbiger Bett »ermutheten ') SJlit bem 3unamen Päiu« (ber Schtelenbe).; War mit Eicero

Otuäßor in Sictlien geWefen.

©litbewerber be« Eiceto unb Eatilina um'« Eonfulat.

3) SBie Sentulu« au« bem ©efdjleehte ber ßorneliet, unb nadjß ihm eine ber £aupiperfonen bei ber ©erfcbwörung.

4) Peffen be« ©tcfator« Sulla.

5) ©on ©iefem iß nur fo »iel beiannt, baß ber berühmte Pebner

§orfenßu« eine ©ertheibigung«rebe für ihn gehalten h°t, ai«

er wegen ©eßechung angefragt war. •

6) ©on ©itfem weiß man nicht« Päßett«.

7) Eu« bem Porcißhen ©efdjíechte, bem bie Eatone angehörten.

Einer feiner ahnßerrn hat ba« berühmte Porcifdje ©efefc gegeben, »on bem Kap. 51 bie Siebe'iß.

*) 9lu« bem ©efdjlecßte ber Ealputniet, bamal« gerabe ©ölt«- tribun, Eicero'« geinb.

9) grüher Quäßor, naCßmal« ber fflertäihet bet SerfCßWörnng.

10) E« gab in Pom auch gamitie ber Eotneliet, bte mdjt Patricia War.

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EattUna. 31 auch ©tnige, ¿Dtarcu« Stcinm« ©raffu« ') fei jene« Slnfhlag« nicht unfunbtg geroefen; weil ©neu« «ßonipeju«, fein »erhaßtet Stehen»

Buhler, ein große« §eer Befehligte, BaBe et gerne gefehen, haß gegen beffen ©inßitß ßdj irgenb eine ©egenmacht Btlbe, jugleitf; im SSers trauen, wenn bie ¿Betfhwötung gelänge, leicht ba« ^auht berfelBen werben ju tonnen.

18. 516er fdjon »orbent Batten ßd) einige SBenige Wiber ben

©taat »erfchworen; unter ihnen war auch ©atitina. e&ierüher will ich» f" Wahrhaftig ich fann, Berichten.

Unter betn ©onfulate be« Suciu« £uflu« '·) unb ¿Dtarcu« fiesi»

bu«3) Waren bie für'« nächße Saht ernannten ©onfuln, SPuhliu«

Slutroniu« unb «ßuhtiu« Sulla, ben ©efefcen wegen 5lmt«erfhleichung gemäß in UnterfucBung unb ©träfe »erfallen. ¿Salb barauf würbe auch Gattlina Wegen ©rhreffung in Slntlageßanb verfemt, unb Weil et ßdj Binnen her gefehlichen griß nicht melben tonnte, »on her Sewer»

Bung um'« ©onfulat an«gefcBloffen. 3n felhiger 3eit lehte ©neu«

¿Pifo, 4) ein Süngling »on ebler ©eBurt, aber »on Bahß«

¿ßermeßenheit, arm, harteifüdjtig, ben ju UmWäljungen im Staate «Dtangel unb fcßlecbte Sitten fpornten. 3n ¿Serbin»

bung mit biefem «Dtenfchen, bem am fünften SejemBer her

«Plan mitgetBeilt Warb, hefdjloßen ©atilina unb Slutroniu«, ben erßen 3anuat bie ©onfutn Sucht« ©otta,5) unb Suctu« Sorqua»

«) Samal« bet retdjße «Römer.

3) Suctu« ¿Bolcatiu« SuHn«.

3) Sticht ju »etwechfeln mit ¿Staren« Sieintim« Seßibu«, her nacb SuDa'« ¿Tobe bie Befannten Unruhen erregte.

4) 5lu« bem Berühmten ©efcfjlecbte bet «Pifonen, bie 6t« in bie Aatfetjeii herunter unruhige Aöpfe Waren.

5) Stachmal« ©enfot unter ©teeto'« ©onfulat, jitr 3eit bet ¿Oer»

fhwörnng.

(32)

32 ©alußfug ffierfe.

tu«') auf bem (Sapitole ju erntorben; fte felBft wollten hierauf bte

©etonlt an fidß reifen, unb ben «¡fo mit einem heete ju ¿Befeßung ber beiben hifpanten abfenben. ©ccß al« ber «tan tudjbat gewor:

ben, »erlegten fte bte §lu«füßrung be« ¿Worbanfdjlag« Weiter ßtnau«

auf ben fünften gebtuar. ©atnal« nun brüteten ße nitßt nut ben (Sonfuln, fonbern auch ben meißen Senatoren ©ob unb ¿Berberben.

- Unb ßätte nicht (Satitina ben ¿Betftßworenen ju voreilig ba« 3ei<ßen uor ber (Surie gegeben, fo Wäre an btefem ©age bte größte Untßat, feit Wom ßeßt, jur Stn«füßrung gelommen. SEBeit aber noch meßt genug ¿Bewaffnete betfammen Waren, fo ftßeiterte ßteran ba« Unter:

neßmen.

19. Später warb «ifo al« Duäßor «nit prätorifeßer ©ewalt in ba« bießeiitge hifpanien gefenbet, nicht oßne SRitwirfung bc«

Sraffu«, ber in ißm einen ©obfetnb be« ©neu« «ompefu« fennen ge:

feint ßatte.

Snbeß ßatte ißm autß ber Senat bie «tobtnj meßt ungern über«

tragen, benn er wünfeßte bttfen »etborbenen ¿Kenfcßert weti »om Staate ju entfernen; jugletcß ßofften mantße ¿8aterlanb«freutibe, in ißm bereinß eine Scßufjtoeßr ju ßnben, weit bte SJtacßt bt« «ompeju«

fdjon bamal« bange Wßnungen erregte, '©iefet «ifo aber würbe auf bet Weife in bte «toüitij »on hifpanifeßen Wettern, bie in feinem heete bienten, ermorbet. (Einige fagett: „bte ¿Batbaten hätten fem ungeretßie«, ßoljefl, graufame« Wegiment nitßt ju erfragen »er«

nwtßt;" bagegen Slnbere: „jene Wetter, alte unb treue (Snßänger be«

ßneu« «ompeju«, hätten auf fein ©eßeiß ben «ifo überfallen, benn bte Spanier ßaben »orßtn nie etne foleße ©ßat ßtß ju Scßutben fommen laßen, »ielmeßr ftßon früßer «nantß graufame«

') Wu« ber SWanlifcßen gamitie.

(33)

ßatitina. 33 {Regiment ertragen." Sffiir laßen tiefen Umßanb auf ßcp Berupen.

®enug nun »on ber früheren Setfcpwönnig!

20. ©atitina, al« er bie »orptn genannten {Könnet [Kap. 17]

»erfammett fiept, pält — obfdjon et mit ©ingelnen oftunb »tel unter«

panbelt patte — für angemeffen, fte Sitte gumal angufprecpen unb gu ermutpigen, unb giept ß<p in einen abgelegenen Speit beb häufe«

gurütf. hier, wo fein Unberufener ftcp napen burfte, foratp er un=

gefäpr alfo gu tpnen: „hätte icp nfcpt fattfame Proben ©ure«

3Rutpe« unb ©ttrer Sreue, umfonß Böte ftdp bte günßige ©elegenpett bar, »ergeben« mären große hpffniwgen, bie hercßpaft felbfi in unfere hänbe gelegt, unb icp — nie mötpte tcp mit ber geigpeit unb bem SBanteimutp im Suttbe ba« ©etoiße für ba« Ungetoiße au« ben hänben geben, ©ocp, Weit icp in »ieten unb gefaprootlen Seitßür«

inen @uep mannpaft unb mit treu erfunben, batum pat mein he*g fidp erfüpnt, bie größte unb perrlicpfte Spat gu unternepmen, gmnal at« itp übergeugt bin, bag mein Sffiopl unb Sffiep aucp ba« ©urtge iß.

©enn nur burtp UeBeteinßimmung im SBofleu unb {Ricptmolten Be«

ßeptba« Sanb ber greunbfcpaft. S5Ba« tcp im ©tnne pegte, paPt ipr, Seber Befonberö, ftpon früper »ernommen- Snbeßen prennt e«

mit tagtäglicp mepr auf« herg, Wenn icp Bebenie, toelcpe« 8oo« auf un«. wartet, wofern mir nüpt felbß biegreipeit un« erringen, ©enn feitbem bte {Regierung in ©igentpum unb ffleftg weniger 3Ratpipa6er üBergegangen'tß, ßnb tpnen attegeit Könige unbSierfütßenl) gtn«6ar, gaplen ipnen Söttet unb {Rationen Sribut. SBir übrigen atte, mattere, Brase {¡Rannet, abel unb {Ricptabet, ßnb S)3ö6el gemefen,

.*) Setraripen, gürßen, bte ben föntgltcpen Stiel nicpt füpren burf«

ten, unb ben Speit eine« SReicp« regierten, ba« in »ier Spetle abgetpeilt mar.

©nluftiuä. 1. Sbchn. 4. Stuft. ' 3

(34)

34 ©atußfuS SBerfe.

oßne Einßuß, ohne Slnfehen, ©lenfchen unterthan, beten Schreien wir Wären, beßänbe noch bie alte freie ©erfaffung. So iß nun alier Einßuß, ©tacßt, Ehre, Peichthum in ihren ober ihrer ©ünßlinge

¿jänben. gut unfern Qtrttjeit haben ße ün« 3urücffejjungen, ©efalj»

ren, gerichtliche ©erfolgungen, ©ürftigteit übrig gelaffen. SBie lange werbet jjjt Solche« nod)bulben, tapfetePlänner? 3ß efl nicht beffer, ben ©ob be« ¿jelben ju ßerben, al« ein etenbe« unwürbige«

Seben, ba« bem Uebermutfje Slnberet jum Spotte gebleut, fehma<h»o(l ju enben? 916er bei SlUem, wa« im Gimmel· unb auf Erben he'Iig iß, ber Sieg iß in unferer Jjanb! Un« grünet ba« Seben, iß tftat- Jräffig bie Seele; auf jenet Seite bagegen iß burep Silier unb Peidj*

thum 9lf(e« in greifenhafter Stbfpannuug. Pur ¿janb an'« 2Betf-ju legen tftut Potß, ba« Uebrige wirb ßcp öon felbß geben. ©enn Welcher Sterbliche, bem ein ©lännerherj im ©ufen flßlägt, fann e«

bulben, baß ße im Ueberßuffe Peichthümer Beßren unb ße »erfchwen- ben, um ©leere anjutegen'unb Serge juebnen, währenbe«inunferecn

¿jauétoefen oft am Koihbürftigßen gebricht? ©aß ße jWei ober mehr ©aläße an einanber reihen, währenb nitgenb« ein eigenet

§erb un« leudßtet? Dbfdjon ße ©emälbe, ©ilbfäulen, Schni|jWetEe laufen, neue Sauten nieberreiß'en, anbete aufführen, auf febe Söeife ba« ®elb oerfehleubetn, »ergeuben, iße« ißnen bei berau«getajfenßen ffietfchwenbung boch nicht möglich, ihre ©cßäfce ju überwältigen.

2Bir bagegen haben im £aufe ©langet, ©läubiger »or ber ©hűre,

©rangfal in ber ©egenwart, noch trübere 9lu«ßtbt in bie Sutunft.

3ßa« bleibt un« übrig, al« biefet elenbe 8eben«hauch? Stuf benn, erwachet ihr Sdjläfer! Seht bott, bort Wintt Euch bie greiljeit, bie ihr fo oft erfehnthabt, neben ihr ßnb Peichthum, Ehre unb Putjm

»ot Suren Pugen au«gebreitet. ©ieß. Ptle« hflt b>a« ©lud ben Siegern jum ©reife beßimmt. ©ie Sage ber Umßänbe, Seit,

(35)

Gatííína. 35

©efahren, Sűrftigfeit unb bte herrliche Arteg«beute mögen Surfj mehr anforecben, al« meine Sffiorfe. «Braucht mich al« gührer ober al« ¿Dlitßretter, Weber mit ber Seele noch mit bem Sethe will ich je

»on Such Weichen. Sil« ©onful hoffe ich, biejj 9lße« mit euch au«»

juführen, Wenn anber« mein Sinn mith nicht trügt, unb ihr nicht gefonnen fetb, lieber gu bienen al« gu gebieten."

21. «Jtaefibem Solche«."«Dtenfthen »ernommen hatten, benen in ber güße äße« @Ienb« bie ©egenwart lein ®ut, bie 3ufunft feine Beffere 9lu«ßcht bot, fo »erlangten bodj bie «Steißen, — obfchon ße Störung ber öffentlichen Stühe an ßcb für großen ©ewinn achteten,

— er foße ßch näher erflären ,5'auf Welche ¿Bebingungen ber Arteg geführt Werben foße, Welchen Sohn ße erfämbfen fönnen, worin im

¿¡(((gemeinen bte §tlf«mittel unb 9lu«ßchten Beßehen. S a »erfi>ri<ht

©altlttta ¿BerntcBtung ber ©djulbhücher, «¡lechtungen ber ¿Reichen, oBrigfeitliche ¿Kűrben, «ßrteßerßeßen, «ßlünberungen, nebß Slßem Wa« Arteg unb @iege«luß ttn ©efoige haben. „3ubem fei im bteffetligen J&tfbanten ißifo, tn «Dtauritanien «Publtu« Siftiu« Stu»

cerinu« «) mit einem ^eere, Beibe, ¡Sbeilneljmer feine« «plane«; um'«

©onfulat bewerbe ßdj ©aju« Slntoniu«; 2) er hoffe biefen feinen

»erlrauten greunb, ber überbteß »on aßen Seiten her im ©ebränge fei, gum 9lmt«genoffen gu erhalten; mit ihm Woße er, Wenn er nur erß Sonful fei, ba« SIDerf beginnen."

') Sin Slbenteurer, ber nicht »om Senate mit einem Jfjeer abge»

fchicft War, fonbetn auf eigene gauß in Stalten unb ^ifhanten

©olbaten geworben hatte, unb ben Keinen Aöntgen in «Stauri»

tarnen, bte im Ar'tege Begriffen Waren, gegen ¿Pegahlung Stenße leißete.

') ©ohn be« berühmten Stebner« «Dtarcu« Süntontu« unb DB"1"

be« nachmaligen Seiumott« Slntoniu«. ".

3*

(36)

36 ©alufituS ¿¡Serie.

Sofort jießt er mit ©ßjmäßungen gegen alte ®utgefinnte*h loS; gebenft 3ebe« ber ©einigen namentlich mit 806; maßnt ben

©inen an feine ©ürftigfeit, ben Slnbern an feine »orßerrfßjenbe Weis gung; ¿Wanßje an ©efaßr unb ©ßjmcißj: «tele an bte Stege be«

©ufta, bie tßnen ¿Beute gebracßt. ' ¿¡KS er nun ¿¡Itter ©emütßer in SBattung erbtißt, erinnert er fte nodß, feine ¿Bewerbung ju unter:

ßü&en, unb entließ bie ¿Berfammtung.

22. 3u jener 3eit ging audß bie ©age, (Satilina .ßabe nadß geßaltener Webe, als er bie ©enoffen feine« greoel« jum (Stbfcßwur aufgeboten, ¿Wenfcßenblut mit ¿Sein »ermifeßt, in Opferfcßalen fre:

benjt, unb bann erß, al« naeß ben SBerwünfßjungen Sitte baoon gefoßef, wie bei feierlichen Opfern gewößnlicß iß, ßabe et fein ¿Bor:

ßaben eröffnet. ©ieß foH er, fagte man, ju ¿Beßeglung ber ¿Bunbe«:

treue getßan ßaben, auf baß nun3e»er ben Slnbern al« ¿Wttfßtulbigen eine« folcßen gre»el« erfenneit möge. (Einige hielten ©iefe« unb noeß »t'el Slnberc« für Srbt'cßfung, unb jWar »on ©enen, Weißte bie

©eßäfßgfeit, bie fpäter auf ©icero fiel, bureß bie ©räßtißjfcit be«

¿Berbrecßen« ber ¿Berurtßeilten ju milbern gebaeßten. ¿ffiir fönnen bie Sffiaßrßeit biefe« Umßanbe« naß) feiner ¿¡Bidßttgfeit nießi Oer:

bürgen.

23. 3ener ¿Berfammlung-ßatte tnbeffen auß) Ouintu« (SuttuS angewoßnt, ein ¿Wann »on meßt unberüßmter gamilie, aber tief ge:

funfen in Saßer unb greoel, ben bie ©enforen jurSßtmacß au« bem

©enate geßoßen hatten. -3n bem ©ßaraffet biefe« ¿Wenfdßen tag eben fo viel Seißjtßnn al« ¿Benneffenßeit. Wicßt« »erfeßwieg er, wa«

er gehört hatte, felbß au« feinen eigenen ¿Berbredßen maßjte er feinen heßf; überßaupt war er in allem feinem ©ßun unb Weben oßne ¿Be:

fonnenßeit. ©cßon geraume 3eit ßer lebte er mit guloia, einer grau »on ©tanbe, in jhäßteßer ¿Berbinbung. ¿Bereit« Wanfte et in

(37)

©atítíim. 37 tprer ©miß, weit er au« Stengel nidjt mepr fo reidjlicp fpenben tonnte, al« er auf einmal praplerifipe Serge unb Steere gu »etfpreipen begann, aucp Wopl mit bem ©olcpe bropte, Wofern ße tpm nidjt gu äBitten fei, überpnupt einen trogigeren Son anßimmte, ai« etfonß gewopnt War. gulsia jebod) erforfdjte bteltrfacpe biefe« anmaßenben Senepmen« be« ©uriu«, unb piett nun bte große, bem Staate bropenbe ©efapt nicpt gepeim, fonbern ergäplte, opne übrigen« ipre Duette gu nennen, tnepreren-ßSerfonen »on ber SetfcpWörmtg be«

(Sattlina, 3Ba« unb wie ße e« gepört patte. '

©teß »ontämlicp befeuerte ben ©ifer ber Seute, ba« ©onfulat bem Staren« Suttiu« ©teero gu überfragen, ©emt gusot fdjäumte ber größte Speit be« Slbet« »or Steib, unb »ermeinte, bie ©onfulat««

würbe werbe in ben hänben eine« Keugeabelten entweipt, möge et auep fonß nodj fo treßtidpe ©tgenßpaften paben. ©oep at« ©efapr napete,.traten ©tferfutpt unb apnenßolg in ben hintergrunb.

24. ©o werben, al« bie 3Bapl»etfammlungtn gepalten Waren, Starcu« Suttiu« unb ©aju« antoniu« gu ©onfuln ertidrt. ©teß ba« erße ©retgntß, ba« bte ©enoffen ber Serfepwörung erfdjütterte.

©otp ©atitina'« SButp Warb niept geminbert; »ielmepr »on Sagegu Sage betriebfainer rüßet et gang Statten pinburcp an gelegenen Or«

ten 3®affeu»orrätpe, fdjafft ©elber, bte er auf feinen ober feiner gteunbe ©rebit aufgeborgt patte, gen gäfulä ') an einen gewiffen Stanliu«,2) ber nacpmal« ber ©rße War, ber ben Kampf anpub.

Um felbige 3etf fott er au« allen ©täuben eine Stenge Seute an ßtp gejogen paben, autp etlicpe Sffietber, bie epebem burcp giefoli, unWeit gloreng, am guße ber Qlpenninen unb am gluffe 5lrno.

2) Kacp anbernpieß er Stattiu«.

(38)

38 ©fllufliua ffierfe.

getl6ieiung ihre« 8et6e« feie ©littet ju ungeheurem aufwanbe ge- funben, in bet golge, al« ba« Sltter jWar bem Erwerbe, nidjt aber bem ¿jange jur Serfcbmenbung ein Biel gefefet, große Schutben ge- häuft bitten. ¡Durch fie hoffte Eatitina ba« fiäotifche Stiaoenoolf aufzuwiegeln, bie Stabt fetbff in ©raub ju ffecfen, ihre ©länner für fiep ju gewinnen ober ju ermorben. ' -

25. Unter ihnen aber mar auch Sempronia *•) ,"ibie fdjon oft manche a&enteuer mit männlichem Unternehmung«geijle beffanben hatte, ©tefe« ÜBeib War burch ©eburt unb ©eftalt, jubem burcp

©emahl unb ítmber glücflicp genug; bewanbert in ©riecpifcber unb Sateinifcher Siteratur; fang, taugte, anm.uthiger, al« einer (ittfamen grau »on Ölöihen, unb befaß noch manche« anbere, wa« ber Sub- ieren junt Sffierfjeug bient. aber »on jeher waren Ehrbarfeit unb Sucht ba« Sejjte, wa« iftr am ¿jerjén lag. Ob fte be« ©elbe« weni- ger fCßonte, ober ihre« Pufe«, ijlfdjwerju entfeheiben. Sonfiiebe«- luß war fce bergeflatt entbrannt, baß fie weit öfter ©länner begehrte, at« begehrt Warb. Soibem fdjon hatte fte oft SGBorttreue gebrochen,

©arlehen abgeftpworen, ©litwiffenfehaft oon ©lorbtljaten gehabt, unb jianb burch Serfthwenbung unb ©langel am abgrunbe be« Ser- berben«. Uebrigen« fehlte e« ihr nicht an ©eijt. Sie »erjianb Serfe gu machen, hatte muntere Sinfätie, fpraeff balb in fittfamem, balb in järtlichem, balb in mutwilligem ©one, überhaupt War fie

»oll SBc'b, »oll Pnmutt) im Umgänge.

26. Pacp biefen Sorfeljrungen bewarb fiep Eatilina gleichwohl um ba« Sonfulat für'« folgenbe 3aljr, »erhoffenb, Wenn er nur einmal 3ht ©emahl war ©eciu« 3uniu« Srutu«, ber im Saht 676 Eonful gewefen war, ihr Sohn jener ©ecimu« Srutu«, einer ber ©lörber be« Eäfar.

(39)

(Eatiííua. 39 ernannt fei, benSlntoniu« leicßt nadß feinemffitUen ju lenfen. ©ocß Blieb et inbeffen nicßt untßätig, fonbern jleUte bem ©cero auf alte SBeife nacß. Slber auch biefem feßlte e«, ftdj ju ßüten, Weber an

©egenltß nocß an ©cßlaußeit. ©tnn gleich beim Slntritte feine«

©onfulat« hotte et bureß große «erßeißungen mittelji ber gulsia bewirft, baßOuintu«©uriu«, beffenicßfaiimgebacßt, ißm©atilina'«

Slnfcßtäge »errietß. 3ubem ßatte er feinen Slmtögenoffen Slntoniu«

bureß »ertragSmäßtgeUeberlaffung feiner «rooinj') »ermoeßt, Stießt«

gegen ben ©taat ju brüten. 3ßm felbfi bienfen feine greunbe unb

©tienten inSgeßeim ju ©djußwacßen. Sil« nun ber ©ag ber Sffiaßl:

»erfammlungen gefommen, unb ©atilina feine ¿Bewerbung fowoßl at« bie StacßjieUungen, bt'e er bem ©onfui auf bem SKaröfeibe bereitet ßatte, vereitelt faß, befeßtoß er, ben Krieg, ju beginnen, unb alte«

Sleußetfte ju Wagen, Weil feine ßeimtießen ¿Betfueße fo fcßltmmen unb fcßimpfltcßen ©rfoig geßabt.

27. 3u biefem ©nbe fanbte et ben ©aju« SRanliuS naeß gäfulä unb in bie umliegenbe @egenb ©trurien«, einen geWtffen ©eptimiu«

au« ©amerinum 2) in bie «tcenifdje ¿Warf,3) ben ©aju« 3uliu«

naeß Slpulien, 4) außerbem Slnbere anber«woßin, wo et *3ebWeben am beften ju braueßen gebaeßte. Snjwifcßen feßt er ju Stont »iele

¿Räber auf einmal in ¿Bewegung ; ßeUt bem ©onful naeß bem Seben,

4) ®em ©icero war buteß'« 800« bie ©tattßalterfcßaft in 2Race=

bonien jugefallen. ©iefe trat er an Slntoniu« ab, unb naßm bie minber einträgliche ©tattßalterfcßaft im bieffettigen ©allien, bie bem Slntoniu« jugefaflen War.

2) ©amerino in ber ©elegation gleichen Stamen« im Kircßenßaate.

3) ©ie Slbrusjen.

4) ©te «rooinjen ©erra bi «ari, ©errabt Otranto unb ¿Bafilicata

im Königreiche Steapel. '

(40)

40 <3a1ufliu8 SBerfe.

trifft iänßalten ¿um ©engen unb ¿Brennen, Befept gelegene ¿Punfte "

mit bewehrter ¿Stannfcßaft; er felbß geht nie ohne Solch, ©leidje«

gebietet et auch benUebrigen; ermahnt ffe, atTejeit auf ihrer £ut unb gerüßet ju fein; rennt Sag unb Stacht; fdjläft nicht, unb wirb meßt mübe, Weber burch ©djlafloßgfeit noch butcb Slnßrengung.

äule^t, al« e« Bei all' feinem Sreiben boch nicht sorwärt« geht, be»

ruft er ju unheimlicher Stachtßunbe bie Häupter ber ¿Perfcßmörung burch ¿Dtarciu« ¿Poreiu« Sdca noch einmal jufammen. Stach »ielen

¿Borwürfen über ihren ¿Stangel anSBatfraft melbet e» Bier: „erhöhe bereit« ben SStanliu« ju bem ^eerhaufen gefenbet, ben et in Aamßf«

bereitfchaft gefegt, beßgieicßen Slnbere auf anbere gelegene ißunfte, um ben -Atteg anheben. ®r felbß Wünfche ¿um §eere abjugehen, Wenn nur erß (Sicero an« bem ¿S3ege gefchafft fei; ber fei ihm in feinen ¿Planen am meißen Btnberlich·"

28. Sffiäljrenb nun bie Sinteren beßürjt unb unfdjlüfßg Waten, entbot ®aju« Sotneliu«, Stömifcher Stifter, feinen Sienß, unb mit ißm ber Senator Suciu« ¿Bargunteju«. @ie befdjloßen, noCB in ber»

felben ¿Jtacßt, nad) turjet ¿Seile, mit ¿Bewaffneten, unter bem ¿Bor»

Wanb eine« ¿Dtorgenbefuche«, bei ©iceto einjugeßen, tljn fo ju über»

tafeben unb menchltng« nieberjußoßen.

Sodj taum »ernimmt ©utiu«, welch große ©efaßr bem (Srnful broße, at« er etlenb« burch gul»ia bem ßtcero ben ¿Dtorbanfd)Iag melben läßt, ©o gefCßaB e«, baß ße, an ber ¿Pforte jurücfgewiefen, bie ungeßente gre»eltßat »ergeben« übernommen hatten. Snjwifdjen wiegelte SStanliu« in (Steuden ba« ¿Polt auf, ba« au« SJlangel ju»

gleich uub au« ©eßmerg über erlittene Unbilbe nach Steuerungen ßch fehnte, — benn unter ©ufla'« ©ewaltherrfchaft hatte e« gelber unb all' feine ^»abe »erloren — außerbem Staubgeßnbet aller Slrt, »on bem e« in jebet @egenb wimmelt, aud) Stnige »on ben ©ullanifchen

Ábra

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