Nach oben pdf Spracheinstellungen in Deutschland - Was die Menschen in Deutschland über Sprache denken

Spracheinstellungen in Deutschland - Was die Menschen in Deutschland über Sprache denken

Spracheinstellungen in Deutschland - Was die Menschen in Deutschland über Sprache denken

In der Deutschland-Erhebung 2017 wurden auch die Ein- stellungen der Befragten zu Sprachen erhoben. Dafür wurde ein methodischer Kniff eingesetzt: Der einen Hälfte der Befragten wurde dazu eine offene Frage ge- stellt, während der anderen Hälfte eine geschlossene Frage gestellt wurde. 8 Mit dieser Methode nutzt man die Vorteile der einzelnen Fragetypen (z. B. die Vielfalt der Antworten bei der offenen Frage und die Abfrage eines vorgegebenen Sets an Sprachen bei der geschlos- senen Frage); darüber hinaus kann man die Ergebnisse beider Fragetypen methodisch miteinander verglei- chen. In der offenen Frage haben die Befragten Spra- chen angeben, die sie sympathisch finden (Fragefor- mulierung: „Gibt es Sprachen, die Sie sympathisch finden? Welche sind das?“), und anschließend Spra- chen, die sie unsympathisch finden (Frageformulie- rung: „Und gibt es Sprachen, die Sie unsympathisch finden? Welche sind das?“). Die Befragten konnten ihre Antwort frei und beliebig lang formulieren. Für eine offene Frage müssen die Befragten die Antwortkatego- rien selbst benennen. Eine solche Fragenart ist kognitiv deutlich anspruchsvoller als eine geschlossene Frage, die die Antwort- und Bewertungskategorien bereits vorgibt (vgl. dazu Plewnia / Rothe 2012, S. 27-33). Man erhält bei einer offenen Frage aber auch Antworten, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte. In der komplementären, geschlossenen Variante wur- de den Befragten folgende Frage gestellt: „Wie sympa- thisch finden Sie ganz allgemein die folgenden Spra- chen?“ Dabei wurden die Bewertungen folgender Sprachen elizitiert: Arabisch, Deutsch, Englisch, Fran- zösisch, Italienisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Tür- kisch (die Reihenfolge der angebotenen Sprachen wur- de jeweils randomisiert, Deutsch wurde dabei nie als erste Sprache genannt); 9 die zur Verfügung stehenden Bewertungskriterien waren folgende: sehr sympathisch, sympathisch, teils/teils, unsympathisch und sehr unsympa- Abb. 2: Räumliche Verteilung der Dialektkompetenz (wie gut; Deutschland-
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Wie Menschen in Deutschland über Sprache denken : Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativerhebung zu aktuellen Spracheinstellungen

Wie Menschen in Deutschland über Sprache denken : Ergebnisse einer bundesweiten Repräsentativerhebung zu aktuellen Spracheinstellungen

Ausgangspunkt des Projekts war die Beobachtung, dass es zum Bereich der Spracheinstellungen zwar bereits eine Reihe von Einzeluntersuchungen mit HLQHPVSH]L¿VFKHQ)RNXVJLEWGDVVDEHUHLQH]XVDPPHQIDVVHQGH(UKHEXQJ die einen Überblick über ein ganzes Set an sprachlichen Fragestellungen lie- fern kann und die vor allem auf einer so breiten Datengrundlage fußt, dass verallgemeinernde Aussagen möglich sind, fehlt. Die Projektpartner haben da- her die Forschungsgruppe Wahlen mit der Durchführung einer bundesweiten repräsentativen Meinungsumfrage beauftragt. Diese Umfrage wurde im Ok- tober 2008 als Telefonumfrage realisiert; insgesamt wurden 2004 zufällig aus- gewählte Personen über 18 Jahre, die ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben, zu ihren Einstellungen und Meinungen zum Deutschen und zu anderen Sprachen befragt. Die Erhebung richtete sich an die gesamte Wohnbevölke- rung in Deutschland; der Anteil der Befragten, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben, entspricht mit 8,4 Prozent der Befragten ziemlich genau dem Anteil dieser Personengruppe an der Gesamtbevölkerung. Die Daten der Gesamtstichprobe wurden mit Hilfe eines von der Forschungsgruppe Wahlen bereitgestellten Gewichtungsschlüssels nach Geschlecht, Alter, Bildungsab- schluss und Wohnort umgerechnet, so dass die Angaben der Befragten auf die gesamte Wohnbevölkerung Deutschlands übertragen werden können und insoweit repräsentativ sind.
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Die Macht der großen Zahlen. Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland

Die Macht der großen Zahlen. Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland

Substanzielle Grundlage sind drei Repräsentativerhebungen, die in jüngerer Zeit unter Beteiligung oder im Auftrag des Instituts für Deutsche Sprache durch- geführt worden sind: Erstens die „Deutschland-Erhebung 2008“; diese Erhebung wurde im Herbst 2008 für das IDS und die Universität Mannheim als bundesweite Telefonumfrage durch die Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt (n=2.004); Gegenstand waren allgemeine Spracheinstellungen, die Bewertung des Deutschen und anderer Sprachen sowie regionaler Varietäten des Deutschen, Sprecherste- reotype, außerdem Sprachwandel und Sprachpolitik (detaillierte Ergebnisse lie- fern Gärtig/Plewnia/Rothe 2010). Zweitens die „Norddeutschland-Erhebung 2016“; diese Erhebung wurde im Sommer 2016 in Kooperation mit dem Institut für nie- derdeutsche Sprache ebenfalls als Telefonumfrage durch die Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt (n=1.632), diesmal nur im norddeutschen Sprachraum; The- men sind einerseits Kompetenz und Gebrauch des Niederdeutschen und ande- rerseits Bewertungen und Zuschreibungen zu Niederdeutsch und Hochdeutsch (für erste Ergebnisse vgl. Adler et al. 2016). Drittens die „Deutschland-Erhebung 2017/18“, die das IDS im Herbst/Winter 2017/18 in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Rahmen der Innovationsstichprobe des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP-IS) des DIW durchgeführt hat. Die „Deutsch- land-Erhebung 2017/18“ besteht aus zwei Teilen, einem direkten Interview (CAPI, n=4.380) zu Sprach- und Dialektkompetenz sowie zu Sprach- und Dialektbewer- tungen und einem Onlinefragebogen (CAWI, n=1.439) zu einem breiten Spektrum weiterer sprachbezogener Fragen. Die Daten dieser Erhebung werden derzeit aus- gewertet; in diesem Beitrag präsentieren wir erste, noch vorläufige Ergebnisse.
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Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland

Aktuelle Spracheinstellungen in Deutschland

Zentraler Teil dieses interdisziplinär konzipierten Projekts ist eine bundesweite Repräsen- tativumfrage zur Ermittlung derzeit verbreiteter Spracheinstellungen in Deutschland. Diese Telefonumfrage, die neben der deutschsprachigen Bevölkerung auch Bevölkerungsanteile mit einer anderen Muttersprache als Deutsch einbezieht, wurde im Oktober 2008 im Auftrag der Projektgruppe von einem demoskopischen Institut, der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen, durchgeführt. Das Themenspektrum der gestellten Fragen reicht von Einstellungen und Meinungen zum Deutschen allgemein über Fragen, die die Dialekte betreffen, bis hin zu Einstellungen zu anderen Sprachen; außerdem wurden Meinungen zu aktuellen Veränderun- gen des Deutschen und anderer in Deutschland verwendeter Sprachformen sowie zu Sprach- gebrauch, Sprachsorgfalt und Sprachpolitik erhoben. Die aktuelle Umfrage knüpft an eine Repräsentativerhebung des Instituts für Deutsche Sprache von 1997/98 an. 3 Befragt wurden auch diesmal rund 2000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet; die Stichprobe wurde nach Geschlecht, Alter, Ausbildung und Wohnort gewichtet und ist insoweit für die Gesamtbevölke- rung repräsentativ. 8,4% der Befragten haben eine andere Muttersprache als Deutsch, was in etwa dem Anteil dieser Personengruppe an der Bevölkerung in Deutschland entspricht. Wegen der heterogenen Zusammensetzung dieser vergleichsweise kleinen Teilgruppe können die sie betreffenden Angaben jedoch nur bedingt als repräsentativ angesehen werden.
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Welche Dialekte werden in Deutschland gesprochen? Sprache in Zahlen: Folge 2

Welche Dialekte werden in Deutschland gesprochen? Sprache in Zahlen: Folge 2

Das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim (IDS) hat in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Wirt- schaftsforschung (DIW) eine deutschlandweite Repräsenta- tiverhebung unter 4.380 Personen zum Sprachrepertoire der Menschen in Deutschland und zu ihren Spracheinstellungen durchgeführt: die Deutschland-Erhebung 2017. Eine Einfüh- rung in die Deutschland-Erhebung 2017 findet sich im ers- ten Teil dieser Serie in Heft 4 / 2020. In dieser Folge berichten wir über die in Deutschland gesprochenen Dialekte. Im Rahmen der Deutschland-Erhebung 2017 wurde erfasst, ob die Teilnehmenden einen deutschen Dialekt sprechen; an- schließend wurden die Dialektsprechenden gefragt, welchen Dialekt sie sprechen. Die Frage nach den Dialekten war offen formuliert, d. h. die Befragten konnten – und mussten – ihre Nennungen in einem offenen Kommentarfeld frei und ohne Einschränkungen (z. B. durch Zeichenbeschränkung) ange- ben (zu den Vor- und Nachteilen offener und geschlossener Fragen siehe auch den ersten Beitrag dieser Serie in Heft
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Die deutsche Sprache und der Kolonialismus. Zur Rolle von Sprachideologemen und Spracheinstellungen in sprachenpolitischen Argumentationen

Die deutsche Sprache und der Kolonialismus. Zur Rolle von Sprachideologemen und Spracheinstellungen in sprachenpolitischen Argumentationen

Die Inbesitznahme überseeischer Territorien durch das Deutsche Reich ab 1884 mar­ kierte nicht nur eine neue Form imperialistischer Praxis in Deutschland, sondern löste notwendigerweise auch Überlegungen aus über die kulturelle, rechtliche und wirtschaft­ liche Positionierung der Deutschen gegenüber den Einheimischen in den beanspruchten Territorien. Insofern als Deutsche - wenn nicht in großer Zahl, so doch mit großem Ein­ fluss - in den Kolonien ansässig wurden, hatte die Inbesitznahme der Kolonien noch eine andere bis heute einzigartige Konsequenz: sie brachte deutsche Sprachgemeinschaften und die deutsche Sprache in Kontakt mit Sprechern extrem vieler anderer, nicht indoeu­ ropäischer Sprachen: austronesische Sprachen, Niger-Kongo-Sprachen, afro-asiatische Sprachen, Khoisan-Sprachen, Papuasprachen etc. Das führte zum einen zu einer Vielzahl von Sprachkontaktphänomenen wie Entlehnungen, deutschen Pidgins oder Siedlervarie­ täten des Deutschen (vgl. Stolberg 2011, Engelberg 2012), zum anderen beeinflusste das Deutsche die Sprachenverhältnisse in den kolonialen Territorien. Da Prozesse der Ver­ schiebung von Sprachenverhältnissen selten sich selbst überlassen werden, wenn eine der beteiligten Sprachen von der herrschenden Gruppe als ihr im besonderen Maße zugehörig betrachtet wird, entspann sich auch im deutschen Kolonialismus bald eine Diskussion, welche Rolle das Deutsche gegenüber den anderen Sprachen in den Kolonien einnehmen sollte. Diese Diskussion erstreckte sich von den 1880er Jahren bis weit in die Zeit der Weimarer Republik und wurde wohl am intensivsten in den zehn Jahren vor dem ersten Weltkrieg geführt, in der Zeit also, in der sich die deutschen Kolonien zu konsolidieren schienen.
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Spracheinstellungen und Mehrsprachigkeit. Wie Schüler über ihre und andere Sprachen denken

Spracheinstellungen und Mehrsprachigkeit. Wie Schüler über ihre und andere Sprachen denken

3) Differenziert man die Antworten nach Sprechergruppen, zeigt sich ein mehrschichtiges Bild. Einerseits sind die Selbstbewertungen durchgängig positiv. Andererseits gelten die Negativstereotype, die die Mehrheitsgruppe gegenüber den einzelnen Minderheiten zeigt (die Deutsch-Sprecher bewer- ten die Türkisch- und die Russisch-Sprecher negativ), auch für gerade diese Minderheiten (d.h. auch die Türkisch-Sprecher bewerten die Russisch- Sprecher negativ und umgekehrt). Die am stärksten negativen Bewertungen entfallen konsequent auf das Türkische bzw. den „typischen Türken“. Diese Befunde, nach denen insbesondere den beiden größten Sprachminderhei- ten in Deutschland, den Sprechern des Russischen und des Türkischen, durch- gängig (außer bei ihren jeweiligen Eigengruppen) ein sehr geringes Prestige zuerkannt wird, sind zwar in Bezug auf die Schüler-Daten nicht repräsentativ, aber dennoch aufschlussreich und in der Tendenz zweifellos aussagekräftig. Beispielsweise wird so unmittelbar plausibel, warum etwa Vorstöße zur Einrich- tung deutsch-türkischer Gymnasien (nach dem Vorbild der sehr erfolgreichen – und prestigeträchtigen – deutsch-französischen Gymnasien) in weiten Teilen der Bevölkerung auf ein sehr verhaltenes Interesse stoßen.
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Die Stellung der portugiesischen Sprache in Deutschland

Die Stellung der portugiesischen Sprache in Deutschland

Die Beschäftigung mit dem Portugiesischen innerhalb der Romanistik ist in Deutschland eine vergleichsweise neue Erscheinung, galt dieses Studienfach doch bis mindestens in die 1970er Jahre in allererster Linie als Ausbildungs- plattform für künftige Französischlehrer. Es beinhaltete etwas italienische Kul- turgeschichte und nahm erst allmählich wahr, dass auch im Bereich des Iberoro- manischen, aber hier vor allem des Spanischen, durchaus sprachlich, literarisch und kulturwissenschaftlich Relevantes schlummerte (die Folge: das Fach “His- panistik”). “Lusitanistik” war hingegen unbekannt, und noch heute wissen die meisten Studierenden, die das Fach in Angriff nehmen, vorher nicht, dass “Lusi- tanistik” etwas damit zu tun haben könnte. Portugiesisch wurde – wenn der sa- loppe Ausdruck gestattet ist – “mitgeschleppt”; wer wollte, konnte Kurse bele- gen, vielleicht gab es auch mal ein Seminar zu dieser Kultur/Literatur/Sprache. Ein Magister- oder Diplomabschluss bildete jedoch die absolute Ausnahme; ein Lehramtsexamen (auch dort, wo möglich: etwa an meiner Universität in Gie- ßen) war gleichsam exotisch. Als absolut tödlich für die weitere Karriere wurden und werden eine Dissertation oder gar Habilitation im Fach Portugiesisch ein- geschätzt. Das ist natürlich Panikmache, prägt aber das Denken des wissen- schaftlich nicht abgesicherten Nachwuchses.
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Menschen mit Migrationshintergrund aus muslimisch geprägten Ländern in Deutschland

Menschen mit Migrationshintergrund aus muslimisch geprägten Ländern in Deutschland

Bei Personen aus Staaten wie Marokko und Iran ist eine Entlassung aus der ursprünglichen Staatsange- hörigkeit rechtlich nicht vorgesehen (Worbs 2014: 68). Personen aus diesen Staaten können daher bei An- nahme der deutschen Staatsangehörigkeit ihre alte Staatsangehörigkeit behalten. Insbesondere Türkei- stämmige mit eigener Migrationserfahrung müssen bei Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit in der Regel die türkische Staatsangehörigkeit aufge- ben. Sie sind dementsprechend im Vergleich sehr viel seltener eingebürgert, obwohl sie schon seit längerer Zeit in Deutschland leben: Gesetzlich ist die doppelte Staatsangehörigkeit für Drittstaatenangehörige nicht vorgesehen und der Wunsch, die bisherige Staatsange- hörigkeit zu behalten, ist für viele der Grund, sich nicht einbürgern zu lassen (Venema/Grimm 2002: 181ff.). Eine Analyse des BAMF-FZ konnte beispielsweise zei- gen, dass die Absicht, sich einbürgern zu lassen, mit der Option auf eine doppelte Staatsangehörigkeit deutlich höher ist, als bei nicht Vorhandensein die- ser Möglichkeit (Worbs 2008: 29ff.). Dennoch hat sich gezeigt, dass der Erhalt der ausländischen Staatsan- gehörigkeit immer häufiger hingenommen wird. 2018 konnten mehr als die Hälfte der eingebürgerten Per- sonen ihre Staatsangehörigkeit beibehalten (59,3 %) (Statistisches Bundesamt 2019c). Außerdem ist die Liste der Staaten bei denen der Bund den Ländern das Gestatten der Mehrstaatigkeit empfiehlt in den letzten Jahren ausgeweitet worden (Thränhardt 2017: 25).
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Unklare Epidemiologie der Tularämie beim Menschen in Deutschland

Unklare Epidemiologie der Tularämie beim Menschen in Deutschland

zu untersuchen, ob der Erreger in den verschiedenen Regi- onen Deutschlands separat eingetragen wurde oder ob sich eine genetische Variante über die Regionen verbreitet hat, inwieweit tierische Infektionsquellen sich bei der mensch- lichen Tularämie manifestieren bis hin zu der Frage, ob es Tendenzen zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen gibt. Mit einer erhöhten Aufmerksamkeit und differen- tialdiagnostischen Erwägung der Tularämie durch medi- zinisches Personal und Diagnostiklabore könnten mehr Einblicke in die tatsächliche Verbreitung der Tularämie in Deutschland, aber auch die im Ausland erworbenen und importierten Fälle erzielt werden.
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Vergleich des Zahnstatus älterer Menschen in Großbritannien und Deutschland

Vergleich des Zahnstatus älterer Menschen in Großbritannien und Deutschland

Informationen zu Prävalenzen populationsrelevanter Erkrankungen lagen nach der deutschen Wiedervereinigung kaum vor und bedeuteten einen großen zahn- und humanmedizinischen Forschungsbedarf, dem man mit der Entwicklung von SHIP begegnete. Weiterer Fokus und wesentlicher Hintergrund, diese Studie zu initiieren, war es, die Komplexität des Themas Gesundheit und die Mannigfaltigkeit ihrer Einflussfaktoren ebenso komplex zu untersuchen und damit eine wertvolle und in Deutschland einmalige Datenbasis für epidemiologische Analysen zu Erkrankungen und kausalen Zusammenhängen in der Region Vorpommern zur Verfügung zu stellen. Die zunehmend an Bedeutung gewinnende Bevölkerungsmedizin (Community Medicine), welche eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Public-Health- Teildisziplinen wie Sozialwissenschaften, Gesundheitsökonomie, Umwelt- und Biowissenschaften erforderlich macht, war ebenso Ursache für die Entwicklung dieses umfassenden Forschungsprojektes. Auch hinsichtlich gesteigerten Interesses an Fragen der Qualität und Effizienz medizinischer Versorgung sowie der Effektivität von Präventions- und/oder Interventionsstrategien in der Bevölkerung sind diese populationsbasierten Daten außerordentlich wichtig.
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Zweitbeschäftigungen in Deutschland: Immer mehr Menschen haben einen Nebenjob

Zweitbeschäftigungen in Deutschland: Immer mehr Menschen haben einen Nebenjob

Eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit durch An- reize zu belohnen, ist mit Blick auf die finanzielle Selbstständigkeit der Arbeitnehmer wie auch mit Blick auf Fachkräfteengpässe grundsätzlich richtig. Zudem ist gerade für Geringverdiener, die am ehes- ten Nebenjobs ausüben, die (Sozial-)Abgabenbelas- tung in Deutschland im internationalen Vergleich recht hoch. Die Begünstigung einer zweiten Be- schäftigung bei einem anderen Arbeitgeber ist aber nicht das richtige Instrument, um hier gegenzusteu- ern. Erstens profitieren von der Regelung auch vie- le Gutverdiener. Zweitens leisten kleine Nebenjobs gerade für die Personen, für die es besonders wichtig wäre, kaum einen Beitrag für eine nachhaltige be- rufliche Entwicklung und Alterssicherung.
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"Durch die gemeinsame Sprache getrennt." - Zu Sprache und Kommunikation in Deutschland seit der Wende 1989/90

"Durch die gemeinsame Sprache getrennt." - Zu Sprache und Kommunikation in Deutschland seit der Wende 1989/90

Es gibt zwischen Ost- und Westdeutschen sehr viele Dinge, über die man sich nicht einig ist. Es gibt einige, über die man sich weitgehend einig ist: u.a. darüber, daß Verstehen und Verständigung zwischen Ost- und Westdeutschen schwieriger ist als erwartet, trotz der gemeinsamen Sprache. Diese ziemlich einhellige Meinung verwundert ein wenig, wenn man sich daran erinnert, dass vor der Wende gerade die Sprache als das wichtigste einigende Band der Nation' hervorgehoben wurde, auch von einigen Linguisten. Von einigen - die Mehrzahl war sich dessen bewusst, dass auch die Sprache selbst Unterschiede aufwies, nicht nur im Wortschatz, und auch nicht nur im offiziellen, system- nahen Wortschatz (dort besonders) und in bestimmten Fachsprachen, sondern auch schon in der Alltagssprache, in den Stilnormen, in den Registern ("öffentliches /halböffentliches/ privates" Register1) und deren Relationen zu einander. Und dass Verstehen und Verständigung zwischen Ost und West nicht so ganz problemlos gesichert sei, ist auch schon vor der Wende geäußert worden, obwohl es systematische Forschung zur Kommunikation zwischen West- und Ostdeutschen vor der Wende leider nicht gab.
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"Musik ist meine Sprache" – Eine ethnographische Fallstudie über taiwanesische Musikstudierende in Deutschland

"Musik ist meine Sprache" – Eine ethnographische Fallstudie über taiwanesische Musikstudierende in Deutschland

sche  MusikstudentInnen  im  ‚Ursprungsland  der  Musik‘“  verwies  Olaf  Praetorius  am  Beispiel  südkorea-­‐ nischer  Musikstudierender  bzw.  anhand  einer  Analyse  über  ihre  Motivationen  für  ein  Musikstudium  in   Deutschland   darauf,   dass   „[ein]   Mythos   von   Authentizität   im   Kontext   der   Internationalisierung   der   deutschen   Musikhochschulen“   existiert   (Praetorius   2009,   S.  75ff.).   Nicht   nur   unter   den   Studierenden   aus  dem  ostasiatischen  Raum,  auch  an  deutschen  Musikhochschulen  wird  gerne  darauf  hingewiesen,   Deutschland  sei  das  Ursprungsland  der  Musik.  So  äußerte  beispielsweise  eine  Professorin  der  Musik-­‐ hochschule   Stuttgart:   „Deutschland   [bildet]   zusammen   mit   Österreich   und   der   deutschsprachigen   Schweiz  jenen  Raum,  in  dem  der  größte  Teil  der  klassischen  europäischen  Kunstmusik  seine  Heimat   hat“  (Rudiakov  2007,  S.  95).  Und  der  Rektor  der  Freiburger  Musikhochschule  betonte  in  dem  bereits   angesprochenen  Radiofeature  des  SWR:  „Wir  sind  wirklich  der  Kern  der  europäischen  Kultur,  wenn  es   um  Musik  geht“  (Hoffmann  2012).  Praetorius  sieht  den  Grund  für  das  Interesse  der  deutschen  Musik-­‐ hochschulen  an  einer  Aufrechterhaltung  des  „Mythos  einer  musikalischen  Authentizität“  vor  allem  im   scharfen  internationalen  Wettbewerb:  „Bildungsexport  ist  für  deutsche  Musikhochschulen  unverzicht-­‐ bar  geworden,  dafür  sprechen  nicht  nur  die  hohen  Ausländeranteile  an  deutschen  Musikhochschulen,   sondern   auch   die   zurzeit   entstehenden   Partnerschaften   gerade   mit   asiatischen   Konservatorien.   […]   Gerade  der  zunehmende  internationale  Wettbewerb  unter  Musikhochschulen  um  die  besten  Bewerbe-­‐ rInnen  zwingt  die  einzelnen  Musikhochschulen  zu  einer  stärkeren  Profilbildung.  Qualität  wird  in  der   westlichen   Kunstmusik   zweifellos   auch   mit   dem   Konzept   von   Authentizität   verbunden   und   dement-­‐ sprechend  beworben.  Der  Begriff  erlangt  Hochkonjunktur  in  einer  Zeit,  in  der  er  auch  als  überholt  gel-­‐ ten  könnte“  (Praetorius  2009,  S.  77–78).  
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Wohnsituation älterer Menschen in Baden-Württemberg und Deutschland

Wohnsituation älterer Menschen in Baden-Württemberg und Deutschland

Zwei amtliche Statistiken geben Auf- schluss über die Anzahl in Deutschland le- bender Menschen nach Altersjahren: der Mikrozensus und die Bevölkerungsfortschrei- bung. Die Bevölkerungsfortschreibung ba- siert auf den Zahlen der letzten Volkszählung (Westdeutschland: 1987) und wird seitdem unter Berücksichtigung der Geburten und Sterbefälle, Staatsangehörigkeitswechsel und Einbürgerungen sowie der Melderegis- terdaten und sonstigen Bestandskorrekturen fortgeschrieben. Der Mikrozensus, die größte jährliche Haushaltsbefragung in Europa, umfasst eine einprozentige Bevölkerungs- stichprobe. Von beiden Quellen weist nur der Mikrozensus Daten zur Wohnsituation älterer Menschen auf. Besonders eine seit 1998 alle 4 Jahre stattfindende Zusatzerhe- bung gibt Aufschluss über zahlreiche Wohn- merkmale, wie Fläche, Baualter, Energiever- sorgung oder Umfeld einer Wohnung. Damit handelt es sich um die ausführlichste Erfas- sung der Wohnsituation in Deutschland. Zwei Einschränkungen sind hervorzuheben: Erstens erfasst der Mikrozensus nur Men- schen mit festem Wohnsitz. Zweitens weicht hauptsächlich bei den Ältesten die Anzahl älterer Menschen im Mikrozensus deutlich von der in der Bevölkerungsfortschreibung ab. Angesichts der Tatsache, dass mit stei- gendem Alter von einem wachsenden An- teil in Gemeinschaftsunterkünften (etwa Al- ters- und Pflegeheimen) lebenden Menschen ausgegangen werden kann, könnte eine Ur- sache dieser Diskrepanz darin liegen, dass der Mikrozensus ältere Menschen in Ge- meinschaftsunterkünften untererfasst.
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Unklare Epidemiologie der Tularämie beim Menschen in Deutschland

Unklare Epidemiologie der Tularämie beim Menschen in Deutschland

zu untersuchen, ob der Erreger in den verschiedenen Regi- onen Deutschlands separat eingetragen wurde oder ob sich eine genetische Variante über die Regionen verbreitet hat, inwieweit tierische Infektionsquellen sich bei der mensch- lichen Tularämie manifestieren bis hin zu der Frage, ob es Tendenzen zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen gibt. Mit einer erhöhten Aufmerksamkeit und differen- tialdiagnostischen Erwägung der Tularämie durch medi- zinisches Personal und Diagnostiklabore könnten mehr Einblicke in die tatsächliche Verbreitung der Tularämie in Deutschland, aber auch die im Ausland erworbenen und importierten Fälle erzielt werden.
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Geflüchtete Menschen in Deutschland: Hilfebedarfe und Nutzung von Beratungsangeboten

Geflüchtete Menschen in Deutschland: Hilfebedarfe und Nutzung von Beratungsangeboten

Die gedeckten und bestehenden Bedarfe sind auch im Lichte des Einreisezeitraums bzw. der Aufenthaltsdauer der befragten Geflüchteten zu betrachten. Der Großteil der Befragten hielt sich zum Befragungszeitpunkt weniger als zwei Jahre in Deutschland auf, sodass für sie in der ersten Zeit des Ankommens die Grundsicherung und die Bewäl- tigung des alltäglichen Lebens, insbesondere der Erwerb von Deutschkenntnissen, die medizinische und finanzielle Versorgung sowie die Einleitung des Asylverfahrens im Vordergrund standen. Die Daten deuten außerdem darauf hin, dass sich mit zuneh- mender Aufenthaltsdauer und fortschreitendem Verlauf des Asylverfahrens zudem der Hilfebedarf bei Arbeitssuche und – insbesondere bei Einreichen einer Klage gegen den Asylbescheid – der Hilfebe- darf in Flüchtlings- und Asylfragen verstärkt. Hinsichtlich der noch relativ geringen Hilfebedarfe in den Bereichen mit Arbeitsmarkt- und Bildungs- bezug ist zu berücksichtigen, dass eine Arbeitsauf- nahme bzw. Ausbildungsbeginn häufig erst nach mehreren Jahren Spracherwerb realistisch ist. Dieser war, zumindest im Rahmen des Integrationskurses, bis 2015 (und für Teile der Befragten auch darüber hinaus) an den Abschluss des Asylverfahrens gebun- den, sodass eine Deckung der Bedarfe in auf den Spracherwerb aufbauenden Bereichen im Befra- gungszeitraum nur eingeschränkt zu erwarten war. In diesem Kontext ist auch zu berücksichtigen, dass im Jahr 2016 die Angebotslandschaft für Sprachkur- se durch den starken Anstieg der Zuzugszahlen vor der Herausforderung stand, kurzfristig die Deckung des enorm gestiegenen Bedarfs an Sprachkursen zu gewährleisten, während mittlerweile das Ange- bot deutlich ausgebaut wurde. Somit ist von einer weiteren deutlichen Zunahme der Bedarfsdeckung auszugehen.
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Die Gewährleistung von Krankheitshilfen bei asylsuchenden Menschen: Zweiklassenmedizin in Deutschland?

Die Gewährleistung von Krankheitshilfen bei asylsuchenden Menschen: Zweiklassenmedizin in Deutschland?

ziner im Krankenscheinverfahren in der Regel nicht zu Fachärzten überweisen. Der Übergang von einzelfallbezogenen Krankenscheinausgaben auf ein moder- nes Gesundheitskartensystem ist aller- dings in einem Großteil der Bundeslän- der in Kooperation mit der gesetzlichen Krankenversicherung gelungen (Lan- desrahmenvereinbarungen nach §264 Abs. 1 Sozialgesetzbuch (SGB) V ak- tuell in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein- Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig- Holstein und Thüringen). In der Um- setzung der gesetzlichen Vorgaben des AsylbLG werden im Verwaltungsvollzug die Ermessensspielräume unterschied- lich genutzt. Razum et al. [ 10 ] drücken es pointiert so aus, dass der Zufall über den Zugang zur Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge in Abhängigkeit von den Zuweisungen des Bundeslandes und der Kommune sowie der juristischen Kenntnisse der behandelnden Ärzte entscheidet. Eine Befragung von Ge- sundheitsämtern in Deutschland ergab, dass die gesundheitliche Versorgung von Asylsuchenden in Deutschland au- ßerordentliches Verbesserungspotenzial aufweist [ 6 ]. So fehlten strukturelle Ressourcen für die Koordination der Versorgung in den zuständigen Ämtern. Als verbesserungsbedürftig wurden die Standardisierung in den Abläufen, zügige Durchführung von Impfungen, standar- disierte Erhebung und Übermittlung gesundheitsbezogener Informationen sowie Konzentration auf wichtige Infek- tionskrankheiten erachtet [ 6 ]. Es hat sich auch herausgestellt, dass die auslösenden Infektionskrankheiten bei Ausbrüchen in Gemeinschaftsunterkünften für Asyl- suchende häufig erst in Deutschland erworben wurden [ 11 ].
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Bildungsbiografien von Zuwanderern nach Deutschland: Migranten investieren in Sprache und Bildung

Bildungsbiografien von Zuwanderern nach Deutschland: Migranten investieren in Sprache und Bildung

Hohe Anerkennungsquoten bei reglementierten Berufen In einem Teil der Berufe in Deutschland ist ein aka- demischer oder beruflicher Abschluss für die Berufs- ausübung vorgeschrieben. Man spricht von „regle- mentierten“ Berufen. Hier ist die Anerkennung des ausländischen Abschlusses oder der Erwerb einer äquivalenten deutschen Qualifikation zwingend vor- geschrieben, damit Zuwanderer, die solche Abschlüs- se im Ausland erworben haben, diese Berufe ausüben können. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass un- ter diesen Migranten, der Anteil derjenigen, die eine Anerkennung beantragt haben, mit rund 50 Prozent sehr viel höher ausfällt, als bei denjenigen, die in einem nicht reglementierten Beruf arbeiten (29 %). Auch die Anerkennungsquoten sind bei den regle- mentierten Berufen höher: Bei rund 80 Prozent der Antragsteller wurden die Abschlüsse als vollständig oder teilweise gleichwertig anerkannt, bei 60 Pro- zent als vollständig gleichwertig. Nur etwas mehr als 13 Prozent der Anträge wurden abgelehnt. Bei den
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Soziale Determinanten depressiver Symptomatik bei Menschen mit
Migrationshintergrund in Deutschland

Soziale Determinanten depressiver Symptomatik bei Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland

11 höheren Lebensalter in Deutschland. Relevante depressive Symptome (EURO-D ≥4 Punkte) fanden sich bei 536 Personen (20,8 %). In der Migrantengruppe zeigten 138 von 539 Migranten (27,8%) depressive Symptome, dagegen wiesen nur 398 der 2351 Nichtmigranten (19,2 %) (χ2=21,84; p<0,001) depressive Symptome auf. Des Weiteren gaben Menschen mit Migrationshintergrund fast alle häufiger Einzelsymptome an als Nichtmigranten. Hierbei zeigten sich insbesondere bezüglich der Symptome Hoffnungslosigkeit (35% höher), Konzentrationsstörung (30% höher), Appetitlosigkeit (27% höher) und Weinen (26% höher) deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. In der logistischen Regressionsanalyse ergab sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Migrationsstatus und relevanten depressiven Symptomen (EURO-D ≥4 Punkte) mit einer nicht-adjustierten Odds Ratio (OR) von 1,62 (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,27–2,07). Auch in der für relevante körperliche und soziodemographische Risikofaktoren adjustierten Regressionsanalyse blieb dieser Zusammenhang bestehen, der Effektschätzer reduzierte sich auf eine adjustierte OR von 1,50 (95%-KI 1,11–2,01). Während weibliches Geschlecht, alleinlebend, zwei oder mehr chronische Erkrankungen, eine oder mehr Einschränkungen in ADL und iADL sowie zuvor behandelte Depression ebenfalls mit dem Auftreten depressiver Symptomatik assoziiert waren, zeigten hoher Bildungsstand und bessere Gedächtnisleistung eine Assoziation mit einer geringeren Prävalenz depressiver Symptome.
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