Nach oben pdf Soziale Fragen in Wissenschaft und Alltag

Soziale Fragen in Wissenschaft und Alltag

Soziale Fragen in Wissenschaft und Alltag

rung von Sozialwissenschaft mit dem Ziel, die Sozialwissenschaften dem Nicht-Sozialwis­ senschaftler näherzubringen. Hier sieht Gal- tung die Chance für eine Sozialwissenschaft, die nicht allein Untersuchungen über Men­ schen anstellt, sondern für Menschen da ist — eine, wie er es nennt, Humanisierung der Sozi­ alwissenschaft, eine Entwicklung zur einer So­ zialwissenschaft, „die mehr von Nicht-Sozial­ wissenschaftlern geleitet wird — , also zu einer Entprofessionalisierung der Sozialwissen- schaft" führt. Einen Vorteil einer derartig ent- professionalisierten Sozialwissenschaft sieht er in der Möglichkeit, eine in dieser W eise orientierte Sozialwissenschaft auch stärker ei­ ner öffentlichen Kontrolle zu unterziehen. Die Ankoppelung wissenschaftlicher Konzepte an Alltagskonzepte hat ohne Frage Vorzüge: So­ zialwissenschaft würde sich im alltäglichen Leben verständlicher machen können, weil sich ihre Aussagen an vorhandene Denkstruk­ turen anknüpfen ließen: sie wäre auch kon­ trollierbarer, weil ihre Methoden und Ziele von außen her durchschaubarer Wären. Beide Lösungsansätze', „Verwissenschaftli­ chung von Alltag" (Luhmann) und „Entprofes­ sionalisierung von Wissenschaft" (Galtung), er­ fassen jedoch nur einen Teilbereich der Pro­ blematik, indem sie darauf zielen, Begriffe, theoretische Konzepte und Theorien aus A ll­ tag und Sozialwissenschaft anzugleichen. Die Geschichte der Naturwissenschaft hat gezeigt, wie schnell eine Umsetzung theoretischer Konstrukte in Alltagsdenken möglich ist: „Lichtgeschwindigkeit", „Kernspaltung“, „Laser­ strahlen" sind Begriffe, die Sachverhalte be­ zeichnen, mit denen heute auch der Nicht-Na­ turwissenschaftler etwas verbindet. Aber auch aus den Sozialwissenschaften haben Begriffe wie „Unterbewußtsein", „soziale Rolle“, „Erzie- hungsstil" Eingang in Alltagsdenken gefun­ den. Anders als in den Naturwissenschaften aber besteht gegenüber den Sozialwissen­ schaften auch der Anspruch seitens der Nicht­ wissenschaftler, das methodische Vorgehen, die Erkenntniswege, mitzudiskutieren. Die öf­ fentlich oft gestellte Frage nach der „Reprä­ sentativität" empirisch sozialwissenschaftli­ cher Aussagen ist hier ein deutliches Bei­ spiel.
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Paradoxien in der Wissenschaft, im Alltag und in der Gesellschaft : Versuch einer Analyse des Unverständlichen

Paradoxien in der Wissenschaft, im Alltag und in der Gesellschaft : Versuch einer Analyse des Unverständlichen

normalerweise als die intellektuellsten und scharfsinnigsten Menschen der Antike gelten, waren nicht nur klar denkende Philosophen, sondern hatten dabei auch das hoch geachtete Orakel zu Delphi, den neben Olympia wohl einzigen gesamtgriechischen Ort in diesem Land der Klein- und Stadtstaaten; es gab zudem noch eine Vielzahl ähnlicher Zentren, die zum Teil mit ganz abstrusen lokalen Bezügen bekannt waren: In Dodona sollte Zeus durch Wind mit ehernen Schilden, die in dem Geäst von Eichbäumen aufgehängt waren, ein bestimmtes Scheppern erzeugen, anderswo war der Eingang zum Hades in der Nähe usw. Bezeichnenderweise waren die Orakel vielfach mit entsprechenden Heilzentren und auch mit regelmäßig wiederkehrenden Feiern verbunden; dies zeigt deutlich, dass man der geistigen Atmosphäre dieses heiligen Topos ganz reale Wirkungen auf das menschliche Befinden zutraute und die betreffenden Gottheiten durch würdige Tempel und großartige Sportveranstaltungen ehren wollte. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass diese antiken „Reha-Zentren“ schnell ihre Bedeutung verloren hätten, wenn sie nicht nachweisbare Heilerfolge gehabt hätten: gerade die Griechen waren gegen Scharlatanerie ziemlich empfindlich. Deswegen kann als sicher gelten, dass die damaligen Behandlungsmethoden, zu denen Heilschlaf, Einnahme natürlicher Drogen und geistige Übungen gehörten, durchaus therapeutisch wirksam waren, da sie auf alle Fälle viel intensiver „eingeübt“ und vervollkommnet wurden, als dies heute angesichts der fast ausschließlichen Einstellung der westlichen Medizin auf unsere „linkshirnige“ Wissenschaft möglich und interessant erscheint. Viele der als „Wunder“ überlieferten Heilungen gehen wohl auf diese Leistungen „rechtshirniger“ Erkenntnisse zurück, die keineswegs den Gesetzen der exakten Wissenschaften widersprechen.
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Identität und Arbeit. Zum Verständnis der Bezüge in Wissenschaft und Alltag

Identität und Arbeit. Zum Verständnis der Bezüge in Wissenschaft und Alltag

nicht nur zur Einordnung der eigenen Arbeit, son- dern auch für Identität als der Verortung" der eige- nen Person notwendig sind: Auch hier vergleichen wir einzelne Aspekte untereina[r]

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Sinnkonstitution in Alltag und Wissenschaft. Der Beitrag der Phänomenologie an die Methodologie der Sozialwissenschaften

Sinnkonstitution in Alltag und Wissenschaft. Der Beitrag der Phänomenologie an die Methodologie der Sozialwissenschaften

Alltag beschäftigen (wie es Schütz postuliert), so ist ein handlungstheoretischer Ansatz unumgänglich. In seiner Beschränkung auf das Auffinden symbolischer Grundstrukturen und ihre Rückführung auf ein kollektives Unbewusstes geht es dem Strukturalismus wie dem Behaviorismus: er kann sich nicht selbst begründen – die Erkenntnis solcher Strukturen muss sich ex definitione selbst innerhalb solcher Strukturen bewegen, der Agens der Erkenntnis bleibt aber aus dem Bezugsrahmen ausgesperrt. Nun ist es sicher sehr instruktiv, die Reichweite eines Ansatzes anhand seiner Zielsetzung und Erkenntnismöglichkeiten zu evaluieren, doch bildet die Tatsache einer beschränkten Perspektive an sich noch keinen ausreichenden Grund, ein Paradigma zurückzuweisen. Vertritt man einen pluralistischen Wissenschaftshabitus, so kann man den Strukturalismus beispielsweise als strukturalen Unterbau für handlungstheoretische Ansätze interpretieren. Und Lévi-Strauss (1976: 733) sagt selbst, die strukturale Methode solle erklären, was sie kann – alles könne sie nicht erklären. Die zentrale Frage ist daher vielmehr, wieweit die aufgefundenen Strukturen [239] empirisch gerechtfertigt sind und ob sich die strukturale Methode auch für die Analyse moderner Gesellschaften eignet. Dass sich Lévi-Strauss' theoretische Überlegungen in ernsthafter Auseinandersetzung mit empirischem Material entwickelten, wird niemand bestreiten. Fraglich bleibt allein, ob man nicht partout Strukturen findet, wenn man solche sucht; m.a.W. inwieweit empirische Daten zwecks Aufweis struktureller Zusammenhänge interpretativ zurechtgebogen werden. Eine authentische Antwort bleibt Ethnologen vorbehalten, welche mit dem jeweiligen Datenmaterial vertraut sind. Entsprechende Kritik ist aber durchaus vorhanden. So bemängeln beispielsweise Raoul und Laura Makarius (1967) an Lévi
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Wissenschaft im Alltag - Hydraulische Bremsen - WIS

Wissenschaft im Alltag - Hydraulische Bremsen - WIS

Sattel Brems- scheibe Brems- fl üssigkeit Kolben Bremsbacke Bremstrommel Brems- belag Brems- fl üssigkeit Kolben Radbrems- zylinder Brems- backe Bremskraft- verstärker Außenluft- eintrit[r]

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Sprachtheorie : Der Sprachbegriff in Wissenschaft und Alltag : Jahrbuch 1986 des Instituts für Deutsche Sprache

Sprachtheorie : Der Sprachbegriff in Wissenschaft und Alltag : Jahrbuch 1986 des Instituts für Deutsche Sprache

Comelsen-Velhagen & Klasing Verlagsgesellschaft, Bielefeld Um schlaggestaltung Paul Effert.. Herstellung Lengericher Handelsdruckerei,.[r]

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Sinnkonstitution in Alltag und Wissenschaft: der Beitrag der Phänomenologie an die Methodologie der Sozialwissenschaften

Sinnkonstitution in Alltag und Wissenschaft: der Beitrag der Phänomenologie an die Methodologie der Sozialwissenschaften

Die Aufschichtung der Sozialität hat zur Grundlage, dass wir die andern Men- schen weder als seelenlose Roboter noch als Einbildungen unserer Phantasie sehen, sondern als wesentlich gleiche, beseelte Lebewesen. Während der Nachweis der Exis- tenz des andern für die idealisti- [57] schen Philosophen stets ein fast unüberwindli- ches Problem darstellte (vgl. Husserl!), steht diese für den Menschen in Alltagsleben überhaupt nicht in Frage: Ich nehme die Gegebenheit und Gleichgeartetheit meines Mitmenschen als Selbstverständlichkeit hin (Generalthese des alter ego). Die Frage stellt sich hingegen, wie ich mich mit dem andern verständigen kann, hat er doch einen unterschiedlichen räumlichen und evtl. auch zeitlichen Standort, eine unterschiedli- che Rhythmik seiner inneren Dauer, eine unterschiedliche Biographie und unter- schiedliche Erfahrungen. Wie die Transzendenz von Zeit und Raum wird nach Schütz auch die Transzendenz des Subjekts durch Idealisierung bewältigt, nämlich durch die Generalthese der wechselseitigen Perspektiven. Diese umfasst zwei Komponenten: 1) Die Idealisierung der Vertauschbarkeit der Standpunkte setzt, dass ich die Dinge in gleicher Perspektive, Distanz und Reichweite erfahren würde wie der andere, wäre ich an seinem Ort, et vice versa; 2) die Idealisierung der Kongruenz der Relevanzsys- teme lässt mich und den andern als gegeben annehmen, dass Unterschiede der Auf- fassung und Auslegung, die sich aus der Verschiedenheit unserer biographischen Situationen ergeben, für die vorliegenden praktischen Zwecke irrelevant sind, dass wir also ohne weitere Absprache so handeln und uns so verständigen können, als ob wir die Welt in identischer Weise erfahren und ausgelegt hätten. Diese beiden Ideali- sierungen verbinden sich mit den beiden oben erwähnten des "Und-so-weiter" und "Ich-kann-immer-wieder", welche uns erlauben, in der gleichen Weise fortzufahren: Nicht nur unsere schon gemeinsam erfahrene Welt ist sozialisiert, sondern auch mei- ne noch erfahrbare Welt ist prinzipiell sozialisierbar. Ohne diese lebensweltlichen Idealisierungen ist nach Schütz Kommunikation, d.h. Intersubjektivität unmöglich – erst sie ermöglichen die soziale Ausformung und sprachliche Fixierung von Denkob- jekten; ihre konkrete empirische Ausgestaltung kann allerdings recht verschieden ausfallen (vgl. Absch. I 5.2.2.).
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Wieviel Sprache(n) braucht man in Deutschland? Anregungen und Fragen aus der Praxis an Wissenschaft und Politik

Wieviel Sprache(n) braucht man in Deutschland? Anregungen und Fragen aus der Praxis an Wissenschaft und Politik

Vorbemerkung: Die folgenden Ausführungen stammen aus der Perspektive eines Teams von Sozialberatem und Lehrern im beruflichen Alltag des Ju- gendgemeinschafitswerks in Karlsruhe, das seit 1977 Integrationshilfen an­ bietet. ‘Jugendgemeinschaftswerk’ ist ein terminus technicus und bezeichnet bundesweit Beratungsstellen für junge Spätaussiedler im Alter von 12-27 Jahren, die aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes gefordert werden. Seit dem 1. Januar 2001 fordert der Bund nicht nur junge Spätaussiedler sondern allgemein Jugendliche mit Migrationshintergrund. Ob in Sprech­ stunden und Hausbesuchen, Sprachkursen und Nachhilfegruppen, ob in The­ aterarbeit und Malkursen oder im Computerclub - immer geht es uns darum, die Situation der zugewanderten Klienten angemessen zu erfassen, sie mit der neuen Umwelt vertraut zu machen und ihnen den Anschluss zu ermögli­ chen.1
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Inszenierte Mitbestimmung?! Soziale und demokratische Kompetenzen im schulischen Alltag

Inszenierte Mitbestimmung?! Soziale und demokratische Kompetenzen im schulischen Alltag

Durch die Frage, wofür „man“ Regeln braucht, verlagert die Lehrerin im weiteren Ver- lauf des Gesprächs ihr eigenes Interesse, Regeln erstellen zu wollen, in ein angenom- menes Interesse der Kinder. Eingebettet in ein schulisches Frage-und-Antwort-Spiel zwischen Frau Nitz und mehreren Schülerinnen, beginnen diese nun Antworten auf die Fragen nach Regeln zu nennen und interpretieren den Auftrag damit als einen schuli- schen. Eine erste Nennung ist, dass Regeln den Lernenden Sicherheit bieten. Das von Kira dann gewählte Beispiel aus dem Straßenverkehr hat zwar für den schulischen All- tag keine Bedeutung, betont jedoch drastische Konsequenzen des Regelverstoßes: „weil dann ist man vielleicht ja tot“. Dieses dramatische Resultat eines Regelübertritts wird von der Lehrerin durch die Wiederholung herausgestrichen und (wenn auch abge- schwächt) in Beziehung zu den Klassenregeln gesetzt, das eigentlich intendierte Wohl- fühlen durch gemeinsame Regeln wird so mit einer Drohung verknüpft. Gleichzeitig signalisiert Kira, dass sie den nur scheinbar partizipativen Kontext der Regelaushand- lung akzeptiert, denn sie benennt keine Regeln, sondern „Vorschriften“, deren Spezi- fikum gerade nicht die soziale Aushandlung ist. Kira spielt das ‚doppelte Spiel‘ der Lehrerin mit, indem sie sich an dem lehrkraftzentrierten Unterrichtsgespräch beteiligt ohne die suggerierte Mitbestimmung tatsächlich einzufordern.
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An der Peripherie :  Alltag und soziale Beziehungen im Kontext von Migration und Urbanisierung am Beispiel einer informell gegründeten Siedlung in Tirana, Albanien

An der Peripherie : Alltag und soziale Beziehungen im Kontext von Migration und Urbanisierung am Beispiel einer informell gegründeten Siedlung in Tirana, Albanien

statten dagegen seltener Besuche ab. Sie werden für einen kürzeren Zeitraum und weniger förmlich empfangen. Das formelle Verhältnis unter Mitgliedern der patrilinearen Abstam- mungsgruppe des Ehemannes zeigt sich bereits in der förmlichen Begrüßungszeremonie, die auch in den Dörfern in Dibër zu beobachten war. Die Gäste werden nach ihrer Ankunft in das Wohnzimmer geführt und auf Plätze an dem Tisch (sofër) verwiesen. In den Dörfern ist das zweite Wohnzimmer, das sogenannte Wartezimmer, das dafür richtige, das in Bathore bis auf die Unterbringung von Gästen nicht beansprucht wird. Im Winter, wenn nur die Küche beheizt ist, werden sie auch in die Küche geführt. Das Begrüßungsritual umfasst eine be- stimmte Abfolge an Fragen über das Befinden der anwesenden Gäste sowie deren nicht anwesenden Angehörigen. Die Fragen werden von allen Mitgliedern des Gastgeberhaushal- tes dem Geschlecht und Alter nach allen Gästen nacheinander gestellt: Zuerst werden die älteren, dann die jüngeren Gäste befragt, angefangen bei den männlichen. Danach erst wird sich nach dem Anlass des Besuches erkundigt oder über aktuelle Themen wie die Arbeitsla- ge unterhalten. Noch während der Befragung erhalten sie von der älteren Tochter des Hau- ses Süßigkeiten aus gläsernen Behältnissen. Die Gastgeberin bietet allen Erwachsenen tür- kischen Kaffee, den Männern selbstgebrannten Obstschnaps (raki) sowie den Kindern kalte Getränke an. Außerdem stehen Sonnenblumenkerne zum Knabbern bereit. Während Mit- glieder der fis bei nachmittäglichen Besuchen aufgefordert werden, zum Abendessen zu bleiben, wird dies miqtë, den gebürtigen Verwandten der Frau, nicht angeboten. Wäre be- reits Essenszeit, wird das Essen so lange hinausgezögert, bis die Gäste gegangen sind. Hierbei kommt die doppelte Bedeutung von miqtë zum Tragen: Freunde und Gäste. Die Verwandten der Frau sind miqtë im doppelten Sinne und werden nicht in gemeinsame Mahl- zeiten integriert, die den Mitgliedern der patrilinearen Abstammungsgruppe des Mannes vor- behalten zu sein scheint. Aufgrund der normativen Verbindlichkeit wird in diese mehr inves- tiert als in Personen, die einer anderen Gruppe angehören. Durch gemeinsames Essen wird zudem die Gruppenzugehörigkeit verstärkt. Dieser praktische Ausschluss von Mitgliedern der Herkunftsverwandtschaftsgruppe von Frauen lässt sich anhand der höheren Gewichtung der patrilinearen Abstammungsgruppe des Mannes erklären, die herkömmlich als soziale und ökonomische Einheit agierte und heute noch mit ökonomischen Erfolg assoziiert wird. Deren Mitglieder sind einander normativ verbunden. Erklärt wurde mir dieses Verhalten rein pragmatisch: Es sei zu teuer, für alle Besucher zu kochen.
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Fremder Alltag? Transnationale soziale Räume von Grenzgängern in der Großregion SaarLorLux

Fremder Alltag? Transnationale soziale Räume von Grenzgängern in der Großregion SaarLorLux

vierter gelten. Das damit induzierte Konkurrenzmoment wirft Fragen nach der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Grenz- gängern auf, die besonders in Luxemburg mit seiner paradoxen Arbeitsmarktsituation zur Kenntnis zu nehmen sind. Denn wäh- rend das Großherzogtum einen ungebrochenen Arbeitsplatz- zuwachs verzeichnet, von denen jährlich etwa zwei Drittel auf Grenzgänger und ein Drittel auf Ansässige entfallen (ADEM 2007:7), wächst seit 2001 auch die Arbeitslosenquote. Sie ist im europäischen Vergleich zwar niedrig, für Luxemburg stellen die derzeit ca. 10.000 Arbeitslosen aber eine schmerzhafte Erfah- rung dar. Die atypische Situation von Arbeitsplatz- und Arbeits- losenwachstum ist auf den Mismatch zwischen nachgefragten Qualifikationen und entsprechend verfügbaren Luxemburgern zurückzuführen, womit die luxemburgischen Arbeits- losenzahlen weniger durch einen Verdrängungswettbewerb, denn vielmehr strukturell bedingt sind (IBA 2007a: 67ff.). Gleichwohl verschärft diese Situation das genannte Konkur- renzverhältnis zwischen Ansässigen und Grenzgängern.
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Ökologie, Politik und Wissenschaft: drei grund-legende Fragen

Ökologie, Politik und Wissenschaft: drei grund-legende Fragen

Ich möchte an dieser Stelle keine Prognose darüber abgeben, welche die­ ser verschiedenen Entwicklungslinien die wahrscheinlichste ist. Wün­ schenswert aber ist, daß etwas geschieht; daß nicht nur einzelne Wissen­ schaftler, sondern die Wissenschaft als Ganzes eine große Anstrengung unternimmt und sich schneller und konsequenter als bisher den vielfälti­ gen Umweltproblemen widmet. Nur so, denke ich, ist zu verhindern, daß sich Königin Beatrix’ düstere Prognose erfüllt: »Langsam stirbt die Erde und das Unvorstellbare - das Ende des Lebens selbst - wird nun vorstell­ bar.«
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Alltag in Zeiten von Corona aus Sicht der Masterstudierenden Kindheit, Jugend und Soziale Dienste

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Arbeitskolleg*innen im Büro oder ein spontaner Einkauf ohne Vorbereitung verstärkt unsere Sehnsucht nach Freiheit. Wir vermissen die Momente, in denen wir in die Pausengespräche gehen können und auf zufällige Begegnungen sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext treffen. Was wir der aktuellen Situation positiv abgewinnen können, zeigt unsere Kommilitonin, indem sie ihren Alltag in Form einer Tabelle dokumentiert und in der Anfangszeit genau plant. Eine

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"Die Wissenschaft darf ihren Wahrheitsanspruch nicht aufgeben" : Wolfert von Rahden stellt Fragen zur Abgrenzung von Wissenschaft und Kunst

"Die Wissenschaft darf ihren Wahrheitsanspruch nicht aufgeben" : Wolfert von Rahden stellt Fragen zur Abgrenzung von Wissenschaft und Kunst

ist immer noch brauchbar – es fehlen ein paar Elemente, aber die braucht man kaum je. Es war eine richtige Ein- sicht von Nietzsche, dass das Christentum im Anschluss an Platon die Ewigkeit als Geltungskriterium etabliert hat, damit letztlich nur, was direkt von Gott kommt, auch wahr sei, weil ja nur Gott Ewigkeit garantieren kann. Diese Kopplung von Wahrheit und Ewigkeit muss man auflösen. Auch in der Wissenschaft werden Standards aufgelöst und neue gesetzt. Einstein zum Beispiel hat gleich mehrere Regeln verletzt, und das gilt uns jetzt als Geniestreich. Die relative, moderate Flüssigkeit von Ka- nones, die kommt nicht nur in der Kunst vor, die ist auch ein Phänomen der Wissenschaft. Allerdings gelten ein paar Rationalitätsbedingungen für die Auflösung von Standards. Erstens: Wir geben eine alte Theorie, die Pa- radoxien und Anomalien enthält – jede halbwegs kom- plexe wissenschaftliche Theorie enthält Paradoxien und Anomalien –, erst auf, wenn wir eine bessere haben. Das gilt für den Künstler natürlich nicht. Und zweitens: Wenn wir glauben, eine bessere Theorie zu haben, dann aufgrund von Metakriterien, die das Besser oder Schlech- ter definieren. Wann ist eine neue Theorie besser? Wenn sie wenigstens die gleiche Erklärungskraft hat wie die alte Theorie und darüber hinaus ein wenig mehr leistet. Wenn also Kriterien in der Wissenschaft aufgelöst oder über- wunden werden, dann gelten Metakriterien, nach denen alles Neue beurteilt werden kann.
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Soziale Exklusion als Krankheitsfolge: Stigma und Alltag in einer ehemaligen Leprakolonie in Nordost-Brasilien

Soziale Exklusion als Krankheitsfolge: Stigma und Alltag in einer ehemaligen Leprakolonie in Nordost-Brasilien

Erving Goffman (1973) beschreibt Leprosarien als totale Institutionen und damit als tendenziell allumfassende Einrichtungen, in denen regelmäßig bestimmte Tätigkeiten ausgeführt werden und der soziale Verkehr beschränkt ist. Andere totale Institutionen sind z.B. Pflegeheime, Psychiatrien, Gefängnisse, Kasernen und Klöster. In diesen Einrichtungen ist die Trennung der Sphären Arbeit, Schlaf und Spiel aufgehoben; alle Lebensbereiche finden unter Aufsicht derselben Autorität statt und werden mit Schicksalsgenossen geteilt. Der Tagesablauf wird exakt durchgeplant, die Regeln werden durch Funktionäre aufgestellt und deren Befolgung überwacht. Zwischen Insassen und Aufsehern besteht eine formale Trennung mit gegenseitigen feindseligen Stereotypien und Misstrauen. Oft gibt es in totalen Institutionen nur wenig Beschäftigungsmöglichkeiten im Sinne von Arbeit oder Freizeitaktivitäten; es resultiert Langeweile. In Bezug auf die „Welt der Insassen“ beschreibt Goffman die Diskulturation als Verlernprozess, der den Betroffenen zeitweilig oder dauerhaft unfähig macht, mit bestimmten Gegebenheiten der Außenwelt fertig zu werden, wenn und falls er hinausgelangt. Bei Aufnahme in eine totale Institution kommt es zu einer Zerstörung des Selbstbildes mit zum Teil irreversiblem Rollenverlust. Die Demütigung durch Auflösung des formellen Verhältnisses zwischen dem handelnden Individuum und seinen Handlungen zeigt sich z.B. in der fehlenden Möglichkeit, das Selbst durch Trotz, Ironie oder Spott zu schützen, in sanktionierenden Interaktionen von oben und der Verletzung der Autonomie des Handelns als erwachsener Mensch. Als Reaktion auf diese Situation beschreibt Goffman fünf Formen der Anpassung: 1. die Strategie des Rückzugs aus der Situation mit dramatischem Abbruch der Beteiligung an Interaktionsprozessen, 2. den kompromisslosen Standpunkt des Rebellen, 3. die Strategie der Kolonisierung, bei der der Abschnitt der Außenwelt im Innern als Ganzes angesehen wird, um die Spannung zwischen beiden Welten zu verringern, 4. die Konversion
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Wissenschaft und Technik in Mittel- und Osteuropa. Ergebnisse der Transformation und neue Fragen

Wissenschaft und Technik in Mittel- und Osteuropa. Ergebnisse der Transformation und neue Fragen

Trotz dieser scheinbaren „Niveauangleichung“ zwischen den Ländern und wesentlicher Gemeinsamkeiten in ihrer institutionellen Transformation, insbesondere bei den Sektoren des Wissenschaftssystems, sind die ver- schiedenen Kurvenverläufe beim FuE-Personal ein weit besserer Indika- tor für die tatsächlichen Veränderungen. So konnte der Personalabbau z.B. in Bulgarien und Rumänien noch nicht gestoppt werden. In Polen und in den meisten anderen Ländern kam er dagegen zum Stillstand, was aber auch nur zur Stagnation beim Personalbestand führte. Lediglich in Ungarn (vor allem durch ausländische Firmen) und in Slowenien (hier vor allem in einheimischen Firmen) gab es neues Wachstum beim (industriel- len) FuE-Personal und -aufwand. Die Abbildungen 2-4 zeigen insofern typische divergierende Entwicklungsmuster; demnach haben sich die Un- terschiede zwischen den MOEL in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eher verstärkt, was wiederum Fragen nach der künftigen Entwicklung von WuT in den einzelnen Ländern aufwirft.
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Malottki, Christian von (2010): Neue Soziale Fragen des Wohnens.

Malottki, Christian von (2010): Neue Soziale Fragen des Wohnens.

• Grüner Hof: Wohnen für Jung und Alt Infrastruktur für das Quartier. • Nachbarschaftsaktivierung,[r]

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"In der Wissenschaft fallen ständig Mauern" : Wolfert von Rahden stellt Fragen zu Strategien der Wissensvermittlung

"In der Wissenschaft fallen ständig Mauern" : Wolfert von Rahden stellt Fragen zu Strategien der Wissensvermittlung

Indirekt auf jeden Fall, denn es ist tatsächlich so, dass Durchbrüche fast immer Grenzüberwindungen zur Vo- raussetzung haben. Wenn zum Beispiel Tania Singer aus Leipzig etwas erzählt über ihre Neuroforschung, und in ihrem Team arbeiten Theaterwissenschaftler und Biolo- gen und Psychologen zusammen, dann wird dieser Punkt sehr deutlich. Aber wir sind keine in die Wissenschaft gerichtete Veranstaltung, wo die Wissenschaftler mögli- che Grenzen unter sich diskutieren, sondern wir sind eine Veranstaltung, auf der die Wissenschaft im Prinzip ihren geistigen Muskel, ihren Beitrag zur Zukunft darstellt. Die Veranstaltung versucht, einen Zustand zu überwin- den, der mich immer noch erstaunt, nämlich dass Wis- senschaftsveranstaltungen in Deutschland sehr oft ohne Wissenschaft funktionieren. Wenn sich die großen Spie- ler der Wissenschaft auf Festveranstaltungen darstellen, dann wird zwar immer die große Bedeutung der Wissen- schaft betont, aber zur Wissenschaft an sich kommt es nicht. Vielleicht gibt es einen Festvortrag von 45 Minu- ten zu einem Themengebiet, aber mehr nicht. Bei unserer Veranstaltung dagegen vermitteln Wissenschaftler direkt ihre Forschung – da ist Wissenschaft so pur, da entsteht eine ganz andere Faszination. Wir sind der ›Langen Nacht der Wissenschaft‹ oder dem Physikunterricht ver- wandter als der Festveranstaltung, mit der sich eine wis- senschaftliche Institution darstellt. Bei uns gehen die Leute abends begeistert und fasziniert nach Hause und sind überzeugt, dass die Wissenschaft alle Unterstützung braucht. Und um diese Ausstrahlung in die Gesellschaft hinein geht es uns.
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Soziale Arbeit und Intersektionalität : zur Relevanz des Konzepts und zu offenen Fragen in Theorie und Praxis

Soziale Arbeit und Intersektionalität : zur Relevanz des Konzepts und zu offenen Fragen in Theorie und Praxis

Die Soziale Arbeit engagiert sich für die Integration und Teilhabe von Menschen, die unterschiedlich von Diskriminierung und, damit ver- bunden, von Exklusion betroffen sind. Die Realität zeigt, dass Dis- kriminierung und Ausschluss aus der Gesellschaft sich nicht auf eine einzige Ursache oder ein einziges Merkmal reduzieren lassen. Das Konzept der Intersektionalität geht dem Zusammenspiel von vielfäl- tigen Diskriminierungen, sogenannten Mehrfachdiskriminierungen, auf den Grund und rückt dabei die sich gegenseitig verstärkenden bzw. kompensierenden Wirkungen ins Zentrum ihrer Analysen und Interventionen.
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Soziale Ungerechtigkeit - Überlegungen zu einem Forschungsprogramm: ein Kurzgutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft

Soziale Ungerechtigkeit - Überlegungen zu einem Forschungsprogramm: ein Kurzgutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft

Überlegungen zu einem Forschungsprogramm: ein Kurzgutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft... München: Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V.[r]

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