Childe Harold's pilgrimage

Teljes szövegt

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SAMMLUNG

ENGLISCHER SCHRIFTSTELLER

MIT DEUTSCHEN ANMERKUNGEN

H E R A U S G E G E B E N VON

LUDWIG HEEEIG.

BYRON'S CHILDE HAROLD.

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CHILDE HAROLD'S

P I L G R I M A G E

VON

L O E D B Y E O N .

EHKLART

V O N

F E R D . B R O C K E R H O F F .

C E L L E .

SCHULZE'SCHE BUCHHANDLUNG.

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CHILDE HAROLD'S

P I L G R I M A G E .

ERSTEH UID ZWEITER GESAIG.

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Einleitung.

Man bemerkt nicht selten, dass der Geist ausgezeichneter Menschen sich in ihrer körperlichen Erscheinung wie in einem Vollkommen entsprechenden sinnlichen Gegenbilde abspiegelt. Er liebt es, in der leiblichen Hülle, die ihn umgibt, gleichsam einen Schatten vor sich herzuwerfen, an dem seine eigenthümliche Structur erkannt und seine Grösse Ermessen werden kann.

E s wird wiederholt von Solchen, die Byron aus persönlicher Anschauung kannten, des auffallenden Contrastes gedacht, den die tiefdunkle Farbe seiner Haare und Brauen mit dem lichten, aus- drucksvollen Glänze' seiner Augen gebildet habe. Diese wunder- bar fesselnde Mischung von Licht und Schatten schuf ganz beson- ders jenen zauberhaften Reiz, den die Person des Dichters überall, wo sie erschien, um sich verbreitete. Sie repräsentirt zugleich den scharfen Gegensatz, welcher den in seinen Dichtungen fort- lebenden Geist vorzugsweise charakterisirt.

Im Gebiete der Natur sind Tag und Nacht von einander ge- schieden. Auch in der geistigen Sphäre pflegen Licht und Dunkel gesondert aufzutreten. Es gibt Menschen, die der Sonne gleich fort und fort in hellem Glänze leuchten und Alles, was sie umgibt, in die frischen Farben des warmen Lebens eintauchen. Es gibt andere, die, ernst und düster wie die Nacht, Alles was sich ihnen naht, in das trübe, einförmige Grau des Todes kleiden. Aber selten geschieht es, dass ein und derselbe Geist die Fähigkeit besitzt, sich in beiden einander widersprechenden Daseins- und An- schauungsformen zu gleicher Zeit und mit gleicher Sicherheit zu bewegen.

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Byron ist einer dieser Wenigen und eben darauf beruht seine persönliche Grösse wie der magische Zauber seiner Dichtungen.

Der Engel des Lichtes und der Dämon der Finsterniss haben, so scheint es, gleichzeitig von seiner Seele Besitz ergriffen und man könnte nicht sagen, dass die Gewalt des einen grösser sei wie die des andern. Tag und Nacht, Licht und Schatten, Leben und T o d , Himmel und Hölle, sind in seinem Geiste vereinigt, ohne dass sich entscheiden Hesse, wem unter ihnen der Vorrang gebührt.

E s ist, wie wenn mitten am wolkenbedeckten Nachthimmel plötz- Hch die Sonne in hellem Glänze hervorträte und ihre Strahlen sich mischten mit den ringsum aufsteigenden Schatten. Oder um ein Bild aus der wirkHchen Natur zu entnehmen — der Geist Byron's gleicht der Wetterwolke, die vom Sturmwinde dahergetrieben, überall, wo sie verweilt, die gesammte Sinnenwelt in das tiefste Dunkel hüllt, aber zugleich in ihren rastlos zuckenden Blitzen das intensivste Licht über sie ausgiesst, die, während sie mannigfaches Verderben in ihrem Schoosse trägt und ihren W e g durch Verhee- rungen bezeichnet, dem Dunstkreise seine reine Frische wieder- gibt und der Erde den befruchtenden liegen sendet, der sie zu neuem Leben aufweckt.

Wer die Byron'sche Poesie mit einem Worte charakterisiren will, muss sie als eine wesentlich subjective oder persönliche Poesie bezeichnen. In der That ist sie der Form wie dem Inhalte nach nichts als der treue und lebendige Ausdruck dessen , der sie und sich in ihr geschaffen hat. Der die Dichtung beseelende Geist ist ganz und durchweg eins mit dem Geiste des Dichters, nicht bloss da, wo dessen persönliches Leben, sein Glauben und Meinen, sein Denken und Streben, sein Schmerz und seine Freude unmittelbar in sie 'hereintreten, sondern auch dann, wenn sie sich den Erschei- nungen der Aussenwelt zuwendet. Wohin immer der Dichter seinen Blick richtet, mag er nun die Natur oder die Geschichte oder auch das gegenwärtige Leben der Menschheit ins Auge fas- sen, stets gleicht er dem Geiste, der über dem Stoffe schwebt, nicht um sich hingebend in ihn zu vertiefen, sondern um ihn nach seinem Ebenbilde zu gestalten.

Und was von der Poesie Byron's überhaupt, das gilt ebenso

von den einzelnen Dichtungen, wenn sie für sich betrachtet wer-

den. Man gehe sie der Reihe nach durch und man wird glauben,

wie in einer Gallerie von Spiegeln umherzuwandern, die sämmtlich

ein und dasselbe Bild, wenn auch von verschiedenen Seiten und in

mannigfach wechselnden Formen zurückwerfen. Ueberau tritt uns

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3 die wohlbekannte Gestalt des Dichters mit ihren scharf markirten Zügen entgegen. Allerwärts sehen wir'das dunkle Lockenhaupt, unter dessen umdüsterter Stirne die lichtstrahlenden Augen leuchten.

Zwar ihr Glanz ist nicht immer von gleicher Stärke, und die Tiefe der Schatten, aus welchen sie sternengleich· hervortreten, dem Grade nach verschieden. Nie aber fehlt, wie heiter er auch zu sein scheint, dem Himmel die trübende Wolke und nirgends er- schliesst sich ein Abgrund, dessen finstere Tiefe nicht durch irgend einen Lichtstrahl erhellt würde. Der scharfe Gegensatz, welcher die Persönlichkeit Byron's in ihrem innersten Grunde spaltet, seine sich selbst widersprechende Doppelnatur ist in jedem seiner Werke erkennbar; in allen lebt er auf gleiche W e i s e , ganz und ungetheilt.

Man hat sich zuweilen über die ausserordentliche Theilnahme gewundert, welche die erste grössere Dichtung Byron's, Childe Harold's Pilgerfahrt, schon im Augenblicke ihres Erscheinens fand und sich später fort und fort zu erhalten wusste. Es schien auffallend, dass eine Production von diesem finster-abschreckenden Charakter ein so allgemeines und so lebendiges Interesse dauernd an sich zu fesseln vermochte. Pflegt doch die Zahl derer, welche die Nachtseite der menschlichen Natur mit theilnehmendem Blicke zu betrachten lieben, stets eine sehr beschränkte zu sein, und sind auch die W e n i g e n , auf die das Schattenbild der geistigen und sittlichen Zerrüttung,. das dunkelfarbige Gemälde der innern Schwäche und Ohnmacht einen gewissen Reiz ausübt, selten ge- neigt, länger als einen Augenblick bei ihm zu verweilen. Nirgends aber, so sagt man weiter, tritt der düstere Hintergrund des mensch- lichen Daseins in grellerer Beleuchtung heraus wie eben im Childe Harold. Er gleicht dem offenen Grabe, um das der unheimliche Geist des Todes seine nächtlichen Rundgänge hält, während aus seiner Tiefe die heiseren Klagelaute der Verzweiflung empordringen.

Und dem ist wirklich so. Wenn die Poesie Byron's vielfach eine Poesie der Verzweiflung genannt wird, so ist es vorzugsweise sein Childe Harold, der diese Bezeichnung rechtfertigt. Wäre es möglich, dass das leblose Nichts die Gabe der Sprache gewänne, es würde sich nicht treuer und lebendiger schildern können, wie es in diesem Gedichte geschieht. Nie ist der giftige Wurm, der an der innersten Wurzel des menschlichen Lebens zerstörend nagt, dem Blicke so offen gelegt, nie ihm die furchtbare Macht, welche die Gesammtheit der irdischen Dinge schonungslos in den Abgrund der Vernichtung reisst, in so grauenhafter Gestalt vorgeführt wor-"

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den. Die ganze Dichtung ist wie ein einziger Leichengesang, an- gestimmt über dem Grabe der Welt. Ueberall ertönt, ein schrek- . kender Gruss, das dumpfe „ Gedenke des Todes!" und nimmer

ruht das doppeltgeschliffene Beil, unter dessen wuchtigen Schlägen die stolzen Gebäude menschlicher Schöpfung krachend zusammen- stürzen.

Byron ist in Rücksicht auf seine Denk- und Empfindungs weise nicht selten mitRousseau verglichen worden, eineParallele, die, wie die meisten dieser Art, ebenso oft hinkt wie zutrifft. Indesslässtsich nicht leugnen, dass die Charaktere heider Männer, wenngleich sie manche sehr abweichende Elemente enthalten und vielleicht selbst in der Grundform durchaus verschieden sind, doch in einigen nicht un- wesentlichen Zügen in überraschender Weise zusammentreffen. Auch darin gleichen sie einander, dass sie beide sich selbst und die Ge- schichte ihres inneren Lebens mit rücksichtsloser Offenheit dar- gestellt, die geheimsten Irrgänge ihres Herzens sonder Scheu er- schlossen, ihr Irren und Fehlen, ihre Schwäche wie ihre Schuld mit dem Freimuthe der Wahrheit bekannt haben. Die öffentliche Beichte, welche der französische Philosoph am Abende seines Lebens in den „Bekenntnissen" ablegte, der englische Dichter hat sie gleich im Beginne seiner Laufbahn im Childe Harold wieder- holt. Er durfte schon in früher Jugend unternehmen, was in der Regel erst die Aufgabe des vorgerückten Alters ist.

Ein eigenthümlicher Anblick, dieser Greis in der Gestalt eines Jünglings! Wer es noch nicht wüsste, dass die Dauer des Lebens an seinem Inhalte und nicht nach der Zahl der Jahre, die es durch- laufen hat, abzumessen ist, den kann eine Erscheinung wie die des Childe oder seines dichterischen Schöpfers *) von dieser Wahrheit überzeugen. Eben erst hat er die Schwelle der Jugend über- schritten und schon ist er

„Alt geworden in dieser W e l t des Wehs, An Thaten, nicht an Jahren — "

Im blüthenreichen Frühlinge des Lebens, wo die natürliche Triebkraft ihre rastlos zeugende Thätigkeit zu entfalten pflegt, gleicht er bereits dem kahlen verwitterten Baume, den der Herbst-

*) Es ist zwar im Allgemeinen unzulässig, den Dichter mit seinem sclbstgcschaiTe- nen Doppelganger ohne Weiteres zu identificiren. Harold ist und bleibt das Werk der poetischen Phantasie, 'die zwar die charakteristischen Zflge ihres Bildes von der Person des Dichters entnommen, sie aber nicht sklavisch copirt, sondern vielfach selbstthätig umgebildet und erweitert hat. Indess für unsern Zweck sind diese Unterschiede ohne Bedeutung.

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5 stürm seines Laubwerks beraubt und der eisige Hauch des Win- ters im innersten Marke ertödtend getroffen hat. Kaum hat er, so scheint es, Zeit gehabt, den Handschuh aufzunehmen, den das Schicksal dem Menschen hinzuwerfen liebt, und schon steht er da,

„Eine Ruine mitten unter Trümmern."

- „Das Mass ist das Beste," sagt ein alter, weiser Spruch.

Die Natur scheint ihn nicht beachtet zu haben, als sie Byron ins Leben rief. Traurig ist die Schwäche, aber verderblich die Ueber- kraft. Wie das wilde, unbändige Ross seinen Reiter, so reisst sie ihren Träger unaufhaltsam mit sich fort, bis sie beide erschöpft zu Boden sinken. Das Loos des Mazeppa, dem der Dichter so herrliche Verse gewidmet hat, er selber musste es theilen. Zu gross, zu gewaltig waren die ihm verliehenen Kräfte, als dass er sie hätte zügeln und lenken können. Es blieb ihm nichts übrig, als willenlos dem stürmischen Drange zu folgen, mit dem sie nach Bethätigung strebten. Er konnte es nicht hindern, dass vor der lichten Klarheit und durchdringenden Schärfe seines Geistes die glänzende Hülle sich ablöste, die dem gewöhnlichen Blicke die innere Hohlheit und Fäulniss des Lebens verbirgt. Er vermochte nicht, die intensive Gluth seiner Phantasie zu dämpfen, nicht die dunkle Flamme zu löschen, mit der sie die umgebende Welt der Erscheinungen beleuchtete und die Gesammtheit der irdischen Dinge in Asche legte. Er musste es geschehen lassen, als der reine, tiefe Fluss seiner Empfindung zum reissenden Strome der Leidenschaft anschwoll und strebte vergeblich, dem schrankenlosen Triebe Grenzen zu setzen, der die reiche Fülle seiner Kraft in fie- berhafter Thätigkeit verzehrte und ihn zwang, die Schale des Ge- nusses in raschen, gierigen Zügen bis auf die giftigen Hefen zu leeren.

Die Saite zerspringt, wenn sie gleich Anfangs zum höchsten

Grade der möglichen Spannung ausgedehnt wird. Auch die grösste

menschliche Kraft schlägt in Ohnmacht um, wenn sie sich nicht

allmälig entfaltet, und ein früher Tod erwartet den, der mit dem

Leben nicht Haus zuhalten weiss. Byron kannte diese Sparsamkeit

nicht. Der seltene Reichthum, mit dem ihn die Natur ausgestattet,

reizte zu massloser Verschwendung. Mit kühner Hand öffnet' er

den in seinem Innern ruhenden Sturmgewalten das weite Thor,

aus dem sie brausend hervorstürzen und in schnellem Fluge dem

Gipfelpunkte ihrer Stärke zueilen, wo sie, dem Orkane gleich,

einen Augenblick in rasender Wuth toben, dann mit gebrochener

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Kraft plötzlich zusammensinken. Nun ist's stille, in und ausser ihm; rings herrscht die Ruhe des Grabes. Und wenn die Be- wegung zurückkehrt, so ist es nicht die des frischen, kräftigen Luftstromes, der in bestimmter Richtung gleichmässig fortschreitet, sondern das charakterlose Schwanken des flatternden Zugwindes, der in unruhiger Hast fort und fort umspringt, weil er zu sehwach ist, einen festen Ausgangspunkt zu gewinnen.

Wo der bestimmte, lebendige Inhalt der Kraft erschöpft ist, da bleibt eben nur die leere, todte Form derselben übrig. Sie ist es, die uns in jenem fieberhaften, rast- und ruhelosen Drange entgegentritt, von welchem der Dichter im Childe Harold umher- getrieben wird. Er- hat den Schwerpunkt seines Daseins, die Bahn seines Lebens ihr festes Centrum verloren. W i e der Komet durch die endlosen Himmelsräume, so schweift er über die weite Erde, vergeblich nach einem Mittelpunkte suchend, um den er sich in geregeltem Laufe bewegen könnte. Nirgends haftet sein Fuss, der glühende Boden duldet nicht, dass er verweile. Nichts ver- mag ihn zu fesseln, denn was auch immer sein Auge ergreift, in Allem spiegelt sich das hohle Gespenst des eignen Selbst, dem er entgehen möchte. Gleich dem ewigen Wanderer der Sage setzt er den Stab nur nieder, um ihn im nächsten Augenblicke vonNeuém zu ergreifen. Er pilgert weiter, unbekümmert um den W e g , den' er einschlägt, ohne nach dem Ziele zu fragen, zu dem er hinführt.

W a s er wünscht und erstrebt, das Ende seiner Irrfahrt, stets sieht er es vor sich und doch kann er es nicht erreichen. Schon ist der T o d ihm nahe "getreten, schon hat er, so scheint e s , in ihm seine Wohnung genommen. Aber wie freundlich der Engel des Frie- dens auch winkt, wie gerne er auch seinem Rufe folgen möchte, doch kann er nicht sterben.

D i e Flamme, wenn es ihr an der nöthigen Nahrung gebricht,

geräth in eine zuckende Bewegung, die sie jetzt hoch aufschiessen,

dann wieder tief am Boden schleichen und in unaufhörlich wech-

selnder Richtung, bald nach dieser, bald nach jener Seite hin

schwanken lässt. E s sind die letzten krampfhaften Convulsionen,

in welchen das der Auflösung nahe Leben sich gleichsam sträubt,

dem ersehnten Tode in die Arme zu sinken. Ein ergreifendes

Schauspiel, dieses mühevolle, verzweifelte Ringen, das doch nicht

zum Siege führt, dieser harte, schwere Kampf, der mit einer Nie-

derlage enden muss. Wie ihn der Dichter in seinem Trauer-

gesange uns vorführt, wirkt er um so erschütternder, da der, wel-

cher ihn durchzukämpfen hat, jeder Stütze, jedes Beistandes beraubt

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7 ist. Einsam steht er da, fern der Heimat, auf dem liebeleeren Boden der Fremde. Ihm fehlt der Freund, an dessen theilneh- mender Brust er das kranke Haupt anlehnen könnte. Er hört nicht das milde Wort des Trostes, fühlt nicht den leisen, ermun- ternden Druck der Hand; ihn trifft kein Blick der Hoffnung aus liebestrahlendem Auge. Längst ist das Band gelöst, das ihn mit den Menschen verknüpfte. Er selbst hat es zerrissen, als er im stolzen Bewusstsein seiner Kraft über die ausgetretenen W e g e des gewöhnlichen Lebens hinausschritt, um kühn und fessellos seine eigene Bahn zu verfolgen.

E s ist ein charakteristisches Merkmal des über die Menge hervorragenden Menschen, dass er als Vertreter seiner Gattung, als Typus der Menschheit auftritt. In ihm fallt der individuelle persönliche Geist mit dem universellen Geiste des Geschlechtes unterschiedslos zusammen. Eben darum hat, was er schafft oder duldet, allgemeine Bedeutung; er wirkt und leidet es nicht in sei- nem, des Einzelnen, sondern im Namen des Ganzen, das in ihm verkörpert ist.

Der gewöhnliche, in der Sphäre des Einzellebens befangene Mensch pflegt sich, wenn nur der erste Eindruck überwunden ist, mit seinem Schmerze sehr bald auszusöhnen. W o das Leid ledig- lich als ein individuelles Begegniss aufgefasst wird, übt es stets nur eine schwache und vorübergehende Wirkung aus, denn ihm steht immer und überall sein Gegentheil zur Seite. E s ist wie eine isolirte Wolke, die plötzlich am klaren Himmel aufsteigt: der Ort, über dem sie gerade ruht, liegt im Schatten, aber ringsum erglänzt die ganze Gegend vor wie nach im hellen Sonnenschein und das seitwärts einfallende Licht mildert das Dunkel. Anders der Mensch, welcher zum Repräsentanten seines Geschlechtes be- rufen ist. Ihm gelten die persönlichen Mängel als nothwendige und darum unheilbare Gebrechen der menschlichen Natur. Er empfindet sie zwiefach und immer tiefer, j e länger er sie trägt; die Zeit, die jede Wunde zu heilen pflegt, hat hier nur die Kraft, sie weiter aufzureissen. Die Schwäche des Einzelnen wird zur Ohnmacht Aller. Die Thränen, die er in seinem Schmerze vergiesst, sind wie Gifttropfen, die überall, wo sie niederfallen, alles Lebendige ertödten. Weiter und weiter pflanzt sich die Krankheit fort, die ihn ergriffen hat und ruht nicht, bis die ganze Erde in ein einziges Leichenfeld verwandelt ist.

Trübe und trostlos ist das Gemälde, das uns der Dichter im

Childe Harold von seinem inneren Zustande entwirft, ein' Bild des

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tiefsten Elends, einer unheilbaren Verzweiflung. Kein Strahl des Lichtes fallt in diese umnachtete Seele. Das Feuer des Geistes, der einst, dem Vulkane gleich, Flammen zum Himmel sandte, ist erloschen; nur die Rauchsäule, die aus dem weiten Krater empor- steigt, gibt noch von ihm Zeugniss. Kalt und erstorben ist das Herz, nichts ihm geblieben, als die Trauer um das Verlorene und die Sehnsucht nach dem Grabe. Denn der Tod ist seine einzige Hoffnung; nur die Vernichtung kann das Ende seiner Leiden her- beiführen. Wenn sonst der Mensch nur in die Tiefe seines W e - sens hinabzusteigen braucht, um über seinen persönlichen Schmerz hinausgehoben zu werden, hier dient eine solche Selbstbesinnung nur dazu, den Stachel zu schärfen, der sich in das innerste Lebens- mark eingebohrt hat. Und wenn in der Regel ein aufmerksamer Blick auf die lebendige Bewegung der rastlos schaffenden Men- schenwelt genügt, um den erstarrten Strom des individuellen Le- bens von Neuem in Fluss zu bringen, hier wirkt eine solche B e - trachtung nur dahin, die rings umschliessenden Bande fester zu ziehen. Der Dichter sieht in dem unheilvollen Loose, das ihm persönlich zu Theil wurde, nur einen besondern Ausfluss jener unversieglichen Giftquelle, die aus dem innersten Grunde der menschlichen Natur aufsprudelt. Und der Fluch des Verderbens, der sich an seine Ferse geheftet, hat, so scheint es ihm, in gleicher W e i s e das Gesammtieben der Menschheit von seinen ersten An- fangen bis auf den gegenwärtigen Augenblick unausgesetzt ver- folgt. .

„Unser Leben ist eine falsche Natur — es ist nicht In der Harmonie der Dinge."

Der Widerspruch ist sein W e s e n , der Zwiespalt seine be-

wegende Kraft, sein ganzer Verlauf ein ununterbrochener, nutzloser

Kampf. Rastlos streiten die feindlichen Elemente, die von An-

beginn in ihm vereinigt sind; sie können sich weder besiegen noch

auch versöhnen. E s gibt keine Ausgleichung für den schroffen

Gegensatz, der Geist und Körper auseinanderhält. Kein Friede

endet den Zwist, den Himmel und Erde auf dem Boden des

menschlichen Daseins miteinander ausfechten. Nimmer ruht das

Getöse ihrer Waffen; rasch folgen sich die Angriffe; unaufhörlich

wechseln Sieg und Niederlage. Der Mensch aber ist der Preis

und das Opfer des Kampfes. Er ist die Beute, welche die strei-

tenden Mächte sich fort und fort gegenseitig zu entreissen streben,

aber jede von ihnen nur gewinnt, um sie im nächsten Augenblicke

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9 wieder zu verlieren. Ihn trifft die ganze Wucht der erbitterten Streiche, die sie gegen einander führen; alle ihre Pfeile sind auf ihn wie auf eine gemeinsame Zielscheibe gerichtet. Schlag auf Schlag, Stoss auf Stoss, Wunde auf Wunde — bis er mit zer- schmettertem Haupte und durchbohrtem Herzen, ein blutiger, ver-

stümmelter Leichnam, zu Boden sinkt. . Und wohl ihm, wenn es dahin gekommen. Nur

„An den Ufern des Acheron erwartet uns der Friede."

Glücklich der Mensch, dem ein früher Tod beschieden ist:

ihm wird das LooszuTheil, das der Himmel seinen Günstlingen auf- bewahrt. Ist ja doch unser Leben nur ein fortgesetztes Sterben.

„Wir welken schon in der Jugend dahin — wir athmen uns zu Tode."

Kaum geboren, eilen wir schon dem Grabe zu, dem Ziele unserer Laufbahn, unserer letzten und wahren Bestimmung. Wir treten an's Licht, den Samen des Verderbens im Herzen. Wir wachsen auf, und der in uns ruhende Keim der Zerstörung ent- faltet sich. Hasch schiesst er empor zum

„ Grenzenlosen Giftbaume,

Dessen Wurzel Erde, dessen Zweige und Blätter die Lüfte sind, Die ihre Plagen auf die Menschen dem Thaue gleich nieder-

regnen. "

Wer könnte erhalten, was schon in seinem Ursprünge der Vernichtung geweiht ist! Wer möchte nicht wünschen, dass die Thränenquelle des Lebens sich schliesse! ^ .

Wohl gibt es Manche, die diesen Wunsch in sich tragen und nähren, aber Wenige sind, die seine Erfüllung selbstthätig herbei- führen oder auch nur sich ihrer freuen, wenn das Schicksal sie ge- währt. So schwach ist der Mensch, dass ihm selbst die Kraft ge- bricht, seinem elenden Scheindasein ein Ziel zu setzen.

„Stürben wir, . E s wäre wie Nichts; aber das Leben

Gewöhnt sich auch an der Sorge bitterste Frucht."

Das eben ist das grösste Leid des Menschen, dass er es nicht über sich vermag, den Strom seiner Leiden zu hemmen, dass er sich nicht trennen kann vom Gegenstande seines Hasses, lieber in schmerzlichem Siechthum seine Tage vertrauert, als das unheilbare

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Uebel, an dem er krankt, mit fester Hand an der Wurzel ab- schneidet. Ihm fehlt der Muth, den Faden des Lebens zu zer- reissen. Er wagt es nicht, in den Hafen der Ruhe einzulaufen, der sich vor seinem verlangenden Blicke öffnet. Er mag nicht leben und kann doch nicht sterben; vor dem Tode, der ihn befreien könnte, bebt er zurück, um in einer beständigen Agonie dahinzu- welken.

Gleich einem bösen Zauber spannt das Leben seine magi- schen Kreise aus, die mit unwiderstehlicher Gewalt Jeden fesseln, der sie einmal überschritten hat. Fort und fort lockt ihn der rei- zende Sirenengesang, der immer tiefer ins Verderben führt. Stets von Neuem erheben sich die glänzenden Bilder des Glücks und der Grösse, die, j e näher er ihnen kommt, um so weiter zurückwei- chen und, wenn er sie jemals ergreift, in nichtigen Dunst sich auflösen.

„Es ist eine alte Lehre; die Zeit erweist sie als wahr:

Wenn Alles erreicht ist, was Alle zu erlangen streben, Der lumpige Preis ist kaum der Kosten werth."

Doch für den Menschen ist diese Wahrheit verloren. W i e laut auch die Stimme der Erfahrung ruft, wie schmerzlich sie in seinem Innern wiedertönt, er achtet nicht auf sie. Der falsche Schimmer blendet sein Auge; er horcht den süssen Worten der L ü g e ; athemlos jagt er den eiteln Wahngebilden nach, bis er er- schöpft in irgend einen Abgrund stürzt, der sich unbemerkt vor seinen Füssen öffnet.

Zwar fehlt es nicht an Solchen, die eben in diesem rastlosen Streben den charakteristischen Vorzug des Menschen erblicken wol- len, die den unendlichen Drang, zu sein und zu wirken, der ihn von der Wiege bis zum Grabe begleitet, als das Siegel seiner höhern Würde zu preisen pflegen. Wunderliche Selbsttäuschung!

A l s ob der Grund des Verfalls zur Basis der Grösse dienen und

das, worin die wirksamste Ursache des menschlichen Elends ge-

legen ist, das Motiv zu seiner Erhebung hergeben könnte. Leider

ist es nur zu wahr: als das Schicksal den Menschen auf die Erde

sandte, hat es ihm einen unverwüstlichen Lebenstrieb, einen un-

löschbaren Durst nach That und Genuss, wie eine Pandorabüchse

voll der mannigfachsten Leiden, mit auf den W e g gegeben. Wohl

strebt er nun fort und fort, weiter und weiter, aber er weiss nicht,

wohin, und wenn er es zu wissen meint, so hindert ihn seine Ohn-

macht, das erträumte Ziel zu erreichen.

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„Wir fühlen nur unsern Weg, zu irren"

und .

„Der Lauf des Lebens wird zur hoffnungslosen Flucht Für die, so in der Finsterniss wandeln."

W a s nützt es dem Menschen, dass er unermüdlich die Wahr- heit sucht, wenn er immer nur den Irrthum findet? Dass er rastlos bestrebt ist, das innere Wesen der Dinge zu erforschen, wenn es ihm kaum gelingt, von ihrem äusseren Scheine eine nothdürftige Kenntniss zu gewinnen? Seine Einsicht dringt nicht über die Oberfläche hinaus; sein Wissen ist Stückwerk; nicht das lebendige Ganze, nur die abgerissenen, erstorbenen Theile desselben hat es zum Inhalte. „Beschränkt ist sein Sinn, gebrechlich seine Ver- nunft"; sie bieten nicht die geeigneten Werkzeuge, um die Wahr- heit, „diese Perle, welche die Tiefe liebt," an's Licht zu ziehen.

Aber wäre es ihm auch vergönnt, zu ihr niederzutauchen, sie würde in seiner Hand nur ein todter Schatz, ein unfruchtbares Besitzthum sein. Wenn er sie liebt, so ist es mit der Liebe des Kindes, das sich an den bunten Farben seines Spielzeugs erfreut. Selten ist er geneigt, sich von ihrem reinen Lichte auf seinem Lebenswege erleuchten zu lassen. Lieber folgt er dem trügerischen Schimmer des Wahns und der schwankenden Meinung, des allmächtigen Götzen, vor welchem die sinnlose Menge tagtäglich in tiefster Ehr- furcht das Knie beugt.

Die Wahrheit entzieht sich dem Blicke des Menschen und sie thut wohl daran. Vermöchte er den Schleier zu heben, der sie verhüllt, er würde nicht ruhen, bis er ihre jungfräuliche Schön- heit befleckt, ihren reinen, heiligen Sinn entweiht hätte. Selber im Innersten seines Wesens verderbt, entströmt seinem Munde ein giftiger Hauch, der Alles zerstört, was immer er nur von ferne be- rührt. Wohl klagen wir und mit Recht über das geringe Mass der uns verliehenen Kräfte. In der That ist unsere Stärke eben nur gross genug, um uns unsere Schwäche zum Bewusstsein zu bringen und was wir etwa zu leisten vermögen, was wir, einzeln oder zu Völkern und Staaten verbunden, mühsam erzeugen und schaffen, es theilt mit uns das gleiche Loos des schnellen und sichern Verfalls. Doch wie beschränkt die Macht auch ist, die uns zu Gebote steht, besser wäre es, wir hätten sie nicht.

Denn unheilvoll ist der Gebrauch, den der Mensch von seiner

Kraft zu machen pflegt. W i e vom Wahnsinn ergriffen, kehrt er

die ihm anvertraute Waffe gegen die eigene Brust, — er selbst

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sein schlimmster Feind, sein erbittertster Widersacher. Keine der dämonischen Gewalten, die ihn und sein Geschlecht von allen Seiten drohend umgeben, gleicht ihm an Wildheit des Sinnes und rücksichtslosem Frevelmuth. D i e schmerzlichsten Leiden der Menschheit, die Menschen sind's, die sie einander bereiten.

Mit gütiger Hand spendet die Natur fort und fort ihre reichen Gaben; nimmer versiegt die Segensquelle, die aus ihrem mütterlichen Busen emporsteigt. Schön ist die Erde; in unver- gänglichem Reize würde sie prangen,

„Könnte der Mensch die glänzende Schöpfung nur so lassen."

Ihn aber beherrscht der Trieb der Zerstörung. Frech und muthwillig vernichteter, was die Natur ihm freundlich bietet. W i e eine Sturmwolke, die ihren W e g mit Trümmern bezeichnet, schreitet er über die Erde und wo immer er seine Schritte hemmt, da wird sie zur Wüste.

D a s sind die harten, Unstern Züge, die der Dichter dem Bilde

des Menschen geliehen, das die dunkel-glühenden Farben, in die

er das Gemälde seines Lebens eingetaucht hat. Es lässt sich

nicht leugnen: dränge kein Lichtstrahl durch diese Schatten, wir

würden vor ihrer Tiefe zurückschrecken.

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CHILDE HAROLD'S

P I L G R I M A G E .

A R O M A U N T .

L'univers est u n e espèce de l i v r e , dont on n'a lu que l a p r e m i è r e p a g e q u a n d on n'a vu que son p a y s . J ' e n ai feuilleté u n assez g r a n d n o m b r e , que j'ai trouvé é g a l e m e n t mauvaises. Cet e x a m e n ne m'a point été i n f r u c t u e u x . Je haïssais m a patrie. Toutes les impertinences des p e u p l e s d i v e r s , p a r m i lesquels j'ai v é c u , m'ont reconcilié avec elle. Quand j e n ' a u r a i s tiré d'autre bénéfice de m e s v o y a g e s que c e l u i - l à , j e n'en r e g r e t t e r a i s ni les f r a i s ni les fatigues.

Le Cosmopolite.

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PEEFACE

CTO THE FIRST AND SECOND CANTOS J

THE following poem was written, for the most part, amidst the scenes which it attempts to describe. It was begun in Albania;

and the parts relative to Spain and Portugal were composed from the author's observations in those countries. Thus much it may be necessary to state for the correctness of the descriptions. T h e scenes attempted to be sketched are in Spain, Portugal, Epirus, Acarnania, and Greece. There, for the present, the poem stops:

its reception will determine whether the author may venture to conduct his readers to the capital of the East, through Ionia and Phrygia: these two cantos are merely experimental.

A fictitious character is introduced for the sake of giving some connection to the piece; which, however, makes no preten- sions to regularity. It has been suggested to me by friends, on whose opinions I set a high value, that in this fictitious character,

"Childe Harold", I may incur the suspicion of having intended some real personage: this I beg leave, once for all, to disclaim — Harold is the child of imagination, for the purpose I have stated.

In some very trivial particulars, and those merely local, there might be grounds for such a notion; but in the main points, I should hope, none whatever.

It is almost superfluous to mention that the appellation

"Childe", as "Childe Waters", "Childe Childers", &c. is used

as more consonant with the old structure of versification which I

have adopted. The " Good Night", in the beginning of the first

canto, was suggested by "Lord Maxwell's Good Night", in the

Border Minstrelsy, edited by Mr. Scott.

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CHII.DE H A R O L D ' S P I L G R I M A G E .

With the different poems which have been published on Spanish subjects, there may be found some slight coincidence in the first part, which treats of the Peninsula, but it can only be casual; as.

with the exception of a few concluding stanzas, the whole of this poem was written in the Levant.

T h e stanza of Spenser, according to one of our most success- ful poets, admits of every variety. Dr. Beattie makes the follow- ing observation: — " N o t long ago I began a poem in the style and stanza of Spenser, in which I propose to give full scope to my inclination, and be either droll or pathetic, descriptive or sen- timental , tender or satirical, as the humour strikes me; for, if I mistake not, the measure which I have adopted admits equally of all these kinds of composition." — Strengthened in my opinion by such authority, and by the example of some in the highest order of Italian poets, I shall make no apology for attempts at similar variations in the following composition; satisfied that, if they are unsuccessful, their failure must be in the execution, rather than in the design sanctioned by the practice of Ariosto, Thomson, and Beattie.

L o n d o n , February, 1 8 1 2 ·

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P R E F A C E .

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A D D I T I O N

TO T H E P R E F A C E .

r v

I JLAVE now waited till almost all our periodical journals have distributed their usual portion of criticism. To the justice of the generality of their criticisms I have nothing to object'; it would ill become me to quarrel with their very slight degree of censure, when, perhaps, if they had been less kind they had been more candid. Returning, therefore, to all and each my best thanks for their liberality, on one point alone shall I venture an observation.

Amongst the many objections justly urged to the very indifferent character of the "vagrant Childe" (whom, notwithstanding many hints to the contrary, I still maintain to be a fictitious personage), it has been stated, that, besides the anachronism, he is very u n k n i g h t l y . , as the times of the Knights were times of Love, Honour, and so' forth. N o w , it so happens that the good old times, when "1'amour du bon vieux tems, l'amour antique" flour- ished, were the most profligate of all possible centuries. Those who have any doubts on this subject may consult Sainte-Palaye, p a s s i m , · and more particularly vol. ii. p. 69. The vows of chivalry were no better kept than any other vows whatsoever;

and the songs of the Troubadours wsrG not more decent

9

and certainly were much less refined, than those of Ovid. The "Cours d'amour, parlemens d'amour, ou de courtdsie et de gentilesse"

had much more of love than of courtesy or gentleness. See

Roland on the same subject with Sainte-Palaye. Whatever other

objection may be urged to that most unamiable personage Childe

Harold, he was so far perfectly knightly in his attributes — " N o

waiter, but a knight templar". B y the by, I fear that Sir Tristram

and Sir Lancelot were no better than they should be, although

(20)

18

very poetical personages and true knights "sans peur", though

a

not " sans reproche ". If the story of the institution of the " Gar- ter" be not a fable, the knights of that order have for several centuries borne the badge of a Countess of Salisbury, of indiffe- rent memory. So much for chivalry. Burke need not have re- gretted that its days are over, though Marie-Antoinette was quite as chaste as most of those in whose honours lances were shivered, and knights unhorsed.

Before the days of Bayard, and down to those of Sir Joseph Banks (the most chaste and celebrated of ancient and modern times), few exceptions will be found to this statement· and I fear a little investigation will teach us not to regret these monstrous mummeries of the middle ages.

I now leave "Childe Harold" to live his day, such as he is;

it had been more agreeable, and certainly more easy, to have drawn an amiable character.·· It had been easy to varnish over his faults, to make him do more and express less, but he never was intended as an example, further than to show, that early per- version of mind and morals leads to satiety of past pleasures and disappointment in new ones, and that even the beauties of nature, and the stimulus of travel (except ambition, the most powerful of all excitements) are lost on a soul so constituted, or rather mis- directed. Had I proceeded with the poem, this character would have deepened as he drew to the close; for the outline which I once meant to fill up for him was, with some exceptions, the sketch of a modern Timon, perhaps a poetical Zeluco.

London, 1 8 1 3 .

(21)

TO IANTHE*).

1. N o t i n t h o s e c l i m e s1 w h e r e I h a v e l a t e b e e n s t r a y i n g , T h o u g h B e a u t y l o n g h a t h t h e r e b e e n m a t c h l e s s d e e m ' d ;2

N o t i n t h o s e v i s i o n s 3 t o t h e h e a r t d i s p l a y i n g F o r m s w h i c h i t s i g h s b u t t o h a v e o n l y d r e a m ' d ,4

H a t h a u g h t l i k e t h e e i n t r u t h o r f a n c y s e e m ' d :6

N o r , h a v i n g s e e n t h e e , s h a l l I v a i n l y s e e k

T o p a i n t t h o s e c h a r m s w h i c h v a r i e d a s t h e y b e a m ' d 6 T o s u c h a s s e e t h e e n o t m y w o r d s w e r e w e a k ;

T o t h o s e w h o g a z e o n t h e e7 w h a t l a n g u a g e c o u l d t h e y s p e a k ? i

2 . A h ! m a y ' s t t h o u e v e r b e w h a t n o w t h o u a r t , N o r u n b e s e e m1 t h e p r o m i s e o f t h y s p r i n g , A s f a i r i n f o r m ,2 a s w a r m y e t p u r e i n h e a r t ,

*) Ianthe, ein griechischer Name, der die Bedeutung „Veilchenblüthe" hat, ist hier Charlotte Harley, zweite Tochter des Grafen von Oxford, und später Gemahlin des Lords Ch. Bacon. Sie stand zur Zeit, wo der Dichter diese Wid- mung den beiden ersten Gesängen des Ch. Harold hinzufügte (Herbst 1812), in ihrem 11. Lebensjahre. .

1 .

1. In den Ländern des Südens, Spanien und Griechenland, in welchen Byron vom Juli 1809 bis in den Sommer 1811 verweilte.

2. Vgl. Canto I Stz. 57 — 59, auch 64.

3. Der Dichter stellt die idealen Gebilde der Phantasie den Erscheinungen der Wirklichkeit gegenüber.

4. Which it sighs etc., im doppelten Sinne v o n : „d a s s—< f und „wenn" oder

„wiewohl es sie nur geträumt hat."

5. Hath seem'd, nicht das einfache „ h a t sich gezeigt" oder „ist bemerkbar geworden" sondern prägnant: „hat sich dargestellt" oder „ist erschienen." Das Wort bezeichnet nicht selten die glänzende Aussenseite der schönen Erscheinung.

6. Which varied asetc.: „deren strahlendes Bild sich in bunten Farben brach,"

aber auch zur Motivirung des vorausgegangenen vainly seek: „die immer anders erschienen, wie sie—w; as deutet an, dass die beiden Handlungen als durchaus gleichzeitig zu denken sind. '

7. Who gaze on thee: die staunend, durch Deine Heize gefesselt, unverwandt auf Dich hinblicken.

2.

1. Nor unbeseem ist dem Sinne nach: „nicht unerfüllt lassen"; genauer ent- spricht das deutsche „nicht zurückbleiben hinter—w oder „keine Schande machen dem — "·

2: As fair etc.: „gleich schön u. s. w. „seil, wie Du gegenwärtig bist, auch

„ebenso schön — wie warm."

2 *

(22)

20

L o v e r s i m a g e u p o n e a r t h 3 w i t h o u t h i s w i n g ,

A n d g u i l e l e s s b e y o n d H o p e ' s i m a g i n i n g !4 . A n d s u r e l y s h e w h o n o w s o f o n d l y r e a r s

T h y y o u t h , i n t h e e , t h u s h o u r l y b r i g h t e n i n g ,5

B e h o l d s t h e r a i n b o w 6 o f h e r f u t u r e y e a r s , B e f o r e w h o s e h e a v e n l y h u e s a l l s o r r o w d i s a p p e a r s .

3. Y o u n g P e r i1 o f t h e W e s t ! — 't i s w e l l f o r m e M y y e a r s a l r e a d y d o u b l y n u m b e r t h i n e ;2

M y l o v e l e s s e y e u n m o v e d m a y g a z e o n t h e e , A n d s a f e l y 3 v i e w t h y r i p e n i n g b e a u t i e s s h i n e ; H a p p y , I n e ' e r s h a l l s e e t h e m i n d e c l i n e ;

H a p p i e r , t h a t w h i l e all y o u n g e r h e a r t s s h a l l b l e e d , M i n e s h a l l e s c a p e t h e d o o m t h i n e e y e s a s s i g n T o t h o s e w h o s e a d m i r a t i o n s h a l l s u c c e e d ,4

B u t m i x ' d w i t h p a n g s t o L o v e ' s e v e n l o v e l i e s t h o u r s d e c r e e d .5

3. Upon earth, denn er selbst, der geflügelte Gott der Liebe, wohnt im Himmel.

Vgl. Canto r v , Stze. 121. —witbout h. w., s. zu I, 82, 6.

4. Beyond Hope's imagining: „über das Bild oder die Vorstellung derH. hin- aus" so dass die gegenwärtig gehegten Erwartungen noch übertroffen werden; — aber auch „über die Einbildungen d. H. h." Der Dichter deutet an, dass die in Rede stehende Hoffnung nach seinem Dafürhalten nichts ist, als ein eitler Wahn, spricht aber zugleich den Wunsch aus, dass sie sich wider sein Erwarten verwirk- lichen möge.

5. In thee, thus etc. gehört ebensowohl zu rears thy youth, wie zum folgenden beholds. Der stündlich wachsende, Glanz — das Verbum brighten bezeichnet analog dem deutschen „aufleuchten" die stetig zunehmende Lichtentfaltung — er- scheint einerseits als die Wirkung der liebreichen Sorgfalt, mit welcher die Mutter die Entwicklung des Kindes leitet, andrerseits als der zureichende Grund der auf die Tochter gesetzten Hoffnungen. .

6. Den Glück und Frieden verheissenden Bogen des Segens.

3.

1. Peris nennt die persische Sage zarte (männliche und weibliche) Wesen von wunderbarer Schönheit, die als Abkömmlinge gefallner Geister zwar vom Paradiese ausgeschlossen sind, aber die Tage ihres unsterblichen Lebens in seliger Unschuld und ungetrübter Freude verbringen.

2. Der Dichter, geb. am 22. Jan. 1788, war zu dieser Zeit 24 Jahre alt.

3. Safely „unverletzt" ohne von ihrem Glänze geblendet zu werden.

4. Shall succeed: „deren Bewunderung (der meinigen, in späterer Zeit) folgen"

und „Erfolg haben (Deinen Beifall gewinnen, Dich zur Gegenliebe bestimmen) wird." Tbose whose &c. dient zunächst zur^Erläuterung des vorausgehenden all y. h. sb. bl., hebt aber zugleich aus der Gesammtheit der Verehrer die besondere Ctasse der glücklichen Bewerber heraus.

5. Decreed, etwa „verhängt" bezeichnet den unabänderlichen and allgemein- gültigen Beschlass der höhern, unbedingt gebietenden Macht.

(23)

TO IAN THE.

21

4 . O h ! l e t t h a t e y e , w h i c h , w i l d a s t h e G a z e l l e ' s , N o w b r i g h t l y b o l d1 or b e a u t i f u l l y s h y , W i n s as it w a n d e r s , 2 d a z z l e s w h e r e it d w e l l s , G l a n c e 3 o'er t h i s p a g e , n o r t o m y v e r s e d e n y T h a t s m i l e f o r w h i c h m y b r e a s t m i g h t v a i n l y s i g h , C o u l d I t o t h e e b e e v e r m o r e t h a n f r i e n d : T h i s m u c h ,4 d e a r m a i d , a c c o r d ; n o r q u e s t i o n w h y T o o n e s o y o u n g m y strain I w o u l d c o m m e n d , B u t b i d 5 m e w i t h m y w r e a t h 6 o n e m a t c h l e s s l i l y 7 b l e n d .

5 . S u c h . i s t h y n a m e1 w i t h t h i s m y v e r s e e n t w i n e d ; A n d l o n g a s 2 k i n d e r e y e s a l o o k shall c a s t O n H a r o l d ' s p a g e , I a n t h e ' s 3 h e r e e n s h r i n e d

4. "

1. Brightly „in hellem Glänze" bezeichnet die sinnfällige Beschaffenheit des Auges oder Blickes, bold die in ihm sich aussprechende Seelen Stimmung. Ebenso verhalten sich beautif. und shy.

2. Wins as &c. s. oben zu 1, A. 6. '

3. Glance, nur „einen leichten, flüchtigen Blick werfen" contrastirt mit dem vorausgehenden (dazzles) where it dwells.

4. This much, ob zwar es wenig zu sein scheint. . 5. In den Worten but bid me <&c. erhält die Frage why etc. eine indirecte

Antwort.

6. With my wreath: mit dem Kranze, den ich in meiner Dichtung geflochten und jetzt Dir darbringe; — aber auch: mit dem (Lorbeer-) Kranz, den ich als Dichter trage. Als Byron diese Verse niederschrieb, hatten die schon im Früh- ling des Jahres 1812 erschienenen ersten Gesänge seiner Dichtung bereits die grösste und allgemeinste Anerkennung gefunden. Uebrigens liegt in strain wie in wreath eine Hinweisung auf die schmerzlichen innern Kämpfe, welche dem Gedichte seinen eigenthümlichen Inhalt und Charakter gegeben haben.

7. Lily, das Symbol der reinen, und von keinem innern Zwiespalt getrübten Unschuld. — Matchless „unvergleichlich" an sich oder überhaupt, und „nicht ver- gleichbar" mit dem Kranze oder dem, woraus er besteht.

5.

1. Um den Sinn der Worte such is thy name genau wiederzugeben, würde man etwa übersetzen müssen: „S o ist Dein lilienreiner Name — " ; such bez.

nicht blos die ähnliche Weise der Verbindung sondern auch den gleichen Cha- rakter des Verbundenen. Ueberdem aber steht das Wort in näherer Beziehung, zum folgenden and long as &c. („so — dass—".)

2. Long as steht nicht einfach für as long as, sondern hat die prägnante Be- deutung „lange wie, die ganze lange Zeit hindurch, in welcher — " Der Dichter ist sich des bleibenden Werthes seiner Schöpfungen wohl bewusst. Vgl. u. A.

IV, 134.

3. Ianthe's seil, name und page. Here, in diesen ihr gewidmeten Stanzen, aber auch: an dieser bestimmten Stelle.

(24)

22

CHII.DE HAROLD'S PILGRIMAGE.

S h a l l t h u s b e first b e h e l d , f o r g o t t e n l a s t :

M y d a y s o n c e n u m b e r ' d ,4 s h o u l d t h i s h o m a g e p a s t6

A t t r a c t t h y f a i r y fingers n e a r t h e l y r e

O f h i m w h o h a i l ' d t h e e , l o v e l i e s t a s t h o u w a s t , 6

S u c h i s t h e m o s t7 m y m e m o r y m a y d e s i r e ;

T h o u g h m o r e t h a n H o p e c a n c l a i m , c o u l d F r i e n d s h i p l e s s r e q u i r e ?

4. Numbered „ausgezählt, zu Ende", im Sinne von numbered o u t , Canto ID, 35.

5. This homage past „diese Huldigung aus vergangener Zeitu und „über sie (die Huldigung) hinaus (attract thy fingers). Auch können die Worte als selbst- ständiger Participialsatz aufgefasst werden, wo dann thy fingers die Stelle des Subjects einnehmen und attract near die Bedeutung „in die Nähe oder heranziehen"

haben Wörde.

6. Loveliest schliesst sich zunächst unmittelbar an who hail'd thee: „derDich preisend begrüsste als die lieblichste, wie Du es oder die Du w a r s t "

T. Such prägnant im doppelten Sinne v o n : „So Geringes" und „So Grosses"—

the most: „das Grösste", aber auch: „was zumeisti—u. Was auch gewisse Aesthe- tiker dazu sagen mögen, der Dichter liebt es, seine Worte und Wendungen so zu wählen, dass sie eine Mehrheit von mehr oder minder verwandten Vorstellungen darbieten.

(25)

CANTO I.

23

CANTO I.

1.

OH , thou! in Hellas deem'd of heavenly birth,

1

Muse! form'd or fabled

2

at the minstrel's will!

Since

3

shamed full o f t

4

by later lyres on earth, Mine dares not call thee from thy sacred hill:

5

Yet there I ' v e wander'd by thy vaunted rill;

6

Yes! sigh'd o'er Delphi's long deserted shrine,

7

Where, save that feeble fountain, all is still;

8

Nor mote my shell awake the weary Nine To grace so plain a tale ·— this lowly lay of mine.

9

' i .

1. Die Musen — es gab ihrer anfangs drei, später neun — sind nach griech.

Vorstellung Töchter des Zeus, also göttlichen Ursprungs und Wesens.— Deem'd:

man schloss aus den ungewöhnlichen Wirkungen der denkenden und dichtenden Geisteskraft auf ihre überirdische Quelle. Vgl. zu St. 27. A. 1.

2. Formed ör f . : „geschaffen oder gefabelt". Der Dichter lässt es dahingestellt sein, ob die Musen wirklich oder nur in der Einbildung existirten; sie existiren jedenfalls nur durch den Willen des Sängers, dessen Begeisterung sie erst ins Leben ruft. Vers 2 enthält somit einen Gegensatz zu V. 1, weil er das unab- hängige göttliche Dasein der Musen in Frage stellt, leitet aber zugleich zu V. 3 hinüber, sofern er bereits in den Worten form, or f. die wahrhafte dichterische Begeisterung von der erkünstelten unterscheidet.

3. Since drückt ebensowohl die zeitliche wie die causale Folge aus ( = „seit- dem" und „da"). — On earth kann zu 1. lyres, aber auch zu shamed gezogen werden; in letzterem Falle steht es der heavenly b. gegenüber.

4. Full oft kann unserm „ganz oft" verglichen werden. Doch ist full stärker;

full o. heisst: so oft, dass ein „öfter" oder eine nochmalige Wiederholung nicht mehr statt haben kann oder darf.

5. Der. „Dir geweihte" und darum „heilige" Berg. E s ist der in der griech.

Landschaft Phocis gelegene Parnass gemeint, welcher für den Wohnsitz der Musen galt.

6. V. rill: die Castalische Quelle, ein auf dem Parnass entspringender Giessbach, den Musen und ihrem Führer Apollo geheiligt. DerGennss ihres reinen und klaren Wassers verlieh, so glaubte man, die Gabe der Dichtung.

7. Die nahe Beziehung der Musen zu Apollo rechtfertigt die Erinnerung an das delphische Heiligthum, in welchem der Cultus dieses Gottes der Weissagung seinen Mittelpunkt hatte.

8. Indem der Dichter die tiefe Stille hervorhebt, welche gegenwärtig auf dem delphischen Thale ruht, erinnert er zugleich an das rege, bewegte Leben, welches vordem diesen Sitz des besuchtesten hellen. Orakels erfüllte.

9. Of mine steht zwar nicht selten für das conjunctive my, ist aber an dieser Stelle nicht blos des Reimes wegen gewählt worden. Der Dichter deutet an, dass sein Lied eben ihn selbst, seine persönlichen Gedanken, Empfindungen &. zum Inhalte haben werde.

(26)

2 .

W h i l o m e i n A l b i o n ' s i s l e1 t h e r e d w e l t2 a y o u t h , W h o n e3 i n v i r t u e ' s w a y s d i d t a k e d e l i g h t ;4

B u t s p e n t h i s d a y s i n r i o t m o s t u n c o u t h , A n d v e x ' d w i t h m i r t h t h e d r o w s y e a r o f N i g h t . 5

A h , m o ! i n s o o t h h e w a s a s h a m e l e s s w i g h t ,

S o r e g i v e n t o r e v e l a n d u n g o d l y g l e e ; . F e w e a r t h l y t h i n g s f o u n d f a v o u r i n h i s s i g h t

S a v e c o n c u b i n e s a n d c a r n a l c o m p a n i e , A n d flaunting w a s s a i l e r s o f h i g h a n d l o w d e g r e e .

3 .

C h i l d e H a r o l d w a s h e h i g h t :1 — b u t w h e n c e h i s n a m e A n d l i n e a g e l o n g ,2 i t s u i t s m e n o t t o s a y ; 3

2.

1. Albion: ein besonders im Mittelalter üblicher Name der britischen Insel (England und Schottland). E r ist hier ganz am Orte, weil der Held des Gedich- tes wenigstens seiner äussern Erscheinung nach jener Zeitepoche angehört.

2. Dwelt, verwandt mit dem norddeutschen „twalen", ist hier nicht einfach

„wohnte", entspricht vielmehr unserm „hauste" (trieb sich herum).

3. Ne verhält sich dem Sinne nach zu never, wie das deutsche „uimmer" zu

„nie"; in Rücksicht auf die Wort form ist das Verhältniss geradezu umgekehrt.

4. Take del, bezeichnet die innige und gleichmässig andauernde Freude, wie sie in der Regel nur an einem edlen und reinen Gegenstande empfunden wird.

Die doppelte Umschreibung take del. (für del.) und did take (statt des einfachen Imperfect) malt vortrefflich die ungestörte Fortdauer der innern Befriedigung, welche die in Rede stehende Gesinnung gewährt (vgl. den Gegensatz spent —

uncouth). . . 5. Vex'd with m. &c. gibt ein recht ergötzliches Bild. Der laute Lärm der fröh-

lichen Lust zupft gleichsam die schlaftrunkene Nacht unablässig am Ohre, so dass sie ausser Staude ist, der sie bewältigenden Neigung zu folgen; — vex'd be- zeichnet, wie unser „vexirte", den fortgesetzten prickelnden Reiz.

3.

1. Childe, die ältere Form von child, ist dem Sinne nach = noble youth („Junker"). Der Dichter hat sie, wie er in der Vorrede bemerkt, gewählt, weil sie „mit dem von ihm adoptirten alterthümlichen Versban mehr übereinstimme."

— Was he h i g h t : „war er geheissen.u Byron bedient sich dieses veralteten Ver- bums öfter, z. B. St. 24, 3: with diadem hight foolscap. —

2. Lineage long: die Familie der Byrons gehörte schon zur Zeit der norman- nischen Eroberung zu den angesehensten des Königreiches.

3. But: wiewohl es in epischen Gedichten Sitte ist, das Geschlcchtsregister des Helden in seiner gauzen Länge aufzurollen. Der Dichter fährt fort (vgl. die Apostrophe an die Muse in S t 1), die stereotypen Formen der epischen Poesie zu persifliren; er gedenkt ihrer nur am zu erklären, dass er sie nicht weiter be- achten werde.

(27)

25

S u f f i c e i t , t h a t p e r c h a n c e t h e y w e r e o f f a m e ,4

A n d h a d b e e n g l o r i o u s i n a n o t h e r d a y :5

B u t o n e s a d l o s e l s o i l s a n a m e f o r a y e , H o w e v e r m i g h t y i n t h e o l d e n t i m e ; N o r all t h a t h e r a l d s r a k e f r o m c o f f i n ' d c l a y , N o r florid p r o s e , n o r h o n i e d l i e s o f r h y m e , 6

C a n b l a z o n7 e v i l d e e d s , o r c o n s e c r a t e a c r i m e . 4 . .

C h i l d e H a r o l d b a s k ' d h i m i n t h e n o o n t i d e s u n ,1

D i s p o r t i n g t h e r e l i k e a n y o t h e r fly,2

N o r d e e m ' d b e f o r e h i s l i t t l e d a y w a s d o n e 3

O n e b l a s t4 m i g h t c h i l l h i m i n t o m i s e r y . B u t l o n g e r e s c a r c e a t h i r d o f h i s p a s s ' d b y ,

4. Of íame: „von Ruf, berufen", was dann ebensowohl im guten („berühmt") wie im schlimmen Sinne („berüchtigt") verstanden werden kann. — Perchance ( = dem franz. par hasard) stellt weniger die Thatsache, wie deren Bedeutung in Frage (möglich, dass sie —, ist aber wenig daran gelegen).

5. Glorlous: Manche unter den altern Vorfahren Byron's erwarben sich, be- sonders durch kriegerische Tapferkeit und glänzende Waffenthaten, einen ehren- vollen Namen.

6. Lies klingt an lays an und wird daher sehr passend mit of rhyme verbun- den. — Hbnied ist durch florid nahe gelegt; die Blume erinnert an den Honig, den sie enthält. ·

7. Blazon cig. „in das Wappen aufnehmen, auf dem Wappenschilde dar- stellen", was in der Regel nur mit solchen Thaten und Ereignissen geschieht, welche den Ruhm des Geschlechtes begründen oder erhöhen. Die Worte hl. evil deeds geben daher den Sinn: „böse Thaten zu ruhmvollen Handlungen umstempeln." Ein ähnlicher Gegensatz liegt im folg. consecr. a crime („ein Ver- brechen heiligen" oder als eine Tugend erscheinen lassen), wo der Dichter ohne Zweifel seinen Grossonkel, welcher im J. 1765 wegen Todschlags vor Gericht gestellt wurde, im Sinne h a t

4.

1. „In der Mittagssonne", weil diese am höchsten steht und die grösstc Wärme verbreitet; sie gibt ein treffendes Bild des blühenden Jugendalters, wie es in glücklichen Lebensverhältnissen verläuft.

2. So, dass es ihm keine zuvorthut; im Deutschen würde man sich der ab- weichenden Wendung: „trotz der besten Fliege" bedienen.

3. Little day, weil das Leben der sogenannten Eintagsfliege mit einem Tage zu Ende g e h t — was done: entspricht dem deutschen „gethan sein mit —

4. One blast m. ch. steht zu bask'd h. seqq. in scharfem Contraste; — ein kalter Luftzug reicht eben aus, um einem solchen Insektenleben ein Ende zu machen.

(28)

Worse than adversity

5

the Childe befell;

He felt the fulness of satiety:

Then loathed he in his native land to dwell,

5

Which seem'd to him more lone than Eremite's sad cell.

5 .

For he through Sin's long labyrinth had run,

1

Nor made atonement

2

when he did amiss, Had sigh'd to many though he loved but one,

3

And that loved o n e ,

4

alas! could ne'er be his.

Ah, happy she!

5

to 'scape from him whose kiss Had been pollution unto aught so chaste;

5. Adversity ist das von Aussen hereinbrechende Unglück (daher befell);

fulness of s. der aus dem Innern stammende Ueberdruss am Glücke (daher feit).

Jenes ist ein vorübergehendes Ereigniss, dieses ein dauernder Znstand.

6. Der Vers fordert die Zusammenzichung von he in his, die eine doppelte sein kann, h' in oder he 'nhis. Die letztgedachte Weise scheint den Vorzug zu verdienen, weil sie die Worte loathed he auch für sich, d. h. abgelöst aus ihrem Zusammenhange mit dem folgenden Infinitivsätze, hervortreten lüsst.

' 5.

1. Sin's labyr., weil die vielen Irrgänge der Sünde, einmal betreten, zu keinem Ausgange führen. — R u n : „gerannt" bezeichnet die hastige, unaufhaltsame Eile, welche jede Rücksicht,· jede Besinnung Nausschliesst. Through: „durch hin" und prägnant „d u r c h" (gerannt); er hatte, will der Dichter sagen, das Laby- rinth der Sünde nach allen Richtungen und ganz, in seinem ganzen Umfange durchmessen.

2. Nor made «fcc. Der Dichter begründet in diesem und dem vorhergehenden Verse die am Schlüsse der 4ten Stanze berichtete Thatsache (and then he loath- ed <fec.). Wer nicht bereut und büsst und sich dadurch von dem Bewusstsein seiner Schuld innerlich befreit, den zwingt das böse Gewissen, den äussern Schauplatz seiner Vergehen zu fliehen.

3. Bat one. E s ist die Jugendgeliebte des Dichters, Miss Chaworth, gemeint, welche die tiefe, nie ganz erloschene Neigung Byron1 s nicht erwiederte, vielmehr einen andern Bewerber vorzog. In seinen Dichtungen erscheint sie wiederholt unter dem Namen Marie und das schöne Gedicht „der Traum" ist ganz der Schil- derung dieser ersten Liebe gewidmet.

4. And that «Sic. bildet zwar einen selbständigen Satz, hängt indess zu- gleich von though ab. Wäre die Liebe zu der Einen eine glückliche gewesen, so würde, meint der Dichter, das Seufzen nach den Vielen weniger auffallend sein.

5. Die feine Ironie, welche in diesem und den folgenden Versen neben dem - — tiefsten Ernste hergeht, wird -durch den Doppelsinn der einzelnen Wörter und Wendungen ermöglicht. — Dnto aught so ch.: „für Jegliches, w a s , wie werth- los auch s o n s t , so keusch" (um wieviel mehr ihr gegenüber / ) , aber auch: „für jedes so keusche Dingu. Deberdem enthält pollution eine offenbare Uebertreibung.

(29)

CANTO I.

Who soon had left her charms for vulgar bliss,

6

And spoil'd her goodly

7

lands to gild his waste, Nor calm domestic peace had ever deign'd to taste.

8

6 . .

And now Childe Harold was sore sick at heart, And from

1

his fellow bacchanals would flee;

'T is s a i d ,

2

at times the sullen tear would start,

3

But Pride congeal'd the drop within his ee:

Apart he stalk'd in joyless reverie, And írom his native land resolved to go, And visit scorching climes beyond the s e a ;

4

With pleasure drugg'd, he almost long'd for woe, And e'en for change of scene would seek

5

the shades below.

7 .

The Childe departed from his father's hall:

1

It was a vast and venerable pile;

6. Vulgär bl. „gemeine Seligkeit", zugleich aber die Seligkeit, welche, wiewohl sie „gewöhnlich" oder „alltäglich" ist, doch einen reelleren Gennss darbietet, wie die sogen. „Reize", mit denen man zu coqnettiren pflegt.

7. Das · unbestimmte goodly kann ebensowohl den niedrigsten wie den höch- sten Grad der Güte bezeichnen. — Gild enthält die Vorstellung des zwar glänzen- den, aber nur an der Oberfläche haftenden Schmuckes. *

8. Had deign'd: „sieh herbeigelassen" (zu kosten), aber auch: „den häuslichen Frieden des Kostens werth gehalten hätte".

6.

1. From : prägnant „fern, weit weg von"—. Would ist unser „wäre g e r n — " . 2. „Es wird erzählt, man sagt sich — e i n e Wendung, welche die Mitthei- lung einer geheimnissvollen oder auffallenden Begebenheit einzuleiten pflegt.

3. Start bezeichnet das plötzliche Hervorbrechen, als Folge der augenblick- lichen Erregung. — Would „wollte" im Sinne von „war im Begriffe, nahe daran".

4. Scorching cl. stehen im Gegensatz zum kalten, sonnenlosen native land.

Eben weit sie diesem so ferne liegen, möchte Harold sie aufsuchen. Der Dichter hatte ursprünglich die Absicht, nach Indien zu reisen.

5. Seek: „aufsuchen", wobei es ungewiss bleibt, ob das Gesuchte auch wirk- lich zu finden ist. .

7.

1. Father's h. nicht nur „die Halle des Vaters", sondern auch „die väterliche oder Vater - Halle", die erbliche Familienwohnung. — In der folgenden Schil- derung hat der Dichter Newstead Abbey, den im J. 1170 gegründeten Stammsitz seines Geschlechtes vor Augen.

(30)

So old, it seemed only not to fall,

2

"

Vet strength was pillar'd

3

. in each massy aisle.

Monastic dome! condemn'd to uses vile!

Where Superstition once had made her den

Now Paphian girls

4

were known to sing and smile;

5

And monks might deem their time was come agen, If ancient tales say true, nor wrong these holy men.

8.

Yet oft-times in his maddest mirthful mood

Strange pangs would flash

1

along Childe Harold's brow, As if the memory of some deadly feud

Or disappointed passion

2

lurk'd below ; But this none knew, nor haply cared to know:

For

3

his was not that open, artless soul That feels relief by bidding sorrow flow,

4

2. „Er schien nur nicht einzufallen", in Wahrheit hatte der Einsturz bereits begonnen. Doch kann only auch mit not to f. näher verbunden werden: „man sah ihn nur noch nicht gerade zusammenfallen". Vgl. das Gedicht „On leaving Newstead-Abbey" (in den Hours of Idleness), ferner die schöne Elegy on N. A.

(in den Fugitive Pieces). ~ 3. Die gewaltigen Pfeiler sind die Träger und Bewahrer der dem Gebäude

noch inwohnenden Stärke.

4. Paph. g.: „Bnhldimen". Die Stadt Paphos auf der griechischen Insel Cypern war im Alterthnm der Hauptsitz des schamlosen Cultus der Aphrodite oder Venus.

5. Were known t o : „da, wusste m a n , sangen etc." Die im Engl, sehr ge- wöhnliche Verbindung des Passivs mit einem Infinitiv des Activs (vgl. St. 85, 7 : blood was seen to die, 2, St. 59: 'the Greek is heard to prate &c.) ist im Deut- schen unstatthaft, weil hier die passive Form mit der activen in schärfstem Gegen- satze steht. Wo das Subject des Passivs, wie im Deutschen, nichts ist als das Object einer fremden Thätigkeit, kann es nicht selber als thätig gedacht werden.

8.

1. Would flash: wie ein Blitz an der Stirne hinfahren. Fl. bezeichnet das rasche und plötzliche Aufzucken der schmerzhaften Empfindung.

2. Disapp. p. hängt nicht von memory ab, sondern ist selbständiger Nomi- nativ. Der Dichter stellt die Trauer über den verhängnissvollen Bruch einer frü- hern Verbindung dem Schmerze gegenüber, welcher durch das Nichtzustandekom-' men eines neuen, leidenschaftlich ersehnten Verhältnisses erregt wird.

3. For &c. enthält auch den Grund des nor haply cared to k n . ; die Verschlos- senheit Har.'s hatte zur Folge, doss man so etwas nicht hei ihm verrauthete;

auch schreckte sie von vornherein Jeden zurück, der etwa näher hätte nachfragen m ö g e n . . . - " "

4. Flow: in Thränen hervortreten lassen. Der innere Kummer erschliesst sich sowohl in den Thränen, die man in der Einsamkeit vergiesst, wie in der vertrau- lichen Mittheilung an den Freund.

Ábra

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