Briefe eines Junggesellen : Stimmungsbilder

Teljes szövegt

(1)

J*- cfOstx^o-t™^/.

A

©timmungSbilber

bon

( S í r i * í i a j t t . )

Britté U u f l a g e .

5

^ e i p j i ö -

Svucí uut> ©exíag bon ©pUtpp Mectnm jnn.

(2)
(3)

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B H I I j ß l m ( M b b ä u m

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(4)
(5)

J ^ o r r o u r i .

Itnb TOieber^ihge гф ein Впф, З Ф f фпеЫв?*Гк·.gggem ^erjen;

•Es ift ein d p i f

Ein Е ф М ^ ^ Ь т - ^ ф е г з е п ,

3 q s паф gar fnapp gemeff'nem Strahl B u s Sagen, fonnenfjeiien,

$Шф eingereiht hat in bie 3ah ' 3)er alten 3unggef eilen.

Warf шапфег Fj'in· ttOfecier Ефгг^, W a s nie mir- 'ime^ityen;5'..;

E s irrte gar Ь Ш ф е ^ Р 5- Я а ф ипег|ф1о||'пе^^а^е*г';— - Ein Виф, rote т'а#Г|.о>^фег macht Mus gabelet unb Sebent"

Ег[фаиЬ erlebt, ег1аи|ф1, егЬаф1 —

§ a b ' 1ф tn Eins gegeben.

Wohl i)ie unb ba etn,trüber Klang Sönt зго!|фепЬигф ¿Ts" StBfung, Ein Bettlerruf, ber зад -üfib bang й г ф aufringt uro Erhörung:

<$>, Hbenbfonne! поф einmal — 3)as WracE mag bann ¿erfcbellen - - Senb' einen legten Иф1еп Strahl Эего alten Зц п8 0 ф Яе п !

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Ш х Щ e i n e * Ъ \ щ ф п .

(8)
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Art meinem 29. Geburtstage.

SteBer ©auf!

Erinnerß bu bip unter bett bieten benfwürbigen 9Ro»

mentett an betnent Hopgeit«tage toopt aup ber tteinen SIB- fpieb«fcene, bte gwifpen uns gefpiett? E« War gur ©twtbe, in wetper bu beine lefeten ©ieBenfapen au« unferer alten Vepaufung polteß, unt mit beinern jungen ©lüde bein ¿ett Weit fort — in einer anberen ©tabt aufgufplagen.

3 p War eben baran, bir eine gefüptooKe Siebe gu palten;

bu aPer Weltteil fte ntpt püren unb fagteft nur: „SBir wer- ben un« fpreiBen, gremtb!" 3 p antwortete gerüprt: ,,©e=

rnifj, von gWet gu gwet SBopen." S u aber meintefl wieber:

„Kein, von gwet gu gWet 3apren. E« fammett ftp mepr

©toff ¡in biefer ¿cit." ©pon im Vegrtße, bir 06 biefe«

tüplen ©orf plage« ernfttip Böfe gu Werben, erBIidte ip gu meiner ÜBerrafpung in beinern Singe etwa«, wa« faß einer Spräne glip, unb ip fagte nur: „@et'8! Hingegen Bean- trage ip, baß wir un« immer gum eigenen ©epurt«tage fpreiBen folten. E« mag bte« eine Strt ©eneratBeipte Wer- ben." Sarauf ein fräftige« A l l right Bon bir, nop ein Hanbfptag — unb fort roffteß bu mit Koffern unb Hut«

fpapteln gum Vapnpofe.

Unb peute iß fo ein ©ePurt«tag, mein ©ePurtStag. 3a, gremtb, e« War eine banienswerte 3bee meiner Eitern, inip in bte ©Seit gu fefeen; nipt nur ip pabe eine greube baran, ßpttip aup anbere. 3 p erpiett peute gur geter be« gtor- reipen Sage« — t 8J ß erftaimfiäicÄW riete um betßi '

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10 SBrieje eine3 Jjitttggejenen.

Wiffen — einen ©traufj Stergifjmeinuiht, eine Strieftafhe, brein gefüllt: „Pensez a moi", eine ©hreibmappe mit ber 3nfhrift: „©ebenfe mein!" nnb noch mehrere nette ©inge bieferSfrt. Stiles anonym! SBaS für bebeutenbe Slnfpriihe biefe guten Seuthen an mein ©ebäcptniS fteBen!

3 h bin aber auch a n ben übrigen breihunbertbierunb*

fehjig Sagen bes 3ahre« ein gar beliebte« unb gefuhteS SDZenfhenfinb. @o oft ich nach §aufe tomme, finbe ich auf meinem ©hreibpulte einige jener eleganten ©rudforten: £>err unb grau St., §err unb grau 95., §err nnb grau S. — bitten für ÜBontag, für ©ienStag, für ÜRittWoh — jum

©iner, jum (Souper, sc. Unb wenn ich ber ©inlabung nach*

fomme, Werbe ich jwifhen jwei prahtboB toiiettierte unb be*

foBetierte ©amen, bor eine ©amaftferbiette, fünferlei ©läfer unb fünferlei Seftecie gefefct, unb librierte SSebiente prüfen*

tieren mir auf ftlbernen ©Rüffeln bie iftrimeurS ber ©aifon.

3 h tanje felbflberftänblich nicpt; aber Wenn eS jur ©amen*

wähl fommt, erjlrahlt mein gracf nihtsbeffoweniger bon ben miichtigften SotiBonorben, unb Stbenb für Slbenb belomme ich bon rofigen grauenlippen in ben berfhiebentlihften trau*

liehen Stiften 3U hören, baß ich ein reijenber fütenfh fei.

Unb aü' baS als Selohnung Wofür? gür baS einjig eine Sterbienft, ben Sirchen unb ben Stürgermeifterämtern, jenen gefährlichen ©ebäuben, Wo bie ileinen „3a für ewig"

gebammelt Werben, bisher ftanbhaft aus bem SBege gegangen 3u fein.

©8 lebe bie greiheit! 3 h mitjj bir bie gejiemenbe Sin*

jeige machen, bafj tep für immer 3U ihrer gähne gefhworen habe. 3 h unb biete meiner ©efmnungSgenoffen, lauter

©arponS aus ÜbeQeugung, haben hier einen 3unggefeBen»

bunb jum wehfetfeitigen ©hupe ins Selen gerufen. Stier SBohen lang berieten Wir über bie ©tatuten. ©S gab ge*

legentlih ber Slbfaffung flürmifhe ©ebatten, Biel glüfftgfeit Würbe babei fonfumiert; aber erfreuliherWeife mehr ©ham*

pagner als ©inte. 3e(jt fmb bie ©tatuten enbgültig feft*

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Briefe eines Sunggefeffeii. 1 1

geßetft; nißt Weniger al® neununbaßtjig ¡Paragraphen haben Wir jufammengefßmiebet. ®te wtßtigßen ßnb bie fotgenben:

„©er Sunb führt ben Kamen ,Anti=Hpmen'."

„ ¿ u r Aufnahme al® SuubeSmitglieb barf ß ß nur ber«

jenige melben, ber ba® bierunbsWanjigfte 3 a | r überißritten unb bor feiner Anwerbimg einen unbefßoitenen ieben®«

wanbet geführt hat, b. h· nie berlobt ober bermähit ge»

wefen iß."

„Sei ber Aufnahme Wirb ber Afpirant bom ©roßmeifter in feterltßer Mebe begrüßt; e® wirb ßtn bie ©efßißte bom Könige ¡Dtenelau® borgetefen unb fobann ber Eib auf bie

©tatuten abgenommen, ©er © b wirb mit bter gtngern ber reßten §anb geleißet; ber Kingßnger bleibt eingebogen."

„3ebe® ¡Kitglieb bleibt brei 3apre üehrltng unb abanciert bann jum ©efetlen. ®te ¡Dteißerwürbe aber wirb ß m nißt bor feinem fünfjigßen iebenäjahre berlieben."

„©a® SSort .bertobt' barf im Sunbe«IofaIe nißt au®»

gefproßen Werben. E® iß im Sebarfsfalle burß ba® 2Bort ,ertrankt' ju erfeßen. ©awibeßanbelnben wirb für ben Abenb be® ©tvaffalle® bon bem amtierenben Süttek be® Sunbe®

eine ©afel an einer mafßben eifernen Kette umgehängt mit ber Snfßrift: ,©u foüft biß nißt berfpreßen!"' (®iefe

©trafregel hat wegen be® ©oppelftitne® im SSorte .ber- fpreßen' einftimmige Annahme gefunben.)

„®a® Söort ^erheiratet' barf im SunbeSlofale gleiß»

fall® nißt auSgefproßen werben. E® ift im Sebarfsfatte burß ba® Sßort ßingerißtet' ju erfeßen. AI® ©träfe fär- ben ©awibeßanbelnben Wirb heftimmt, baß berfelbe am Abenbe be® ©elitte® ben SMunb jur Siebe nißt metjr öffnen bürfe."

„®ie ¡Kitgliebfßaft bauert 6t® an ba® SebenSenbe. SSenn aber ber ©eufel in grauengeßalt gegen gug unb Meßt ein

¡Kitglieb bor beffcr. naliirltßem ©obe bem" Sunbe ahlißet, wirb beßimmt, baß ber Überlißete, faß® er Seßrling War, jeßn glafßen, fall® er ©efetie War, jWaujig glafßen, unb

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1 2 Briefe eines Sfunggefettett.

falls er «Weißer War, breißig glafgen ©eft prima ©orte an ben befgäbigten ffiunb ju entrigten habe. Sie «{goto*

graphieen ber überlißeten «Weißer »erben im ffiunbeSlotale aufgehängt unb mit Hirfggewegen gefgmücft."

,Дп jebem ©ploeßerabenbe wirb eine ©eelenmeße für bie ffierßorbenen unb Verheirateten beS ffiunbeS gelefen."

@S ß n b g a n j b e r g n ü g l i g e a b e n b e , Welge i g i n biefen V e r f a m m l u n g e n — ße ßnben jWeimal W ö g e n t U g ß a t t — jubringe. Seber f u g t fein 93eßeS a n a n e f b o t e n , V o n m o t S u n b Stalauern b e a n t r a g e n . H ä u ß g e © t r a f b e r f ü g u n g e n helfen j u r ©rheiterung r e b t i g mit. —

3 u Haufe bin ig faß gar nigt; bie freien SageSßunben, Wenn i g ntgts VeßereS borhabe, herbringe ig anßänbtger»

Weife im amte, unb innerhalb unferer einß gemeinfgaft»

iigen bier SBänbe genieße ig mithin nur ein paar ©tun»

ben ©gtafeS, baS erße grühßücf unb bie «Worgencigarre.

Siefe «Worgencigarre munbet aber aug fo bortreßiig, baß ig mig in ihrem ©enuße bon niemanb ßören laffe. 3 g tann bir meine ©orte — ©aribalbi glor — WärmßenS empfehlen. SiefeS aroma! Siefer SBohtgefgmactl Unb bor allem biefe Waugringeln! ©olge Waugrtngeln Wie meine Sigarre hat gar leine anbere ©pecialität. Srünette unb blonbe ©ptphiben fgwirren unb fgweben barinnen auf unb nieber unb treiben fonnigen, Wonnigen «Wärgenfput.

aber feit einigen Sagen haben bie blonben ©ptphiben bie Oberhanb.

S a ß ig'S nur turj mage: 3 g bin Oerliebt. — «Ber tagt ba? — aifo, wenn bu es fo lieber pörff: wieber ein»

mal Oerliebt. (Sie ©taluten beS anti»Hpmen berbteten ja nur bie ©h«, aber nigt bie Siebe, ©inen folgen ißara»

graphen hätten ß g Wohl fämtltge ffiunbeSmitglieber fgött«

ßenS berbeten.)

SaS h»lbe tinb, WelgeS jept in ben atteinbeßp meines HerjenS getreten, iß braber Seute einjigeS SBgtergen.

3 g habe über bie Siebe reiflig naggebagt. ©S giebt

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Briefe eines Suitggefeiien. 13 für ba« Herj bop nipt« erfrifpettbere« als eine Ktäbpen-

blüte, bon wetper пор fein ©pmetterfing ben erften Kuß fortgenafpt pat.

©ie peißt Klara, pat bfonbe« Haar, ba« in üppigen

¿öpfen ba« tpaufrifpe ©eßptpen umrapmt, einen roßgen (Dtunb mit gweiunbbreißig ElfenbeinßäBpen unb ein ©aar Singen — a p ! ein ©aar braune, treue, fpeue Mepaugen, Welpe bie SBett um ße per Wie ein unlösbare« Mätfel an- jubticfen fpeinen.

Sluf einem Hau«batie bin i p ipr begegnet. (Kit einem fpüptenten ©eplauber ber Slugen ßng e« an; bann Wanbte i p einige jener üblipen Sattpprafen ah ße, Bon Welpen i p immer, wenn i p micp gu einer ©oiree rüße, einige in meinen

©eiß ßetfe, unb Welpe bie Eigenfpaft paben müffen, appo- rißifp gefaßt ju fein. SJtan muß ja jeben SiugenPIicf ge- Wärtigen, Bon einem Sangjünglinge in ber fpönften ©afe- fonßruition unterbropen gu Werben. 316er п а р unb пар Würben Klara gegenüber au« ben SipporiSmen gang refpef- table abgefpioßene©afeperioben,unb al« inmitten einer fotpen ein junge« H a r p e n ß P öor ipr BerPeugte, um mit ipr fort- guwtrbetn, patte ba« liebe Ktnb ben polben Einfall, gu fagen:

„Entfpulbigen ©ie, mein Herr, i p bin für biefe grartfaife gum ©laubern engagiert." ffiar ba« nipt reigenb Bon ipr?

K a p unb п а р würbe ße felbß gefpräptg. ©ie ergäptte mir Bon einer ©enßonefreunbtn, wetper ße fepr gugetpan fei, Bon einem SSetter, Welpen ße nipt leiben fönne, Bon ipren ajtnßtüpungen, Bon bem unb jenem. Ste ¿Jett вег-

ßog un« rafp. • Sluf bem Heimwege fptoß i p m t p iprer gamilie an, ·

patte aber nur Wenig ©elegenpett mepr, bie Kleine gu fprepen

„Klein gräutein," fagte i p ipr, „in einer ©iertelßunbe Werben ©ie ftp Wopt fpon in fanftent ©plafe wiegen."

„O, nipt fo batb," War bie geftüßerte Slntwort.

,,®a« fleine Sagewerf iß atfo пор nipt Peenbet? 2öa«

für große Stnge planen ©ie benn пор für peute?"

(14)

14 Briefe eineä gunggeJeBeu.

„SSorerg muß ich *>en ©Hern gefegnete 9iuhe toünfhen."

„Unb bann? ©ie entfhulbigen Wohl, gräulein, meine Neugier?"

„®ann herrichte ich mein Stahtgebet."

„Unb bann?"

„®ann friple ich *n wein ©agebuh·"

„®a8 bauert tooht jeben ©ag fehr lange?"

„O, nicpt täglich."

„Unb ijl bielleicht heute f° ein nicht täglicher ©ag?"

©ie Slntwort auf biefe grage hat jtoar ber Sßortier mit feinem §au$fhlüffet abgefchnitten, aber einen fügen 93lief habe ich uttt auf ben'SBeg befemnten, unb tote jufäüig fiel eine 8iofe auf ben Soben . . . .

©ie SRofe habe ich in« SBaffer gefteUt, unb aus bem Stiele Warb bis jum anberen ÜJiorgen ein ©ebicht. 3 h hätte bir bon lepterem eine Slbfhrift gefanbt; aber ich toeifj leiber, bag bir für meine Sterfe ber erforberlihe ©efhmaci mangelt. — SBergig niht unferen ifßaft; auf ben 24. gebruar fällt bein ©eburts* unb ©hreibetag! 3U bem erfteren im bor*

hinein meine heften SBünfhe!

©ein

©heobor.

(15)

Briefe eines Sunggefeffeii. 15

24. fJeBruar.

Cieber © h e o b o r !

®ant für bettle lieben ¿eilen, fo Wie a u ß bafür, baß bu mir bie Berfe, Weiße bu sufammengefßweißt, borent»

palten h®ß· ® " ß hin i ß begierig, ju erfahren, Wie Weit fcu mit betner Herjen8=Ktara gefommen biß.

Über m i ß weiß i ß Wenig ju berißten. SBir haben im®

hier jiemliß eingelebt, obfßon wir noß blutwenig bon ber ber ©tabt ju fßauen betommen haben.

Unfere kleine SJeltbürgerin trägt bie ©ßulb an biefer

¿urücfgejogenheit. S i e maßte un® bor ßrem Erfßeinen manße® ju fßaffen unb giebt un® a u ß feißer biel ju thun.

Eben beginnt fie wieber, ju rumoren. ¡Keine grau iß auberweitig befßäftigt. 3 ß muß bie Hannafirt fußen gehen.

Entfßulbige m i ß be®halb für heute — ein näßfte® ¡Kai mehr bon beinern

¡Paul.

SIm 31. GeturtStage.

S i e b e r ¡ P a u l !

Uuferem abfonberlißen Bertrage gemäß habe i ß bir erß heute auf beine ¿eilen bon bor jtoet Sohren ¡u antworten.

Klara! ®u fragß n a ß Klara? Aufrißtig geftanben, « i ß hatte anfängtiß einige ¡Kühe, miß ju erinnern, weiße Klara bu meinft. K ä ß unb n a ß falli mir aber bie ganje berteufelte ©efßißte ein — Anfang unb Enbe berfelben ftanben fo na|e bei einanber!

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16 Briefe eitteS 3ungge[etten.

©ie Wofe, welge i g an jenem Sattabenbe n a g Haufe gebragt, toar n c g nigt gatij abgeblüht, ba ließ ftg mir im Sfmte ein Herr melben. „ 3 n einer ißribatangelegenheit,"

tbie ber ©iener hinjufügte. (Haß bu eS fgon erlebt, baß jemanb, ber ftg „in einer Ißribatangelegenheit" melben ließ, bir etwa« angenehmes mitzuteilen hatte? 3 g nigt.) 3 g laße ben Herrn bitten einjutreten, unb eS erfgeint ein feißeS, mir bis bahin unbefannteS SKänngen, baS ftg mir als Onfel JJlaraS borßellt. 3 g mage meine freunbligßen Wa«

fenlöger, offeriere g m eine prägtige ©igarre unb frage ettoaS ängßlig, womit i g ihm bienen tönne.

©8 erfolgt feinerfeits eine umfaffenbe Wäufperung; bann faßt er mir, fo Wie er ber Oniet StlaraS fei, Wäre feine g r a u bie ©ante, unb bie ©ante habe bemerft, baß i g mig mit bem guten SDtäbgen ganj auSnehmenb befgäftigt hätte,

©ie ©ante habe eine anbere ©ante barauf aufmerffam ge=

magt, unb biefe habe ben ©Item SlataS baS 2ßaffenbe einer Verbindung ihrer ©ogter mit mir auseinanbergefept; geßem fei gamitienrat abgehalten Worben; man hätte jWar bieS unb jenes gegen mig borgebragt, enblig aber bog ein»

ßimmig befgloffen, mir baS äJläbgen jum Sffieibe ju geben.

@r wäre nun hierher beorbert, um mir biefe — wie er ß g ausbrüdte — angenehme «Dtitteilung ju magen, unb warte i jefct auf meine ©ntfgließung.

©ine fehr "unerquidlige ißaufe trat ein. ¿ u m ©lüde war bem guten Dnfel bie ©igarre erlofgen unb i g mühte m i g , länger als es abfolut nötig War, fte Wieber in ©lut ju fefcen. ©nblig aber mußte i g bog fpregen. 3 g ßam»

melte, baß baS SeWußtfein, ein fo h e i l i g e s SWäbgen er»

retgen ju tönnen, bie Stusßgt, bon einer jweifelSohne fo ehrenwerten gamilie aufgenommen ju Werben, mig über bie SKaßen ehre unb eigentlich mehr fei, als t g erwarten bürfte; baß i g aber für bie «ßrafis leiber nog immer nigt bie rigtige ©ignung ju einer folgen auSjeignung in mir fühle — fobalb ig aber bie rigtige ©ignung fühlen Würbe,

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Briefe eine? SunSflefedert. 1 7

folle er fofort batoctt in Kenntnis gefefet werben. Sieber eine ©aufe — i p OerWenbete ein patbeS Sufeenb ¿i'tnbpötj- pen, um bie neuerbtngS erlofpene Eigarre in ©tut gu bringen — einige niptsfagenbe MebenSarten — unb ber gute Ditfel jog mit ftpttip oerblüßter (Kiene ob. '

Bieber greunb, i p hatte Bon jeper eine pettfofe Slbnei- gung gegen alte Santen unb Vafen; i p fap nun, Wte be- grünbet biefetbe War. (Kit fö täppifper, profaifper H<mb in meinen jpönen Montan gu greifen, mir Born Heiraten gu fprepen, Wo i p mip juft. fo erquidenb »erließt füptte — ba« War unberantwörttip, baS War abfpeulip, ba« War gemein! '

' SInti-Hpmen floriert! K a p manpem Slbenbe ©üßpolg- gerafpelS iß etn SIbenb unter biefen flotten Vurfpen eine repte Erpolung. 3 p pabe bir bie (Kitgtieber ber luftigen Safelrunbe nop nipt Borgefteitt — ba« beitiegenbe pumo«

riftifp ftiggierte S3tlb möge bie näpere Vefanntfpaft Oer-

mitteln! • .

¿ u meiner Mepten erbtictft bn ben Keinen Spatberg, wie er eben eine brottig ernfte (Kiene aufgefefet, um mit beut SBierjuugen pititer ipm engtifp gu fprepen. Er tput ba« affabenblip, entwicfelt aber babei fo Biel Humor, baß uns manpmat Bor ' Bapen Spränen in bie Stugen treten.

Keben ipm' pingelepnt ftfet ber Plo'nbe Momberg, aup Momberg le beau' genannt, ftegeSbeWußt läpetnb unb mit ängßlip gepßegter Hanb bie ©ptfeen feines btonben -©pnurr- barteS n a p aufwart« fröufetnb. SiefeS fofette (Kanöoer gilt'als ftpereS Slngeipen, baß' er ein fuß erlebtes Siebes- abenteuer Bon ftp geben möpte. S i r alte ßnb aber a u p Jbann peiter bemüpt, tpn fo lange als möglip nipt gu S o r t e tommen gu Iaffen. Momberg iß — WaS nipt gu leugnen

— ein ungewöpntip' pilbfper Vurfpe, unb fein ©tiicf bei

grauen iß bereptigt. ' - ·

®er (Kann mit bem artßofratifpen Sltr, mit einem Sou«

Bert, worauf eine H«3i>88frone gemalt, in ber H<mb, iß

• 2

(18)

18 Briefe eines Sfunggefettett.

Slrtbur Sinben. ©r präfentiert nämlih als Seteg für feine noblen Sonnaiffancen folcpe ©ouberts mit Sorliebe, ig aber bisfret genug, ben Sripalt berfetben nicht ju berraten. Sin*

ben berfeljrt allem Slnfcpeine n a h in ber ©reme ber ©efett*

fhaft, toeig alte Steuigfeiten aus bem high life, ig ein bor«

trefflicper ©aufeur, trägt alfo fein ©herflein jur ¿ergreuung reblih bei

®ie beiben heftig mit ben §änben gegenetnanber agie»

renben Herren, burh einen Weifen ©unbesbefhiug an bie beiben äugergen ©nben ber ©afel pogiert, gnb Dr. ©Bring itnb Dr. §oIber, unfere jtoet Slbboiaten. ffieibe begpen biet

©naba, aber Wenig Slienten, unb es ig für uns pBhg amü«

fant, ihren geigreihen furibifhen SBortgefecpten, Weihe ju ihrem SBebauern meig alabemifh bleiben muffen, beiju*

wohnen.

©er SOiann mit bem wütigen Sltcie ig ©hleinip, unfer SBeiberfeinb paT excellence. Sin jebem SunbeSabenbe Ire*

benjt er uns beim ©ntree ein ©lanbäthen bon einem ilägtih büpierten ©bemanne unb beim ©effert hält er regelmägtg eine langatmige Spb'lippita gegen bie' ©he. ©hletnip hat bermBge biefer ©pecialität bie nähge Stnwartfhaft auf ben

©rogmeigerguhl.

Stahe ber ©pure, für ben ©peifenträger leiht erreihbar, in boKer SPtunbthätigfeit begriffen, präfentieren g h bir ber bitte ©töber unb ber bünne jpanfe, unfere jtoet gagronomi*

fhen SSirtuofen. ®ie jtoet ebten unb bortrefflihen SJtagen gnb niht frei bon ©iferfuht. ©er biete ©töber ig bem Mimten §anfe immer um ein paar ©hweinsfotelettes bor*

aus, wogegen biefer in ber Slbteitung für ©rinfbareS bie SDteigerfhaft übt. §ante wirb babei niht mübe, 3U betonen,, bag baS ©rinten im iRange höher gehe als baS ©ffen.

2Rih tenng bu, unb bon ben übrigen SWitgliebem ber lugigen Sruberfhaft ig nihts befonbereS anjuführen. ©6 gnb lauter brabe muntere Serie — feiner ig ein ©ptelber- berber; ge Iahen fröblih mit, wenn es 51t Iahen giebt, ttnb

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Briefe eine« guuggefeüett. 1 9

ftimmen tri ba® Bvviva unb irt ba® Pereat, je naßbem·

ba® eine ober ba® anbere am ¡(Stape iß, regelreßt ein.

®er Humor tß in bem raußgefßwärjten Sotale ju Häuf«, unb bie ©tunben entfßwinben im Hanbumbrehen. Ber- bern SKorgengrauen giebt e® feiten einen Slufbruß bon ben

©elagen be® 3fnti=Hpmen! — · Unb mein H « J ? interefßert biß Wohl, ju erfahren,

Wo baSfelbe jefet einen Unterfßtupf gefunben? Kun benn

— bei einer retjenben graul

S ß habe über bie Siebe Wieber einmal reifliß naßgebaßt.

E® iß boß nißt ba® rißtige, ba® H«S an ein ¡Käbßen ju hängen, bei Weißem hütter jebem berßohlenen Slicfe ba®

©efpenß einer ©ßwiegermutter=Kanbibatin fießt, weiße im-

©eifte fßon ba® ¡Konogratntn für bie fünftige Hau«wäfße jeißnet. Kein, ber größte ©enuß iß eine glüdliße @tunbe:

bei einer fßönen g r a u , eine frohe, genafßte ©tunbe, ge«

nügenb, um bie gtüljenben ¡¡Bangen wieber unb wieber 31t lüffen, unb boß ju fnapp, um bie Ptberquaße ju fehen, Weiße ihnen bie BoIIenbung leßt — eine feiige ©panne

¿ett, hinreißenb, um ß ß an bem BJohlgeruße ber weißen Soden ju beraufßen, unb boß ju furj, um ¿euge fein ju müffen, wie ße au® ben ¡Papitloten fßliipfenl .

¡Keine Bejiehungen jur herrlißett grau 1. — bu wirß Wohl entfßulbigen, baß i ß ben Kamen bisfret berfßWeige

— ßammen bon ber leßten Opernreboute. · • 3 ß nenne fonß eine folße Keboute nur bie. K a ß t be®

©erißte® für un® junge Seute, in weißer Wir alle begange«

nen ©ünben be® Sapre® in® Ohr geltfpelt befommen. E®

wirb unfereinem ba um bte ©eißerfhmbe borgehalten, mit wem Wir währenb be« ¡¡Binter® getanjt, neben wem wir.

währenb be® ©ommer® frifße Suft gefßöpft haben; wir er- fahren, Wo wir ju befßeiben, wo ju fißn, Wo ju artig, wo mßöfliß waren, Wo wir Hoffnungen erwedt unb wo wir folße im Keime erßidt haben — unb alle® bte« unter ©pifeen«

barben bon wohlbermummten ©eßalten, bei breißig ©rab

2 * '

(20)

2 0 Briefe eineS äunflpefetteil.

Weaumur, inmitten einer neugierig horgenben, uns uuab«

läfßg auf bie güße tretenben «Wenge.

aber bie Weboute, bei Welger i g ber himmlifgen £.

näher iam, erfgten mir wahrlig nigt als eine ©träfe.

©in halb ©upenb grauenjimmergen hatte fgon feine meift fglegt erlernten ©pragfgäpe an mir erfgöpft, als ein mit ©pipen behangener Wofa«©omino mig mit beut gäger berührte. Von biefem gägerfglage angefangen tn=

tereffterte mig bie «WaSie. ©gon ihr „ 3 g lernte big" fgien mir geißreiger als bie bieten anberen, welge i g bis bahnt

¿u hören belommen hatte, alles an ihr war ©härme unb

©h.k· ©ie frug mtg nag allerlei — berfängltge fragen mitunter; aber ihr ©eplauber, aus weigern weniger Weu«

gier als SBohlWolten für mig fprag, Wtrtie erquidenb auf mig. Sßährenbbeffen ruhte bie Keine ¿ a n b in Weißem ©lacee mit ¿Wölf itnöpfgen auf meinem arme, unb unwitlfürlig ließ i g ben brennenben SBunfg laut Werben, biefe Keine Harth ohne ©lacee brücten ¿u bürfen. anfangs Wollte baS Oh*, WelgeS roftg aus ber Sapuje herborgudte, nigt barauf hören; aber fglteßlig würbe es mir bog als ©nabe ge«

Währt, ¿ögepnb unb ¿agenb lüfte ß g ein Snöpfgen nag bem anberen unb — ber Hanbfguh hatte nigt ¿u biet ber«

fprogen.

@S fam eine ¿arte, Wetge, Weiße, fgmiegfame grauen«

hanb ¿unt Vorfgeine, eine Hanb, bon ber jebermann eilt«

¿üdt fein mußte — nur oielteigt einer , ntgt, .ber ©atte!

®S War eine Hanb, bie ßgerlig niemals gelogt, niemals genäht, niemals gefäubert unb nie ein t i n b gepßegt hatte.

Unb als i g in feltgem Vehagen biefe Keine Hanb brücfte, fühlte i g es am ©egenbrude, baß ihre ©evrttt mir gut, fehr gut f e i . . .

©ret ©age nag bem «WaStenbatle betaht i g eilte ©tfg«

einlabung ¿u Herrn unb grau

®te Keine Hanb, welge ß g mir ¿um SBiHtonuit cttt«

gegenßredte, War biefelbe, welge ig auf ber Weboute in ber

(21)

Briefe eines Sunggefeffeii. 2 1 meinigen gehalten hatte. 3 h e r f a n n t e fie f o f o r t t r o p beS

b t a g g r a u e n SImetbbgeS, W e i h e r j e p t a n berfetben g l ä n j t e — u u b bie Heine § a n b gehörte einer entjücfenben g r a u . 3 h b i n biefer g r a u f h o n f r ü h e r ö f t e r s i n © e f e l t f h a f t Begegnet, habe fie j t o a r i m m e r I t e b l i h , aber n i e fo aUerliebft gefnnben, wie a n biefem Slbenbe. ©S i g Wohl Begreiflich, b a f j m a n eine g r a u , bie einem fo biet a n g e n e h m e S l u f m e r i f a m l e i t f h e n t t , m i t a n b e r e m Sluge h e t r a h t e t a l s alle a n b e r e n g r a u e n .

© e r § e r r beS $ a u f e 8 n a h m mich auf baS SiebenStoür*

bigge a u f . @r War einer j e n e r Bequemen © b e m a n n e t , bie a n i h r e m ©d^icffale m i t f h u l b i g g n b , einer jener © b e m a n n e t Wie fie © a t b o u b e f h r e t b t , bie bir ein b o r t r e f f l i h e S © i n e r b o r f e p e n , eine £ a b a n n a a n b i e t e n , f t h a b e r gleichseitig bei b i r e n t f h u l b i g e n , bog ge b i h letber j e p t m i t ber © a u s f r a u allein laffen m u f f e n , Weil eine bringenbe Slngelegenheit ge i n S l n f p r u h n e h m e — Worauf fte r u h i g in ihren S l u b gehen.

S l u h § e r r X. w ü r b e a n jenem Slbenbe i n einer bringen*

ben Slngelegen[;eit a b b e r u f e n . ® i e f h ö n e § a u S f r a u u n b i h f a n b e n u n s n a h © t f h e allein. 3 h b r ü d t e einen leiben*

f h a f t l i h e n S u g auf bie m i r bereits b o r t e i l h a f t e g b e f a n n t e

§ a n b — ge lieg ihn j u , a b e r ge Wehrte einem jtoeiten.

® i e reijenbe g r a u h e f a n b g h i n einer jener erregten, t b r ä n e n f e l i g e n S t i m m u n g e n , w e i h e ein f e i n f ü h l i g e r SOfantt nicht f ü r f t h a u s b e u t e n b a r f . 3 h e n t f e r n t e m i h balb.

SBieber brei © a g e b e r g o f f e u , ba befatn t h einen acht

© e i t e n l a n g e n , e n g g e f h r i e h e n e n B r i e f — m i t einem ißoft*

f f r i p t u m b o n jWei 3 e i l e n . 3 h habe ben ©rief n i h t gelefen, n u r ü b e r g o g e n : es g a n b wieberholt „ m e i n geliebter © a t t e "

b a r i n . © a S g j o g f f r i p t u m a b e r habe t h m i t S l u f m e r l f a m * feit g u b i e r t . © a S g J o g f f r i p t u m i g j a bei allen g r a u e n * briefen bie § a u p t f a h e ! SDieitt ifJoftflriptum l a u t e t e : „2Jiein geliebter © a t t e i g heute Slbenb nicbt j u § a u f e — bitte, b e f u h e n fte eine © i n f a m e . "

3 h pochte u m geben U h r a b e n b s a n bie ©biire ber g r a u X, © e r S e b i e n t e fagte m i r , SRnbame habe ÜWigräne,

(22)

22 Briefe eines Sfunggefettett.

tropbeffen fei ihm ber Auftrag gegeben Worben, miß bor«

julaffen. 3 ß trat auf ben gußfpifsen ein, Wie ber Satt e® bem ©ebilbeten bei ¡Kigränefätlen borfßreibt.

S® War eine ber reijenbß arrangierten ¡Ktgränen, fo mir im Beben begegneten! Sie Sampe War beißängt unb hüllte ba® Souboir in ein mpßifße® Elairobffur. Auf ber Ehaifetongue ruhte bie anbetung«würbige grau, unb Weber bem himmelblauen ©ßlafrode, au® beffen ©aume jwei ntebliße ¡Pantoffeln lugten, noß ber weißen Angorabede tonnte e® gelingen, bie berrlißen geraten bollßänbig ju ber«

hüllen. ¡Kit einem Kipftallflacoit fpielenb lag ba® füße Hälft«

ßen, ba® ß ß au® ber ¡pelußeberbrämung ber Mobe bor«

teilhaft abhob, auf ber ©ofalebne. Sa® ßerrliiße braune Haar War aufgelöft unb fiel in langen ©trähnen über ba®

liebreijenbe ©eftßt mit bem halb leftenben, halb fßmaßten«

ben AuSbrude. S® fßien mir faß, al® iönnte i ß bie wirren

©ebanien entziffern, bie Wie im Kampfe burß ba® fßmer«

jenbe Köpfßen judten: ·

„Eie Sffiett toirb nie bai GiücE ertauben, 2US Beute raivb eS nur gefjafgt, Gntroenben tnufjt bu'S ober rauben, Gf>' big bie Mipgunft iiberrafgt."

Siefe ¡Kerfe bavfß bu bir gefallen laffen; benn ße ßnb bon ©ßitler unb ntßt ben beinern .

Sßeobor.

(23)

Briefe etueä SungaefeHen. 23

24. gebruar.

Sieber © p e o b o r !

©ein 33rief atmet ja Oiüct unb S o n n e — mögen fie bir erpalten bleiben!

3 p patte im ©imte, bir einen längeren Veript über unfer Seien gulommen gu laffen; aber es wirb Wopl Peim

©orfafee Bleiben müffen.

S i r paben jefet gwei ©olofänger im Haufe, bte ftp lei- bet BiSper gu einem ©uette nop nipt toerftänbigen tonnten.

Kleine ©opter peutt unS baS erfte ©tänbpen um toter Upr morgens — mein ©opn fein tefeteS um gwötf Upr napts.

Eben fptug es gwötf! ©Ott fei ©auf, baS Vübpen fpeint eingefplafen — i p muß bte ©aufe nüfeen, um auS- gurupen.

®u biß mir bop nipt böfe?

©ruß unb Hcmbfplagl

©aut.

Sieber © a u t !

©reiunbbreißigt

3 p muß bir wopl in meinem tefeten (Briefe über g r a u X.

gefptieben paben; benn meine Segiepungen gn tpr ßngen ja gerabe gu jener ¿eit toor Beiläufig gwet 3apren an, in- time gu Werben. (Run, i p erttäre grau X. nop peute für eine parmante g r a u ; aber in tprem Herrn ©emapt patte ip mip arg getäufpt. Er war nipt fo Pequem, als es ben Slnfpein patte.

Eines ©ages, ba i p ipm auf feiner ©reffe gu einer

©tunbe Begegnete, bte er für einen ®efup als gu toorgerücft

(24)

24 Briefe eines Sfunggefettett.

auffaßte, forberte er mig. SBir fgoffen uns auf einer ßilleu Sßalbligtung. ©eine ©efunbanten Waren ¿wei g m befremt«

bete Sabatterieofßjiere, bie meinigen ©gleinip, ber üBeiber«

fetnb auS bem Sinti=H>t)tuen, unb ein anberer VunbeS«

foKege.

©8 war ein ©nett mit bem bcnfbar glüdligßen SluS«

gange für mig. I . Würbe gar nicht bertept, unb i g erntete nur einen ©treiffguß in ben a r m , ber mir erlaubte, ben«

felben einen SDtonat lang in einer intereffanten ©glinge ju tragen, unb eine bon einem greunbe Jepr WirtungSboil fit«

lifierte ¿eitungSnotiä mit ber pifanten Überfgrift: „Cherchez la femme!" 3 g erhielt wöhrenb ber SBoge beS ©uetleS neun ©inereintabungen unb War Währenb breier ©age ©tabt«

gefpräg. @o eine tieine auffrifgung im ©ebägtniffe ber

©efettfgaft g u t mangntal not!

SDian muß es fig ¿ur aufgäbe magen, ftg nag beßen Gräften ju Behaupten. 3 g tummle mig nog immer, eigent«

tig nog mehr als früher, auf bem «ßarfett ber ©alonS;

benn — i g tanje Wiebet!

©ine hübfge nieblige grau frag mig eines abenbs ju Veginn ber laufenben ©aifon: ,,©ie tanjen nigt mehr?"

®aS „nigt" war Berechtigt; baS „mehr" war eine «Kalice.

atS ©emonßration habe i g an jenem abenbe wie ein eben ßügge geworbener ©pmnaßaß getanjt, unb feitbem Bin tg wie einß ber ©rße bei jebem Söaljer. 2Ran braugt eben mit neuuunbjWanjtg Sohren nigt ¿u tanjen; aber mit bret«

unbbreißig muß man eS, bamit es nigt heiße, man tanje

„nigt mehr!" . 3 g watje unb polfe Wteber. ©og bitte ig big, lieber

greunb, aus biefer SKitteilung feine unrigtigen golgerungen 3U ¿iepen — ig tanje sans conaequence. 3 g ßelle regel«

mäßig nag geganer arbeit bie geliehenen gräuleinS gren regtmäßigen Veßperinnen mit S a n ! jurüd.

©8 iß. erßaunlig, wie rafg bie ©enerationen im Vati«

faate wegfein! Von brei ju bret 3apren blüht unter ben

(25)

Briefe eint? SunggefeHen. 2 5

SKäbpen ein neues Vattgefptept auf; bie Herren paben etwas längeren (Beftanb.

»ber feiten peiraten bie Salitnettfpen untereinanber.

®aS (Dtäbpen berfpwinbet für ein ober jwei 3apre unb er»

fdpeint bann in bem ©aton mit einem Herrn, etwas un- geteilt, etwas uncioitiftert, ber ftp getangWeitt in eine Stfe tepnt unb bem man ben SBunfp bon ber Mafenfpifee ab- tieft: ' „ » p , Wär' ip nur Wieber gu Haufe!" ®ie Herren

©änger, wenn fie auSgebient paben, berfpwinben meift ganj bon ber (Bifbftäpe — fte Waren ja nur iprer tebigen (Beine patber gefitpt. (Diejenigen aber, Welpe Wtebertepren, bringen faft jeher eine gutgenäprte, aber fpüpterne grau aus ber

©robing mit, bie faum gu fprepen Wagt unb nur ängftlip bon ¿eit gu ¿eit mit berftoptenem (Blicte ben ©atten unb

©ebieter f u p t , um ftp gu bergewiffern, baß fie es ipm rept tnape.

Unb bie armen (Dtäbpen, bie ein Suftrum ober rnepr im (BaUfaale Überbauern? SDlan möpte fo gerne mit ipnen tangen — fte tangen ja fo ftper unb gefputt. »ber rnobon in ber ¿wifpenpaufe mit ipnen pfaubern? »lle erlaubten Siebenswürbigfeiten urib unberfängtipen »rtigteiten, Welpe bie (Regeln ber ©efetlfpaft geftatten, pat man ipnen fpon in ber erften unb gwetten ©aifon erwiefen! SffiaS nun?

Klan ftünbe in ©efapr, ftp gu wieberpoten ober ftp gu Weit toorguWagen. ®enn, Wenn fte baS jäpetn auf ben Sippen a u p nop fo trampfpaft fefipatten, gittert nipt immer un=

auSgefpropen bie grage burp: „SeSpalP fiepen bu unb ip, jebeS nop bereingett pter?"

Um alt biefen gäprtipfeiten gu entgepen, pufpen bie

©änger meiflenS feige an jenen »raten borüPer unb frifeefn ipre Mauten in bie Vatifarten ber gierlipen (Bgcffifpe, bie eben nop nipts Wollen als — tangen!

3 m »nti-Hpmen gab CS biefer ©age baS erjte ©rauer»

tapitet.

Einer bom Spot pat uns eine Eintabung gu fetner

(26)

2 6 Briefe eines Suuggefellen.

Stauung jufommen [äffen. S a ber Anjeige bie flipnitcr»

ten jepn gtafßen Champagner beigepadt Waren, ließ ß ß amtliß nicht® gegen ß n ß u n . Unfer Kneßlotat Würbe an«

läßliß ber geier f ß w a r j beforiert, unb mit bem ©tafe in ber Hanb h'Nt unfer ©roßmeißer eine fßWungboffe ©ebäßt«

niörebe. Er fagte ungefähr:

„Srüber unb ©enoßen!

SBir beweinen beute unferen Kameraben Karl Serner, ben ©Ott au® unferer ¡¡Ritte abberufen, al® feine ©tunbe gefommen war.

Er erlag einem ¡IRäbßen mit Wenigem gleifße, bielem

©emüte, fiinfjigtaufenb ©ulben bar unb einer gleiß höht"

©umme in Ausßßt.

¡Rißt wir allein trauern um ihn; unferen © ß m e r j teilt a u ß eine niebliße Ehorißin, Wohnhaft Sreitengaffe 87, 1. ©tiege, 3. ©tod, ©ßüre 11. 3 ß gebe bie genaue Abreffe für ben galt an, baß einer ber ©enoffen fein ÜRitgefißl perfönliß auSjubrüden willen® Wäre.

Karl Sernet War ein treuer Kamerab, ein lußiger Sru»

ber — möge ß m bie Kette leißt werben!

Sie feterliße p o c e b u r ßnbet am ©onntage in ber Ktrße ßatt. Sie Herren ©enoffen Werben aufgeforbert, bem ©ßet«

benben bie borlefjte Ehre ju erWeifen."

SBir tarnen ber Aufforberuug a u ß fämtliß am ©onn«

tage n a ß ; in gefßtoßener ¡Reihe marfßierten wir in bie Ktrße. Sie Seremonie war fßon im ¿uge. Anbäßtig laufßte bie ¡¡Renge ben SBorten be® greifen ¡prießer«, unb al® berfelbe an ben Sräutigam bie balsbreßerifße grage ßetlte, fagte biefer fein „ 3 a " fo fräftig unb ßtmmrein, al«

Wäre er nie im Anti=Hpmen gefeßen. Erß fpäter, al® ber Selinquent an un® borbeitam, fßlug er berfßämt bie Augen nieber; bie neugebadene ©ßwiegermama aber Warf un®

einen S l i d 3U, gewebt au® Sriumph unb ©ßabenfreube!

3 ß feßc im ©eiße, wie bu mit hämifßem Säßein meine

(27)

Briefe eines guitggefetlen. 2 7

heutigen Briefbogen bur<bblätterft, neugierig, oh tch bir benn nicht balb nteine regierenbe ^erjenStönigin borgeßen Werbe.

Sinn, ich haöe 8 « teine Urfache, fte bir ju berheintlichen.

©ie Siehe ig ein ewiger ¿iiubgoff, bon Welchem man wegen geuerSgefafjr nicht ju biel mit geh herumtragen barf. ®u fanng e8 mir baher nicht berühetn, bag ich ein gemeffen

©eil babon wieber abgegeben habe unb jwar bieSmal au Strabella, ©änjerin in ber ergen Duabrttte unferer grogen Oper.

Strabella! Siegt nicht fhon in bem ffbönen fchtanfen Stamen eine rbbthmifhe Bewegung? ©hmücft nicht fhon er allein feine ©rägertn mit aller ©rajie? Unb ganj entre noua : biefer Stame hat für mich eine befonbere Slnnehmticb*

ieit. 3 n meiner erften 3ugenb berfagte ich glühenbe ©o*

nette an eine Setta. 3cb h®6e ge aufbewahrt unb — ge*

bichtet mug Werben — ich Sann jept alte ©hlugreime auf

„ella" neu berwenben.

Strabella berbient, befungen ju werben. @ie hat ein Stumpfnäschen, graublaue Stugen, affhbtonbeS § a a r , einen roggen ©eint, ben jierlichgen gug, bte ileinfte § a n b — f u r j jene Sottettion bon Sieijen, Welche meinem ©efehntaefe fo ganj entfpricht.

„5fSuh, aber bc<h nur eine ©änjerin!" magft bu aus»

rufen. Strabella ig aber teine gewöhnliche ©änjerin. ©ie ift eine benfenbe ©änjerin. ©ie bebarf, wie fte mir ber»

gierte, täglich einiger ©tunben ©ammtung, unt über ihre Stollen nachjubenten, ba ge bemüht ig, benfelhen einen ge«

Wiffen ©eift ein3uhauchen. ©ie fann mich auch beSbalb ju ihrem eigenen Seibwefen nur 3U begimmten ©tunben em»

pfangen.

3ch ha6e mir bie SMlie genommen, Wieber einmal, unb reiflicher als bisher, über bie erhahene ©hor£>eit ber Siebe

nacbjubeitfen: ·

©er Sug einer ffhönen, Verheirateten grau ig gewig nicht 31t berahten; aber er ig boch nicht baS Stichtige. ®s

(28)

28 Briefe eines guitgaefeHeit.

fehlt ihm eines — bie Vchagligfeit beS ©enuffeS. SBie ßörenb war baS nur bei grau I . ! SBährenb bei fgweffenbe SKunb ß g feiig bergnügte, fgaute immer baS äuge nag ber ©hüte, hbrgte baS Ohr auf jebeS ©eräufg. ®a8 wirb für bie Sänge ber ¿eit unbequem.

SBie meißerhaft unb Wie beraufgenb jugleig weiß ba«

gegen Slrabella ihre Süße einjurigten! ©ie läßt als Oubev«

ture bie jWeiunbbteißig ¿ahne in ßkrabe äum SSorfgeine fommen; bann fpipt fte ben Keinen Sßunb, preßt bie So«

ratlenlippen auf meine Sippen, fgfiegt bie äugen unb iiißt

— unb füßt!

3 g mag'S nigt leugnen, lieber greunb, mein Herj fühlt ß g evfrifgt bon bem neuen luftigen geuer, baS barin tnißert.

Sflan mag eben fagen, Was man Will; bie grauenjimmer«

gen, foferne ße nur hübfg ßnb, bleiben bog ber reijenfcße

©getj, ben uns ©Ott in bie SBelt gepßanjt hat.

Wog eines:

3 g habe mein ©eßament gemagt. ©8 gefgah im an«

beginne meiner ©lut für arabella, an bem ©age, als mig Herr I . post festum für ihre Vorgängerin jum ©nette lub.

3 g Wußte ja bamals nog nigt, baß bie «ßißote beS Herrn X. fo rücfßgtSboll gegen mig fein werbe,

aifo mein lepter SBille:

Von außen unb innen fott mein ©arg mit Siefen ge«

fgntücft werben.

auf baS erlaltete Herj fott man bie Vriefe meiner lep«

ten ©eliebten legen; an ber frifgen ©inte werben biefelben erfennbar fein. .

¿ u meinet Veerbignng fott baS ganje VattetteorpS ber Oper auSriicfen. ©ie V· 21- Vatterinen haben WeißgeKeibet mit gacfeln in ber Hanb ju beiben ©eiten beS ©rauer»

Wagens ju fgreiten.

©ie Seigenrebe tß bom ©roßmeißer beS anti«Hpmen ju halten, ber gewiß beßrebt fein Wirb, alle meine Verbienße ins gehörige Sigt ju fepen.

(29)

Briefe eines (jurtggefettetl. 29 Sen Hauptteit meine« iBermögett« beimäße iß metner

angebeteten Arabella. ·

¿ u r Heranbilbung bon ßrebfamen ffiattertnen ervißte i ß eine «Stiftung.

¡Keinen ©enoffen au« bem Anti«Hpmen teftiere iß fin- nige Anbeuten.

Sir, meinem Sfugenbfreunbe, tri ferne iß — na, tß fage bir e« lieber nißt — woju fottte iß bir ben S a n t für ein

©efßent abnötigen, au« bem nißt« geworben unb, fo bie Sorfebung e« erlaubt, noß lange nißt« Werben Wirb?

. Sein Spcobor.

SeSitißciert.

. . 24. gebruar.

Steber © h e o b o r ! ·

Seit ¡Beginn biefe« ¡¡Sinter« jcßle iß ju ben am meiften gentiebenen Seuten ber Stabt. • · •

¡Keine brei Kinber — iß beftpe jept einen ¡Buben unb jWei ¡Käbßen — lagen naßeinanber an ben ¡Käfern fea- nteber; tanm baß ba« eine gena«, ertrantte ba« attbere!

3efst Wären Wir, ©Ott fet e« gebantt, über ba« Ärgftc Hinaus, leben aber noß immer bort aller SBelt abge«

fßloffen.

Ser einjige ¡Bertehr, weißen Wtr genießen, iß ber mit meiner ©ßwiegermutter.

. S a ß e« mir fonaß an Stoff ju angenehmen ¡Kittet«

lungen mangelt, wirß bu begreifliß ßnbett; bie Kiirje meine«

heutigen ¡Briefe« bebarf be«halb Wo|l feiner Weiteren Meßt«

fertigimg.

(30)

30 Briefe eineä Simggefettett.

SlpropoS — bu wirf mir top, wie i p poße, tiipf bor»

entpatten, mit Wem bip bie „göttlipe Slrabeffa" pinter»

gangen pat?

greunbfpaftlipß beirt

©auf.

8 u meinem günfunbbreifjigften!

SiePer © a t t l !

3 m berßoßenen S i n t e r einmal fam i p aus bem be»

paglipen home einer befreunbeten gamilte bei bottem ©ageS- lipte n a p Haufe. Unwiüfürtip blieb mein Slitf an meinen eigenen bier S ä n b e n paften, unb i p Pemerlte gum elften- mal, baß biefelben nadt Waren. Ein ©efiipl, palP © p a m palb Metb, iiberfam m t p ob biefer Madtpeit. SeSpatB aber War fte mir a u p bisper nie aufgefallen? Mop am nämlipen

©age ging i p gu ©apegterer unb Vilbpauer unb ©etorateur, unb bie pngen nun batb an, an meinem Mefle gu bauen, gu pämmem unb gu meißeln. ES gab ein Sannen, baß es mir ©ag unb Mapt in ben Dpren fummle.

©ann ging i p in bie fiaufläben unb fupte alle bie Sfeinigteiten gufammen, bie bagu bienen, einer Sepaufung

© p m u d gu berleipen. S o immer i p aBer borfprap, betonte i p : „E8 gep»Brt für eine ©arponwopmmgl" Unb i p fupte mit Vorliebe n a p jenen ©pecialitäten, Wetpe einer fotpen Heimftätte ba8 ©epräge geben, n a p S a ß e n unb ©pilben, n a p Mpmppen unb ©öttinnen mit teipter ©ewanbung,

©tatuetten bon jener ©orte, Wetpe in ben Kunftpanbtungen niemals in ben »uslagefaßen gu treßen iß. 3 p taufte eine gange (Menge unb arrangierte atteS, jpob bann in jebe Ede einen Maupßupl, pßangte babor einen langen ©fpibu! unb

(31)

Briefe eines gnnagefetfen. 31 ftettte fo biet älfhettbeher auf, als ih nur unterbringen

tonnte.

„3th," bähte ih, „tnarunt foßte benn nicht auh ein §age=

golj es ju ffiege bringen, fth ein angenehmes home ju jiinmern?" Sine ©aifon lang hatte mth biefe Slrbeit in SItem gehalten unb angeregt. Unb als fie fertig War, wiegte ih mih in gotjem ©elbggefübte in meinem ©hauietfhhle, erfreute mich an ber prächtigen ©tudatur über meinem Raupte, an bem Bärenfeße unter meinen gügen unb fagte ju mir, bag aßeS gut fei.

Stber eS war niht aßeS gut; benn wenige ©age nah«

her tag eine bide ©taubfhihte über meine ganje $errlth=

feit gebreitet.

llnfere alte Babufhfa war auf StippeS niht eingerichtet.

3 h pengonierte benn unfere brabe, atterSfhWahe ©ienerin unb engagierte eine SJBirtfhafterin, ein gefhidtes, robufteä grauenjimmer, baS mir beftenS empfohlen War.

®te fäuhert nun unb fhafft ben ganjen ©ag über. SDieine ffiohnung ig fpiegetblant; bie genger gnb fo rein, bag ih jept ganj gut burcb biefelhen auf bie ©trage fehen fann, was früher niht immer ber g a ß War. Unb ge nimmt g h niht ttur ber ©ifhe unb ©hränfe bon äugen an, ge maht auch Orbmtng in ihren tBegänben. ®er Suganb meiner SÜBäfhe erregte Bei ber Übernahme ihre boße Berahtung.

©ie fprah mit mir wohl niht barüber; aber ge wugte es einjurihten, bag ih immer baju !am, Wenn fte burh ein Soh eines metner ¿anbtüher n a h ber ©ottne lugte, ©as aßeS liegt jept tabelloS, forgfältig gefhlihtet, mit himmel*

blauen ©eibenbänbern gebunben, in ben wohlabgegaubten gähern.

Steh, ge wäre bie jufriebengeßenbge Berfon, wenn ge nur auh hr e «htungSWerten Seiftungen mehr piano be»

fotgen Woßte. 3hr fttarrenbeS ©huhwcrf unb ihre japp=

(igen jöärtbe rumoren ohne Unterlag um mih he rum. ©as aber fhetnt getragen werben jn müffenl

(32)

3 2 Briefe eineä SunggefeHett.·

©gon feit bem berßoflenen grigjahre, ba meine Gin«

rigtung bottenbet War, habe i g mange ©tunbe mehr als borper in meinem Heim jugebvagt, unb feit bier SBogen haben fig biefe ©tunben unt ein VebeutenbeS bennehrt.

GineS ©ageS legte i g mir bie grage bor: g ü r Wen arbeite i g ? g ü r meine befgeibenen Sebensbebüvfniffe iß geforgt. ©oll i g mir nog bie ginger abmühen, um tagen«

ben Grben ihr Kapital ju mehren? ®a8 Wäre fünbhaft!

©er Gntfglujj War r a f g gefaßt unb r a f g ausgeführt: We«

nige ©age banag pabe i g meinem Sirnte Sebewohl gefagt.

©en Überfguß an freier ¿eit, ber mir Würbe, beibringe i g metß in ©efettfgaft bcn Sluguß ©ohn. 3 g erinnere mig, baß bu einß ßügtig feine Vefanntfgaft gemagt. Sluguß iß jept mein SntimuS. ®u braugß aber nigt eifevfügtig ju fein; ig betragte Stuguß nigt als greunb, Wie bn mir einer warft. «Kit g m berbinben mig ja nigt Wie mit bir taufenb frigtige Grinnerungen, mit ihm habe i g nigt baS Wöhr beS SlaffentehrerS geteilt unb nigt ben ©anbhaufen, auf Weigern i g in ber Wüßung bon «(Joppe meine evßen

©glagten fglug. Slber ein Sunggefetie, ber ß g als folger bauernb feßhaft magt, braugt einen fogenannten SntimuS.

©aS iß lange fein greunb, nur eine Gvgänjung beS eigenen 3 g . S)er SntimuS beßreitet bie Hälfte beS GonpeS beim SBettrennen unb bie Hälfte ber Soge im ©heater unb parti«

jgiert an ben GoubertS im Weßaurant. ¿ u feigem ©e«

fährten erfgeint Sfuguß bürg 3Wei Gigenfgaften herbor«

ragenb beranlagt.

GrßenS iß er mager; er Bejaplt bie Hätfte unb abforbiert bog Weniger Waum unb ©toß afs ein anberer. ¿Weitens iß er berfgwiegen. Gr iß nämlig bon feinen eigenen «üben«

türen fo erfüllt, baß er nie agt giebt, Wenn i g ihm bon ben meinen ergäple. SBir ßnb fo, ba i g mig bemühe,

©IeigeS mit ©teigem ju bergelten, in bie angenehme Sage berfept, uns ßunbenlang ausfpregen 31t fönnen, optte bie minbeße ©efapr einer Snbisfretion.

(33)

Briefe eines Sunggefellen. 3 3

• Sie Abenbe »erbringen Wir nur jum ©eile gemeinfßaft*

liß, entweber im ©beater ober im Anti=Hbmen, bem Auguft a u ß — al« einer ber ßitten Brüber — angehört. ¡Kanßen Abenb gebe i ß in ©ejettfßaft; i ß jieße jeboß bie Abenbé en petit comité benen in weißer Krawatte bor.

Sie weiße Krawatte, riefe« gragment Battiß, weiße«

wir bei allen geftlißfeiten erßer Klaffe bem Weibiißen @e=

fßteßte gegen alte feine Brillanten unb Berten, feine Blu- men, ©pi(jen unb entblößten Kaden entgegenfefjen — iß babe e« fßon fo oft angelegt, baß i ß nur me|r wiberftre»

benb banaß greife.

SBie wäre e« berat, Wenn einmal ein ¡Kann ber ©efell- fßaft ein ©agebuß auf weißen Krawatten fßriebe? Er Hätte bom erften ©ßritte angefangen, Weißen er in bie SSelt ßut, fein fäuberliß auf jeber Weißen Stnbe 31t berjeißnen, mit weißer Hoffnung ße gefnüpft Worben, Wa« ße am Abenbe erlebt, mit weißen ©ebanien fte bei ber Hettnfebr gelöft Würbe.

2Ba« für überfißtliße, lebrretße ©tatißif gäbe ba«!

¡Kir fam biefe 3bee 3U fpät in metner ©efettfßaft«- farrtere, um fte ju bettüpen; aber einem beranwaßfenben 3üngltnge mößte i ß ße unentgeltliß jum ©ebranße an bie Hanb geben.

SE8e«balb i ß biß mit biefer fßwermütigen Betraßtung über Weiße Krawatten beläßtge? SBenn tß ebrliß fein fott

— nur, um ein ©eftänbni« binau«3ufßieben, Weiße« mir in Erinnerung an betne faußifße Bropbejeiung fßwer fällt;

aber fßlteßliß muß e« boß gefßeben!

3 a , Baut, bie „göttliße Arabella" bat miß fßänbliß bintergangen! Bei einem ungefßidten Pas in einer ber

©tunben ßrer ©ammlung — ober i ß Witt beutltßer fein:

in einer ©tunbe, weiße fte mir burß ein Berfeben im Bro=

gramme-al« · eine meiner'©tunben bejeißnet batte, rutfßte ein Attaße' ber fransöftfßen Botfßaft an« ©ageSlißt. 3 ß maßte bem Attaße eine böfliße Berbeugung, nabm aber jur gleißen ©tunbe bon Arabella einen Abfßteb für immer!

3

(34)

34 . Stiele eine? SiDiggefetlen.

S a S tpun? Vetrug peißt baS päßlipe SDetiCt, welpeS unfereinem bei allen »ßatren in feiner HerjenSprayiS in ben S e g tritt. EntWeber einen Epemann pintergepen ober bon einem S e i t e biiptert Werben — ba8 iß bie Karte, rot ober fpwarg, bie baS ©pidfal uns guwirft. llnb Sroupter

»mor mit feinem bertogenen ©feile jiept ben Einfafe regel- mäßig an ftp. ¿ w a r jebeSmat, wenn berfetbe berloren ge- gangen, berpängen Wir in unferem ¿immer fpleunigß, Was nur im entfernteßen an baS berbammte grauengimmerbotf erinnert; Wir tefen im ©popenpauer atfeS nap, Wa8 gegen ba8 SeiP gefprieben würbe, unb bellagen bie eine Mippe, bie »baut an Sba abtreten mußte, ©o gept e8 a p t ©age,.

gwei S o p e n lang. ®ann plöfeitp iß Wieber eines ©ageS blauer Himmel, bie VBgel gwitfpern, bie ©onne l a p t , ein fpüiteS »ugenpaar freugt unferen S e g , ein begeprenber Vitt!

taupt in ben unferen — unb bie gefammelten Erfaprungen eines M e n s fpeirien bergeffen, ins MiptS berfunten!

(Mir perfönlip paben bon KinbeSbeinen an bie Selber nur ÜbleS gebrapt. Eriimerß bu bip an beS ©pulbienerS Sätppen, WetpeS manptnal burps genfer ins Klaßengim«

mer lugte? ©ie War ein fpöneS, pocpbußgeS grauengim- mer, unb baS würbe mein VerpängniS. 3 P pabe KätppenS Steige gegeipnet, wäprenb unfer ©rofeffor ben pptpagoräifpen Seprfafe bortrug. »IS ber ©rofeffor n a p meinem Hefte fpielte, fupte t p bie ¿eipnung mit ber Hattb ju berbeden; aber KätppenS Sufen War nipt gu berbeden unb er erfpien fo üppig runb, baß unfer alter ©ebant tpn trofe all feiner Surgfiptigteit nipt für ein ®reted palten tonnte, ¿wei

©tutiben Karger um bie fpöne KtittagSgeit — baS War ber Sopn bafür, baß t p ßatt ber Ktatpematif Maturwißenfpaft betrieben!

S i e biet ©pabernad paben mir feit biefem erßen wie- ber unb immer wieber bie Seiber gejpielt! Unb trofe alte- bem fann unb mag mein H«g ipnen baS Quartier nipt fünbigen. ©egenwärtig gwar iß es nipt einmal beßnitio

(35)

Briefe cineä gimgaefelTen. 3 5 befept; aber eine rtieblicpc Bupmacpertn aus ber Borgabt

bat alle SluSght, bemnähg eingehen ju biirfen. 3 b « Jter»

liebe ©eftalt, ihre lieben, nihtSnupigen Singen haben es ntir angethan. ®abei fepeint fte einfach unb anfpruhStoS ju fein; e8 wirb weniger SieheSpräliminarien bebiirfen.

greilih ig e8 nur eine Bupmahertn. Siber fo Witt es ber Sauf ber SSelt: SDtan lieht 3unt ergenmal mit fehjehn Sahren — bie erge ©hürje, Ber man ttadpläuft, ig gewöhn»

lieh Seine jeibene — man geigt bann langfam, fiufenweife mit feinen Sinfprüdpen hinan, man erflimmt ben ©ipfel unb geigt bann, nur in r a r e r e m ©empo, jwet ©tufen auf ein»

mal nehmenb, wieber hinab. 3 h begnbe mih bereits sur le retour: Haltgatton Bupntaherin. ffiirb bie gute kleine mir einige Bofen ins Seben greuen — unb wer wirb ihre SRahfotgerin fein? Unfer groger ®ihter fagt: -

„grommt'S, ten Soleier aufaube&en ' SBo baS natje ©cprectrtiS broljt?

Bur ber grrtum ift baS Seben,.

Unb baS SBigen ift ber SCob!"

Unb wenn eine a u h baS rihtige $ e r j für unferetnen mithringen wollte — wir glauben es ihr ja niht mehr;

baS 3beat ig jertrümmert. 3ebe, bie ba neu erfhetnt, Was ig ge uns anbereS, als eine neue ilartenbame in bem Hajarb»

fpiete beS Sehens? „Stur immer frifh gemifht, Baniier

¿ufatl!" rufen wir unb fhieben ben immer geringeren ©in»

fap auf ein neues, noh niht berfuhteS Blatt! —

¿ u m ©bluffe noh eine grage: $ältg bu auf ©räume?

3 h fr®ge, weil th iüngg einen gar feltfamen ©räum hatte:

Bon einer heftigen ©rippe befallen, lag th mit heißer

©tirne in meinem neuen grogen Himmelbette. ®ie Singen ffelen mtr ju; ba — fcpwebt im ©räume auf lautlofen ©oh=

ien eine wunberholbe graüengegalt an meine Sagergätte.

Stuf bem reijenben fiöpfhen gpt ein bufttgeS ©pipenhäub»

hen, um bie fhlanfe ©attte ig eine blütenWeige Sapfhürje gefhlungen, unb baS eine ber beiben Weihen, mit ©rübhen

3*

(36)

3 6 Briefe eitteä Su l l8 3eiet t e n .

gejierten Händigen birigiert mit unnagahmliger ©rajie eine

©äffe gtieberthee an meine Sippen. 3 g trinfe folgfam unb, wie i g bei biefem Sinlaffe bie Keine Hanb näher betragte, [ehe i g an ihr einen breiten goibenen ©ranring glänjen, unb barinnen War mein eigener Käme grabiert. Run hätte ig Wohl erfgreden fotten; aber — i g erfgrede n i g t ; i g flöße baS ©raumwefen a u g nigt bon mir. Kein, im ©e«

genieite, i g brüde es regt, regt feft an mig — ein be=

feligenbeS ©eßgl burgjieht mig — „Hab' ©anf, geliebtes SBeib!" rufe ig laut — aber teiber fo laut, baß i g bar«

über aufWage. ©er ©räum War jerfloffen!

Wm nägften SKorgen fonfuttierte i g nog in jiemliger

©rregung ob biefer Vtßon meinen HauSarjt. ©r lägelte nur unb meinte, baß folge KranfheitSerfgeimmgen bei

©arpottS, wenn fte einen ©ag HauSarreß haben, öfters bor«

tarnen, aber bon fetner Vebeutung Wären.

«Kein a i j t behielt regt. Vinnen furjent fühlte i g mig wieber frifg unb gefunb.

©ein alter gretiub

• • · ©heobor.

' 24. gebruar.

Sieber © h e o b o r !

auf ©räume halte i g nigts! ©teS als antWort auf beute grage. ©agegen rigte i g an big eine grage, bie aber fetner bringenben antWort bebarf:

Könnte man nigt bie Regierung baju herhalten, ebenfo wie für «ßodentranfe aug für bie erßen gingerübungen beim Slabierfpiele ein Varadenfpital außerhalb beS ©tabtgebieteS ju errigten?

Sßte i g barauf fomme? «Kein ©ögtergen iß bereits feit einigen SBogen mußfatifg; bie Varaden ftnb nigt er»

(37)

Briefe eine? ¡gunggefetleii. 37 baut — mein ©ößterßen iß baber auf unfere SBobnung

angewiefen. n

¡Keine liebe g r a u benit, baß biefe Übungen mir Ber»

gnügen bereiten müffen, unb i ß nehme Anftanb, ber ®uten bte Sttnßon su ftören. Sreißigmal bie ©lala in C « S u r babe i ß ausgebalten; bann aber maßte i ß m i ß unter einem

BorWanbe an« bem ©taube. · Borliegenbe« Bittet iß an« biefem ©runbe im Kaffee»

baufe gefßrieben — entfßulbige bamit ba« Bleiftiftgefripel nnb bie tnappe gaffung.

©ein Baul.

©gtoafienoerflanbeä = SKenbetag.

S t e h e r B a u t !

K ä ß einer burß m i ß berfßulbeten Banfe bon fünf Sab»

ren erhielt i ß beute beinen telegrapbifßen ©lüdtounfß 3U meinem bieQigßen ©eburtstage. Habe S a n ! für beute Auf- merffamfeit.

Bier3ig Sabre! ©bn' mir ben ©efatten, biefen Brief 3u jerreißett, 3U berbremten ober fonftwie unfßäbliß 3U maßen. 2B03U braußen anbere einen Etnblic! in raeine loierjig Sabre 3U nehmen? S i e Bierjig ßnb ba« Irttifße Alter be« @ar$ort«; man leugnet nißt bie erreißten ©reißig, man brüßet ß ß mit ben günfjtg, wenn man bi« babin noß ßramm erfßetnt — aber bie Sierjtg geßebt man nim- mer gerne 3n.

3 n ©parta würben bte bierjtgjabrigen Snnggefetten 3Wang8Wetfe berbeiratet; unfere ©efepgebnng bat einen fol«

ßen Barographen n i ß t aufgenommen — bte mobernen

©arfon« }eboß halten, bem eigenen Srange fotgenb, bor bem ©renjpfable „Bterjtg" mit naßbenllißer ¡Kiene ßttt.

(38)

3 8 Briefe eineä SunggefeHett.·

¿ u langer Überlegung iß bie ¿eit gu Weit borgefpritten.

Kopf ober S a p p e n ? Unb ein großer ©nipp nimmt paßig, mit brei Aufgeboten in einer S o p e — bamit es ipn nipt borfpnett gereue — ben S e g n a p repts gu itgenb einem ßitten, matt beteupteten ©raualtare. ®ie übrigen tappen Weiter ins Staue auf bem Sege gut Sinfen, auf bern Sege

„»dein".

SIBer a u p bei jenen, Welpe bie Krife iiberßepen, boll- giept ß p eine eigentümtipe Sanblung. ®ie einen mapt ipr Sliter fecf, bie anberen mapt es gapm. Sitte Setter, (ieper ©aut, i p fürpte faß, baß i p gu ben tefeteren gäpte!

Klein Seben fließt jefet ßitl bapin; bas iß a u p bie ein- gige Meptfertigung, Welpe i p ber langen ©aufe, bie i p in unferem Sriefmepfel eintreten ließ, gu geben paPe. 3 p pätte bir ßperlip gefpriePen, Wenn i p aus biefem Seben opne Setlenfptag bir etwas gu ergäplen gewußt pätte.

Unb wenn i p es rept Pebente, barf i p bem ©pidfale ob biefer Einförmigfeit nipt einmal gram fein. Sin 3ung- gefetfe barf es nipt anberS Wünfpen. ®ie großen greuben unb bie großen ©pmergen — bie Ereigniffe im Seben — taugen nipt für ipn; benn er müßte ße allein tragen. S e r fottte a u p an tpnen teitnepmen? ®ie greunbe, guter ©ott, bie gäpten nipt. ®ie Klänner in unferer .ßurmbewegteu

¿eit, bie paben jeber mit ß p felbß übergenug gu tpun. Unb bie greunbinnen?

SS iß Wopl riptig, jeber ©arçon beßfet greunbinnen, eine ober bie anbere Iiebenswürbige g r a u , welpe ipm mit weiper «Stimme einmal ober wieberpott berßperte, baß ße an feinem ©pidfale warmen Slnteil nepme. 316er biefeS rege Klitgefüpl perrfpt nipt alle ©age bor. Klan barf mit feinem überholten Hergen eine fo gütige grau nipt am (Mon- tag beläßigen, an bem bie große S ä f p e ipr ©orge mapt, nipt am Klittwop, an Welpem ße ipren 3our pätt, unb nipt am greitag, Wenn getabe bie umfaffenbe ©äuberung im ©aufe ßattßnbet. Unb weiter muß man a p t paben.

(39)

Briefe eines SutiggefeDeii. 3 9

baß einem etwa« fo regt «KitteilungSbebürftigeS nigt an einem Sage jußößt, an weigern bie greunbin eine neue

©oilette betfugt, an weigern ipr Heiner HaitS an einem

©gnupfen laboriert, an weigern eine ©oiree in ©igt iß ober an Weigern bie Kammerzofe geWegfelt wirb. Unb ba bie

«Beobagtung aller biefer ©efepe unb RuSnapmSgefepe uit«

leugbare ©gwierigleiten pat, iß es fgon beffer, Wenn unfer Seben ereignislos bapinßießt, wenn Korn um Korn tn un«

ferer ©anbupr in gleigmäßigem ©empo abläuft.

«Kein äußerer SKenfg pat ß g Wäprenb ber lepten 3apre Wenig beränbert. 3 n jebein Sapre bei ßetig wagfenber

©tirne einige neue ins Slntlip geripte Sinien unb ein ober jWet ©entimeter mepr um bie ©aille; ber peurtge Sapvgang pat mig aber mit ben erften ©ilberfäben an ©gläfen unb Kinn überrafgt.

Sie erften Weißen Haare ßnb eine unangenepine «Kap»

nung, Welge um fo füplbarer wirb, als man fte oft im Saufe etneS ©ageS ein palb Supenb «Kai JU pören beiommt.

©iebt es bog unter ©otteS ©onne feine ©gabenfreube, Welge ß g fo unberblümt äußert, als jene beim ©rfgeinen biefer erften HerbfteSjeigen! 3eber Vefannte, ber einem auf ber ©traße einen „@uten «Korgen" bietet, ßrecft ben

¿etgeßnger nag ipnen aus unb ruft mit einer ©ebärbe, als pätte er eben ein neues SBeltwunber entbedt: ©gau, fgau!

©od man im Veßpe folger ©ilberfäben nog «Bälle be«

fugen? Kein, ©arum pabe ig aug ben «Ballfaal auf»

gegeben, ©in borßgtiger ©arçon fottte ß g eigentlig bei»

jeden für bie 3apre, ba er ß g für bie «Blume im Knopf»

log ju alt bünft, irgenb ein Verbienß um Sippe»©etmolb ober «Konaco ober fonß einen ©taat, ber einen Orben an einem roten «Banbe (bie anberSfärbigen Heiben minber bor«

teifpaft) ju berleipen pat, erwerben, ©entt als SBanbbefo«

ration mit Bbem Knopfloge fpielt man eine fläglige Wolle.

SBäprenb meiner «Blütejapre pabe ig ju päußg ©in«

labungsliften rebigieren gepolfen, als baß ig biefe gragc

(40)

4 0 Briefe eineä SunggefeHett.·

nicht richtig su beurteilen toermis<hte. STuf einer foldjen Cifte begnben fth — ich rechne mit ber SurcbfhnittSsiffer — hunbert ißerfoiten: einige ffiupenb ©anäbeine, bier bis fünf fhöne grauen, bie nicht tansen, (eipS his geben mehr ober weniger berborragenbe ©hriftgetter unb Äüngler, acpt bis 3ehn OrbenSträger unb eine Brimabomta, bie bor bera S o u - per eine Slrie su gngen pat. ®as gnb bie fünfsig Seute, bie man labt, weil man ge laben will; bie übrigen gnb jene Seute, bie man laben muff. Unb Wer gnb biefe? ©ie

©arbebamen, bie gamilien, Weihen man Rebanipe fcpulbig ig, etlihe BerWanbte, bie man nicht brüstieren barf, unb bie paar Herren, bie eigentlich 311 nichts mehr taugen, Wethe man aber, ba ge fhon feit jwanjtg 3<hren auf ber Sifie gehen, niht gut greihen tarnt. ®te ©iniabungen an mih Werben wohl nur mehr auf ©runb beS jutept angeführten

©itels erlaffen; ih banie immer berbinblihfi, giligere ein

höfliches Bebauern unb bleibe ju Haufe. ' 3 u Haufe? Kein, baS eigentlich niht. 3 h bemühe mih ia 8e n u8i a u h n u r № e n' 8e ©agesfhtnben ju Haufe ju bertänbeln. Sott ih noep meine Slhenbe mit mir allein berträumen? greilth, meiner SBirifhafterin Wäre baS ganj genehm.

©S ig 3U heiter mit anjufehen, Wie biefe brottige Berfon für meine ©olibität beforgt fheint. SBürbeg bu es glau- ben, bafj ge mir Briefe bon grauenbanb abrefgert — eS fommen bereinjelt nocp immer weihe — nie mit ben übri- gen sunt grühftüde hereinbringt, fonbem baff i h foltpe im- mer abfeits auf meinem ©hreibtifhe liegen gnbe? 3 h wogte fte fhon wieberbott barob jur Bebe gegen; aberjebeS- mal, wenn i h mih jum Berweife anfhidte, War tcp einem Sahframpfe nahe.

©benfo belugigenb wirft ihr Bemühen, m i h ®n 8 Haus ju fegein. Sffienn ein paar Regentropfen fallen, fagt fte

„©8 fhüttet"; bei einem ©rabe unter Kutt ersähtt fte, bag eben fentanb auf bem ©latteife ben gug gebrohen habe, unb

(41)

Briefe eine« gunggefellen. 41 fßeint einmal bte ©onne, Brummt fie etwa« bon einem

©irocco bor ß ß bin, Bei weißem man leinen £ u n b bor bte ©büre fßtden foHte. 3 ß Hätte bte Kärrin längß ent- laffen, wenn fte nißt fonft fo überaus berWenbBar wäre.

Aber i ß wollte bir ja nißt bon meiner bäuslißen ©onna, fonbern bon meinen ABenben fpreßen. ¡Kit einiger ¡Kübe Bringe i ß fie noß anffänbig burß; manßmal mit Anguß Bei einer ¡Partie p t e t t ober im ©beater, manßmal, aber nißt ju oft, Bei einer befreunbeten gamilte unb einmal wB«

ßentltß im Anti»Hbmen.

3a, nur einmal Wößentltß im Anti-Hbmen! Unb ba«

iß fßon faß mebr als genügenb; benn er bat biel bon fetner Anäiebung«lraft eingebüßt. Keue ¡Kitglieber würben nißt gewonnen — unb bie alten?

©er Heine ©batberg bat noß immer ba« unberänberte

©ßersrepertoire; er fprißt noß immer mit bem Bterjungen engltfß. @8 Wäre bringenb WünfßenSWert, baß fein SBß eine neue Kurtimer erfänbe.

Momberg le beau legte ftß einen ©ßmerbauß an. Sffite abgefßmadt ba« Hingt, Wenn ber alte fetße ©efetle n a ß wie bor bon Siebe«abentüren erjäbltl ©u magß einwenben, baß t ß ja a u ß noß manßmal bon berartigem fpreße; aber erßen« tneffe t ß um bier Zentimeter um bie ©aille Weniger unb bann bin i ß ein gute« Halbe« 3abr jünger al« Mom- berg. ©ßlteßltß aber — um ernß ju fpreßen — erjäble tß meine Heinen Auäfßreitungen nur bir, nißt aber auf offenem ¡Kartte.

©ie Menommage Sinben« mit feinen artßolrattfßen Be«

lanntfßaften fängt an, jebetn bon un« bebenlliß jn Werben.

üBtr Waren Wieberbolt ¿eugen, Wie manßer ber Hoben Her- ren, ben er al« feinen bertrauten greunb bejeißnet Hatte, Wenn er ß n auf ber ©traße traf, eine bartnädige Kurj*

ftßtigleit an ben ©ag legte. Auß fßeint un« bte ganje Eft*

ßenj Stnben« eine preläre. grüber aßteten Wir nißt barauf, aber mit ben 3abren Wirb man ja borftßtiger tm Umgänge.

(42)

4 2 Briefe eineä 3l l nf l 0eieR e u .

Vet Dr. ®öring unb Dr. Hotber, unfereit jwei »bfco- taten, paben wir uns im ftitteri oft bie grage borgetegt, 06 fte e8 bentt nipt paßenber ßnben Würben, ipre unerquidltpen jurtbifpen ®iSputationen anbern DrteS abjupalten. Meben- bei iß (Döring etwas fpwerpörig geworben. (Du rnagß be- greifen, baß btefer llmßanb baS »müfement für uns arme

£aien nipt erpöpt.

Unfere VerjeprungSfünßter beWäpren nur mepr fpeinPar bie alte (Meißerjpaft. ©töber fpiebt pinter bem Müden feines Mibalen Hanfe öfters eine (Meßerfpifee Natron bicar- bonicnm in ben (Munb, unb Hanfe gießt, wenn er ß p bon

©töPer unPeaptet Weiß, Wieberpott S a f f e r in feinen S e i n . S i r ßnb fo rüdßptSboff, feinen bem anberen ju berraten.

®en ©pleinife pat baS Sprengeript beS SunbeS als imwürbig auSgefploßen. SS würbe ipm napgewiefen, baß er, ber Seiberfeinb par excellence, feit fünfjepn Sapren peimtip auf greiersßißen ging unb baBei ein ®ufeenb nieb- Iiper Körbe eingepeimß pat. ^

Von ben übrigen VunbeSgenoßen iß n a p "wie bor wenig ju beripten. ©ie paben mit ben Sapren an UnterpaltungS- gabe nipt gewonnen.

®ie ®auer ber Verfammtungen paben wir um ein S e - fentlipeS getürjt. „Enbe um 12 llpr" peißt es; aber manp- mat berlaßen wir bie Vube a u p nop ftüper. ®er Maup unb bie Hipo in bem bumpfen ©etaße bebrüden »uge unb Sunge. Epebem paben Wir baS nipt fo geßiptt.

©omit pabe i p bir baS ganje Vitb meines fefeigen Se«

benS entrollt; bu rnagß barauS ertennen, baß es nipt ju farbenreip i|i. »ber es pat nop immer ein paar püBfpe

©üne, unb Wenn a u p biefe berbtaßen, ßept es mir roopt immer frei, bem bifpen Meß mit Hilfe ber jierlipen ©tßole, wetpe ba über meinem ©preibtifpe pängt, ein rafpeS, rein- ItpeS Enbe ju bereiten.

®ie ©iftote iß ja baS große, bietgerüpmte Vorrept ber (Männer, bie opne Kitib unb Kegel burp bie S e i t bummetn;

(43)

Briefe eines Sunggefeffeii. 43 fie bürfen fte an jefcem ihnen beliebigen ©age in Rition treten laffen, ohne ©efapr ju taufen, einem Kal;eftehenben bie ©aifon ju berberhen. 316er borbethanb, Wie gefagt, bente ich n oh niht baran. 3 h tenne fo Biel herrlichen ¿eitber- treib auf ber ©rbe, Weihen ih noh manhntal genießen mühte: ©inen Ritt ins ©rüne an einem leuhtenben griib- lingSmorgen — ein föftliheS Riehl im Streife luftiger ©e=

fetten — eine Sahnfahrt auf fhaufetnben Sellen in fhöner Rtonbnaht unb — last not least — fg (Sott mir'S ge- wahrt — ein wenig Siebe!

©enn, guter Baut, bu ntagft es einen 3'n'Waim nennen, aber noh immer glaube ih, baß bie Borfebung noh el"eu folhen ©lücfsgrabl für mein altes Herj aufgehoben hat.

Riantegaga, ber große g a h m a n n , in beffen Serien ih heute blätterte, hat Wohl btefer Bhantage frifhe Rainung gegeben. 3 n feinem Buhe fteht es fo berheißungSbott:

„®ie beibeit ©efhtehter geben ß h manhmal Unterricht in ber Siebe mit einer rührenben Sehfelfeitigleit. ®er Süngling lernt bie Siebe Bon ber grau mit breigig Sohren, unb ber bierjigfährige Rlann lehrt ge baS fehjehnfährige Rtäbhen." . . .

R h , ' h hatte nicht übel Sug, fämtlihe ©ehurtSregißer in ben Sirhenämtern burhjugäbern — um fo eine geleh- rige ©hülerin für mih ju entbecien.

©ein unberhefferliher

. ©heobor.

(44)

4 4 Briefe eineä SunggefeHett.·

24. gefcruar.

Sieber ©peobor!

® u «ppantaß bejetgtieß big ganj rigtig als unberbeßer«

lig. aber was bir feplt, iß bie arbeit. 3 g pabe über einen folgen SJiangel nigt gu Ilagen; meine Vefgäftigung meprt fig täglig.

¿ u ädern übrigen ßubiere ig jept mit meinem «Buben,

© u fatmß bir feine Vorßettung babon magen, Was bie armen «Burfgen ßg jept eintrigtern laßen müffen. Unb babei ßnb bie Seprer fo ßrengel 3 m borigen ©guljapre mußte mein guter 3unge wegen Kagprüfung in einem @e=

genßanbe bie geriett in ber ©tabt jubringen — felbßber*

ßänbltg wir mit ipm. ©amit baS nigt Wieber pafßere, helfe i g ipm nag Kräften.

Heute müßen Wir nog ein fgwereS fateinifgeS «Penfum bewältigen unb bie ©ebirge unb glüffe bon Hinterinbien burgnepmen.

©ben fömmt mein 3unge mit feinen Heften,

© u entfgutbigß mig wopl?

©ein alter

' «faul.

Mm gürtfuutmierjigften I

Sieber «Paul!

SBenn tg es nigt opnebies gewußt pätte, wie bie Sapre uns beränbern, biefer Sage wäre es mir ftar geworben,

©raf ba auf ber Straße ben «Homberg, einßenS le beau genannt, jum erßenmal nag einem ¿eitraume bon bier 3apren, bie er im auSlanbe berbragt patte. 3 g erfgraf.

Ábra

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