Dokumentarische Methode

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Autobiografieanalyse und dokumentarische Methode am Beispiel der Wirtschaftselite

Autobiografieanalyse und dokumentarische Methode am Beispiel der Wirtschaftselite

5. Die Illustration der Dokumentarische Methode: exemplarische Textinterpretation Über aktuelle autobiografische Publikationen der Wirtschaftselite soll nun noch ein Ein- blick in die Forschungspraxis der Textinterpretation gegeben werden. Das kann in diesem Rahmen nur punktuell geschehen und ich werde mich deshalb auf die reflektierende Inter- pretation und die komparative Analyse zweier einleitender Passagen beschränken (müssen). Die Textpassagen, die für eine reflektierende Interpretation in Frage kommen, basieren – das wurde bereits beschrieben – auf dem thematischen Verlauf als einem ordnenden Zu- griff auf das Material. Der thematische Verlauf ist zugleich auch ein erster Schritt hin zu einer komparativen Analyse, da durch ihn diejenigen Themen identifiziert werden, die den Fällen gemeinsam sind. Klappentexte, Danksagungen und Widmungen, die Umschlagge- staltung, Vorwörter und einführende Passagen sind für eine Autobiografieanalyse instruk- tiv, da an diesen Stellen in der Regel über den Schreibanlass informiert wird und wir bereits an diesen prominenten Stellen etwas über die Rahmung des Rückblicks erfahren. Bei den hier zur Debatte stehenden Autobiografien wurden zudem diejenigen Passagen ausgewählt, in denen der Zusammenhang von biografischen Ausgangsbedingungen, Ressourcen und späterem Erfolg thematisiert wird. Von Interesse waren auch Passagen, in denen Situatio- nen der Anerkennung, aber auch (berufs-)biografische Wendungen, Rückschläge und Über- raschungen thematisiert wurden.
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Jahrbuch Dokumentarische Methode. Heft 2-3/2020

Jahrbuch Dokumentarische Methode. Heft 2-3/2020

Dass die Community in ihrer Besprechung oder Diskussion von Texten durch Repliken Aufschluss über deren Qualität geben soll, bedeutet zunächst nicht, dass in Bezug auf die Veröffentlichung von Beiträgen im JDM gar keine Vor- auswahl durch die Herausgeber*innen stattfindet. Diese erfolgt bisher anhand zweier Kriterien, die wir im Editorial des ersten Heftes bereits dargestellt und diskutiert haben: Erstens sollte der Fokus des Beitrags (zumindest auch) auf methodologische oder grundlagentheoretische und konzeptionelle Fragen der Dokumentarischen Methode oder praxeologischen Wissenssoziologie gerich- tet sein. Zweitens sollte eine deutliche Entfaltung einer klar nachvollziehbaren Argumentation vorliegen. Zum einen gilt es also, das Jahrbuch auf die Diskus- sionen um die Dokumentarische Methode, also bspw. die Verbindung ihrer grundlagentheoretischen Begriffe mit anderen theoretischen Konzepten, die Anwendung auf neue Gegenstandsbereiche und die dafür nötigen methodolo- gischen Weiterentwicklungen usw., zu fokussieren. Zum anderen gilt es, die Autor*innen auf unfertige, argumentative ‚Schnellschüsse‘ hinzuweisen, um das Jahrbuch als einen Ort qualitativ hochwertiger Auseinandersetzungen zu etablieren. Daher behalten wir uns vor, die Autor*innen auf (mit Blick auf die genannten Kriterien) unpassende oder unfertige Aspekte ihrer Texte hinzuwei- sen und ermöglichen eine Überarbeitung des Textes oder aber verweisen auf die Möglichkeit einer späteren Neueinreichung. Die Begründung muss dann im Einzelfall und anhand einer ausführlichen Kritik des jeweiligen Textes er- folgen und die Zustimmung des gesamten Herausgeber*innen-Kreises finden. Das bedeutet auch, dass die genannten Güte- und Auswahlkriterien sich nicht vorab und für alle Fälle und Zeiten objektiv regeln lassen, sondern erst in Aus- einandersetzung mit dem Text zu bestimmen sind.
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Die Dokumentarische Methode in der Unterrichtsforschung: ein integratives Forschungsinstrument für Strukturrekonstruktion und Kompetenzanalyse

Die Dokumentarische Methode in der Unterrichtsforschung: ein integratives Forschungsinstrument für Strukturrekonstruktion und Kompetenzanalyse

Die dokumentarische Methode dient dazu, empirisch Sinnkonstruktionen von Kollektiven oder Individuen zu rekonstruieren. Sie ist „ein Weg methodisch kon- trollierter Fremdinterpretation, der konsequent im Erfahrungswissen der Er- forschten fundiert ist und einen Zugang zu deren (konjunktiven) Erfahrungs- räumen sucht.“ (Bohnsack i.E., S. 4) Die Methode geht davon aus, dass die drei Sinnebenen dokumentarischer Sinn (Ebene der sich durch konjunktive Erfah- rung verstehenden Akteure), intendierter Ausdruckssinn (Ebene der absichts- vollen kommunikativen Selbstdarstellung der Akteure) und immanenter bzw. objektiver Sinn (Ebene performativ oder konventionell erzeugter Bedeutung) voneinander unterschieden werden können. Konstitutiv für die dokumentari- sche Methode ist ihre praxeologische Methodologie, die ernst nimmt, dass Theo- rie und Beobachtung in einem reflexiven Verhältnis stehen (vgl. Bohnsack i.E., S. 26ff.). Obwohl sich für die dokumentarische Methode als empirisches Analyse- inventar mittlerweile eine vielfach beschriebene Vorgehensweise etabliert hat (z.B. Bohnsack 2000), ist diese Methode aufgrund ihrer praxeologischen Entste- hung prinzipiell flexibel. Dies hat zu ihrer Anpassung auf zahlreiche Anwen- dungsbereiche geführt (Bohnsack/Nentwig-Gesemann/Nohl 2007).
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Filmen im Zwischenraum. Die dokumentarische Methode von Romuald Karmakar

Filmen im Zwischenraum. Die dokumentarische Methode von Romuald Karmakar

Auf die Frage, warum er keine Filmschule besucht habe, antwortete Romuald Karmakar einmal: „Weil ich meine Leidenschaft nicht akademisieren lasse.“ 1 Nach einer solchen Absage an die wissenschaftliche Betrachtung und Analyse von Filmen erscheint das folgende Unterfangen einigermaßen anmaßend. Nichts Geringeres soll dabei unternommen werden, als dem Dokumen- taristen Romuald Karmakar in seinen – nicht nur dokumentarischen Filmen – nachzuspüren und seine Position als Filmemacher im Zwischenraum zu diskutieren: an der Grenze zwischen der Darstellung ‚des Bösen’ und ‚der Normalität’ und an der Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation. Daher ist es vielleicht konsequent, als erstes Beispiel für Karmakars dokumentarische Methode seinen Spielfilm Der Totmacher (1995) heranzuziehen. In diesem Film erscheinen Karmakars Verfahrensweisen beispielhaft verdichtet. Der Totmacher basiert auf psychiatrischen Gutachten und Gesprächsprotokollen mit Fritz Haarmann, der in den 1920er Jahren
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Dokumentarische Schulforschung grundlagen theoretisch verankern: eine Replik zum Beitrag der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarische Methode

Dokumentarische Schulforschung grundlagen theoretisch verankern: eine Replik zum Beitrag der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarische Methode

Der Beitrag der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarische Methode ist als „Werk- stattbericht“ (Bauer et al. i. d. B., S. 349) markiert: Die sechs Autor*innen ge- ben uns Einblicke in einige erste Ergebnisse ihres Arbeitszusammenhangs. Am Beispiel des Themas Schulentwicklung zeigen sie auf, wie sie an ihrer überge- ordneten Fragestellung zur wechselseitigen Modifizierung von Forschungsge- genstand Schule und Forschungsmethode Dokumentarische Methode arbeiten. Besonders interessieren sich die Autor*innen hier für Besonderheiten von Gruppendiskussionen an Schulen im Kontext von Schulentwicklung, an denen Lehrpersonen und Personen der Schulleitung beteiligt sind. Sie illustrieren ihr Vorgehen anhand von Transkriptauszügen aus zwei laufenden Forschungspro- jekten.
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Zur Bedeutung der relationalen Typenbildung für die Dokumentarische Methode

Zur Bedeutung der relationalen Typenbildung für die Dokumentarische Methode

Bevor ich mich mit den von Bohnsack et al. (2018) vorgetragenen Ar- gumenten immanent auseinandersetze, ist vorab anzumerken, dass man die Dokumentarische Methode zwar auf die Rekonstruktion von konjunktiven Erfahrungsräumen (und den mit ihnen verknüpften Orientierungsrahmen und Habitus) verengen kann, dann aber auch die Konsequenzen einer entsprechend geringen sozialwissenschaftlichen Durchdringungskraft dieses Auswertungsver- fahrens in Kauf nehmen muss. Denn damit wird ausgeschlossen, dass man mit der Dokumentarischen Methode soziale Entitäten jenseits konjunktiver Erfah- rungsräume rekonstruieren könne, so z.B. Biographien (vgl. etwa von Rosenberg 2011), Interaktionen (vgl. Bohnsack 1983; Nohl 2019b), Organisationen (vgl. Amling/Vogd 2017) oder öffentliche Diskurse (vgl. Nohl 2016 u. 2017). Diese sozialen Entitäten verschwinden dann hinter der „Primordialität des Kollektiven“, des konjunktiven Erfahrungsraums (Bohnsack et al. 2018, S. 19), genauer: Sie werden nur noch insoweit rekonstruiert, wie sie durch den Filter der jeweils untersuchten konjunktiven Erfahrungsräume erkennbar sind. Auf diese Weise werden dann auch jene Formen der Mehrebenenanalyse unmöglich, denen es um die „Eigenlogik“ (Helsper et al. 2010, S. 130) verschiedener Ebenen bzw. sozialen Entitäten geht. 6 Wenn somit die ubiquitäre Primordialität des kon-
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Fallvignetten, Dilemmainterviews und dokumentarische Methode: Chancen und Grenzen für die Erfassung von Lehrerprofessionalität

Fallvignetten, Dilemmainterviews und dokumentarische Methode: Chancen und Grenzen für die Erfassung von Lehrerprofessionalität

Fallvignetten werden in der Lehrerforschung in vielfältiger Form genutzt. Im vorliegenden Beitrag wird eine explorative Studie präsentiert, in der Textvignetten eingesetzt wurden, um Facetten von Lehrerprofessionalität zu erfassen. Diese Fallvignetten beschreiben Problemsituationen aus dem beruflichen Alltag von Lehrpersonen und sind so formuliert, dass sie jeweils für eine dem Lehrberuf zugrunde liegende Antinomie symptomatisch sind. In sog. Dilemmainterviews wurden Lehramtsstudierende und berufstätige Lehrkräfte aufgefordert, Handlungsstrategien zur Pro- blemlösung diskursiv darzulegen. Die Auswertung erfolgte mit Hilfe der dokumentarischen Methode. Es lassen sich unterschiedliche Herangehensweisen ebenso rekonstruieren wie jene zwei Logiken, die das Handeln von Lehrpersonen strukturieren. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Fallvignetten und Dilemmainterviews in Kombination mit der dokumentarischen Auswer- tung großes Potenzial besitzen, das auch für die Lehrerbildung genutzt werden könnte. Schlagwörter: Dilemmainterviews – dokumentarische Methode – Fallvignetten – Lehrer- professionalität
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Die dokumentarische Methode und ihr Potenzial für Forschungen (nicht nur) in der Fachdidaktik Deutsch

Die dokumentarische Methode und ihr Potenzial für Forschungen (nicht nur) in der Fachdidaktik Deutsch

Wieser betrachtet in ihrer Arbeit Literaturunterricht aus Sicht der Lehrenden die „Vorstellungen und Orientierungen“ (Wieser 2008, S. 15) von Lehramtsanwär- ter(inne)n zum Literaturunterricht im Fach Deutsch. Hinter diesem Forschungsinte- resse verbirgt sich die Annahme, dass sich Lehrer(innen) im Vorbereitungsdienst an einer Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis befinden, die für die fachbezogene Lehrerforschung von besonderer Bedeutung ist. Wieser sieht hier ein Forschungsde- fizit, welchem sie mit ihrem Beitrag begegnen möchte. Sie erhebt hierzu 24 Leitfa- deninterviews, von denen 15 für eine fallvergleichende Interpretation herangezogen werden. Ihren Vergleich bündelt Wieser in drei „Kernkategorien“ (ebd., S. 110), die sich während des Analyseprozesses herauskristallisieren (vgl. ebd.): Ziele des Lite- raturunterrichts, Möglichkeiten, Schüler(innen) einen Zugang zu Literatur zu ver- schaffen und die Einschätzung der Ausbildung im Studium und im Referendariat (vgl. ebd., S. 110ff.). Für den empirischen Teil ihrer Studie nimmt Wieser Bezug auf die dokumentarische Methode, wobei sie sich bei der Auswertung ihrer Daten nicht allein auf diese Methodologie beruft (z. B. führt sie neben der [dokumentarischen] Sequenzanalyse eine Kodierung im Sinne der Grounded Theory durch und orientiert sich zusätzlich an der topischen Analyse nach Toulmin [vgl.: Wieser 2008, S. 85ff. u. 99ff.]). Entsprechend ihrem Interesse sowohl an implizit vorliegenden, unhinter- fragten „individuellen Deutungsmustern“ (ebd., S. 91) als auch reflexiv verfügbaren, somit explizierbaren „Vorstellungen“ (ebd., S. 60) der Interviewten zu Literaturun- terricht schenkt sie in ihrem Ergebnisbericht den kommunikativen Wissensbestän- den mehr Aufmerksamkeit, als dies die ‚eigentliche‘ Analysehaltung der dokumen- tarischen Methode vermuten ließe (s. o.). 2 Ein besonderes Augenmerk legt Wieser
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Dokumentarische Methode und Gruppendiskussionsverfahren in der medienpädagogischen Forschung

Dokumentarische Methode und Gruppendiskussionsverfahren in der medienpädagogischen Forschung

Im Zusammenwirken dieser beiden Aspekte ist auch der übergreifende Orientierungsrahmen beziehungsweise Habitus der Milieuangehörigen lokalisiert, der aus den in ihre Sozialisationsgeschichte eingelagerten mili- euspezifischen Bindungen heraus entsteht (vgl. Bohnsack 1997, S. 57; Bohnsack 1998b, S. 112). Die Orientierungsrahmen entstehen im Sinne habitualisierter Wissensbestände dort, „wo diese (grundlegend kollektiven) Wissensbestände nicht nur internalisiert, sondern auch inkorporiert, d. h. in den modus operandi der körperlichen und sprachlichen Praktiken einge- schrieben und in diesem Sinne ‚mimetisch’ angeeignet werden“ (Bohnsack 2010b, S. 132). Somit handelt es sich um überwiegend unbewusste, an Vorbildern und den Handlungen anderer orientierte Prozesse kreativer Nachahmung. Gleichzeitig erweitert der für die Dokumentarische Methode zentrale Begriff des Orientierungsrahmens „den Habitusbegriff um den – auch der empirischen Analyse zugänglichen – Aspekt, dass und wie der Habitus sich in der Auseinandersetzung mit den Orientierungsschemata, also u. a. den normativen resp. institutionellen Anforderungen und denje- nigen der Fremd- und Selbstidentifizierung, immer wieder reproduziert und konturiert“ (Bohnsack 2013a, S. 181). Milieubildung ist damit sowohl eine lebensweltliche Gestaltungsperspektive als auch ein Analyserahmen für die empirische Rekonstruktion von Milieus (vgl. dazu auch Welling 2008a, S. 40–47).
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Dokumentarische Methode und Subjektivierung ins Gespräch miteinander bringen: eine Replik auf den Beitrag von Anna Rauschenberg zum "Adressierungs- und Re-Adressierungsgeschehen der sozialen Interaktionspraxis Interview - Überlegungen zu einem blinden Fle

Dokumentarische Methode und Subjektivierung ins Gespräch miteinander bringen: eine Replik auf den Beitrag von Anna Rauschenberg zum "Adressierungs- und Re-Adressierungsgeschehen der sozialen Interaktionspraxis Interview - Überlegungen zu einem blinden Fleck der Dokumentarischen Methode"

Hinzke, J.-H.r. (2019). Dokumentarische Methode und Subjektivierung ins Gespräch miteinander bringen: eine Replik auf den Beitrag von Anna Rauschenberg zum "Adressierungs- und Re-Adressierungsgeschehen der sozialen Interaktionspraxis Interview - Überlegungen zu einem blinden Fleck der Dokumentarischen Methode". In S. Amling, A. Geimer, A.-C. Schondelmayer, K. Stützel, & S. Thomsen (Hrsg.), Jahrbuch Dokumentarische Methode. Heft 1/2019 (S. 155-159). Berlin: centrum für qualitative evaluations- und sozialforschung e.V. (ces). https://doi.org/10.21241/ ssoar.65690
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Dokumentarische Methode und digitale Artefakte - zur Rekonstruktion der Vermittlungsweisen von Apps

Dokumentarische Methode und digitale Artefakte - zur Rekonstruktion der Vermittlungsweisen von Apps

2008, S. 347). Dies wäre zum Beispiel eine Abfolge von Frage/Antwort oder – auf die Dokumentarische Methode übertragen – von Proposition/Elaboration. Das Einteilen des empirischen Materials in solch eine Mikrostruktur soll die Möglichkeit schaffen, im ersten Teil der Sequenz (Frage oder Proposition) die Erwartungsstruktur („konditionelle Relevanz“) hinsichtlich des zweiten Teils (Antwort oder Elaboration) zu rekonstruieren (ebd.). Unter Hinzunahme des zweitens Teils ließe sich eine Präferenzstruktur der Kommunikation herausarbei- ten, welche auf einen zentralen Erkenntnisgegenstand der Konversationsanalyse verweist: das „recipient design“ (vgl. ebd., S. 348). Es gibt bereits einige inter- aktionsanalytische Studien zur Mensch-Maschinen-Interaktion, die allerdings die Erwartungshaltung des menschlichen Gesprächspartners untersucht haben, um die Technologie dahingehend zu optimieren (wie bspw. in Thar 2015, S. 21). Dieser Fokus ließe sich allerdings für das vorliegende Forschungsinteresse in Richtung des Designs der Rezipienten bzw. der Interaktionshandlung seitens des Programms verschieben. Dies ermöglicht es, mittels Paarsequenzierungen die in die App eingeschriebenen Erwartungsstrukturen und Pfadabhängigkeiten der algorithmischen Vermittlungsweisen in den Blick zu nehmen.
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Die Dokumentarische Methode in der Ungleichheitsforschung

Die Dokumentarische Methode in der Ungleichheitsforschung

Zugleich verweist die soziogenetische Typenbildung auf das in der Praxeologi- schen Wissenssoziologie verankerte Konzept der Mehrdimensionalität von kon- junktiven Erfahrungsräumen (vgl. z.B. Nohl 2006; Bohnsack 2018a, 2018b, S. 237). Von Mehrdimensionalität wird dabei gesprochen, weil sich soziale Lagen und Verhältnisse in komplexer Weise in einem konjunktiven Erfahrungsraum überlagern (z.B. Bohnsack 2010). Bereits in frühen, die Methode entwickelnden Studien wurde darauf hingewiesen, dass rekonstruierbare Praktiken und habitu- elle Orientierungen nicht einem singulären Erfahrungszusammenhang zuzuord- nen sind (z.B. Bohnsack 1989; Bohnsack u.a. 1995), sondern sich im gesellschaftli- chen Kontext jeweils im Schnittfeld verschiedener Erfahrungsräume herausbil- den (Bohnsack 2010, S. 311). Für die soziogenetische Typenbildung ist diese An- nahme konstitutiv: „Bei jedem Einzelfall überschneiden oder überlagern sich nun die verschiedenen Typiken auf je spezifische Art und Weise. Die Struktur der Ty- pologie, die im Rahmen der dokumentarischen Methode angestrebt wird, spiegelt diese Perspektive: Jeder Fall wird innerhalb der Typiken der Typologie umfas- send verortet und kann damit zum Dokument und Exemplifizierung für mehrere Typiken werden.“ (Nentwig-Gesemann 2013, S. 317). Ein Fall ist demnach je nach Einbindung in die relevant gesetzten Dimensionen sozialer Lagerung sozial posi- tioniert, und die Bedeutung einzelner Aspekte wird – auch in ihrem Verhältnis zu anderen Dimensionen – im Vergleich mit anderen Fällen rekonstruierbar. Ihr be- sonderes Potential entfaltet die soziogenetische Typenbildung dann im Aufzeigen der Bedeutung von Lagerungsdimensionen als Kontexte der Hervorbringung spe- zifischer habitueller Orientierungen und sozialen Praktiken (vgl. auch Bohnsack 2013, S. 248; Bohnsack 2017, S. 230), wie dies bislang etwa für migrationsbezoge- ne Lagerungen (z.B. Nohl 2001; Nohl u.a. 2006), Bildungsmilieus (z.B. Bohnsack 1989; Kramer 2009; Pfaff 2012; Deppe 2014; Krüger u.a. 2016) und Generationen (z.B. Schäffer 2004) geschehen ist. In diesen rekonstruktiven gesellschaftlichen Kontextualisierungen des Erfahrungsraums werden immer auch Überlagerungen mit anderen Dimensionen sozialer Lagerung in den Blick genommen. Sie verwei- sen damit gleichsam auf das Potential der Methode für einen „analytische[n] Weg aus dem isolierten Nebeneinander verschiedener Ausprägungen sozialer Un- gleichheit“ (Schwinn 2008, S. 41) in der sozialwissenschaftlichen Forschung (vgl. auch Bohnsack 2010, S. 239; Kubisch 2008; Pfaff 2012).
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Typenbildung und Dokumentarische Methode

Typenbildung und Dokumentarische Methode

konstituiert einen Orientierungsrahmen im weiteren Sinne (siehe dazu auch die Beiträge von Franz 2018, Hurmaci 2018, Geimer/Amling 2018, Hericks et al. 2018 sowie Hinzke 2018). Auf dieser Ebene des übergreifenden handlungslei- tenden (Erfahrungs-) Wissens ist auch der Begriff des konjunktiven Erfahrungs- raums angesiedelt (vgl. Bohnsack 2017: Kap. 4 und Nentwig-Gesemann 2018), welcher im Zentrum der Praxeologischen Wissenssoziologie steht. Ralf Bohnsack hat konjunktive Erfahrungsräume auf der interaktiven (incl. der gruppenspezi- fischen), der organisationalen und der gesellschaftlichen Ebene unterschieden. Was die Erfahrungsräume auf gesellschaftlicher Ebene anbetrifft, so bietet uns die Analyse des Spannungsverhältnisses von (gesellschaftlichen) Normen – insbesondere von Identitätsnormen im Sinne virtualer sozialer Identitäten – und der Handlungspraxis Anschlussmöglichkeiten von Dokumentarischer Methode und Diskursanalyse, wie sie idurch die Analyse von Subjektfiguren im Beitrag von Alexander Geimer und Steffen Amling (2018) sowie durch die Analyse des Verhältnisses der programmatischen Rede über die Versorgung alter Menschen mit Migrationshintergrund in ihrem Spannungsverhältnis zur Logik der Praxis in den Einrichtungen der Altenhilfe im Beitrag von Meggi Khan-Zvorničanin (2018) repräsentiert sind.
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Die dokumentarische Methode als Forschungsansatz für die Geographiedidaktik im Bereich des wertorientierten und Globalen Lernens

Die dokumentarische Methode als Forschungsansatz für die Geographiedidaktik im Bereich des wertorientierten und Globalen Lernens

Die Studie kann über die rekonstruktive Interpretation mit Hilfe der dokumentarischen Methode zeigen, dass sich Ver- gleichshorizonte bei Schülerinnen und Schülern durch das Ar- beiten in komplexen unterrichtlichen Lehr-Lernarrangements verändert haben, dass – insofern Handeln als Bewertungshan- deln betrachtet wird – Modi der Bewertung und Bewertungslo- giken von Handeln komplexer geworden sind und dass sich Schülerinnen und Schüler der Notwendigkeit komplexer Be- trachtungsweisen von Welterscheinungen und Vorgängen in Welt bewusst geworden sind. Damit ist auch Einfluss genom- men worden auf die Komplexität der Alltagspraxis unterricht- lichen Handelns in dem Sinne, dass fallübergreifend rekonstru- iert werden konnte, dass die Jugendlichen komplexe, kooperativ ausgerichtete unterrichtliche Verfahren bei der Behandlung von Globalisierungsphänomenen in Folge der Erlebnisse im Treat- ment bevorzugen. Explizite und implizite Wissens- und Verhal- tensstrukturen wurden durch die unterrichtliche Intervention, die auf Überlegungen zum wertorientierten Lernen aus der Geo- graphiedidaktik, auf ausgewählten theoretischen Konzepten aus dem Bereich des Globalen Lernens und auf grundlegenden the- oretischen und praktischen Konzepten aus Moralpädagogik und Moralpsychologie basiert, erfolgreich zueinander in Spannungs- verhältnisse gesetzt, um Lernprozesse anzuregen.
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Bedarf die Dokumentarische Methode als Praxeologische Wissenssoziologie einer intersektionalen Forschungsperspektive und/oder bieten sich wechselseitige Anschlussmöglichkeiten? Eine Replik zum Beitrag von Annette Hilscher, Katrin Springsgut und Marah Theu

Bedarf die Dokumentarische Methode als Praxeologische Wissenssoziologie einer intersektionalen Forschungsperspektive und/oder bieten sich wechselseitige Anschlussmöglichkeiten? Eine Replik zum Beitrag von Annette Hilscher, Katrin Springsgut und Marah Theuerl "Die Dokumentarische Methode im Rahmen einer intersektionalen Forschungsperspektive"

dass Identitätsnormen „Bestandteil von Erfahrungen“ (Bohnsack 2017a, S. 103) sind und „Gegenstand sozialwissenschaftlicher Rekonstruktion“ (ebd.) sein müssen. Exteriore Erfahrungen werden von Bohnsack als konstitutiv für den konjunktiven Erfahrungsraum erachtet, da „die kommunikative Dimen- sion erst vor dem (impliziten) Hintergrund der inkorporierten und habituali- sierten Praxis als solche überhaupt erfahren wird – und umgekehrt“ (ebd.). Das Normative tritt aus der Perspektive der Praxeologischen Wissenssoziologie nach Bohnsack „als das der habitualisierten und korporierten Praxis gegenüber als exterior, widerständig und zwanghaft Erfahrene in Erscheinung“ (Bohnsack 2017b, S: 238f.; H. i. O). Dies kann „als ‚Fremdzwang‘ oder ‚Selbstzwang‘ erfahren werden“ (ebd.). Den Forschenden begegnet das „Nor- mative […] im Zuge der empirischen Rekonstruktion […] wesentlich in Form von institutionalisierten Normen und Rollen sowie [in Form] von gesellschaft- lichen Identitätserwartungen und Identitätsnormen“ (ebd., S. 239). Demgemäß lässt sich mit der Dokumentarischen Methode „auch die Frage der Auseinan- dersetzung mit und Positionierung zu gesellschaftlichen Adressierungen, Klas- sifizierungen und Identitätszuschreibungen durch Akteure“ (Pfaff 2018, S. 72) bearbeiten. Zudem geraten institutionelle z. B. durch „In- und Exklusionsme- chanismen in Organisationen regulierte Teilhabechancen und diskursiv her- vorgebrachte Adressierungen“ (ebd.) in den Blick.
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Einige Herausforderungen für erziehungswissenschaftliche Forschung durch Digitalisierung: eine Replik zum Beitrag von Denise Klinge "Dokumentarische Methode und digitale Artefakte - zur Rekonstruktion der Vermittlungsweisen von Apps"

Einige Herausforderungen für erziehungswissenschaftliche Forschung durch Digitalisierung: eine Replik zum Beitrag von Denise Klinge "Dokumentarische Methode und digitale Artefakte - zur Rekonstruktion der Vermittlungsweisen von Apps"

sich hier deutlich anzubieten: Der Blick auf die Adressierung durch Apps könnte eine Aktualisierung und Erweiterung dieses Forschungsprogramms sein, denn mit dem Instrumentarium der Ad[r]

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Jahrbuch Dokumentarische Methode. Heft 1/2019

Jahrbuch Dokumentarische Methode. Heft 1/2019

Wie bereits angeführt, wird das narrative Interview für eine Forschung mit der Dokumentarischen Methode genutzt, denn dieses verspricht, „einen Zugang nicht nur zum reflexiven, sondern auch zum handlungsleitenden Wissen der Akteure und damit zur Handlungspraxis“ zu eröffnen (Bohnsack et al. 2013, S. 9). We- sentlich auf dem biographietheoretischen Ansatz nach Fritz Schütze aufbauend (vgl. Bohnsack 2014, S. 93-105; Nohl 2017, S. 19f.) gehe es in biographischen wie auch in durch Leitfaden gestützten themenbezogenen Interviews darum, nicht nur Einschätzungen, Meinungen, Alltagstheorien oder Stellungnahmen zu erfragen, sondern Erzählungen zu individuellen, in der Handlungspraxis fun- dierten Erfahrungen anzuregen (vgl. Nohl 2017, S. 16). Gemäß der kategorialen Differenz zwischen Erzählung und Argumentation nach Schütze gelten diese Interviews als narrativ fundiert (vgl. ebd., S. 16; 19). Dem liegt die Annahme zugrunde, dass Erzählungen auf die erlebte Handlungspraxis verweisen, da hier implizites, habitualisiertes Wissen und konjunktive Erfahrungen artikuliert werden. Eine narrative Fundierung könnten leitfadengestützte Interviews nach Nohl wiederum nur dann erfüllen, wenn die durch den Leitfaden thematisch festgelegten und eventuell vorab ausformulierten Fragen erzählgenerierend und offen angelegt sind, das heißt, wenn sie die befragten Personen dazu bewegen, über die für die Forschungsfrage inhaltlich relevanten Erfahrungen ausführlich zu berichten (vgl. ebd., S. 18). Demgegenüber bringen argumentative Textstellen primär Explikationen und Stellungnahmen der Befragten hervor (vgl. ebd., S. 19). Erst durch ein offenes Erhebungsverfahren, das heißt durch ein Verfahren, das möglichst wenig Vorgaben im Zuge der Erhebung mache, erhielten die beforschten Personen die Gelegenheit, ihre eigenen Relevanzen kommunikativ zu setzen und zu entfalten (vgl. Bohnsack 2014, S. 23; 26).
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Autobiografieanalyse und dokumentarische Methode am Beispiel der Wirtschaftselite

Autobiografieanalyse und dokumentarische Methode am Beispiel der Wirtschaftselite

Wenn im Folgenden noch kurz über den Nutzen der dokumentarischen Interpretation und der Analyse von (Auto-)Biografien für das weite Feld der industriellen Beziehungen ge- sprochen werden soll, so ist das Argument vor allem ein methodologisch-methodisches: Das grundlegende Kriterium für die Wahl einer Erhebungs- und auch Auswertungsmethode ist die Gegenstandsangemessenheit. Das heißt, die gewählte Methode muss dazu geeignet sein die Daten zu generieren, welche eine Antwort auf die Forschungsfrage liefern. Damit sind auch die Grenzen angedeutet. Stärker inhaltsorientierte Forschungsfragen, die an der vergleichenden Analyse von Meinungen, Ansichten oder Wissensbeständen von Organisa- tionsmitgliedern interessiert sind, brauchen andere Erhebungsmethoden und Auswertungs- verfahren als Fragestellungen, die auf eine systematische Rekonstruktion von Orientierun- gen und ihren gruppen- oder auch milieukonstitutiven Entstehungsbediungungen gerichet sind. In der Methodenliteratur wird hier mittlerweile ein breites Spektrum unterschiedlicher Typen und Verfahren qualitativer Interviews reflektiert (vgl. Klemm & Liebold, 2016). Die Methode der dokumentarischen Interpretation ist sicher ein voraussetzungsvolles Verfah- ren, sowohl was die methodoldogische Fundiertung aber auch was die praktische Durchfüh- rung betrifft. Der Tiefenschärfe der Interpretation steht ein hohes Maß an Komplexität ge- genüber (Kleemann u.a., 2013, S. 191). Dies kann aber nicht als Kritik gelten sondern ist eher ein Hinweis darauf, dass es sich hier um ein Verfahren handelt, dass viel Übung in Forschungskontexten benötigt.
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Karl Mannheim und die dokumentarische Methode

Karl Mannheim und die dokumentarische Methode

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Die Dokumentarische Methode im Rahmen einer intersektionalen Forschungsperspektive

Die Dokumentarische Methode im Rahmen einer intersektionalen Forschungsperspektive

beiden Ansätzen. Jedoch stehen durch die Ursprünge des Begriffs Intersektio- nalität in der Schwarzen Frauenrechtsbewegung theoretische Bezüge zu einer kritischen Geschlechter- und Migrationsforschung im Vordergrund. Zudem wird bei einer intersektionalen Analyse eine Forschungshaltung eingefordert, die die Forschenden in die Pflicht nimmt, eigene Positionierungen und deren Effekte auf die Erhebungssituation und Auswertung empirischen Materials kri- tisch zu reflektieren. Macht- und Ungleichheitsverhältnisse sind mit Blick auf die interaktionelle Ebene zwischen Forscher*in und Teilnehmenden, zwischen Forschungsteilnehmenden untereinander sowie auf struktureller Ebene zu ana- lysieren. Im Fokus von Intersektionalität stehen ein Verständnis von Ungleich- heitskategorien als fluide oder gar die Überwindung kategorialer Denkansätze im Rahmen dekonstruktivistischer Forschungsarbeiten. Ungleichheitskatego- rien werden daher nicht einzeln oder nacheinander betrachtet, sondern Mo- mente ihrer Verflechtung aufgedeckt. Hier gilt es, die im Rahmen der Doku- mentarischen Methode etablierte mehrdimensionale Typenbildung und neuere Ansätze praxeologischer Typenbildungen weiterzudenken und die erprobten Analyseschritte um die Ebene der Machtverhältnisse zu ergänzen. Die relatio- nale Typenbildung erscheint hier vielversprechend. Ein erster Schritt kann es sein, die in der mehrdimensionalen Typenbildung herangezogenen Kategorien als sozial konstruierte Kategorien, die sich auf der Grundlage von gesellschaft- lichen Machtverhältnissen ergeben, zu verstehen und auch als solche zu mar- kieren.
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