Nach oben pdf Intersystembeziehungen zwischen Journalismus und Public Relations - Ist die Qualität des Journalismus in Gefahr?

Intersystembeziehungen zwischen Journalismus und Public Relations - Ist die Qualität des Journalismus in Gefahr?

Intersystembeziehungen zwischen Journalismus und Public Relations - Ist die Qualität des Journalismus in Gefahr?

Wenn das Verh¨altnis von Public Relations zu Journalismus analysiert wird, geht es meist um die Frage der Autonomie und Steuerung des Journalismus. Wenn eine empirische Untersuchung dazu Belege liefern kann, so erfolgt dies meist als Input-Output-Analyse: Public-Relations-Materialien werden da- bei als Input verwendet und der journalistische Beitrag als Output. So auch durch Barbara Baerns, die 1985 den Einfluss von Public Relations auf den Journalismus empirisch untersuchte. Sie analysierte anhand ver¨offentlichter Medien das Verh¨altnis von Public-Relations-Quellenmaterial zur journalis- tischen Leistung. Sie geht von einer Kontrolle des Journalismus durch die Public Relations aus, belegt durch ihr Untersuchungsergebnis, nach dem rund 62 % der untersuchten Berichterstattung thema- tisch und zeitlich durch Public Relations initiiert wurden (siehe Tabelle 1). Eine eigenst¨andige Recher- che von Themen durch Journalisten gab es im Rahmen der untersuchten Ver¨offentlichungen nur bei etwa 10 %. Die journalistische Leistung lag in der Regel beim K¨urzen des Public-Relations-Materials und geringen Zusatzrecherchen, die meisten Ver¨offentlichungen beruhten jedoch trotzdem auf ei- ner einzigen Quelle, die dazu oftmals gar nicht genannt wurde. 28 Durch die Kontrolle eines Systems
Mehr anzeigen

21 Mehr lesen

Mehr Schein als Sein? Grenzbeziehungen zwischen Journalismus und Public Relations

Mehr Schein als Sein? Grenzbeziehungen zwischen Journalismus und Public Relations

Diese Ergebnisse sind kritisch einzuschätzen. Beide Kommunikationsformen haben eindeutige, gesetzlich beispielsweise in den Landespressegesetzen der einzelnen Bundesländer verankerte Funktionen: Journalismus soll seine öffentliche Aufgabe erfüllen (§ 3), Behörden sind zur Auskunft und Information des Journalismus verpflichtet (§ 4), ihrer Aufgabe kommen sie mit Hilfe von Public Relations nach. Werden wirtschaftliche und technische Veränderungen hinzugezogen, verschärft sich das Bild. In den vergangenen zwei Jahren sind die Einnahmen von Presseunternehmen stark rückläufig, Entlassungen waren die Folge. Nach Schätzungen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wurden zwischen 2002 und 2003 rund 1.000 Redakteursstellen in Deutschland abgebaut. Da sich der Umfang der Medien nicht reduziert, bedeutet dies für die verbleibenden JournalistInnen Überstunden, die Übernahme von berufsfremden Arbeiten und weniger Zeit für die eigene Recherche (vgl. Ehrhardt 2004: 9). Es drängt sich der Verdacht auf, dass – wenn JournalistInnen weniger Zeit haben – sie eher geneigt sein werden, PR-Materialien zu veröffentlichen, was eine Umfrage unter deutschen JournalistInnen bestätigt (vgl. Ehrhardt 2004: 9). 3 Journalismus soll jedoch umfassend informieren, kritisieren und kontrollieren, um die Meinungsbildung der BürgerInnen zu ermöglichen. Es stellt sich daher die Frage, ob die Forderung nach der journalistische Funktionserfüllung ein theoretisches Konstrukt ist, das in Gefahr gerät und in der täglichen Arbeitspraxis nicht (mehr) zu erfüllen ist. Ist Journalismus von den PR-Zulieferungen abhängig? Wenn die Grundaussage des Konstruktivismus zutrifft, dass JournalistInnen durch die Selektion von Ereignissen ein Bild der Realität konstruieren, das nicht mit den
Mehr anzeigen

17 Mehr lesen

Wenn Medienarbeit flügge wird – Diagnosen und Prognosen zur Zukunft von Interdependenz und Unabhängigkeit zwischen Public Relations und Journalismus in der digitalen Kommunikation

Wenn Medienarbeit flügge wird – Diagnosen und Prognosen zur Zukunft von Interdependenz und Unabhängigkeit zwischen Public Relations und Journalismus in der digitalen Kommunikation

Journalismus als „Drittanbieter“ (LLOYD & TOOGOOD 2015 zitiert nach SZAMBOLICS 2015, S. 43) zurückgreifen, zukünftig jedoch „andere, oft mächtigere Verbündete“ (SZAMBOLICS 2015, S. 43) haben. So wird Öffentlichkeitsarbeit zukünftig „nicht mehr so stark von den Medien abhängig sein, da sie ihr Zielpublikum direkt durch soziale Netzwerke ansprechen und anziehen kann“ (SZAMBOLIC 2015, S. 50). Es reicht ein einfacher Mausklick um eine Pressemitteilung zu veröffentlichen und ungeprüfte Inhalte ins Netz zu stellen (vgl. RUß-MOHL 2011, S. 88). Trotzdem werden sich beide Teilsysteme zukünftig beeinflussen. Jedoch wird sich das Kräfteverhältnis verschieben. Es „zeichnen sich die Erosionen journalistischer Ansprüche als Folge der Ökonomisierung der Redaktionen und die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit als Teil der Mediatisierung von Wirtschaft und Politik als zwei besonders gewichtige Entwicklungen in der Medienwirklichkeit ab“ (WOLFF 1999, S.33. Volker Wolff beschreibt außerdem, dass die Gefahr bestünde, dass sich das „Kräfteverhältnis von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit nachhaltig zugunsten der Öffentlichkeitsarbeit [verschieben wird]“ WOLFF 1999, S. 33). Eine Studie der Journalistenvereinigung Netzwerk-Recherche kommt zu dem Ergebnis, dass die PR-Industrie den Journalismus zunehmend dominiert (vgl. NETZWERKRECHERCHE 2016). Thomas Leif, Vorsitzende des Netzwerk-Recherche sagt, dass „die PR-Industrie […] [den] Journalismus zunehmend [kolonialisiert]. Sie agiert immer geschickter und drängt mit ihren Botschaften in den redaktionellen Teil, um von der Glaubwürdigkeit der journalistischen Produkte zu profitieren“ (NETZWERKRECHERCHE 2016). Auch Thomas Schnedler vertritt die Meinung, dass „PR massiv aufgerüstet […] [und] der Journalismus gleichzeitig abgerüstet“ (SCHNEDLER 2006, S. 16) hat. Er beschreibt außerdem, dass ca. 30.000-50.000 PR-Mitarbeiter 48.000 Journalisten mit Informationen versorgen. Dabei hat sich die Zahl der PR-Mitarbeiter in den vergangenen Jahren fast verdoppelt und die der Journalisten ist weit zurückgegangen (vgl. SCHNEDLER 2006). In einem Interview mit Klaus Kocks im Rahmen der Ausarbeitung von Thomas Schnedler gibt Klaus Kocks an, dass „PR […] einen zunehmenden Einfluss auf die so genannten redaktionellen Inhalte [hat], da die Bereitschaft der Verleger, ihre eigenen Redaktionen ausreichend zu finanzieren abnimmt und die Redaktionskosten auf dritte Anbieter externalisiert“ (KOCKS zitiert nach SCHNEDLER 2006, S. 44).
Mehr anzeigen

92 Mehr lesen

Entgrenzungsphänomene des Journalismus bei regionalen Tageszeitungen

Entgrenzungsphänomene des Journalismus bei regionalen Tageszeitungen

Traditionelle journalistische Berufsbilder lösen sich auf und neue profilieren sich insbesondere im Zusammenhang mit auf dem Internet gestützten Vertriebsformen und Managementaufgaben. Weischenberg prognostiziert, dass sich neue Formen des Journalismus abzeichnen, die in Richtung Technisierung, Marketing, Unterhaltung und Public Relations tendieren. Auf Grund der wachsenden Durchdringung redaktioneller Produktionsprozesse mit digitalen Technologien haben sich in den letzten Jahrzehnten journalistische Tätigkeitsprofile gravierend verändert. Neben klassischen Tätigkeiten wie Recherchieren oder Redigieren treten technikbezogene Aufgaben hinzu. Viele Journalisten, die für Tageszeitungen arbeiten, gehen schon längst nicht mehr nur mit Block und Bleistift zu ihrem Ortstermin. Daneben haben sie immer häufiger eine Digitalkamera dabei, mit der sie Interviews und Ereignisse aufzeichnen, da sie neben dem Verfassen eines Artikels auch mit der Herstellung eines Videoclips beauftragt sind. In den Redaktionen finden sich zunehmend Positionen, die mit Computerspezialisten oder Informations- Designern besetzt sind. Sie sind weder mit typischen journalistischen Tätigkeiten beauftragt, noch verfügen sie über die dafür notwendige Ausbildung, gestalten aber doch wesentlich den Produktionsprozess mit. Durch die Funktions- und Strukturveränderung sowie eine verstärkte Nutzung der Online-Kommunikation entstehen zahlreiche neue Berufsbilder etwa im Bereich der Informationsbeschaffung oder Präsentation von Information. Dies sind Tendenzen auf dem deutschen Tageszeitungsmarkt, die bereits in den neunziger Jahren in den USA einsetzten und seit Anfang des Jahrzehntes auch den deutschen Tageszeitungsmarkt erreicht haben.
Mehr anzeigen

350 Mehr lesen

Wozu Non-Profit-Journalismus?

Wozu Non-Profit-Journalismus?

Akteure benötigen eine projektunabhängige, institutionelle Förderung: Dazu gehören z.B. Kosten für Büro, IT, Fortbildungen, Fundraising, Marketing oder auch schlicht Hotel- und Übernachtungskosten, Letztere insbesondere bei Projekten, die grenzüber- schreitend arbeiten, wie z.B. Correctiv, Investigate Europe. Eine institutionelle Förderung, die über längere Zeit gewährt wird, ermöglicht gleichermaßen Planungs- sicherheit und Flexibilität. Diese ist insofern wichtig, als es im Journalismus darauf ankommt, ein Thema langfristig verfolgen bzw. zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgreifen zu können. Förder*innen könnten in diesem Zusammenhang überlegen, ob sie Gründer*- innen mit lang anhaltenden Stipendien oder einem Grundeinkommen unterstützen.
Mehr anzeigen

64 Mehr lesen

Konfliktsensitiver Journalismus in Zeiten des Web 2.0

Konfliktsensitiver Journalismus in Zeiten des Web 2.0

Das Web 2.0 ist mit all seinen Erscheinungsformen und Phänomen aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Wie das vorherige Kapitel zeigt, ist auch seine Bedeu- tung für die Konfliktberichterstattung gewachsen. Insbesondere nutzergenerierte Inhal- te, sei es auf Blogs, in den sozialen Netzwerken oder in Form von Nutzerkommentaren zu der journalistischen Berichterstattung, stellen gleichzeitig ein riesiges Potenzial und ein unberechenbares Risiko zur Information der Gesellschaft und als Recherche- Grundlage für den Journalismus dar. In diesem Kapitel wird analysiert, welche Einflüs- se das Web 2.0 auf den konfliktsensitiven Journalismus hat. Dafür werden die Einflüsse des Web 2.0 auf die in Unterkapitel 5.1 bis 5.5 herausgearbeiteten Kriterien konfliktsen- sitiver Qualität untersucht (Unterkapitel 7.1). Darauf aufbauend werden Aufgaben for- muliert, die auf die Journalisten in der heutigen Zeit zukommen, um weiterhin konflikt- sensitiv zu berichten (Unterkapitel 7.2). Anschließend wird ein Vorschlag gemacht, wie Bilkes Modell für einen konfliktsensitiven Journalismus im Zeitalter des Web 2.0 aus- sehen könnte (Unterkapitel 7.3).
Mehr anzeigen

60 Mehr lesen

Glaubhafte Ermutigung : zur Zukunft des kritischen Journalismus

Glaubhafte Ermutigung : zur Zukunft des kritischen Journalismus

R OBERT J UNGK - 7 - _________________________________________________ auf die Straße gehen und schreien, und wenn man mir manchmal vorwirft, ich sei zu emotional, dann sage ich, seien Sie doch sachlich. Ich habe es jetzt wieder vor zwei Tagen in Köln erlebt in einer Auseinandersetzung mit einem der Manager von Nukem. Ich habe ihm gesagt, es geht ja nicht um Sachen, es geht um Menschen. Und da muß man eben doch sehr stark auch das Gefühlsmäßige betonen. Ich per- sönlich fühle mich aufgewühlt von dieser 'Perspektive' eines möglichen Endes, und ich meine, wir müssen alles tun, dage- gen anzugehen; und daß, was Ossietzky uns gezeigt und gelehrt hat, ist vielleicht einer der vielen möglichen Wege. Eine Veranstaltung wie diese hat nicht nur den Sinn, das Ver- gangene vor dem Vergessen zu bewahren, sondern auch aus ihm, für die Zukunft zu lernen. Tauchte Carl von Ossietzky als uneingeladener Gast plötzlich in Oldenburg auf, was würde er dann über den Zustand des Journalismus in der Bundesrepublik sagen, welche Befürchtungen und Hof- fnungen für die Zukunft könnte er äußern?
Mehr anzeigen

20 Mehr lesen

Zur Einführung: Bedeutung und Transformation von Journalismus und Journalismusforschung

Zur Einführung: Bedeutung und Transformation von Journalismus und Journalismusforschung

Relevanz und Fülle der Journalismusforschung sind in den letzten Jahren international enorm gestiegen. Dies hat einerseits mit dem Wandel durch die Digitalisierung von Medien und Gesellschaft zu tun – und andererseits mit der damit verbundenen Transformation und dem Bedeutungszuwachs ihres Forschungsgegenstands. Die Journalismusforschung hat sich aus dem Korsett „Kommunikatorforschung“ befreit, das ihr die allgemeine Kommunikationswissenschaft einst zugeschrieben hat: Mit neuem Selbstbewusstsein rückt sie einen ganzheitlichen Ansatz zur Erforschung und Analyse des Journalismus in der Gesellschaft in den Mittelpunkt. Sie entwickelt Theorien und Methoden weiter – und überdenkt ihr Verhältnis zum Journalismus. Diese Entwicklungen werfen einen neuen Bedarf an Selbstreflexion auf. Genau das hat die Fachgruppe Journalistik/Journalismusforschung der DGPuK auf ihrer Jahrestagung im September 2019 in Eichstätt getan. Unter dem Titel „Neujustierung der Journalistik/Journalismusforschung in der digitalen Gesellschaft“ gab die Eichstätter Tagung auch den Anstoß, ein Selbstverständnispapier zu entwickeln. Dieser Beitrag diskutiert den größeren Kontext der Tagung und führt in die Proceedings ein, in denen zentrale Tagungsbeiträge veröffentlicht sind.
Mehr anzeigen

9 Mehr lesen

MOnAMi | Grenzen des Undercover-Journalismus

MOnAMi | Grenzen des Undercover-Journalismus

Versuche von Firmen, teils auch auf Initiative von Anwaltskanzleien selbst, missliebige Undercover-Journalisten mit Schadensersatzklagen zu bekämpfen. Langfristig spielen daher in Unternehmen und Verlagen sicherlich auch Überlegungen eine Rolle, inwieweit sich Undercover-Reportagen noch lohnen, wenn mit langwierigen und kostenaufwendigen Folgeprozessen zu rechnen ist. 46 Eine untergeordnete Rolle spielen dabei auch Ansprüche auf Gegendarstellungen, die in den jeweiligen Landespressegesetzen geregelt sind. Demnach darf eine von einem Bericht betroffene Person oder Organisation sich im selben Medium an vergleichbarer Stelle und in vergleichbarer Aufmachung kostenlos artikulieren, beziehungsweise etwas richtig stellen dürfen. Dies kratzt zum einen am Prestige eines Medienunternehmens, da der Leser automatisch die Recherchequalität des Mediums in Frage stellt, und zum anderen wird dadurch Veröffentlichungsfläche vergeudet. Allerdings kommt es nur selten, in Fällen des Undercover-Journalismus bislang noch nie, zu einem Antrag bzw. zur Durchsetzung desselben, da die juristischen Hürden nicht unbedeutend sind. 47
Mehr anzeigen

65 Mehr lesen

Über europäische Öffentlichkeit und europäischen Journalismus

Über europäische Öffentlichkeit und europäischen Journalismus

Wenn in Redaktionen gespart werden muss, trifft das meist zuerst die Auslandsberichterstattung. Brüssel ist einfach weiter weg als die eigene Hauptstadt und der ei- gene lokale Kirchturm. Selbst wenn in den letzten Jahren ereignisbedingt mehr über die EU und die jeweiligen eu- ropäischen Nachbarländer berichtet wurde, so hat die Kompetenz der Berichterstattung oder gar deren aufklä- rerisch-kritische Qualität gewiss nicht zugenommen. Im Gegenteil, krisenbedingt brachen europaweit Nationalis- men, Klischees und Stereotype in den Medien durch, wie wir sie eigentlich nicht mehr für möglich gehalten hätten – seien das Pauschalurteile über ›die‹ faulen und krimi- nellen Griechen oder Italiener, seien das Versuche vieler Medien in Südeuropa, Angela Merkel in die Nazi-Ecke zu stellen und ›den‹ Deutschen neue Weltherrschaftsge- lüste anzudichten.
Mehr anzeigen

5 Mehr lesen

MOnAMi | Konstruktiver Journalismus im Nachhaltigkeitsbereich

MOnAMi | Konstruktiver Journalismus im Nachhaltigkeitsbereich

Haagerup nimmt sich der Konstruktive Journalismus einem Problem, Konflikt, Verfehlung, Betruges oder Opfers an und kritisiert, analysiert und debattiert diese. Darauf folgend wird ein Traum, eine Vision, eine Ideologie, ein Plan, eine Option oder eine Lösung vorgestellt. Dabei übernimmt der Journalist jedoch nicht die Rolle eines Machers. Ebenso vermeidet der Journalist es, dem Rezipienten Entscheidungen wegzunehmen oder aufzuzwingen. Die Rolle des Umsetzens und Entscheidens, was und wie etwas getan werden muss, liegt bei den Rezipienten. Der Journalist steht nur als Beobachter da, und versucht die Fakten zu sortieren und wiederzugeben. 62
Mehr anzeigen

53 Mehr lesen

Purzlgagl. Eine Vorwärtsrolle in den partizipativen Journalismus

Purzlgagl. Eine Vorwärtsrolle in den partizipativen Journalismus

Dies soll aber nicht bedeuten, dass partizipativer Journalismus vertrauenswürdiger ist als hauptberuflicher Journalismus. Besonders jenen Personen, die selten oder einmalig die Rolle eines_r Journalisten_in übernehmen, fehlt es meistens an einer einschlägigen Ausbildung. Die Verifizierbarkeit von Informationen, gerade wenn Medien als Alternative News mit Alternative Facts gekontert wird, ist essentiell und Grundlage qualitativ hochwertigen Journalismus. Parti- zipative und freie Medien können aber ein Katalysator für internationalen und nationalen Dia- log sein und Meinungspluralismus begünstigen, der Demokratie weiterentwickelt (Korson 2015, 364). Dies wird durch die Verbreitung von Informationen, die in größeren Medien kei- nen Platz finden, befördert. Zwar ist dadurch nicht automatisch eine größere Reichweite dieser Nachrichten gegeben, eine Adaption durch etablierte Medienhäuser kann diese jedoch forcie- ren, indem sie geprüfte und verifizierbare Inhalte freier und partizipativer Medien übernehmen und dadurch partizipativer Journalismus zur Brücke zwischen der Öffentlichkeit und dem me- dialen Betrieb wird.
Mehr anzeigen

5 Mehr lesen

Frauen und Männer im Journalismus. Eine historische Betrachtung

Frauen und Männer im Journalismus. Eine historische Betrachtung

Obgleich die Vorstellung unterschiedlicher Geschlechtscharaktere und sepa- rierter Wirkungssphären den Ausschluss von Frauen aus Staat, politischer Öffent- lichkeit und außerhäuslicher Erwerbssphäre ideologisch untermauerte, so barg sie doch auch Potenziale für den Einstieg von Frauen in den Journalismus – genauer: in einen Journalismus speziell für Frauen. Ausgehend von der Vorstellung, dass Männer kaum Zugang zu dem vermeintlich so ›anderen‹ Wesen der Frau hätten, wurde die Beratung von Frauen im Bereich des Emotionalen, Schöngeistigen und Hauswirtschaftlichen als Aufgabe weiblicher Journalistinnen angesehen. Dabei galt die parlierend-dialogische Aufbereitung von Themen – letztlich das, was heute wohl als ›unterhaltsam‹ apostrophiert werden würde – als besondere Kompetenz von Journalistinnen (vgl. Osborn 1896: 273). Diese Kompetenzzuweisung von außen ist aber noch zu ergänzen um die Anliegen der frühen Journalistinnen, nicht nur zu unterhalten, sondern auch zu nützen, d.h. sowohl moralische Botschaften als auch kulturelles Wissen zu vermitteln. Darüber hinaus reflektierten sie das herrschende Frauenleitbild, was in einigen der gut 100 Frauenzeitschriften des 18. Jahrhunderts auch mit viel Ironie durchsetzt geschah (vgl. Weckel 1998: 202; Krull 1939: 293-297).
Mehr anzeigen

33 Mehr lesen

Zwischen Infotainment und De-Professionalisierung: Welcher Journalismus in Zukunft unersetzbar bleibt

Zwischen Infotainment und De-Professionalisierung: Welcher Journalismus in Zukunft unersetzbar bleibt

Hier droht die Gefahr einer unheiligen Allianz. Denn die De-Professionalisierung kommt man- chen Verlegern als Sparargument nur zu sehr entgegen. Warum teure Redakteure beschäftigen, wenn unsere Leser quasi alleine das Blatt machen? Was so günstig wie Bürgerjournalismus gemacht wird, könnte doch auch ein Geschäftsmodell für professionelle Redaktionen sein, oder? Jedoch: Mit einem solchen Denken und Handeln wird unweigerlich die „Todesspirale des Journalismus“ in Gang gesetzt. Sie lautet: Wer an Recherche spart, verliert Leser. Wer an Kompetenz spart, verliert Interesse. Wer an Unabhängigkeit spart, verliert das Vertrauen der Leser.
Mehr anzeigen

10 Mehr lesen

Kompetenzentwicklung und Wissenserwerb durch Forschendes Lernen an einem Beispiel der Journalismus-Forschung

Kompetenzentwicklung und Wissenserwerb durch Forschendes Lernen an einem Beispiel der Journalismus-Forschung

In der ersten Sitzung des Seminars „Journalismus 2“ im Fachbereich Medien- produktion an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe ist die demokra- tische Entscheidung gefallen: In diesem Semester (WS 15/16) wird ein wissen- schaftlicher Sammelband zu aktuellen journalistischen Fragestellungen erarbeitet. Alternativ hätten auch einzelne journalistische Produkte (z. B. Zeitungsartikel, Web- Doku, Hörfunkreportage etc.) für unterschiedliche Medien erstellt und abgegeben werden können, jedoch gingen die Studierenden bewusst einen neuen Weg – sie entschieden sich für das Forschende Lernen. Die Studierenden sollten sich nicht durch passive Rezeption Wissen aneignen, sondern sich aktiv an der Wissenspro- duktion beteiligen. Die Lehr-Lern-Prozesse sollten den Lehrenden und die Studie- renden gleichermaßen einbeziehen (Kaufmann, 2017, S. 349).
Mehr anzeigen

12 Mehr lesen

Die fünfte Gewalt: Über digitale Öffentlichkeit und die Neuausrichtung von Journalismus und Politik

Die fünfte Gewalt: Über digitale Öffentlichkeit und die Neuausrichtung von Journalismus und Politik

Algorithmen – endliche Handlungsvorschriften, die nach einem bestimmten Schema Zeichen umformen – sind dabei das Prinzip, das der Digitalisierung und der neuen digitalen Öffentlich- keit zu Grunde liegt: Computer und digitale Geräte, Internetprotokolle und Softwareanwen- dungen, Datenbanken und Suchverfahren, all diese verschiedenen Bereiche eint, dass sie von Algorithmen getrieben werden. Ihre Anwendung, die hier nicht streng in ihrer informatischen Bedeutung gefasst werden soll, ist zu einer Kulturtechnik geworden, welche unsere Gesell- schaften massiv umformt. Den Journalismus zum Beispiel. In der modernen Demokratie hatte Journalismus zwei zentrale Aufgaben: Erstens soll er die Bevölkerung aufklären. Wüsste sie nicht dank einer freien Presse, was vor sich geht, wäre die Wahl, die eine Regierung legiti- miert, sinnlos. Zweitens klärt Journalismus auch die Regierenden auf. Durch Wahlen infor- miert (oder auch diszipliniert), finden sich die Regierenden gezwungen, die öffentliche Mei- nung zur Kenntnis zu nehmen. Eingeholt wird diese Meinung durch Journalisten. Seit dem Aufkommen von Internetplattformen wie Blogs oder Twitter unterhalten sich Bevölkerung und Politiker jedoch oft direkt. Beide surfen, kommentieren, holen Informationen ein und veröf- fentlichen ohne den Umweg über die Presse. Das ändert die politische Kultur einer Demokra- tie. Welche Funktion hat Journalismus in diesem neuen medialen Raum? Haben Algorithmen zusammen mit der neuen digitalen Öffentlichkeit die klassischen Aufgaben des Journalisten übernommen? Oder haben sie ihm neue Aufgaben gegeben? Sehen wir nach.
Mehr anzeigen

6 Mehr lesen

"Online-Journalismus vs. Online-PR: Neue Wege der Kommunikation" : eine Studie zur medienethischen Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von PR und Journalismus anhand der Online-Medien

"Online-Journalismus vs. Online-PR: Neue Wege der Kommunikation" : eine Studie zur medienethischen Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von PR und Journalismus anhand der Online-Medien

Als Gefahrenpunkte im Bereich der Online-PR beurteilt der Experte die erweiterte Transparenz und das Interesse an Detailwissen der Öffentlich- keit als ernstzunehmende Gefahr. Der Austausch der Rezipienten unterei- nander führe zum einen zu einem wachsenden Experten-Know-how und zum anderen zu einer nicht zu kontrollierenden Durchsichtigkeit des Unter- nehmens. Daher sei es essenziell interaktiv zu arbeiten und das Feedback der Rezipienten aufzunehmen, um Themen und Botschaften daran ausrich- ten und regulieren zu können. Hier zeige sich auch der fundamentalste Unterschied zur klassischen PR: auf die von der PR vermittelten Botschaf- ten erhält das Unternehmen nun ein breites Feedback. Dies sei früher nur sehr zeitverzögert durch einzelne veröffentlichte Leserbriefe möglich gewe- sen. Dennoch hießen die neuen Möglichkeiten der direkten Kommunikation mit den Teilöffentlichkeiten nicht, dass die PR die klassischen Medien nicht mehr brauche - die Glaubwürdigkeit der journalistischen Beiträge sei wei- terhin von großem Nutzen für die von der PR vermittelten Botschaften.
Mehr anzeigen

124 Mehr lesen

MOnAMi | Stories in Data : das Potential von Daten und ihr Einfluss auf den Journalismus

MOnAMi | Stories in Data : das Potential von Daten und ihr Einfluss auf den Journalismus

Trotz dieser für die Verhältnisse des Informationszeitalters langsamen Entwicklung, wird Open Government und die Open-Data-Bewegung in der Zukunft eine wichtige Rolle für die Gesellschaft spielen. Datenkompetenz vorausgesetzt, haben Journalisten anhand der vielschichtigen Veränderungen jetzt die Möglichkeit, die komplexer gewordene Gesellschaft besser erklären zu können, als jemals zuvor. Auf der einen Seite wird dadurch ein Zuwachs datengestützter Berichterstattung und von Datenvisualisierungen stattfinden. Auf der anderen Seite werden Journalisten zunehmend mit einem sich verändernden Berufsalltag konfrontiert werden. Denn da Daten stärker in den Fokus journalistischer Arbeit rücken, wird neben Recherche und Schreibarbeit auch die Arbeit mit Daten, einschließlich deren Aggregation, Management, Pflege und das Suchen nach Geschichten in den Daten eine essentielle Aufgabe von Journalisten werden. Diese Anforderungen an den Journalismus sammeln sich in dem neuen Arbeitsfeld des Datenjournalismus, der die journalistische Berichterstattung auf Grundlage von Daten als Fundament der Informations- und Wissens- vermittlung fokussiert.
Mehr anzeigen

81 Mehr lesen

Journalismus in Bulgarien siebzehn Jahre nach dem Systemwechsel

Journalismus in Bulgarien siebzehn Jahre nach dem Systemwechsel

politischer oder wirtschaftlicher Relevanz bekanntzumachen. Er versteht sich als gerecht urteilende Instanz, die sich dazu berufen fühlt, Unstimmigkeiten und Schwachstellen in der sich noch transformierenden bulgarischen Gesellschaft zu entdecken. Mit diesem Verständnis ähnelt dieser Typus etwa dem investigativen Journalisten aus der deutschen Kommunikationsforschung. Der Detektiv sieht sich als Antagonist zu Politikern und schlägt sich auf die Seite des Volkes. Er berichtet dementsprechend für ein schwaches, hilfsloses Publikum, das bei ihm Hilfe sucht. Bei allen vier Typen ist auffallend, dass ihre Arbeitsziele stark an den westlichen normativen Erwartungen ausgerichtet sind. Fast keiner der Befragten fühlt sich ausschließlich nur einer Partei verpflichtet, alle verfolgen eine ausgewogene Berichterstattung. Auch wenn interpretative und meinungsorientierte Leistungen im Zentrum des Aufgabenverständnisses stehen, geht es keinem der Typen darum, seine persönlichen Ansichten und Überzeugungen mitzuteilen und versteckte Meinungsmache zu betreiben. Sie kommentieren oder analysieren politische Ereignisse nicht nach bewusst subjektiven Standpunkten, sondern versuchen, das Thema aus vielen Perspektiven zu beleuchten, Argumente abzuwägen, Diskussionen anzuregen und dem Publikum letztendlich zu ermöglichen, sich sein eigenes Urteil zu bilden. Es kann aus den Aussagen der Befragten geschlossen werden, dass sie heute, siebzehn Jahre nach der Wende, ihren Beruf als Dienst am Bürger und nicht an der Politik verstehen und den westlichen Erwartungen eines demokratischen Journalismus erfüllen.
Mehr anzeigen

139 Mehr lesen

Anzeige von Journalismus und Frieden- Aufgaben der Konfliktberichterstattung

Anzeige von Journalismus und Frieden- Aufgaben der Konfliktberichterstattung

Bürger ausgerichtet. Diese Verantwortung der Medien hat in rechtlich- normative Grundlagen Eingang gefunden, die das Fundament einer journalistischen Ethik bilden können: Sie fordern eine überparteiliche Ausrichtung an Werten wie Frieden, Demokratie und Menschenrechten. (1) Die vorherrschende Krisen- und Kriegsberichterstattung aber arbeitet mit einem Objektivitätsbegriff, der Überparteilichkeit erschwert. Leicht zugängliche Quellen wie politische und militärische Entscheidungsträger werden begünstigt, ihre Feindbilder und Konfliktwahrnehmungen werden reflektiert. (2) Diese Art von Berichterstattung prägt die Konfliktwahrnehmung und kann in einer globalisierten Welt auch realpolitische Folgen haben. (3) Journalismus braucht zur Wahrnehmung seiner öffentlichen Aufgabe Strategien für eine überparteiliche, konstruktive Konfliktberichterstattung, die „Friedensjournalismus“ genannt werden kann. (4) Diese Leitlinien lassen sich immer nur in einer konkreten Situation präzisieren, denn sie müssen angepasst werden an den Eskalationsgrad des Konfliktes und die eigenen Arbeitsbedingungen. (5) Die zu entwickelnde journalistische Ethik beinhaltet einen individualethischen Kern, muss aber eingebettet werden in das gesellschaftliche und organisationale Umfeld: Zentral erscheint dabei die Einbeziehung des Publikums. (6)
Mehr anzeigen

13 Mehr lesen

Show all 5609 documents...