Nach oben pdf Zur Aktualität der Psychoanalyse für die Sozialwissenschaften

Zur Aktualität der Psychoanalyse für die Sozialwissenschaften

Zur Aktualität der Psychoanalyse für die Sozialwissenschaften

Gast konstatiert zunächst, dass die Verbindung zwischen den Sozialwissen­ schalten u n d der Psychoanalyse „zerbro­ chen“ seien, um dann, sprachlich elegant, die N otw endigkeit der W iederannähe­ rung zu entfalten. So b eto n t sie die Nähe der Subjektauffassungen von Psychoana­ lyse u n d Sozialwissenschalten, soweit sie sich in der Tradition von Aufklärung u nd K ritik sehen u n d zitiert als hervorragende Referenz „Das Andere der V ernunft“ von H artm u t u nd G ernot Böhme, eine stark psychoanalytisch inspirierte Studie zu Kant. Die Einzigartigkeit der Psychoana­ lyse bestehe nicht zuletzt darin, dass sie ihre E rkenntnism ethoden auch auf die erkennenden Subjekte anwende u nd dam it auch den Sozialwissenschaften eine eige­ nen Erkenntnistheorie un d M ethodolo­ gie anbiete. Die letzten Sätze des Beitrages geben eine sehr selbstbewusste A ntw ort auf die Ausgangsfrage, „Warum die Sozi­ alwissenschaften die Psychoanalyse brau­ chen“: „Vor allem, weÜ psychoanalytisches D enken nicht n u r sich selbst, sondern auch die Sozialwissenschaften davor schützt, vom Augenschein überw ältigt zu werden u n d vor dem „Absolutismus der W irklich­ keit“ (Blumenberg 1979) (31).
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Zur Aktualität des Abolitionismus als Denkweise 
mit Möglichkeitssinn

Zur Aktualität des Abolitionismus als Denkweise mit Möglichkeitssinn

Die gänzliche Abschaffung einer Institution, gar erweitert auf „Herrschaft durch Verdinglichung“, wird heute von keiner sozialen Bewegung getragen; auch historisch haben Abolitionisten eher selten ihr Programm der Abolition erweitert. Die bürgerlichen M oralisten in den Vereinigten Staaten, die sich mit der Institution der Sklaverei nicht abfmden wollten, haben die Abschaffung der Sklaverei m it einem Bürgerkrieg durchgesetzt. Kriege können ohne die Dehumanisierung des Feindes nicht geführt werden. Dieses extreme Beispiel für die Widersprüche des Abolitionismus weist darauf hin, dass Abolitionis­ mus verschiedener Erweiterungen bedarf, um überhaupt von Abschaffung von Herrschaft (ob „zusätzlich“ oder nicht) sprechen zu können. Die A rbeit an Er­ weiterungen abolitionistischen Denkens kann derzeit vom „akademischen Ab­ olitionismus“ übernommen werden - einfach durch das, was Wissenschaftlerin- nen und Wissenschaftler in Lehre und Sozialforschung tun. Das nicht zuletzt, weil im Bereich von W issenschaft die Bedingungen der M öglichkeit, aus einer abolitionistischen Perspektive zu denken, trotz der kulturindustriellen Verwer­ tungsbedingungen von W issensarbeit noch nicht derart verschwunden sind, wie dies in anderen Feldern aufgrund des autoritären Populismus zu beobachten ist. Dokumentationen des widerständigen Nachdenkens reflexiv aufzuarbeiten, ge­ hört zu den „Kernaufgaben“ von Wissenschaft. Jede Liste für ein Programm ist erweiterungsbedürftig, ich w ill aber den Versuch machen, Dinge zu benennen, für die die Position von Thomas Mathiesen „On saying N o!“ und die Konzep­ tion von reflexiver K ritik in den Sozialwissenschaften höchst aktuell sind.
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Zur Aktualität der klassischen Bildung (1971)

Zur Aktualität der klassischen Bildung (1971)

der Lächerlichkeit, sofern unter Bildung noch mehr verstanden wird als die Er- zeugung bewußtloser Anpassungsperfektionisten, die für jede Herrschaft produ- zieren. Die Dimension des Bewußtseins übergreift den geschichtlichen Augen- blick. Es darf hier ein zweites Beispiel hinzugefügt werden, weil es unmittelbar gegenwärtig ist. Die Nomenklatur der Psychoanalyse ist überhaupt nicht denkbar ohne den griechischen Mythos und die griechische Tragödie, deren souveräner Kenner Sigmund Freud war; Ödipus und Elektra gewinnen durch ihre psycho- analytische Wissenschaftssäkularisierung ebenso eine völlig neue und doch aus dem Ursprung gegriffene Bedeutung wie Demokrit über Marx. Erst die weiter- wirkende Geschichte enthüllt hier eine sich stetig erneuernde Gewalt des antiken Denkens. Eben dies beweist, daß das Bewußtsein mehr ist als der Reflex seiner Umstände. Das große Bewußtsein definiert sich stets und auf eine höchst revo- lutionäre Weise aufs neue; die Antizipation des Menschen durch die Antike ge- winnt erst mit der menschlichen Geschichte ihren ganzen Inhalt.
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Zur Aktualität Kritischer Theorie

Zur Aktualität Kritischer Theorie

Das Institut für Sozialforschung hat sich in einem wissenschaftlichen Feld platziert, das zum damaligen Zeitpunkt noch stark philosophisch geprägt und kaum ausdifferenziert war. Der interdisziplinäre Anspruch des Instituts und die klare normative Ausrichtung der Forschung waren fraglos ein Novum. Betrachtet man die Politik des Instituts unter histo- rischen Gesichtspunkten, war die Gründung einer marxistischen Sozialforschungseinrich- tung ein in vielerlei Hinsicht durchschlagender Erfolg: Die Institutsmitglieder haben eine gesellschaftstheoretisch fundierte Forschung in Deutschland überhaupt erst etabliert; sie haben im Exil angewandte Methoden empirischer Sozialforschung in Deutschland popu- larisiert und mit dem Gruppenexperiment von 1950/1955 einer Methode ihren Namen ge- geben. Sie haben eine Auseinandersetzung über erkenntnistheoretische und methodische Fragen nicht nur befördern können, sondern haben im Feld der Sozialwissenschaften eine
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Psychodynamische Beratung: Ein Anwendungsgebiet der Psychoanalyse

Psychodynamische Beratung: Ein Anwendungsgebiet der Psychoanalyse

Durchsprechen und Projektbildung: Auch wenn davon ausgegangen werden kann, dass Klienten zumindest eine selektive Beeinträchtigung ihres Kompetenz- gefühls empfinden, sind die Behandlungsmethoden so angelegt, dass sie regressive Neigungen der Klienten bewusst begrenzen. Durch das Setting, aber auch durch die aktivere Haltung des Beraters wird einer Regressionsneigung der Klienten ge- gengesteuert. Der Berater bietet sich dem Klienten nicht als Objekt frühkindlicher Übertragungswünsche an, sondern tritt als konsequenter Förderer der Selbsthei- lungskräfte auf. Die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der Klienten bleiben so gewahrt. Dies äußert sich auch darin, dass dem Klienten schneller, als dies in the- rapeutischen Prozessen geschieht, Verantwortungsübernahme für ihr Verhalten abverlangt wird. Für die in der Psychoanalyse praktizierte Durcharbeitung der Konflikte bleibt in den kurzen Beratungsprozessen kein Raum, von daher kann man nur von einem fokussierten Durchsprechen der Konflikte sprechen. Darüber hinaus wird die Hinwendung zur Planung von Verhaltensalternativen in den sozi- alen Problembereichen des Klienten angeregt (Houben, 1984). Teilweise werden sogar konkrete Projekte mit dem Klienten vereinbart, die überschaubare Verhal- tensaufgaben beinhalten und der Förderung einer progressiven Entwicklungsrich- tung dienen (Volger, 1998). Die in diesen Projekten gemachten Erfahrungen des Klienten werden in der Beratung reflektiert, um die durch die äußeren Verände- rungen angestoßenen inneren Konflikte zu benennen und zu bearbeiten.
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Tagungsbericht: Die Psychoanalyse und ihre Bildung

Tagungsbericht: Die Psychoanalyse und ihre Bildung

Tagungsberichte Die Psychoanalyse und ihre Bildung 165 habe. Im Vergleich mit der chinesischen Kultur wies er als Beispiele auf die im westlichen Denken wichtigen Begriffe der «Wahrheit» und der «Identität» hin, die in der Psychoanalyse ebenfalls von zentraler Bedeutung sind. Ein Hinweis auf die Ethnopsychoanalyse, der an dieser Stelle angemessen gewesen wäre, fehlte leider.

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Medienkulturwissenschaft –
Zur Aktualität eines interdisziplinären Faches

Medienkulturwissenschaft – Zur Aktualität eines interdisziplinären Faches

Wie aktuell die Diskussion über das bloße Leben ist, zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass Walter M. Buergel, der Kurator der documenta 12, diesen Begriff sogar zu einer der Leitideen der für 2007 geplanten Ausstellung gemacht hat. Ganz sicher dürfte ein Grund dieser Aktualität darin zu suchen sein, dass wir immer mehr damit konfrontiert sind, dass Zonen einer Unbestimmtheit zwischen Kultur und Natur entstehen. Wie behandelt man Menschen, die auf der Flucht sind und nicht die Rechte einfordern können, die einem Bür- ger eines Landes zugesprochen sind? Gewährt man ihnen wirkliches Asyl, oder schließt man sie davon aus, bringt sie in Lager unter, schickt sie mit dem Flugzeug zurück? Was für Folgen hat es für die Menschenrechte, dass die USA seit 2002 rund 500 Menschen im Lager Guantánamo ohne Anklage und ohne jeden Rechtsbeistand gefangen halten? Unbestimmtheitszonen entstehen aber auch in Bereichen ganz anderer Überschreitungen ehedem einigermaßen klarer Grenzen zwischen Natur und Kultur, so zum Beispiel in der Biogenetik und der Stammzellforschung. Woher können wir die Kriterien nehmen, die uns diese Produktion von Leben beurteilen und gegebenenfalls ihre Grenzen bestimmen lassen? Eine ähnliche Unbestimmtheit hat die Medizin mit ihren lebenserhaltenden Ap- paraten hergestellt. Sie hat eine früher relativ sichere Grenze zwischen Leben und Tod unbestimmt gemacht.
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Junge Psychoanalyse am PSZ

Junge Psychoanalyse am PSZ

und menschlichem Leid auch weiterhin ihren Platz in der Gesellschaft haben wird. Ebenso sind wir der Überzeugung, dass die von uns als Stärken wahrgenommenen Besonderheiten der Ausbildung am PSZ angesichts der steigenden Tendenz zu verschulten Ausbildungsgängen auch weiterhin über Anziehungskraft verfügen. Ein aktives und selbstbewusstes Zugehen auf Studierende scheint uns hier jedoch dringend notwendig. Aus diesem Grund setzen wir uns ein für eine stärkere Präsenz einer «jungen Psychoanalyse» an Universitäten und Fachhochschulen und entwer- fen derzeit gemeinsam mit erfahreneren PSZ-TeilnehmerInnen spezielle Angebote für Studierende. Geplant sind etwa die Einführung von Schnuppersemestern, die Möglichkeit zur Teilnahme an Intervisionsgruppen sowie Einführungskurse, in denen Studierenden ein praxisorientierter Einblick in die tägliche Arbeit von PsychoanalytikerInnen ermöglicht werden soll.
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Zur Aktualität der Bildungstheorie Wilhelm Flitners

Zur Aktualität der Bildungstheorie Wilhelm Flitners

Marotzki, Winfried: Zur Aktualität der Bildungstheorie Wilhelm Flitners - In: Peukert, Helmut [Hrsg.]; Scheuerl, Hans [Hrsg.]: Wilhelm Flitner und die Frage nach einer allgemeinen Erziehungswissenschaft im 20. Jahrhundert. Weinheim ; Basel : Beltz 1991, S. 71-81 - URN: urn:nbn:de:0111-pedocs-219777 - http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0111-pedocs-219777

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? ????? ?????? – Begegnungen mit der russischen Psychoanalyse

? ????? ?????? – Begegnungen mit der russischen Psychoanalyse

Die Geschichte der russischen Psychoanalyse Einige Exponenten der internationalen psychoanalytischen Bewegung stammen aus Russland. Lou Andreas-Salomé (1861–1937) wuchs in St. Petersburg auf und war eine enge Vertraute Freuds, Max Eitingon (1881–1943) wurde von Freud kurz analysiert, liess sich in Berlin nieder und gründete dort 1920 die psy- choanalytische Poliklinik, die erste Institution dieser Art weltweit. Er finanzierte mit seinem Familienvermögen in grossem Umfang sowohl diese als auch den Internationalen Psychoanalytischen Verlag. Sabina Spielrein (1885–1942) inspi- rierte Freud mit ihrer Schrift «Die Destruktion als Ursache des Werdens» (1912) zur Idee des Todestriebs. Sie war acht Monate lang die Psychoanalytikerin von Jean Piaget, wirkte ab 1923 in Moskau und danach bis zu ihrer Ermordung durch die Nazis in Rostow am Don. Moshe Wulff (1878–1971) war einer der Gründer der Russischen Psychoanalytischen Vereinigung. Er emigrierte 1933 nach Palästina und wurde nach Eitingons Tod Präsident der Israelischen Psychoanalytischen Gesellschaft.
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Entwicklungsaufgaben des Älterwerdens für die Psychoanalyse

Entwicklungsaufgaben des Älterwerdens für die Psychoanalyse

Marie-Luise Hermann (Zürich) Zusammenfassung: Mit steigender Lebenserwartung differenzieren sich die Lebensphasen des Alters. Die ersten geburtenstarken Jahrgänge der «Wohlstands- Babyboomer» haben das Alter von 60 Jahren erreicht und stellen die Psychiatrie und Psychotherapie vor neue Aufgaben. Psychoanalytische Konzepte und Erfahrung mit Psychotherapie im Alter ermöglichen ein vielfältiges Verständnis der Alternsprozesse. Dem entgegen steht nach wie vor ein «Vermeidungsbündnis»: eine spürbare Abwehr des Themas Alter in Institutionen, unter BehandlerInnen und PatientInnen. Die «Entwicklungsaufgaben des Alters» werden daher auch auf die eigene Disziplin angewendet, um Schwierigkeiten des Älterwerdens und deren Abwehrformen sichtbar zu machen. Stationäre Behandlungserfahrungen zeigen Möglichkeiten zur Überwindung auf, aber auch die anspruchsvolle Arbeit mit komplexen Lebenslagen, die ein psychoanalytisches Verständnis brauchen. Schlüsselwörter: Psychotherapie im Alter, Psychoanalyse und Altern,
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Psychoanalyse – >Ersatz< des Sozialen?

Psychoanalyse – >Ersatz< des Sozialen?

liMWederhoümi doppelsinnig; sie hat ein Janusgesicht mit einer Seite nach der Vergangenheit und einer nach der Zukunft hin; sie ist eben nicht bloß eine Reproduktion, sondern zugleich ei[r]

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Theorien der Arbeitsbeziehungen: Entwicklung und Aktualität

Theorien der Arbeitsbeziehungen: Entwicklung und Aktualität

allerdings nicht als starr und unwandelbar zu begreifen, sondern verändern sich in Reaktion auf Strukturwandlungen im realen Be¬ reich. Ein dauerhaftes Gleichgewicht zwischen Basiskonsens, Ver¬ fahrenskonsens und Teilideologien erscheint schon aus diesem Grund unwahrscheinlich. Zur Konkretisierung dieses Zusammenhangs sei auf die erneute Aktualität des vor drei Jahrzehnten von Perlmann entwickelten Konzeptes der "scarcity consciousness" für Bewußt¬ sein und Selbstverständnis von Gewerkschaften verwiesen (Sorge um

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"Künstliche Intelligenz" und Psychoanalyse: eine "Messalliance"?

"Künstliche Intelligenz" und Psychoanalyse: eine "Messalliance"?

Im Winterheft 1988 des "DAEDALUS", dem Journal of the American Academy of Art and Sciences, findet sich unter verschiedenen Aufsätzen zur "Artificial Intelligence" ein Beitrag von Sherry Turkle mit dem Titel: "Artificial Intelligence and Psychoanalysis: a new alliance" - ohne Fragezeichen! -, womit ihr Standpunkt auch schon markiert ist. Ein Wort zur Autorin: Sherry Turkle ist Psychologin und Soziologin, Professorin am Massachusetts Institute of Technology (MIT), einem der Ältesten und angesehensten Forschungstätten der Computerwissenschaften und der Künstlichen Intelligenz (KI). Vor ihrer Hinwendung zu Fragen der psychischen Folgen und der Implikationen der Computerisierung veröffentlichte sie eine Studie zur Psychoanalyse in Frankreich mit dem Titel "Psychoanalytic Politics: Freud's French Revolution". In Deutschland einschlägig bekannt wurde sie jedoch erst durch ihr Buch "The Second Self: Computers and the Human Spirit" - auf deutsch: "Die Wunschmaschine" (1984/1986) 2
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Das Erfordernis der Aktualität bei Aktuellen Stunden

Das Erfordernis der Aktualität bei Aktuellen Stunden

Dass ein Antrag für eine Aktuelle Stunde zulässig ist, obwohl zu dem gleichen Thema ein weiterer Beratungsgegenstand eingebracht worden ist, wird auch durch die Geschäftsord- nung selbst gestützt, die eben gerade nicht davon ausgeht, dass die Aktualität eines The- mas für die Aktuelle Stunde deshalb entfällt, weil ein Beratungsgegenstand zu dem glei- chen Thema auf der Tagesordnung steht oder zumindest eingebracht worden ist. Dies er- gibt sich insbesondere aus den Zeitabläufen, die in der Geschäftsordnung für die Vorberei- tung einer Plenarsitzung vorgesehen sind.

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Jesus und Ödipus - Zur Psychoanalyse der Religion

Jesus und Ödipus - Zur Psychoanalyse der Religion

Wo die Sexualität dermaßen mit Hilfe von Verboten eingekreist oder verdrängt werden soll, müssen nach den Einsichten der Psychoanalyse massive Kastrationsproblematiken und mit ihnen verbundene Ängste wirksam sein. Wo die Sexualität so extrem abgewehrt wird, muß man insgeheim Mächten verfallen sein, von denen Kastrationsdrohungen ausgehen, oder die den Willen repräsentieren, sich ihnen zu unterwerfen. Alle psychischen Hemmungen der männlichen Sexualität haben für Freud etwas mit Kastrationsängsten und ihrer Verarbeitung zu tun, die freilich üblicherweise bei Erwachsenen durch Verdrängungsprozesse unbewußt geworden sind. Gibt es in der Bibel Hinweise auf diesen Zusammenhang? Liest man die Lehrbücher der Apostel, so fällt auf, daß in ihnen ausgiebig das Problem der Beschneidung behandelt wird. Es wird die Frage aufgeworfen, ob sich die Christen wie die Juden weiterhin einer Beschneidung unterziehen lassen sollen, oder ob das mit der neuen Lehre hinfällig sei. Die Psychoanalyse hat aufgedeckt, daß die Beschneidung als symbolische Kastration interpretiert werden kann. „Die Beschneidung wird von den Menschen unbewußterweise der Kastration gleichgesetzt.“ 73 Mit ihrer Hilfe können väterliche Autoritäten nachkommende männliche Wesen zur Unterwerfung unter ihre Gesetze zwingen. Die jüdische Sitte der Beschneidung bedeutet eine symbolische Unterwerfung unter die Autorität des Vatergottes. „Die Beschneidung ist der symbolische Ersatz der Kastration, die der Urvater einst aus der Fülle seiner Machtvollkommenheit über die Söhne verhängt hatte, und wer dies Symbol annahm, zeigte damit, daß er bereit war, sich dem Willen des Vaters zu unterwerfen, auch wenn er ihm das schmerzlichste Opfer auferlegte.“ 74 Indem die jüdischen Gläubigen mit der Beschneidung gewissermaßen die Macht Gottes über Leben und Tod anerkennen, kann Gott ein Bündnis mit ihnen eingehen, das ihren Schutz
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Lühmann Bildung Psychoanalyse Literatur

Lühmann Bildung Psychoanalyse Literatur

Wo nicht wegzusperren, so doch we- nigsten zu benennen, in seinem Ablauf zu verstehen, auch wenn es nicht immer bestraft, nicht seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann. K[r]

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Verständigungsschwierigkeiten. Mit Wittgenstein und Psychoanalyse

Verständigungsschwierigkeiten. Mit Wittgenstein und Psychoanalyse

Ergebnis: Es ist kein Geheimnis, wie Hirnzellen und seelische Befindlichkeiten zusammenhängen. Im Prinzip ebenso wie Pixeln und GUIs. Zuerst wird eine Korre­ lation zwischen verschieden segmentierten Sachverhaltstypen aufgebaut, dann werden Brücken definiert. „Ab dieser Anzahl ausgefallener Bildpunkte ist der Moni­ tor unverkäuflich.“ Was haben Bildpunkte mit Verkäuflichkeit und Medikamente mit Bewusstsein zu tun? Soviel wir wollen. Im wissenschaftlichen Gebrauch sind ein­ schränkende Bedingungen erwünscht. Ein begriffliches Regime, das die Kompati­ bilitäten festlegt, muss ins Detail gehen. Die Ansicht Mark Solms’ ist darum zu kor­ rigieren. Die Neurowissenschaften und die Psychoanalyse arbeiten nicht an einer un­ abhängig von beiden gegebenen Sache – „der Theorie des Mentalen“ –, als wäre das ein Berg, der von verschiedenen Himmelsrichtungen aus sichtbar ist. Ein gemein­ samer Bezugspunkt kann nur in den Ergebnissen von Koordinationsleistungen be­ stehen. Der Elefant ist nicht an sich gegeben, sodass die Forschergruppe sich seinen Rüssel oder Hinterteil aussuchen könnte. Er besteht aus Koordination. Das erste Bild operiert mit einer Landschaft und zwei auf sie applizierbaren Landkarten. Korrekt ist diese Modifikation: Zwei Landkarten, übereinander gelegt, definieren durch ihre Koinzidenzen ein gemeinsames Territorium.
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Der Beitrag der Psychoanalyse zur Sozialisationstheorie

Der Beitrag der Psychoanalyse zur Sozialisationstheorie

der Version der Schule Lacans. Die gesamte psychodynamische Entwick­ lung von Kindern von der primären Liebe über die Triangulierung bis zur Adoleszenzs erscheint in ihrer Dar[r]

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Psychoanalyse auf Arabisch

Psychoanalyse auf Arabisch

Schülein zufolge (ebd., S. 259 f.) geht es in der Pionierphase darum, für ein noch unentwickeltes Thema inhaltlich Profil und Terrain zu erarbeiten und sozial abzusichern. Natürlich kann der Psychoanalyse nicht nachgesagt werden, dass sie ein inhaltlich unentwickeltes Thema sei. Im arabischen Kontext mit seinen quantitativ wenigen psychoanalytisch Tätigen ist die Rezeption und Etablierung der Psychoanalyse aus einer sozialen Perspektive dennoch als rudimentär zu bezeich­ nen. Der Psychoanalyse als Wissenschaft, Sozialorganisation und Berufsstand fehlt es in diesem Kontext in vieler Hinsicht an klaren Konturen. Für die Pioniere der ersten Phase wichtig sind Eigenschaften, die diese befähigen – trotz Widerstand von Institutionen und Gruppen –, gegen den «Sog der herrschenden Normalität eine abweichende Linie zu verfolgen», auch wenn diese Innovation «noch nicht als präzise Alternative definiert ist» (ebd., S. 259). Die Pioniersituation zeichnet sich daher thematisch wie sozial durch «unentwegtes Improvisieren» aus. Die «Fähigkeit zu skrupellosem Ausprobieren, zu schnellen Umstellungen und zum Aushalten von Disparitäten» macht so gesehen den Sozialtyp des Pioniers bzw. der Pionierin aus (ebd., S. 260). Viele dieser beschriebenen Züge lassen sich bei Nached ausmachen.
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