Nach oben pdf OPUS 4 | Verständnis des Rechts

OPUS 4 | Verständnis des Rechts

OPUS 4 | Verständnis des Rechts

Verständnis des Rechts 195 lauf, die divergierenden Doktrinen und Judikaturen zu sammeln und zu ordnen. Doch führte die Ordnung des juridischen Wissens gerade nicht zum eindeutigen Verstehen. Vielmehr zerbrach diese Ordnung – in Europa zu unterschiedlichen Zeiten zwischen dem 18. und 20. Jahr- hundert – sowohl in alphabetischer als auch in systematischer Form und überließ den Gesetzbüchern die Herausforderung des Verstanden- werdens. Der Code civil und das BGB sind die emblematischen Pro- dukte dieser neuesten legislatorischen Ära. Sie bilden auch die Gegen- pole im Verständlichkeitsdrama der jüngeren Rechtsgeschichte. Der Code civil – volkstümlich und lebensnah, verständlich. Das BGB – abs- trakt und lebensfern, unverständlich. Eine Illusion, wie jetzt mehr und mehr decouvriert wird, eine Illusion hinsichtlich der professionellen und populären Verständlichkeit des Code civil.
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OPUS 4 | Systeme verstehen Systeme : zur Debatte zwischen rechtstheoretischer und linguistischer Beobachtung des Rechts

OPUS 4 | Systeme verstehen Systeme : zur Debatte zwischen rechtstheoretischer und linguistischer Beobachtung des Rechts

Wenn die Rechtswissenschaft auf die Sprachwissenschaft trifft, wird es ernst. Denn es geht dann meist um das, womit wir uns alle verständi- gen, die Sprache. Gleichwohl werden die Beiträge von Regina Ogorek, Dieter Simon und Wolfgang Klein nicht nur mir intellektuelles Ver- gnügen und Lesefreude bereitet haben. In akademischen Kontexten ist dies ein seltenes Verdienst. Doch gilt in der Wissenschaft, anders als in Feuilleton oder Belletristik, wo, wie man weiß, zuweilen eine Wahrheit zugunsten der schönen Formulierung weggeschenkt werden darf: Das Geschriebene muss schön und korrekt sein. Aber können Gesetze, Ver- träge, allgemeine Geschäftsbedingungen überhaupt schön, mindestens aber verständlich und zugleich juristisch korrekt verfasst werden? Und: Liegt genau hier das zentrale Problem für Legitimation und Akzeptanz des Rechts?
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OPUS 4 | Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern an Kreuzungen durch rechts abbiegende Lkw

OPUS 4 | Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern an Kreuzungen durch rechts abbiegende Lkw

Neben der grundsätzlichen Sichtbarkeit eines Ob- jektes spielt seine Größe eine entscheidende Rolle. Gerade bei Kindern ist die Körpergröße ein ent- scheidender Grund für eine schlechtere Sichtbar- keit. Andere Objekte und Verkehrsteilnehmer be- trifft dies in entsprechendem Maße genauso. Je kleiner ein Objekt ist, desto weiter weg vom Lkw muss es sich befinden, um nicht im Nahbereich des Lkw im Sichtschatten zu verschwinden. In Bild 14 ist sowohl die Seitenansicht als auch die Drauf- sicht der Sichtschatten erkennbar. Dieser Sicht- schatten ist für Objekte bis 1,6 m aufgeführt. Dies bedeutet, dass in dem schraffierten Bereich alle Objekte mit einer Höhe von weniger als 1,6 m für den Fahrer verdeckt sind. Der abgebildete Radfah- rer ist nicht erkennbar, weil der höchste Punkt (Kopfhöhe = 1,6 m) innerhalb des Sichtschattens liegt. Das Vorderrad befindet sich zwar außerhalb des gezeichneten Sichtschattens, weist aber nicht die entsprechende Höhe auf, um sichtbar zu sein. Problematisch ist die Sichtbarkeit kleiner Objekte im Spiegel dann, wenn die Objektgröße im Spiegel selbst nur noch sehr gering ist und nahe an die Un- tergrenze der Erkennbarkeit herankommt. Dies ist besonders bei den Weitwinkelspiegeln ein Pro- blem. Diese Spiegel vergrößern über die Krüm- mung zwar den Sichtwinkel, gleichzeitig wird aber die Objektgröße im Spiegel reduziert. Die Wahr- nehmbarkeit wird dadurch sehr eingeschränkt. Diese Problematik gilt in ähnlicher Weise auch für Objekte mit geringem Kontrast zur Umgebung. Der Fahrer muss in dem nachgestellten Beispiel aus Bild 61 das Motorrad mit dem Aufsassen nicht un- bedingt direkt wahrnehmen. Nur der obere Teil des Helmes ist durch die Frontscheibe sichtbar. Die weiße Helmfarbe bildet aber einen sehr guten Kon- trast zu den Hintergrundfarben und zum Armatu- renbrett, wodurch eine hohe Auffälligkeit entsteht. Der komplementäre Effekt wird durch eine für die Situation ungünstig gefärbte Lederkombi verdeut- licht. Sie ist in dem rechtsseitigen Rampenspiegel dann sichtbar, wenn sie zur Umgebung einen hin- reichenden Kontrast aufweist (Originalsituation: grüne Kombi vor grünem Hintergrund), Bild 63. Der so genannte Rampenspiegel kann dem Fahrer Objekte rechts vorne direkt neben dem Fahrzeug zeigen. Dieser Spiegel kann eine trügerische Si-
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OPUS 4 | Das profunde Verständnis fundamentaler Mathematik von Lehrkräften als Ausgangspunkt für eine Verbesserung der Unterrichtsqualität

OPUS 4 | Das profunde Verständnis fundamentaler Mathematik von Lehrkräften als Ausgangspunkt für eine Verbesserung der Unterrichtsqualität

Also, wichtig ist natürlich erst mal, dass sie nebeneinander rechnen können, dass sie es im Kopf rechnen können, erst die Zehner, dann die Einer – also was man vorher geübt hat – dass sie sich darüber klar sind: „Kann ich die Aufgabe überhaupt rechnen, ist die erste Zahl größer als die zweite?“ Und dann ist eben auch wichtig, dass sie wissen: Die Umkehraufgabe hat zu tun mit der Minusaufgabe – also, es gibt immer eine Umkehraufgabe dazu, die ich auch rechnen kann zum Überprüfen und die ich dann eben hier benutze, um die Lösung zu finden. Das, denk ich, ist das Wichtige – also das Rechnen mit Lücken, Umkehraufgaben, das müsste also vorher verstanden werden, aber ich muss sagen – jetzt auch auf das Thema allgemein bezogen – im Laufe meines Unterrichts oder meiner Unterrichtszeit, also meiner Lehrertätigkeit, gehe ich mehr zu dem prozessorientierten Lernen über, gerade im Hinblick auf schwache Rechner. Die, finde ich immer, wenn sie selber überlegen müssen, oder wenn man versucht: „Denkst mal auf `ne andere Weise, versuch mal irgendwie, selber eine Lösung zu finden“, die oft mehr irritiert werden, find ich, durch solche Versuche, als dass es ihnen für‘s Verständnis hilft. Denen gebe ich eigentlich dann vor: „So machst du’s!“, in der Hoffnung, dass sie’s, wenn sie’s dreißig mal ge- macht haben, irgendwann kapieren, warum es so ist. Also das hab ich... das ist ´ne Erfahrung eigentlich, die ich gemacht habe, dass man manchen Kindern eben ein- fach sagt: „So gehst du vor und wir üben einfach so dieses Rezept ein!“
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OPUS 4 | Sprachwissenschaftliche Kriterien für das Transparenzgebot : die Bedeutung interdisziplinären Arbeitens von Rechts- und Sprachwissenschaft

OPUS 4 | Sprachwissenschaftliche Kriterien für das Transparenzgebot : die Bedeutung interdisziplinären Arbeitens von Rechts- und Sprachwissenschaft

Mit diesem Beispiel ist ein ganz besonders schwieriges Feld der Ver- ständlichkeitsforschung angesprochen. Wie soll man mit Begriffen umgehen, die für sich allein genommen einfach, klar und durchaus ver- ständlich wirken, hinter denen sich aber hochkomplexe Handlungs- und Ergebniszusammenhänge verbergen? Man versteht zwar das je- weils benutzte Wort, aber man kann die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, nicht durchschauen. So verbergen sich hinter Rechtsbegriffen wie Kausalität, grobe Fahrlässigkeit, Vorsatz, Mitverschulden, Haf- tungsausschluss, Gewährleistung, Obliegenheitsverletzung, Risikoaus- schluss, Gefahrerhöhung, vorvertragliche Informationspflicht, Verzug, Leistungsfreiheit häufig ganze Bündel von miteinander verbundenen und aufeinander wirkenden Rechtssätzen. Ergänzt und angereichert werden diese durch eine Vielzahl von untergerichtlichen und oberge- richtlichen Urteilen. Oft genug sind diese Urteile in sich widersprüch- lich und werden von einer Fülle von Literaturstimmen begleitet, die ebenfalls ausdifferenzierte Gerechtigkeitskorrekturen vorschlagen. Das Problem der Begriffe in Texthüllen scheint mir eines der schwie- rigsten Fragen der Verständlichkeitsforschung überhaupt zu sein. Nach meinem Eindruck wird es von der Sprachwissenschaft noch gar nicht wahrgenommen, vielleicht weil es so komplex und schwierig ist. Rechts- begriffe sind aber häufig und typischerweise Steuerungsbegriffe für komplexe Regelzusammenhänge. Sie ähneln dem Gas-, Brems- und
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OPUS 4 | Das Verständnis des Rechts als Problem des Verfassungsstaates

OPUS 4 | Das Verständnis des Rechts als Problem des Verfassungsstaates

II. Entwicklungsoffenheit des Rechts dank der Verfassungssprache Ein weiterer Vorbehalt ist angesichts der unverzichtbaren Offenheit der Rechtsnormen unvermeidlich, die sich auch in der Rechtssprache, vor allem im Verfassungsrecht auswirken muss und darf. Der Generalklau- selcharakter vieler Verfassungsnormen ist kein Zufall. Er ergibt sich aus dem Stichwort „Zeit und Verfassungskultur“. Verfassungsrecht ist, viel berufen, lebendiges Recht, „law in public action“, vom Wertewan- del und Wirklichkeitswandel abhängig. Obwohl es institutionalisierte Verfahren wie die Verfassungsänderung und/oder Totalrevision gibt (so in der Schweiz und neu in Art. 115 Verfassung Brandenburg): Der sog. Verfassungswandel, d. h. die Änderung des Verfassunginhalts oh- ne Änderung des Verfassungsrechtstextes, in den USA als „broad in- terpretation“ praktiziert, ist ein normales Element oder Ferment der Entwicklung einer verfassungsstaatlichen Verfassung. Die unterschied- liche Unbestimmtheit gerade der geschriebenen Verfassungssätze er- öffnet diesen Vorgang (offen sogar für „unerklärte“ Grundrechte: Art. 45 Verfassung Paraguay von 1992!). Eine verfassungsstaatliche Sprachtheorie des Rechts darf auf diesen Vorbehalt verweisen. Offene Verfassungsnormen, „poröse“ Begriffe sind kein notwendiges Übel, sondern Vehikel der Verfassungsgerechtigkeit. Bürgernähe wird hier zu Generationennähe. Auf eine Weise ist das „Nachverständnis“ das Vorverständnis der Zukunft!
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OPUS 4 | Die Rede von der Verständlichkeit des Rechts in den Zeiten des Internets im Internet : eine Collage

OPUS 4 | Die Rede von der Verständlichkeit des Rechts in den Zeiten des Internets im Internet : eine Collage

Da ist sie, die harte These vom unvermeidlichen, spezialisierten Rechts- stab, dem mit wohlmeinenden Verständlichkeitspostulaten nicht bei- zukommen sei (und der möglicherweise sogar exklusiver Adressat des BGB war). Doch halt: Wir befinden uns in der Schweiz. Und singt nicht die deutsche Rechtsgeschichte das Lob der Verständlichkeit des schwei- zerischen ZGB? Zu lesen steht diesbezüglich (mit Nachweisen) folgen- des im Internet:

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OPUS 4 | Was Kniebeugen mit Autonomie zu tun haben - Verständnis und Relevanz psychogener Motive für aktives Gesundheitsverhalten

OPUS 4 | Was Kniebeugen mit Autonomie zu tun haben - Verständnis und Relevanz psychogener Motive für aktives Gesundheitsverhalten

über zwei Teilstudien mittels MMG bei insgesamt 153 Teilnehmern, ob Inkongruenzen zwischen impliziten Motiven und expliziten Zielen das Essverhalten beeinflussen. Sie stellten fest, das[r]

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OPUS 4 | Verständlichkeit des Rechts - Illusion oder konkrete Utopie? : Notizen zu einer end-, aber nicht sinnlosen Kontroverse

OPUS 4 | Verständlichkeit des Rechts - Illusion oder konkrete Utopie? : Notizen zu einer end-, aber nicht sinnlosen Kontroverse

Nicht anders ist es beim Auskunftsrecht. Der Gesetzgeber hat es, al- ler Kritik zum Trotz, bei der bereits im BDSG 77 (§§ 13 Abs. 3 Nr. 3 und 27 Abs. 4 Nr. 3) enthaltenen Regelung belassen, die es öffentlichen und nichtöffentlichen Stellen gleichermaßen erlaubt, den Betroffenen jede Auskunft über die Verwendung ihrer Daten immer dann zu verwei- gern, wenn die Daten ihrem „Wesen“ nach geheim gehalten werden müssen (§§ 19 Abs. 4 Nr. 3 und 34 Abs. 4 i.V.m. 33 Abs. 2 Nr. 3). Genau genommen wird damit nur eine lange, überaus umständliche Rege- lung, die Schritt für Schritt die scheinbar kategorische Affirmation des Auskunftsrechts abbaut, um eine Ausnahme ergänzt, die den Betroffe- nen vorsorglich jeden Einblick in den Verarbeitungsprozess selbst dann versperrt, wenn alle übrigen Zugangsbarrieren versagen.
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OPUS 4 | Unterschiede des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs im Vergleich zum spanischen Código civil in Bezug auf Rechts- und Geschäftsfähigkeit natürlicher Personen : eine rechts- und landeswissenschaftliche Arbeit in deutscher Sprache.

OPUS 4 | Unterschiede des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs im Vergleich zum spanischen Código civil in Bezug auf Rechts- und Geschäftsfähigkeit natürlicher Personen : eine rechts- und landeswissenschaftliche Arbeit in deutscher Sprache.

erste Buch des Código civil (de las personas) sowohl Personendefinitionen, als auch Eherecht (del matrimonio), Scheidung (divorcio), Kindschaftsrecht (de las relaciones paterno-filiales), Unterhalt (de los alimentos entre parientes) und Vormundschaft (tutela). Das zweite Buch des Cc (de los bienes, de la propiedad y de sus modificaciones) entspricht in etwa dem deutschen Sachenrecht, weil Besitz (posesión), Eigentum (propiedad), Nießbrauch (usufructo) und Dienstbarkeiten (servidumbres) geregelt werden. Die Übertragung dieser Rechte ist jedoch nicht im zweiten, sondern erst im dritten Buch zu finden (de los diferentes modos de adquirir la propiedad). Das im deutschen Privatrecht so bekannte Abstraktionsprinzip, die so essentielle Trennung von Verpflichtungs- und Erfüllungsgeschäft – sprich von Schuldrecht und Sachenrecht (B AUR /S TÜRNER (1999), S. 47), sucht man in der spanischen Kodifikation vergeblich. Die Eigentumsübertragung wird im Código civil nicht abstrakt geregelt, vielmehr unterscheidet man in Eigentumserwerb durch Aneignung (ocupación), Schenkung (donación) und Rechtsnachfolge (sucesión). Die Rechtsnachfolge (sucesión) ihrerseits, beinhaltet das komplette Erbrecht mit gesetzlicher (de la sucesión intestada) und gewillkürter (de los testamentos) Erbfolge. Für die Eigentumsübertragung beim Kauf (compra), Tausch (permuta) oder bei Darlehen (préstamo) ist Artikel 609 Cc zuständig. Das vierte Buch des Cc (de las obligaciones y contratos) entspricht ungefähr unserem Schuldrecht. Es unterteilt sich in einen eher allgemeinen (Titel 1-3) und einen besonderen Teil (Titel 4-18). Im dritten Titel dieses Buches wird das Eheliche Güterrecht (del régimen económico matrimonial) geregelt, was im BGB wiederum im Familienrecht auffindbar wäre. Damit das Ganze auf den ersten Blick besser nachvollziehbar ist, ergibt sich folgende Synopse mit dem BGB (A DOMEIT /F RÜHBECK (2001), S. 49):
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OPUS 4

OPUS 4

Wäre die EU vollständig alleine zuständig, würde sich grundsätzlich ein Abschluss als ge- mischtes Abkommen verbieten. Darin läge eine Beeinträchtigung der effektiven Wirkung von alleinigen EU-Zuständigkeiten 88 und eine Rückgabe von EU-Zuständigkeiten. Die EU kann über ihre Kompetenzen nicht ohne weiteres verfügen. Zuständigkeiten sind grundsätzlich nicht disponibel; das folgt aus der Eigenart von Tätigkeitszuweisungen an einen Hoheitsträ- ger. 89 Der Rat kann nicht zugunsten der Mitgliedstaaten ganz oder zum Teil auf die EU- Zuständigkeiten verzichten. Vielmehr ist er gehalten, das Unionsinteresse an einer effektiven Vertretung der EU auf internationaler Ebene durchzusetzen und auf volle Ausübung der EU- Zuständigkeiten zu dringen. „Der Rat darf nicht zulassen, dass die Zuständigkeiten der [Union], wie sie im [AEUV] ausgestaltet sind, verfälscht werden“. 90 Ist eine Zuständigkeit ausschließlich der EU übertragen, können die Mitgliedstaaten nicht tätig werden, außer zur Umsetzung des EU-Rechts, oder nach einer Ermächtigung durch die EU gemäß Art. 2 Abs. 1 AEUV. Vor Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon wurde geltend gemacht, die EU könne sich ohne weiteres der Unterstützung der Mitgliedstaaten bedienen und daher auch dort recht- lich bedenkenlos gemischte Abkommen abschließen, wo sie dessen nicht bedürfte, weil sie allein handeln könnte. 91 Diese Auffassung wird mit dem durch den Vertrag von Lissabon ein- geführten Art 2 Abs. 1 AEUV, in Übereinstimmung mit der früheren Rechtsprechung des EuGH, dahingehend konkretisiert, dass eine explizite Ermächtigung an die Mitgliedstaaten nötig ist 92 , die aber ausweislich des Wortlauts von Art 2 Abs. 1 AEUV keinen inhaltlichen Schranken unterliegt. 93 Ohne eine solche Ermächtigung ist bei einem Abkommen, das insge- samt unter die alleinige EU-Zuständigkeit fällt, unionsrechtlich ein Abschluss als gemischtes
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OPUS 4 | Bruchsimulation

OPUS 4 | Bruchsimulation

Nach dem einleitenden Abschnitt wird als Erstes im Abschnitt 2 ein Über- blick über bestehende Ansätze zur Simulation von Brüchen gegeben und the- menverwandte Arbeiten vorgestellt. Im darauf folgenden Abschnitt werden physikalische Grundlagen, welche für die Entwicklung einer Festkörpersimu- lation wichtig sind, erläutert und deren mathematische Zusammenhänge dar- gelegt. Zusätzlich werden die für die Bruchbildung grundlegenden Kenntnisse über Materialeigenschaften, Belastung und Kollision ausführlich erklärt. Der anschlieÿende Abschnitt 4 zeigt die Auswahl der getesteten Bruchsimulatio- nen und stellt die einzelnen Ansätze vor. Die für das Verständnis notwendigen Formeln und Methoden werden dabei vertieft. Die beiden darauf folgenden Abschnitte zeigen die Umsetzung der Implementationen. Es werden die zu- grunde liegende Physik- und die programmierten Methoden erläutert. Im An- schluss werden die Ergebnisse (Abschnitt: 7) präsentiert und eine Wertung im Hinblick auf die aufgestellten Anforderungen abgegeben. Die schriftliche Ausarbeitung wird mit dem Fazit abgeschlossen.
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OPUS 4 | Selbstverständlich

OPUS 4 | Selbstverständlich

Gut, dann gab es ab und zu ein Zwischenspiel. Der Sachsenspiegel war verständlich, das Preußische Allgemeine Landrecht und das Zivil- gesetzbuch der DDR von 1975. Obwohl es unter Friedrich und in der Zone ziemlich viel Herrschaft gab. Heute leben wir in einem Rechts- staat. Deshalb heißt es in § 184 des Gerichtsverfassungsgesetzes: „Die Gerichtssprache ist Deutsch.“ Ein großes Wort. Und damit sind wir wieder beim alten Problem, über das schon so viel geschrieben worden ist. Oberlandesgerichtsrat Julius Erler zum Beispiel aus Marienwerder in Ostpreußen meinte kurz vor dem Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900:
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OPUS 4 | Rechtsverständlichkeit

OPUS 4 | Rechtsverständlichkeit

Denn das Verständlichkeitspostulat zielt sichtlich auf anderes als auf eine sprachverstehende Lektüre gesetzlicher und anderer rechtlicher Texte. Es handelt sich um eine politische Forderung, eine Forderung, die erreichen möchte, zu verstehen und zu wissen, was bevorsteht. Es ist die Reaktion des Staatsbürgers, der begreift, dass seine Rechte zwar aufgeschrieben, für ihn aber nicht erkennbar sind, der weiß, dass mit- tels dieser Texte Verhaltensanforderungen an ihn gestellt werden, für die er einen fachkundigen Übersetzer braucht. Es ist der Anspruch des Demokraten, der nicht auf Glauben oder Unterwerfung verwiesen sein will, sondern sich mit den normativen Erwartungen und Zumutungen des Gesetzgebers selbstständig und kritisch auseinander setzen möch- te. Verlangen nach Allgemeinverständlichkeit als Verlangen nach Machtbegrenzung und Willkürschranken. Nur wenn man dies berück- sichtigt, kann man überhaupt verstehen, warum die Forderung nach der Verständlichkeit des Rechts mit solcher Vehemenz und Hartnäckig- keit über Jahrhunderte hin erhoben wurde und auch heute noch als ge-
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OPUS Würzburg | Die B-Lymphozyten-Aktivierung in der osteoarthrotischen Synovialmembran - ein Beitrag zum molekularpathogenetischen Verständnis der Osteoarthrose

OPUS Würzburg | Die B-Lymphozyten-Aktivierung in der osteoarthrotischen Synovialmembran - ein Beitrag zum molekularpathogenetischen Verständnis der Osteoarthrose

1.4.2.2 Synovialitis-Arten und deren zelluläre Zusammensetzung 7 1.4.3 Das entzündliche Infiltrat (im Vergleich zur RA) 7 1.4.3.1 Zusammensetzung des entzündlichen Infiltrats 7 1.4.3.2 A[r]

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OPUS 4 | Argentinien in Den Haag: Geburtswehen eines öffentlichen Rechts der pluralistischen Weltgesellschaft?

OPUS 4 | Argentinien in Den Haag: Geburtswehen eines öffentlichen Rechts der pluralistischen Weltgesellschaft?

Sollten die USA sich nicht auf das Gerichtsverfahren einlassen, bliebe es dabei, dass zwischen dem öffentlichen Interesse an der Bewältigung von Staatsschuldenkrisen und den institutione[r]

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OPUS 4 | Vorwort / Die Sprache des Rechts Bd. 1

OPUS 4 | Vorwort / Die Sprache des Rechts Bd. 1

Auf der Grundlage der Arbeitssitzungen, Workshops und Symposien, welche die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Sprache des Rechts durchge- führt hat, sind für die sprach- wie rechtswissenschaftliche Grundlagen- forschung eine Vielzahl von Beiträgen entstanden, die nunmehr in den drei Bänden der Schriftenreihe Die Sprache des Rechts vorgelegt werden. Die versammelten Aufsätze stellen eine Summe des heutigen For- schungsstandes zu Sprache und Recht dar: die wichtigsten Ansätze auf dem Gebiet der Rechtslinguistik sind hier gesichtet, gesammelt und ausführlich erörtert. Dies erscheint umso notwendiger, als den mit dem Gegenstand befassten Sprach-, Rechts- und Sozialwissenschaftlern bis- her ein Hilfsmittel fehlt, das sie unmittelbar an die Forschungsproble- me heranführt. Die Schriftenreihe soll daher als Arbeitsinstrument die- nen, mit dessen Hilfe sich Interessierte aller Fachrichtungen rasch und zuverlässig über den gegenwärtigen Stand der Kenntnisse zur Sprache des Rechts informieren können.
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OPUS 4 | [Inhaltsverzeichnis] Die Sprache des Rechts ; Bd. 2

OPUS 4 | [Inhaltsverzeichnis] Die Sprache des Rechts ; Bd. 2

RALPH CHRISTENSEN und MICHAEL SOKOLOWSKI, Die Krise der Kommunikation und die Möglichkeit juristischen.. Argumentierens ..?[r]

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OPUS 4 | [Abkürzungsverzeichnis] / Die Sprache des Rechts Bd. 1

OPUS 4 | [Abkürzungsverzeichnis] / Die Sprache des Rechts Bd. 1

AGBG Gesetz zur Regelung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen vom 9.12.1976 in der Fassung der Bekanntmachung vom 29.6.2000 (BGBl. I, 946), aufgehoben durch Art. 6 Nr. 4 des Gesetzes zur Modernisierung des Schuldrechts vom 26.11.2001 (BGBl. I, 3138) ARSP Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie

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OPUS 4 | [Inhaltsverzeichnis] / Sprache des Rechts Bd. 1

OPUS 4 | [Inhaltsverzeichnis] / Sprache des Rechts Bd. 1

institutionelle Bedingungen.......................................................................... 7 R ALPH C HRISTENSEN , Die Verständlichkeit des Rechts ergibt sich aus der gut begründeten Entscheidung................................. 21 U RSULA C HRISTMANN , Verstehens- und Verständlichkeits-

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