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Gutenberg Open Science: Buchbesprechung im politischen Kontext des Nationalsozialismus

Gutenberg Open Science: Buchbesprechung im politischen Kontext des Nationalsozialismus

Die innerparteiliche Kritik während der Entstehung des Werks, die Hitler nicht ganz ausräumen konnte, hielt auch nach der Veröffentlichung des zweiten Bandes an. Sie kam vor allem aus dem völkischen Lager der NSDAP sowie den rechtsradikalen Randgruppen und betraf u.a. außenpolitische Fragen, wie seine Südtirolpolitik und den Umgang mit dem politischen Katholizismus. Von den Kritikern, zu denen Gaulei- ter Arthur Dinter, Friedrich Plümer (vgl. Fußnote 63), Ernst Röhm und Hermann Es- ser gehörten, wandte sich Friedrich Plümer Ende November 1925 mit einer kritischen Schrift Die Wahrheit über Hitler und seinen Kreis, o.O. und o.V. 1926 an die Öffent- lichkeit. Aber auch von Alfred Rosenberg war eine kirchenpolitische Veröffentli- chung geplant. Auf Einspruch Hitlers änderte er sie und brachte sie unter dem Titel Der Mythus des 20. Jahrhunderts erst 1930 auf den Markt. Hitler reagierte auf die Kritiker aus der Partei verärgert, da er sein mit missionarischem Eifer verfolgtes stra- tegisches Ziel der „Nationalisierung der Masse“, vereint unter einem Kampfgedanken, verkannt sah. Er wollte sich als der ersehnte Befreier aus der Weimarer „Systemkrise“ legal von der Masse an die Macht tragen lassen (LeBon: „Die Masse ist eine Herde, die sich ohne Hirten nicht zu helfen weiß“, II, 3 § 1). Kritik störte ihn in seinem Vor- haben. Um ihm gefährlich werdende Kritiker, zu ihnen zählte er den Thüringer Gau- leiter Arthur Dinter, los zu werden, setzte er die unbedingte Führerautorität in der Partei 1929 durch und änderte dahingehend die 4. Auflage von Mein Kampf. 83 Er brauchte unwandelbar ergebene Mitkämpfer, wie den Verlagsleiter Max Amann, der den Parteiverlag in seinem Sinn unauffällig zu steuern in der Lage war. Hitlers Reak- tion hat in seiner Gefolgschaft für Verwirrung, in bürgerlichen Kreisen für Schaden- freude gesorgt und dadurch offensichtlich auch rezensionshemmend gewirkt. 84
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Gutenberg Open Science: Das aktuelle Debattenbuch im politischen Feld : eine Analyse anhand von Fallbeispielen

Gutenberg Open Science: Das aktuelle Debattenbuch im politischen Feld : eine Analyse anhand von Fallbeispielen

Abstrahiert man nun von den hier vorgestellten Fällen, so kann mit Blick auf die Wirkungsmacht des Debattenbuchs im wissenschaftlichen Feld festgestellt werden, dass Wissenschaftler im Kontext der Buchdebatte einerseits die Diskussion um ihre differenziert wissenschaftliche Perspektive erweitern, auf der anderen Seite aber auch aus Sorge um ihren Ruf oder das Ansehen ihres Forschungsfeldes in der Öffentlich- keit reagieren. Die Heftigkeit der Bewegungsimpulse scheint dabei einerseits vom Provokationsgrad der Thesen abzuhängen. Sarrazins Thesen, über die im Vergleich am längsten und sehr umfassend berichtet wurde, über die folglich auch die meisten Wissenschaftler sprachen, lösten, wie am Beispiel Elsbeth Stern und den Reaktionen des Biologenverbandes gezeigt wurde, heftige Reaktionen aus, die größtenteils der Verteidigung dienten. Aber auch die Autonomie der wissenschaftlichen Disziplinen scheint in Zusammenhang mit den Reaktionen aus der Wissenschaft zu stehen, wie der Fall Bueb und die Gegenpublikation von Brumlik zeigen. Zwar kann keine simple Linearität zwischen dem Provokationsgrad und der Beteiligung von Wissenschaftlern abgeleitet werden, dennoch erscheint ein Zusammenhang mit Blick auf Bourdieus Feldkonzeption logisch. Je mehr die Wissenschaftler ihr symbolisches Kapital, ihre Seriosität und Wissenschaftlichkeit bedroht sehen, desto eher werden sie medial zu einem Gegenangriff übergehen, um jegliche Negativwirkung, die aus dem politischen Feld in das wissenschaftliche strahlen könnte, zu vermeiden. Ob umgekehrt die Wis- senschaft die Popularisierung ihrer Forschungsergebnisse begrüßt oder sie aber die
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Gutenberg Open Science: Die Qadiriya-Bruderschaft im geopolitischen Kontext der maghrebinischen Länder : Algerien, Marokko und Tunesien

Gutenberg Open Science: Die Qadiriya-Bruderschaft im geopolitischen Kontext der maghrebinischen Länder : Algerien, Marokko und Tunesien

Das Wort „Maghreb“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Westen“. Die Arabische Maghreb Union 16 ist ein Abkommen zwischen den Maghreb Staaten Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und Mauretanien. Die Maghreb Union (fr. Union du Maghreb Arabe: UMA) wurde am 17. Februar 1989 in Marrakesch mit dem ersten Ziel der wirtschaftlichen Kooperation sowie der außen-, innen- und kulturpolitischen Zusammenarbeit von den genannten Staaten gegründet. Aber mit den unterschiedlichen Gesetzgebungen der Mitgliedstaaten, der Bürokratie, der fehlenden Finanzmittel, dem geringen Warenaustausch der Länder untereinander und den Rivalitäten zwischen den politischen Führern, ist die Verwirklichung dieser Maghreb-Union problematisch (Ellrich und Bauerborn 2012: 1). Insgesamt konnten zwar zahlreiche, teilweise schon lange geplante, regionale Vorhaben 17 mehr oder weniger vorangetrieben werden, eine Zollunion ist aber bis heute sehr schwer zu realisieren. Noch schwerer ist jedoch irgendeine Konföderation zwischen diesen genannten Staaten zu verwirklichen. Mit dem ersten Golfkrieg im Jahr 1990 wurden die Disparitäten über die Haltung zum Irak in Form von politischen Manövern und Meinungsverschiedenheiten spürbar. Dazu trugen die zwischenstaatlichen Spannungen in der Region, die UN-Sanktionen gegen Libyen und nicht zuletzt die innenpolitischen Entwicklungen bei. Auch blockieren langanhaltende Streitigkeiten zwischen Marokko und Algerien die Treffen seit Anfang der 1990er Jahre wegen der ungelösten Westsahara-Frage und trotz verschiedener Versuche der regionalen Instanzen 18 , ein Treffen zu vereinbaren. Im Jahr 1998 wurde es erneut versucht den
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Gutenberg Open Science: Die Dunkle Seite der Macht : Themenpolitik zu politischen Themen

Gutenberg Open Science: Die Dunkle Seite der Macht : Themenpolitik zu politischen Themen

bungsformeln wurden dann, im Kontext des Globalisierungsdis- kurses, zunehmend abstrakter. Aktuell verschwindet der zu eng gewordene Begriff der „Politik“ beinahe ganz. Stattdessen werden bevorzugt Begriffsschablonen wie Assemblage, Dispositiv, Apparat, Formation oder Regime verhandelt, um einer von Pluralität, Unbe- ständigkeit, Situativität und Konstruktivität gekennzeichnete Vor- stellung von politischer Macht Ausdruck zu verliehen. Jens Adam und Asta Vonderau sprechen in diesem Zusammenhang auch von Formationen des Politischen und verweisen damit auf die „Relatio- nen und Verknüpfungen, die sich im Zuge eines politischen Prozesses herausbilden“ und deren Zusammenhänge erst durch eine ethnogra- phische Skalierung sichtbar gemacht werden müssen. Aufgabe einer „Anthropologie politischer Felder“ sei es also, „von den empirisch greifbaren Handlungen, materiellen Objekten, Beziehungen und Pro- dukten her sukzessive die unsichtbaren politischen Rationalitäten, Regierungslogiken und Machtrelationen zu erschließen“. 40 „Politi-
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Gutenberg Open Science: Exklamation und Negation

Gutenberg Open Science: Exklamation und Negation

sich mit „Es ist nicht der Fall, dass…“ paraphrasieren lässt und als eine Negation mit engem Skopus einen Negationsoperator, der den Prädikat des Satzes und nicht die ganze Proposition im eigenen Skopus hat. Ich behaupte, dass, obwohl auf der Oberfläche der exklamativ interpretierten Sätze keine Skopusunterschiede vorkommen, die Negation in Sätzen wie (7a) einen weiten Skopus haben muss, wenn sie als eine „nicht-negierende“ Negation gelesen wird, und einen engen Skopus, wenn sie als eine Standardnegation gelesen wird. Bei solcher Interpretation der „nicht-negierenden“ Negation passen skalaren Exklamationen in einen positiven Kontext dadurch, dass sie sich auf den minimalen Wert auf einer Skala beziehen, ab welchem die im Satz ausgedrückte Eigenschaft in diesem Kontext nicht mehr zutrifft. Exklamationen ohne Negation beziehen sich auf den maximalen Wert auf der Skala. Die Sprecher der Exklamationen ohne und mit der „nicht-negierenden“ Negation beziehen sich letztendlich auf denselben Sachverhalt. Der Sprecher einer negierten Exklamation tut das aber indirekt. Darin sehe ich einen Grund dafür, dass diese Negation als nicht negierend wahrgenommen wird. Seit Russell (1905) ist es allgemein bekannt, dass eine weit-skopige oder externe Negation das Zurückziehen der existentiellen Präsupposition des Satzes ermöglicht. Auch bei Exklamationen hat der weite Skopus der Negation einen Einfluss auf deren Präsupposition.
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Gutenberg Open Science: Bindung an Freiwilligenorganisationen

Gutenberg Open Science: Bindung an Freiwilligenorganisationen

Die unterschiedlichen Beweggründe, die dem freiwilligen Engagement der ehrenamtlich Tätigen zugrunde liegen können, lassen sich theoretischen Konzepten zuordnen. Der Theorie rationalen Handelns zufolge stellt Freiwilliges Engagement eine „kluge“ Form des Egoismus dar. Aus altruistischem Handeln geht soziale Anerkennung als Nutzen hervor. Freiwilliges Engagement kann zudem als ein Austausch und als interessengelei- tete Beziehung verstanden werden, bei der es immer um den Ausgleich von Leistungs- bilanzen geht. Vorstellen kann man sich hier zum einen eine unmittelbare Austauschbe- ziehung, in der Ego für die Hilfe, die er gegenüber Alter geleistet hat, Gegenhilfe von Alter erhält, wenn er sie benötigt. Zum anderen existieren auch vermittelbare Aus- tauschbeziehungen, indem sich Individuen in Freiwilligenorganisationen engagieren und unter der Voraussetzung einer generalisierten Reziprozität erwarten, dass auch an- dere sich in vergleichbaren Einrichtungen einsetzen, auf deren Leistungen sie bei Bedarf zurückgreifen können. In einer individualisierten Gesellschaft kann unter Annahme der Theorie rationalen Handelns davon ausgegangen werden, dass sich Personen, die von einem Problem betroffen sind, mit anderen Betroffenen zusammenschließen, um sich gegenseitig zu helfen (z.B. in Selbsthilfegruppen) (vgl. Heinze/Olk 1999: 82f.). 43 In Anlehnung an diese Ergebnisse wird ehrenamtliches Engagement fernerhin auch durch die Protestantismus-These M AX W EBERS (1864-1920) erklärt. 44 Neben der hohen sozialen Lagerung (Status) ehrenamtlich Engagierter verweist J OACHIM W INKLER auf einen überdurchschnittlichen Protestantenanteil unter ehrenamtlichen Funktionsträgern. Er stellt die Frage, ob sich im sozialen und politischen Bereich eine auf den asketischen Rationalismus zurückgehende gesellschaftliche Beteiligung zeigt. Das heutige berufsbe-
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Gutenberg Open Science: Bismarcks Kolonialpolitik

Gutenberg Open Science: Bismarcks Kolonialpolitik

Darauf erwiderte Herbert: "Als wir in die Kolonialpolitik hineingingen, war der Kronprinz noch nicht krank, und wir mußten auf eine lange Regierung desselben gefaßt sein, währen[r]

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Gutenberg Open Science: Bruchmechanismen an Polymergrenzflächen

Gutenberg Open Science: Bruchmechanismen an Polymergrenzflächen

Die Betrachtung erfolgt hier eindimensional, da beim Verschwei- ßen von Werkstoffteilen von einem Konzentrationsgef¨alle in nur einer Richtung (senkrecht zur Grenzschicht) ausgegangen we[r]

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Gutenberg Open Science: Charakterisierung von Arthropodenhämocyaninen

Gutenberg Open Science: Charakterisierung von Arthropodenhämocyaninen

Darüber hinaus wurde eine Sauerstoffbindung durch das EHP nicht nachgewiesen, daher konnte der Beweis, dass es sich um ein funktionelles Hämocyanin handelt, nicht erbracht w[r]

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Gutenberg Open Science: Colloidal crystals

Gutenberg Open Science: Colloidal crystals

like (b) is preferred to allow access to dissolved species into the interior of the mesoporous PANI inverse opal, so care must be taken to stop the polymerisation process before the TP[r]

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Gutenberg Open Science: Dendronized ions

Gutenberg Open Science: Dendronized ions

An interesting potential application of dendronized anions is their employment as counterions of linear polyelectrolytes such as polyvinylpyridinium polymers. The very[r]

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Gutenberg Open Science: Dichteschätzung mit Wavelets

Gutenberg Open Science: Dichteschätzung mit Wavelets

Der Beweis, dass der Schätzer aus [10] tatsächlich eine Minimaxschranke erreicht, dass also die angegebene Konvergenzrate optimal für lineare Schätzer ist, soll hier nicht geführt werden[r]

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Gutenberg Open Science: Embodied prediction

Gutenberg Open Science: Embodied prediction

In section 2 , I isolate and discuss four of the framework’s most provoc- ative claims: (i) that the core flow of information is top-down, not bottom-up, with the forward flow of sensor[r]

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Gutenberg Open Science: Essentielle Thrombozythämie

Gutenberg Open Science: Essentielle Thrombozythämie

Komplikationen vor und nach Diagnose Von den 40 Patienten, die vor der Erstdiagnose eine thrombembolische Komplikation hatten, bekamen 9 22,5% noch nach dieser Erstdiagnose eine weitere [r]

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Gutenberg Open Science: Foliation boudinage

Gutenberg Open Science: Foliation boudinage

On planes normal to the foliation and parallel to the aggregate lineation FBS neck veins lie both highly oblique (Fig. 1.9a) and parallel to the foliation (Fig. 1.9b). They are present as a single vein or trains of several irregular lens-shape veins. Flanking folds adjacent to veins with axes parallel to the boudin axes (e.g. Fig. 1.9c) show interlimb angles changing from open to completely closed (Fig. 1.9). Gentle, open flanking folds are observed at FBSs where boudin neck veins are at a high angle to the foliation and are mostly associated with symmetric FBSs (Fig. 1.9a). Small interlimb angles of flanking folds, mostly less than 30° where fold limbs became almost parallel to each other and to the vein wall, are observed with veins parallel or at low angle to the foliation and near asymmetric FBSs (Figs. 1.9b-e). In some cases flanking folds are cut by minor fractures or small veins at a high angle to the FBS neck, probably formed as accommodation fractures in response to a high angle of rotation of the vein (Fig. 1.9e). The curvature of the flanking folds is strongest on one side of the FBS neck region (Figs. 1.9b-e). On the opposite side of the vein the foliation is parallel or at a low angle to the vein wall. Although rare, foliation boudins separated by two veins have been found in the Urseren area (Fig. 1.9d). Mode I and/or conjugate mineral-filled fractures with high aspect ratio are also observed at high angles to the foliation but these are probably late, based on cross-cutting relations seen in outcrop. In some outcrops FBSs are cut along the neck region and displaced by cm to m-scale faults or shearzones that lie at an angle to the main foliation in the host rock (Fig. 1.3b).
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Gutenberg Open Science: Die Auslegung der Privatautonomie

Gutenberg Open Science: Die Auslegung der Privatautonomie

Insofern ist folgend von einem fiktiven gemeinsamen (aller Parteien) Erklärenden und von einem fiktiven gemeinsamen (aller Parteien) Empfänger die Rede, weil nur so ein rechtlicher Mec[r]

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Gutenberg Open Science: Forensische Glaubhaftigkeitsbeurteilung

Gutenberg Open Science: Forensische Glaubhaftigkeitsbeurteilung

GAT-Frage 10: Zweifaktorielle ANOVA mit dem Gruppenfaktor Status der aussagenden Person und dem Meßwiederholungsfaktor Itemtyp als UVn und den SCR-Amplituden als AV SCR-Quantifizierungsm[r]

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Gutenberg Open Science: Forensische Psychophysiologie

Gutenberg Open Science: Forensische Psychophysiologie

Eine andere Form laborexperimenteller Grundlagenforschung, die im weitesten Sinne mit der forensischen Psychophysiologie zusammenhängt, ist das sog. „Differentiation- of-Deception“-Paradigma („Differentiation-of-Deception Paradigm“, DDP; vgl. Furedy et al., 1988, S. 683). Das DDP fußt auf einem wesentlichen Kritikpunkt an der „Lügendetektion“, der bereits im Kontext der Konstruktvalidität des KFT angesprochen wurde (Abschnitt 2.4.2). Die Verfahren der psychophysiologischen Aussagebeurteilung erfassen nicht „Lügen“ an sich. D. h., die beobachteten Reaktionsunterschiede zwischen den relevanten Fragen und Kontrollfragen bzw. den relevanten und irrelevanten Items sind nicht direkt auf die Variation von Täuschung und Aufrichtigkeit zurückzuführen. Unter dem Gesichtspunkt der experimentellen Kontrolle liegen mehrere potentiell kon- fundierende Variablen vor. Die Fragen- bzw. Itemtypen unterscheiden sich nicht nur im Wahrheitsgehalt der Antworten, sondern beispielsweise auch hinsichtlich ihrer Bedeut- samkeit, ihres emotionalen Gehalts und der Häufigkeit, mit der sie dargeboten werden. Im Gegensatz dazu bietet das DDP die Möglichkeit, die Phänomene Täuschung und Aufrichtigkeit stringent voneinander abzugrenzen und die daran beteiligten psychologi- schen und physiologischen Prozesse zu untersuchen. Ein wesentliches Charakteristikum des experimentellen Paradigmas ist die intraindividuelle Variation zweier Bedingungen, die sich im Prinzip nur hinsichtlich des Wahrheitsgehalts unterscheiden. Dazu werden mehrere inhaltlich parallelisierte Fragenpaare dargeboten (z. B. autobiographischer Art: „Wie alt ist Ihre Mutter?“ vs. „Wie alt ist Ihr Vater?“). Die Pbn sollen jeweils eine Frage wahrheitsgemäß und die andere wahrheitswidrig beantworten. Andere potentiell konfundierende Variablen können kontrolliert werden, so daß quantitative Unterschiede in den gemessenen autonomen Erregungsmaßen im wesentlichen auf der Variation von Täuschung und Aufrichtigkeit basieren. Auf diese Weise will man feststellen, ob „Lü- gen“ und „Wahrheitsagen“ mit unterschiedlich starken körperlichen Reaktionen einher- gehen, und wenn ja, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind (z. B. kognitive, emotionale und motivationale Prozesse, sympathische vs. parasympathische Regula- tion). Eine psychophysiologische Differenzierung von Täuschung und Aufrichtigkeit gilt als nachgewiesen, wenn signifikante Reaktionsdifferenzen auftreten. Durch die sy- stematische Manipulation zusätzlicher unabhängiger Variablen läßt sich die Wirkung derjenigen Faktoren untersuchen, die möglicherweise einen moderierenden Einfluß auf diese Reaktionsunterschiede ausüben.
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Gutenberg Open Science: Functional hydrogels

Gutenberg Open Science: Functional hydrogels

C(t) in figure 6.25 left. These functions are clearly much slower than the corre- sponding decay functions for the small probe (Rh6G) in figure 6.2 (section 6.1.2.1) at similar polymer matrix concentrations. The initial decay of C(t) (between 0.1 and 0.4 ms) might be due to the presence of a small amount of free dye (see fig- ure 6.2). Excluding this initial decay, the tracer mean square displacement (inset to fig. 6.25 left) conforms to a random Brownian diffusive motion even at the highest concentration. This result is in agreement with forced Rayleigh scattering experiments in polystyrene nondilute solutions. [ 163 ] The inset to figure 6.25 right shows the diffusion coefficients D of the small Rh6G and the larger labeled PNI- PAAm measured by FCS along with the translational diffusion (open circle) of PNIPAAm measured by PCS. The latter is about 10% faster because of its slightly lower R h compared with the labeled chain. The good agreement between FCS and PCS in dilute solutions is to be expected for correct experiments. [ 144 ] The vastly different Einstein diffusion coefficient D 0 of the small and large probe in
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Gutenberg Open Science: Funktionalisierte Latexpartikel

Gutenberg Open Science: Funktionalisierte Latexpartikel

Das Rohprodukt wird säulenchromatographisch (EE/PE/Essigsäure = 3/7/0,5) gereinigt.. Lösung wird auf 0 °C gekühlt und langsam mit 5 g einer 50 Gew%-igen NaOH unter sehr heftigem Rühren[r]

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