Nach oben pdf Der Alltag des Anderen : Familiäre Lebenswelten von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen

Der Alltag des Anderen : Familiäre Lebenswelten von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen

Der Alltag des Anderen : Familiäre Lebenswelten von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen

Die Aufgabe der Angehörigen ist also oftmals eine „Neugestaltung“ − genauer: eine Anpassung und somit Renormalisierung − des Alltagsablaufs. Sie sind diejenigen, die versuchen, ihren eigenen Alltag an die veränderte Situation anzupassen. Neue Routi- nen, Rituale und Rollen müssen gefunden werden, die die Brüche in den Handlungs- routinen des von einer Demenz betroffenen Menschen kompensieren können. Die Wiederherstellung der Alltagsroutine ist deshalb so wichtig, weil sie den Betroffenen wieder Sicherheit und Vertrauen − und somit Stabilität − im Handeln geben können. Hierin zeichnet sich ab, dass die durch eine Demenz bedrohte Stabilität des Alltags durch neue Formen der Routine ausgeglichen werden müssen. Die Angehörigen von Menschen mit Demenz versuchen, genau diese neue Alltagsroutine tagtäglich aufrech- tzuerhalten, um das eigene Sicherheitsgefühl sowie des Angehörigen mit Demenz zu erhalten. Durch den gleich ablaufenden Alltag wird es für die Angehörigen wieder möglich, bestimmte Verhaltensweisen wieder vorherzusehen, wodurch die Hand- lungssicherheit − zumindest in einem begrenzten Rahmen − wiederhergestellt wer- den kann. Für Menschen mit Demenz sind Routinen deshalb so wichtig, weil sie die eigene Identität aufrechterhalten können. Denn Brüche der Alltagsroutine können auch Selbstzweifel nach sich ziehen, beispielsweise wenn in einer Paarbeziehung die eigene Identität durch entstandene Konflikte infrage gestellt wird.
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Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz

Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz

• Die an Demenz erkrankten Bewohner können bis an ihr Lebensende in der Wohngemeinschaft wohnen. Ziel ambulant betreuter Wohngemeinschaften ist es, Menschen mit Demenz bis zu ihrem Tod ein Leben in einer familienähnlichen Atmosphäre zu ermöglichen, Gebor- genheit und Sicherheit zu vermitteln, die selbstbestimmte Lebensführung der Nutzer so lange wie möglich zu erhal- ten, ihre Fähigkeiten zu fördern und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Der Helferkreis ist hier in der Regel größer als Zuhause. Neben Angehörigen und Betreuern sind profes- sionelle Pflege- und erfahrene Hauswirtschaftskräfte so- wie weitere Helfer präsent, die im Alltag zur Hand gehen. Eine ambulant betreute Wohngemeinschaft erscheint auf den ersten Blick einfach und genial, entpuppt sich bei näherer Betrachtung aber als vielschichtiger, da im Unterschied zu anderen Wohnformen Angehörige, Vermieter und Pflegedienste zusammen das Gemein- schaftsleben gestalten.
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Unterstützungsmöglichkeiten bei Demenz im ländlichen Raum – eine qualitative Analyse subjektiver Bedarfe aus der Perspektive der Angehörigen

Unterstützungsmöglichkeiten bei Demenz im ländlichen Raum – eine qualitative Analyse subjektiver Bedarfe aus der Perspektive der Angehörigen

Belastungen durch die Demenz leidet. Die Angehörigen berichten auch von Wegen positiv mit der Situation umzugehen, indem sie Sport treiben oder das Gute in der Pflegesituation sehen. Diese Gründe wurden von Brügger et al. (2016) ebenfalls identifiziert. Weiterhin zeigt sich, dass die Belastungen und auch die täglichen Aufgaben oder Einschränkungen der pflegenden Angehörigen eng miteinander zusammenhängen und nicht immer klar voneinander abgrenzbar sind. Zum Beispiel hat die Übernahme von körperlicher Pflege einen Einfluss auf das Leben der pflegenden Angehörigen, sie müssen sich mehr um die MmD kümmern, ihr eigenes Leben dafür oftmals einschränken und können auf unterschiedliche Weise belastet sein. Körperpflege kann gleichzeitig psychisch, körperlich und finanziell belastend sein, genauso jedoch als Bereicherung und neue Lebensaufgabe gesehen werden. Haushaltsführung zum anderen bedeutet zum Beispiel gleichzeitig eine Strukturierung des Tages und ist eine organisatorische Aufgabe, schränkt das Leben der Befragten ein und kann eine Belastung darstellen. Auch in dieser Befragung benannten die pflegenden Angehörigen, dass das Leben mit MmD in einer ländlich geprägten Region vor allem durch die Mobilitätseinschränkungen erschwert ist. Für Einkäufe oder Arztbesuche sind zumeist weitere Wege mit dem Auto zurückzulegen. Bei zunehmendem Schweregrad der Demenz sind längere Fahrten nicht mehr möglich und schränken den Alltag mit MmD stark ein. Daraus folgt, dass die Angehörigen zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Ein ausgeprägtes Netzwerk und aufmerksame Dorfbewohner können das Leben der pflegenden Angehörigen auf dem Land in einigen Fällen erleichtern. Wenn ein MmD von Zuhause wegläuft und im Dorf bekannt ist, wird er schneller gefunden. Trotz genannter Umstände haben sich alle Angehörigen dazu entschieden, die MmD in der eigenen Häuslichkeit zu pflegen und nicht in ein Pflegeheim zu geben. Wahrscheinlich spielen auch hier Zuneigung und Pflichtgefühl gegenüber ihren Ehepartnern oder Elternteilen eine große Rolle. Die Befragten benannten außerdem schlechte Erfahrungen mit stationären Pflegeeinrichtungen und den Wunsch für ein langes, selbstbestimmtes Leben der MmD in ihrem vertrauten Umfeld als Gründe dafür, sie weiterhin in der Häuslichkeit zu unterstützen.
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„Mein Mann hatte Demenz“ - von den Erfahrungen und der Sichtweise einer Angehörigen : eine Fallstudie

„Mein Mann hatte Demenz“ - von den Erfahrungen und der Sichtweise einer Angehörigen : eine Fallstudie

Herr und Frau L. erfüllten sich im jah- re 1991 den Wunsch, auf einen anderen Kontinent zu reisen. Im jahr 1992 waren sie dann das letzte Mal am Meer, bevor sie die Diagnose erfuhren, dass Herr L. an De- menz erkrankt war. Das Wissen um die Di- agnose stimmte Herrn L. oft depressiv. Frau L. erinnert sich, dass sie das Glück hatten, im Herbst noch auf ein Kreuzfahrtschiff zu gehen und so der Tatsache der Krankheit auszuweichen, was ihnen beiden sehr gut tat. Im Mittelmeer wärmte sie die Sonne, und das Meer, das Herr L. so liebte, half ih- nen, mit der Diagnose "Demenz" zu leben. Beide wanderten gerne und viel, auch noch mit der Diagnose im Bewusstsein wander- ten sie täglich. Im Jahre 1993 wurde Frau L. frühzeitig pensioniert. Sie war in einer Bank angestellt und überlegte sich bei ih- rer Pensionierung, wie es weitergehen sol- le mit ihr und ihrem Mann, der zusehends Einbußen durch die Erkrankung hatte und vermehrt Unterstützung im Alltag benötig- te. Sie fragte sich, wie lange das wohl noch gehen würde.
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Die Wirksamkeit und das Erleben von Telefonberatung bei pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz - eine systematische Übersichtsarbeit quantitativer und qualitativer Studien

Die Wirksamkeit und das Erleben von Telefonberatung bei pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz - eine systematische Übersichtsarbeit quantitativer und qualitativer Studien

55 quantitativen Studien am meisten die deskriptiven Themen aufgegriffen haben und welche von den pflegenden Angehörigen in den qualitativen Studien genannt wurden. Gleichzeitig wird deutlich, welche deskriptiven Themen nicht in den RCTs enthalten sind. Matrix 1 (Tabelle 4) zeigt, dass keine Studie deutlich mehr deskriptive Themen enthält als die anderen. Es fällt jedoch auf, dass die deskriptiven Themen mancher analytischer Themen mehr von den RCTs abgedeckt werden, als andere. So werden beispielsweise die meisten deskriptiven Themen des analytischen Themas „Inhalte der Beratung“ von den RCTs bedient. Lediglich das deskriptive Thema „Gespräche, die den Alltag vergessen lassen“ wird von zwei RCTs berücksichtigt (Chang, 1999; Davis et al., 2004). Beide Studien verwendeten diese Gespräche nicht beabsichtigt als Intervention, doch sie führten auf, dass Gespräche über andere Themen als die Pflege des Angehörigen mit Demenz, ebenfalls hilfreich sein können. Sie machten diese Beobachtung bei der Vergleichsgruppe, welche lediglich die aktive Kontrollmaßnahme (Telefonate über
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Pflegeberatung nach §7a SGB XI - Fördernde und hindernde Faktoren für die Inanspruchnahme der Pflegeberatung von pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz

Pflegeberatung nach §7a SGB XI - Fördernde und hindernde Faktoren für die Inanspruchnahme der Pflegeberatung von pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz

Werden in diesem Zusammenhang die gesetzlichen Grundlagen und die praktische Umsetzung der Pflegeberatung betrachtet, wird deutlich, dass in der Beratungspraxis Schwierigkeiten mit der Heterogenität bestehen. So werden die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen häufig sehr erschwert erfasst und andere Themen werden von den PflegebraterInnen vorerst in den Vordergrund gerückt (ZQP, 2016a; vgl. Kapitel 5.1). Die Beratungsbedarfe, die in zahlreichen Studien analysiert wurden, decken sich zum Teil jedoch nicht mit den beschriebenen Beratungsaufgaben (ZQP, 2016a). Der Grund hierfür ist die Definition der Pflegeberatung nach §7a SGB XI. Die Pflegeberatung hat die Aufgabe, eine umfassende und unabhängige Auskunft und Beratung über die unterschiedlichen Rechte und Pflichten des SGB XI zu geben. Zusätzlich sollen Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt werden (vgl. Kapitel 3.2; ZQP, 2012). Besonders bei pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz geht es jedoch auch um psychosoziale Angebote, die im Alltag genutzt werden können (vgl. Kapitel 4.1). Die Vermittlung und Kooperation von Hilfen in den individuellen Versorgungssituationen, aber auch eine Schulung zum Umgang von Menschen mit Demenz und Informationen zu diesem Thema werden von den pflegenden Angehörigen benötigt (Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen, 2014). Derzeit besteht eine Schwierigkeit darin, diese komplexen Beratungsanliegen bearbeiten zu können (ebd.). Schwinger et al. (2013) weisen darauf hin, dass es zum Ziel werden muss, besonders den Personenkreis der pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz zu unterstützen. Sie äußern, dass es an weiterer Forschung der Bedürfnisse der Betroffenen bedarf um die Angebote weiter entwickeln zu können (Schwinger et al., 2013).
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Übergänge von pflegebedürftigen Menschen mit Demenz in vollstationäre Pflegeeinrichtungen

Übergänge von pflegebedürftigen Menschen mit Demenz in vollstationäre Pflegeeinrichtungen

In der Darstellung der Ergebnisse werden zuerst kurze Zusammenfassungen der Fallverläu- fe und ergänzende Informationen vorgestellt (5.1). Daran anschließend erfolgt eine Be- schreibung der Ergebnisse der untersuchten Fallverläufe auf Basis des Transitionskonzepts nach Wingenfeld (5.2). Zuerst werden die Vorgeschichten vor dem Beginn des Übergangs und die Ereignisse aufgezeigt, die zu einer Diskussion und Entscheidung für einen Über- tritt in eine stationäre Einrichtung führen. In diesem Zusammenhang werden die unter- schiedlichen Formen der auslösenden Ereignisse vorgestellt. Diese Ereignisse lassen sich in akute singuläre Krankheitsereignisse und aufgeschichtete Transitionspotenziale mit ei- nem zeitlich späteren Übertritt einordnen. Zusätzlich werden weitere Rahmenbedingungen dargestellt, die zu einem Heimübertritt führen. Diese Rahmenbedingungen beinhalten u. a. die Kooperationen mit professionellen Unterstützungsangeboten und die Nutzung bzw. die Inanspruchnahme von Betreuungs- und Versorgungsangeboten. Der Verlauf dieser Vorge- schichten führt im Ergebnis zur Entscheidung für einen Übergang in eine stationäre Ein- richtung und damit zum Beginn der Transition. Dieser Eintritt stellt für alle beteiligten Ak- teure den eigentlichen Beginn der Veränderungsprozesse dar und wird nachfolgend in den wichtigsten Merkmalen und Auswirkungen beschrieben (5.3). In diesem Zusammenhang werden u. a. auch die Mitwirkungen von Haus- und Fachärzten dargestellt. Im weiteren Verlauf der Darstellung werden die Hinweise und Ergebnisse aus der sich an den Über- gang anschließenden Phase der Orientierung abgebildet (5.4). Diese Orientierungsphase schließt einen Zeitraum der Konsolidierung nach dem Einzug ein und beeinflusst, je nach Verlauf, die abschließende Phase der Routinisierung für alle Beteiligten. Die Phase der Routinisierung wird als Übergang in den neuen Alltag der Bewohner und der beteiligten Angehörigen und Bezugspersonen verstanden und bildet den Abschluss der Transition im Bereich des Heimübergangs (5.5).
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Lebensqualität von Angehörigen demenzkranker Menschen : "So habe ich mir das Leben nicht vorgestellt!"

Lebensqualität von Angehörigen demenzkranker Menschen : "So habe ich mir das Leben nicht vorgestellt!"

Wettstein et al. (2005) zeigen in ihrer Interventionsstudie zur Belastung und Wohlbefinden bei Angehörigen von Menschen mit einer Demenz auf, wie die vielfältigen Belastungen in Geldeinheiten bewertet werden können. Methoden zur Bewertung von Gütern, die nicht über einen Markt gehandelt werden können, sind verschieden. Wettstein et al. (2005, S. 138ff.) bedienten sich der Contingent Valuation Methode von Mitchell und Carson (1989). Dabei wird die Zahlungsbereitschaft für drei hypothetische Behandlungen einer Demenz untersucht. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die Methode ein Instrument darstellt, das für die Er- fassung der Kosten geeignet ist. Schlussfolgernd halten sie fest, dass auf Seiten der Angehöri- gen der Altruismus ein starkes Motiv darstellt, die Aussichten auf Heilung die höchste Zah- lungsbereitschaft aufweist und somit im besonderen Interesse der Angehörigen steht. Die Be- lastung, welche so monetär ausgedrückt werden kann, ist beträchtlich. Umgerechnet würden Angehörige für die Beseitigung ihrer Belastungen rund 18% ihres Vermögens hergeben. Sol- che Berechnungen machen Sinn, wenn damit die Entlastungsangebote unter wirtschaftlichen Aspekten beleuchtet werden sollen. Es kann so aber auch aufgezeigt werden, wie enorm hoch die Mehrfachbelastungen von Angehörigen sind. Dies wiederum kann Grundlage für politi- sche und gesellschaftskritische Diskussionen sein.
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Interaktionen zwischen chronisch kranken Menschen und pflegenden Angehörigen

Interaktionen zwischen chronisch kranken Menschen und pflegenden Angehörigen

ziale und ökonomische Merkmale der betroffenen Angehörigen, aber auch des familialen Netzwerks. Als zweites werden Stressoren ersten oder zweiten Grades unterschieden. Stressoren ersten Grades sind bei- spielsweise objektive Indikatoren wie der kognitive Status oder Verhal- tensprobleme der erkrankten Person, aber auch subjektive Indikatoren wie das Gefühl, überwältigt zu sein oder der Verlust der Beziehung zur erkrankten Person. Stressoren zweiten Grades ergeben sich aus den Anforderungen an die Rolle des Pflegenden. Sie zeigen sich beispiels- weise in Familienkonflikten oder ökonomischen Problemen. Als drittes werden die Mediatoren genannt, die eine belastungsreduzierende Wir- kung haben. Dies sind die Fähigkeit zur Bewältigung der Situation sowie die soziale Unterstützung, die ein pflegendes Familienmitglied erhält. Der Belastungsprozess mündet als vierter Punkt in das Ergebnis der Be- lastung, das sich beispielsweise in Depression oder Angst ausdrückt. Mit diesem Modell entwickeln und testen sie gleichzeitig ein umfangreiches Instrument zur Messung der Belastung (vgl. Pearlin u.a. 1990, S.592f). Pearlin u.a. (vgl. 1990, S.591) wollen aufzeigen, dass die Belastung pflegender Angehöriger kein Ereignis oder einzelnes Phänomen ist, sondern ein Mix aus Umständen, Erfahrungen, Reaktionen und Res- sourcen, dass je nach Angehörigem variiert und sich vor allem in seiner Wirkung für die Gesundheit und das Verhalten der Pflegenden unter- scheidet. „We believe that it is useful to think of caregiver stress not as an event or as an unitary phenomenon. It is, instead, a mix of circum- stances, experiences, responses, and resources that vary considerably among caregivers and that, consequently, vary in their impact on care- givers’ health and behavior” (vgl. Pearlin u.a. 1990, S.591).
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Ein bewegtes Leben für Menschen mit Demenz. Konzeption, Umsetzung und Evaluation einer gesundheitswirksamen Bewegungsförderungsintervention für Menschen mit Demenz im Setting der stationären Langzeitversorgung

Ein bewegtes Leben für Menschen mit Demenz. Konzeption, Umsetzung und Evaluation einer gesundheitswirksamen Bewegungsförderungsintervention für Menschen mit Demenz im Setting der stationären Langzeitversorgung

Die allgemeine Definition des Demenzsyndroms nach ICD-10 wird für die Anwendung in der vorliegenden Forschungsarbeit durch zwei Aspekte erweitert. Im ICD-10 werden zwar negative Auswirkungen auf die Aktivitäten des täglichen Lebens als Schwellkriterium für die Demenzdiagnose angeführt, jedoch wird nicht auf die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen Bezug genommen. Diese Perspektive soll an dieser Stelle in Hinblick auf ein weiteres Schwellkriterium für die Diagnose ergänzt werden. Denn Menschen mit Demenz zeigen im Vergleich zu ihren kognitiv gesunden Peers nicht nur höhere Abhängigkeiten bei der Ausführung von Aktivitäten des täglichen Lebens (Morais, Santos & Lebre, 2017), die im Verlauf der Erkrankung sukzessive zunehmen (Giebel, Sutcliffe & Challis, 2015), sondern auch bereits in frühen Stadien der kognitiven Beeinträchtigung eine schlechtere Lebensqualität (Bárrios et al., 2013). Die Lebensqualität scheint dabei von der Art der Demenzerkrankung weitestgehend unabhängig (Mjørud, Kirkevold, Røsvik, Selbæk & Engedal, 2014; Weztels, Zuidema, de Johghe & Verhey, 2010), ist jedoch assoziiert mit neuropsychiatrischen Symptomen, den Aktivitäten des täglichen Lebens, der Schwere der kognitiven Beeinträchtigung sowie der Einnahme von psychotropen Medikamenten (Mjørud et al., 2014; Weztels et al., 2010). Verhaltensbezogene und psychologische Beeinträchtigungen sind dabei stärker mit der Lebensqualität assoziiert als die kognitive Leistungsfähigkeit und funktionale Limitationen (Banerjee et al., 2006). Agitation und Depression stellen dabei die stärksten Prädiktoren für Lebensqualität dar (Weztels et al., 2010).
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Demenz – "Humor ist, wenn man trotzdem lacht" : Humor in der ergotherapeutischen Arbeit mit Menschen mit Demenz

Demenz – "Humor ist, wenn man trotzdem lacht" : Humor in der ergotherapeutischen Arbeit mit Menschen mit Demenz

bedarf es einer genaueren Nachforschung. Southam und Barker Schwartz (2004) vermuten hingegen tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Humor und Lernen. Der Lernprozess könne möglicherweise verbessert werden, weil Humor die Aufmerk- samkeit fördere. Dies wiederum könnte mit der Aktivierung des Belohnungssystems durch das Lachen (Goel & Dolan, 2001) in Zusammenhang stehen und dafür spre- chen, dass Personen in humorvollen Situationen aufmerksamer sind. Die Aktivierung des Belohnungssystems könnte die Motivation steigern einem Vorgang aufmerksam zu folgen, was wiederum den Lernprozess unterstützen könnte. Siegel (1986) berich- tet, dass die beiden Gehirnhälften während des Lachens auf ungewöhnliche Weise miteinander kommunizieren. Wird etwas als humorvoll erkannt, so arbeiten beide He- misphären in Einklang (Ornstein, 1997). Druck oder Stress schränkt das Aufnahme- vermögen des Menschen ein (Spitzer, 2008), Lachen hingegen dient dem Stressab- bau (Abel, 2002). Durch das Erleben von Freude und Heiterkeit kann demnach Stress verringert und somit der Lernprozess begünstigt werden. „Nur ein entspann- tes, gar vergnügtes Hirn lernt gut und gerne!“, Spitzer (2008).
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Edoweb: Begegnung mit an Demenz erkrankten Menschen

Edoweb: Begegnung mit an Demenz erkrankten Menschen

Kranken sich aufgrund der Demenz auffällig oder unange- messen verhalten. Auch wenn es schwer fällt – das offene Be- kenntnis zu der Krankheit ist in allen diesen Fällen hilfreich. Ganz wichtig: Nehmen Sie schwierige Verhaltensweisen nicht persönlich, sondern werten Sie sie als Folge der Erkrankung. Oft gibt es einen Auslöser für das scheinbar, im wahrsten Sinne des Wortes „ver-rückte“ Verhalten des an Demenz erkrankten Men- schen. Vielleicht hat er Angst oder fühlt sich bedroht, vielleicht auch missverstanden. Vielleicht deutet er eine Situation aus sei- nem Blickwinkel und seiner eigenen Realität – die eine andere ist als Ihre! – ganz anders als Sie. Nehmen Sie Menschen mit De- menz ernst und grenzen Sie sie nicht aus – auch wenn Ihnen ihr Verhalten manchmal merkwürdig vorkommt. Sie sind auf den Kontakt mit anderen Menschen angewiesen, um mit ihrer Krankheit würdevoll in unserer Gesellschaft leben zu können.
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Sinnkonstruktionen von Menschen mit Alzheimer-Demenz : eine Biographieanalyse

Sinnkonstruktionen von Menschen mit Alzheimer-Demenz : eine Biographieanalyse

Patienten haben Schwierigkeiten sich zu erinnern, planvoll zu agieren, zu organisieren, sich sprachlich adäquat auszudrücken sowie mit der räumlichen Orientierung. Zudem können depressive Symptome, in mehrheitlich leichter und wechselhafter Ausprägung, hinzukommen. Im mittelschweren Demenzstadium, etwa drei Jahre nach der Diagnose, kommt es zu einer zunehmenden Verschlechterung des Neugedächtnisses, der Sprache, des logischen Denkens und Handels. Die Betroffenen sind in höherem Maß ablenkbar und verlieren den Blick für ihre Störung. Alltagsfähigkeiten, wie das Ankleiden oder die Nahrungsaufnahme gehen verloren. Die räumliche Orientierung nimmt ab und es kann zu emotionalen Kontrollverlusten, wie z.B. Aggressionen, kommen. Ein kleiner Teil der Betroffenen leidet zudem an in der Regel optischen Halluzinationen. In dieser Phase wandern Menschen mit Alzheimer-Demenz oft unruhig und ohne erkennbares Ziel umher. Sie beginnen Dinge zu sammeln und zu sortieren. Das schwere Demenzstadium beginnt im Durchschnitt sechs Jahre nach der Diagnosestellung und ist durch eine prägnante Beeinträchtigung aller geistigen Funktionen gekennzeichnet. Aufgrund der nunmehr extrem reduzierten Sprachfähigkeit können Bedürfnisse nur noch schlecht artikuliert werden. Nichtsdestotrotz werden emotionale Signale vom Betroffenen registriert. Insbesondere in den frühen Abendstunden kommt es zu den größten Unruhezuständen. Inkontinenzen und neurologische Störungen nehmen zu. Im Zuge der sich häufig entwickelnden Bettlägerigkeit können u.a. Kontrakturen und Dekubitalulcera, sogenannte Druckgeschwüre, entstehen. (Vgl. Förstl 2011, S.52ff) Im leichten Stadium können Betroffene ihr Leben mit Einschränkungen selbstständig bewältigen, während im mittleren Stadium bereits fremde Hilfe im Alltag vonnöten ist. Das schwere Demenzstadium ermöglicht hingegen keine selbstständige Lebensführung. (Vgl. o.V. 2010, S.2)
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Edoweb: Einsatz mit an Demenz erkrankten Menschen

Edoweb: Einsatz mit an Demenz erkrankten Menschen

• Weisen Sie ihn nicht auf seine Defizite hin. Die Angehörigen eines an Demenz erkrankten Menschen – was Sie über sie wissen sollten Wenn Sie im Notfall mit einem an Demenz erkrankten Men- schen konfrontiert werden, haben Sie es vielleicht entweder gleichzeitig oder aber später auch mit seinen Angehörigen zu tun. Dafür ist es ebenfalls hilfreich, ein paar Fakten zu wissen: Die meisten an Demenz erkrankten Menschen mit den be- schriebenen Beeinträchtigungen werden zu Beginn ihrer Er- krankung zuhause von ihren Angehörigen betreut. Deren Be- reitschaft, einen an Demenz erkrankten Menschen zu pflegen, ist überdurchschnittlich hoch. Oft erfolgt erst dann eine Ein- weisung ins Pflegeheim, wenn die Kräfte der Familienmitglie- der zu Hause komplett erschöpft sind. Nachdem die Angehöri- gen das leichte und mittlere Krankheitsstadium als die am be- anspruchendsten Pflegephasen bewältigt (und sich oft selbst dabei „kaputt gepflegt“) haben, nehmen sie häufig Hilfe durch eine stationäre Einrichtung an. Für diese hohe bereits erbrach- te Pflegeleistung durch die Angehörigen sollte von anderen Menschen der höchste Respekt aufgebracht werden.
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Belastungserleben pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz während eines Krankenhausaufenthaltes

Belastungserleben pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz während eines Krankenhausaufenthaltes

deren vollständigen Übernahme an. Des Weiteren müssen sie sich mit finanziellen und rechtlichen Fragen auseinandersetzen. Um einer Überlastung der pflegenden Angehörigen vorzubeugen, sollten diese rechtzeitig Unterstützung in Anspruch nehmen wie z.B. ambulante Pflegedienste (Landesinitiative Demenz-Service NRW, 2008). Die Interviewten empfinden die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegdienstes hingegen als weniger hilfreich und unterstützend: „[Ich habe] gedacht vielleicht kann mir da ein Pflegedienst helfen. Also damit habe ich gar keine guten Erfahrungen gemacht.“ (Interview 3, Zeile 695-697). Die Pflegenden des ambulanten Pflegedienstes werden von den Menschen mit Demenz oftmals nicht akzeptiert: „[…] war ja der Pflegedienst da, der leider von meinem Opa so mittelmäßig gut angenommen wurde, weil er irgendwie unangenehmerweise irgendwelche 40er Jahre Mentalitäten wieder rauskamen und er […] Pflegekräfte leider wieder rausgeschmissen hat […] (Interview 4, Zeile 279-285). Für Menschen mit Demenz scheint es schwierig zu sein zu verstehen, warum nun die Pflege nicht durch die gewohnte Bezugsperson, sondern durch eine für sie fremde Person erfolgt: „[…], aber wir waren nun nicht weg und noch präsent. Dann versteht sie das nicht…, dass wir nicht die Pflege machen, sondern ja die Pflegekraft, weil wir uns dann ja eigentlich mal zurückziehen wollen. Und dann ist die auch ungehalten und ruft immer wieder nach uns.“ (Interview 1, Zeile 235-240). Des Weiteren wünschen sich die pflegenden Angehörigen eine stärkere Entlastung durch den Pflegedienst. Sie erhoffen sich Zeit für sich und für einen kurzen Zeitraum die Pflege und Betreuung vollständig abgeben zu können: „Dann wie gesagt, haben wir irgendwann einen Pflegedienst beauftragt, damit wir mal wegkonnten. Das ist auch nicht so einfach jemanden zu finden, die dann… die vollkommen die Betreuung übernehmen.“ (Interview 1, Zeile 137-141). Angebote der Tagespflege oder Tagestreffs werden als entlastender empfunden, da hier die vollstände Pflege und Betreuung für ein paar Stunden übernommen wird: „Und dann ging mein Mann in die Tagespflege. […] am Anfang zwei Mal die Woche mittwochs und freitags.“ (Interview 3, Zeile 258-262).
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Pflegekompetenz in Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz - eine empirische Erhebung

Pflegekompetenz in Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz - eine empirische Erhebung

1.3.3.1 Aus dem IV. Bericht zur Lage der älteren Generation in Deutschland Der einleitend zitierte Vierte Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesre- publik Deutschland, 81 den die Bundesregierung vorgelegt hat und in dem von der De- menz als „Herausforderung an Politik, Wissenschaft und Gesellschaft“ 82 die Rede ist, gibt auch Empfehlungen dahingehend ab, welche Anforderungen und Kompetenzen an professionell Pflegende im Zusammenhang mit der Pflege demenziell erkrankter Men- schen zu stellen sind. So wird grundsätzlich als wichtig gesehen, dass Pflegende, die in diesem Bereich der Pflege tätig sind über eine entsprechende Qualifikation verfügen, die sie für diese Tätigkeit befähigt. 83 Damit verbunden werden verschiedene Kompeten- zen, die als „Grundlage für eine fundierte Pflege und einen personenfördernden Um- gang mit Hochaltrigen und Demenzkranken“ 84 gesehen werden. Demnach sollten Pfle- gende über eine „Soziale Kompetenz zur Beziehungsgestaltung“ 85 verfügen, die es ih- nen ermöglicht, sich in den Menschen mit seiner demenziellen Erkrankung einzufühlen, seinen biographischen Hintergrund anzuerkennen und sie offen sein lässt für die Be- dürfnisse und Vorlieben der Betroffenen. 86 Durch die Fähigkeit zur Selbstreflexion soll gewährleistet sein, dass Pflegende ihre Arbeit hinterfragen und nicht der Gefahr unter- laufen in unangebrachte Routinen zu verfallen, die den Bedürfnissen demenziell Er- krankter nicht entsprechen. 87 Durch eine „Klinische Beurteilungskompetenz“ 88 und die damit in Zusammenhang gesehene „Kompetenz zu ethischen Urteilen“ 89 sollen Pfle- gende dazu in der Lage sein, die individuelle Situation des Pflegebedürftigen zu erfas-
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Soziale Arbeit bei der Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen in Hospizeinrichtungen

Soziale Arbeit bei der Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen in Hospizeinrichtungen

Die weitere geschichtliche Entwicklung der Hospizarbeit ist eng mit dem Namen einer weiteren Frau verbunden, die die Verbreitung der Hospizbewegung in den USA entscheidend beeinflusste: Elisabeth Kübler-Ross. Die Schweizer Ärztin und Psychiaterin veröffentlichte 1969 ihr Buch „On Death and Dying“ („Interviews mit Sterbenden“), welches in den USA großes Aufsehen erregte und schließlich auch den „[…]Boden für einen anderen Umgang mit dem Sterben gut vorbereitet[e] […]“ 21 und so das Tabuthema Tod zumindest teilweise aufbrechen konnte. Das erste Hospiz Nordamerikas nahm schließlich 1973 als ambulanter Hospizdienst in New Haven/Connecticut seine Arbeit auf. Aufgrund großer finanzieller Schwierigkeiten in den ersten Jahren wurden viele Aufgaben von Ehrenamtlichen übernommen – wodurch sich die Rolle der ehrenamtlich engagierten Bürger in der Hospizarbeit entscheidend änderte. Cicely Saunders betonte in Großbritannien zwar von Anfang an die Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeit, griff in ihren Hospizkonzepten aber nur nachrangig auf sie zurück, um den hohen Professionalitätsstandart zu betonen. In den USA wurde die ganzheitliche Versorgung von Sterbenden und ihrer Angehörigen vor allem durch das große ehrenamtliche Engagement schließlich zu einer regelrechten Bürgerbewegung, die in der breiten Gesellschaft auf ein lebhaftes Echo stieß. Gleichzeitig verzögerte sich aufgrund
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„Ich muss jetzt aber nach Hause...“ : Pflegeinterventionen zur Linderung von Sundowning bei Menschen mit Demenz

„Ich muss jetzt aber nach Hause...“ : Pflegeinterventionen zur Linderung von Sundowning bei Menschen mit Demenz

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Auswirkungen eines Schlaganfalls auf die Betätigungsperformanz der pflegenden Angehörigen von betroffenen Menschen

Auswirkungen eines Schlaganfalls auf die Betätigungsperformanz der pflegenden Angehörigen von betroffenen Menschen

Wenn man annimmt, dass die pflegenden Angehörigen vor dem Ereignis eine relativ ausgeglichene Verteilung der Betätigungsbereiche Produktivität, Freizeit und Selbstversorgung aufzeigten, sieht es nach dem Ereignis nicht mehr so aus, wenn das Pflegen des Angehörigen zum Bereich Produktivität gezählt wird. Einige Pflegende erwähnten, dass sich das Pflegen für sie wie Arbeit an- fühlt oder sie sich gegenüber dem Betroffenen als Pfleger fühlen (Sawatzky & Fowler-Kerry, 2003). Viele Studien beschrieben den Zusammenhang zwischen der Pflegerolle, der erhöhten Arbeitsbelastung und dem Verlust von Freizeit- aktivitäten (Blake & Lincoln, 2000; Jungbauer et al., 2003; Kerr & Smith, 2001). Die Abnahme der sozialen Partizipation sowie der eigenen Freizeit stellt eine der einschneidendsten Folgen des Pflegens dar (Anderson et al., 1995; Smith et al., 2004; Van Nes et al., 2009, in Druck; Enterlante & Kern, 1995; Pettersson et al., 2005; Laliberte Rudman et al., 2006; Rochette et al., 2007). Dies könnte damit zusammenhängen, dass Betroffene aufgrund ihrer Beeinträchtigungen teilweise nicht mehr an sozialen Anlässen, die sie regelmässig besuchten, teil- nehmen können oder das nicht mehr möchten. Die Ehepartner, die früher auch dabei waren, nehmen nicht mehr teil, weil sie sich wahrscheinlich verantwortlich für den Betroffenen fühlen und ihn zu Hause nicht alleine lassen wollen. Dieses Phänomen wurde als „spill-over effect“ bereits erwähnt. Soziale Aktivitäten, die im CMOP zum Betätigungsbereich Freizeit zählen, finden nicht mehr so oft wie früher statt oder anders. Die Veränderungen in der Beziehung zum Partner wirkten sich auf das soziale Leben des gesunden Partners aus.
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Herausforderndes Verhalten : Evidenzbasierte Pflegeinterventionen bei Menschen mit Demenz

Herausforderndes Verhalten : Evidenzbasierte Pflegeinterventionen bei Menschen mit Demenz

Die Studie von Chang et al. (2010) untersucht den Effekt eines Musikprogramms auf das herausfordernde Verhalten der demenzkranken Bewohner während des Mittagessens. Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern zu diesem Zeitpunkt (während des Essens) heraus- forderndes Verhalten gezeigt wird. Und ob die Musik, als beruhigendes Instrument, nicht beispielsweise während der Körperpflege effektiver eingesetzt werden könnte. Diese Überlegung könnte auch die Ergebnisse der Studie erklären. Der Rückgang des physisch und verbal aggressiven Verhaltens stellte sich darin als statistisch nicht signifikant heraus. Ausserdem muss bei dieser Studie berücksichtigt werden, dass sie in Taiwan durchgeführt wurde. Die verwendete Naturmusik mit Vogelgesang, Walgesang, fliessendem Wasser oder Pianomusik dürfte aber auch bei Schweizer Demenz-Kranken einen vergleichbaren Effekt haben. Interessant scheint der Verzögerungseffekt, den die Autoren in ihrer Unter- suchung entdeckt haben. Die Wirkung der Musik zeigt sich also erst in der darauf folgen- den Woche in der keine Musik gespielt wird. Dieser Verzögerungseffekt und die daraus abzuleitende Langzeitwirkung müsste somit auch das Verhalten der Bewohner beispiels- weise bei der Abendtoilette positiv beeinflussen. Dies müsste aber erst in weiteren Studien belegt werden.
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