Nach oben pdf Aids-Prävention und die Aufgaben der Sozialwissenschaften

Aids-Prävention und die Aufgaben der Sozialwissenschaften

Aids-Prävention und die Aufgaben der Sozialwissenschaften

belegten Hypothesenkritik an der Verursachung von Aids durch HIV, die zudem keine eigene tragfähige Erklärung für die Krankheitsentstehung enthält, den einzigen Schutz zu unterlassen, der bislang zu dramatischen Reduktionen in der Infektionsinzidenz geführt hat. Ein anderer Einwand gegen die Notwendigkeit des Lernziels Kondome und Einwegspritzen ergibt sich aus der Risikokalkulation. Außerhalb der Zonen mit verdich­ tetem Infektionsrisiko, also z. B. bei biederen Familienvätern, die vielleicht e in - bis dreimal pro zwei Jahre den Pfad der Monogamie verlassen, ist das Risiko der Infektion tatsächlich um Zehnerpotenzen geringer (Weyer et al. 1988; Hearst/Hully 1988) als die Gesundheits- und Lebensgefähr­ dungen aus der Teilnahme am Arbeitsleben und am Straßenverkehr. Demgegenüber bleibt aber auch wahr, daß Gesundheitspolitik darauf angewiesen ist, daß dies so bleibt. Dazu gibt es keinen besseren Weg, als das Kondom so öffentlich und nachhaltig wie möglich zu propagieren und daran zu arbeiten, die Frage der Infektions- und Empfängnisverhütung auf eine angemessene Weise in einer reformierten Sexualpädagogik zu verankern. Die Politik der Bundesregierung ist in dieser Hinsicht zwei­ deutig: Einerseits wird - zu wenig und zu verschämt - aufgeklärt, auf der anderen Seite wird mit dem breiten Testangebot, das de facto auf ein ungezieltes und medizinisch nicht vertretbares Massenscreening hinausläuft, eine Strategie der individuellen Infektionsquellensuche auf freiwilliger Basis betrieben. Gegen diese Strategie werden Einwände aus der medizinischen Ethik (Osborn 1988; Barry et al. 1986), aus der Biostatistik (Miike et al. 1988; Meyer/Pauker 1987), aus der empirischen Verhaltensforschung (Michel 1988) und aus K osten- und Effektivitäts - Überlegungen (Cleary et al. 1987) erhoben. Aber selbst wenn es diese Einwände nicht gäbe, müßte die allgemeine Kondomkampagne sicherlich noch verstärkt werden. Um auf der sicheren Seite zu bleiben, muß sich Gesundheitspolitik auf eine sehr lange Zeit mit dem Virus einrichten. Zudem ist belegt, daß verhaltensbeeinflussende Präventionskampagnen desto wirksamer sind, je weniger diskriminierend sie sich an die gesamte Bevölkerung richten.
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Sozialwissenschaften

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schaft und Statistik‘. In der Folge des von der Kommission vorgelegten Gutachtens10 wurde vom BM BF 2004 erstmals der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) berufen, der als unabhängiges Expertengre­ mium in erster Linie eine begutachtende und koordinierende Funktion beim Aufbau von Forschungsinfrastrukturen einnimmt. Durch die pa­ rallel in Deutschland etablierten Forschungsdatenzentren und Datenser­ vicezentren wurde insbesondere der Zugang zu solchen Daten verbessert oder erst ermöglicht, die bei Ämtern und Behörden wie der Bundesagen­ tur für Arbeit oder den statistischen Ämtern bzw. bei Körperschaften wie der Rentenversicherung aus der Durchführung öffentlicher Aufgaben entstehen (s. Kap. 4.3). Diese Zentren sind für sich genommen kleinere Einheiten, jeweils bei der datenerzeugenden oder -haltenden Organisati­ on angesiedelt und haben einen thematisch engen Fokus, um eine hohe fachwissenschaftliche Qualität der Datenhandhabung zu gewährleisten. Damit wird für Deutschland die Lücke zunehmend geschlossen, die ne­ ben dem breiten, aber überwiegend auf Umfragedaten gerichteten Da- tenservice-Angebot des GESIS-Datenarchivs bestand.11;12
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Prävention oder Repression? AIDS und staatliche Gesundheitspolitik

Prävention oder Repression? AIDS und staatliche Gesundheitspolitik

b) Aufgaben der AIDS-Prävention liegen für staatliche Stellen auch dort, wo staatliche Regelungen den Notwendig­ keiten der AIDS-Prävention direkt wi­ dersprechen. Das ist z. B. in Gefängnis­ sen und vielfach auch in der Prostitu­ iertenbetreuung sowie im Umgang mit i. v. Drogenabhängigen der Fall. Staat­ lich regelungsbedürftig erscheint auch der Zugang von Safer-Sex-Botschaften in die Massenmedien. Wenn Boule­ vard-Zeitungen die Schaltung von Sa- fer-Sex-Annoricen unter. Verweis auf die »öffentliche Sittlichkeit« ablehnen, während sic gleichzeitig Tag für Tag seitenweise ungetarnt für Prostitution werben können (>Hostess<, »Dress­ man«), wird die Doppelmoral zur le­ bensgefährlichen Perversion. Im Be­ reich der parastaatlichen Gesundheits­ politik (Rentenversicherung und Kran­ kenkassen) geht es vor allem darum, Einbrüche in das Solidarprinzip bei Rehabilitation und Versicherungs­ schutz abzuwehren bzw. rückgängig zu machen. Mit anderen Worten: Der HIV-Antikörper-Test, der seinem We­ sen nach keine Individualdiagnose, sondern eine Dispositionsdiagnose mit lediglich epidemiologisch interpretier­ barem Ergebnis darstellt, darf nicht zur sozialrcchtlich legitimierten Vorausset­ zung für den Lcistungszugang werden. Die sozialrcchtliche »Ächtung« einer Krankheit würde zudem das gesell­ schaftliche Klima für Prävention erheb­ lich beeinträchtigen.
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HIV und AIDS - Prävention und Versorgung im Landkreis Tübingen

HIV und AIDS - Prävention und Versorgung im Landkreis Tübingen

Für die meisten unserer Bürgerinnen und Bürger hat die Immunschwächekrankheit AIDS an Schrecken verloren. Die zunächst befürchtete epidemische Ausbreitung des Virus ist in Deutschland ausgeblieben und das ist ein schöner Erfolg. Er darf aber über zweierlei nicht hinwegtäuschen: Den Erfolg bei uns verdanken wir in erster Linie einer intensiven und er- folgreichen Aufklärungs- und Präventionsarbeit auf allen Ebenen – und das heißt: Wir dürfen darin nicht nachlassen, die Freude über unseren Erfolg darf uns nicht nachlässig werden lassen. Und dies, zweitens, umso weniger, als die Gefahr keineswegs gebannt ist, sondern die AIDS-Prävention vor neuen Herausforderungen steht. Die Situation in Afrika und in Asien und besonders in den GUS-Staaten ist Besorgnis erregend. In diesen Gebieten ver- zeichnen wir dramatisch zunehmende Neuinfektionsraten. Wir dürfen daher nicht nach- lassen, die junge Generation über die Gefahren und Risiken aufzuklären und die AIDS-Prä- vention auf neue Aufgaben bei bestimmten Zielgruppen vorzubereiten. Neuerkrankungen und das damit verbundene Schicksal sind traurig, aber vermeidbar, und deshalb darf das Thema AIDS aus der Öffentlichkeit nicht verschwinden.
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Rahmenlehrplan Sozialwissenschaften

Rahmenlehrplan Sozialwissenschaften

Die für die Qualifikationsphase beschriebenen Grundsätze für Unterricht und Erziehung so- wie die Ausführungen zum Beitrag des Faches zum Kompetenzerwerb gelten für die Einfüh- rungsphase entsprechend. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, Defizite auszugleichen und Stärken weiterzuentwickeln. Sie vertiefen bzw. erwerben fachbezogen und fachübergreifend Grundlagen für wissenschaftspropädeutisches Arbeiten und bewälti- gen zunehmend komplexe Aufgabenstellungen selbstständig. Hierzu gehören auch die an- gemessene Verwendung der Sprache und die Nutzung von funktionalen Lesestrategien. Dabei wenden sie fachliche und methodische Kenntnisse und Fertigkeiten mit wachsender Sicherheit selbstständig an. Um ihre Kurswahl wohlüberlegt treffen zu können, machen sie sich mit den unterschiedlichen Anforderungen für das Grundkurs- und Leistungskursfach vertraut. Zur Vorbereitung auf die Arbeit in der jeweiligen Kursform erhalten sie individuelle Lernspielräume und werden von ihren Lehrkräften unterstützt und beraten. Notwendig ist darüber hinaus das Hinführen zur schriftlichen Bearbeitung umfangreicherer Aufgaben im Hinblick auf die Klausuren in der gymnasialen Oberstufe.
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Zur Interkulturalität der Wissenskommunikation : Das Beispiel der HIV / AIDS-Prävention in Burkina Faso

Zur Interkulturalität der Wissenskommunikation : Das Beispiel der HIV / AIDS-Prävention in Burkina Faso

mit Lachen und Kreischen begleiten. Auch hier setzt sich im übrigen der gendered discourse fort, da durch die Fokussierung des Verhaltens der (generell männli- chen) Fernfahrer die serielle Form der Treue ausschließlich Männern unterstellt wird während die Frauen lediglich als Objekt und nicht als selbst Handelnde er- scheinen. Die Aufzählung endet mit einer generalisierenden Äußerung, die die Kernaussage der ganzen Sequenz enthält (chaque gare ils sont fidèles à une fille, Z.41f.) und die Antwort auf die Frage, ob ein solches Verhalten unter die Katego- rie der Treue zu subsumieren sei, den Teilnehmern überläßt (est-ce que ça c’est la fidélité, Z.42f.). Die im Chor vorgetragene Antwort non ratifiziert E mit voilà, um dann mit einem Verweis auf die Arbeit der künftigen peer educators fortzufahren, zu deren Aufgaben eben auch eine genaue Kenntnis der tragenden Begriffe des Präventionsdiskurses gehört (donc quand vous allez parler de la fidélité il faut sa- voir ce que ça veut dire, Z.45f.). Diese Erinnerung an künftige Anforderungen le- gitimiert rückwirkend die ausgebaute Bearbeitung des Konzepts fidélité. Offenbar scheinen Worterklärungen dieses Umfangs in einem Kontext, der nicht ausdrück- lich als exolingual definiert wird, begründungspflichtig. Gleichzeitig unterstreicht E damit noch einmal die Relevanz des Schlüsselbegriffs fidélité für die künftige Präventionsarbeit der Teilnehmer.
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Soziale, medizinische und sozialwissenschaftliche Voraussetzungen der Prävention und Bekämpfung von AIDS

Soziale, medizinische und sozialwissenschaftliche Voraussetzungen der Prävention und Bekämpfung von AIDS

Soll die von ihm ausgehende Botschaft angenommen werden, darf er nicht im Verdacht stehen, z. B. ein doppeltes Spiel zu spielen: Aufklärung und Repression schließen sich auch hier fast gänzlich aus. Zentralen und dezentralen Sendern kommen verschiedene Aufgaben zu, die dezentralen Sender müssen die Möglichkeit haben, sich inhaltlich und symbolisch auf die Bot­ schaften der zentralen Absender zu beziehen. Je dezentraler der Absender, desto mehr können die zielgruppenspezifischen sowie regionalen und kommunalen Besonderheiten in Inhalt, Gestus und Sprache berücksichtigt werden. Am schnell und spontan entstandenen Netzwerk der über 40 regionalen AIDS-Hilfen in der Bundesrepublik lassen sich die Stärken und (behebbaren) Schwächen dezentraler Kommunikation täglich studieren (vgl. DAH 1987). Generell gilt: Je einfacher die Botschaft ist und je leichter ihr Inhalt in die gegebene Lebensweise eingebaut wer­ den kann, desto größer ist die Chance, daß sie ankommt. ,An­ kommen1 umschließt die drei Ebenen der Informationsauf­ nahme (.Verstehen1), der Akzeptanz (.Einstellung1) und der Umsetzung (.Verhalten1). Ob als zentraler Absender die Regie­ rung (in der BRD einschließlich der Bundeszentrale für gesund­ heitliche Aufklärung) oder eher parastaatliche Organisationen (Krankenkassen, eine AIDS-Stiftung etc.) effektiver sind, müßte weiter durchdacht werden. Dezentrale Absender sind die Selbsthilfeorganisationen sowie Institutionen des öffentlichen Gesundheitswesens und das Medizinsystem (niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser), soweit diese über Vertrauenswür­ digkeit in den Zielgruppen und eine ausreichende Qualifikation in Fragen von Sexualität und AIDS verfügen. Ersteres wird durch jede Form einer zentralen Befundregistrierung, die die Möglichkeit des Rückverfolgs zu namentlich geführten Patien­ tenakten ermöglicht, zumindest schwer erschüttert. Letzteres stellt derzeit noch einen wesentlichen Engpaß dar.
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Strategien gegen Aids: gesundheitspolitische und sozialwissenschaftliche Perspektiven der Prävention und Krankenversorgung

Strategien gegen Aids: gesundheitspolitische und sozialwissenschaftliche Perspektiven der Prävention und Krankenversorgung

und materiellen Ressourcen vorhanden und mobilisierbar sind, um die gesell­ schaftlichen Aufgaben der Infektionsver­ hütung, angemessener Versorgung, Pflege und Betreuung für die Kranken, der Stabi­ lisierung und des Ausbaus gesellschaftli­ cher Solidarität sowie der Förderung und Steuerung von medizinischer und nicht­ medizinischer Forschung anzugehen. Wenn die in dieser Konstellation liegenden Chancen genutzt werden, können die dabei anfallenden Erfahrungen auch für die Prä­ vention und Bewältigung anderer epidemio­ logisch wichtiger Gesundheitsprobleme und Krankheiten genutzt werden. Insgesamt könnte dies auf eine empirische Fundierung und Stärkung des auch von der WHO propa­ gierten Ansatzes lebensweisebezogener Ge­ sundheitspolitik (healthy public policy) hin- auslaufen. Dieser Ansatz sieht individuelles Verhalten eingebettet in gesellschaftliche Be­ dingungen des Verhaltens und versucht vor diesem Hintergrund, integriert und zeitgleich auf beiden Ebenen mit staatlichen und nicht­ staatlichen sowie mit medizinischen und nicht-medizinischen Instrumenten zu inter­ venieren. Damit wird an die Erfolge früherer Präventionspolitik in diesen Ländern ange­ knüpft: Die Dynamik aller großen Infek­ tionskrankheiten in Europa seit der Indu­
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Soziale, medizinische und sozialwissenschaftliche Voraussetzungen der Prävention und Bekämpfung von Aids

Soziale, medizinische und sozialwissenschaftliche Voraussetzungen der Prävention und Bekämpfung von Aids

Der Sender muß bekannt, vertraut und ver­ trauenswürdig sein. Soll die von ihm aus­ gehende Botschaft angenommen werden, darf er nicht im Verdacht stehen, z.B. ein dop­ peltes Spiel zu spielen: Aufklärung und Repression schließen sich auch hier fast gänzlich aus. Zentralen und dezentralen Sendern kommen verschiedene Aufgaben zu, die dezentralen Sender müssen die Möglich­ keit haben, sich inhaltlich und symbolisch auf die Botschaften der zentralen Absender zu beziehen. Je dezentraler der Absender, desto mehr können die zielgruppenspezifi­ schen sowie regionalen und kommunalen Be­ sonderheiten in Inhalt, Gestus und Sprache berücksichtigt werden. Am schnell und spontan entstandenen Netzwerk der über 40 regionalen Aids-Hilfen in der Bundesrepu­ blik lassen sich die Stärken und (beheb­ baren) Schwächen dezentraler Kommunikation täglich studieren (vgl. DAH 1987). Gene­ rell gilt: Je einfacher die Botschaft ist und je leichter ihr Inhalt in die gegebene Lebensweise eingebaut werden kann, desto größer ist die Chance, daß sie ankommt. "Ankommen" umschließt die drei Ebenen der Informationsaufnahme ("Verstehen"), def Akzeptanz ("Einstellung") und der Umset­ zung ("Verhalten"). Ob als zentraler Ab­ sender die Regierung (in der BRD ein­ schließlich der Bundeszentrale für gesund­ heitliche Aufklärung) oder eher parastaat­ liche Organisationen (Krankenkassen, eine Aids-Stiftung etc.) effektiver sind, müßte weiter durchdacht werden. Dezentraler Ab­ sender sind die Selbsthilfeorganisationen sowie Institutionen des öffentlichen Ge­ sundheitswesens und das Medizinsystem (niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser), soweit diese über Vertrauenswürdigkeit in den Zielgruppen und eine ausreichende Qua­
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Prävention von Aids: Herausforderung an die Gesundheitswissenschaften

Prävention von Aids: Herausforderung an die Gesundheitswissenschaften

Wie für jede Botschaftsübermittlung gilt auch für die Aids-Prä- vention: Der Sender muß bekannt, vertraut und vertrauens­ würdig sein. Soll die von ihm ausgehende Botschaft ange­ nommen werden, darf er nicht im Verdacht stehen, z. B. ein doppeltes Spiel zu spielen: Aufklärung und Repression schließen sich auch hier fast gänzlich aus. Zentralen und de­ zentralen Sendern kommen verschiedene Aufgaben zu; die dezentralen Sender müssen die Möglichkeit haben, sich in­ haltlich und mit gemeinsam benutzten (vor allem visuellen) Symbolen auf die Botschaften der zentralen Absender zu be­ ziehen. Je kontextnäher; d. h. meist: je dezentraler der Absen­ der, desto mehr können die zielgruppenspezifischen sowie regionalen und kommunalen Besonderheiten in Inhalt, Ge­ stus, Sprache und Lebensstil berücksichtigt werden. Am schnell und spontan entstandenen Netzwerk der über 40 re­ gionalen Aids-Hilfen in der Bundesrepublik lassen sich Stär­ ken und Schwächen dezentraler Kommunikation täglich stu­ dieren (vgl. DAH 1987). Generell gilt: Je einfacher die Bot­ schaft ist und je leichter ihr Inhalt in die gegebene Lebenswei­ se eingebaut werden kann, desto größer ist die Chance, daß sie ankommt. ,,Ankommen“ umschließt die drei Ebenen der Informationsaufnahme (Verstehen1), der Akzeptanz (.Einstel­ lung1) und der Umsetzung (Verhalten1). Ob als zentraler Ab­ sender die Regierung (in der BRD einschließlich der Bundes­ zentrale für gesundheitliche Aufklärung) oder eher parastaat­ liche Organisationen (Krankenkassen, eine Aids-Stiftung etc.) effektiver sind, müßte weiter durchdacht werden. Dezentrale Absender sind die Selbsthilfeorganisationen sowie Institutio­ nen des öffentlichen Gesundheitswesens und des Medizinsy­ stems (niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser), soweit diese über Vertrauenswürdigkeit in den Zielgruppen und eine ausreichende Qualifikation in Fragen von Sexualität bzw. Dro­ gen und Aids verfügen. Ersteres wird durch jede Form einer zentralen Befundregistrierung, die die Möglichkeit des Rück­ verfolgs zu namentlich geführten Patientenakten ermöglicht, zumindest schwer erschüttert. Letzteres stellt derzeit noch ei­ nen wesentlichen Engpaß dar.
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Strategien gegen Aids: gesundheitspolitische und sozialwissenschaftliche Perspektiven der Prävention und Krankenversorgung

Strategien gegen Aids: gesundheitspolitische und sozialwissenschaftliche Perspektiven der Prävention und Krankenversorgung

• in ihren Ressourcen und Institutionen. Die politi­ schen Aufgaben und die materiellen Ausgaben im Zusammenhang mit AIDS werden in den nächsten Jahren in jedem Falle ansteigen müssen. AIDS kon­ frontiert ganze Regionen der Erde mit neuen Qualitä­ ten und Quantitäten des Leidens und führt sie damit an neue Grenzen ihrer sozialen und ökonomischen Leistungsfähigkeit. AIDS hat in allen Ländern neuar­ tige Arrangements von institutioneller und professio­ neller Zuständigkeit im Umkreis von Prävention und Versorgung hervorgerufen und trägt langfristig zu einem Umbau der Gesundheitsdienste mit einer neuen Kombination basisorientierter Prävention und Betreuung mit fortgeschrittener Hightech-Medizin bei.
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Sozialwissenschaften

Sozialwissenschaften

Unterrichtsvorhaben III: Ist meine Stimme wirklich wichtig? Partizipation im politischen System der Bundesrepublik Deutschland unter Beachtung neuer Medien Fachdidaktische Idee: Da insgesamt nur ein geringer Anteil von Jugendlichen in politischen und sozialen Organisationen aktiv ist, ist es erste Auf- gabe dieses Kapitels, die verschiedenen Möglichkeiten von Engagement aufzuzeigen und darüber indirekt ggf. auch Motivation zum eigenen En- gagement zu wecken. Auch geht es hierbei darum, zu klären, was überhaupt unter „Politik“ zu verstehen ist, und dabei herauszufinden, dass es – wie so oft in den Sozialwissenschaften – nicht die „eine“ allgemeinverbindliche Definition gibt. Auch dieses Unterrichtsvorhaben folgt dem Prinzip, von lebensweltnahen zu zunehmend abstrakten Themen vorzugehen. An die Möglichkeiten des eigenen Engagements schließen sich demgemäß die Betrachtung politischer Parteien, der Medien und schließlich der Funktionsweise des politischen Systems der parlamentarischen Demokratie an. Ein besonderer Fokus der abschließenden Sequenz liegt auf der Vorstellung des Politikzyklus als Möglichkeit, komplexe politische Prozesse sys- tematisch zu erfassen und darzustellen, sowie auf dem Erwerb politischer Urteilskompetenz als unumgänglicher Kompetenz zur Bewältigung des Abiturs. Ein Rückgriff auf die Frage, inwiefern Werte und Normen bei der Urteilsbildung von Bedeutung sind, ermöglicht dabei einen „Brücken- schlag“ zum Inhaltsfeld 3.
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Alltagswissen über AIDS

Alltagswissen über AIDS

Dabei spielen offenbar, ganz im Sinn unserer Ausgangsthesen, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über Ansteckungswege und Ansteckungsmöglichkeiten nur eine untergeordnete Rolle. Weit verbreitet ist aber die Kenntnis, daß AIDS grund­ sätzlich ansteckend ist und bislang, mangels geeigneter kurativer Mittel sicher töd­ lich verläuft. Für das alltägliche Handeln gerade auch in kontingenten Situation ist in diesem Zusammenhang die Frage zentral, welche Alltagsroutinen und Kontakte mit anderen als gefährlich eingeschätzt werden. Diese Beurteilung von Alltags­ situationen muß verstanden werden als komplexer Interpretationsprozeß, bei dem kontextspezifische kollektive Erfahrungen mit anderen schweren Krankheiten, individuelle Erfahrungen mit Gesundheitsbeeinträchtigungen und dazu konsonante extern gewonnene Erkenntnisse über AIDS Zusammenwirken. Dabei führt eine Wahrnehmung und Interpretation von AIDS, die man im oben skizzierten Sinn in Abgrenzung von medinzinischem Fachwissen als Alltagswissen bezeichnen kann, zu anderen "Lösungen" des Problems als eine adäquate Einschätzung der Risiken von HIV. Letztere impliziert den Umgang mit dem Virus, was hier bedeutet, daß zum Schutz vor Infektion nicht Personen, sondern nur bestimmte Situationen gemieden werden müssen bzw. geeignete situationsbezogene Schutzmaßnahmen zu treffen sind. Besondere Maßnahmen zur Prävention, welche die Gruppe der Kran­ ken und Infizierten insgesamt betreffen und staatlich organisiert werden müßten, werden bei dieser Einschätzung der Krankheit als nicht notwendig erachtet. Dem­ gegenüber hat die laienätiologisch geprägte Sichtweise von AIDS eben solche For­ derungen zur Konsequenz. Schutz vor Infektion kann bei dieser Sicht nur durch Meidung der Infizierten gewährleistet werden, der Rückzug ins Private ist dann die eine mögliche - individuelle - Strategie, die Identifizierung, Ausgrenzung und Iso­ lierung der gefährlichen Virusträger die zweite - gesellschaftliche oder kollektive - Strategie.
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Sozialwissenschaften

Sozialwissenschaften

Max Weber bezeichnete es als Aufgabe der Soziologie, der wohl sozialwissen- schaftlichsten Sozialwissenschaft, soziales Handeln deutend zu verstehen und in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich zu erklären (Weber 1980, S. 1). Wenn man unter dem Begriff Sozialwissenschaften Disziplinen versteht, die die Phänomene des menschlichen Zusammenlebens analysieren, könnte man - Weber folgend – sagen, dass sie menschliches Handeln deutend verstehen und in seinem Ablauf und seinen Wirkungen erklären wollen. Dennoch bleibt vage, welche Fächer zu den Sozialwissenschaften zählen, denn sie haben mit den Natur- und Geisteswissenschaften zwei unmittelbare große wissenschaftliche Nachbarn, wo- hingegen diese jeweils nur einen, die Sozialwissenschaften, haben. Gängiger Weise werden z.B. diese Fächer den Sozialwissenschaften zugeordnet: Anthropo- logie, Soziologie, Pädagogik, Erziehungswissenschaft, empirische Sozialfor- schung, Demographie, Ethnologie, Politikwissenschaft sowie weitere, teils kleine- re Disziplinen. Die begriffliche Eingrenzung fällt auch deswegen schwer, weil manche Fächer, wie etwa die Psychologie, sich neben den Sozialwissenschaften auch den Natur- und zugleich den Geisteswissenschaften zugehörig fühlen. Gehen wir für das weitere Verständnis davon aus, dass Sozialwissenschaften die Wissen- schaften sind, die Phänomene des menschlichen Zusammenlebens analysieren – ohne dabei an eine konkrete Wissenschaft zu denken.
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Wissen über HIV/AIDS und ihre Prävention bei Aussiedlern und jüdischen Kontingentflüchtlingen aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in Bayern

Wissen über HIV/AIDS und ihre Prävention bei Aussiedlern und jüdischen Kontingentflüchtlingen aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) in Bayern

Die meist gewünschten Informationsquellen über HIV/AIDS waren in der Immigrantengruppe Fernsehen (etwa 60 %), Informationsbroschüren (über 50 %) und Aufklärung durch einen Arzt (etwa 40 %). Über 30 % der GUS-Immigranten haben sich Informationsvorträge über HIV/AIDS gewünscht, aber wie die Praxis gezeigt hat, sind die Informationsvorträge zum Thema HIV/AIDS als Präventionsmaßnahme für diese Immigrantengruppe nicht geeignet. In eine von der Psychosozialen AIDS-Beratungsstelle der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU München organisierte Informationsveranstaltung über HIV/AIDS auf Russisch im Jahr 2007 ist kein einziger Interessent erschienen, obwohl die Information darüber durch lokale russische Zeitungen wie „München Plus“, „Bavarskij vestnik“ und die deutsche Zeitung „Süddeutsche Zeitung“ sowie durch russische Kultusorganisationen („Tolstoi Hilfs- und Kulturwerk e.V.“, „Der neue Russische Klub“, Verein „Gorod“) und die Israelitische Kultus Gemeinde in München sowie in einer Russischen Diskothek in München verbreitet wurde.
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Rahmenkonzept zur Prävention von HIV/Aids, Hepatitis- und sexuell übertragbaren Infektionen sowie zur Versorgung von Menschen mit HIV/Aids und/oder chronischen Hepatitisinfektionen in Berlin

Rahmenkonzept zur Prävention von HIV/Aids, Hepatitis- und sexuell übertragbaren Infektionen sowie zur Versorgung von Menschen mit HIV/Aids und/oder chronischen Hepatitisinfektionen in Berlin

1987 startete die nationale Aidspräventionskampagne GIB AIDS KEINE CHANCE, die in den Folgejahren dazu führte, dass sich bis heute in Deutschland die Akzeptanz und Nutzung von Kondomen immer stärker durchgesetzt haben. Das bekannteste Element von GIB AIDS KEINE CHANCE ist die „mach’s mit“-Kampagne, in deren Mittelpunkt der Schutz durch Kondome steht und deren Motive immer wieder neu gestaltet werden. Zur Sommersaison 2010 wurden Motive wie Strandkorb, Gartenparty oder Zelt entwickelt, mit denen verschiedene Zielgruppen angesprochen werden: Jugendliche, nicht monogam lebende Erwachsene, Freier, MSM und andere Gruppen.
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Soziale, medizinische und sozialwissenschaftliche Voraussetzungen der Prävention und Bekämpfung von Aids: die notwendigen Verhaltensänderungen erfordern keine fundamentalen Eingriffe in die jeweilige Lebensweise

Soziale, medizinische und sozialwissenschaftliche Voraussetzungen der Prävention und Bekämpfung von Aids: die notwendigen Verhaltensänderungen erfordern keine fundamentalen Eingriffe in die jeweilige Lebensweise

4. Wer soil/muss lernen? Risikobetroffen ist bei gegebenem Wis­ sensstand die gesamte geschlechtsaktive Bevölkerung, soweit sie nicht streng mo­ nogam lebt, sowie die Gruppe der i.v. Drogenbenutzer. Nicht oder nicht nur mo­ nogam lebt die Mehrzahl der Bevölke­ rung, ca. 90% der Männer und Frauen ha­ ben im Alter von 20 Jahren bereits mehre­ re sexuelle Erfahrungen, über die Hälfte der in festen Paarbcziehungcn lebenden Männer und Frauen verlassen zumindest gelegentlich die Monogamie, für wesentli­ che hetero- und homosexuelle Bevölke­ rungsgruppen ist Promiskuität ein identi- tatsbildendes Element ihrer Lebensweise geworden; ca. 50*000 Mauer und Frauen benutzen i.v. Drogen. Die Gcsamt-Ziel- population der AIDS-Prävention ist daher im wesentlichen mit der sexuell aktiven Bevölkerung identisch. Hinsichtlich der sexuellen Transmission des HIV ist damit auch die Botschaft (Kondombenutzung bei penetrierendem Geschlechtsverkehr) zunächst einheitlich und eignet sich des­ halb für bevölkerungsweit gestreute ,,Giesskannenbotschaften11. Für die Fein­ steuerung der Prävention allerdings glie­ dert sich die Zielpopulation in eine endli­ che Menge von Untergruppen, die sich nach den Merkmalen ihrer geschlechtli­ chen Ausrichtung, ihrer Kontakt- und Se- xualgcwohnheiten („Szenen1) sowie nach sozialen Schichten unterscheiden. Im he­ terosexuellen Bereich sind hier grob zu nennen; Kinder, Jugendliche und Heran­ wachsende mit wechselnden Partnern auf der Suche nach ihrer sexuellen und Bezie- hungsidentität; promisk lebende Men­ schen in den Szenen der Diskotheken, Bars, Klubs, Kontaktanzeigen, Prostitu­ tion, Sex am Arbeitsplatz, Sex-Tourismus;
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Aids in der Arbeitswelt

Aids in der Arbeitswelt

Sicher ist nach wie vor, daß die Benutzung von Kondomen außerhalb der Monogamie einen effektiven Schutz vor der Infektion bietet, daß alle Formen von Alltagsbegegnungen zwischen Menschen ohne Übertra­ gungsgefahr sind und daß das Virus HIV ungefähr 25mal schwieriger zu übertragen ist als das (auch schon relativ schwierig zu übertragende) Hepatitis B-Virus. Da nun die Kondomwerbung im Fernsehen läuft, von Aids-Kranken außerhalb der hauptsächlich betroffenen Gruppen nur sel­ ten zu hören ist, nimmt es nicht Wunder, daß das Interesse am Thema etwas erlahmt ist. Das hat den Vorteil, daß man heute ohne Hysterie über Aids sprechen kann. Es hat den Nachteil, daß sich viele Leute nicht (mehr) dafür interessieren.
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Auf dem Weg zu einem Fachportal Sozialwissenschaften

Auf dem Weg zu einem Fachportal Sozialwissenschaften

Die Fachdatenbanken und die OPACs der Bibliotheken haben für die Wissenschaftler einen entscheidenden Nachteil. Im Gegensatz zu den Web- Auftritten der wissenschaftlichen Institutionen sind sie überwiegend reine Nachweissysteme. Der Benutzer muss das als relevant eingestufte Dokument in der Präsenzbibliothek einsehen, es bei den Verlagen bestellen oder Ausleih- oder Kopierdienste einschalten. Ziel muss es deshalb sein, den Volltext ohne weitere Zwischenschritte direkt auf den Bildschirm zu bringen. Den barrierefreien Zugang zu elektronischen Volltexten nationaler und internationaler wissenschaftlicher Zeitschriften von der Recherche in Fachdatenbanken aus zu ermöglichen, ist daher das Ziel des Informationsverbunds Bildung – Sozialwissenschaften – Psychologie (infoconnex), der vom BMBF gefördert wird. In ihm arbeiten das Informationszentrum Sozialwissenschaften (IZ), das Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) und das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) zusammen, womit gleichzeitig der Einstieg in eine Clusterbildung der drei sich fachlich überschneidenden Fachwissenschaften erfolgt.
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"Leistungsschwierigkeiten" der Sozialwissenschaften

"Leistungsschwierigkeiten" der Sozialwissenschaften

Doch die Autoren dementieren sofort die Konsequenz, die sie wegen ihrer Verwicklung in die Wirklichkeit nicht vermeiden konnten: »Allein die Tatsache, daß durch hohe schulische Anforderu[r]

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