Nach oben pdf Über europäische Öffentlichkeit und europäischen Journalismus

Über europäische Öffentlichkeit und europäischen Journalismus

Über europäische Öffentlichkeit und europäischen Journalismus

Statt eines europäischen Journalismus gibt es weiter- hin eine Vielzahl von Journalismus-Kulturen in Europa. Um zu begreifen, wie unterschiedlich diese und die Me- diensysteme ausgeprägt sind, genügt ein Blick auf die jährlichen Rankings zur Pressefreiheit (Reporter ohne Grenzen 2013) sowie auf einige komparative Forschungs- projekte, die in den letzten Jahren die Journalismen in Europa etwas genauer vermessen haben (vgl. Sievert 1998; Hallin/Mancini 2005; Hanitzsch u. a. 2010; Ana- gnostou u. a. 2010; Fengler/Eberwein 2013).* Im Presse- freiheits-Ranking bilden nord- und mitteleuropäische Länder wie Finnland (Platz 1), Niederlande (Platz 2) und Norwegen (Platz 3) die Spitze, süd- und osteuropäische EU-Mitglieder wie Ungarn (Platz 56), Italien (Platz 57), Griechenland (Platz 84) und Bulgarien (Platz 87) sind dagegen die Schlusslichter in Europa. Die vergleichenden Forschungsprojekte belegen, dass ähnlich stark fast alle Variablen oszillieren, mit denen sich Qualitäten von Me- diensystemen und Journalismuskulturen dingfest machen lassen.
Mehr anzeigen

5 Mehr lesen

Normative Leitbilder der Europäischen Medienordnung: Leitvorstellungen und rechtliche Anforderungen an die Governance für eine demokratische Öffentlichkeit

Normative Leitbilder der Europäischen Medienordnung: Leitvorstellungen und rechtliche Anforderungen an die Governance für eine demokratische Öffentlichkeit

Angesichts der hohen Verfügbarkeit von allen möglichen Informationen, wird die Frage nach Ver- trauenswürdigkeit und Qualität immer essentieller. Sie lässt sich nicht nur mit Blick auf den Kom- munikator beantworten, da Informationsversorger aller Art einen relevanten Beitrag zur öffent- lichen Meinungsbildung leisten können. Vielmehr sind die gesellschaftlichen Erwartungen an die Informationsqualität von Kommunikation graduell zu beschreiben: Grundsätzlich sind fundierte und wahrhaftige Informationen wünschenswert, aber erst bei publizistischen Akteuren verdich- tet sich diese Erwartung zu einer Pflicht. Insbesondere bei öffentlich-rechtlichen Anbietern wird weiterhin von einem besonders hohen Standard der Informationsqualität ausgegangen, weil sie keinen marktwirtschaftlichen Zwängen ausgesetzt sind und dementsprechend ihren Auftrag der informationellen Grundversorgung erfüllen können. Der EGMR geht von einem weiten Schutzbe- reich der Medienfreiheit aus, den er jedoch an klare Vorstellungen im Rahmen seines Konzepts von einem “responsible journalism” knüpft. Dieses Konzept umfasst mit Blick auf die EMRK meh- rere Erwartungen: Nur, wenn Journalisten die Gebote der Wahrhaftigkeit, Genauigkeit und Zu- verlässigkeit bei der Erfüllung der Informationsaufgaben beachten, besteht ein medienspezifi- scher, erhöhter Grundrechtsschutz für sie (EGMR, Bédat/Schweiz, 2016, Rn. 58). Zu einem verant- wortlichen Journalismus gehört auch die Berücksichtigung der Vielfalt der bestehenden Meinun- gen, um unterschiedliche Perspektiven und Ansichten zu relevanten Themen zu vermitteln (vgl. EGMR Informationsverein Lentia v. Österreich, 1993, Rn. 38). Grundsätzlich sollten sie ihre Ent- scheidungen auf das öffentliche Interesse stützen, d.h. sie sollen sich ihrer öffentlichen Funktion bewusst sein.
Mehr anzeigen

32 Mehr lesen

Virtuelle Transnationalisierung: Partizipation der EU‐Bürger an einer transnationalen europäischen Öffentlichkeit

Virtuelle Transnationalisierung: Partizipation der EU‐Bürger an einer transnationalen europäischen Öffentlichkeit

Globalisierungsprozesse  sind  durch  eine  Zunahme  des  Austauschs  zwischen  ver‐ schiedenen  nationalstaatlich  verfassten  Gesellschaften  gekennzeichnet.  Die  Teilhabe  der Bürger an Prozessen der Globalisierung kann auf zweierlei Weise erfolgen. Zum  einen durch die gelebte Teilhabe am Alltag einer anderen Gesellschaft nach erfolgter  Migration (dauerhaft oder temporär z.B. in Form von privaten oder dienstlichen Rei‐ sen oder Studienaufenthalten), zum anderen durch eine virtuelle Teilhabe am Welt‐ geschehen  in  Form  von  Nutzung  ausländischer  Medien.  Wir  konzentrieren  uns  in  diesem  Aufsatz  auf  eine  Analyse  der  virtuellen  Partizipation  und  bezeichnen  diese  als  Teilhabe  der  Bürger  an  einer  transnationalen  und  europäischen  Öffentlichkeit.  Eine Analyse des Ausmaßes und der Ursachen der Partizipation an einer transnatio‐ nalen Öffentlichkeit erhält eine besondere Relevanz, wenn man Bezug nimmt auf die  politische und wissenschaftliche Debatte über das sogenannte transnationale und eu‐ ropäische  Öffentlichkeitsdefizit.  Die  zunehmende  Verlagerung  von  politischen  Ent‐ scheidungen von den Nationalstaaten auf internationale Institutionen wie vor allem  auf die Europäische Union, so das Argument, befeuern auch ein Legitimationsprob‐ lem politischer Institutionen, weil die jenseits des Nationalstaates getroffenen politi‐ schen  Entscheidungen  nicht  oder  nur  indirekt  an  die  Willensbildungsprozesse  der  Bürger  rückgekoppelt  sind.  Entsprechend  wird  der  Europäischen  Union,  aber  auch  anderen  supranationalen  Institutionen  ein  Demokratiedefizit  einerseits  und  ein  Öf‐ fentlichkeitsdefizit andererseits diagnostiziert.  
Mehr anzeigen

38 Mehr lesen

Zäsur in der europäischen Wettbewerbs- und Industriepolitik: Freie Fahrt für europäische Champions?

Zäsur in der europäischen Wettbewerbs- und Industriepolitik: Freie Fahrt für europäische Champions?

Die Fokussierung auf Großunternehmen ist auch unter einem anderen Gesichtspunkt problematisch: Unter Einschluss von Kleinbetrieben gibt es über 230 000 Unternehmen des Verarbeitenden Gewer- bes in Deutschland. 98% davon sind kleine und mitt- lere Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten, deren Belange in der »Nationalen Industriestrategie 2030« kaum Berücksichtigung finden. Doch selbst wenn man unterstellt, dass eine industriepolitische Strate- gie keine Mittelstandspolitik sein kann und wichtige Innovationen für den internationalen Wettbewerb von größeren Einheiten ausgehen, erscheint eine Fokussierung auf wenige große Champions verfehlt. Laut Unternehmensregister gibt es in Deutschland 4 100 größere industrielle Mittelständler mit 250 bis 3 000 Beschäftigten (vgl. Röhl 2018). Darunter befin- den sich viele Hidden Champions, die in ihrem jewei- ligen Marktsegment international führend sind, ohne im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Diese innova- tiven mittelgroßen Industrieunternehmen sind häu- fig außerhalb der Zentren angesiedelt und besitzen eine herausragende Bedeutung für die Wirtschafts- stärke in den deutschen Regionen. Gleichzeitig sehen sie sich großen Herausforderungen durch einen sich verschärfenden Wettbewerb, unfaire Handelsprakti- ken, eine überdurchschnittliche Steuerbelastung und den wachsenden Fachkräftemangel ausgesetzt. Eine Industriestrategie für Deutschland sollte daher viel stärker die Belange der mittelständischen und mit- telgroßen Industrieunternehmen unterhalb der Grö- ßenstrukturen von Konzernen in den Blick nehmen, statt die Bildung von Champions in den Mittelpunkt zu rücken.
Mehr anzeigen

25 Mehr lesen

Der große Umbau der europäischen Wirtschaft: Die Arbeiterbewegung der Zwischenkriegszeit und die europäische Einigung

Der große Umbau der europäischen Wirtschaft: Die Arbeiterbewegung der Zwischenkriegszeit und die europäische Einigung

Beschäftigte die europäische Frage die Geister? 53 Verharrte die Diskussion um die europäische Einigung auf den Seiten der „Sozialistischen Monatshefte“ und anderer Zeitschriften oder kam sie darüber hinaus? War sie eine Angele- genheit von Spezialisten oder fand sie Interesse in einer breiteren Öffentlichkeit? Interessier- ten sich die Gewerkschaftsmitglieder für die europäische Einigung? Eine völlig zufrieden- stellende Antwort kann nicht gegeben werden, weil es noch zu viele Lücken in der For- schung gibt. Eine Untersuchung der sozialdemokratischen Regionalpresse und der Gewerkschaftszeitungen, nicht zu vergessen der spezialisierten Gewerkschaftspresse, könnte hier wichtige Aufschlüsse geben. Die europäische Integration wurde auf dem SPD-Parteitag 1925 und dem Kongress der Internationalen Transportarbeiterföderation 1924 in Hamburg diskutiert, aber in welchen Ausmaße war sie Gegenstand der Debatte auf Kongressen der Gewerkschaften in der Weimarer Republik? Auch wenn Gewerkschaftstage und -kongresse nur von einem sehr bestimmten Publikum besucht und die Meinungsbildung in der Wei- marer Republik stark von den Vorständen beeinflusst wurde, geben sie doch ein gutes Bild ab, welche Fragen von Gewerkschaftsorganisationen als wichtig angesehen wurden und wel- che nicht. War Europa ein Thema von Schulungen und Bildungsveranstaltungen, etwa auf 50 Fimmen: Vereinigte Staaten Europas, S. 114 f.; zu Fimmens Buch vgl. auch Willy Buschak: Edo Fim-
Mehr anzeigen

18 Mehr lesen

Der Europäische Rat und die europäische Realität: zur Wahrnehmung sozialer Ungleichheit durch den Europäischen Rat

Der Europäische Rat und die europäische Realität: zur Wahrnehmung sozialer Ungleichheit durch den Europäischen Rat

Seit der Tagung des Europäischen Rates im Juni 1994 auf Korfu weisen die Schluss- folgerungen im Zusammenhang mit der Entwicklung der europäischen Beschäftigungs- strategie verstärkt darauf hin, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen (Jugendliche, Langzeitarbeitslose, Frauen, ältere ArbeitnehmerInnen) in unterschiedlichem Ausmaß von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Zudem stößt man ab diesem Zeitpunkt hin und wieder auf Formulierungen wie: „Dieses Ziel sollte im Geiste der Solidarität und unter besonderer Rücksichtnahme auf die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft verwirk- licht werden“ (Korfu, Juni 1994, Verbesserung der Beschäftigungssituation). Daneben ist in den Schlussfolgerungen von Korfu – wie in der Folge dann des Öfteren – auch erstmals von „Bemühungen um die Vermeidung der sozialen Ausgrenzung ... in einer im raschen Wandel begriffenen Gesellschaft“ die Rede (Korfu, Juni 1994, Binnen- markt, Wettbewerbsfähigkeit sowie kleinere und mittlere Unternehmen). Im folgen- den Jahr fordern die Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Madrid, „dass der Kampf gegen die soziale Ausgrenzung in ihren verschiedenen Erscheinungsfor- men fortgesetzt wird, denn die Solidarität ist von entscheidender Bedeutung für die Integration und die Entwicklung gemeinsamer Ziele in der Europäischen Union“ (Mad- rid, Dezember 1995, Bürgernahe Politiken). Ebenfalls aus diesen Schlussfolgerungen stammt die Feststellung: „Hohe Arbeitslosigkeit, Wanderungsdruck von außen, zu- nehmende ökonomische Ungleichgewichte und die Zunahme des internationalen or- ganisierten Verbrechens haben in der Öffentlichkeit ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit geweckt ...“ (Madrid, Dezember 1995, Anlage 15).
Mehr anzeigen

22 Mehr lesen

Konstruktionen von Europa: Die europäische Identität und die Kulturpolitik der Europäischen Union

Konstruktionen von Europa: Die europäische Identität und die Kulturpolitik der Europäischen Union

Der Terminus „einer Kultur Ausdruck verleihen“ deutet darauf hin, dass der Rat Kunst an dieser Stelle als Repräsentation dieser homogenen Gemeinschaft konzipiert. Mit kultureller Vielfalt in Europa sind erneut die verschiedenen Kulturen der Mitgliedstaa- ten angesprochen, so dass auch dieser Kulturbegriff die National- kulturen als homogene Einheiten begreift. Der Begriff der kultu- rellen Affinität deutet zusätzlich auf ein Verständnis von europa- weiten Gemeinsamkeiten als Wesensverwandtschaft hin. Die Wirkung der Veranstaltung Kulturhauptstadt Europas zielt in zwei Richtungen: Erstens soll die Kultur der Stadt, der Region oder des Landes eine gesamteuropäische Öffentlichkeit finden, zweitens sollen kulturelle Produktionen aus anderen Ländern der Region zugänglich gemacht werden. Ziel ist es also, eine repräsen- tative Kulturproduktion der veranstaltenden Länder in anderen Ländern darzustellen. Über diese, die Kulturen der Länder reprä- sentierende Veranstaltungen sollen sich die Völker der Mitglied- staaten näher kommen. Der Rat schlägt hier vor, dass Völker et- was über andere Völker lernen sollen, indem sie deren künstleri- sche und kulturelle Repräsentationen besichtigen. Das heißt, über den Besuch von Kulturhauptstädten lernen die Besucher etwas über das Land, in dem sich die Stadt befindet, und über den Be- such von künstlerischen Darbietungen aus anderen Ländern ler- nen die Bewohner/innen der Stadt etwas über andere Kulturen. Da die Stadt und die stattfindenden Kulturveranstaltungen außer ihren Ländern auch noch Europa repräsentieren, wird über die Vermittlung von Kenntnissen anderer Länder auch Wissen über Europa vermittelt. Auch hier finden wir wieder das Motiv der Einheit in der Vielfalt: Es soll die kulturelle Vielfalt dargeboten und vermittelt und diese gleichzeitig als Teil der europäischen Kultur präsentiert werden.
Mehr anzeigen

327 Mehr lesen

Ökonomie und Geschäftsmodelle des Journalismus

Ökonomie und Geschäftsmodelle des Journalismus

Der Erfolg der digitalen Ausgabe liegt laut Benedict Evans, Branchenbeobachter des For- schungsunternehmens Enders Analysis, an der hohen Qualität des Journalismus. „Die FT ist mehr als eine Zeitung: Sie ist eine Dienstleistung. Sie hat viele exklusive Artikel, hervorragen- de Analysen und Kommentare.“ (Malcher nach Evans, 2012: 73). Diese Qualität mache sie gegenüber den kostenlosen Wirtschaftsnachrichten bei Reuters oder Bloomberg konkurrenz- fähig. Da die „Financial Times“ jedoch als weltweit gelesene Wirtschaftszeitung eine große, aber klar definierte Zielgruppe hat, kann sie kaum als Vorbild für Zeitungen dienen, deren Inhalte für ein Massenpublikum bestimmt sind und die zahlreiche vergleichbare Konkurren- ten haben. Es scheint daher, dass es grundsätzlich nur möglich ist, mit Online-Journalismus Geld zu verdienen, „wenn man etwas zu verkaufen hat“ (Malcher, 2012: 72).
Mehr anzeigen

24 Mehr lesen

MOnAMi | Kampagnen im Journalismus

MOnAMi | Kampagnen im Journalismus

Arlt: Die richtig positive Wende für Bild entsprang der Mailbox-Geschichte. Die Kreditrecherche und die Berichterstattung über Privatkredite oder sonstige freundschaftliche Dienste für Wulff, das war eine Geschichte und die wäre auch irgendwann ausgelaufen, wenn es nicht diese Mailbox-Affäre gegeben hätte. Und diese Mailbox-Affäre hat einfach wirklich wunderbar in das Konzept von Bild gepasst. Weil es zu den erprobten Methoden von Bild gehört, eben nicht nur Beobachter, Berichterstatter und Kommentator von Ereignissen zu sein, sondern sich selbst in Ereignisse einzumischen. Die Kampagne ist ja auch ein Instrument, um sich einzumischen. Bild macht das nicht immer kampagnenförmig, jedoch macht sie sich gerne und häufig selbst zum Mitspieler bei einem Ereignis, bei einem Prozess. Weil auch das ein probates Mittel ist, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu generieren. Wenn Sie einfach überlegen: Es interessiert Sie bei einem Wimbledon Tennisspiel mehr, was einer der Spieler oder eine Spielerinnen zu sagen hat als das, was ein Zuschauer zu diesem Spiel sagt. Was die Beteiligten zu sagen haben, ist einfach immer spannender. Wenn Bild ein Beteiligter ist, dann ist es spannend, was Bild zu sagen hat. Bild mischt gerne mit. Dieser Anruf auf der Mailbox war einfach eine tolle Einladung in diesem Spiel mitzumischen. Was Bild wirklich gelungen ist und wo die anderen Medien die Steilvorlage, die Bild gegeben hat, wunderbar bedient haben, war eben diesen Anruf als Angriff auf die Pressefreiheit zu deuten. Wo ich der Meinung bin, dass das eine absolute Missdeutung ist, aber es hat halt einfach funktioniert. Die Art und Weise, wie Kai Diekmann und Bild die Informationen über diese Nachricht eingespeist haben in die journalistischen Kreise und wie es dann andere in die Öffentlichkeit gebracht haben, also FAZ und
Mehr anzeigen

60 Mehr lesen

Prekäre Arbeit im Journalismus

Prekäre Arbeit im Journalismus

Diese Epoche begann mit Not und Entbehrungen, da machte der Journalismus keine Ausnahme. Für einen Teil der Journalisten besserte sich die Situation jedoch rasch: „Die wirtschaftliche Situation der Journalisten gab zwar Anlass zu Klagen, war aber verglichen mit anderen Bevölkerungsgruppen nicht übermäßig schlecht.“ (a.a.O.: 183) Was diese Entwicklung für Redakteure und freie Journalisten bedeutete, ist in zwei Studien nachzulesen, die in den 1950er Jahren entstanden sind. Sie wurden im Auftrag erstellt, weil rund fünf Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik drei Journalistenverbände mehr wissen wollten über die materiellen und sozialen Verhältnisse der Journalisten, deren Interessen sie zu vertreten hatten. Sie initiierten daher – in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin – Befragungen ihrer Mitglieder. Die beauftragten Wissenschaftler konnten sich bei diesen Arbeiten zwar auf einige wenige Studien, die in der Zeit der Weimarer Republik entstanden waren, beziehen, betraten als Journalismusforscher aber auch methodisches Neuland, denn die „Umorientierung der Publizistikwissenschaft von einer historisch-philologischen Geisteswissenschaft zu einer empirischen Sozialwissenschaft“ (Löblich 2009: 251) sollte in Deutschland erst rund zehn Jahre später beginnen.
Mehr anzeigen

272 Mehr lesen

Keine Meinungsfreiheit für Troll-Journalismus

Keine Meinungsfreiheit für Troll-Journalismus

Das scheint mir eine schöne Definition des Trolls zu sein. Jedenfalls einen Teilabschnitt dieses unerfreulichen Phänomens des Online-Journalismus trifft diese Passage sehr präzise: Wagner trollt. Zwar nicht unter dem Schutzmantel der Anonymität, aber dafür unter dem des Zerrbilds vom versoffenen Genie. Den Schutz der Meinungsfreiheit sollte man Trollen nicht auch noch umhängen.

2 Mehr lesen

Die Innovationslandschaft des Journalismus in Deutschland

Die Innovationslandschaft des Journalismus in Deutschland

Um den Innovationsbegriff näher zu bestimmen und für die Anwendung im Journalismus zu konkretisieren, muss der Unter- schied zur Erfindung („Invention“) hervorgehoben werden, der durch die grundlegenden Arbeiten des österreichischen Öko- nomen Joseph A. Schumpeter etabliert wurde (vgl. Schumpeter, 1987 [1934]). Bei einer Erfindung handelt es sich demnach um die erstmalige Entwicklung vollständig neuer Ideen, Denkmodelle oder Konzepte. Eine Innovation hingegen ist, Schum- peters Definition folgend, die praktische Einführung, Nutzung bzw. Durchsetzung einer Veränderung in einem Wirtschafts- oder Gesellschaftssystem, deren Neuartigkeit sich in Relation zum zeitlich vorangegangenen Zustand des Systems bestimmt. So gesehen muss nicht jeder Innovation notwendigerweise eine Erfindung vorausgehen – und andersherum wird nicht jede Invention am Markt durchgesetzt. Unter einer Innovation wird deshalb typischerweise auch die Rekombination von Beste- hendem gefasst, die allein durch die Art und Weise, wie bestimmte Elemente zusammengeführt werden, als innovativ gelten kann. Ein bedeutendes medienhistorisches Beispiel ist die Durchsetzung der sog. Generalanzeiger-Presse im Deutschland des 19. Jahrhunderts, die Produkteigenschaften, Erlösquellen und Produktionsweisen, die jeweils für sich schon zuvor an ande- rer Stelle erprobt wurden, auf neuartige Weise zu einem innovativen Medienprodukt rekombinierte (vgl. Buschow, 2019a). Innovationen weisen verschiedene Neuheitsgrade auf, die auf einem Kontinuum zwischen inkrementell und radikal ab- gestuft werden können: Als inkrementelle oder erhaltende Innovationen fasst die Literatur kleinschrittige Entwicklungen, beispielsweise minimale Leistungssteigerungen eines bestehenden Produkts oder Effizienzgewinne in Produktionsprozes- sen. Sie werden abgegrenzt von radikalen, diskontinuierlichen Innovationen, die ganze Branchen, Märkte und ihre Wett- bewerbsstrukturen umkrempeln können. In Deutschland ist dafür der Begriff der „Sprunginnovation“ (Cuhls et al., 2019, S. 2) eingeführt worden, den auch die im Jahr 2019 neu gegründete Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIN-D) 3
Mehr anzeigen

52 Mehr lesen

Zinsspreads auf europäische Staatsanleihen: Implikationen und Lehren aus der europäischen Schuldenkrise

Zinsspreads auf europäische Staatsanleihen: Implikationen und Lehren aus der europäischen Schuldenkrise

Eine wichtige Frage ist also, ob und in welchem Ausmaß Finanzmärkte in einer Währungsunion zwischen den einzelnen Mitgliedsländern in ihrer Risikobeurteilung differenzieren. Dies hängt zum einen davon ab, ob Finanzmärkte einen Staatsbankrott überhaupt für möglich und realis- tisch halten. Zum anderen ist entscheidend, wie glaubwürdig Finanzmärkte die „No-Bail-Out“- Klausel des AEUV im Falle eines Staatsbankrott einschätzen. Wenn Finanzmärkte zwischen einzelnen Ländern unterscheiden, ist die nächste Frage, ob die beobachteten Zinsunterschiede rational mit zugrundeliegenden Fundamentaldaten erklärt werden können, oder ob einzelne Länder in bestimmten Situationen benachteiligt (bevorzugt) werden, indem Finanzmärkte von diesen höhere (niedrigere) Zinsaufschläge verlangen als von anderen in vergleichbarer Situation. Die Beantwortung beider Fragen ist entscheidend, um über die Notwendigkeit und Wirksamkeit von wirtschaftspolitisch korrigierenden Maßnahmen am Anleihenmarkt, wie sie zurzeit etwa in der Diskussion über die Einführung von ‚Euro-Bonds’, also eine gesamt-europäische Staatsan- leihe, urteilen zu können.
Mehr anzeigen

17 Mehr lesen

MOnAMi | Journalismus im Zeitalter des Internets : eine Analyse über das Verhältnis vonWeblogs und dem konventionellem Journalismus

MOnAMi | Journalismus im Zeitalter des Internets : eine Analyse über das Verhältnis vonWeblogs und dem konventionellem Journalismus

In einer Demokratie ist der Journalismus Träger wichtiger, öffentlicher Aufga- ben und hat eine Informationsfunktion inne. Das heißt, durch den Journalismus erfährt die Gesellschaft kontinuierlich und aktuell über Ereignisse in In- und Ausland. Der Journalismus erklärt diese und bewertet sie. So verhilft er dem Le- ser zu einem besseren Verständnis der Dinge. Durch die Einordnung seiner Be- richterstattung trägt er zur Meinungsbildung der Gesellschaft bei. Er regt zur öf- fentlichen Kommunikation an. Daher wird er auch häufig als vierte Gewalt im Staat neben Legislative, Exekutive und Judikative bezeichnet. 9
Mehr anzeigen

62 Mehr lesen

Die Bedeutung der Europäischen Grundrechtecharta für das europäische Insolvenzrecht / von Jan Stadler

Die Bedeutung der Europäischen Grundrechtecharta für das europäische Insolvenzrecht / von Jan Stadler

Wie aufgezeigt, kann es auch im europäischen Zivilverfahrensrecht zur Durchführung von unionsrechtlichen Ansprüchen kommen. Im nächsten Schritt soll nun die EuInsVO auf derartige, etwa mit Art 43 EuGVVO vergleichbare Ansprüche und Regelungen untersucht werden. Dabei soll auch die Art des Verfahrens dargestellt werden, in der die betreffende Norm zur Anwendung kommt. Bei einem solchen Anspruch muss es sich um eine unmittelbar anwendbare Sachnorm handeln, da der bloße Verweis auf mitgliedstaatliches Recht eben keinen Anspruch verleiht, sondern nur ein bestimmtes Recht für anwendbar oder ein bestimmtes Gericht für zuständig erklärt. Daneben sollen noch weitere Beispiele für die Durchführung von Unionsrecht im Insolvenzverfahren erläutert werden.
Mehr anzeigen

115 Mehr lesen

Die Innovationslandschaft des Journalismus in Deutschland

Die Innovationslandschaft des Journalismus in Deutschland

Insgesamt sind Universitäten, Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen im deutschen Journalismus bisher kaum durch den Transfer bedeutsamer Grundlagenforschungen bzw. Innovationsleistungen in die Medienpraxis (im Sinne der in Abschnitt 2.2 entwickelten Differenzierung) aufgefallen. Es kann angeführt werden, dass dies nicht zu ihren Aufgaben zäh- le. Gleichwohl ist die Journalistik seit ihrer universitären Institutionalisierung in den 1970er Jahren in Deutschland als ein zentrales Bindeglied zwischen Wissenschaft und Journalismusausbildung angelegt (vgl. Schneider und Buschow, 2018). Aufgrund der erheblichen Veränderung ihres Gegenstandes fällt es der Disziplin möglicherweise zunehmend schwerer, Anwendungswissen für die Praxis zur Verfügung zu stellen. So kritisiert etwa die Journalistin Anne Kunze (2012) – im Einklang mit Vertretern des Faches (vgl. Krotz, 2014; Rühl, 2011) –, die Journalistik stelle „stets dieselben Fragen“, entfalte wenig Innovationskraft und unterstütze kaum bei der praktischen Bewältigung der gegenwärtigen Herausforderungen. Dass praxisnahe Innovationsentwicklung auch in deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen möglich ist, zeigt allerdings die lokale Nachrichtenplattform molo.news (Hepp und Loosen, 2019a). Sie aggregiert Nachrichten und Events von verschiedenen Anbietern aus der Region Bremen und ist in Kooperation zwischen dem Zentrum für Medien-, Kommu- nikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Universität Bremen, dem Institut für Informationsmanagement Bremen, dem Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) in Hamburg sowie Praxispartnern aus der Region Bre- men entwickelt worden, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Mehr anzeigen

51 Mehr lesen

Europäische Infrastrukturpolitik: die Infrastrukturpolitik der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen der Neuausrichtung der Strukturfonds

Europäische Infrastrukturpolitik: die Infrastrukturpolitik der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen der Neuausrichtung der Strukturfonds

Provided in Cooperation with: Kiel Institute for the World Economy (IfW) Suggested Citation: Sichelschmidt, Henning (2005) : Europäische Infrastrukturpolitik: die Infrastrukturpolitik der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen der Neuausrichtung der Strukturfonds, Internationales Verkehrswesen, ISSN 0020-9511, Springer, Berlin, Iss. 1, pp. 93-134

43 Mehr lesen

Die erste europäische Generation: Europakonstruktionen in der Europäischen Jugendkampagne 1951–1958

Die erste europäische Generation: Europakonstruktionen in der Europäischen Jugendkampagne 1951–1958

Anzumerken gilt es allgemein, dass der erste Teil der Arbeit, in dem es konkret um den Einfluss der  Jugend auf die europäische Integration und die Europäische Jugendkampagne geht,  prax[r]

3 Mehr lesen

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit?: Akteure und Strategien supranationaler Informationspolitik in der Gründungsphase der europäischen Integration, 1952–1972

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit?: Akteure und Strategien supranationaler Informationspolitik in der Gründungsphase der europäischen Integration, 1952–1972

Die Tätigkeit vor allem der EGKS war sehr technokratisch geprägt und schon damals auch für  Experten schwer zu verstehen. Entsprechend schwierig war es, diese Inhalte in einer  allgemein[r]

2 Mehr lesen

Globale Öffentlichkeit. Die Differenzierung von Öffentlichkeit in der Weltgesellschaft.

Globale Öffentlichkeit. Die Differenzierung von Öffentlichkeit in der Weltgesellschaft.

keit übernimmt, betrachtet man sie im Sinne des drei Ebenen- Modells als differen- ziertes System, die Funktion „[...] der Erzeugung von gemeinsamen Wissensbestän- den für diffuse Publika, deren Mitglieder einander nicht kennen und die dann als zahlenmäßig unbegrenzt definiert werden können, und die Aufrechterhaltung dieser Bestände.“ 212 Beide Bedingungen werden durch die Implementierung von den Mas- senmedien erfüllt. Das führt zu der Frage, wie sich Öffentlichkeit als System weiter spezifizieren lässt. Handelt es sich bei der Öffentlichkeit um ein Funktionssystem der Gesellschaft? Welche Rolle spielen die Massenmedien und der Journalismus? 213 Hierzu hat Luhmann einen Theorieentwurf vorgelegt, indem er die Massenmedien als Funktionssystem der Gesellschaft beschreibt. Seiner Definition von Massenme- dien als alle Einrichtungen der Gesellschaft, „die sich zur Verbreitung von Kommu- nikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen“ 214 , liegt die Annahme zugrunde, dass erst die technische Herstellung eines Produktes als Träger der Kom- munikation zu dessen Ausdifferenzierung geführt hat. 215 Durch die Zwischen- schaltung eines technischen Mediums kann die Interaktion unter Anwesenden theo- retisch ausgeschlossen werden, ebenso kann keine Interaktion zwischen Sender und Empfänger sowie unter allen Empfängern stattfinden. Sobald Kommunikation nicht mehr auf die Reaktion eines Empfängers angewiesen ist, um fortgeführt zu werden, muss sie selbst für Ihre Anschließbarkeit sorgen. Es kommt zur Ausdifferenzierung eines autopoietischen Systems, ein sich selbst reproduzierendes System mit Fähigkeit zur Selbst- und Fremdreferenz und operativer Schließung. Der binäre Code, nach dem das System der Massenmedien operiert, lautet informativ/ nicht informativ. In- formation wird hier definiert als „irgendein Unterschied, der bei einem späteren Er- eignis einen Unterschied ausmacht“ 216 , das heißt es wird ein Unterschied zum Sys- temzustand wahrgenommen, der bei der nächsten Operationen als Systemzustand vorausgesetzt wird. Sobald Information zum Ereignis wird, wird sie zur Nichtinfor- mation, das System führt also seinen eigenen Output auf der Negativseite des Codes wieder in das System ein und ist dadurch ständig gezwungen, neuen Output zu er-
Mehr anzeigen

118 Mehr lesen

Show all 3747 documents...