Qualitative Sozialforschung

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Einführung in die qualitative Sozialforschung

Einführung in die qualitative Sozialforschung

2.2.1 Das Prinzip der Offenheit Die qualitative Sozialforschung verlangt eine grundsätzliche Offenheit des Forschers gegenüber Untersuchungspersonen, -situationen und –methoden, um für unerwartete Informationen empfänglich zu sein und auf unerwartete Umstände reagieren zu kön- nen 27 . Dies hat vor allem zwei wichtige Konsequenzen: Zum einen wird der Explorati- onscharakter qualitativer Forschung in den Vordergrund gerückt und die theoretische Durchdringung des Forschungsfeldes entsprechend zurückgestellt. Zum anderen be- deutet dies aber auch einen Verzicht auf eine „Hypothesenbildung ex ante“ 28 . Qualita- tive Sozialforschung versteht sich weniger als hypothesenprüfend, sondern als hypo- thesengenerierend 29 . Dies heißt allerdings nicht, dass in der qualitativen Sozialfor- schung keine Vorannahmen bestünden, die entsprechend offen gelegt und reflektiert werden müssen 30 .
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Wissenschaft als Publikationspraxis. In Eigenregie verlegte Zeitschriften: das Beispiel Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research (FQS)

Wissenschaft als Publikationspraxis. In Eigenregie verlegte Zeitschriften: das Beispiel Forum Qualitative Sozialforschung/Forum: Qualitative Social Research (FQS)

von vorneherein für den kollegialen Austausch im deutschsprachigen Raum vorgesehen war, bot FQS eine Chance, sowohl (sub-)disziplinär als auch national abgeschottete Wissensstände zu eruieren und jenseits von (z. B. Platz- oder Format-)Restriktionen zugänglich zu machen. In traditionellen Publikationskulturen sozialisiert, versuchten wir zunächst, Verlage für unser Vorhaben zu interessieren, ernteten aber angesichts unserer Absicht, eine elektronische Zeitschrift in deutscher und englischer Sprache veröffentlichen zu wollen, nur negative Bescheide auf unsere Anfragen. Da jedoch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen ihre Unterstützungsbereitschaft signalisierten, ent- schieden wir uns für das „Experiment“ FQS. Mit der Publikation der ersten Schwerpunktausgabe „Qualitative Sozialforschung: Nationale, disziplinäre, methodische und empirische Beispiele“ 6 im Januar 2000 begann ein bis heute
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Internationale Entwicklungspotenziale von Open Access-Journals am Beispiel der Online-Zeitschrift "Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research" (FQS)

Internationale Entwicklungspotenziale von Open Access-Journals am Beispiel der Online-Zeitschrift "Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research" (FQS)

Abstract: The tri-lingual online-journal "Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research" (FQS) is used as an example to illustrate some of the chal- lenges and potentials of electronic publishing in an interna- tional realm: questions of acceptance, multilingualism, re- source management, technical challenges, and sustainability are discussed. The quality of content and language, the con- nection between proven traditions of scientific publishing with innovative attributes of the Internet, and open access to scientific information are considered as important condi- tions in order to increase the international recognition and impact of German research.
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Qualitative Sozialforschung

Qualitative Sozialforschung

Sollte Herr Braun sich in die ja vielleicht wirklich gewünscht-gefürchtete psy- choanalytische Therapie begeben, dann wäre es möglicherweise durchaus im Sinne des Therapeu- ten, Herrn Br[r]

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Eine sehr persönlich generalisierte Sicht auf qualitative Sozialforschung

Eine sehr persönlich generalisierte Sicht auf qualitative Sozialforschung

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Interpretative Sozialforschung lernen

Interpretative Sozialforschung lernen

Das Lehrbuch zur Methodologie und Ontologie der Grounded Theory setzt mit der Fokussierung auf Erkenntnistheorie statt Methoden unkonventionell an, spielt aber die Stärke dieser Herangehensweise voll aus. Die interpretativen Methoden brauchen eine intensive Reflexion der methodologischen und ontologischen Grundlagen, und das Lehr- buch bietet genau diese Reflexion. Die Darstellung ist verständlich, ohne dabei an Tiefe einzubüßen. Dennoch ist es schade, dass der Autor nicht genauer und mit Beispielen auf die eigentliche methodische Vorgehensweise der Grounded Theory eingeht. Auch wenn hierzu schon Literatur vorliegt: eine prägnante Einführung gemeinsam mit der intensiven methodologischen Reflexion wäre in der Kombination als kompaktes Lehrbuch hilfreich und hätte der Reihe „Qualitative Sozialforschung“ gut zu Gesicht gestanden.
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Methodologie und Geschichte qualitativer Sozialforschung

Methodologie und Geschichte qualitativer Sozialforschung

,,Qualitative Sozialforschung" ist ein Sammelbe- griff für zum Teil sehr verschiedenartige metho- dologische Ansätze in Psychologie, Soziologie und Pädagogik. Eine umfas[r]

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Mehrdimensionalität der rekonstruktiven
Sozialforschung im Schulkontext

Mehrdimensionalität der rekonstruktiven Sozialforschung im Schulkontext

Die qualitativ angelegte rekonstruktive Sozialfor- schungsstudie fragt nach der Kompatibilität der schulischen Erwartungen und Anforderungen und dem kollektiven Verhalten der Peer-Groups. Dies wird hier als „Passfähigkeit“ bezeichnet, wobei die Beziehung zwischen LehrerInnen und Schü- lerInnen das Hauptaugenmerk darstellt. Betrach- tet werden soll in diesem Aufsatz insbesondere, inwieweit sich qualitative Sozialforschung zum Thema Geschlecht das Prinzip der Mehrdimensio- nalität zu Eigen machen kann. Basierend auf den empirischen Ergebnissen dieser laufenden Schul- studie soll ergründet werden, bis zu welchem Grad die Forschung hier einen interdisziplinären Ansatz verfolgen kann.
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Zeitökonomie in der Qualitativen Sozialforschung - Möglichkeiten und Grenzen.

Zeitökonomie in der Qualitativen Sozialforschung - Möglichkeiten und Grenzen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Zeitökonomie innerhalb der qualitativen Sozialfor- schung, ihren Möglichkeiten und Grenzen. Nachdem das Eingehen auf die Erhebungswünsche der alten Menschen einen wesentlichen zeitlichen Mehraufwand darstellte, konnte das Ziel qualitative Sozialforschung zeitökonomischer zu betreiben, nicht eingehalten werden. Nachfolgende Tabelle 1 vermittelt einen Überblick zur aufgewandten Zeit bei den einzelnen Verfahren. Die Dokumentation unserer Erfahrungswerte soll zeigen, dass sich auch mit qualitativer empirischer Sozialforschung hohe Fallzahlen erreichen lassen, die nicht unmittelbar einem zeitlichen Diktat folgen müssen.
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Workflow-Aspekte des Forschungsdatenmanagements in den Sozialwissenschaften : Eine qualitative Anforderungsanalyse am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Workflow-Aspekte des Forschungsdatenmanagements in den Sozialwissenschaften : Eine qualitative Anforderungsanalyse am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Eine Vergleichbarkeit der Interviews wird einerseits durch die Zugehörigkeit zu der- selben Institution und andererseits mit der leitfadenorientierten Interviewführung erreicht. 173 Mithilfe der zuvor entwickelten Leitfragen ist zum einen eine thematische Annäherung an bestimmte Sachverhalte gegeben, der Interviewverlauf folgt jedoch keinem strikten Ablaufmodell, wodurch eine gewisse Offenheit des Interviewverlaufs vorhanden ist. Außerdem soll mit der Formulierung der Leitfragen verhindert werden, dass sich die befragende Person als inkompetenter Gesprächspartner herausstellt und die befragte Person ihre Entscheidung zur Teilnahme an dem Interview bereut. 174 Für das im Rahmen dieser Arbeit zu erhebende Expertenwissen bietet das außer- universitäre Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung beste Voraussetzungen. Durch die Vielzahl praxisbezogener, sozialwissenschaftlicher Forschungsprojekte 175 können exemplarisch Erkenntnisse über den Umgang der Forschenden mit den For- schungsdaten in unterschiedlichen Phasen des Forschungsprozesses bzw. Daten- lebenszyklus gewonnen worden.
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Ambulatorisches Assessment und Empirische Sozialforschung

Ambulatorisches Assessment und Empirische Sozialforschung

Ambulatorisches Assessment als methodische Perspektive, die sich auf die Echtzeitmessung von subjektiven Befindlichkeiten und physisch-physiologischen Merkmalen der Person richtet, wird erst durch die Entwicklung des wearable computing praktisch möglich. In dem Maße wie für die empirische Sozialforschung die Messung subjektiver Befindlichkeiten (z. B. für die Analyse der subjektiven Lebensqualität) und physischer und physiologischer Merkmale (z. B. für Untersu- chungen der physisch-psychischen Gesundheit) relevant ist, bietet das Ambulatorische Assess- ment einen neuen Ansatz zu validen Daten. Und in dem Maße wie die technologische Basis des Ambulatorischen Assessments auf standardisierte Designs im Rahmen von Bevölkerungsumfra- gen angepasst ist, kann diese Methodik auch zu einer wichtigen Option im Instrumentarium der empirischen Sozialforschung werden.
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Neues in der qualitativen und interpretativen Sozialforschung?

Neues in der qualitativen und interpretativen Sozialforschung?

Nicht nur die qualitative/interpretative Sozialforschung hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte geändert, sondern auch die von den Sozialwissenschaft- lern/innen untersuchte gesellschaftliche Praxis. Letztere hat nämlich ihre Erfah- rungen mit der Sozialforschung gemacht und sich auf diese eingestellt: einerseits, weil sie sich ‚versozialwissenschaftlicht‘ hat (im Feld findet man zunehmend die Ergebnisse und Spuren sozialwissenschaftlicher Forschung), andererseits trifft man immer öfter auf ein vorbereitetes Untersuchungsfeld, das strategisch mit den Wissenschaftler/innen umgeht: Man ist als Forscher/in nicht der/die erste, der/die im Feld ankommt, sondern ist eine/r von vielen mit denen das Feld (manchmal gute, manchmal schlechte) Erfahrungen gemacht hat. Manche Felder oder Le- bens-Welten sind auch schon ‚überforscht‘, so dass teils heftige Abwehrreaktionen zu beobachten sind. Das gilt vornehmlich, wenn man die Praxis von staatlichen wie privatwirtschaftlichen Organisationen untersuchen möchte. Denn die Vertre- ter dieser Organisationen sind sehr erfindungsreich, sich wissenschaftliche Be- obachter/innen vom Leib zu halten. Sehr viel lieber geben sie lange Interviews, die schon auf den ersten Blick als PR-Aktivitäten zu erkennen sind. Und oft lassen sich Wissenschaftler/innen (ohne es zu bemerken) dazu benutzen, PR für die un- tersuchte Organisation auf den Markt zu bringen.
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Qualitativ-empirische Sozialforschung im Aufbruch

Qualitativ-empirische Sozialforschung im Aufbruch

ob der Rekurs auf KUHN überhaupt zulässig ist, ist eine längere Entgegnung von ATKINSON, DELAMONT und HAMMERSLEY von beson- derem Interesse, die darauf verweisen, daß (n[r]

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Amtliche Bildungsstatistik und empirische Sozialforschung

Amtliche Bildungsstatistik und empirische Sozialforschung

B ildungsökonom ischc und -soziologische A nalysen waren Ausgangs­ punkt d e r vor allem seit den sechziger Jah ren geführten bildungspoliti­ schen D iskussionen um die T hem en „B ildungskatastrophe“ , „Bega­ bungsreserve“ und „C hancengleichheit“ . D iese A nalysen w urden üb er­ wiegend mit D aten der am tlichen Statistik durchgeführt und litten zum Teil erheblich u n ter m angelhaften o d e r fehlenden In fo rm atio n en , da die Bildungssiatistik des B undes erst in d en fünfziger Ja h ren aufgebaut w or­ den w ar. V or dem Z w eiten W eltkrieg gab es eine am tliche B ildungsstati­ stik in D eutschland nur in A nsätzen. Die m angelhafte Q ualität vieler A nalysen aus dieser Z eit ist aber auch d er em pirischen Sozialforschung zuzuschreiben. D ie T radition d er em pirischen Sozialforschung, U n tersu ­ chungen mit am tlichen D aten durchzufiihren, die mit den klassischen A r ­ beiten von W eber, D ürkheim und G eig er ihren H ö h ep u n k t h atte, w urde durch die nationalsozialistische Ä ra u n terb ro ch en . D ieser B ruch setzte sich nahezu bis in die sechziger Ja h re fort, da sich die em pirische Sozial- forschung d e r N achkriegszeit durch die R ezeption überw iegend am erika­ nischer Soziologie zunächst v erstärk t m ikrosoziologischen F ragestellun­ gen zuw andte, die m it U m fragedaten b earb eitet w u rd e n .1 E rst Peisert k nüpfte 1967 mit seiner U ntersuchung „Soziale L age und B ildungschan­ cen in D eutschland“ w ieder an die klassische T radition an und zeigte die F ru ch tb ark eit, „unter theoretischen F ragestellungen die spröde Statistik d e r V olkszählungen so au fzuarbeiten, d aß sie unverhoffte E insichten ver­ m ittelt“ (Peirert 1967: 7). In den siebziger und achtziger Ja h re n w aren es dann vor allem G roßforschungsprojekte (so z.B . das SPE S-Projekt „So­ zialpolitisches E ntscheidungs- und Indikatorensystem für die B undesre­ publik D eutschland“ und das V A S M A -P rojekt „V ergleichende A naly­ sen d e r Sozialstruktur mit M assen d aten “), die um fangreiche U n tersu ­ chungen zur Sozialstruktur m it D a te n d e r am tlichen Statistik durchführ­ ten und dam it die sozialw issenschaftliche A nalyse m it Individualdaten d er am tlichen Statistik neu etab lierten . M it d e r U m w andlung d er 1951 ge­ gründeten „H ochschule fü r In tern atio n ale Pädagogische Forschung“ in das „D eutsche In stitu t für In te rn atio n ale Pädagogische Forschung“ (1961) sowie m it d e r G ründung des M ax-Planck-Instituts für Bildungsfor- schung (M PI, 1963), des H ochschulinform ationssystem s (H IS, 1969) und des B undesinstituts für B erufsbildung (BiBB, 1969) sowie verschie­ denen S onderforschungsbereichen h a tte sich die B ildungsforschung M it­
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Empirische Sozialforschung in der Bundesrepublik Deutschland

Empirische Sozialforschung in der Bundesrepublik Deutschland

Die folgende Analyse basiert auf einer Erhebung, die der Dokumentation geplan¬ ter, laufender und abgeschlossener sozialwissenschaftlicher Forschungsarbeiten dient. Diese Dokumentation soll Forschungsinstitutionen bei der Koordinierung ihrer Arbeit helfen, finanzierende Institutionen bei ihrer Finanzpolitik unterstüt¬ zen etc. Die erste Erhebung dieser Art führte das Zentralarchiv für empirische Sozialforschung im Jahre 1962 durch. In einer Befragung von Hochschulinstitu¬ ten, Behörden, Meinungs- und Marktforschungsinstituten, Werbeagenturen, Ver¬ lagen sowie Institutionen, die sozialwissenschaftliche Erhebungen in Auftrag ge¬ ben, wurden die Adressaten gebeten, über die geplanten, laufenden und abgeschlos¬ senen empirischen Forschungsarbeiten des laufenden Jahres zu berichten. Diese jährliche Erhebung wurde in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich sowie im deutschsprachigen Teil der Schweiz bis einschließlich 1967 durchgeführt.
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Soziologie und Sozialforschung in Österreich vor 1938

Soziologie und Sozialforschung in Österreich vor 1938

Eine der wenigen Verbindungen zwischen der intellektuellen Welt der Arbeiterbewegung und der institutionalisierten Wissenschaft fand unter der Schirmherrschaft des Ehepaars Karl (1879-1963) und Charlotte (1893-1974) Bühler statt, die seit 1923 an der Wiener Universität die empirische Psychologie vertraten. Gefördert von der Rockefeller Foundation (die auch das unter der Leitung von Ludwig Mises stehende Institut für Konjunkturforschung finanziell förderte) ermöglichte es besonders Charlotte Bühler, die selbst mit entwicklungs- und familienpsychologischen Studien befaßt war, Jüngeren, sozialpsychologische Forschungen zu betreiben. Der Patronanz der Bühlers ist es zu danken, dass der junge Paul Lazarsfeld (1901-1976) die Möglichkeit eingeräumt erhielt, eine "Wirtschaftspsychologische Forschungsstelle" einzurichten. Die prominenteste Arbeit dieser Gruppe junger, politisch links stehender Doktoranten war die 1933 erschienene Untersuchung über die Wirkungen langdauernder Arbeitslosigkeit: "Die Arbeitslosen von Marienthal", die zu einem Klassiker der Sozialforschung wurde.
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Der Mikrozensus: amtliche Daten für die Sozialforschung

Der Mikrozensus: amtliche Daten für die Sozialforschung

Für die Jahre 1985, 1986 und 1987 ordnete der Gesetzgeber jeweils zusätzlich zur Haupt- erhebung eine Testerhebung an. Damit sollte geprüft werden, ob auf die Auskunftspflicht bei weiteren Merkmalen oder sogar ganz verzichtet werden könnte. Die Durchführung und Auswertung dieser Testerhebungen, gerade auch im Vergleich mit den jeweils jährlich durchgeführten Haupterhebungen, waren wesentliche Elemente in der vierten Ent- wicklungsphase des Mikrozensus. Während die Haupterhebungen wie üblich durchge- führt wurden, war für die Testerhebungen zwar das volle Frageprogramm vorgesehen, sie wurden aber jeweils mit einem Auswahlsatz von 0,25 Prozent und auf der Basis freiwilli- ger Teilnahme durchgeführt. Da die Teilnahme an den Testerhebungen freiwillig war, konnten Testbedingungen geschaffen werden, die charakteristisch für Erhebungen der empirischen Sozialforschung sind. In den Testerhebungen wurden neben der Befra- gungsmethode (telefonische, schriftliche und persönliche Befragung) z.B. auch Merkmale der Interviewer(innen) variiert. Damit versuchte man Hinweise auf Einflußgrößen zu finden, die mit der Teilnahme oder Nichtteilnahme an den Erhebungen in ursächlicher Beziehung stehen könnten. Die Teilnahme-Quoten beliefen sich auf 49,6 Prozent bis 65,0 Prozent (mit Nachbearbeitung). Untersucht wurde in systematischer Weise die Höhe der Teilnahmequoten und das Ausmaß der Unterschiede zwischen den Ergebnissen der jeweiligen Test- und Haupterhebungen.
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Erich Fromm und das Institut für Sozialforschung

Erich Fromm und das Institut für Sozialforschung

Zumindest in der Terminologie ergeben sich zwischen den präsentierten Zita- ten Unstimmigkeiten. Das Frankfurter Institut für Psychoanalyse wird einmal als ein eigenständiges „Institut“ beschrieben (M. Jay, 1976), zum anderen als „psy- choanalytische Abteilung“, geleitet von Landauer (M. Horkheimer, T. W. Adorno, 1957). Die Unstimmigkeiten werden größer, nimmt man aus der Erich-Fromm- Biographie von Funk noch folgende Passage hinzu: „Fromm wurde unter Vertrag genommen und auf Lebenszeit als Leiter der sozialpsychologischen Abteilung des Instituts (für Sozialforschung, B.B.) angestellt“ (R. Funk, 1983, S. 65). Offen- sichtlich hat sich Horkheimer bei seinen Beschreibungen des Instituts ungenau und verfälschend geäußert. Bei seinen Ausführungen mag ungenaue Erinnerung im Spiel sein. Wie dem auch sei, jedenfalls scheinen unter formellen Gesichts- punkten diese Beschreibungen des Institutspersonals, was Fromm anbelangt, nicht sehr zuverlässig zu sein, was auch Schmid-Noerr vom Max-Horkheimer- Archiv bestätigt (Brief vom 5. 9. 1988). Rolf Wiggershaus hat aufgrund der vor- handenen Unterlagen folgende personelle Situation rekonstruiert, die so gut wie sicher ist: „In Gestalt Fromms lag eine Personalunion vor zwischen dem eigen- ständigen Psychoanalytischen Institut und dem IfS mit seiner sozialpsychologi- schen Abteilung. Fromm war eben dreierlei: praktizierender Psychoanalytiker in Berlin, Mitarbeiter am Psychoanalytischen Institut und Mitarbeiter bzw. Leiter der sozialpsychologischen Abteilung des IfS... Die sozialpsychologische Abteilung des IfS bestand praktisch nur aus deren Leiter, nämlich Fromm „ (R. Wiggers- haus, Brief vom 18. 8. 1988).
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Qualitative Methoden am Scheideweg: jüngere Entwicklungen der interpretativen Sozialforschung

Qualitative Methoden am Scheideweg: jüngere Entwicklungen der interpretativen Sozialforschung

Doch selbst wenn es zugestandenermaßen Unebenheiten in der wissen- schaftlichen Legitimierung qualitativer Forschung zwischen verschiedenen Disziplinen gibt, so ist neben ihrer schieren Verbreitung ein anderes, allgemei- nes Merkmal kaum zu übersehen: ihre Institutionalisierung. Die qualitativen Methoden sind mittlerweile in nationalen wie internationalen Fachverbänden fest organisiert. Sowohl die Deutsche Forschungsgemeinschaft wie das Euro- pean Research Council oder die European Science Foundation fördern qualita- tive Projekte unter denselben Bedingungen wie die standardisierten. Die sich zwischenzeitlich beschleunigende Institutionalisierung von Archiven für quali- tative Daten und das Interesse des Rats Sozialwissenschaftlicher Daten belegen diese Entwicklung ebenso (Huschka, Knoblauch, Oellers und Solga 2013). Und selbst auf dem begrenzten soziologischen akademischen Stellenmarkt in Deutschland wird deutlich, dass eine Professionalisierung der qualitativen Forschung in vollem Gange ist. Die Vereinheitlichung und lokale Entbettung der studentischen (Methoden-) Ausbildung und der Ausbau von Graduierten- programmen tragen zur weiteren Ausbreitung qualitativer Forschung bei – was auch die Größe des Berliner Methodentreffen Qualitative Forschung erklärt, in dessen Rahmen dieser Text aus einem Vortrag entstanden ist. Bekanntlich versammelt die britische Schwesterveranstaltung, das ESRC Research Methods Festival, jährlich ebenso aberhunderte Teilnehmende.
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Die Bedeutung rekonstruktiver Sozialforschung in der pädagogischen Praxis

Die Bedeutung rekonstruktiver Sozialforschung in der pädagogischen Praxis

sieren (Nürnberg & Schmidt, 2015, S. 264), was prinzipiell dem zuvor beschrie- benen Kondensierungszwang entgegensteht. Das Erzählen aus dem Stegreif mit dem Ziel seinem Gegenüber die biographischen Ereignis und -zusammenhänge in plausibler und konsistenter Gestalt darzustellen, erfolgt somit im Rahmen der sich kontrahierenden und bedingenden Zwängen der Relevanz/ Kondensierung und Detailierung (ebd.: S. 264f). Diese Zwängen schaffen sowohl für den For- scher aber auch der erzählenden Person die Grundalge auf unterschiedlichen Ebenen Analysen und Rekonstruktionen durchzuführen (Brüsemeister, 2000, S. 140). Dem Forscher wird auf Basis der Erzählzwänge und den somit idealtypisch entstehenden Narrationen im Sinne einer verketteten und sequenzierten Ereig- nisdarstellung eine biographisch wissenschaftliche Tiefenanalyse ermöglicht (Lamnek, Qualitatie Sozialforschung. Die biographische Methode, Bd2., 1995, S. 72), welche für die Erforschung der individuellen biographischen Erfahrungsauf- schichtungen bedeutsam ist (Nürnberg & Schmidt, 2015, S. 265). Dem Biogra- phieträger wird die vielleicht einmalige Chance geboten, seine Lebensgeschichte bestehend aus Erlebnissen, deren Verkettungen und persönlichen Sichtweise (in diesem Sinne Reflexionen) zusammenhängend zu präsentieren (Brüsemeister, 2000, S. 140). Dies setzt ein offenes und gewolltes Einlassen auf die gesamtbi- ographische Darstellung voraus, was insbesondere bei der Vorstellung problem- behafteter noch nicht bearbeiteter Ereignisse hohe Ansprüche an den Biogra- phieträger stellen kann. Ist es notwendig im Verlauf des Interviews und den vor- gestellten Zwängen über biographische Ereignisse zu berichten, welche aus viel- schichtigen Gründen von Biographieträger jedoch nicht kuntgetan werden sollen,
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