Kurz zum Klima: Stromexporte, EEG und Emissionshandel

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Leibniz Information Centre for Economics

Gronwald, Marc; Lippelt, Jana

Article

Kurz zum Klima: Stromexporte, EEG und

Emissionshandel

ifo Schnelldienst

Provided in Cooperation with:

Ifo Institute – Leibniz Institute for Economic Research at the University of Munich

Suggested Citation: Gronwald, Marc; Lippelt, Jana (2011) : Kurz zum Klima: Stromexporte,

EEG und Emissionshandel, ifo Schnelldienst, ISSN 0018-974X, ifo Institut - Leibniz-Institut für

Wirtschaftsforschung an der Universität München, München, Vol. 64, Iss. 03, pp. 34-36

This Version is available at:

http://hdl.handle.net/10419/164920

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Eine bessere Vernetzung der europäischen Strommärkte zu erreichen ist ein wichtiges aktuelles Ziel der Energiepolitik, haupt-sächlich motiviert durch den starken Aus-bau erneuerbarer Energien. Vor diesem Hin-tergrund blickt dieser Beitrag in der »Kurz-zum-Klima«-Reihe auf aktuelle Entwicklun-gen des deutschen Stromaußenhandels und leistet zudem einen Beitrag zu der seit einiger Zeit andauernden Diskussion über das Zusammenspiel der Förderung erneu-erbarer Energien und des europäischen Emissionshandels.

Dem Aspekt einer besseren Vernetzung der europäischen Strommärkte wird in der ak-tuellen energiepolitischen Diskussion ein ho-hes Maß an Aufmerksamkeit zuteil. Die we-sentliche Triebfeder dabei ist der Ausbau der erneuerbaren Energie in Europa. Da

be-kanntermaßen Wind- und Solarenergie nicht kontinuierlich zur Verfügung steht, sondern eben nur dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, ist es notwendig, Re-servekapazitäten an konventionellen Kraftwerken vorzu-halten. Bleiben Wind und Sonne aus, können diese Ka-pazitäten zur Stromproduktion verwendet werden. Eine bessere Vernetzung des europäischen Strommarkts führt zu einem höheren Maß an regionaler Diversifizierung und besseren Möglichkeiten zum Austausch von Strom. Die Reservekapazitäten können dann insgesamt einen gerin-geren Umfang haben, was mit geringerin-geren Kosten verbun-den ist. Ein spezielles Beispiel in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Nordsee-Offshore-Inititative, die zum Ziel hat, ein Hochspannungsnetz in der Nordsee zu er-richten. Gronwald und Lippelt (2010) haben in dieser Rei-he bereits über diese Initiative berichtet.

Gronwald und Lippelt (2010) haben aber auch darauf hingewiesen, dass es bezüglich der Nettoimporte von Strom seit Beginn der 2000er Jahre in Europa erhebliche Verän-derungen gegeben hat. So wurde unter an-derem gezeigt, dass die »Stromhandelsbi-lanz« Deutschlands über lange Zeit ausge-glichen war, seit einigen Jahren aber starke Exportüberschüsse aufweist. Auf diese Ent-wicklung wird hier nun erneut geblickt, wo-bei der Fokus stärker auf Deutschland ge-richtet ist. Abbildung 1 stellt dazu noch ein-mal die Nettostromimporte Deutschlands dar.1Der eben beschriebene

Regimewech-sel ist offenkundig. Betrachtet man die Entwicklung der Im-und Exporte im Detail (vgl. Abb. 2), so wird deutlich, dass diese im Zeitraum 1994–2003 einem gemeinsamen, leicht ansteigenden Trend folgten. Seit 2004 aber gehen die je-weiligen Entwicklungen deutlich auseinander: Während die Exporte stark zugenommen haben, sind die Importe nach einem Rekordstand im Jahr 2005 stark rückläufig. Interes-sante Einsichten liefert dazu die detaillierte Betrachtung der Ex- und Importströme mit den deutschen Handelspartnern, siehe dazu die Karte (Abb. 3).2Dargestellt sind dort für die

wichtigsten Stromhandelspartner Deutschlands die Expor-te, die von Deutschland in die jeweiligen Länder geflossen sind (nicht schraffierte Balken) sowie die Importe, die Deutschland aus den jeweiligen Ländern bezogen hat (schraffierte Balken). Hervorzuheben sind Länder wie Frank-reich, die Schweiz, ÖsterFrank-reich, die Tschechische Republik sowie die Niederlande. Auffällig ist dabei, dass diese Län-der entweLän-der in besonLän-derem Maße Strom aus

Deutsch-Marc Gronwald und Jana Lippelt

Kurz zum Klima: Stromexporte, EEG und Emissionshandel

-25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 Nettostromimporte Deutschlands

Quelle: Energy Information Adminstration.

Mrd. Kilowattstunden 30 35 40 45 50 55 60 65 70 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008

Stromimporte und Stromexporte Deutschlands

Mrd. Kilowattstunden

Exporte

Importe

Quelle: Energy Information Adminstration.

1Da die Finanzkrise auch auf dem Energiemarkt für

er-hebliche Verwerfungen gesorgt hat, enden die Be-trachtungen hier im Jahr 2008.

2Die Autoren danken Sabine Wilke für ihre

Unterstüt-zung bei der Aufbereitung der Daten.

Abb. 2 Abb. 1

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land beziehen oder nach Deutschland liefern, nicht aber bei-des. So wird nach Österreich, der Schweiz und den Nie-derlanden deutlich mehr Strom exportiert als von dort zogen. Auch auf dieser disaggregierten Ebene wird die be-schriebene Entwicklung über die Zeit deutlich: Die Exporte von Strom in diese Länder haben über die Zeit tendenziell zugenommen, insbesondere gilt dies für Österreich. Die Importe aus diesen drei Ländern sind allerdings eher stabil geblieben. Die Tschechische Republik und Frankreich hin-gegen sind Länder, aus denen Deutschland erheblich mehr Strom importiert. Diese Importe sind über die Zeit allerdings in nicht unerheblichem Maße zurückgegangen, während die Exporte insgesamt vernachlässigbar sind.

Diese Erkenntnisse haben nun Folgen für die seit einiger Zeit andauernde Diskussion um das Zusammenspiel von der Förderung erneuerbarer Energien und dem Europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS). So hat erstmals im Jahr 2004 ein Gutachten des Bundesministeriums für Wirtschaft betont, dass die Koexistenz von diesen beiden an sich sinn-vollen umweltpolitischen Instrumenten eben nicht sinnvoll

ist, da die Stromerzeugung in Europa zu 99% dem Emissi-onshandel unterliegt und der Kohlendioxidausstoß daher fixiert ist. Somit kann eine Ausweitung der erneuerbaren Energien nicht zu einer Reduktion des Ausstoßes über das im Emissionshandel fixierte Ziel hinaus führen. Es wird ar-gumentiert, dass der »grüne« Strom konventionellen Strom verdrängt, so dass bei den Energieunternehmen über-schüssige Zertifikate frei werden, die ins Ausland verkauft werden und so, bei gleichbleibendem Kohlendioxidausstoß in Europa, lediglich der Preis für Emissionsrechte sinkt. Auf-gegriffen wurde dieses Argument unter anderem von Sinn (2008) oder auch Frondel et al. (2007). Die hier dargelegten Entwicklungen der deutschen Stromexporte und -importe führen nun zwar nicht dazu, dass das Argument grund-sätzlich ausgehebelt wird. Sie deuten aber darauf hin, dass nicht außer Acht gelassen werden sollte, dass nicht not-wendigerweise allein Emissionsrechte exportiert werden. Kommt es in Folge der Förderung erneuerbarer Energien zu einem Export von Strom, wird der Effekt auf die Zertifi-katepreise abgemildert. Zudem ist mit der Schweiz ein Land wichtiges Ziel von deutschen Stromexporten, welches nicht

Abb. 3

Deutschlands Stromhandelsbilanz

Anmerkung: Dargestellt sind die Importe und Exporte von Strom aus der Sicht Deutschlands. Die nicht schraffierten Balken beschreiben Strom, der von Deutschland in die jeweiligen Länder exportiert wurde, die schraffierten Balken Strom, den Deutschland aus den jeweili-gen Ländern importiert hat.

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Im Blickpunkt

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Teil des EU-ETS ist und dessen Kohlendioxidausstoß nicht durch den Emissionshandel fixiert ist. Stromexporte in die Schweiz binden Zertifikate im EU-ETS, so dass folglich für die Stromerzeugung der am EU-ETS beteiligten Länder we-niger Zertifikate zur Verfügung stehen. Dies wirft sicherlich verschiedene interessante Fragen auf, die bei entspre-chenden Analysen der Konsequenzen aus der Interaktion dieser beiden umweltpolitischen Instrumente berücksichtigt werden sollten.

Literatur

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2004), Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats zur Förderung erneuerbarer Energie, Dokumen-tation 534, Gutachten vom 16. Januar, Berlin.

Energy Information Administration, http://www.eia.gov.

European Network of Transmission System Operators for Electricity, https://www.entsoe.eu.

Frondel, M., N. Ritter und Chr.M. Schmidt (2007), »Photovoltaik: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten«, RWI: Positionen, #18.2, 10. Dezember, Essen. Gronwald M. und J. Lippelt (2010), »Kurz zum Klima: Regenerative Energie und Nettostromimporte«, ifo Schnelldienst 63(02), 34–35.

Sinn, H.-W. (2008), Das Grüne Paradoxon – Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik, Econ Verlag, Berlin.

Abbildung

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Referenzen

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