Zuschrift und Antwort : zwei Briefe über politische und pädagogische Stimmungen und Meinungen im Kanton Zürich 1869

Teljes szövegt

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über

polittf<J>e u n d ( S t i m m u n g e n . u n d M e i n u n g e n

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J t a r t f o n JSÜriö) 1 8 6 9 .

Az ö ^ J P a e d .

®ru<f 001t 3· •ÖetSog, 1870.

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I . S t t f c t m f t -

aSerc^rter £ e r r unb greunb!

©aS Stiftern, baS töäEirenb einer Steide »on S'aEjrert über Remter unb 28ürben, über ©elb unb ©ut biSpontrte, ift gefallen,

©ttidje iräftige ©ritte, unb ber StaatSboben, welchen politifdhe Seimfieberei inetnanbergefufelt unb zufammengentcfelt ^atte, be=

tarn Sprünge, fftiffe unb Södjer unb gerbrörfelte. ©er galt beS SpftemS ift in ber ©fjat ein redjt erbärmlicher; tron folgen Stögen fallen, gletdhfam wehrlos unb roiberftanbloS: ja, baS ift jämmerlich! '

Unter· ber Sormunbfchaft beS StjftemS fjatte baS SSoIi feine Sßahlfähigfeit aHmälig »ergeffen, unb bie Sßaijlbarieit rourbe tron ber ©unft einer ßoterie abhängig. Stunmehr finb bie 23atjt=

i rechte roieber tnS SßoIEgßerau^tfeirt gefommen unb bie SBahlafte beut SolfSrotHen fjeimgegeben. ®ie ©efe|e bebürfen fortan p ihrer ©ültigfeit ber ©enetjmtgung burch ben unfterblidjen Sou=

uerain, S o t t genannt, unb berfelbe befretirt fidj felbft bie Steuern unb hält ben StaatSfäctel in 2IHerf)öcf)fl eigenen §änben.

potttifdjer unb finanzieller Dichtung ift ber gretfieit roieberum Saint gebrochen, unb mir hoffen, baS Sott werbe fefl unb freubtg, roachfam unb ttiätig auf biefer Satin fortfctjreiten.

Stber, uere^rter greunb! tote fieljt es iit bem ©ebiete aus, auf welkem wir unfere SerufSthättgleit ausüben fotten, int

©ebiete ber ©rjiefiung unb beS Unterrichts, unb zwar zunääjft im Solfsfdhitlroefen? Stedten wir ba nicht bis über bie Difren, rote man zu fagen pflegt, im SpftemSleim? D letber! unb roir

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güße mit bunten Sänbern äufammenfcßnüren unb uns fo gängetn, rote fdßroacije Sinber, bie ficß nid^t aufregt galten unb ni<ßt geßen lönnen.

SBenn man uor faft 40 3aßren ben Seuten, roelcße an ben jürcßerifcßen SolfSfcßulen angefteüt mürben, portionSmäßig uor- fc^nitt unb umlegte, roaS bie ©cßüler lernen foüen, roenn man tßnen einejersirte, rote fte reben unb tefen, fingen unb beten, ääljten unb meffen, fcßretben unb jeicßnen, fteßen unb geßen müßten: fo roar bieS unter bamaltgen facßlicßen 3uftänben unb perfönliößen Serßältniffen jroecfbienliöß unb preiSroürbtg. Slber im Qa^r 1870 feßen roir bie ©inge tn anberer ©efialtung. 2Bir ßaben nicßt bloß allgemeine, roir ßaben aucß ßößere SSolfS»

faulen, ©te große fDteßrjaßt ber ißrimarleßrer ßat uier $aßre

©efunbarunterricßt unb uier $aßre ©emtnarunterridßt erhalten, uon ben 60 ©elunbarleßrern ßaben überbieS nocß bie meiften afabemifcße ©tubien gemacht; man barf alfo in Slöaßrßcit fagen:

bie ¿ür dßerif cßen Solisfcßulleßrer jäßlen ju bem sßerfonale ber roiffenfißaftliiß gebilbeten SerufSarten.

„SBiffenf^aft unb Seßre finb frei," unb fo muß aucß bte StuSübung eines roiffenfcßaftlicßen SerufeS burcß bie greißeit geßeiligt fein, ©er ©ßeologe, -ber 3urifi, ber föiebijiner·, nacß=

bem fte bie ©tubienjeit burdßgemadßt unb bie 3eugniffe tuiffen-- ftßaftli<ßer Sefäßigung erßalten ßaben, beginnen bie praftifdje SerufStßätigieit: fte ßeiten, pläbiren unb prebigen nadß eigener roiffenfcßaftticßer ©inficßt, mit felbftgeroäßlten Mitteln unb auf freien SBegen. Sein ©efeß ober 9tegulatiu fdßreibt bem 3irjte uor, rote er ein gebrochenes Sein einrichten ober ein gieber be=

ßanbeln foH. ©er Slbuoiat fann gerabe ober frumme fftidßtungen einfcßlagen, für Siedet ober lXnredßt ficß ereifern, flug ober unflug eine ©acße fiißren. ©er ißrebiger mag rationaliftifcß ober pietiftifcß, ortßoboj ober latitubinarifcß reben unb fatecßifiren: alle ©ret arbeiten frei tm freien ©ebiete ber äöSiffenfdjaften.

9tocß meßt: auch bie Seßrer an ben ßößern Stnfiatten finb in öinftcßt auf ©toff unb 3Jletßobe burcßauS frei unb felbfiänbig;

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ja bie fogenannte gelehrte SJitbung befeitigt fogar bte 23ebingung einer befonbern 33efä£)igung jum Sefjramte. 2ßer feine pf)ttoto=

giften ©tubienjeugniffe probujtren !ann, toirb ©pmnafialle^rer;

ob er für ben ßefirerberuf päbagogtfcfj oorbereitet, bibaftifd^ geübt fei, barnadj fragt man nicfjt; ebenfo mattet bie greifjeit F)infid^t=

tief) ber ßetirfteHen in reaiiftifcfjer, mattjematifdfjer, pfjitofopfjifcfjer Stiftung. SBoju aucfj eine befonbere Serufsbilbung für baS ßetjramt? ber ©pmnaftallefyrer 3. 93. tjat ja. ats Stüter bie

©pmnafiatftaffen burcfjgemacfjt; er tjörte uub faf), füllte unb eriannte rote fein ßetjrer bohrte unb forrigirte, unb fo ntacfjt er'S nun fetbft, ba er aucjj ßeljrer geroorben; ober er rnadfjt eS anberS, roenn es ifjm beliebt: benn „SSiffenfdjaft unb ßetire finb frei."

Stur bie a3otf§f<$uHet)rer roerben für ben ßefjrerberuf befom berS präparirt, femtnarifirt, inftrutrt, mettjobifirt, eperjirt, regu=

tatimfirt, forrtgirt, epaminirt, ftaffifijtrt, fpejialifirt, orbinirt. — ' ttnb roenn fie alt bie „iren unb firen" erfahren Ijaben unb SJtämter geroorben finb, fo bajj aucf) nodj baS „rafiren" tjinäufommt, roerben ifmen bann einmal bie groben SSänber unb feinern

©djnüre abgelöst, roirb tfjtten freie 93eroegung in itjrer S3erufS*

tfiätigfeit geftattet? Seroafjre! ©er allgemeine ßetjrptan fdjreibt itjnen bie Strt unb Stufeinanberfotge beS UnterricfjtSfloffeS tror;

ber ßeftionSplan normirt bie Serttjeituug uon unb Äraft;

eine fiodjobrigfeitlicfje SBitlenSaufjerung unb 3Jia(jnung beseidfjnet bie ßetirroeife; @efe|e unb SSerorbnungen gebieten unb beftimmen bie ßefjrmittet.

©ie järtlidjfle SRutter forgt nicfjt fo umfidjtig, fcfjarfficfjtig unb »orficjjtig für tfjre Ätnblein, rote baS ©cfjutregiment für feine

©ctjutteiirer.

33or getten roarb SttteS roeit einfacher unb fürjer abgemalt,

©er §err Pfarrer oerorbnet: ©cfjuimetfter, baS unb baS müffen bie Sinber lernen! Gr befahl: ©cfjutmeifter, fo unb fo müfjt Sfir'S lehren unb üben — ißunftum.

GS fam bie Seit peftatojjtfdEjer Stnregungen unb Stufregungen;

aber nur in einigen Äantonen, unb audfj ba nur in wenigen

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Schulen, traten bebeutfame Umgestaltungen unb Serbefferungen ein; in weitaus ben meijlen «Schulen blieb berfe!6e guftanb, rote er oor ißeftalosji gewefen.

©nblidj folgte bie ©inführung ber „neuen a3olf3fchute."

Sie braute wirflidb baS „-Reue" im auSgiebigften üftahe. Unb ba oiele ber beibehaltenen Sehrer nur baS „Sitte" iannten; ba ben meiften ber neueingereihten Sehrer nur eine furje 33ilbungS- frift gewährt war, fo muhte mit allerlei §ülf»mitteln ba§ „Sieue"

geförbert werben: mit „SSegweifern, ©ebraucljSanleitungen, Seit=

faben, ÜRuflerteftionen, fragen unb Introorten" u. f. ro. —

©runbfähe unb Sehrfä|e, ins freie ©ebiet bet SSiffenfdjaft gehörig, muhten in binbenbe ©efefce unb SSerorbnungen aufgenommen werben; Sücfjlein, Südjer unb Sabellenroerfe, bem freien ©ebiete bet Siteratur angehörig, würben als obtigatorifche Sehrmittet erflärt. ®er ©tanbpunft war ber progreifiu=gouoerue*

mentale; atlerbiugS fein freier unb erhabener, inbefj boch weit höher, als ber oorhergehenbe unb iiberrounbene, nämlich ber abfolut=paftorale.

©S muh subem anerfannt werben, bah jenem höheren

«Stanbpunfte aus auch bie amtliche unb öfohomifche Stellung ber Sehrer mit ©nergie unb greigebigieit oerbeffert unb ber Sehrerfdjaft eine ¿Mefttoftimme jur ^Begutachtung ber Sehrpläne, Sehrmittel u. f. w. eingeräumt würbe, immerhin ein wefentlicher gortfchritt auf ber SSahn jur Freiheit.

®ie leitenben SJtänner ber progreffir)=gout)ernementaten iperiobe haben bie SSebürfniffe unb gorberungen i h r e r erfannt unb benfelben mit treuer Eingebung ju genügen gefuöht. 2Bir foßen ihre SSerbienfte um fo höher achten, ba man annehmen barf, bah fie in freiheitlicher SRicfjtung weiter gegangen wären, wenn fie nidjt, ehe fie bie uerbeffernbe §anb an ihre SBerfe legen fonnten, burcfj eine reaftionäre ©ewaltthat geftürjt worben wären.

®aS mit bem §erbjl 1839 beginnenbe reaftionär=fleri=

fale 9iegiment hat bem äSoIfSfdjjulwefen unetmehlich gefchabet;

nidjt nur babur<h/ bah es roährenb feiner $eit «StiUftanb unb Sti'ufgang herbeiführte, fonbern noch ganj befonberS baburcf), bah

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es audj entmuthigenb auf feine üftadjfolger toirfte, unb fo für eine lange gieifje oon Satiren Vertrauen erf(fütterte unb bie Gräfte lähmte.

gaft 10 $ahre lang forrefponbirte, referirte unb fonferirte man über ein neues ©chulgefe|. 2tls baS längft erfehnte

©djmerzenSfinb enblich geboren mar, hörte ntan oon Fachmännern behaupten, baSfeibe fei überaus fchroächlich, ermangle jeber wirf*

famen Äraft unb werbe ein faum beachtetes Sßefen bleiben,

©iefe Behauptung ift burch mehrjährige ©rfahtung beftätigt.

©aS Schuigefeh oorn Sahr 1859 begrünbet feine neue ©poche im prcherifchen BoIfSfchulroefen, unb bie Qeit t>on 1859—1869 bilbet feine ißeriobe wefentlidjer gortfchritte. ©em Sehrftanbe, obgleich in ben ÄreiS ber miffenfchaftlich gebtlbeten ©täube ein*

getreten, blieb bie freie Berufsthätigfeit, bie erfte unb fjöchfte Bebingung beS gortfchreitenS, immer noch oorenthalten. $a ber

„Sehrplan ber iprimarfchule" oom 18f>0 fießte bie Sehrer*

fchaft hinter baS Saljr 1838 guriidf: benn ber „Allgemeine UnterrichtSplan für bie ißrimarfchulen beS SantonS Zürich" oon 1838 zeichnet nur in einfachen ©runbftrichen unb Ilmriffen bie Art uttb Aufeiitanberfolge beS llnterridhtSftoffeS; jener Sehrplan aber fchreibt fpezieH oor, roaS in jebem Fa<he gelehrt werben müffe; in jebem Qahr, ™ ie^er klaffe. — Auch bie ÜDtufter*

©ntroürfe z" SeftionSplänen würben burch allerlei Bruchzahl

©tunben aufs genauefte zugefchnitten unb fpezifizirt, foroie burch mehrere hunbert blaue tppographifche ©c^ilbd^en iHuftrirt, um ben Slicf beS SehrerS auf ben rechten ißunft zu leiten, ©ie höhere BolfSfchule (©efunbarfdhule), in welcher bis bahtn bie Sehrer mit ziemlicher ©elbftänbigfeit unb Freiheit ihre Berufs*

thätigfeit ausübten, erhielten nun auch ihren obligatorifdhen Sehrplan, in welchem Fach für gach, Älaffe für klaffe ber llnterrichtSftoff fpeztett oorgefdjrieben unb fogar bie Behanblung beSfelben angezeigt würbe.

SSM man inbefj billig unb gerecht urtheilen, fo mu§ man fagen, bah bie Sehrpläne unb SeftionSpläne weber 3roaug noch

©rang auferlegten, ©ie erfchtenen unb oerfchwanben. @S

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roäre mütpam, bie Sekret unb (Sc^utuorftefjer aufsufinbeit, roetdje jene päbagogifcfjen Staubücülein nadj itjrem gleichseitigen Grfdfjeinen unb SerfcfjTOinben je roieber gefefien Ratten.

Studj besügticf) neuer Setjrmittet fanb man feine neue SBege, fonbern manbelte abermals auf ben früher roieberfiolt betretenen unb breitgetretenen: ^reiSauSfcfyreibungen unb in Grmanglung non fßreisfcfjrifteu literarifdje Stufträge. SttterbingS rourbe in biefer ©aäje ber Sefjrerfdjaft baS grojje SBort unb baS entfdjei- benbe IXrtEjeit übertaffen; aber einmütige Sefäjlüffe finb t)ier faum je JU ergteien unb ein SJtajoritätSbefdjtujj ift ein unerträgtidjer, unfjeilrolter Gingriff in bie „greiijeit ber SSiffenfc^ft unb ber Setjre."

fjtt biefer ©ituation befanb fictj baS prcjierifcfje SoifSfct)ui=

mefen, als eine politifdje Siegung unb Seroegung eintrat, unb baS ^ufionSfpftem auSeinanberfiet. Segreifticf), bafj roäjjrenb beS faji jmeijätirigen Interregnums nic^t SebeutfameS gettian rourbe.

Stber mit bem Seginn ber fiebenjiger Satire roirb hoffentlich eine fchöpferifche ißeriobe im ©djutroefen eintreten, roie in ben breifjiget Sauren. Sßenn bamatS ganj seitgemäfj bie ©erife lautete:

Drganifation, ©ireftion, tßrogreffion! fo ruft nun bie bemofratifcfje ©c^ute jettgemä^: greihett, rotte $reif)eit in Sßiffenfchaft unb Sei)re!

SBttt man btefem Stufe entfprecfjen, fo muffen allererft nadtj- Bejei^nete ißoftulate erlebigt roerben, unb jroar affirmatir.

1. G i n neues ©dfjutgefefs, ein bemofratifcheS.

©aS ©djjuigefefs ron 1859 reprobujirt im SBefenttic^en bie

©efe§e ron 1831—1834, trenn auch in neuem Stufpujse. ©ie

§auptbeftimmungen berufen auf ber Serfaffung ron 1831, unb ba biefe gänjlidj befeitigt ifi, fo miiffen jene falten.

Gin bemofratifcheS ©efefs für baS SolfSfchutroefen roirb nicht gar uiete Sejiimmungen enthalten, nicht gar riete §§, faum beren halb fo riete, roie baS beftetienbe ©efefs. $n Stnerfennung beS bemofratifchgröbagogifchen ifkinäipS: „Sßtffenfchaf t unb Seiire finb frei" — bleibt oon bem ©efe§e SltleS auSgef^toffen, roaS itierauf Sejug hat. Seftintmungen, roie fie 3· S. in ben §§. 50,

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58> 59, 60, 61, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 78, 106, 107, 109, 110 unb поф anbern enthalten ftnb, roirb ein bemofratipßeS

@фи1де{е| шф1 aufnehmen.

2. ©РТргефепЬ jenem ^rtnjipe fallt дЗДхф meg: ©er o b r i g i e i t l i c ß oerorbnete a l l g e m e i n e S e ß r p l a n .

Qeber Seßrer (ober jebe Sei)rerfcßaft eines ©фи1о^) fertigt рф, infofern man eS für р)ейЬгепИф ti&fyitt, ben Seßrplan für bie ©фи1е. ©erfelbe bebarf feiner ©eneßmigung unb ift für ben Seßrer feineSroegS binbenb. ©er Seßrer auf ©traßtegg rrnrb ben Seßrpoff паф bem Sebürfntß feiner ©фиШпЬег auSroäß;

len unb orbnen, ber Seßrer in Зйпф Ьерд1егфеп.

3. 9?аф bemfelben fßrinjip ift дгйпЬИф aufpräumen mit ben „genehmigten SeftionSptänen". .

grei muß ber Seßrer рф betoegen. 91аф ©timmung unb Neigung foH er über 3ett unb Sraft oerfügen. Db er bie

©фиНтЬег in fütler Slufgabenlöfung befdßäftige, ob er pe in lauter Seftion betßätige, baS ßänge oon feinem SBiHeit ab;

ebenfo, ob er bem einen §афе meßr, bem anbern minber 9tücf=

fidßt trage. SKur bei greißeit unb bei НпЬПфет ©гфдеЬепг laffen faitn baS ©фийеЬеп рф геф1 детй1ЬПф gefialten.

4. Son „obltgatorifcßen Seßrmitteln" barf fel6ftoer?

рапЬИф. in einer Ьето1гаЩфеп ©фи1е тф1 meßr bie Siebe fein.,

©ie roirfenbe Äraft ßat Ьоф рфегИф weit größere Sebeutung, als baS bienenöe Mittel. $ene i^nn рф nur äußern in ber freien, freubigen ©ßätigfeit beS SeßrerS. SBenn man aber ben Seßrer jroingt, паф ©фи1Ьйфегп p leßren, bie er als unjroeclmäßig oerroirft unb barum nur mit unoerßaltenem Dietger unb openbarem SSiberftreben деЬгаиф!, fo muß ftatt greubigfeit bittere ©rübfal ißn erfüllen, unb ber ©rfolg feiner ©ßätigfeit wirb ein trübfeliger fein.

Sllfo ßinroeg, eiligp ßinroeg mit bem be§potifdßen „ob Ii да*

torifcß". ®te SluSroaßl ber Seßrmittel ift ein unantaftbareS Sftedßt beS freien SeßrerS.

SBenn ein Seßrer bie lleberjeugung fePßält, außer ber „gibel unb ber Sibei" bebürfe man feines SefebuφeS, fo laffe man

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ihn hernach wählen unb fahren; haben bodj bie ©runbfäulen beS g5eftato5äianiSmuS: -Rieberer, K r ü f i unb ©. ÜRägeli — biefeI6e Ueberjeugung ausgebrochen, unb ber leitete fagt auS=

brütflidj, bah bie Sibel „baS hefte ©lementarbu <h" fei.

©rflärt ein Sehrer: Witt unb brause feinen reatiftifchen Sefeftoff; Sanbfarten, naturgefcfji(htli<he Stbbilbungen unb SRatura=

Iten, fowie einige phtjfifalifdje Apparate genügen mir" — bann nötige man ihn feiiteSroegS ju realiftifchen Schulbüchern. ©enügt einem anbern Sehrer bie ©inheitStabeHe als Sehrmittel für bie 3ahlenlehre, fo anerfcnne man feine ©enügfamfeit. Sucht biefet burdj ben fachlichen Katechismus, jener nach ber „©ef<hi<hte 3efu" uom Pfarrer in Ufter bie religiöfe Silbung ju förbern:

mögen beibe ihre SBege roanbeln nach f r e i e r SBaht.

UebrigenS werben wir, fobalb bie Freiheit gegeben ift, in furjer 3eit bahin gelangen, bah jebe gröbere Drtfchaft ihre eigenen Schulbücher beftht. Sie Sehrer btefer Drtf(haften werben bie Sucher uerfaffen, Verleger werben.fie am Drte brucfen unb Suchbinber bafelbft biefelben fertig ftetlen. Schon je|t fönnten nicht uur bie Stäbte Rurich unb Sßinterthur, fonbern auch Drt=

fchaften, wie Jorgen, SSäbenSweil, Stafa, Steilen, Ufter, Sülach, Slnbelfingen, ©gliSau, ©Igg, Hegensberg u. n. a., namentlich atte SSejirfShauptorte, bie Schulbücher für ihre unb bie näd)ft=

liegenben Spulen probujiren, eben fo gut, wie fie bie „Steiger, SBoihenblätter" u. bgl. herausgeben. .

$e utehr man tum bem überwunbenen Stanbpunfte ber päba=

gogifihen Softrin: Schulbücher müffen, fpftematifch unb p l a n m ä h i g fortfdjreitenb, b e n S t o f f beni geiftigen

©ntwicfelungSgange ber Schüler anpaffen" —, fi«h entfernt unb bie 2ßege ber Freiheit roanbelt, befto leichter wirb eS, Schulbücher ju Schaffen. Qeber Sehrer ift im Stanbe, fich eigene Schulbücher nach feinem Sinne unb ©efthmacfe aus ben bereits oorljanbenen, überaus ftoffreidjen Suchern pfammem pmachen.

3<h roeih gar wohl, »ereljrter gteunb, bah man f ü r bie

(, o b l i g a t o r i f <h e n" Sehrmittel man<herfei ©rünbe vorbringt.

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@o ixt erfier Sinie: 2Bof>If et t § ei t. ©a möchte matt faft rufen: Sachet nicht! benn Seemann weih, bah Äonfurrenz bie erfte Bebiitgung ift, um w o h l f e i l e ißrobufte ju erlangen,

©ann wirb befonberS fiari betont, bah ber Sehrerroedjfel immer noch häufig eintrete, bah bie flottirenbe Beoölferung ft<h batb ba balb bort anfteble. SBenn nun jebe ©dhule ihre eigenen unb befonbern Sehrmittel habe, wenn es jebem neu angeftellten Sehrer Zufomme, bie Sehrmittel ju beftimmen, fo werben einerfeits bie SehrmtttelauSgaben fehr gefteigert, anberfeitS werbe ber BilbungS*

gang ber Einher, wenn fie bie ©d&ulorte wechfeln, häufig* unter*

brochen unb erfchroert. — Auch biefe ©rünbe wiegen nidht fchwer.

©ie Sehrerwechfel werben immer fettener. ©ie flottirenbe Beoöl*

ferung ift bei weitem nidht fo zahlreich, 'als man gewöhnlich annimmt: fie beträgt nicht 4 ißrocent. Unb bann: ber ißrtmar*

Unterricht ift unentgeltlich." Sie Ausgaben für Sehrmittel fallen auf. bie ©taatsfaffe unb Sehrer unb ©chüler haben ft<h um bie Soften nidht zu fümmern.

5. ©ine obltgatorifche Sehrweife (ÜJtethobe) ift z®ar nicht bireft uorgefdhrieben, aber Snhalt unb AuSbrucf ber obli*

gatorifdhen Sehrmittel nötigen bem Sehrer biejenige iDMjobe auf, welche baS ©dhulregtment jeweilig für bie hefte hält. SBenn jebodh irgenb tn einer §infi<ht bie Sehre frei, o o 11 ft ä n b i g f r e i werben muh, fo ift es gerabe in ^inficht auf bie Sehrweife:

benn in ihr offenbart fich ber ©eifi beS SeljrerS unb wirft auf bie Schüler, ©ine an ftdh fehlerhafte unb mangelhafte Sftetfiobe fann fegenSreidh wirfen, wenn fie uoit ber Sehrerfreubigfeit ge=

tragen unb oom Sehrergetfie erwärmt wirb, ©te uortrefftidhrte 3Jtet£)obe wirft geifteSlähmenb, wenn fie ber Sehrer, ohne Suft unb Bertrauen, medhanifdh als ©dhablone hanbhabt. SBerfe man' boch biefe 3™angSjacfen bei Seite! Frei f " bie Sehrweife!

SBer nach 21/ 23, © ©äfelein unb Aamenbü^lein tn ber Buch*

ftabirmethobe ben elementariföfjen Sefeunterricht ertheilen will, ber mag eS thun. SBer Sautiren ober ©pHabiren für zroecfbien*

lieh erachtet, ber treibe es fo. SBenn ein Sehrer bte ©dhulbil*

bung hauptfächlich auf fei

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baS feine Metßobe, roie es einem anbern geftattet fein mag, ßaupt*

fäcßlicß biftanbo p bojiten. 3*ehf biefer bie Satecßeßrmetßobe

»or, jener bie afroamatifcße Seßrart: beibe feien Berechtigt. SRie=

manb aber ift Berechtigt, ißm eine Metßobe aufppingen.

6. 2luS ben Slrtifeln 4—5 ergibt fi<ß als unabroenbbare SJlotßroenbigfett, baß bie ©cßulaufficßt feinen Ieitenben

©influß üben barf. .

©ie ßat ißt Slugenmerf pnäcßft auf bie ©cßullofale p richten: auf ©icßerßeit, fReinlicßteit, Temperatur; ferner ßat fie baS Defonomifcße unb ginanpeile p beforgen unb enblicß baS

©(ßulpoliseilicße, nämticß ben regelmäßigen ©cßulbefucß ber Sinber, bie recßtseitige unb »oUßänbige ©tunbengebung beS SeßrerS p überroacßen. $n päbagogifcßer unb bibaftifcßer ffticßtung ßingegen ßat fie fßicßtS p orbnenunb 9ti<ßtS p befeßlen: benn ßier fäme fie auf ein ©ebiet, in roelcßem ber Seßrer frei p fcßalten unb p malten ßat.

©ie trabitionelle ©cßulinfpeftion in ber 2lrt, baß ein ©ele=

girter ber SeprfSfcßutbeßörbe bie gaßreSprüfung „abnimmt", muß megfaHen. hingegen f°ß e*ne ottbere, mirffame uub ftcßere Sontrole eingeführt roerben, unb p>ar:

a, bie oberße ©cßulbeßörbe feßt, nadß eingeholtem ©utadjten tron ©eite ber Seßrer, ein Maß ber obligatorifcßen Seiftungen;

b, bie ©(ßüter unb ©(ßülerinnen ber auStretenben Slaffe roerben »on einem beroäßrten ©cßulmanne inbiöibuett nadß jenem Maße geprüft unb bie ©rgebniffe an bie oberfte Seßörbe berichtet, bie bann ailerbingS baS fftedjt unb bie ißßicßt ßat, gegen nacß=

läffige ober leiftungSunfäßige Seßrer etnpfcßreiten. ©olcße 2IuS=

trittSprüfungen roürben ein gerechtes llrtßeii begrünben. ©ie fog. fftefrutenprüfungen, erft nacß gaßren »otgenommen, geroäßren fein folcßeS.

2lnßatt ber bisherigen gaßreSprüfungen, bie meißenS nur

»on ©cßuiuorfteßem unb bem gnfpeftor befucßt rourben unb feßr ßäußg einem läßigen unb langweiligen ©efcßäfte äßnlicß feßen, roirb ber Seßrer jebeS Qaßt an einem ©onntag um bie Dßerjeit ber ©ißulgemeinbe, bie ßiep befonberS eingelaben roirb, in

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fefilidjer 23eife bie ©djuljugenb rorfüfjrett uttb gleidhfant Eftedjen=

fdjaft geben, inbem er jeigt, roaS unb rote er lehrt; bie ©chüler.

aber groben ablegen »on ihrem SSiffen nnb können, ©tefe Prüfung fott immer in einem Sofale abgehalten werben, baS auSretdjenb Staum barbietet.

7. Son ber $ett an, ba man bie SolfäfdhuMjrer bem 5ßer=

fonale ber roiffenfchaftüch gebilbeten ©tänbe beigefettt, hüben fte auch i11 beu beftehenben Stnftatten ihre atigemein roiffenfchaftliche Silbung su fucfjen unb su erlangen: alfo nach »ierjährigem

©efunbarunterridht im .£>umamtätS= ober im Stealgpmnaftum (bei uns in ber ÄantonSfdhute: im ©pmnaftum ober ber Snbuftrie;

fchule).

§at ber SefjramtSpräparanb bie obern üurfe ber ÄantonS=

fcfjule burchgemacht, fo mag er noch etliche ©emefter=93orlefungen an ber tgochfcijule hören, unb jroar fotdje, bie fich auf feinen fünftigen Seruf bestehen: tpfpdhotogte, Ephpftologie, ißhilofophie, ißäbagogif. Stun untersteht er ftch einem roiffenfdhaftlichen Gramen unb wirb bann uerpflichtet, roährenb eines SßinterfemeflerS bei einem befonberS tüchtigen ©djutlehrer ftch bie praftifdje Sehriunft ansueignen.

SJtan fagt unS, bie Selfrer an ben höh^rn ©djulen, an bem

©pmnaftum u. f. ro., bebtirfen fetner befonbern Sehrerbilbung, roeil bie allgemein roiffenfchaftliche Sitbung fte einer folgen ü6er=

hebe, ©ut, roir afseptiren biefe §inroeifung, unb inbem wir jene allgemein roiffenfchaftliche Sitbung uns ebenfalls aneignen, finben roir uns ber befonbern ©eminarbilbüng .überhoben. SöaS ben Ginen recht ift, ift ben Stnbern Bittig.

©er ©tanbpunft ber ©djutlehrerfeminarien ift ein über=

rounbener. Gr hatte feine ^Berechtigung, fo lange man ben ©chuB tehrer tron ben roiffenfchaftüch gebilbeten Staffen auSfchlieftett unb bocfj über bie gewöhnliche Solfsfchulbtlbung hinausführen roottte.

©o war fetne ©tettung atterbingS eine abfonber liehe. Gr foltte nidjt mehr im gans trüben SBaffer ber Unroiffenfchaftli^feit brunten bleiben; er fottte aber auch nicht anS fiare Sicht ber aßiffenfchaft hinauffommen. Gr war im ihiUurgebiete roeber

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gifáj noch Sögel, eher ein Htnphibium. 3mnter noch blieb es in ber wiffenfhaftlihen SBelt gebräuchlich, bah man. ^Denjenigen, bem man 3gnoranj, Sornirtfieit unb iftebanterie twrwerfen wollte, einen „Schulmeifter" fhalt.

2ßir anerfennen mit ©anf, bah baS Sünh^ «Seminar roät)=

renb ber erften Stabien ber Shulorganifation ganj jwecfmähig wirfte unb bie ©rünbung ber „neuen SolfSfhule" Ejauptfächlic^

förberte; aber biefe Stabien finb längfl jurücfgelegt.

2Sir anerfennen ebenfo, bah baS jetzige Seminar, abgeben

»on ben fog. flafftfhen Sprachen, ebenfooiel, ja in einigen gäcfjern fogar mehr leiftet, als bie obern Klaffen ber KantonSfchule; aber eben in biefer Hnerfennung ift jugleih auSgefprochen, es fei baS Seminar im SBefentlichen unb ©anjen eine allgemein wiffen=

fchaftliche Sehranftalt, wie bie KantonSfchule. ©ah es in ber

©hat fo unb nicht anberS ift, baoon fann fich 3ßber überzeugen, ber forrelatio bie Sehrftunben in ber KantonSfchule unb im Seminar befucfjen wirb: in ber beutfhen unb franjöfifhen Sprahe, in ben mathematifhen, realifttfhen unb artiftifhen pájern er=

fheinen Seminar unb KantonSfchule als íftaratteí--3nftitute, unb bie päbagogifhe SßeiSheit, bie i»ter 18jährigen 3ünglingeit (alfo jungen Seuten, weihe felbft faum über bie gtegeljahre h«uauS=

gefommen finb) in etlichen wöchentlichen Stunben Beigebracht wirb, mag wohl auch gegeben werben, ohne ein befonbereS 5ßäba=

gogium.

©ie oottftänbige, ooßberehtigte ©inreihung ber SolfSfhuB lehret in bie wiffenfhaftlih gebilbeten SerufSftänbe ift non weit gröberer Sebeutung, als bie befonbere Seminarleiftung.

3 h habe 3hnen nun, »erehrter §err unb peunb! biejenigen iftoftulate bezeichnet, beren affttmaüoe ßrlebigung nah meiner Hnfiht unumgänglih nöthig ift, wenn mit bem neuen StaatS=

leben auh ein neues ShuHeben eintreten fott. Sie werben

»ieHeiht finben, eS feien einige ber wihtigften fünfte gar nicht berührt, 5. S. bie allgemeine ©chulpflichtigleit (ber S<hul=

Zwang), bte Stnphl ber ©huljahre, ber wöchentlichen S d j u l = tage unb ber täglichen Shulftunben. ©iefe unb folheißnnfte

(16)

— 13 '—

hab' ich gefliffentltch nicht erörtert: benn hier ift aßererfl ber Sßille beS ©ouoeratnS zu erforfdjen. ©S wäre unoorfich*

tig, es wäre gewagt, über biefe fünfte ©efeheSbefiimmungen zu propontren, ehe man oon ben SBünfchen unb Anfielen beS ©ou=

oeratnS genaue Äenntnifj erlangt hat. ' . Sie unb Sch, wir finb nicht feiten ungleicher SJtetnung in

polittfcher unb päbagogxfcher §infi<ht. SBir haben mitunter eifrige, fogar heftige Sontrooerfen geführt; inbeh finb wir bo<h immer gute Freunbe geblieben, unb ich miß es auch tyvt aus*

fprechen, bah i<h oor Shneu, bem ältern unb oiel erfahrenen ÜBtanne, ber burdj lange unb ernfte ©tubien fich eine achtungS*

würbige ©teßung im ©ebiete ber päbagogifdhen SBiffenfchaften errungen hat, gebithrenbe ©hrerbietung joße. Seh bitte ©ie, meine Anfichten ju erwägen unb mir in rücfhaltlofer Antwort ju fagen, wie ©ie in Sachen urteilen.

AchtungSooß unb herzlich grüht ©ie, 3hr

- ' Freunb 31. 3t.

Seit 5. Sunt 1869. Sehrer.

PS. Als ich gefiern biefen Brief »oßenbet hatte unb ben*

feiben bei ©eite legte, um ihn zu reoibiren, erhielt ich bte auher*

orbentliche Beilage zur Aßgem. Bettung com 29. 3Aai zugefchiit.

Sn einem Artifel aus Berlin wirb über bie Berhanbtungen ber aßgemeinen beulten Sehreroerfammlung berichtet.

Am 18. Sßai, in ber erften ^auptfifzung, würben tum ©fjeobor

^offmann aus Hamburg nachfteljenbe ©tjefen oorgelegt unb erörtert.

1. „Sie bisher in oielen ©eminarien geübte wißfürltche Befdjränfung ber Sehrerbilbung ift oerwerftich."

2. „Sie Söahl ber Atethobe beS Unterrichts unb ber Sehr*

bücher ift ben Sehrern felbft zu überlaffen; febe Uniformirung ber Schulen in biefer §infi<ht ift oerwerftich·"

8. „Sas ©cijulgefeh muh ein Atinimum ber Setfiungen ber

©chulen feftjteßen; es barf aber feine ©chule hinbern, über btefeS Siel hinauszugehen."

(17)

4. ,,©ie Serroattung ber ©ßuten barf nur unter Mitroir=

fung päbagogtfß gebilbeter Männer gefßeßen; bie Siuffißt ift nur burß ©ßulmänner p üben."

5. ,,©ie ©ßute ift nicht ©aße einer religiöfen ober politifßen partei, fonbern Sache beS ganjen Solfs."

6. ,,©aS Äorrefti» in ©ßulfaßen iß unbebingte DeffenB Hßfeit." '

©tefe Tßefen mürben „faß einmütßig" angenommen.

gn ber pieiten ©ißung fucßte igolfßer oon hübeäßeim bie 2. ©tiefe p mobxßpren unb beantragte: „baß bie ©infüßrung

»on Seßrbüßem nur gefßeßen müffe naß SSaßi be§ SeßrerS unb ber ©emernbe." ©tefer Stntrag rourbe aber »erroorfen.

Sie fönnen fiß »orfteilen, mit roeißer greube iß biefen Serißt gelefen ßabe. 2Benn braußen im monarßifßen ©eutfß=

lanb bie ©praße ber SoIfSfßuHeßrer fo lautet, barf man rooßt ßoffen, eS roerben bie SoIfSfßuHeßrer ber bemofratifß republifanifßen ©ßroeij auß baS reßte SBort ßnben.

(18)

I I . 2 l u t n i o r t

2öer t lj e r C o l l e g e ! . Shre .gufdjrift ha* mid) f° lebhaft angeregt, baft ich fte haftig

burdjlefen ntuftte, unb als ich am ©djluffe berfelben angelangt' mar, rief ich faß unwiHfürtidj: ©aS finb mitunter furiofe Sieufterungen. — 5<h las gum ¿weiten 9)iale, unb nun iam mir ber Snhalt ftettenroeife erft reiht furtoS »or; fo fehr, baft ich bie Stnftdjten beS biebern unb einficljtSuotlen ßeftrerS EBüffing uorfter »emejjmen wollte, ehe ich Shaen antwortete. EDtit ihm

las ich bann bie Gpiftel gum britten EDtale. . (Sie rotffen, baft idj gerabe fein EBereftrer beS fogenannten

„SijftemS" bin; ich fänbe hiefür feine allgemeine, noch weniger inbtoibueHe ©rünbe. $nbeft halte idj bafür, baft namentliih bie EBolfSfdjultehrer bem SJtanne, ber als „EßringepS" bezeichnet wirb, für feine ,Seiftungen als Eßräfibent beS GrgieljungSratheS gut banfbaren Slnerfennung »erpflichtet feien. Grft bnr<h iljn würbe bie ©djule ben immer noch nadjwirfenben Gtnflüffen ber ©ep=

temberreoolution entjogen unb mit gleift unb Grnft fudjte er baS

©ebeiften ber ©cfjule gu förbern, bie Stellung ber Seftrer ju heben unb ihr Ginfotnmen jn »erbeffern. ©aS neue ©chulgefeft, baS fein ebenfalls wohlwoHenber unb tüdjtiger Stacftfolger enbliih Sur

©eltung brachte, war unter feinem Eßräfibium angeregt unb aufs forgfältigfte »orberathen worben. Slucfj ©emjenigen, ber in ber neueften Eßertobe bie ©ireftion beS GrgiehungSroefenS führte, wirb man einen guten EMen, ein fwwaneS Gntgegenfommen unb manigfadje nüftlidje Slnorbnungen unb Seiftungen niiht abfpredjen fönnen.

(19)

baß ißrer amtlißen Tßätigfeit ein ßeitraum »oranging, in mel=

ßem bie politifße MeiSßeit barin gefunben mürbe, gortfßritt unb Stücffßritt gleißmäßig p berücffißtigen, unb jroar, inbem Männer ber Steform mit Männern ber Steaftton uereinbart werben füllten, ©ie politifße Sßarafterloßgfeit hatte eine fotße Sebeutung erlangt, baß fie mit ißren fßiHernben Steflejen auß noß bie Sticfe ber oben bejeißneten ©rpeßungSratßSpräßbenten umfpielen fonnte. hier, mein greunb! bürfte ber Urfprung jener gänpißen ©rlaßmung beS politifßen SebenS p fußen fein, in bem.©rabe, baß baS fogenannte ©pßem beim erßen Stoße pfammenftel. •

©ie »erfaffungSmäßige Tßeilnaßme beS SolfeS bei ben 6taatS=

aftionen berußte auf bem Maßlreßte; unb gaßrjeßnbe ßinburß bulbete man bie Maßlffanbale, bei weißen etwa fünf tßrojente ber Sereßtigten ben Maßlaft »ottpgen. Man tßat StißtS, um baS 3teßts= unb ipflißtgefüßt beS SßolfeS• wieber p beleben; man läßelte fßlau unb felbßfüßtig: benn fo war es gar teißt, bie Maßt auf eine beliebige ißerfonalität p lenfen. Man faß eine lange Steiße oon gaßren ßinburß eine gleißfam primlegirte Meßrßeit in ben ßößften Seßörben; man ßörte faß nur bie Iängft gewoßnten ©timmen; ber ©taatSwagen lief in ben längß einge=

faßrnen ©eleifen, unb politifße SoliSbewegungen ßielt man für Sorfommenßetten, bie fiß faum meßr erneuern würben. Qa, in gewiffen Greifen glaubte man fiß im Sefiße ber fouueränen Maßt unb ©ewalt, unb mit träger ©Ieißgültigfeit ober fßnöber Sorneßmßeit mißaßtete man namentliß jene SSorfßläge, bie auf

©rleißterung beS SotfeS unb ©rweiterung politifßer Steßte ab=

jielten. §iep gefeilte fiß bei einzelnen hoßgeftettten ein büreau=

fratifß=brutale§ Seneßmen unb ein fdßamlos gelb- unb genuß=

füßtigeS Treiben.

©enug ßieoon! ©oß gepemt eS fiß noß, ein Sebauern barüber auSpfpreßen, baß waclere unb tüßtige Männer ba§

Serfßulben Slnberer mitbüßen mußten, hoffenttiß werben fie nißt lange braußen ßeßen bleiben.

(20)

— 17 '—

Ha<h btefem furzen allgemein politifchen ©pfurS betrete ich

mit 3hnen baS ©cßulgebiet. ' •

Sie fagen: „SBtr flecfen über bie D§ren im SpfiemSleim."

hierauf bemerfte peunb Süßing fdjerjenb: „2Bie tdh mich auch' betafte, ich fühle nichts Klebriges ober SchmierigeS, roeber an

£aut noch paaren, auch oon Sänbern unb Schnüren finb' t<h mich gänzlich frei nnb fhreite rüftig unb munter auf meinen Sehrgängen in ber Schule einher, pnfunbbreifjig 3ahre hab' ich hier Schule gehalten, unb nicht etn Htal, nicht ein ein = ZtgeS Htal ift mir Qemanb in ben 2Beg getreten, um mich in meiner Sehrthätigfeit zu birigiren ober zu lorrigiren. - So ganz frei unb unbeheßtgt führte ich ftetS mein Sehramt, baff ich mahnen fönnte, ich fei ieiner Septbe untergeorbnet, fei abfoluter S<hut=

monarch·"

Sie fprechen ton ben „Seuten", roelche in ber erfien 3ett ber Schulreform als Sehrer angefteßt mürben, in einer ©Seife, bie ich entfliehen mifjbtßigen muh- Sicht Sefehl, nicht 3mang mar bie ©riebfeber einer aufjerorbentlichen, aufopfernben ©hätig=

feit; Vertrauen, Sichtung, Ueberzeugung — hinaus entwicfelten ftch Kräfte, roelche zur lleberminbung großer Schroierigfeiten auS=

reichten. S?or etlichen äßocfjen feierte eine Sinzahl jener Sehrer einen ©rinnerungStag. Sich, mie erglühten ihre Gerzen, als fte uon ben erften Seminar* unb ©rgänzungSfurfen fprachen! 3hre

©Borte zeugten oon bem freien, frohen ©etfte, ber bamals Stße belebte, oon ber innigen ©Srüberlichfeit, bie Stße oereinigte,

©tefe Htänner, welche bei grauen paaren noch fo rüftig in aßort unb ©hat für Hecht unb ©Ba^r^eit einfielen; fie, bie in ber Sep*

temberreoolution treu unb feft zu ©efejs unb Sehörben ftanben, jeber ©Verfolgung trojjboten unb lieber Slmt unb ©infomnten hingaben, als baft fte ihre p hr e r unb peunbe oerlaffen hätten:

biefe Hlänner haben fich gewifj niemals wie wißenlofe ©raht*

puppen ziehen unb breljen laffen. ©Kochten fie' bei oerfürzter a3ilbungSzeit unb bei befchränften aäilbungSmitteln auch mit wiffenfchaftlichen Kenntniffen unb funflgemäfjen prttgfeiten nur in befcheibenem SRafje ausgestattet fein; fie haben erlangt, was

3

(21)

matt weber burdj ©tubien noch burclj Hebung allein erlangen mag: Begeiferung für ben Beruf, regen ©inn für felbjt*

eigene gortbilbung unb — waS noch mehr i f — ©harafter*

fefligfeit. Aßen Aefpeft, mein roerther greunb, oor Syrern SBiffen, können unb ©huu; aber *">n meinen altern greunben unb ihren Seiftungen bürfen ©ie nimmer geringfdjäfjig reben, fonft fönnt' ich nidjt Shr Freunb bleiben.

„Sie jüridherifchen BoltSfchullehrer zählen §u bem iferfonale ber roiffenfdhaftlidh gebilbeten Berufsarten", rufen ©ie mit ©elbft*

berouptfein. SBenn biefeS h°he Biel/ baS ich nie aus bem Auge oerlor, roirflich erreicht ift, fo haben jene altern BerufSgenoffen fehr wefentlich baju mitgewirft; fie haben, meiftenS aus eigner Äraft, bie Bahn zu jenem Biele geöffnet unb erfolgreich betreten.

AuS bem @a|e: „aBiffenfchaft unb Sehre finb frei"*)

— beretten ©ie aflerlei Älagen unb Auflagen. S<h geftehe unoerholen, bafj ich einen Abetmißen hege gegen ©äj$e, bie aßeS ÜDtöglidhe ober auch AicbtS fagen. .

„SBiffenfchaft" an unb für fi<h als eine getflige ©rrungen*

fchaft ift aßerbingS frei; man fann fie nicht mit Schrauben ober Bangen pacfen; aber bie praftifdhe Benoerthung, bie Anroenbung, auch nur als Sehre, ift faum irgenbtoo ganz frei, felbft nicht einmal tn granfreich unb Uri. Aus einer Äantonaloerfaffung notire ich mir folgenben Artifel: „©ie AuSüöung jeber Be=

rufSart in Äunfi unb 2Btffenf cfjaft, §anbel unb ©e*

werbe ift frei. Borbehalten finb bte gefejslichen unb polizeilidhen Borfchriften, welche baS allgemeine SBohl erforbert.", — SAit folchem „twrbeljalten" wirb bie Freiheit ber 2Siffenfdhaft ins wahre Sicht gefteßt.

©ie fprechen oon ber Freiheit ber Aerzte, ißrebiger u. f. w.

in Ausübung ihres Berufes unb flagen barüber, baff biefe Frei=

heit ben Sehrern entzogen fei. Aun: Aerzte unb iprebiger müffen fich nach ihren ©tubten einer SegitimationSprüfung unterziehen,

*) Setjeibe fiet)t utfprünglidj in ben „bcutfdjen ©titnb vedjtcn"

unb tautet ba: „Sie Sßijienfdjaft unb ihre üeljre iji free."

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— 19 '—

wie bie Sehtet. ÜBemt Giner ber Se|tern feine amtliche 2ln=

flellung fudjt, fo fann er, wie ber 2lrgt, nadh abgefegtem Gramen -frei su praftigiren anfangen, nur muft er eben »on Schülern,

mie ber 2Irgt »on Eßatienten, gefucht unb gebraucht werben.

EUleinen Sie etwa, eS bürfte Giner int graumünfter in prebigen, wie in ber Äirdje gu U s . . . ? SBarum hält benn jener berühmte Geologe nicht enblich feine Bortefungen in ben

^örfälen ber gürcherifchen tpochfchule? EDtuftte ein auSge=

.Zeichneten Sehrer ber Eßhitofophie tn golge nieberträdjtiger ©e=

nunciationen bie Unioerfität ^eibelberg »erlaffen? 9Bie wirb es bem EDiathematifer 9JtMinger ergehen? SBähnen Sie, ein Slrgt,

»on bem notortfdh befannt geworben, baft er bie Eßatienten um

©efunbheit unb Sehen bringe, bürfe in „freier EEBiffenfchaft" fort praftigiren? ©enfen Sie nur ernfitidh unb reiflich über biefe gragen nach, unb ©te werben bann fittben, wie wenig Bebeutung jener ©aft enthält, ben ©ie als ©runblage Behauptungen

»erwenbet haben.

©afc bie Seftrer an wiffenfdjaftlichen Eötittelfchulen einfach mit Dtücfficht auf ihre ©tubiengeugniffe angeftellt werben, ohne theo=

rettfche Eßrüfung unb praftifche Grprobung, geflieht bocfj nur auSnahmSweife. Unb wenn es wahr wäre, baft biefelben in baS Sehramt ohne »orhergehenbe BerufSbilbung eintreten, fo fänbe ich £nerin nidht tm minbeften eine Beranlaffung, auch bem BolfS=

fdjultehrer bie päbagogtfche Bilbung gu entstehen.

EJtach Shrer ©arftellung ftünben bie gürcherifchen BolfSfcfjuB lehret nicht nur tn ftrengfter oiSgiptinarifcher Unterorbnung; ber Zutritt gum Sehramte wäre überbieS ungemein erfchwert unb bie befinitiue älttftettung mit manigfacljen ©chwierigfeiten »er=

fnüpft. Eßrüfen wir boch, wie eS [ich Ipemit in ber Söirflidhfeit

»erhalte!

©er auStretenbe ©efunbarfchüler hat ftcfj einer 3lufnal)mS=

prüfung gu unterstehen, wenn er tnS ©eminar eintreten will.

§at ber ©eminarift feine Äurfe burchgemadjt, fo muft er, um ein amtliches SBählbarfeitSgeugnifi gu erlangen, etn ©ienftejamen üeftehen, einetngigeS, ein für alle EDtal, wenn es befriebigenb

(23)

ausfällt; unb hat er baS groanjigfie SebenSjahr gurücf gelegt, fo fantt er oon einer ©djuigemeinbe befinitio gewählt ober berufen werben.

©Sie einfah=republifanifch ift hier ber gutritt zum Sehramte f.

fragen Sie einmal, wie eS braufjen in ©eutfcfjlanb zugehe, fetbft in ben Staaten, wo baS Shulroefen am meiften geförbert wirb;

welche Stabien ein Kanbibat burhzumacfjen habe, ehe er als roirflidher Sehrer befinitio angefteßt werben fann; wieoiel 3ahre er als ©ehülfe, Unterlehrer, Serroefer in untergeorbneter Steßung unb mit fehr geringem ©infommen aushalten muffe, wie oielen Prüfungen er fi<h p unterziehen habe.

3 h behaupte unb anerbiete ben SeweiS, baff nie unb nirgenb bie Sanbfchußehrer eine fo günftige, bebeutfaine, geachtete Steßung erlangt haben, wie in etlichen Kantonen ber Schweiz, namentlich im Kanton Sürth, wo fie nicht nur auf Sehrfteßen an SolfS*

fchulen, fonbern auch auf ißrofefforate wählbar finb, ja fogar in bie höhlten S3ei)örben: in ben gefejzgebenben KantonSrath,.

in ben HegierungSrath, in baS Dbergeriht — unb in biefen, foroie- in ben SegirfSbehörben, bereits 'Sifse eingenommen haben.

SBenn man foldje ©Röglichfeiten biefem ober jenem prioile*

girten beutfhen „StaatSbiener" Berichtet, fo Stehen ihm oon Shauber bie §aare zu Serge. ©BaS! einen ÜDtenfhen, ber fein Satein unb fein ©riehifh gelernt hat, in ben höher« Staats*

bienft zulaffen, gar zum ißrofeffor, Hätfj unb Hihter mähen —

©ntfehlihü 5Der ©Ranbarinengopf ftrecft fih horizontal nah hinten. — ©iefe gelehrten tgerren fatjen unb hörten nicht, wie in ben legten oiet ©egennien neue SilbungSanftalten, weihe an

£ahl unb Sebeutung bie phitologifhen ©pmnafien unb bie Uni*

oerfitäten zu überflügeln brohen, inS fräftigfte ©afein getreten finb. ©Ran wirb zugeben muffen, bah an ben reaüftifdpmathe*

matifhen unb polptehnifhen Shulen wiffenfhaftlihe Stubien,.

unb zwar ernfte unb ftrenge, getrieben werben, unb fomit läfjt fih nicht mehr bezweifeln unb beftreiten, eS fei eine wiffenfhaft*

liehe Silbung auch ohne baS Stubtum ber alten Sprachen zu erlangen, ©oh — wir bürfen nicht abfhweifen, unb fehrett ins ©ebiet ber gürhertfhen SolfSfhuIe zurücf.

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Mo in aller Meli ßat je eine „©ßulfpnobe" beßanben,

•wie bie prßerifße? ©ine ©ßutfpnobe, bie wteberßolt einen -entfßeibenben ©tnßuß burß ißre gutäßtliße Millensäußerung ausübte, bie mit ©rfolg einer reaitionären oberßen ©rpeßungS=

ßeßörbe opponirte unb fogar aus ber Mitte ber Seßrerfßaft jroet Mitglieber in biefe Seßörbe p wüßten ßatte.

©ie ßaben bie brei ^erioben, weiße berjenigen oon 1845 vorangingen, tn pemltß rtßtiger Sejetßnung bie abfolutpaßorale,

progreffiü=gouoernementaie unb bie reaftionär^terifale genannt.

Von 1845 bis 1860 ßatte man »iet p tßun, um »orerß nur wieber ben Voben oon 1838 p geroinnen; eS waren »tele ©teine beS SinftoßeS wegpräumen; es gab riet ©eptemberunfraut auS;

pjäten; man ßatte niete ©ßäben p ßeilen, »tele Süden auS=

pfüßen.

Ueberaus grünbliß, umßßttg, man barf fagen erfßöpfenb, würben bie Vorarbeiten p r Stnbaßnung einer neuen gortfßrittS-

^eriobe burßgefüßrt. Mieberßott erßielten bie Seßrer Slufforbe^

rungen unb ©inlabungen, ißre Münfße unb Stnträge ber Äom=

.miffion, weiße bie Steoifion beS ©ßulgefeßeS »orpberatßen ßatte, rüctßaltloS »orplegen; wieberßolt würben ©jperten aus ber Seß=

rerfßaft p r Veratßuitg beigejogen. Kißt nur in ber Äontmiffion, auß in ben Veßörben, weißen ber ©ntrourf p r Meiterbeförberung twrlag, ptgte fiß ein unbebingt guter Mille für bie ©ßulfaße.

llttb boß fam baS neue ©ßulgefeß erß naß manßen gaßren p ©tanbe, unb berjenige Staatsmann, ber mit großem ©ifer bie SReotfion angeregt, eingeleitet unb burß alle ©tabien ber Vor=

beratßung geförbert ßatte, gab bie Sitten unb ©ntwürfe in anbere hänbe unb »erpßtete auf bie ©ßre,· einem neuen ©ßulgefeß feinen -Kamen beipfügen.

TßetUe er oieöeißt bie Slnfißt ©erer, weiße bie Opportun

•nität eines neuen ©ßulgefeßeS bejroeifetten unb einßwetlen baS Motßwenbige burß einjetne neue ©efeßeSbeßimntungen, burß

Sefßlüffe unb Verorbnungen gewäßren wollten? ©iefe Stnßß=

ten ßegte »orerß nur eine paffioe Minberßeit, unb nur Menige

(25)

getrauten fich, biefelben laut unb öffentlich auSzufpredjen, weil man fidj bem Bormurf ausfegte, ben gortfchritt htnbern ju motten. Aber als baS „neue ©chulgefeh" feine FortfhrittSbahnen eröffnen foHte, als ber „neue Sehrplan", bie „neuen SeftionS*·

plane", ber „neue Sehrmittelplan" — als biefe unb anbere Aeuigfeiten zum Borfchein famen, ba mürbe alSbalb bie Atinber*

heit zur HJlehrheit, unb ber ©laube, baff mit bem neuen ©efejse eine neue gortfchrittSperiobe beginnen werbe, war fo abgefchwädjt,.

baff benfelben faum noch Bemanb befennen mochte.

©ie, mein werther Freunb, waren einer »on ben »ielen.

Sehrern, bie fort unb fort nach einem neuen ©chulgefeh riefen,, unb als baSfelbe enblich gegeben war, es in hoffnungsreichem Bubet begrüßten, llnb je|t oerwerfen ©ie baSfelbe mit bitterm

§oljne; ©ie behaupten fogar, man habe bie Sehrer im Bahr 1860 hinter baS Bahr 1838 jurttcfgefeilt, man habe beren ©elbfiän*

bigfeit noch mehr zu befcfjränfen oerfucht, unb ©ie flagen über

„unerträgliche, unfjeilöotle Eingriffe in bie Freiheit ber SBiffen*

fcfjaft unb ber Sehre." Bfmen unb Büren ÜDteinungSgenoffen gereift eS allererft zum Borwurfe, wenn biefe Anflogen begrün*

bet finb. ißarum habet ihr nicht, als ihr bazu eingelaben unb aufgeforbert würbet, eure F°rtf<hrittSibeen formulirt unb pro*

ponirt? Ratten nicht eure auSermälfteu ©timmführer in ein- fluhreicher Stellung mitberathen unb mitbefchloffen ?

Unter bem Aufe:

„¿Freiheit, »alle ¿Freiheit in tDiffeufdjaft nub Celjre!"

»erlangen ©ie wieberum ein neues ©djulgefeh unb fetten, in fieben Artifeln bezügliche ißofutate.

Aun, wenn jener Auf zur unbefdjränften ©eltung gelangt,, fo braucht man ja faum weiter ein ©efejj. S11 Amerifa, beffen Freiheiten man uns immer anpreist, haben fie ja auch feine

®<hulgefe{3e. Aber ©ie fingen: „Freiheit bie ich meine." All' Shre ißofulate follen nur SÜrer, beS SehrerS, Freiheit zu gute fommen. SBie wär'S, wenn ber ©ouoerain auch „Freiheit, »olle Freiheit" forberte, namentlich Befreiung »om fogenannten „©djul- swang?" Bmmerhin lautet es gar nicht „rein bemofratifdh'V

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•wenn man ben Gltern gefe|li<h befiehlt: g hr müffet eure Einher i n bie Schule fdjiifen, benn ihr felbft fönnet.

fie nicht unterrichten; auch habet iftr bie 501 i11eI nicht, fie nach eurer Söahl burch Eßriratlehrer unterrichten gu laffen. Somit muffet ihr fie i n eine Schate fchicfen, in welcher ber „freie Sehrer" »ollfommen felbftherrlich regiert unb über beffen freie Gewalt euch fein Urthetl gufteht.

©ewifj, mein werther greunb! baS Verlangen nach Befreiung

»on gefe|li<her Schulpflichtigfeit wirb fi<h gur unabweisbaren gorberung fteigern, fobalb bem Sehrer bie greiheit gegeben ift, in gefeftlofer SföiHfür als Shulmonarh gu regieren.

©afj obltgatorifhe Sehrpläne unb Sehrmittel mit jener gefe|=

lofen Sehrerfreiheit unoereinbar feien, wirb Bientanb beftreiten.

Sie geigen in ben Eßoftutaten ein recht anfhauticheS Btlb uou ber bunten SOtanigfaltigfeit, in welcher ftdj fiinfttg bie rein bemofratifhe BolfSfhule geftalten wirb.

Slber bie GrneuemngSroahlen! '

„SBelhe Begtehung hätten benn biefe gu Sehrplänen unb Sehrmitteln?"

D, mein Sßerther! tiefe, entfheibenbe Begiehungen. Sehen Sie einmal!

gn einer ©emeinbe hatte fih allmählig eine orthobope Eßar=

tei gur SDtajorität geftaltet, gwar nicht gu einer überwiegenb groften, aber immerhin gur EDiehrgahl ber Stimmenben. ©iefe firhlihe Eßartei, oom Eßfarrer fräftig geleitet, feftt es burch, baft ber pietiftifhe Sehrer A. berufen wirb, ©a berfelbe nun unbe=

bingt bie Strt unb 9lufeinanberfolge beS UnterrihtSftoffeS gu be=

ftimmen (Sehrplan), unb bie Sehrmittel auSguwählen hat, fo befhränft er bie Schule auf Siamen&ühlein, ÄatehiSmuS, ©efta=

ment unb jfirhengefangbuh unb fehrt auh einfah gur alten Buchftabir= unb Sluffagemethobe gurücf. ©ie ©hulfinber werben miftmuthig unb flagen bei ben Gltern. ©ie gamtlien ber gaftB reihen EEtinorität woEen biefeS ©hulwefen niht bulben; fie fhimpfen, fpotten, broften. ©S fommt gu Streitigfeiten unb

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§änbeln. Auf bteSfäHige Magen bei ben-©djulbehörben folgt ber Befdjetb: „Sehrplan, Sehrmittet unb Sehrweife gehören un*

bebingt in bie Kompetenz beS SehrerS; wir fönnen unb bürfen ba nicht eingreifen." — ®ie ©chulinfpeftion ift auf bie auStre*

tenben Bahrgänger befdjränft, unb bie .ginroeifung auf ungenü*

genbe Seiftung parirt ber Sehrer burch bie Behauptung, bie Ber*

fdjutbung falle auf feinen Borgänger im Amte. @e<h§ Bahre herrfd&te unb regierte ber Sehrer in feiner Sßeife; inbefj mar bie Minorität jur Majorität geworben, unb bie ©rneuerungSwaht hatte einen negatioen Ausgang. Unter §ohn unb Berwünfdjung jog ber Sehrer uon bannen; aber ber ©¿haben, welchen bie Schule erlitten hatte, war nicht mehr zu oergiiten.

©in anbereS Bitb. ©er Sehrer B. ift überzeugt, bah es naturwtbrig unb fomit unpäbagogifch fei, fechs* bis neunjährige Mnber mit ©tlernung »on ©hulferttgfeiten ernftlich zu befchäf*

tigen. ©r lieh barum bie brei erften Schuljahre mit Spielen unb Spielereien hingehen. Anfragen unb Mahnungen wies er einfach mit ber ©rflärurtg jurücE: bie Bertheilung ber ©chulauf*

gäbe fei feine ©ache; er laffe fich feinen Sehrplan üorfhreiben.

®ie ©chulinfpeftion bebauerte, bah Üe uur auf bie lepte BahreS*

flaffe zu fehen habe.- ©er Sehrer wollte nun freilich baS in ben erften Schuljahren uerfäumte nahholen; aber wie feljr er bie zehu= bis breizehnjährigen ©hüler brangfalirie, er fah uorauS, bah er baS Minimum ber für bie oberfte Älaffe oorgefhriebenen Seiftungen niht erreichen fönnte unb fucljte anbernorts eine ©teile.

©in britteS B i l b . Sehrer C. ift ein uortrefftiher Sänger unb barum in Bereinen unb bei ^eflen ftets witlfommen unb geehrt, ©efangbilbung fheint ihm baS erfte unb wihtigfte gacf);

©efangunterriht ift ihm bibaftifhe Seibenfhaft geworben; er fann niht anberS: er muh in jebem ©hulhalbtag ©efangS*

Übungen »ornehmen, unb biefelben werben immer häufiger, immer länger — bis fie allmätig bie meifte ©hulzeit abforbiren. 28er fann'S ihm wehren? @r iftMeifler über Beit, Maft unb ©toff.

©r fingt unb fingt; aber bei ber ©rneuerungSwahl geht baS Sieb Zu ©nbe.

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©in tnerteS Silb. Sehrer D. tft ein junger tiefftnnenber

©Rann; er philofophtrt, ipeMirt unb epperimentirt, um bie ab*

foiut befie Sehrroeife zu erfinben. ©nblich glaubt er fie erfaßt p ha&en, richtig: im Stillen nachfinnen, ©ebanfen machen, felbft beuten, baS ift'S. — 9RU ©ebulb, Seharrlich*

feit unb gutem Setfpiel bringt er baS Stillleben in feine Schule.

Stunbeulang fafjen bie Kinber lautlos unb unbeweglich. ®en

©Itern, bie an ben pnftern beS SchulgimmerS oorüber tarnen, erregte biefe Stille ein unheimliches ©efühl. ©Ran fragte unb forfdjte unb warb in ©rftaunen oerfe|t über bie Serichte ber Kinber. ©a fei eS ja ganz unmöglich, bafs bie Schüler ©twaS lernten, meinten bie Seute. ©Ran bat ben £errn Sfarrer, nach*

guforfchen unb einzufchreiten. @r fprach mit bem Sehrer, warnte unb mahnte freunblicfj, würbe aber zurücfgewiefen, inbem ber Sehrer lächelnb unb leife fprach: „§err Pfarrer, 3hre ©Biffen*

fcfjaft tft ©heoloßle, aber ißäbagogie ift bie meinige."

©IIS bie ©Väter unb ©Rütter beS ©orfeS erfahren hatten, eS fei oon Sehörben fein ©infchreiten 'zu erwarten, ba fchritteri fie felbft ein: fie oerhöhnten, befdjimpften, oerfolgten ben Sehrer unb bebrohten ihn fogar mit ©Rifshanblungen. ©r fhnürte fein Sünbel, fhüttelte ben Staub oon ben pfjen unb jog oon bannen.

Sott ich ©ie in einer, ©alerte päbagogifcher Karifaturen, zu welchen abfolute Schulmonarchen bie Originale liefern werben, weiter herumführen?

§aben Sie auch bebacht, baft ber Kanton gürtd) allein bei . 600 SolfSfchulIehret zählt, bie Schroeiz beren etwa 7000? 3<h fe|e großes Vertrauen auf biefe Sehrerfdjjaft; aber ich meif? eben bo<h aus ©rfahrung, bafe unter biefer ungemein zahlreichen Se=

rufSgenoffenfchaft auch ©Ritglieber finb, bie theils ber rechten SBilbung, theils ber geiftigen Kräfte ober beS fiarfen ©Bittens ermangeln. Xlnb baS eigentliche ©Befen ber Schule, baS, was wir ben Organismus beS Schulunterrichts zu nennen pflegten, ganz unb gar auch folgen 3ubioibuen anguoertrauen — peunb! baS erregt mir tiefes Sebenfen unb ernfte'Seforgnifj.

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©ie jagen, ber ©aß: ©ßulbüßer müffen, — friße^

m a t i f ß nnb planmäßig f o r t f ß r eitenb — ben ©toff bem geiftigen ©ntwtcflungSgange ber ©ßüler an=

paffen, beruße auf einem „überrounbenen ©tanbpunfte" päba=

gogifßer ©oftrin. 2lß, ber uorneßm abfpreßenbe SluSbrucf

„überwunbener ©tanbpunft" iß bereits pm ©fei triuial geworben, ©enatter ©impel unb ©impel, bie ißr Sebtag gar feinen ©tanbpunft einneßmen, fpretpn fiß fräßenb mit biefer StebenSart.

Moßlan, mein greunb! iß miß lieber ein 3nrücf gebliebener ßeißen, als biefen ©tanbpunft »erlaffen. Unb wenn iß »on hunberteu »erßößnt unb überßimmt werbe, immer ßalte iß an jenem ©aße feft- unb rufe in bie Verfammlung ßinein: Sefe- unb UebungSbüßer für bie erße unb ¿weite ©tufe ber ißrimarfßule müffen n a ß jenem ©aße eigens

»erfaßt werben; für biefe ©tufen ßnb Sefebüßer, aus foge=

nannt flaffifßen ©teilen, ©tücf'lein unb ©tüien pfammengeflicft burßauS „»er werf l i ß " ; erß für bie britte ©tufe finb ©am- melfßriften ptäfßg. gß beßaupte ferner laut unb öffentliß, troß allem ©efßrei unb ©pott über „3mangSjacfen unb ©ßab=

Ionen", baß man für bie VolfSfßule, beren Tßätigfeit unter ßäußgen gnteroatten auf 8—10 gaßre »ertßeitt ift, einen p l a n m ä ß i g e n , fpftematifßen UnterrißtSgang, oßne weißen nur ©tüd= unb glicfwerf mögliß iß, u n n a ß f i ß t l i ß forbern muß.

3 ß gebe p , baß obligatorifße Seßrmittel im gaßr 1870 für bie ©ßulen beS ÄantonS 3üriß nißt meßr fo notßroenbig finb, wie in ben breißiger gaßren. 3 ß anerfenne bie großen

©ßroierigteiten, unb eS ift faß anpneßmen, baß balb feine Seßörben, feine ©jpertenfommtfßonen, feine ©ßriftßeHer für bie

©rpelung obligatorifßer Seßrmittel gefunben werben mögen,

©ßutbüßer, bie man »oterß anpreist unb einpfüßren wünfßt, -werben »on bem Stugenblicfe an, ba fie obligatortfß erflärt finb, ber leißtfertigen unb böswilligen Äritif anßeimfaHen. Qeber SSerfaffer eines obligatorifßen SeßrmittelS wirb »on Keib unb

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©igennujs »erfolgt. Db jebodj burch bie luftige fumbertfcilttge Äonfutrenj, wie Sie biefelbe fhitbern, ber Sehrmittelftreit geen*

bigt werbe, baS ift fei>r zu bezweifeln, ebenfo, ob bie Sehrmittel beffer werben, ga, baS wirb ein ItterarifheS Seben abfegen:

wenigftenS 200 ©hulbuhmaher unter ben 600 Sehern, unb wenigftenS 20 ©hutbuhoerleger im Äanton Bürih· ®aS wirb ein ©etöfe fein »on Sob unb ©abel, »on IßreiS unb Spott, »on Aeftamen aller Art.

Befcl)auen wir im ©ucffaften ber 3utunft auh einige Spie*

gelbilber biefer gärbung!

gn ber ©hule Ar. 10 regierte ein reht tüchtiger Sehrer, welher brauhbare Shulbüher »erfafjte unb in feiner ©hule einführte. Aach brei Bahren warb er auf eine anbere ©hule berufen; fein Aahfolger hatte zwar noch leine eigenen Schulbücher,, aber beffett Bruber war in einer BerlagShanblung angefteHt, bie auh in ©hulbühern mähte. Aun gab'S ein ©eläufe unb ©e*

ftüfter; es.war bie Aebe »on Aabatt unb ©rattSepemplaren u. f. w., unb ber ©rfolg, baff ber neu eingetretene Sehrer auh neue ©hulbüher »erlangte. Man muhte willfahren.

Bm zweiten Bahre fing biefer Sehrer an zu hüfteln, im britten fiarb er an ber Sungenfhwinbfuht; innerhalb fünf Bahreu fam alfo ber britte Sehrer. ©iefer, ein junger, rafher, aufftrebenber Mann, ber feine eignen Anfielen unb ©runbfäge hatte, erftärte halb, mit ben »orhanbenen ©hulbühern fei nihts AehteS burh- Zuführen; er müffe fhlehterbiitgS beffere haben, unb zwar bie

»on A. A. »evfahten. A. A. war nämlich &eS SehrerS §err Better. — Man muhte willfahren, unb fo fah bie ©hule Ar. 10- in fehS Bahlen einen breimaligen Mehfel ber ©hulbüher. '

An bie ©orffhule Ar. 26 !am ein artiger Büngling, reih an ©emüth, »oll finbücben ©inneS; aber mit ber Mnblichteit war auh noh ein finbifher 3ug »erbunben: baS Berlangen nah etwas Aeuem, bie greube an etwas Anberm. BebeS neuefte Sehrmittet fhien ihm baS Befte, unb baS atterneuefte immer baS allerbefte. ©ein ewig wanbelbarer ©rieb nah Aeuerung unb Aenberung »erhinberte ihn, trgenb einen Sehrgang burhzuführen:

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eS oerging fein Schuljahr, ohne baß er neue Sehrmittel ein*

führte, eine neue ©Rethobe probirte. ©ieS fiörte begreiflich jeben feften gortfchritt, unb mar nachtheilig genug in §infi<ht auf Kenntniffe unb gerttgfeiten; aber ber größte Stachtheil entftanb baburch, ba§ bie Unftätigfeit unb glatterhaftigfeit, bie Steuerung?;

unb ©lenberungSfucßt beS SeßrerS auch auf bie S<hulfinber über*

ging. ©Rit Stotlj fonnten woßlwollenbe Seute einen heftigen SluS*

brach beS Unwillens unter ben Schulgenoffen jurücfhalteu bis p r ©rneuerungSwahl, welche bann ben Steuerungen oorerft in

ber Schule Str. 26 ein giel fetzte.

©er Schloff er g i n f , ein tüchtiger unb fleißiger StrbeitSmann, war mit gutem Sohne in ber ©Rafchinenfabrif bei ber Stabt an*

geftettt. 6r hatte eine zahlreiche gamilie, welche aus öfonomifchen

©rünben nicht in ber Stabt, fonbern in einem benachbarten

©orfe wohnte, unb oter feiner Kinber befudjten gleichzeitig bie

©orffchule. Stun würbe baS gemtetljete Räuschen oerfauft, unb ginf war genötigt, mit feiner gamilie in ein anbereS ber benachbarten ©örfer übergufiebeln. ©Bie erftaunten. bie ©Item, als bie Kinber fchon am erften Sdjultage gang anbere Schul*

Bücher mitbrachten unb bie bisherigen, bie ihnen gefallen hatten, weglegen mufften. ©Bie bebauerten fie bie Kinber, welche an jebem ©Ibenb barüber flagten, baß in ber Schule gar Stiles neu unb änberS fei, als in ber oorherigen; baß fie ©Vieles gar nicht oerftünben unb oon ben anbern Sdjutfinbern ausgelacht würben.

Stach gwei gahren, wie baS ja bei ©Riethsleuten namentlich in ber Stahe ber Stabt nicht feiten oorfommt, abermaliger 2Boh=

nungSwechfel unb abermals ein burdjgreifenber ©Bechfel ber tnnern Schulführang, fowol hinficfjtlich ber Sehrmittel als beS Sehrgangs unb ber Sehrweife. ©ie Kinber würben gang fonfuS, befugten .bie Schule wiberwillig unb famen oerbricßlich aus berfelben heim, ©er ©Vater hörte ihre Klagen unb fcfjimpfte über baS Sdjulwefen; bie ©Rutter jammerte, baß fie nicht mehr wiffe unb oerfiehe, was ihre Kinber lernen follen. Unb in ber ©hai

ftanb biefe S^ulbilbung aus allerlei oerwirrenbem Stücfwerf, baS oöHig auSeinanberfiel, fobalb ber Scljulbefuch aufhörte, ©ie

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Schulau bot nur unerfreuliche Grinnerungen, unb wenn man

»on berfelben fprad), fo gefdjah es unter bittern Gefühlen unb in »ormurfSooEen SBorten.

Sötr woEen e§ bei biefen bret Bitbern bewenben laffen.

GS gereicht einigermaften gur Beruhigung, baff, wie Sie als ausgemacht annehmen, ber Staat aEe Sehrmittel begafften müffe.

©te StuSgabe wirb fid) bebeutenb fteigern burd) ben Sefjrer; unb Sdjülerwehfel, ber uiet häufiger oorfommt, als Sie wähnen

mögen. ' gnbeft muft ich ghaen, mein greunb! noch gu ©emüthe führen,

baft bei ber Geftaltung beS bisherigen SchulorganiSmuS bodj bebeutfamere unb tiefere ©runbgebanfen wirffam waren, nicht btofc Etücffichten auf SBoEjtfeitEjeit unb Bequemlichfeit. ©ie BolfS=

fhule nach übereinffimmenben ©runbfä|en, gortfehreitungen unb Sehrmittetn foEte gugletch eine nationale BoltSbilbungSanflalt fein. Sßenn g. B. bie ifinber »erfdftebener Drtfhaften unb SanbeSgegenben baS gleiche Schutgefangbuch haben, bie gleichen Sieber lernen, fo fönnen fie bei etwaigen gufammenfünften mit- einanber fingen unb fo bie ©efülfte uatertänbifcher ©emeinfam=

feit unb nationaler gufammengehörigfeit beleben. Sßenn bie Sdjuljugenb überaE biefetben Grgähtungen aus ber BaterIanbS=

gefchidfte getefen hat/ fönnen bie Grwachfenen unter gegenteiligem Berftänbniffe fich miteinanber befprecfjen unb fid) wechfelfeitig gu patriotifchem Streben ermuntern u. f. w.

Sicherlich! GS war nicht ohne ESerth unb Bebeutung, baft int Bolfe baS Bewufttfein tebenbig würbe, bie ßinber beS BotfeS, in aEen ©auen unb Drtfdjaften, werben wie Einher einer gamilie unterrichtet. 3u r aEgemetnen unb uergleichenben Beur=

theilung ber Sdjulen muffte ben Schulbehörben ein gemeinfamer SEtaftftab bargeboten werben, unb gu einem foldjen eigneten ft<h ber aEgemetne Sehrplan unb bie gemeinfamen Sehrmittel. Gben burch biefe erlangten bie EEtitglieber jener Beftörben Ginftcfft in ben SchulorganiSmuS unb fo bie Befähigung gu einem richtigen llrthetle. — Gine gewiffe Stätigfeit unb Beharrtichfeit in Sehr- plan, Sehrmitteln unb EDtethobe trägt wefentlich bagu bei, Einher

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nnb ©Itern, ©ßule itnb gamilie in gegenfeittger ßütfreißer SBeßs felwirfung gu erßalten. ©3 iß »on großer Vebeutung, wenn Vater unb Mutter, ältere Vrüber unb ©ßwefiem wipen unb

»erfteßen, was unb wie in ber ©ßule geleßrt unb gelernt wirb.

3 ß ßabe über biefe ©egenßänbe einläßliß mit Meißer VüHing gefproßen, unb auß er tßeilte bie Slnfißt: wenn baS Streben naß gnbioibualißrung unter ber jeßigen Seßrerfßaft oorßerrfßenb fei, fo nerliere ber obligatorifße ©ßulorganiSmuS feine Mirfung unb Vebeutung. 2BaS namentliß bie Seßrmitiel anbelangt, meinte er, e'S märe uietteißt um Verwirrungen unb Mißgriffen einigermaßen »orgubeugen, baS plaget einer ©ßulbeßörbe, fei eS bie bes DrtS, beS VegirfS ober be§ SantonS, nißt ungwech mäßig. — 2113 iß aber bent Manne hierauf auSeinanberfeßte, mit weißen ©ßmierigfeiten unb Verbrießlißieiten bie ipiagetirung ober Kißtplagetirung nerbunben märe, gu weißen ©treitigfeiten

•unb kämpfen mit Verlegern, Verfaffern unb Sattlern biefe ©enfur füßren müßte, fpraß er unter Säßein: „Kun benn, man möge bem anfßwellenben greißeitSßrom feinen Sauf laßen! ©oß fottett bie Seßrer, weiße ißr päbagogifßeS ©ßißlein in biefeS gaßa waper lenfen, ja Sorge tragen, baß fie nißt etwa tn beu Strubel beS aufbraufenben VolfSunwiQenS ßinabgeriffen werben. Maßt;

Iiß, biefe iüßne gaßrt ift mit fßwerer Verantwortlißfeit unb mit großen ©efaßren nerbunben". — gn ironifßem Tone fußr

er fort: VefonberS ba, wo bie Sinber in ©ufgeffinfßuten unter gmei unb meßr Seßrer nertßeilt pnb unb jeber näß feinem ißlane, naß feiner Metßobe unb felbftgewäßlten Seßrmitteln fäßrt, mag fiß bie gange ©ßule gar liebliß unb ßarmonifß geftalten. — gnbeß ßat auß biefe ©aße ißre gute ©eite;· bie Trägen unb llngefßicften fönnen ißre ungulänglißen Seiflungeit nißt meßr burß ©ßimpfen unb Slagen über ben „nerfeßlten Seßrplan" unb über „fßleßte Seßrmittel" entfßulbigen. Stuf ißnen felbft laßet unabfßiebbar bie Verfßulbung". — gß fügte jeboß bei: „Mer fußt, ber pnbet, unb fo wirb man auß ba noß ©ntißulbv=

gungen pnben, g. V. Unfäßigfett unb Unfleiß ber ©ßüler, Sranf=

ßeiten u. f. w.

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— 31 '—

gm 6. Sßojlulate bezeichnen ©ie bie ©teEung unb Bere<h=

tigung ber ©chulbehörbeu. ©er örtlichen ©<hul»orftei)eri<haft übertragen ©ie bie niebere ©chulpolijei. ©ie mag nachfehen, ob etwa ber Dfen nicht rauche, ob nicht eine genfierfdjetbe zerbrochen fei u. bgl. Aocff mehr, ©ie überlaffen ihr auch öaS angenehme Aecht, ben ©hulbefuch ber Mnber zu überwachen unb bie ©hui*

»erfäumniffe zur Bestrafung zu überweifen. Aber über Seien, Schreiben, Aechnen u. f. w. hat bie DrtSf<huIbef)örbe fein Aecht ber Beauffichtigung unb Beurtheilung, weil ihr hiefür Bilbung unb ©inficht abgehen.

llnb ©ie meinen wirflich, ein ©eiftlicher, ein Arzt, ein Aboofat, ein gebilbeter gabrifherr, ©ewerbSmann, Kaufmann werbe fich in eine fo erniebrigenbe Stellung »erfefsen laffen? '

gerner wollen ©ie anorbnen, bah bie auStretenbe ©dfüler*

flaffe genau geprüft werbe, ob fie ben gefefeten gorberungen ein

©enüge leiflen. ©iefer ©ebanfe gefällt m i r fehr wohl.

2ßahrfcheinlich haben ©ie bie BezirfSbeijörbe zur Bornahme biefer Brüfung im Auge.

©nblich forbern ©ie, bah bie oberfte ©rziehungSbehörbe ein Mafj ber obligatorifchen Seiftungen feftfejje. ©iefe Mahbeftim*

mung würbe alfo an bie ©teile ber bisherigen organifchen ©e*

fefzeSbeftimmurtgen unb Borfhriften treten. Aber bie Äontrole foE erft am ©hluffe beS legten ©chuljahrS erfolgen. Alfo wä£)=

renb ber ganzen Schulzeit hat einzig ber Sehrer über gortfdjritte unb Seiftungen zu urtheilen! Unb wenn nun bie ©hluhfontrole ein ganz ungünfttge» Aefultat ergibt: wer erfetzt ben Äinbern

»erlome Maft unb »erfäummte 3eü? ©er Sehrer — foEte man meinen. D-ber Sehrer hat manchen Ausweg, fich fotdjer Berantwortlichfeit zu .entziehen, ©er neuangefteEte z· 23. fagt:

„gür bie in biefem unb nächftem gahre auStretenben ©chüler fann man mich nicht »erantwortlich machen; mein Amts» orfahr hat fie unterrichtet." — Unb biefer bann entgegnet: „Mein Aach=

fotger hat ben Unterricht nicht fortzuführen »erfianben."

©er Antrag, alle Mmtrole auf ben ©djluh beS legten Schul*

jahreS zu hefchränfen, erfcheint mir burchauS ungenügenb unb

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gang ungutäffig. hingegen billige ich bann oon £ergeu, baß Sie anflatt ber oben offiziellen gaßreSprüfung bie feftliche ©Vorführung ber Schüler bei oerfammelter Schulgemeinbe unb babei bie ©r*

probung ihres ©BiffenS unb Könnens empfehlen. ©S ift fef»r zu wünfcßen, baß foldje Scßulfefte, wie fie früher ba unb bort Hebung nnb Sitte waren, wieber ins Seben gerufen werben.

©Reifter ©Vütting äußerte über biefe ©Sorfdjläge ernfte ©Vebenfen.

©r behauptete gang guoerfichtlich, baß manche Beßrer ficß ent*

rüftet gegen folcße Kontroten unb Prüfungen auSfprechen würben,

©ie Spegialprüfung ber auStretenben Schüler müßte fi<h gar gu inbioibueH gehalten; man würbe überaß Schüler ftnben, bereu Seiftungen nicht befriebigen. — Stucß bie feftliche ©Vrüfung aller Schüler oor oerfammelter ©emeinbe werbe riete Stimmen gegen ficß haben, gür praftifcß gewanbte, fattel* unb fapitelfefte Beßrer, bie oon ©Vewußtfetn woßlerfüllter ©Vflicßt getragen unb gehoben finb, würbe ein fotcßeS ©Vrüfungefeft aßerbingS ein ©ßren* unb greubentag fein; aber nicht geber, ber im Konferenzzimmer, im

©VereinSfaale ober in gettfcßriften baS große ©Dort führt, möchte als ©Reifter ber Sehrfunft fid) bewähren. — ©ieicßfam heimlich flüfterte er mir nocß inS Dßr: ,,©ar oiel ©uteS unb ScßöneS, was gefprocßen werben ift unb gefcßrieben fteßt, wirb bie ©VolfS*

fcßule niemals allgemein unb ooßftänbig leiften, weit (noch leifer . . . ) weil wir gar fo oiele Beßrer anfteßen müffen."

©in eigener Kauz, biefer alte ©Reifter ©Vüßtng. —

geh begweifle nicht, baß gßre Heußerungen über Seßrerbilbung auf ©Viele einen feßr wirlfamen ©inbrnef mähen werben, ©ie Söfung ber grage in gßrem Sinne fheint fo einfach unb naße*

liegenb, baß ©Rancßer biefelbe als bereits gegeben anfeßen wirb.

©InberfeitS freilich weist man auf bie ©Vorgänge in ben Kantonen St. ©aßen unb Sugern, wo bie SeßramtSgöglinge in ber KantonS*

fhule unterrichtet würben, unb ungünftige ©rfaßrungen bie ©tuS*

fheibung unb bie Konftituirung eines abgefonberten Seminars oeranlaßten. ©tun finb bie ©Verßältniffe im Kanton gürich für gßre ©Vorfcßtäge aßerbingS günfiiger gefaltet; aber es bleibt

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— 33 '—

tmmerßin noß feßr roünfßbar, biefelben allfeitig gu erwägen unb namentliß auß bte negatioen Slnfißten gu beaßten.

©aß ber SeßramtSpräparaitb noß ein uierteS gaßt in ber

©eiunbatfßule bleibe, ßatte iß für gang groecfbienliß; einerfeits mag biefeS gaßr gur intenfioen Vefefitgung be3 ©rleruten bienen, anber=

feit3 gurbefonbern Vorbereitung auf ben näßftfolgenben Unterricht.

git feinem 17. SebenSjaßre „würbe er bann in weiterfißrenbe Surfe ber SantonSfßule übertreten. hier aber ergibt ftß fßon einVebenfen: bte große Slngaßl ber ©ßüler. Man würbe ber ©rrißtung oon ißaraHeBSlaffen fattm ausweißen fönnen.

©3 brängt fiß mit gubem ein weit emftere3 Vebenien auf.

Mie »tel auß bereits gefßeßen ift, ba3 Slnfeßen unb ba3 ©in=

femmen ber iprimarleßrer gu ßeben unb gu erßößen: wir werben iaunt ßoßen bürfen, baß fie in biefer hinfißt ben Männern ber übrigen wiifenfßaftlißen VerufSarten: ben ©eiftlißen, Slergten, guriften u. f. w. — gleißgefteHt werben, ©o ift benn gu be=

fürßten, baß oon ben günglingen, bte mit berSlbfißt, ftß bem Seßrerberuf gu wibmen, in bte Saitton3=

fßule eintraten, je bie fäßigften unb ftrebfamften anbern VerufSarten ftß guwenben. ga, e3 werben Seßrer unb' Mitfßüler, oßne baß fie ben ©taub unb Veruf be3

$rimarleßrer3 mißaßten, gu folßen Slbwenbungen etwa Veran=

laßung geben. Man benie ftß, baß güngtinge oorgügliße 9Iw- tage unb Steigung gur Matßematßif geigen unb auffattenbe gort=

fßritte maßen; werben fie nißt Stimmen ßören: @i, ba3 wäre boßfßabe, wenn biefe nur Sanbfßulmeifter würben?

©o in hinfißt auf neuere ©praßen, auf Steatwiffenfßaften u. f. w.

Tüßtige Ingenieure, ©ßetnifer, Strßiteiten, Meßantfer — Vuß=

ßalter, ©elretäre, Sontroleure, Dbertetegrapßiften, Dbergärtner, SüßenßefS, DberfeEner — alle biefe unb noß oiele Stnbere ßält man für „oorneßmere ¡Qexxn", als bie ©orffßulleßrer, unb bte meiften berfetben finb auß weit ßößer befolbet. ©er Sortier tm hof Siagag ßat wol bretmal meßr.©in!ommen, als ber bortige Seßrer, unb Sinber unb ©rwaßfene betraßten ißn, ben golbbebreßten, mit ftaunenbem Stefpeft.

' 3

Ábra

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