Gedächtnistäuschungen bei Alkoholikern und Patienten mit dem Korsakow-Syndrom

Volltext

(1)

Gedächtnistäuschungen bei Alkoholikern und Patienten

mit dem Korsakow-Syndrom

Inaugural - Dissertation

zur

(2)

Gedruckt mit Genehmigung der Fakultät für Psychologie der RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM

Referent: Prof. Dr. Irene Daum

Koreferent: Prof. Dr. Michael Schwarz

(3)

Als erstes möchte ich mich ganz besonders bei meiner Betreuerin, Frau Prof. Dr. Irene Daum bedanken, dass sie mir in den Jahren, in denen ich in ihrer Abteilung gearbeitet habe, jegliche erdenkliche Freiheit gelassen hat, mich wissenschaftlich zu entfalten. Dabei stand sie mir jederzeit mit ihrem beeindruckenden Wissen und Engagement zur Seite. Vielen Dank.

Mein weiterer herzlicher Dank gilt Herrn Prof. Dr. Michael Schwarz für die Übernahme des Koreferats und das damit bekundete Interesse an meiner Arbeit.

Frau Dr. Jennifer Uekermann, Herr Dr. Peter Schlebusch und Herr Dr. Burkhard Wiebel waren eine unverzichtbare Unterstützung für die vorliegende Arbeit. Vielen herzlichen Dank.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn Prof. em. Eugene R. Wist für die überaus hilfreichen und interessanten Diskussionen.

Mein weiterer besonderer Dank gilt Karl Hausgenoss, der mich zu jedem Zeitpunkt der Arbeit moralisch und engagiert unterstützt hat.

Bei Heike Brögelmann möchte ich mich ganz herzlich für das geduldige Korrekturlesen bedanken.

Weiterhin waren mir Herr Dr. Boris Suchan und Thomas Kress eine wertvolle Hilfe bei der Fertigstellung der Arbeit. Vielen Dank.

Ich möchte mich ganz besonders herzlich bei den Patienten und gesunden Probanden bedanken, ohne die diese Arbeit nicht möglich gewesen wäre.

(4)

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis 9 Tabellenverzeichnis 14 1 Einleitung 17 2 Theoretischer Hintergrund 21

2.1 Das Auftreten von falschen Erinnerungen ... 21

2.2 Der Prozess des Wiedererkennens ... 23

2.3 Der Präfrontalcortex: Generator von falschen Erinnerungen... 25

2.3.1 ...Anatomie des Frontalcortex 27 2.3.1.1 Der Präfrontalcortex... 28

2.3.2 Der Präfrontalcortex und exekutive Funktionen... 29

2.3.2.1 Source (= Quellen) Monitoring... 29

2.3.2.1.1 Relation zu anderen Gedächtnisphänomenen ... 31

2.3.2.1.2 Störungen des Prozesses des Source Monitorings ... 35

2.3.2.2 Das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley ... 36

2.3.2.3 Das Quellengedächtnis und die Zentrale Exekutive ... 39

2.3.3 Quellengedächtnistäuschungen (Source confusion) als Ursache für das Auftreten von falschen Erinnerungen ... 39

2.3.3.1 Die Rolle des frontalen Cortex bei Quellengedächtnistäuschungen ... 42

2.4 Zusammenhang zwischen Quellengedächtnistäuschungen und Konfabulationen... 42

2.4.1 Kennzeichen von Konfabulationen... 44

2.4.2 Definition von Konfabulation ... 44

2.4.3 Zwei Typen von Konfabulationen ... 45

2.4.3.1 Momentane versus spontane Konfabulationen ... 45

2.4.3.2 „Distortion“ versus „Fabrication“... 49

2.4.4 Theorien über Konfabulation ... 50

(5)

2.4.4.2 Die „amnesic gap-filling-Hypothese“ als Erklärung für

Konfabulation ... 51

2.4.4.3 Ein Defizit beim „Self-Monitoring“ als Ursache für Konfabulation ... 52

2.4.4.4 Ein Defizit beim „Reality-Monitoring“ als Ursache für Konfabulation ... 53

2.4.4.5 Konfabulationen als Folge einer mangelnden Suppression von irrelevanten Informationen... 55

2.4.5 Auftreten von Konfabulation bei verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen ... 57

2.4.5.1 Das Korsakow-Syndrom: Ein neurologisches Krankheitsbild, das mit Konfabulation assoziiert ist... 57

2.4.5.1.1 Das klinische Erscheinungsbild des alkoholischen Korsakow-Syndroms... 57

2.4.5.1.2 Neuropathologie des Korsakow-Syndroms... 59

2.4.5.1.3 Zusammenhang zwischen Neuropathologie, Kennzeichen von Konfabulationen und Quellen-gedächtnisfehlern beim Korsakow-Syndrom ... 63

2.5 Falsche Wiedererkennung von Gesichtern... 64

2.5.1 Tagtägliche Fehler und Schwierigkeiten bei dem Erkennen von Gesichtern ... 65

2.6 Das Bruce und Young - Modell zur Erkennung von Gesichtern ... 66

2.7 Apperzeptive und assoziative Prosopagnosie ... 68

2.7.1 Hirnorganische Korrelate der verschiedenen Subsysteme des Bruce und Young-Modells im Allgemeinen und der Prosopagnosie im Speziellen ... 69

2.8 Der Effekt von experimentell induzierten Merkmalsveränderungen bei Gesichtern auf deren Perzeption und Wiedererkennung ... 70

2.9 Fragestellung... 73

2.9.1 Kritik an bisherigen Untersuchungen von Gedächtnistäuschungen... 73

(6)

3 Methodik der Untersuchung 1: Videogestützte Untersuchung von falschen

Erinnerungen beim Abruf von autobiographischen episodischen Ereignissen 79

3.1 Versuchspersonen ... 79

3.2 Messinstrumente ... 82

3.2.1 Neuropsychologische Untersuchung... 82

3.2.1.1 Auswertung der neuropsychologischen Testverfahren ... 89

3.2.2 Videogestützte Untersuchung von falschen Erinnerungen beim Abruf von autobiographischen episodischen Ereignissen ... 90

3.2.2.1 Versuchsdurchführung ... 90

3.2.2.1.1 Untersuchungsort und Setting... 90

3.2.2.1.2 Durchführung der Untersuchung mittels einer Videotechnik (Videospiegelung) ... 91

3.2.2.1.3 Auswertung der Daten der „Videostudie“ ... 92

3.2.2.1.3.1 Transkription der Videosequenzen ... 92

3.2.2.1.3.2 Statistische Auswertung der transkribierten Videosequenzen ... 94

3.2.2.2 Operationalisierung der experimentellen Variablen ... 97

3.2.2.3 Versuchplan ... 97

4 Ergebnisse der Untersuchung 1: Videogestützte Untersuchung von falschen Erinnerungen beim Abruf von autobiographischen episodischen Ereignissen 98 4.1 Neuropsychologische Hintergrundvariablen: Korsakow-Patienten und Alkoholiker als Kontrollgruppe ... 98

4.1.1 Auditiv-verbale Aufmerksamkeitsspannen... 98

4.1.2 Gedächtnis... 99

4.1.3 Exekutive Funktionen ... 104

4.2 Videogestützte Untersuchung von falschen Erinnerungen beim Abruf von autobiographischen episodischen Ereignissen ... 108

4.2.1 Reproduktion der Briefinhalte ... 108

4.2.2 Konfabulationen, die bei der Wiedergabe der Briefinhalte auftraten ... 109

(7)

auftraten ... 111

4.2.5 Beurteilerkonkordanz... 111

4.2.6 Zusammenhang zwischen der Anzahl der richtig reproduzierten Briefeinheiten und der Anzahl der Konfabulationen ... 112

4.2.7 Zusammenhang zwischen der Anzahl der richtig reproduzierten Kontextinformationen und der Anzahl der Konfabulationen ... 113

4.2.8 Korrelationen zwischen den Ergebnissen, die in den neuro-psychologischen Testverfahren erzielt wurden und den Ergebnissen der videogestützten Untersuchung ... 114

4.2.9 Relationale und disjunkte Konfabulationen... 114

5 Diskussion der Untersuchung 1: Videogestützte Untersuchung von falschen Erinnerungen beim Abruf von autobiographischen episodischen Ereignissen 116 5.1 Neuropsychologische Hintergrundvariablen... 116

5.1.1 Aufmerksamkeit und Gedächtnis... 116

5.1.2 Exekutive Funktionen ... 117

5.1.3 Schlussfolgerungen ... 119

5.2 Videogestützte Untersuchung von falschen Erinnerungen beim Abruf von autobiographischen episodischen Ereignissen ... 120

5.2.1 Reproduktion der Briefinhalte ... 120

5.2.2 Konfabulationen, die bei der Wiedergabe der Briefinhalte auftraten ... 123

5.2.3 Reproduktion der Kontextinformationen ... 123

5.2.4 Konfabulationen, die bei der Wiedergabe der Kontextinformationen auftraten ... 123

5.2.5 Vergleich der Gedächtnisleistungen und der aufgetretenen Konfabulationen unter beiden Abrufbedingungen... 124

5.2.6 Beurteilerkonkordanz... 132

5.2.7 Zusammenhang zwischen der Anzahl der richtig reproduzierten Briefeinheiten bzw. Kontextinformationen und der Anzahl der Konfabulationen... 135

(8)

5.3 Zusammenhang zwischen den Ergebnissen in den neuropsychologischen Testverfahren und den Ergebnissen in der videogestützten Untersuchung von

falschen Erinnerungen... 136

6.1 Methodik der Untersuchung 2: Falsche Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer Morph-Technik: Voruntersuchungen 140 6.1.1 Vorstudie 1: Fragebogen ... 140

6.1.1.1 Auswertung der Fragebögen ... 141

6.1.2 Vorstudie 2: Herstellen der gemorphten Gesichter ( = Morphs) mittels einer computergestützten Morphtechnik... 141

6.1.2.1 Bestimmung der Morphgrade ... 143

6.2 Ergebnisse der Untersuchung 2: Falsche Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer Morph-Technik: Voruntersuchungen 145 6.2.1 Ergebnisse der Fragebogenuntersuchung... 145

6.2.2 Ergebnisse der Morph-Ratings... 147

7.1 Methodik der Untersuchung 2: Falsche Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer Morph-Technik 149 7.1.1 Versuchspersonen ... 149

7.1.2 Messinstrumente ... 151

7.1.2.1 Neuropsychologische Testverfahren ... 151

7.1.2.1.1 Jüngere gesunde Versuchspersonen... 152

7.1.2.1.1.1 Auswertung der neuropsychologischen Testverfahren ... 152

7.1.2.1.2 Korsakow-Patienten, Alkoholikern und älteren gesunden Probanden ... 153

7.1.2.1.2.1 Auswertung der neuropsychologischen Testverfahren... 153

7.1.2.2 Fehler bei der Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer Morphtechnik ... 153

(9)

7.1.2.2.2 Durchführung der Hauptuntersuchung... 154

7.1.2.2.3 Statistische Auswertung ... 157

7.1.2.2.3.1 Antwortverhalten ... 157

a. junge gesunde Versuchspersonen... 157

b. Korsakow-Patienten, Alkoholiker und ältere gesunde Probanden ... 158

7.1.2.2.3.2 Diskriminationsfähigkeit und Reaktionstendenz ... 158

a. junge gesunde Versuchspersonen... 160

b. Korsakow-Patienten, Alkoholiker und ältere gesunde Probanden... 160

7.1.2.2.3.3 Korrelationen zwischen den Falschen Alarmen und dem Diskriminationsindex ... 161

a. junge gesunde Versuchspersonen... 161

b. Korsakow-Patienten, Alkoholiker und ältere gesunde Probanden... 161

7.1.2.2.3.4 Remember/Know-Ratings ... 161

a. junge gesunde Versuchspersonen... 161

b. Korsakow-Patienten, Alkoholiker und ältere gesunde Probanden... 161

7.1.2.2.3.5 Reaktionszeiten ... 162

a. junge gesunde Versuchspersonen... 162

b. Korsakow-Patienten, Alkoholiker und ältere gesunde Probanden... 162

7.1.2.2.4 Operationalisierung der experimentellen Variablen ... 162

7.1.2.2.5 Versuchsplan... 162

7.2 Ergebnisse der Untersuchung 2: Falsche Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer Morph-Technik: Junge gesunde Probanden 163 7.2.1 Neuropsychologische Hintergrundvariablen... 163

7.2.2 Ergebnisse der Rekognition der Gesichter... 164

(10)

7.2.2.2 Diskriminationsindex A’ und Reaktionstendenz B“... 167

7.2.2.3 Korrelationen zwischen den „Ja“-Antworten und dem Diskriminationsindex... 168

7.2.2.4 Korrelationen zwischen den „Ja“-Antworten und der Reaktionstendenz ... 170

7.2.2.5 Remember/Know-Ratings... 171

7.2.2.6 Reaktionszeiten ... 172

7.3 Ergebnisse der Untersuchung 2: Falsche Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer Morph-Technik: Korsakow-Patienten,Alkoholiker und ältere, gesunde Probanden 175 7.3.1 Neuropsychologische Hintergrundvariablen... 175

7.3.1.1 Alter und intellektuelle Leistungsfähigkeit... 175

7.3.1.2 Auditiv-verbale Aufmerksamkeitsspannen... 175

7.3.1.3 Gedächtnis... 176

7.3.1.4 Exekutive Funktionen ... 183

7.3.2 Ergebnisse der Rekognition der Gesichter... 188

7.3.2.1 Antwortverhalten ... 189

7.3.2.2 Diskriminationsindex und Reaktionstendenz ... 193

7.3.2.3 Korrelationen zwischen den Hits, den Falschen Alarmen und dem Diskriminationsindex ... 195

7.3.2.4 Korrelationen zwischen den Hits, den Falschen Alarmen und der Reaktionstendenz ... 195

7.3.2.5 Analyse der Daten der einzelnen Untersuchungsteilnehmer: Zusammenhang zwischen den „Ja“-Antworten und den Diskriminationsindizes und der Reaktionstendenz... 197

7.3.2.6 Remember/Know-Ratings... 199

7.3.2.7 Reaktionszeiten ... 200

(11)

8.1.1 Neuropsychologische Hintergrundvariablen : Jüngere Versuchspersonen ... 203 8.1.2 Falsche Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer

Morph-Technik: Jüngere Versuchspersonen ... 203

8.1.3 Schlussfolgerungen ... 205 8.1.4 Neuropsychologische Hintergrundvariablen: Korsakow-Patienten,

Alkoholiker und ältere, gesunde Probanden ... 206 8.1.4.1 Aufmerksamkeit und Gedächtnis... 206

8.1.4.2 Exekutive Funktionen ... 207 8.1.5 Falsche Wiedererkennung von Gesichtern unter Verwendung einer

Morph-Technik ... 209 8.2 Eingliederung der Ergebnisse in den Stand der Forschung... 212

9 Gesamtdiskussion 229

10 Zusammenfassung 236

Literaturverzeichnis 238

(12)

Abbildungsverzeichnis

2.1 und 2.2 Anatomie des Frontalcortex.

(Quelle: B. Kolb und I.Q. Wishaw (1993): Neuropsychologie, S. 258)... 27 2.3 Das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley (1986) (modifiziert nach

Kopelman, 1995). ... 38 2.4 Darstellung der für mnestische Prozesse relevanten Hirngebiete

(Quelle: M. Mishkin und T. Appenzeller: Die Anatomie des Gedächtnisses in: Spektrum der Wissenschaften: Gehirn und Kognition, S. 100, 1990) ... .. 49 2.5 Computertomographische Darstellung der erweiterten Liquorräume

und der Reduktion der grauen Substanz bei einem Patienten mit dem

Korsakow-Syndrom. ... .. 59 2.6 Mishkin’s duales Schaltkreismodell der Neuroanatomie des

Gedächtnisses ... .. 60 2.7 Modifiziertes Modell der Gesichtererkennung von Bruce und Young

(1986). ... .. 67

3.1 Postkasten ... ... 91

4.1 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl richtig reproduzierter Ziffernfolgen beider Gruppen unter der Bedingungen „Wiedergabe in

gleicher Reihenfolge“ (vorwärts)... ... 98 4.2 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl genannter Zielwörter

beider Gruppen in der Baseline- und Priming-Bedingung der Wortstammergänzungsaufgabe... ... 99 4.3 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl verwendeter Zielwörter

beider Gruppen in der Wiedergabebedingung der Wortstammergänzungs-Aufgabe bei Darbietung von Hinweisreizen

(13)

4.4 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl richtig reproduzierter Items beider Gruppen bei unmittelbarer und verzögerter Wiedergabe

der Wechsler-Geschichte. ... ..100 4.5 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl der Konfabulationen

beider Gruppen bei unmittelbarer und verzögerter (= nach 30 Minuten)

Wiedergabe der Wechsler-Geschichte... ..101 4.6 und 4.7 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl richtig reproduzierter

Items beider Gruppen für die drei Wortlisten bei unmittelbarer und bei

zeitlich verzögerter Wiedergabe ... ..102 4.8 Mittelwerte (und Standardfehler) der Gesamtscores beider Gruppen bei

den kognitiven Schätzaufgaben ... ..104 4.9 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl richtig reproduzierter

Ziffernfolgen beider Gruppen unter der Bedingung „Wiedergabe in

umgekehrter Reihenfolge“ (rückwärts). ... ..105 4.10 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl produzierter Items in der

Wortflüssigkeitsaufgabe beider Gruppen unter den Bedingungen „semantische Kategorie“ = semantisch, „Anfangsbuchstabe“ = phonematisch und „Wechsel zwischen zwei semantischen Kategorien“

= Wechsel ... ..106 4.11 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl reproduzierter

Briefeinheiten in Prozent beider Gruppen unter den Bedingungen

„unmittelbarer und verzögerter Abruf“ für beide Auswerter... ..108 4.12 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl produzierter

Konfabulationen in Prozent beider Gruppen bei der Reproduktion der Briefinhalte unter den Bedingungen „unmittelbarer und verzögerter

Abruf“ für beide Auswerter ... ..109 4.13 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl reproduzierter

Kontextinformationen in Prozent beider Gruppen unter den Bedingungen „unmittelbarer und verzögerter Abruf“ für beide Auswerter... ..110 4.14 Mittelwerte (und Standardfehler) der Anzahl produzierter

(14)

4.15 Darstellung der Aufteilung der aufgetretenen Konfabulationen bei den Alkoholikern und den Patienten mit dem Korsakow-Syndrom in

relationale und in disjunkte Konfabulationen (M und S.E.)... ..115

5.1 Darstellung des funktionalen Zusammenhangs zwischen Amnesie und Präfrontaldysfunktionen bei Konfabulationen, die beim Abruf der

Briefinhalte auftraten. ... ..126 5.2 Darstellung des funktionalen Zusammenhangs zwischen der

Aktivierung irrelevanter Gedächtnisspuren und dem Auftreten von

Konfabulationen, die ein Quellengedächtnisdefizit widerspiegeln. ... ..127

7.2.1 Anzahl der richtigen Antworten beider Gruppen (20 % und 50 %) auf Targets (= Hits) und der falschen Alarme auf die gemorphten Gesichter

(= FAMorph) und auf die Distraktoren (= FADistr) ... ..165 7.2.2 Anzahl der falschen Antworten beider Gruppen (20 % und 50 %) auf

Targets (= Misses) und der richtigen Zurückweisung der gemorphten

Gesichter (= CRMorph) und der Distraktoren (= CRDistr) ... ..166 7.2.3 und 7.2.4 Remember / Know-Ratings der beiden Gruppen (20 % und 50 %

Morphs) bezüglich der Hits und der falschen Alarme auf die Morphs

und auf die Distraktoren ... ..171 7.2.5 und 7.2.6 Darstellung der Mittelwerte und Standardfehler der Reaktionszeiten der

beiden Gruppen (20 % und 50 %) in Millisekunden. ... ..173

7.3.1 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl richtig reproduzierter Ziffernfolgen unter der Bedingungen „Wiedergabe in

gleicher Reihenfolge“ (vorwärts): Mittelwerte (und Standardfehler)... ..175 7.3.2 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl genannter

Zielwörter in der Baseline- und Priming-Bedingung der Wortstammergänzungsaufgabe: Mittelwerte (und Standardfehler)... ..176 7.3.3 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl verwendeter

Zielwörter in der Wiedergabebedingung der Wortstammergänzungs-Aufgabe bei Darbietung von Hinweisreizen und beim Wiedererkennen:

(15)

7.3.4 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl richtig reproduzierter Items bei unmittelbarer und verzögerter Wiedergabe der

Wechsler-Geschichte: Mittelwerte (und Standardfehler). ... ..179 7.3.5 Anzahl der Konfabulationen bei unmittelbarer und verzögerter

Wiedergabe der Wechsler-Geschichte in den drei Gruppen: Mittelwerte

(und Standardfehler). ... ..180 7.3.6 und 7.3.7 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl richtig

reproduzierter Items für die drei Wortlisten bei unmittelbarer und bei

zeitlich verzögerter Wiedergabe: Mittelwerte (und Standardfehler) ... ..181 7.3.8 Leistungen der drei Gruppen bei den kognitiven Schätzaufgaben:

Mittelwerte (und Standardfehler). ... ..183 7.3.9 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl richtig

reproduzierter Ziffernfolgen unter der Bedingung „Wiedergabe in umgekehrter Reihenfolge“ (rückwärts): Mittelwerte (und Standardfehler). ... ..185 7.3.10 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl produzierter Items

in der Wortflüssigkeitsaufgabe unter den Bedingungen „semantische Kategorie“ = semantisch, „Anfangsbuchstabe“ = phonematisch und „Wechsel zwischen zwei semantischen Kategorien“ = Wechsel: Mittelwerte (und Standardfehler). ... ..186 7.3.11 Leistungen der drei Gruppen hinsichtlich der Anzahl der richtigen

Antworten auf Targets (= Hits) und der falschen Alarme auf die gemorphten Gesichter (= FAMorph) und auf die Distraktoren (=

FADistr): Mittelwerte (und Standardfehler). ... ..189 7.3.12 Anzahl der falschen Antworten auf Targets (= Misses) und der

richtigen Zurückweisung der gemorphten Gesichter (= CRMorph) und der Distraktoren (= CRDistr) in den drei Gruppen: Mittelwerte (und

Standardfehler). ... ..190 7.3.13 Darstellung der Diskriminationsfähigkeit zwischen Targets und

Morphs und Targets und Distraktoren in den drei Gruppen... ..193 7.3.14 Darstellung der Reaktionstendenz bezüglich Targets und Morphs und

(16)

7.3.15 Darstellung der Mittelwerte und Standardfehler der Reaktionszeiten der

drei Gruppen in Millisekunden... ..200

8.1 Dekadeneinteilung der 46 berühmten Personen: 1. Dekade (vor 1970 und zwischen 1970 und 1979): 14 Personen; 2. Dekade (1980 - 1989):

(17)

Tabellenverzeichnis

3.1 Zusammenfassung der Daten der Patienten mit dem

Korsakow-Syndrom und der Alkoholiker-Kontrollgruppe ... 81 3.2 Übersicht der Ergebnisse, die im Hayling Test insgesamt erreicht

werden können und deren Klassifizierung ... 87

4.1 Mittelwerte (und Standardfehler) im Modifizierten Wisconsin Card Sorting Test (MCST) für Patienten mit dem Korsakow-Syndrom und Alkoholiker... 105 4.2 Mittelwerte (und Standardfehler) im Hayling Test für Patienten mit

dem Korsakow-Syndrom und Alkoholiker... 107 4.3 Darstellung der Urteilerkonkordanz, die mittels Kendall-Tau-Analysen

ermittelt wurde... 112

5.1 Schematische Übersicht der Ergebnisse, in denen sich die beiden Gruppen signifikant unterschieden ... 118

6.2.1 Bekanntheitsratings von 46 berühmten Personen... 145 6.2.2 Mittelwerte (und SD bzw. SE), Minima und Maxima der 46

Morphratings der 21 Versuchspersonen ... 147

7.1.1 Zusammenfassung der Daten der Patienten mit dem Korsakow-Syndrom, der Alkoholiker-Kontrollgruppe und der

Gesunden-Kontrollgruppe... 150 7.1.2 Die vier möglichen Ergebnisse eines JA-NEIN-Tests bei einem

Wiedererkennensexperiment ... 158 7.1.3 Die sechs möglichen Ergebnisse eines JA-NEIN-Tests bei einem

Wiedererkennensexperiment ... 159

(18)

7.2.2 Mittelwerte (und Standardfehler) der Ergebnisse der jungen gesunden Versuchspersonen in den Testverfahren zur Untersuchung der exekutiven Funktionen ... 164 7.2.3 Statistische Ergebnisse der Rekognitionsleistungen in der 20%-Gruppe... 167 7.2.4 Statistische Ergebnisse der Rekognitionsleistungen in der 50%-Gruppe... 167 7.2.5 Diskriminationsindizes und Antworttendenzindizes beider Gruppen (20

% und 50 %) nach Snodgrass & Corwin (1998)... 168 7.2.6 Korrelationen zwischen der Anzahl der Hits und den

Diskriminationsindizes und zwischen der Anzahl der Falschen Alarme zum einen auf die Morphs und zum anderen auf die Distraktoren und den Diskriminationsindizes: 20 % und 50 %-Gruppe ... 169 7.2.7 Korrelationen zwischen den Hits und der Reaktionstendenz und

zwischen der Anzahl der Falschen Alarme zum einen auf die Morphs und zum anderen auf die Distraktoren und der Reaktionstendenz: 20 % und 50 %-Gruppe... 170 7.2.8 Statistischer Vergleich der „Ja“- und „Nein“-Antworten in den beiden

Gruppen ... 174

7.3.1 Mittelwerte (und Standardfehler) im Modifizierten Wisconsin Card Sorting Test (MCST) für Patienten mit dem Korsakow-Syndrom, Alkoholiker und Gesunde... 184 7.3.2 Mittelwerte (und Standardfehler) im Hayling Response Suppression

Test für Patienten mit dem Korsakow-Syndrom, Alkoholiker und Gesunde ... 187 7.3.3 Korrelationen zwischen der Anzahl der Falschen Alarme zum einen auf

die Morphs und zum anderen auf die Distraktoren und der Reaktionstendenz... 196 7.3.4 Darstellung der Ergebnisse der einzelnen Untersuchsteilnehmer in der

Gesichterwiedererkennungsaufgabe und bezüglich der Diskriminationsfähigkeit und Reaktionstendenz... 197 7.3.5 Statistischer Vergleich der „Ja“- und „Nein“-Antworten in den drei

(19)

8.1a Schematische Übersicht der Ergebnisse der neuropsychologischen Testverfahren, in denen die Korsakow-Patienten signifikant schlechter abschnitten als die Gesunden (in roter Schrift) und als die Alkoholiker (in blauer Schrift) ... 208 8.1b Schematische Übersicht der Ergebnisse der neuropsychologischen

Testverfahren, in denen die Alkoholiker signifikant schlechter abschnitten als die Gesunden ... 208 8.2 Prozentuale falsche Alarme, die von den Gesunden und den

(20)

Man glaubt sich zu erinnern...

Aber: Können wir unserem Gedächtnis trauen?

Kapitel 1

Einleitung

Obwohl das menschliche Gedächtnis ein in der Regel akkurat funktionierendes System ist, ist es nicht gegen Fehler und Täuschungen gefeit (s. Überblick Johnson et al., 1993; Roediger, 1996). Es besteht ein zunehmendes Interesse an der Untersuchung von Gedächtnistäuschungen, da sie einen Einblick in den konstruktiven Charakter von Enkodier- und Abrufprozessen liefern. Zudem ist seit einigen Jahren die wachsende Erforschung der Hirngebiete, die bei Gedächtnistäuschungen und –fehlern involviert sind, z. B. mittels bildgebender Verfahren (u.a. Johnson et al., 1997; Schacter et al., 1998) zu beobachten. Außerdem gibt es bereits zahlreiche Untersuchungen mit verschiedenen Patientenpopulationen, die ein fehlerhaftes Gedächtnis aufweisen (z. B. Moscovitch, 1995).

(21)

Wie diese Untersuchungen zeigen, ist falsche Wiedererkennung nicht nur ein pathologisches Phänomen bei gedächtnisgestörten Patienten, sondern kann auch bei Gesunden hervorgerufen werden.

Der Prozess des Wiedererkennens und die kontextuelle Zuordnung der Gedächtnisinhalte (= Quellengedächtnis) können dissoziiert sein. So beschreiben Johnson et al. (1993), dass sich Versuchspersonen an vorher gelernte Wörter aus verschiedenen Listen absolut korrekt erinnern können, sie jedoch Fehler bei der Zuordnung zu den verschiedenen Listen machen. D. h. eine richtige Wiedererkennensleistung spiegelt nicht gleichzeitig eine korrekte Quellengedächtnisleistung wider.

Gedächtnisfehler haben nicht in allen Bereichen unseres Lebens die gleichen Auswirkungen. So fallen Gedächtnisfehlleistungen besonders in den Situationen ins Gewicht, die eine hohe soziale Relevanz aufweisen. In der vorliegenden Arbeit werden Gedächtnisfehler deshalb zum einen bei der Erkennung von Gesichtern, zum anderen bei der Wiedererkennung von autobiographischen Episoden untersucht. Fehler bei der Wiedererkennung von autobiographischen Ereignissen stellen eine große Belastung an die Integrität unseres Selbstbildes dar, da unsere Identität untrennbar mit unserem lebenszeitlich erworbenen Gedächtnis verbunden ist.

Bei den vorliegenden Untersuchungen von Gedächtnisfehlern steht v.a. die Untersuchung von Patienten mit dem Korsakow-Syndrom im Vordergrund, einem Störungsbild, bei dem neben mnestischen Defiziten hippokampal-diencephalen Ursprungs Quellengedächtnisdefizite, die die Folge präfrontaler Dysfunktionen sind, beobachtet werden.

(22)

Schwerpunkt auf zwei Subprozesse des Wiedererkennens, nämlich das bewusste Erinnern von Inhalt und Kontext von Informationen (= Recollection) und das automatische Bekanntheitsgefühl (= Familiarity) ohne Gedächtnisquellenzuordnung gelegt.

Nach Schacter et al. (1996) liegt die Ursache von falschen Erinnerungen in defizitären Gedächtnisabrufprozessen. In Kapitel 2.3 wird besonders auf die zwei Stufen des Gedächtnisabrufprozesses (automatischer versus strategischer Abrufprozess, Moscovitch und Melo, 1997) eingegangen. Diese Gedächtnisabrufprozesse sind an die Integrität des Präfrontalcortex gebunden.

Im weiteren wird das neuroanatomische Korrelat von falschen Erinnerungen, der Präfrontalcortex mit seinen Verbindungen zu Hirnarealen, die für Quellengedächtnisleistungen relevant sind, beschrieben (Kapitel 2.3.1 und 2.3.1.1).

Die Evaluation von abgerufenen Gedächtnisinhalten und damit auch der kontextuellen Informationen ist eine Ausprägung der sogenannten „Exekutiven Funktionen“, die höhere integrative mentale Funktionen darstellen. Diese exekutiven Funktionen haben wiederum ihr hirnanatomisches Korrelat im Präfrontalcortex. In Kapitel 2.3.2 werden verschiedene exekutive Funktionen wie das Quellen-Monitoring und das Arbeitsgedächtnis und deren gemeinsame Schnittstellen beschrieben. Es werden Relationen des Quellen-Monitorings zu anderen Gedächtnisphänomenen wie Alt/Neu-Rekognition beschrieben. Des weiteren wird auf Störungen des Prozesses des Quellen-Monitorings eingegangen (z. B. Konfabulationen). In Kapitel 2.3.3 erfolgt die theoretische Behandlung der Frage, inwiefern Quellengedächtnisstörungen die Ursache für das Auftreten von falschen Erinnerungen sind. Dabei wird zunächst exemplarisch auf Quellengedächtnisfehler bei Zeugenaussagen eingegangen, um dann defizitäre Quellen-Monitoring-Prozesse bei Frontalhirngeschädigten zu beschreiben (s. auch Kapitel 2.3.3.1).

In Kapitel 2.4 wird ein Zusammenhang zwischen Quellengedächtnisfehlern und Konfabulationen hergestellt.

(23)

In Kapitel 2.4.5.1.1 wird das Korsakow-Syndrom, eine Erkrankung, die mit Konfabulationen einhergeht, beschrieben. Dabei wird neben der Beschreibung der neuropsychologischen Defizite die Neuropathologie dieses Störungsbildes detailliert aufgezeigt (s. Kapitel 2.4.5.1.2). In Kapitel 2.4.5.1.3 wird der Zusammenhang zwischen Neuropathologie, Kennzeichen von Konfabulationen und Quellengedächtnisfehlern beim Korsakow-Syndrom hergestellt.

In den folgenden Kapiteln (2.5 bis 2.8) wird ein in der Einführung des dieser Arbeit zugrundeliegenden Themengebietes erwähnter alltagsrelevanter Bereich von falschen Erinnerungen, nämlich das falsche Wiedererkennen von Gesichtern beschrieben. In Kapitel 2.5.1 werden zunächst tagtägliche Fehler und Schwierigkeiten bei dem Erkennen von Gesichtern beschrieben. Die theoretische Grundlage der Gesichtererkennung wird dann in Kapitel 2.6 in Form eines funktionalen Modells von Bruce und Young beschrieben. Evidenz für das Modell von Bruce und Young stammt u.a. aus Untersuchungen von Patienten mit Gehirnläsionen, die an Prosopagnosie leiden. In Kapitel 2.7 wird dieses Störungsbild mit seinen beiden Ausprägungen, der apperzeptiven und der assoziativen Prosopagnosie anhand des Bruce und Young-Modells erklärt. Im weiteren werden die hirnorganischen Korrelate der verschiedenen Subsysteme des Modells im Allgemeinen und der Prosopagnosie im Speziellen beschrieben (Kapitel 2.7.1).

Im folgenden Kapitel 2.8 werden verschiedene Untersuchungen vorgestellt, in denen der Effekt von experimentell induzierten Merkmalsveränderungen bei Gesichtern auf deren Perzeption und Wiedererkennung erforscht wird.

Insgesamt liegt der thematische Schwerpunkt in den Kapiteln 2.5 bis 2.8 auf der falschen Wiedererkennung von Gesichtern aufgrund defizitärer Gedächtnisevaluationsprozesse (z. B. fehlende Plausibilitätskontrolle nach Goldenberg, 1997). Diese Monitoring-Prozesse stellen wiederum eine Funktion des Präfrontalcortex dar.

(24)

Kapitel 2

Theoretischer Hintergrund

2.1

Das Auftreten von falschen Erinnerungen

„Am 30. Juli 1977 wurde der Bankier Jürgen Ponto bei einem Entführungsversuch erschossen. Schon sehr bald danach hatte die Polizei ihren ersten Fahndungserfolg. Frau Poensgen, eine Studentin aus Düsseldorf, wurde verhaftet und von der Witwe des Getöteten und dem Chauffeur Pontos als Tatbeteiligte identifiziert. Wenige Tage später mußte Frau Poensgen wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil sie gemäß mehreren über jeden Zweifel erhabenen Zeugenaussagen zum Tatzeitpunkt an einem völlig anderen Ort gewesen war. Wie konnte das geschehen? Frau Ponto hatte Frau Poensgen in einer Gegenüberstellung „wiedererkannt“. Allerdings hatte sie zwischen Tat und Gegenüberstellung auch ein Photo von Frau Poensgen in einer Lichtbildvorlage bei der Polizei gesehen. Der Fehler läßt sich dadurch erklären, dass Frau Ponto sich möglicherweise bei der Gegenüberstellung an das Photo besser erinnerte als an die Frau, die bei dem Überfall beteiligt war. Als Folge davon könnte sie eine korrekte Identifikation der Person auf dem Photo mit dem Ergebnis einer inkorrekten Identifikation der Tatbeteiligten geliefert haben. Die Fehlidentifikation wäre nach Frau Pontos Meinung nicht passiert, „wenn man sie uns gleich in natura gegenübergestellt“ hätte. Aller Vermutung nach hat Frau Ponto Recht. Dies ist sicherlich ein spektakuläres Beispiel einer nachgewiesenen Gedächtnistäuschung mit einer glücklicherweise nicht eingetretenen, aber potentiell sehr weitreichenden Folge“ (Hell, 1993).

Wie dieses beeindruckende Beispiel vermuten läßt, treten Gedächtnistäuschungen häufiger auf als wir vermuten. Menschen berichten manchmal Dinge, an die sie sich tatsächlich erinnern, die aber so nicht passiert sind. Oder wer hat nicht schon die Erfahrung gemacht, dass ihm eine Person bekannt vorkommt, obwohl er sie tatsächlich vorher nie gesehen hat?

(25)

Phantombilder. Generell ist das intakte menschliche Gedächtnis ein außerordentlich leistungsfähiges System. Es ermöglicht uns, Gedächtnisinhalte über unsere persönlichen Erlebnisse zu bilden und trägt durch Erinnerungen an vergangene Ereignisse maßgeblich zu unserem Selbstbild bei. Durch die Integration der verschiedenen lebenszeitlich erworbenen Gedächtnisinhalte sind wir in der Lage, neue Erfahrungen zu integrieren und unser Leben sinnvoll zu organisieren. Trotz dieser außerordentlichen Fähigkeiten ist das menschliche Gedächtnis jedoch anfällig für Störungen und Verzerrungen wie das eingangs dargestellte Beispiel zeigt. Unter bestimmten Umständen sind wir sogar der festen Überzeugung, uns an Dinge zu erinnern, die in Wirklichkeit nie passiert sind, bzw. die wir nie gesehen haben.

Falsche Erinnerungen entstehen, weil wir unseren Wahrnehmungen einen Sinn geben wollen. Johnson (1991) spricht in diesem Zusammenhang von einem sog. „Reality-Monitoring“-Konflikt, der z. B. besonderes häufig bei psychopathologisch produktiven Symptomen wie Konfabulationen zu beobachten ist. Die Konfabulierer, z. B. Patienten mit dem alkoholischen Korsakow-Syndrom, können nicht mehr zwischen internal und external generierten Gedächtnisspuren diskriminieren und interpretieren z. B. eigene Gedanken als vorher gehörte Geschichten.

Aber falsche Erinnerungen können durch experimentelle Bedingungen auch bei gesunden Menschen erzeugt werden (s. z. B. Bartlett, 1932). Bartlett lieferte den Nachweis, dass die Nacherzählung einer Kurzgeschichte nicht nur durch das Vergessen irrelevanter Details vom Original abweicht, sondern auch in ganz charakteristischen Details durch Fehler verändert wird. So fügten Europäer, die ein Eskimo-Volksmärchen nacherzählen sollten, statt eskimospezifischer Details (z. B. Kanu, Seehunde jagen) Details aus dem europäischen Kulturkreis (z. B. Boot, fischen) ein.

(26)

Bekannt geworden sind auch besonders die Untersuchungen von Loftus et al. zum sog. Fehlinformationseffekt: Erhalten Beobachter eines Ereignisses nachträglich neue irreführende Informationen, so resultieren daraus Verzerrungen in der Erinnerung an das ursprüngliche Erlebnis (s. Loftus und Palmer, 1974). In einer dieser Untersuchungen erinnerten sich Versuchspersonen nach einem simulierten Autounfall, den sie beobachteten und nachträglicher Suggestion durch den Versuchsleiter, ein Vorfahrtsschild statt ein Stoppschild gesehen zu haben.

2.2

Der Prozess des Wiedererkennens

Neben der freien Wiedergabe stellt das Wiedererkennen eine Form des Abrufs von Informationen aus dem deklarativen Gedächtnis dar. In zahlreichen Untersuchungen von gesunden Versuchspersonen konnte die Überlegenheit von Wiedererkennensleistungen über Abrufleistungen bei Vorgabe gleicher Items gezeigt werden (z. B. Moscovitch, 1989).

Wiedererkennensleistungen reflektieren einen relativ passiven Prozess, der stark durch die Konfrontation mit dem Stimulus beeinflußt ist und relativ wenig von aktiven Suchprozessen und organisatorischen Strategien abhängt. Der Prozeß des Wiedererkennens ist durch zwei Stufen gekennzeichnet:

1. unspezifisches automatisiertes Vertrautheitsgefühl (Familiarity) 2. explizite intentionale Erinnerung (Recollection)

Familiarity stellt einen automatischen und kontextfreien Prozess dar. Bei einer Reizexposition erfolgt eine interne Repräsentation aller perzeptuellen Merkmale, die um so stärker ist, je häufiger der Reiz dargeboten wird. Der Abruf der Kontextinformationen, in denen man mit diesem Reiz konfrontiert war, ist für das Familiarity-Gefühl nicht erforderlich.

Recollection steht dagegen für das bewusste Erinnern des Kontextes, in dem ein Reiz erfahren wurde. Dieser Vorgang läuft nicht automatisch, sondern intentional ab.

(27)

Diese Laborbedingungen spiegeln jedoch nicht die Anforderungen wider, die Wiedererkennensleistungen im Alltag verlangen. Dort reicht eine „Ja - bekannt“ oder „Nein - nicht bekannt“- Antwort oft nicht aus. So muss z. B. ein Augenzeuge eines Überfalls nicht nur ein mögliches Tätergesicht als bekannt wiedererkennen, sondern muss auch den Kontext, in dem er dieses Gesicht gesehen hat, abrufen (Donaldson et al., 1996).

Solche sogenannten „Remember“-Einschätzungen erfordern eine explizite Erinnerung (Recollection) aller Details eines Ereignisses, d. h., es müssen Kontext- oder Quellenzuordnungen vorgenommen werden.

Johnson et al. (1993) gehen davon aus, dass sogenannte „Know“- oder „Familiarity“-Antworten gegeben werden, wenn keine Informationen über die Quelle verfügbar sind. Das Remember/Know-Rating wurde von Tulving (1985) eingeführt, der in verschiedenen Untersuchungen zwischen den semantischen und den episodischen Gedächtnisanteilen bei Wiedererkennungsaufgaben differenzieren wollte. Ein typisches Experiment, das das Remember/Know-Rating benutzt sieht folgendermaßen aus:

In einer Lern- oder Enkodierphase bekommen die Versuchspersonen Stimuli (z. B. Wörter oder Gesichter) präsentiert, die sie später wiedererkennen sollen. Erkennen die Versuchspersonen in der Rekognitionsphase Stimuli aus der Lernphase wieder, sollen sie entscheiden, ob sie sich genau an das jeweilige wiedererkannte Item erinnern („remember“) oder ob es ihnen bekannt („know“) vorkommt. Eine „Remember“-Antwort bedeutet, dass sie Versuchsperson sich genau mit allen Kontextdetails an das Item erinnert, während eine „Know“-Antwort eine Wiedererkennensleistung ohne spezifische Detailerinnerungen widerspiegelt. Es liegt in diesem Fall ein eher unspezifisches Bekanntheitsgefühl ( „familiarity“) vor.

(28)

beobachtet. Es überrascht, dass bei dem Vorgang des expliziten Erinnerns keine präfrontale Aktivierung auftritt, da beim „Remember“ der adäquate Kontext, d. h., die Quelle abgerufen werden muss. Dieses sogenannte „Source Monitoring“ wird mit präfrontaler Aktivität assoziiert, wie im Folgenden noch beschrieben wird. Möglicherweise stellt der Vorgang des „Remembers“ nur einen Teil des Source Monitoring Prozesses dar, der während des Abrufs temporal-diencephale Aktivität hervorruft und erst eine präfrontale Aktivierung erzeugt, nachdem die Informationen abgerufen wurden und eine Evaluation der Quelleninformationen erfolgt.

2.3

Der Präfrontalcortex: Generator von falschen Erinnerungen

Nach Schacter et al. (1996) sind gestörte Abrufprozesse die Ursache für falsche Erinnerungen. Der Abrufprozess besteht aus zwei Stufen (Moscovitch und Melo, 1997; vgl. auch Conway, 1992):

1. assoziativ, cue-abhängig 2. strategisch.

Der assoziative Abrufprozess, der relativ passiv abläuft und bei dem ein spezifischer, proximaler Hinweisreiz automatisch mit gespeicherten Informationen interagiert, wird durch mediale Temporalcortexstrukturen und den posterioren Neocortex mediiert. Die strategischen Abrufprozesse laufen dann ab, wenn aufgrund der Ineffizienz eines proximalen Hinweisreizes eine gezielte, problemlösungsorientierte Gedächtnissuche notwendig ist. Ihre Aufgabe ist zum einen beim Informationsinput

! die Problemeingrenzung

! der Gebrauch generellen und persönlichen Wissens, um durch eine effiziente Gedächtnissuche eine assoziative, cue-abhängige Gedächtnisspur zu finden. Zum anderen erfolgt eine Aktivierung dieser strategischen Abrufprozesse beim Gedächtnisoutput bezüglich folgender Funktionen

! dem Monitoring (Evaluation und Verifizierung der abgerufenen Gedächtnisinhalte)

! der Einordnung der abgerufenen Gedächtnisinhalte in den adäquaten temporal-räumlichen Kontext (= Quellenzuweisung)

(29)

a. bevor sie enkodiert werden

b. nachdem sie abgerufen wurden.

Gedächtnisfehler treten auf, wenn diese strategischen Abrufprozesse dysfunktional arbeiten und zu einer defizitären Gedächtnissuche, einem beeinträchtigten Monitoring und einer falschen kontextuellen Einordnung von Gedächtnisinhalten führen.

Bei Patienten mit Frontalhirnläsionen arbeiten diese strategischen Abrufprozesse dysfunktional wie verschiedene Untersuchungen zeigen:

Moscovitch und Melo (1997) postulieren, dass Konfabulationen assoziiert sind mit beeinträchtigten strategischen Abrufprozessen resultierend aus einer Schädigung im Bereich des ventromedialen Frontalcortex (weiterführend s. 2.4 ff).

Weitere Untersuchungen zeigen, dass frontalhirngeschädigte Patienten z. B. bei Rekognitionsaufgaben häufig fälschlicherweise behaupten, neue Stimuli wiederzuerkennen (= falsche Alarme), die in der Lernphase nicht präsentiert wurden, die jedoch eine große semantische Ähnlichkeit zu den in der Lernphase dargebotenen Zielreizen aufwiesen. D.h., sie können sich zwar an eine bestimmte Kategorie erinnern, aber innerhalb der Kategorie nicht unterscheiden, welche Stimuli sie vorher gesehen haben (Curran et. al., 1997). Schacter et al. (1996) beschreiben einen Patienten, B.G., der nach einem Apoplex ausgedehnte Läsionen im rechten, präfrontalen Cortex aufwies. In verschiedenen Rekognitionsaufgaben produzierte B.G. mehr falsche Alarme als gesunde Kontrollpersonen, während die Anzahl der richtig wiedererkannten Stimuli normal war. Zudem war sich B.G. absolut sicher, sich an die fälschlicherweise erkannten Stimuli ganz genau erinnern zu können. B.G. erkannte häufig Teststimuli fälschlicherweise wieder, wenn sie zu derselben Kategorie wie die zuvor gelernten Testreize gehörten. Schacter et al. schlußfolgerten, dass bei B.G. ein defekter Suchprozeß zugrundelag. Er führte keinen aufwendigen Suchprozess durch, um herauszufinden, ob ein spezifisches Item gelernt wurde. Offensichtlich reichte die kategoriale Zugehörigkeit aus, um eine falsche Antwort zu triggern.

Schacter et al. zogen aus den Ergebnissen den Schluß, das rechtsfrontale Regionen bei diesen „strategischen Suchprozessen“ (Moscovitch, 1989) ein wichtige Rolle spielen. Daraus könnte man schlussfolgern, dass die Aktivierung von Schemata intakt ist, während die Suche nach spezifischen Schemadetails gestört ist.

(30)

intakten kategorialen Zuordnung von Informationen, ist der Abruf der spezifischen Informationen (z. B. Kontextinformationen) gestört.

2.3.1

Anatomie des Frontalcortex

Der Frontallappen als der größte der insgesamt vier Hirnlappen nimmt beinahe ein Drittel des gesamten Cortex ein. Er setzt sich aus unterschiedlichen Arealen zusammen, die jeweils spezielle Aufgaben erfüllen. In Abbildung 2.1 und 2.2 sind die wichtigsten Areale dargestellt:

1. der motorische Cortex (Area 6) 2. der prämotorische Cortex (Area 4) 3. die frontalen Augenfelder

4. das supplementär motorische Areal (SMA = MII)

5. das Broca’sche Sprachareal (Area 44)

6. der präfrontale Cortex (9, 10, 11, 13, 45, 46, 47)

Abb. 2.1

Abb.2.2

Abbildung 2.1 und 2.2: Anatomie des Frontalcortex.

(31)

Die unterschiedlichen abgrenzbaren Regionen des Frontalcortex zeigen, dass es sich hierbei um einen funktionell sehr heterogenen Anteil des Gehirns handelt.

Die posterior gelegenen Areale des Frontalcortex, der motorische und der prämotorische Cortex, sind für Planung, Koordination und Ausführung von Bewegungen verantwortlich. Eine Läsion in diesem Gebiet führt z. B. zu Ausfällen der Willkürmotorik. Der anteriore Teil des Frontalcortex, der präfrontale Cortex, hat sich im Laufe der phylogenetischen Entwicklung extrem vergrößert. Er wird mit den sog. Exekutiven Funktionen, die auch z. B. bei dem Auftreten von Konfabulationen eine wichtige Rolle spielen, assoziiert. Diese exekutiven Funktionen werden auch als die „höheren integrativen Fähigkeiten“ angesehen und beziehen sich im einzelnen auf:

! die Problemanalyse

! die Auswahl von Handlungszielen ! die Selektion von Informationen

! das Planen und Initiieren von Handlungen

! die Kontrolle und Selbstregulation eigener Handlungen ! das Lernen aus Rückmeldungen

! die Umstellungsfähigkeit ! die Fehlersuche

! das Entwickeln von Alternativplänen

! die Antizipation von Handlungskonsequenzen ! das Beenden intendierter Handlungen

2.3.1.1 Der

Präfrontalcortex

Der Präfrontalcortex wird in drei Regionen eingeteilt: 1. den dorsolateralen präfrontalen Cortex

2. den inferioren oder ventralen präfrontalen Cortex (= orbitofrontaler Cortex) 3. den mediofrontalen Cortex (enthält den anterioren Gyrus cinguli)

Die wichtigsten Verbindungen des Präfrontalcortex zu anderen Hirngebieten sind: 1. corticocortikale Faserverbindungen:

(32)

von Area 7 sowie vom medialen Temporallappen zu den Arealen 8, 9 und 46, die zum dorsolateralen Präfrontalcortex zählen. Die Verbindungen sind reziprok, d. h., der Frontallappen sendet seinerseits an die genannten Areale Signale.

b. vom anterioren temporalen Cortex und vom medialen Temporalcortex zu den Arealen 11, 13 und 25, die zum orbitofrontalen Cortex zählen. Auch diese Verbindungen sind reziprok.

2. thalamocorticale Projektionen aus drei thalamischen Kerngebieten: von den anterioren Nuclei, dem Nucleus dorsomedialis und dem Pulvinar.

3. ausgeprägte Verbindungen vom frontalen Cortex zum Nucleus caudatus, die jedoch nicht reziprok sind.

4. reziproke Verbindungen vom frontalen Cortex zu subcorticalen Strukturen, insbesondere zum Colliculus superior und zum Hypothalamus.

Die Vielfalt der Projektionen zeigt, dass Läsionen in den Gebieten zu den unterschiedlichsten Störungsbildern führen können, z. B. bei Betroffenheit der thalamocorticalen Projektionen sind primär motorische Funktionen wie die Planung und Ausführung von motorischen Verhalten gestört. Für mnestische Prozesse (z. B. Rekognitionsleistungen) sind besonders die Faserverbindungen von Bedeutung, die zum temporalen Cortex projizieren.

2.3.2 Der

Präfrontalcortex und exekutive Funktionen

2.3.2.1

Source (= Quellen) Monitoring

Der Begriff „Quelle“ bezieht sich auf eine Vielzahl von Aspekten, die spezifizieren unter welchen Bedingungen Gedächtnisinhalte erworben wurden (z. B. der räumlich-zeitliche und soziale Kontext eines Ereignisses, das Medium und die Modalität der Wahrnehmung).

Source Monitoring ist ein vielschichtiger Prozess, durch den die Attribution des Ursprungs von Gedächtnisinformationen, Wissen und Überzeugungen (Johnson, 1988) erfolgt, d. h., beim Source Monitoring werden kognitive Produkte ihren verschiedenen Quellen zugeordnet.

(33)

Präposition abgespeichert. Es ist eher davon auszugehen, dass Gedächtnisrepräsentationen bestimmte Charakteristika beinhalten, die die Bedingungen reflektieren, unter denen sie erworben wurden (z. B. der Modus und das Medium der Präsentation, kontextuelle Informationen, emotionale Reaktionen). Urteile bezüglich der Quelle einer Information erfolgen durch Evaluation der Menge und der Natur dieser Charakteristika. Nach Johnson und Raye (1998) unterscheiden sich Gedächtnisinhalte verschiedener Quellen in ihren phänomenologischen Qualitäten. Typischerweise können Gedächtnisinhalten, die ihren Ursprung in externalen Ereignissen haben, zeitlich-räumlich-örtliche Kontextinformationen, emotionale Informationen oder sensorisch-perzeptuelle Details wie Farbe und Form zugeordnet werden. Haben z. B. Gedächtnisinhalte einen großen Anteil an visuellen Details, wird ein Individuum diese Gedächtnisinhalte auf ein Ereignis attribuieren, dass es gesehen hat. Im Gegensatz dazu weisen Gedächtnisspuren für Gedanken oder vorgestellte Ereignisses eher Informationen über kognitive Operationen (z. B. Intentionen oder Schlussfolgerungen) auf.

Johnson et al. (1993) unterscheiden zwei verschiedene Arten von Source-Monitoring: 1. Externales Source Monitoring, z. B. Unterscheidung, ob eine erinnerte

Aussage von Person A oder von Person B gemacht wurde

2. Internales Source Monitoring, z. B. Unterscheidung, ob ein Gedächtnisinhalt auf Gedachtem oder Gesagtem basiert

Diese Quellengedächtniszuordnungen sind Entscheidungsprozesse, die nachgeschaltet sind. Abgerufene Gedächtnisinformationen werden also evaluiert und einer speziellen Quelle zugeordnet ( = „Postretrieval Monitoring“). Daraus folgt, dass der Abruf von Quelleninformationen nicht gleichzeitig mit dem Abruf von Gedächtnisinhalten erfolgt.

(34)

dennoch sind häufig differenziertere strategische Entscheidungsprozesse erforderlich, z. B. bei Quellenzuordnungen auf der Basis allgemeinen Wissens (z. B. „Sam ist der einzige Mensch, der so etwas sagen könnte, also muss er es gesagt haben.“). Norman und Shallice (1986) sprechen in diesem Zusammenhang von automatischen versus kontrollierten oder analytischen Entscheidungsprozessen, während Chaiken et al. (1989) von einem heuristischen versus systematischen Entscheidungsprozess sprechen. Johnson et al. (1993) postulieren, dass Quellengedächtnisentscheidungen generell eher heuristischer Natur sind. Ob eine Quellenzuordnungsentscheidung eher heuristisch oder eher systematisch erfolgt, hängt jedoch von den Umständen ab, in der sie getroffen werden muss. So erwartet man bei Aussagen z. B. vor Gericht, dass die Zeugen ein strengeres Entscheidungskriterium bezüglich der Quellenzuordnung von Tatkontextinformationen generieren als bei sozialen Anlässen, z. B. einer Party. Ein strengeres Entscheidungskriterium bedeutet in diesem Falle, dass besser sowohl heuristische als auch systematische Entscheidungsprozesse aktiviert werden als nur einer von beiden.

Johnson et al. (1984) konnten in einem Experiment zeigen, dass Quellenzuweisungen mit der Verfügbarkeit von Hinweisreizen während des Beurteilungsprozesses besser werden.

Allgemein kann gesagt werden, dass Source-Monitoring-Prozesse relativ einfach und akkurat ablaufen, wenn die zu evaluierenden Gedächtnisinhalte detailreich, ihre Attribute sehr ereignisspezifisch sind und angemessene Entscheidungsprozesse während des und nach dem Vorgang(s) des Erinnerns aktiviert werden.

2.3.2.1.1 Relation zu anderen Gedächtnisphänomenen

a. Source Monitoring und Alt-Neu-Rekognition

(35)

Monitoring und der des Wiedererkennens nicht zwangsläufig dissoziiert sein. Es ist z. B. bei Rekognitionsexperimenten zu berücksichtigen, dass sowohl neue (in der Lernphase nicht dargebotene) als auch alte Reize aus extraexperimentellen Quellen bekannt sein können. Deshalb sind bei Wiedererkennensleistungen auch Source-Monitoring-Aspekte involviert (d.h, erinnerte Items müssen der Liste aus der Lernphase zugeordnet werden).

Rugg et al. (1999) konnten in einer fMRI (= funktionelles Magnetresonanzimaging) – Studie zeigen, dass es bei der Wiedererkennung und beim Source Monitoring zu einer unterschiedlichen frontalen Aktivierung kommt. Sie präsentierten ihren Versuchspersonen auf einem Monitor zu lernende Wörter, die entweder rechts oder links eines zentralen Fixationskreuzes erschienen. Die Testphase bestand aus einer Sequenz von drei Blöcken á zehn Wörter. Bei der ersten Sequenz bekamen die Versuchspersonen zwei „alte“ und acht „neue“ Wörter präsentiert ( = schwache Rekognitionsbedingung). Die Aufgabe war, die Wörter wiederzuerkennen, die in der Lernphase gezeigt wurden. Der zweite Block bestand aus acht „alten“ und zwei „neuen“ Wörtern (= starke Rekognitionsbedingung). Wiederum sollten die Versuchspersonen, die Wörter aus der Lernphase wiedererkennen. Beim dritten Block, der wiederum aus acht „alten“ und zwei „neuen“ Wörtern bestand, sollten die Versuchspersonen angeben, ob das wiedererkannte Wort in der Lernphase entweder rechts oder links vom Fixationskreuz erschienen war (= Quellenaufgabe). Rugg et al. stellten fest, dass, verglichen mit der schwachen Rekognitionsbedingung, bei der starken Rekognitionsbedingung eine Aktivierung im rechten anterioren Präfrontalcortex (Area 10, s. Abb. 2.1) auftrat. Dieses Gebiet zählt zum dorsolateralen Präfrontalcortex. Bei der Quellenaufgabe kam es nicht zu einer weiteren Aktivierung dieses Areals, sondern zu einer Aktivierung im linken anterioren Präfrontalcortex (Area 10) und im linken inferioren frontalen Gyrus (Area 45/47, s. Abb. 2.1). Neben dem dorsolateralen Präfrontalcortex ist also zusätzlich der orbitofrontale Präfrontalcortex bei Quellengedächtnisaufgaben involviert.

(36)

widerspiegelt. Diese Prozesse spielen jedoch eine beträchtlich wichtigere Rolle bei Source-Monitoring-Prozessen, da diese, wie bereits unter 2.3.2.1 beschrieben, dem Informationsabruf nachgeschaltet sind.

b. Source Monitoring bei Zeugenaussagen (s. Punkt 2.3.3)

c. Fehlattribuierte „Familiarity“

(37)

„Recollection“ nennt, sondern auch auf die Evaluation des Gedächtnisoutputs (= Postretrieval-Evaluation). Unter diesen Aspekten ist auch die unter Punkt 2.2 diskutierte Aktivierung verschiedener Hirnareale bei dem Vorgang des bewussten Erinnerns zu verstehen. D.h., während des Zeitpunkts des Abrufens erfolgt eine temporal-diencephale Aktivierung, während der Vorgang der „Postretrieval Evaluation“ mit einer präfrontalen Aktivierung einhergeht. Verschiedene Forscher (u.a. Shimamura et al., 1990; Squire, 1982) haben folgende Dichotomisierung vorgenommen:

Temporal-diencephale Aktivität ist mit dem Abruf von Gedächtnisinhalten (= „Memory for content“) assoziiert, während präfrontale Aktivierung beim Abruf von Quelleninformationen (= „Memory for source“) auftritt. Demnach müssten bei Menschen, die Schädigungen in beiden Bereichen des Gehirns aufweisen, sowohl der Abruf von Gedächtnisinhalten als auch deren zugehörigen Kontextinformationen gestört sein. Wie bekannt ist, weisen Patienten mit dem Korsakow-Syndrom eben gerade in diesen Arealen Läsionen auf (s. auch 2.4.5.1.2). D.h., es werden nicht nur falsche Gedächtnisinhalte abgerufen, sondern auch eine falsche Quellenzuweisung vorgenommen. Gedächtnisfehler sind danach eine logische Folge, die jedoch eine andere Qualität haben als die Gedächtnisfehler, die bei frontalhirngeschädigten Patienten auftreten, deren „Memory for content“ intakt ist. Die bei Korsakow-Patienten häufig beobachteten Konfabulationen (s. auch 2.4.1) könnten danach möglicherweise das Produkt eines defizitären „memory for content“ und eines defizitären „memory for source“ in Verbindung mit einer defizitären Evaluierung des Gedächtnissoutputs darstellen.

(38)

Dieser Widerspruch ist wahrscheinlich am ehesten zu klären, wenn man berücksichtigt, dass bei der Enkodierung von Informationen nicht nur die Inhalte, sondern auch deren kontextuelle Attribute abgespeichert werden, die jedoch nicht automatisch mit den Inhalten abgerufen werden, sondern erst in einem nachgeschalteten Prozess den Inhalten evaluativ zugeordnet werden (s. auch 2.3.2.1). D.h., bei temporal-diencephalen Läsionen ist nicht nur die Enkodierung der Gedächtnisinhalte, sondern auch die der kontextuellen Attribute betroffen. Die Folge ist eine anterograde Amnesie plus einer Quellenamnesie. Umgekehrt können bei Frontalhirnläsionen die Gedächtnisinhalte nicht abgerufen werden, die eine strategische Gedächtnissuche erfordern. Diese strategischen Gedächtnisprozesse sind mit präfrontaler Aktivität assoziiert (s. auch Punkt 2.3). Da jedoch generell die Enkodierung der Informationen und deren Kontextattribute bei Frontalhirngeschädigten intakt ist, ist ein fehlerhafter Gedächtnisoutput die Folge eines defizitären Abrufprozesses. So liegt bei diesen Patienten auch keine Quellenamnesie (s. auch 2.3.2.1.2.b), sondern eher eine Quellenverwechslung (= „Source confusion“) vor.

2.3.2.1.2 Störungen des Prozesses des Source Monitorings

a. Wahn, Halluzinationen und Konfabulationen

Johnson et al. (1993) definieren Wahn, Halluzinationen und Konfabulationen als sogenannte „Reality Monitoring“ – Fehler (s. auch 2.4.4.4), die eine Form von Quellengedächtnisfehlern darstellen. Bei Wahn und Halluzinationen liegt ein Kontrollverlust bezüglich der eigenen Gedanken vor. Die Patienten können oft nicht zwischen internal und external generierten Informationen unterscheiden. So hören z. B. Schizophrene oft Stimmen, die sie jedoch selbst generiert haben. Bei Konfabulationen liegt ebenfalls oft eine mangelnde Diskriminationsfähigkeit bezüglich internal und external genierter Informationen vor. Eine ausführlichere Darstellung der Ursachen von Konfabulationen erfolgt unter Punkt 2.4 ff.

b. Quellenamnesie

(39)

konnten die Amnestiker die Information reproduzieren, wussten aber nicht, ob sie die Information in dem Experiment gelernt hatten, oder ob sie sie aus einer extraexperimentellen Quelle kannten (z. B. Fernsehen oder Zeitung). Schacter nennt diese defizitäre Quellenzuordnung „Quellenamnesie“, die sich von dem sogenannten „Source forgetting“ (= Vergessen der Quelle) dahingehend unterscheidet, dass beim „Source forgetting“ die Versuchsperson weiß, dass die Information in der experimentellen Situation präsentiert wurde, jedoch nicht welcher Quelle sie zuzuordnen ist (z. B. welcher von zwei Sprechern die Information gegeben hat). Bei der Quellenamnesie weiß die Versuchsperson nicht, ob sie mit der präsentierten Information in dem experimentellen Kontext oder außerhalb des Experimentes konfrontiert wurde.

2.3.2.2 Das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley

Baddeley (1986) widerlegte mit seinem Arbeitsgedächtnismodell (s. Abbildung 2.3) die verbreitete Meinung vieler Gedächtnisforscher, dass das menschliche Gedächtnis passiv arbeitet.

Das Arbeitsgedächtnis ist ein System, das die Fähigkeit umfaßt, kognitive Operationen mit im unmittelbaren Gedächtnis befindlichem Material durchzuführen.

Es umfasst nach Baddeley zwei Hauptkomponenten:

1. Den Kurzzeitspeicher, der sich wiederum aus zwei Subkomponenten zusammensetzt, nämlich der phonologischen und der visuo-räumlichen Schleife. Phonologische und visuo-räumliche Informationen zirkulieren in diesen Schleifen nur wenige Sekunden. 2. Exekutive Prozesse, die auch als Zentrale Exekutive bezeichnet werden und mit den

Inhalten der zu speichernden aber auch bereits gespeicherten Informationen operieren.

Der Zentralen Exekutive kommt eine Rolle als Supervisor zu, der Strategien auswählt und Informationen aus internen und externen Quellen zusammenführt.

(40)

Situationen darauf einstellen kann bzw. ädaquat reagieren kann. Bei Menschen mit Frontalhirnschädigungen ist immer wieder zu beobachten, dass sie gerade diese Fähigkeit der Unterdrückung der Reaktion auf irrelevante Reize verloren haben.

Das Arbeitsgedächtnis ist an die Integrität des Frontalcortex gebunden (Owen et al., 1990). Studien mit bildgebenden Verfahren zeigen, dass beim Durchlaufen der phonologischen Schleife das Broca Areal, das linkshemisphärische supplementär motorisches Areal (SMA) und prämotorische Areale aktiviert werden. Bei visuo-räumlichen Informationen kommt es zu einer Aktivierung des rechtshemisphärischen prämotorischen Cortex, während die exekutiven Prozesse durch den Präfrontalcortex mediiert werden (Übersicht s. Smith und Jonides, 1999).

Smith und Jonides (1999) haben folgende Aufgaben der Zentralen Exekutive beschrieben:

1. Aufmerksamkeitsfokussierung auf relevante Informationen und Inhibition irrelevanter Informationen („Attention and Inhibition“)

2. Switchen der Aufmerksamkeit zwischen verschiedenen Aufgaben („Task management“)

3. Aufgabenreihenfolge planen zwecks Zielerreichung („Planning“)

(41)

In folgender Abbildung ist ein erweitertes Modell des Arbeitsgedächtnisses mit seinen Verbindungen zum sensorischen und sekundärem Gedächtnis dargestellt:

Sensorisches Gedächtnis primäres oder Sekundäres Gedächtnis Arbeitsgedächtnis

Abbildung 2.3: Das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley (1986) (modifiziert nach

Kopelman, 1995).

Informationen, die im sensorischen Gedächtnis nur für Millisekunden behalten werden, werden im Arbeitsgedächtnisspeicher zusammengeführt, wo sie für 30 Sekunden ohne aktives Rehearsal behalten werden können. Dies wird z. B. mit dem Wiederholen von Zahlenfolgen überprüft. Hierbei werden modalitätsabhängig die oben beschriebenen Schleifen durchlaufen. Die Zentrale Exekutive, deren Aufgaben ebenfalls oben bereits aufgeführt wurden, interagiert sowohl mit dem semantischen, als auch dem expliziten und impliziten Gedächtnis, in dem eine sehr viel größere Anzahl von Informationen längerfristig abgespeichert werden. Die Zentrale Exekutive ist sowohl an der Enkodierung als auch an dem Abruf von Informationen durch diese Interaktionen beteiligt.

Explizit (Bewusstes Erinnern

von Episoden oder Ereignissen)

Semantisch (Fakten, Konzepte,

Sprache)

Implizit

(42)

2.3.2.3 Das Quellengedächtnis und die Zentrale Exekutive

Zu einer der wichtigsten Aufgaben der Zentralen Exekutive zählen die Rekonstruktion von Erinnerungen und die Plausibilitätskontrolle (Goldenberg, 1997). Fällt diese Kontrollinstanz aus, z. B. durch Frontalhirnläsionen, ist eine Folge die falsche inhaltliche und auch zeitliche Rekonstruktion von Erinnerungen, während eine andere Folge die fehlende Überprüfung der falschen Erinnerungen auf ihre Plausibilität ist.

2.3.3

Quellengedächtnistäuschungen (Source confusion) als

Ursache für das Auftreten von falschen Erinnerungen

Das Eingangsbeispiel von Frau Ponto hat gezeigt, wie anfällig unser Gedächtnis für eine Intrusion durch eine neue (eventuell falsche) Informationen ist (s. auch den unter Punkt 2.1. beschriebenen Fehlinformationseffekt). Frau Ponto konnte die Quelle ihrer Wiedererkennensleistung nicht mehr korrekt identifizieren. Hell (1993) meint, dass „ein Lichtbild bei der Polizei, ein Bild in der Zeitung, eine Unterhaltung mit einem anderen Zeugen, eine suggestive Befragung durch Polizei oder Staatsanwaltschaft alle dazu führen können, dass die Originalerinnerung des Zeugen ungenau wird.“. Loftus, Miller und Burns (1978) erklären diese Art von Gedächtnisfehlleistungen mit der sog. Substitutionshypothese, nach der später erhaltene Informationen die früher gespeicherten ersetzen.

(43)

nachträglich erhaltenen falschen Informationen auf die Zeugenberichte sehen viele Forscher darin, dass die Originalerinnerungen durch die neuen falschen Informationen verdrängt werden (s. auch die von Loftus, Miller und Burns (1978) formulierte Substitutionshypothese) (u.a. Loftus und Loftus, 1980). Wiederum andere Forscher gehen davon aus, dass die Fehlinformationen nicht die original gespeicherten Inhalte verdrängen, sondern dass sie den Abrufprozess erschweren, indem sie mit den originalen Details konkurrieren (u.a. Bekerian und Bowers, 1983; Chandler, 1989, 1991; Christiaansen und Ochalek, 1983). Schließlich argumentieren verschiedene Forscher, dass die Fehlinformationen nicht den Abruf von original gespeicherten Informationen beeinträchtigen, sondern die Berichte derjenigen Zeugen beeinflussen, die die originalen Details gar nicht erst richtig abgespeichert haben, bzw. sie bereits wieder vergessen haben (u.a. Bowman und Zaragoza, 1989; McCloskey und Zaragoza, 1985; Zaragoza, McCloskey und Jamis, 1987).

(44)

Johnson et al., 1993; Conway und Dewhurst, 1995): Je mehr sensorisch-perzeptuelle oder selbstreferentielle Attribute die Informationsaufnahme begleiten, desto korrekter wird die Quellenzuweisung der abgerufenen Informationen sein. Die Art und Anzahl der Gedächtnisattribute, die beim Abrufen von Gedächtnisinhalten verfügbar sind, beeinflussen die Erinnerungserfahrung („recollective experience“) beim Abruf (Paddock et al., 2000).

Nach Gilbert müssten Zeugenaussagen relativ stark manipulierbar sein. Dass Zeugenaussagen oft sehr fraglich sind kann man in den Fällen beobachten, in denen verschiedene Zeugenaussagen zu derselben Tat stark differieren. So erstaunt es, welche z.T. stark abweichenden Attribute einem Täter zugeschrieben werden: aus Sicht eines Zeugen z. B. wird der Täter als groß und schlank und mit einer dunkelblauen Jacke bekleidet beschrieben. Ein anderer Zeuge behauptet hingegen, dass es sich bei dem Täter um einen kleinen untersetzten Mann mit Brille und heller Kleidung gehandelt habe. Welche Faktoren zu diesen sehr unterschiedlichen Täterbeschreibungen geführt haben, bleibt oft ungeklärt. Inwiefern nachträgliche Informationen das Tätergedächtnis beeinflussen ist i. d. R. nicht feststellbar. Es wäre interessant bei stark differierenden Zeugenaussagen herauszufinden, ob die Fehler bereits auf der perzeptuellen Ebene oder auf der Quellengedächtnisebene entstehen.

Das Source-Monitoring-Modell sagt voraus, dass die Tendenz eines Individuums Fehlinformationen als wahr zu akzeptieren eine Funktion ist

a. des Ausmaßes, in dem die Fehlinformationen Ähnlichkeiten zu der originalen Episode aufweist

b. des Ausmaßes, in dem die Abrufbedingungen quellenrelevante Informationen umfassen.

Zaragoza und Lane (1994) konnten in einem ihrer Experiment zeigen, dass Individuen, die von der Richtigkeit der Fehlinformationen überzeugt waren, auch eher bereit waren, Informationen, die ähnlich den Originalinformationen waren, auf das Originalereignis zu attribuieren.

(45)

systematischer Evaluation basieren, sind sie anfällig für Fehlleistungen. Die hier beschriebene „Postevent-Evaluation“ kann gleichgesetzt werden mit dem bereits beschriebenen „Postretrieval-Monitoring“ (s. 2.3.2.1) und stellt eine Funktion des Präfrontalcortex dar. Demnach müssten Patienten mit Frontalhirndysfunktionen anfällig für Quellengedächtnisfehler sein, was zahlreiche Untersuchungen bereits bewiesen haben (z. B. Schacter et al., 1995; Daum et al., 1996; Janowsky et al., 1989b), und was im Folgenden näher beschrieben wird.

2.3.3.1

Die Rolle des frontalen Cortex bei

Quellengedächtnis-täuschungen

Nach Norman und Schacter (1995) sind Strukturen im Frontallappen dafür verantwortlich, Hinweisreize für den Gedächtnisabruf zu generieren. Diese haben die Aufgabe, eine bestimmte Episode zu erinnern. Gleichzeitig sollen die abgerufenen Informationen dem adäquaten Kontext zugeordnet werden, in dem sie erworben wurden, d. h., ist die Gedächtnisspur erst einmal aktiviert, muß die Information mit ihrer Quelle assoziiert werden. Die Quellenamnesie (d. h. die Unfähigkeit der richtigen Zuordnung des örtlichen, zeitlichen und situativen Kontextes zu einem speziellen Wissenserwerb) wird mit Läsionen des präfrontalen Cortex in Verbindung gebracht (Schacter et al., 1995; Daum et al., 1996; Janowsky et al., 1989b)

Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (z. B. Positronen-Emissions-Tomographie (PET)) zeigen, dass besonders rechtsseitige dorsolaterale präfrontale Strukturen hier eine besondere Rolle spielen (z. B. Squire et al., 1992), d. h., frontale Hirnareale spielen eine entscheidende Rolle bei der korrekten kontextuellen Einordnung einer abgerufenen Information.

Schacter et al. (1984) fanden heraus, dass Patienten, die an Quellenamnesie litten, unterdurchschnittliche Ergebnisse bei Testverfahren, die sensitiv für frontale Schädigungen sind, erzielten.

2.4

Zusammenhang zwischen Quellengedächtnistäuschungen

und Konfabulationen

Abbildung

Updating...

Referenzen

Updating...

Verwandte Themen :