EZB: Zinswende auf unbestimmte Zeit verschoben

Loading.... (view fulltext now)

Loading....

Loading....

Loading....

Loading....

Volltext

(1)

econ

stor

Make Your Publications Visible.

A Service of

zbw

Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

Leibniz Information Centre for Economics

Vöpel, Henning

Article — Published Version

EZB: Zinswende auf unbestimmte Zeit verschoben

Wirtschaftsdienst

Suggested Citation: Vöpel, Henning (2011) : EZB: Zinswende auf unbestimmte Zeit verschoben,

Wirtschaftsdienst, ISSN 1613-978X, Springer, Heidelberg, Vol. 91, Iss. 10, pp. 727-728,

http://dx.doi.org/10.1007/s10273-011-1292-9

This Version is available at:

http://hdl.handle.net/10419/67697

Standard-Nutzungsbedingungen:

Die Dokumente auf EconStor dürfen zu eigenen wissenschaftlichen Zwecken und zum Privatgebrauch gespeichert und kopiert werden. Sie dürfen die Dokumente nicht für öffentliche oder kommerzielle Zwecke vervielfältigen, öffentlich ausstellen, öffentlich zugänglich machen, vertreiben oder anderweitig nutzen.

Sofern die Verfasser die Dokumente unter Open-Content-Lizenzen (insbesondere CC-Lizenzen) zur Verfügung gestellt haben sollten, gelten abweichend von diesen Nutzungsbedingungen die in der dort genannten Lizenz gewährten Nutzungsrechte.

Terms of use:

Documents in EconStor may be saved and copied for your personal and scholarly purposes.

You are not to copy documents for public or commercial purposes, to exhibit the documents publicly, to make them publicly available on the internet, or to distribute or otherwise use the documents in public.

If the documents have been made available under an Open Content Licence (especially Creative Commons Licences), you may exercise further usage rights as specified in the indicated licence.

(2)

Wirtschaftsdienst 2011 | 10

727

Ökonomische Trends

mer wieder Zweifel geäußert, inwieweit die EZB mit den Anleihekäufen (vgl. Tabelle 1) schon fi skalpolitische Auf-gaben übernommen habe. Die EZB als „lender of last resort“ hat in (Vertrauens-)Krisen zwar eine zeitlich eng befristete Stabilisierungsaufgabe – eine dauerhafte Re-paraturfunktion in einem nicht-optimalen Währungsraum schließt diese jedoch nicht ein. Persistente Divergenzen in der Wettbewerbsfähigkeit können zu wachsenden in-ternen Ungleichgewichten zwischen den Mitgliedslän-dern führen, die in einer Währungsunion nicht mehr durch autonome Geldpolitiken abgebaut werden können. Der Vorschlag, die Zielinfl ationsrate heraufzusetzen, um rea-le Anpassungsprozesse innerhalb eines nicht-optimarea-len Währungsraums zu erleichtern, wurde an dieser Stelle bereits diskutiert.1 Vorzuziehen ist jedoch eine stärkere strukturelle Konvergenz im Euroraum. Diese benötigt je-doch Zeit. Für die Übergangsphase stellt sich der Politik der Euroländer die dringende Aufgabe, erstens ein aus-schließlich fi skalisches Instrumentarium zum Umgang mit Schuldenkrisen zu entwickeln, zweitens ein Staatsinsol-venzrecht zu verankern und drittens eine wirksame Regu-lierung des Bankensektors zur Begrenzung systemischer Risiken durchzusetzen, um eine Beteiligung privater Gläu-biger bei Staatsinsolvenzen zu ermöglichen. Eine solche institutionelle Anpassung und Erweiterung der Eurozone könnte Fehlanreize auf Seiten der Länder und der Banken

1 Vgl. H. Vöpel: EZB: Geldpolitik im heterogenen Währungsraum, in: Wirtschaftdienst, 90. Jg. (2010), H. 7, S. 495-496.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre seit Ende 2008 expansiv ausgerichtete Geldpolitik zuletzt leicht ge-strafft: In zwei Schritten wurde der Leitzins um insgesamt 50 Basispunkte auf 1,50% erhöht. Gleichzeitig wurden ei-nige der nach bisheriger geldpolitischer Praxis unkonven-tionellen Maßnahmen zurückgeführt. Diese waren infolge der Finanzkrise notwendig geworden, um das Banken-system zu stabilisieren und den „ausgetrockneten“ Geld-markt mit Liquidität zu versorgen.

Die zu Beginn dieses Jahres eingeleitete vorsichtige Straffung der Geldpolitik wurde mit dem sich festigenden konjunkturellen Aufschwung und steigenden Infl ationsri-siken begründet. Zwischenzeitlich hat sich die Konjunktur im Euroraum und der Weltwirtschaft deutlich eingetrübt – bis hin zu neuen Rezessionsgefahren. Zusätzliche Risi-ken gehen von der Schuldenkrise im Euroraum aus: Stei-gende Zinsen würden die Schuldenlast der Krisenländer weiter erhöhen, ein dann wahrscheinlicher werdender De-fault könnte die Banken erneut destabilisieren. Im Zusam-menhang mit einer möglichen Umschuldung Griechen-lands sind die Zinsen auf dem Interbankenmarkt wieder leicht angestiegen. Die Zinswende dürfte vor diesem Hin-tergrund auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Ihren abwartenden geldpolitischen Kurs begründet die EZB mit der ungewöhnlich hohen Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung. Zuletzt wurden jedoch

im-Konjunkturschlaglicht

EZB: Zinswende auf unbestimmte Zeit verschoben

Abbildung 1

Wechselkurs Schweizer Franken und Schwedische Krone zum Euro

Tabelle 1

Konsolidierter Ausweis des Eurosystems – Aktivseite (Entstehung der monetären Basis)

in Mrd. Euro 19. Sep. 2008 18. Sep. 2009 17. Sep. 2010 20. Sep. 2011 Gold 208 232 352 363 Devisen 190 256 265 244 Kredite an Ge-schäftsbanken 477 684 589 535 Wertpapiere 110 317 428 547 Sonstige Aktiva 473 304 336 446 Gesamt 1458 1793 1970 2135 Quelle: EZB: Monatsbericht, verschiedene Ausgaben.

8,8 8,9 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 09.09.2011 22.08.2011 02.08.2011 13.07.2011 23.06.2011 1,0 1,1 1,1 1,2 1,2 1,3

Schwedische Krone (rechte Achse) Schweizer Franken (linke Achse) DOI: 10.1007/s10273-011-1292-9

(3)

Wirtschaftsdienst 2011 | 10

728

Ökonomische Trends

reduzieren und die EZB dadurch aus ihrem Krisenmana-gement entlassen. Die Dringlichkeit hierfür zeigt auch die Diskussion um Glaubwürdigkeit und politische Unabhän-gigkeit der EZB im Zusammenhang mit den jüngsten Per-sonalentscheidungen bei den Ämtern des EZB-Präsiden-ten und des Chefvolkswirts.

Aufgrund der Risiken im Euroraum kam es zuletzt zu ei-ner verstärkten Nachfrage nach Schweizer Franken und der Schwedischen Krone, die im Wesentlichen durch eine Aufwertungserwartung getrieben wurde (vgl. Abbil-dung 1). Die starke Aufwertung des Franken drohte die Schweizer Exporte drastisch zu verteuern. Die Schweizer Nationalbank hat daraufhin einen unteren Interventions-kurs festgesetzt (1,20 SF/Euro), zu dem sie unbegrenzt Euro ankauft. Sollte eine durch diese Maßnahme induzier-te risikolose Spekulation zu einer weiinduzier-ter und beschleunigt

HWWI-Index der Weltmarktpreise für Rohstoffe

HWWI-Index mit Untergruppena 2010 Mrz. 11 Apr. 11 Mai 11 Jun. 11 Jul. 11 Aug. 11 Sep. 11

Gesamtindex 100,0 134,2 142,4 133,8 131,0 133,2 125,9 126,2 (28,8) (36,5) (35,7) (40,0) (38,9) (39,7) (29,6) (28,6) Gesamtindex, ohne Energie 100,0 123,0 127,8 124,1 123,0 122,9 121,2 117,4 (30,1) (33,4) (28,3) (31,9) (33,4) (26,3) (19,1) (11,6) Nahrungs- und Genussmittel 100,0 134,7 136,7 134,3 131,6 129,8 131,9 129,8 (11,2) (52,0) (54,9) (53,1) (47,0) (35,7) (31,2) (22,1) Industrierohstoffe 100,0 118,9 124,7 120,5 119,9 120,5 117,3 113,1 (38,5) (27,2) (20,3) (25,0) (28,8) (23,0) (14,9) (7,8) Agrarische Rohstoffe 100,0 114,1 118,1 115,0 116,0 114,1 113,5 110,0 (34,2) (18,9) (18,6) (19,1) (20,4) (15,6) (13,0) (7,8) NE-Metalle 100,0 121,5 123,8 117,8 116,0 119,1 112,1 105,4 (37,3) (20,6) (16,1) (25,9) (32,8) (32,2) (15,4) (4,1) Eisenerz, Stahlschrott 100,0 118,8 135,8 134,6 134,8 132,7 135,7 136,2 (48,3) (64,9) (33,4) (30,7) (30,7) (13,8) (16,2) (15,8) Energierohstoffe 100,0 137,1 146,2 136,4 133,2 135,9 127,1 128,5 (28,4) (37,3) (37,5) (42,1) (40,3) (43,4) (32,5) (33,5)

a 2010 = 100, auf US-Dollar-Basis, Periodendurchschnitte; in Klammern: prozentuale Änderung gegenüber Vorjahr.

Weitere Informationen: http://hwwi-rohindex.org/

2010 = 100, auf US-Dollar-Basis.

steigenden Nachfrage nach Schweizer Franken führen – in der Erwartung, dass die Schweizer Nationalbank den Franken schließlich doch aufwerten lassen muss, könnte dies zu einer stark steigenden Geldmenge in der Schweiz führen. Sie müsste dann versuchen, den Anstieg der Geldmenge infolge der Intervention am Devisenmarkt an-derweitig zu sterilisieren. Als „kleine“ Volkswirtschaften taugen langfristig weder die Schweiz noch Schweden, globale Reservewährungen bereitzustellen. Zudem kön-nen Wechselkursschwankungen in kleikön-nen Ländern sehr stark ausfallen. Eine gemeinsame Währung kann daher einerseits stabilisierend wirken, impliziert andererseits jedoch einen hohen Anpassungsdruck, der nicht mehr durch Wechselkurs und Zins als Ventil abgebaut werden kann. Henning Vöpel voepel@hwwi.org 50 100 150 200 2007 2008 2009 2010 2011 50 100 150 200 Nahrungsmittel Industrierohstoffe Energierohstoffe Gesamtindex

Abbildung

Updating...

Referenzen

Updating...

Verwandte Themen :