Zukunftsgestaltung im demographischen Umbruch. Impulse und Handlungsoptionen aus Sicht der WZW-Expertenplattform “Demographischer Wandel in Sachsen-Anhalt” | HoF

Volltext

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SCHRIFTENREIHE DES WZW

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Zukunftsgestaltung

im demographischen Umbruch

Impulse und Handlungsoptionen aus Sicht der WZW-Expertenplattform „Demographischer Wandel in Sachsen-Anhalt“

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Inhalt

Inhalt

Vorwort . . . 3

(Klaus Friedrich)

Anpassung regional wirksamer Steuerungsinstrumente auf Grund des demographischen Wandels . . . 5

(Winfried Kluth I Tom Karl Soller I Anja Nitschke I Julia Eichler I Anne Bernstein)

Demographischer Wandel in suburbanen Räumen . . . 8

(Klaus Friedrich | Susanne Knabe | Barbara Warner )

Daseinsvorsorge und demographischer Wandel in peripheren Räumen . . . 11 Wie gehen die Betroffenen mit dem Ausdünnen sozialer Infrastruktur um?

(Ulrich Blum | Gerhard Heimpold | Walter Hyll | Franziska Jungermann | Lutz Schneider )

Der demographische Wandel als Herausforderung für die effiziente Bereitstellung

kommunaler Leistungen . . . 15

(Heinz P. Galler | Peter Bönisch | Annette Illy | Lukas Schreier )

Altersgerechte und sichere Mobilität in der Fläche . . . 20

(Christian Diedrich | Franziska Wolf | Kevin Schewel)

Schulfahrt – Demographiefeste Schulstandortplanung und -zuwegung im ÖPNV . . . 27

(Lothar Koppers | Holger Baumann | Thomas Weichert | Volker Höcht)

Arbeitsplätze für die Zukunft . . . 31

Die Bedeutung des demographischen Wandels für kleine und mittelständische Unternehmen

(Walter Thomi | Jana Meyer | Florian Ringel)

Wahrnehmung, Einstellung und Verhalten in altersdiversen Belegschaften . . . 34

(Manfred Becker | Cindy Kownatka)

Demographischer Wandel in ländlichen Regionen . . . 39

Sozialökonomische Aspekte

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Gestalteter Wandel . . . 44

Das Bildungssystem in schrumpfenden Regionen

(Reinhold Sackmann | Walter Bartl)

Die Bildungs-IBA . . . 47

(Uwe Grelak | Peer Pasternack)

Bestand und ökonomische Bedeutung kognitiver und nicht-kognitiver Fähigkeiten:

Identifikation (bildungs-)politischer Handlungsbedarfe . . . 53

(Katrin John | Stephan Thomsen)

IngWeb.de . . . 56

Ingenieurwissenschaftliche Sensibilisierung an allgemein- und berufsbildenden Schulen

(Stefan Brämer | Sören Hirsch)

Neue Aufgaben für Hochschulen und Museen . . . 60

Lebenslanges Lernen und demographischer Wandel

(Hansheinz Kreuter | Jürgen Maretzki)

Länger selbstbestimmt leben . . . 63 (Gundula Hübner | Alexander Bauer | Ulrich H.P. Fischer-Hirchert | Margarete Landenberger

Wilfried Mau | Frithjof Meinel | Christian Reinboth | Susanne Siegmund | Sabine Treichel | Enrico Wilde)

Fazit: Vom Problemvorsprung zum Problemlösungsvorsprung . . . 66

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3 Vorwort

Vorwort

EsvergehtkaumeinTag,andemsichindenMassenmediennichtBerichteüberAspektedesde-mographischenWandelsfinden�Auchaufgrunddiesermedialen–undhäufigapokalyptischen –AufbereitunghatsichderProzessdamitvomursprünglichalleinwissenschaftlichgeführten DiskursentferntundindieAlltagsweltderMenschenverlagert�Gemeinhinverstehtmanunterdem Kürzel„wirwerdenweniger,älterundbunter“sichabzeichnendetiefgreifendegesellschaftliche Veränderungen�Sietragenu�a�durchsinkendeGeburtenratenundhöhereLebenserwartungzum AlternundSchrumpfenderBevölkerungundaufgrundinternationalerMigrationensowieeinem gesellschaftlichenWertewandelzurstärkerenethnischenDifferenzierungundPluralisierungder Haushalts-undFamilienstruktureninDeutschlandbei� BesondersausgeprägtistderProzessderSchrumpfungundAlterungvoralleminOstdeutschland undinsbesondereinSachsen-Anhalt,einem„HotSpot“dieserEntwicklung�NachderWiederverei-nigungkamesindenneuenBundesländernzudramatischenEinbrüchenderGeburtenratenweit unterdasBestandserhaltungsniveauinVerbindungmitzahlreichenFortzügenjüngererundgut ausgebildeterPersonengruppenvorallemnachWestdeutschland�DadieseProzessehochdynamisch, selektivundregionalmitunterschiedlicherIntensitäterfolgen,sindRückgangundAlterungder BevölkerungsowieeinePolarisierungderRaumentwicklunginWachstumsinselnundSchrump-fungsgebietedieKonsequenz�DashierzulandebereitseingetreteneEndedesdemographischen WachstumswirdinWestdeutschlanderstzukünftigwirksamwerden� DiePlanungsverantwortlicheninSachsen-AnhalthabendieGestaltungdesdemographischen WandelsfrühalseinesihrerzentralenmittelfristigenHandlungsfelderbenannt�DieEinrichtung einerStabsstelleDemographiesowieeinesDemographiebeiratsamMinisteriumfürLandesent-wicklungundVerkehr,dieEntwicklungdesHandlungskonzepts„NachhaltigeBevölkerungspolitik“, dieunlängstinsLebengerufene„Demographieallianz“sowiedieDurchführungmehrererRegio-nalkonferenzenzumdemographischenWandellassendieBedeutungerkennen,diederThematik hierzugemessenwird� ImJahre2009hatdasWissenschaftszentrumSachen-Anhaltdie„ExpertenplattformDemogra-phischerWandel“insLebengerufen�SiesetztsichausVertreternunterschiedlicherDisziplinen miteinemwesentlichenFokusaufdemographischeProzessezusammen�DerenLenkungsgruppe koordiniertdieinterdisziplinäreZusammenarbeitvonetwadreißigWissenschaftlern,welche15 ForschungsprojekteanHochschulenundForschungseinrichtungendesLandesbearbeiten,dieseit April2010vomKultusministeriumSachsen-Anhaltgefördertwerden�DieseProjektebefassensich

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jeweilsmitunterschiedlichenVoraussetzungendesdemographischenWandelsvorOrtundden damitverbundenenHerausforderungenundHandlungsoptionen�Behandeltwerdenu�a�dieThemen nachhaltigeSiedlungs-undInfrastrukturanpassung,regionaleWirtschafts-undBeschäftigungs-förderung,Bildungs-undQualifizierungsstrategiensowiefamilienfreundlicheundalternssensible Wohn-undLebensbedingungen�NebenderwissenschaftlichenArbeitverbindetdieMitgliederder ExpertenplattformdasZiel,aufGrundlagevorhandenerWissensbeständesowieeigenerAnalysen diepolitischenEntscheidungsträgerdesLandes,derGebietskörperschaftenundGemeindenfür diehochkomplexenunddynamischenFragendesdemographischenWandelszusensibilisieren,zu informierenundsiediesbezüglichinihrempolitischenundadministrativenHandelnzuberaten� MitdervorliegendenBroschürewollendieeinzelnenArbeitsgruppendieZielsetzungenundden derzeitigenArbeitsstandihrerlaufendenProjektedarstellen�Siebelassenesjedochnichtbeider akademischenErforschungvonUrsachenundTrends,sondernformulierenausderwissenschaft-lichenPerspektiveHandlungsoptionen�DamitentsprichtdieExpertenplattformsowohlihrer erwähntenFunktionalsSchnittstellezwischenWissenschaftundPolitikalsauchihrerIntention, dieinteressierteÖffentlichkeitsachgerechtzuinformieren�  Prof�Dr�KlausFriedrich Martin-Luther-Universität,Sozialgeographie SprecherderLenkungsgruppederExpertenplattform DemographischerWandelinSachsen-Anhalt

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Anpassung regional wirksamer Steuerungsinstrumente auf Grund des demographischen Wandels 5 WinfriedKluthITomKarlSollerIAnjaNitschkeIJuliaEichlerIAnneBernstein1 VerlangtderdemographischeWandelinbestimmtenBereicheneineAnpassungderGesetzgebungs- undVerwaltungskompetenzen?Sindneue,insbesondereintegrierendeSteuerungsmechanismen sinnvoll?Wiekönntendiesebeschaffensein?Esgehtdarum,dasvorhandenestaatlicheSteuerungs-instrumentariumausdemBlickwinkelderFolgendesdemographischenWandelszuanalysieren undimHinblickaufdiedamitverknüpftenprioritärenAufgabenfelderzurekonstruieren�Dabeiwird davonausgegangen,dasssichderZuschnittvonRessorts(Kompetenzen)unddiedamitverbunde- nenAuswirkungenaufdieWissensgenerierung,d�h�dieErarbeitungvonangemessenenKonzepti-onenderAufgabenerfüllung,unddiedamitverbundenenAbwägungenundPrioritätensetzungen auswirken�Andersformuliert:EineerfolgreicheAntwortaufdasPhänomendesdemographischen WandelssetzteinangemessenstrukturiertesSteuerungsinstrumentariumvoraus�

Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse als verfassungsrechtliche

Rahmenvorgabe für Veränderungsprozesse

DerdemographischeWandelführtinmehrfacherHinsichtzuVerschiebungenderLeistungspo-tenzialeinWirtschaft,GesellschaftundStaat�DurchdieabsoluteundprozentualeVerringerung derZahlderErwerbstätigensindauchdasSteuer-unddasBeitragsaufkommendavonbetroffen –dieihrerseitsdieGrundlagefürzahlreichestaatlicheLeistungenindenBereichendersozialen, technischenundkulturellenInfrastrukturendarstellen� AufderartigeUnterschiedereagiertedasdeutscheVerfassungsrechttraditionellmitdemGrundsatz derEinheitlichkeitderLebensverhältnisse�DieserwurdeangesichtsvoraussehbarerWandlungenin den1990erJahrenzumGrundsatzderGleichwertigkeitderLebensverhältnisseumgewandelt�Der GeltungsbereichundderRegelungsinhaltdiesesGrundsatzesunddamitdievonihmausgehenden normativenImpulsefürdieGesetzgebungsindumstritten�WährendeinerestriktiveAuffassung demGrundsatzeineallgemeineMaßgeblichkeitfürallePolitikfelderbestreitet,leitetdieGegen-ansichtausihmweitreichendeVorgabenfürdieverschiedenenPolitikfelderab� UnserebisherigenUntersuchungenhabengezeigt,dassdiebesserenArgumentefüreinezurück-haltendeInterpretationdesGrundsatzessprechen,dadiesernuranzweiStellendesGrundgesetzes 1 Prof�Dr�WinfriedKluth,AssessorTomKarlSoller,Dipl�-Jur�AnjaNitschke,Dipl�-Jur�JuliaEichler,cand�jur�AnneBernstein lehrenundforschenanderJuristischenundWirtschaftswissenschaftlichenFakultätderMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg� ErfolgreicheAntworten setzeneinangemessen strukturiertes Steuerungsinstrumentarium voraus

Anpassung regional wirksamer

Steuerungsinstrumente auf Grund

des demographischen Wandels

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imZusammenhangmitderWahrnehmungderkonkurrierendenGesetzgebungskompetenzdurch denBund(Art�72Abs�2GG)sowieimZusammenhangmitdemLänderfinanzausgleicherwähnt wird�ÜberdiesenengenBereichhinauskommtdemGrundsatzdeshalbnureinepolitischeLeitbild-funktionzu,diedenGesetzgeberaberveranlassthat,denGrundsatzineinzelnenRechtsgebieten aufzugreifen,z�B�inderRaumordnung(§1Abs�2ROG)� ImRahmenderweiterenAusarbeitungenwirdnunimEinzelnenzuzeigensein, • welcheSteuerungsimpulsevondemGrundsatzderGleichwertigkeitderLebensverhältnisse ausgehenund • wieerfürdieverschiedenenuntersuchtenPolitikbereichebereichsspezifischkonkretisiertwer-denkann� ZudiesemZweckwirdeinGewichtungsmodellentwickelt�DiesessolleinenVergleichvonLebens-situationenermöglichen,diedurchunterschiedlicheStärkenundSchwächenindenbetroffenen Lebensräumengekennzeichnetsind�DabeiwirdeinemethodischeOrientierungamModellder Ökobilanzzugrundegelegt,beiderinähnlicherWeiseeineBilanzierungnichtvonvorneherein kompatiblerParameterermöglichtwird�Dabeigehtesz�B�darum,diemitderErrichtungeines WasserkraftwerksverbundenenVorteilefürdenKlimaschutzmitdenmöglichenNachteilenhin-sichtlichdesNatur-undArtenschutzesabzuwägen�EinesolcheAbwägungistnurmöglich,wenn beideBelangegewichtetwerden�InähnlicherWeisesollauchfürdenVergleichvonLebenssitu-ationeneinKriterienkatalogentwickeltwerden,dereinesolcheGewichtungunddamitineinem zweitenSchritteinevergleichendeBewertungermöglicht�

Alternativmodelle im Bereich der Schulträgerschaft und Schulformen

IneinemgesondertenThemenbereich„Bildung“wurdenFragenderSchulträgerschaftundSchul-formenbearbeitet�ZudiesemZweckerfolgtenimerstenSchritt [1]dieHerausarbeitungdesverfassungsrechtlichenundeinfachgesetzlichenRahmensund [2]dieVermessungderauf[1]basierendenGesetzgebungszuständigkeitenundverfassungsrecht-licheröffnetenweitenGestaltungsräume�ImErgebniswurdeeinweiterGestaltungsspielraum desLandesgesetzgebersfestgestellt� IneinemzweitenSchrittwurdeermittelt, [1] welcheAnforderungensichdurchdendemographischenWandelandieSchulträgerschaft stellen, [2] wiesichdieSchulformenmöglicherweiseverändernkönnenundwiedieseinWechselwirkungen zueinanderstehen� DabeiwurdezwischenverschiedenenRäumen,abhängigvonderBesiedlungsdichte,unterschieden� AlsErgebnisliegteinKatalogvonGestaltungsformenvor,dienuneinervertieftenempirischen AnalyseimHinblickaufKostenusw�unterzogenwerden� IneinemdrittenSchrittwurdeaufderBasiseinervergleichendenAnalyse,dieauchModelleaus anderenStaatenmitgeringerSiedlungsdichteberücksichtigt,nachMöglichkeitengesucht,den festgestelltenVeränderungenRechnungzutragen�EswurdenvorallemOrganisationsformen

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Anpassung regional wirksamer Steuerungsinstrumente auf Grund des demographischen Wandels 7 entdeckt,dieeinhöheresMaßanEigeninitiativederElternverlangenunddenGestaltungsspiel-raumderKommunenvorOrterhöhen�ZudemsinddieseModelleauchmitanderenAnforderungen andieAusbildungderLehrkräfteverbunden,würdenalsoaucheineAnpassungderStudienpläne voraussetzen�DerzeitwirdanderBewertungderverschiedenendiskutiertenModelleundder BeurteilungderFolgenfürdieSchulträgerschaftunddieSchulformengearbeitet�Auchfürdiesen BereichsolleinBewertungsmusterentwickeltwerden,dasdieVor-undNachteilederverschiedenen Lösungentransparentmacht�

Demographischer Wandel und Steuerungsinstrumente der

Raumordnung, Landesplanung und örtlichen Bauleitplanung

ImBereichdesRaumordnungs-undPlanungsrechtswirddenErfordernissendesdemographischen WandelsbereitsanvielenStellenzumindestverbalRechnunggetragen�Diesgiltfür • dengesetzlichenRahmen(Landesplanungsgesetz,Landesentwicklungsplan,Regionalpläne), • dieaufdieserGrundlageexistierendenFörderprogrammeund • dieFinanzierungderKommunen� VonbesondererBedeutungistindiesemZusammenhangdassog�Zentrale-Orte-Konzept(ZOK),das bereitsimRaumordnungsgesetzdesBundesverankertistundaufLandesebeneumgesetztwerden muss�DieRaumordnungswissenschafthatdasZOKindenletztenJahrenvordemHintergrunddes demographischenWandelsfortgeschrieben�Eswirdkünftigdarumgehen,dieseErkenntnissein diekonkretenPlanungeneinzubeziehen�RechtlichwirddabeidieFrageaufgeworfen,inwieweit derplanerischeGestaltungsspielraumdereinzelnenGemeindenbeschränktwerdendarf,umeine KonzentrationderInfrastrukturenaufdieZentralenOrtezugewährleisten� EinezweiteFragestellungbetrifftdieVerwaltungsstrukturen�DasLandSachsen-Anhalthatzwar durchdieGemeindegebietsreformdieMindestgrößederGemeindendrastischheraufgesetzt�Esist aberfraglich,obdieseReformausreicht,uminallenAufgabenbereichenleistungsfähigeStrukturen zuschaffen�Deshalbwirduntersucht,welcheSpielräumedasVerfassungsrechtfürdieEtablierung großräumigerkommunalerVerwaltungseinheiteneröffnet�DabeiwirdauchaufModelleanderer BundesländerBezuggenommen�

Handlungsoptionen

DiebisherigenUntersuchungsergebnissezeigen,dassderdemographischeWandelinvielenBerei-chenzueinerAnpassungvonZielvorgaben,LeitbildernundGestaltungsmöglichkeitengeführthat� Esgehtnundarum,diepassendenHandlungsoptionenfürdieverschiedenenAufgabenfelderund Räumezufinden�DazuwerdenbereichsbezogeneKriterienkatalogeentwickelt,mitderenHilfedie EntscheidungsfindungaufdenverschiedenenEbenenvonGesetzgebungundVerwaltungtrans-parentergesteuertwerdenkann� Fraglichist,obdie Gemeindegebietsreform ausreicht,uminallen Aufgabenbereichen leistungsfähigeStrukturen zuschaffen

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KlausFriedrich|SusanneKnabe|BarbaraWarner1

Suburbanisierung ist nicht auf Großstädte beschränkt

StädteundRegionenderneuenLändererfuhrenseitderWiedervereinigungtiefgreifendedemo-graphischeundsiedlungsstrukturelleUmbrüche�DieseUmbrücheübertreffeninihrerIntensität undKurzfristigkeitdiewestdeutschenErfahrungenbeiweitem�SoexpandiertenauchinSachsen-Anhaltwährendder1990erJahredieehemalskompaktenKernstädteimZugehochdynamischer AbwanderungvonGewerbeundBevölkerungindieUmlandgemeinden�BereitszurJahrtausend-wendewarderUmfangderStadt-Umland-Wanderungenjedochdeutlichabgeflacht�DieBilanzen zwischenFort-undZuzügensindmittlerweileweitgehendausgeglichen�DennochsinddieFolgen diesesProzessesmittel-undlangfristigauszweierleiGründenvonhoherBrisanz: • EinerseitsstelltderRückgangderNachfrageaufdemWohnungsmarktauchdiesuburbanen WohnstandorteSachsen-AnhaltsvorneueHerausforderungen� • AndererseitsstehendiewährendeinesrelativkurzenZeitraumserrichtetenmeistaltershomo-genenWohngebietevoreinemdemographischenUmbruch� VordiesemHintergrundstelltsichdieFrage,inwieweitdiesuburbangeprägtenWohnstandorte künftignochmarktfähigsind� 1 Prof�Dr�KlausFriedrich,Dr�SusanneKnabe,Dr�BarbaraWarnerlehrenundforschenamInstitutfürGeowissenschaften undGeographiederMartin-Luther-UniversitätHalle-Wittenberg� Diedemographischenund siedlungsstrukturellen Umbrücheübertreffen inihrerIntensitätund Kurzfristigkeitdie westdeutschenErfahrungen beiweitem

Demographischer Wandel in

suburbanen Räumen

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Demographischer Wandel in suburbanen Räumen 9 Burg Wittenberg Jessen (Elster) Haldensleben Wernigerode Stendal Halberstadt Genthin Quedlinburg Querfurt Zerbst Salzwedel Gardelegen Aken (Elbe) Zeitz Thale Eisleben Naumburg (Saale) Calbe (Saale) Aschersleben Roßlau (Elbe) Schönebeck (Elbe) Bitterfeld Oschersleben (Bode) Köthen (Anhalt) Bernburg (Saale) Wolmirstedt Wolfen Staßfurt Sangerhausen Blankenburg (Harz) Weißenfels Hettstedt Merseburg (Saale) Tangermünde Bad Dürrenberg Dessau Magdeburg Halle (Saale) Gemeindenmitsuburban geprägten Wohnstandorten* (GB31�12�2001) Gemeinden**ohne suburban geprägteWohnstandorte (GB31�12�2001) Städtemitmehrals 10�000Einwohnern (1991;GB31�12�2001) Großstädtemitmehr als100�000Einwohnern (1991;GB31�12�2001) Kreisgrenzen (GB31�12�2010) Gemeindegrenzen (GB01�01�2011) *Wohnstandortemitmehrals10 nach1990errichtetenWohneinheiten **Gemeinden,dielautStatistik 1991–2001wenigerals15fertiggestellte Wohneinheitenaufwiesen bzw�nachKartierung2010/11 keinenWohnstandortmit10oder mehrneuenWohneinheiten GB-Gebietsstand Abbildung 2:

Kategorisierung der Gemeinden in Sachsen-Anhalt (Quelle:eigeneErhebungen2010und2011) Bearbeitung:S�Knabe,Sozialgeographie, Inst�f�Geowissenschaftenu�Geographie 0 5 10 20 30 40 km

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ZunächsterfolgteeineErhebungallersuburbangeprägtenWohnstandorteinSachsen-Anhalt�In dieseÜberprüfungwurdenca�1050(potenzielle)Neubaugebiete–meistamRandebestehender Ortschaften–einbezogen�Solchemitmehrals10Wohneinheitenwerdenanhandinfrastruktureller undbaulich-strukturellerAusstattungsmerkmalehinsichtlichihrerAttraktivitätalsWohnstandorte fürderzeitigeundzukünftigeNutzergruppenbewertetundtypisiert�Diesbetrifftinsgesamt728 Wohnstandortein414Gemeinden�ErstmalswirddamiteinÜberblicküberdieRisikolagensubur-banerQuartiereimgesamtenBundeslandgewonnen� ImRahmenvonmehralseintausenddurchgeführtenHaushaltsinterviewswurdedieEinstellung derBewohnerzurderzeitigenundkünftigenEntwicklungihrerWohngebieteerhoben�Ausden AntwortenerschließensichwichtigeInformationenbeispielsweisezurWohn-undLebensqualität, zurStandortverbundenheitsowiezumkünftigenUmgangmitdemeigenenImmobilienbesitzim hohenAlter� DieAuswertungkommunalerStrukturdatenbelegteinenunterschiedlichenAlterungsverlaufin GemeindenmitundohnesuburbangeprägtenWohngebieten: • SosinddiesuburbanenGemeindenzunächst(1991bis2001)wenigerstarkgealtertalsdienicht-suburbanen�DerAnteilderüber60-Jährigenstieglediglichum0,2%jährlich� • Zwischen2001und2007setztedannindensuburbanenGemeindeneineverstärkte,gleich-zeitigeAlterungderBevölkerungein�DieUrsachendafürwarenderÜbertrittderehemals durchschnittlich50-jährigenStadt-Umland-WandererindieAltersklassederüber60-Jährigen undderAuszugdererwachsengewordenenKinder�DieZahlderüber60-Jährigennimmtnun jährlichumfast0,5%zu� KünftigkanndieserProzesszuAbwertungenderQuartiere,NachfragerückgängenaufdemImmo-biliensektorundggf�(weiterem)Leerstandführen�

Gewährleistung stabiler regionaler Siedlungsnetze

UmvordemHintergrundfortschreitenderdemographischbedingterSchrumpfungundAlterung stabileregionaleSiedlungsnetzezugewährleisten,müssenmitBlickaufdiesuburbanenWohn-quartierefolgendeFragenuntersuchtwerden: • WiegestaltetsichderGenerationenwechselbzw�Immobilientransfer? • WelcheWohnstandortewerdenvonwelchenGruppennachgefragt? • WelcheWohnstandorttypenwerdenbesondersvonLeerstandbetroffensein? • WieistderzeitdieinfrastrukturelleAusstattungundAnbindunginsuburbanenWohnstandorten?

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Daseinsvorsorge und demographischer Wandel in peripheren Räumen

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Daseinsvorsorge und demographischer

Wandel in peripheren Räumen

Wie gehen die Betroffenen mit dem Ausdünnen sozialer Infrastruktur um?

UlrichBlum|GerhardHeimpold|WalterHyll|FranziskaJungermann|LutzSchneider1 PeriphereRegionensindangesichtswirtschaftsstrukturellerDefizitevonAbwanderungundGebur-tenrückgangbesondersbetroffen�SowerdenAnpassungendersozialenInfrastrukturerzwungen,die einerseitsderenTragfähigkeitsichernmüssen,inderenErgebnissichandererseitsjedochSchrump-fungsprozessewiederumweiterverstärkenkönnten�GenauandieserStellewirdhierangesetzt: • WiegehendiebetroffenenEinwohnerindenperipherenRäumenmitdemAusdünnensozialer Infrastrukturum? • AbwelchemPunktbewirkteinAusdünnenvonInfrastrukturüberhauptHandlungenderBürger? • WerdenSubstitutefürbisherige,abernichtmehrangeboteneöffentlicheInfrastrukturleistungen geschaffen,undwennja,welche?

Bürgerperspektive im Mittelpunkt

VorhandeneStudiensindsehrhäufignormativausgerichtetundwidmensichverschiedenenStra-tegienzurAnpassungandendemographischenWandel�DagegenbeantwortetunserProjektdie positiveFragenachdertatsächlichenReaktionderEinwohneraufdieinfrastrukturelleAusdünnung� DabeisindverschiedeneTeilaspektedesAnpassungsverhaltensderEinwohnerzuberücksichtigen: • dieNutzungderInfrastrukturenwirdreduziert; • gestiegeneKostenwerdeninKaufgenommen; • Substitutewerdengeschaffenund/oder • EinwohnerreagierendurchFortzug� DieInfrastruktureinrichtungen,beidenendieReaktionenaufeinAusdünnenuntersuchtwerden,sind Grundschulen,Kindertagesstätten,hausärztlicheVersorgungundöffentlicherPersonennahverkehr� UnternommenwerdenzweierleiAnalysen: • quantitativeAuswertungenvonWanderungsdatenbezüglichihrerReagibilitätaufVeränderungen derAusstattungmitdengenanntenArtensozialerInfrastrukturzumeinen; • eineeigeneErhebunginFormeinerBürgerbefragung,umAnpassungsreaktionenbeideninder RegionVerbliebenenaufreduzierteInfrastrukturangebotezuerheben,zumanderen� 1 ProfessorDr�Dr�h�c�UlrichBlum,Dr�GerhardHeimpold,Dr�WalterHyll,M�Sc�FranziskaJungermannundDr�Lutz SchneiderforschenamInstitutfürWirtschaftsforschungHalle(IWH),MitgliedderLeibniz-Gemeinschaft(WGL)� EswerdenAnpassungen dersozialenInfrastruktur erzwungen,diederen Tragfähigkeitsichern müssen,inderen Ergebnissichjedoch Schrumpfungsprozesse wiederumverstärken könnten

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DieBürgerbefragungwirddasermitteln,wasaufquantitativ-statistischemWegenichterfasst werdenkann� ErgänzendwerdenExpertenbefragungendurchgeführt,umherauszufinden,welcheErfahrungen bislangmitInfrastrukturanpassungenunterSchrumpfungsbedingungengemachtwurdenund welcheAnpassungsstrategienfürdieZukunftgesehenwerden�

uneinheitliche Anpassungen

Zunächstzeigtsich,dassdieAnpassungderInfrastrukturandemographischeGegebenheiten keineswegsgleichförmigverläuft�SoergibteineGegenüberstellung,wiesichdieAnzahlanGrund-schulen1995bis2006geänderthat,undderÄnderungdesAnteils6-bis10-Jährigerinnerhalb derBevölkerungfürdengleichenZeitraumzweierlei:Einerseitswirddeutlich,dassdieAnzahlan GrundschulenstarkmitderBevölkerungskohorteder6-bis10-Jährigenkorreliert�Andererseits verläuftderRückganganGrundschulenkeineswegslinearmitdemKohortenschwund� NochdeutlicherwirddiesbeispielsweisebeieinemVergleichderLandkreiseJerichowerLandund Köthen�WährendbeideKreiseeinenRückgangder6-bis10-Jährigenum48Prozentaufweisen, schlosseninKöthenzwischen1995und200616ProzentderGrundschulen,inJerichowerLandjedoch 36Prozent�EbensoweistSchönebeckimVergleichzuSangerhauseneinenum17Prozentpunkte höherenGrundschulrückgangbeietwagleichemRückgangder6-bis10-Jährigenauf�Obdieun-einheitlicheAnpassungdersozialenInfrastrukturErgebnisunterschiedlicherAnpassungsprozesse oderbeispielsweisegeographischerBesonderheitenist,bleibtnochzuerheben�(Abb. 1) DieAnpassungder Infrastrukturan demographische Gegebenheitenverläuftin Sachsen-Anhaltkeineswegs gleichförmig

Abbildung 1: Veränderungsraten der Zahl der 6- bis 10-jährigen Einwohner und der Zahl der Grundschulen in den Kreisen Sachsen-Anhalts 1995 bis 2006 Quellen:DatendesStatistischenLandesamtesSachsen-Anhalt;eigeneBerechnungen; kartographischeDarstellung:MichaelBarkholz,IWH -55 -50 -45 -40 -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 -65 -60 -55 -50 -45 -40 -35 -30 Än de ru ng Gr un dsch ul en % Änderung 6-10 Jährige %

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Daseinsvorsorge und demographischer Wandel in peripheren Räumen 13

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kleinerals-58,0 -57,9bis-54,0 -53,9bis-50,0 -49,9bis-46,0 größerals-46,0 Veränderungsrate der6–10Jährigen 1995–2006 -50 -10 Grundschulen-Veränderungsrate

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WeilvomSchließenvonSchulenvielfachvoralleminperipherenRäumendurchvermehrteAb-wanderungbeziehungsweisefehlendeZuwanderungjungerFamilieneinIngangsetzeneiner Abwärtsspiralebefürchtetwird,wurdedieseFragemitvertiefendenregressionsanalytischen Methodenuntersucht�InderTatgeht,denAnalyseergebnissenzufolge,derZuzugvonFamilien mitjungenKindernnachderSchließungderletztenGrundschuleineinerGemeindesignifikant zurück�AllerdingsziehenauchwenigerFamilienfort�PerSaldozeigtsichalsospeziellbeijungen FamilienkeineSchrumpfung,diesichselbstverstärkt�

Handlungsoptionen

WennsichquantitativgesehendieEffektedurchdieSchließungderletztenGrundschuleinForm geringererZu-undgeringererAbwanderungenjungerFamiliengegenseitigaufheben,könnensich trotzdemKonsequenzenfürdieverbleibendeBevölkerungergeben: • Schulwegewerdenlänger, • eventuellverschlechternsichdieLeistungenderSchülerdurchdenWechselderSchule, • dieFunktionvonGrundschulenfürsozialeNetzwerkbildungenvonElternundalsPlattformdes lokalenMiteinandersgehtverloren� WennsichalsoSchließungenvonGrundschulendennochnichtvermeidenlassen,bestehtdieHe-rausforderungdarin,dieseunerwünschtenNebenwirkungenmöglichstgeringzuhalten,imFalle sichverlängernderSchulwegeetwadurchOptimierungderEinzugsbereichevonSchulenunddes Schulbus-Verkehrs�

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Der demographische Wandel als

Herausforderung für die effiziente

Bereitstellung kommunaler Leistungen

HeinzP�Galler|PeterBönisch|AnnetteIlly|LukasSchreier1

Sicherung kommunaler Leistungen

DieSicherungdesqualitativenundquantitativenNiveausöffentlicherLeistungenistvordemHin-tergrunddesdemographischenWandelsvonbesondererBedeutung,dageradedieöffentlichen LeistungeneinenwesentlichenEinflussaufdieMigrationsbewegungenhaben�Durchdenmassiven Bevölkerungsrückgang,verbundenmitdersichveränderndenBevölkerungsstruktur,bestehtinden nächstenJahrenvorallemeineHerausforderung:dieGewährleistungdermöglichsteffizienten ProduktioneinesverändertenGüterbündelsuntersichebenfallsgravierendveränderndenProduk-tionsbedingungen�DiesgiltinsbesonderefürdiekommunaleEbene: • ZumeinenwerdendortdiefürjungeundmobileBevölkerungsgruppenrelevanteInfrastruktur fürKinderbetreuungundGrundschulbildungsowiediefreiwilligenLeistungenimBereichdes SportsundderKulturbereitgestellt� • ZumanderenschlagendortauchdiesozialenAufgabenundInfrastrukturinvestitionenzuBuche, diefüreinealterndeBevölkerungbesondersrelevantsind� Daheristesnotwendigzuuntersuchen,wieGemeindenihrBudgetaufdieverschiedenenAufgaben- bereicheverteilenundvonwelchenFaktorendiesabhängt�DanebenistdieEffizienzderLeistungs-erbringungzuanalysieren�UmeinevergleichbareUntersuchungsgrundlagezuerhalten,verstehen wirunterGemeindensowohlEinheitsgemeindenalsauchVerwaltungsgemeinschaften(VWG), beidenendieLeistungserbringungzumTeilvonderVWG,zumTeilvondenMitgliedsgemeinden organisiertwird�DurchdieseUnterscheidungkönnenauchdieEffektesolcherunterschiedlicher kommunalerOrganisationsstrukturenanalysiertwerden�

Wie haushalten Gemeinden?

UntersuchtwirddieBudgetverteilungvonGemeindenunterderBerücksichtigungdemographi-scherundinstitutionellerEinflussfaktoren�DabeiwerdendieEinnahme-unddieAusgabesituation simultanbetrachtet� DieverfügbarenMitteleinerGemeindesetzensichausexogenenEinnahmen(z�B�AnteileanEinkom-mens-undUmsatzsteuer)undendogenen,d�h�vonderGemeindeselbstbestimmten,Einnahmen 1 Prof�HeinzP�Galler,PeterBönisch,AnnetteIllyundLukasSchreierlehrenundforschenanderJuristischenund WirtschaftswissenschaftlichenFakultätderMartin-Luther-UniversitätHalle-Wittenberg� Geradedieöffentlichen Leistungenhabeneinen wesentlichenEinflussauf dieMigrationsbewegungen

Der demographische Wandel als Herausforderung für die effiziente Bereitstellung kommunaler Leistungen

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zusammen�DurchErhöhungderHebe-oderderGebührensätzesowiedurchdieMöglichkeit,Schul-denzumachen,könnendieVerantwortlichenihrBudgetzueinemgewissenTeilselbstfestlegen� AllerdingshindernrechtlicheRegelungendieGemeindedaran,sichunverhältnismäßigzuver-schulden�AuchkönnenGebührenaufgrundpolitischenWiderstandsnichtbeliebigerhöhtwerden� Daheristzuuntersuchen,welcheFaktorendenpotentiellenfinanziellenSpielraumeinerGemeinde beeinflussen� AufderAusgabenseitemüssenGemeindenbeiderErfüllungihrerAufgabengesetzlicheVorgaben beachten�Dieseführendazu,dassdieGemeindeninAbhängigkeitderGegebenheitenvorOrt(z�B� AnteilderKleinkinderanderBevölkerung)fürdieeinzelnenBereicheMindestausgabentätigenmüs-sen�BeispielsweisesinddieGemeindenvomGesetzgeberverpflichtetworden,einausreichendes AngebotanKita-Plätzenbereitzustellen� ErstnachdemdieMindestausgabengewährleistetsind,kanneineGemeindedarüberentscheiden, wiesiedierestlichen„freien“Mittelverteilt�DieserfinanzielleSpielraumkannjedochnichtnur fürdieeinzelnenAufgabenbereicheverwendetwerden�VielmehrkönnendamitauchSchulden abgebautoderdieGebühren-bzw�Steuereinnahmenverringertwerden,indemhiernichtdiema-ximalmöglichenSätzebeschlossenwerden�FürwelcheFormderVerteilungsicheineGemeinde letztendlichentscheidet,hängtimverwendetenModellvongemeindespezifischenFaktorenab, etwaderAltersstrukturoderderArbeitslosenquote�

Wie demographische Variablen auf die Budgetverteilung wirken

Abb. 1gibteinenÜberblicküberdieerstenErgebnissefürdasJahr2004�DerdemographischeWandel wirdauchkünftigdazuführen,dasssowohlBevölkerungalsauchBevölkerungsdichtezurückgehen� DieErgebnissezeigen,dassdieVerwaltungsausgabenandieBevölkerungsveränderungenangepasst werden�SinktdieBevölkerungsgrößeimVergleichzumVorjahr,gehendieMindestausgabenfür Verwaltungzurück�Darüberhinauszeigtsich,dassimKindergarten-undGrundschulbereichdie MindestausgabenandieAnzahlderpotentiellenNutzerangepasstwerden�Allerdingssteigenmit abnehmenderBevölkerungsdichtediePro-Kopf-MindestausgabenfürKindertagesstätten,dadie EinrichtungenmöglicherweisenichtdieoptimaleGrößeerreichen�Außerdemwirddeutlich,dassdie GemeindennureinensehrgeringenTeilihrerfreienMittelfürdieKindertagesstättenaufwenden, derdarüberhinausnegativvomAnteilderüber65-Jährigenabhängt�

Handlungsoptionen: Regulierung überarbeiten,

Zusammenschlüsse überdenken

DieseErgebnisseliefernHinweisedafür,dassdieGemeindenkünftiggrößereSchwierigkeiten bekommenkönnten,ihreMindestausgabenzubewältigen�DarüberhinauswerdendieGesamt-ausgabenfürKindertagesstätten,dieimMitteletwa20%derGesamtausgabenausmachen, gemeindepolitischschwierigerdurchzusetzensein�QualifizierteKinderbetreuungkannjedoch einewichtigeVoraussetzungdafürsein,dieGeschwindigkeitdesdemographischenWandelsabzu-mildernoderdenSchrumpfungsprozessderBevölkerunginZukunftzustoppen�Eventuellkönnte eineLockerungderRegulierungvonKindertagesstättendenGemeindendabeihelfen,innovative

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Der demographische Wandel als Herausforderung für die effiziente Bereitstellung kommunaler Leistungen

BetreuungskonzeptezuimplementierenunddieAkzeptanzeinerqualifiziertenfrühkindlichen BildunginderGemeindezustärken�

FernerfindensichindieserAnalysekeineGrößenvorteilseffekte,sodassausGemeindezusam-menschlüssennichtunbedingteinekostengünstigereBereitstellungöffentlicherLeistungenzu erwartenist�

Abbildung 1: Das Budgetverhalten von Gemeinden in Sachsen und Sachsen-Anhalt 2004, Quelle:EigeneBerechnungen

VERWALtuNG KItAS ScHuLE / SoZIALES INFRAStRuKtuR ERHoLuNG MINDEStAuSGABEN

(die Prozentzahlen geben Anteile an den Gesamtausgaben im jeweiligen Bereich wieder)

• Bevölkerungsveränderung (-) • Dummy Sachsen-Anhalt (+) • Zentrum (+)

• Anteil 3- bis 6-Jähriger (+) • Bevölkerungsdichte (-) • Dummy Sachsen-Anhalt (-) • Anteil 6- bis 10-Jähriger (+) • Bevölkerungsdichte (+) • Zentrum (+) • Dummy Sachsen-Anhalt (-) • Bevölkerung (+) • Dummy Sachsen-Anhalt (+) • Bevölkerungsdichte (-) • Bevölkerung (+) • Zentrum (+) • Erholungsfläche (-) • Übernachtungen (+) 79,9% 89,3% 41,0% 71,3% 64,6% 22,1% 8,2% 28,2% 27,4% 14,1% FREIE MIttEL

(die Prozentzahlen geben den Anteil für die einzelnen Bereiche wieder) • VWG-Dummy (-)

• Wahlbeteiligung (+) • Arbeitslosenquote (+) • VWG-Dummy (-) • Anteil über 65-Jähriger (-) • Arbeitslosenquote (-)

• Wahlbeteiligung (-) • Arbeitslosenquote (+)

• Arbeitslosenquote (+)

• VWG-Dummy (+)

BuDGEt DER GEMEINDE ExoGENE EINNAHMEN

(gegeben) MAx. VERScHuLDuNG • exogene Einnahmen (-) • Dummy Sachsen-Anhalt (-)

MAx. GEBÜHRENHÖHE

Keine signifikanten Einflussgrößen

ÜBERScHuSS/ScHuLDENBEGRENZuNG

GEBÜHRENSENKuNG

28,8%

60,2% 11,0%

Wie kosteneffizient ist die kommunale Leistungserbringung?

Mittelseinernicht-parametrischenEffizienzanalyse(DEA)wirduntersucht,wiekostengünstig GemeindenkommunaleLeistungenbereitstellen�IneffizientisteineGemeindedann,wennsie imVergleichzuähnlichenGemeindenhöhereInputswiePersonal,Kapital,Betriebsmitteloder

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Vorleistungenbenötigt,umbestimmteOutputs(LeistungenfürGrundschülerundKinderinKin-dertageseinrichtungen,Gemeindestraßenusw�)bereitzustellen�

InAbb. 2sinddieEffizienzwertefürdieeinzelnenGemeindengeordnetnachderHöhegraphisch

dargestellt�DieGemeindenwerdenanhanddesAnteilsderimOrtlebendenPersonenüber65Jahre farblichunterschieden�EinEffizienzwertkleineralsEinsgibtan,mitwelchemAnteilderderzeitigen AusgabeneineGemeindedieaktuellenLeistungenbereitstellenkönnte�ImErgebniszeigtsich: ÜberdieHälfteder untersuchtenGemeinden erweistsichalseffizient

Abbildung 2: Effizienzwerte der Gemeinden in Sachsen-Anhalt 2004 (DEA) Quelle:EigeneBerechnungen Anzahlderüber  65-Jährigenander  Bevölkerungunter20% Anzahlderüber  65-Jährigenander  Bevölkerungüber20% Gemeinden Ef fiz ie nz w er t . 6 . 7 . 8 . 9 1 • ÜberdieHälftederGemeindenerweistsichalseffizient� • DerDurchschnittallerGemeindenbeträgt0,946�Dasheißt,dass95%derderzeitigenAusgaben aufderGemeindeebenegenügenwürden,umdiebereitgestelltenLeistungenzugewährleisten� • EinnichtunerheblicherTeilderGemeindenkönntedurcheinenbesserenRessourceneinsatz EinsparungenvonimEinzelfallbiszu44%erreichen�MeistliegtdasEinsparpotentialallerdings unter20%� • GemeindenmiteinemSeniorenanteilunter20%sindgeringfügigeffizienter,wasdarauf hindeutet,dasssichdiedemographischeAlterungungünstigaufdieEffizienzvonGemeinden auszuwirkenscheint� Imweiterenwirduntersucht,vonwelchenFaktorendieEffizienzderGemeindenabhängt�Beson-dereBerücksichtigungfindendabeidiedemographischeStruktur,vorallemderSeniorenanteil, BevölkerungsrückgangundBevölkerungsdichtesowiedieinstitutionellenRahmenbedingungen� DarauswerdensichdannHandlungsempfehlungenzumAbbauvonIneffizienzenableitenlassen�

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Altersgerechte und sichere

Mobilität in der Fläche



ChristianDiedrich|FranziskaWolf|KevinSchewel1

Verkehrsmittel und -nutzung

DieMöglichkeit,mobilundaktivzusein,istdienotwendigeVoraussetzungvielerAktivitäten: • SicherungdesLebensunterhalts, • Gesundheitsvorsorge, • Aus-undWeiterbildungoder • sozialeTeilhabevorallemältererMenschen� MobilitätbestimmtalsowesentlichdieLebensqualitätinjederAltersgruppe�Dabeiistzuberück-sichtigen,dassältereMitbürgerzumindestteilweiseandereMobilitätsbedürfnisseund-probleme habenalsjüngereGenerationen�ObundinwelchemUmfangdieMenschendiesemBedürfnis nachkommenkönnen,hängtnichtnurvondenzurVerfügungstehendenVerkehrsmittelnab� InsbesondereFaktorenwie • Gesundheitszustand, • Bewegungsfähigkeit, • kognitiveAufnahmefähigkeit, • persönlichesSicherheitsempfindenoderauch • Fahrkompetenz ermöglichenoderbeschränkendieMobilität�InderRegelgehenmitdemÄlterwerdenodermit gesundheitlichenProblemenkörperlicheundmentaleLeistungseinbußeneinher�Hingegenhaben jüngereBevölkerungsgruppenwieSchüler,AuszubildendeoderStudentenkaumProbleme,moderne TechnologienundGerätezurBeschaffungundVerbreitungvonInformationenzunutzen� WerdenzudemdieAnteilederverschiedenenVerkehrsartenandergesamtenVerkehrsleistung (Abb. 1)sowiedieAnteilederbenutztenVerkehrsmittel(Abb. 2)betrachtet,zeigtsich,dass

• zumeinendasAutodasbevorzugteVerkehrsmittelist,

• zumanderenjedochaltersgerechteundsichereMobilitätvoralleminderFlächenichtdurch einenVerkehrsträgeralleinerbrachtwerdenkann�

1 Prof�Dr�-Ing�ChristianDiedrich,Dipl�-Ing�FranziskaWolfundKevinSchewellehrenundforschenamInstitutfür

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Altersgerechte und sichere Mobilität in der Fläche

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  Abbildung 2: Genutzte Hauptverkehrsmittel2

GleichzeitigzeigenaktuelleUntersuchungen,dassinStädtenderöffentlichePersonennahverkehr (ÖPNV)häufigergenutztwird,währendinderFlächeWegeüberwiegendmitHilfedesIndividu-alverkehrs(IV)undsomithauptsächlichdemAutoerledigtwerden� ZurGestaltungeineraltersgerechtenundsicherenMobilitätinderFlächebestehtdieHerausforderung: • ineinerintermodalen–alsoverkehrsträgerübergreifenden–VerbindungvonIVundÖPNVauf dereinenSeitesowie • einerBerücksichtigungindividuellerBedürfnisseihrerNutzeraufderanderenSeite� EssollsoeinwirksamesMobilitäts-undVerkehrsmanagementgeschaffenwerden,dasdenAn-sprüchenallerVerkehrsteilnehmergerechtwird�

Mobilität und Möglichkeiten

ModerneKommunikationstechnologienstelleneingeeignetesMitteldar,umdieseBestrebungen umzusetzen:VonderFahrtvorbereitungüberdieFahrtdurchführungbishinzurFahrtabrechnung bestimmendieAusstattungundderAutomatisierungsgradderVerkehrsunternehmendieMög-lichkeitenderNutzer,dieVerkehrsangebotewahrzunehmen�DerzeitwirddasInternetvonden VerkehrsunternehmenzurDarstellung • vonstatischenFahrplänen,auchbekanntalsHaltestellenaushänge, • dynamischenFahrplanauskunftsabfragen, • InformationenzudengeltendenTarifenund 2 BeideAbbildungenausBundesministeriumfürVerkehr,BauundStadtentwicklung(Hg�):MobilitätinDeutschland 2008�StudiedesInstitutsfürangewandteSozialwissenschaft(infas)unddesDeutschenZentrumsfürLuft-und Raumfahrt(DLR),Berlin2010�

Abbildung 1: Anteile der verschiedenen Verkehrsarten (modal split) von 1976 bis 2008

ÖPV MIV-Fahrer MIV-Mitfahrer Fahrrad zuFuß Wege,ModalSplit-Anteilein%,Personenab10Jahren (Quelle:DIW–VerkehrinZahlen,eigene Berechnungen,bis1990nurWestdeutschland) 34 32 37 41 45 44 43 29 27 22 23 24 14 14 16 15 9 11 13 10 13 8 9 10 11 9 10 10 8 9

KoNtIV 1976 I KoNtIV 1982 I 1990 (ViZ) I MoP 1998 I MiD 2002 I MiD 2008 8 44 16 9 23 9 43 15 10 24 15 36 13 10 27 6 45 16 10 22 6 46 16 10 23 2002 2008 Kernstädte verdichtete ländliche

Kreise Kreise

Wege,Skalain%

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• zumAnbieteneinerflexiblenBedienunginFormvonRufbussen genutzt�DasMobiltelefonwirdhäufigüberdengewöhnlichenAnrufhinausnichtunterstützt� VielfachsindesnurdiegrößerenVerkehrsunternehmenbzw�Verkehrsverbünde,diedieFähigkeiten dermobilenEndgerätenutzen� NebendenmobilenAuskunftsmöglichkeitensinddynamischeFahrgastinformationendazugeeignet, stetsaktuelleDatenzudenFahrtzeitenanzuzeigenundaufFahrplanabweichungenhinzuweisen� DieseGerätesindjedochimwesentlichennuranVerkehrsknotenpunktenmithohemFahrgastauf-kommenundehernichtinländlichenRegioneninstalliert�DerEinsatzeinesleistungsfähigen rechnergestütztenBetriebsleitsystems,dasdieUmsetzungderangebotenenDiensteermöglicht, istessenziell�DiesesLeitsystemstelltvielfacheinegrößereInvestitiondar,dievonkleinerenVer-kehrsunternehmennichtgetragenwerdenkann�AuchdieKommunikationvondenZentralen derVerkehrsunternehmenzudeneingesetztenFahrzeugenmusseffizientgestaltetwerden�Der AusstattungsgradvariiertimBundesgebiet • voneinerSprechfunkverbindung • übereineGPS-OrtungderFahrzeuge • bishinzuFunkdatenübertragungenundVisualisierungenaufeigenenBordcomputernoderPDAs� DerKaufvonFahrtticketsundZeitkartenerfolgtinderRegelbeimFahrpersonaloderanAutomaten, dieandenHaltestellenmontiertoderimFahrzeugselberangebrachtsind�DieseVariantenkönnen jedochauchdurchtechnischunterstützteVerfahrenergänztwerden,beispielsweiseviaeTicket miteinerBezahlunganvorinstalliertenTerminalsoderviaHandy�DieseDienstewerdenbereits durchdenVerbandDeutscherVerkehrsunternehmeninderVDV-Kernapplikationstandardisiert�

chancen der demographischen Entwicklung

InländlichstrukturiertenGebietenisteinNahverkehrsangebotwieinBallungsräumennichtmöglich� DiegeringeSiedlungsdichteunddiebegrenzteBündelungsfähigkeiteinzelnerMobilitätswünsche stehendementgegen�ImErgebnissinktdieNachfragenachöffentlichenVerkehrsleistungen,und dieErträgederVerkehrsunternehmengehenzurück�3 SinkendeEinnahmenzwingenzueinerRedu-zierungdesVerkehrsangebotes,waswiederumzuweiterenFahrgastrückgängenführt� NebenderräumlichunterschiedlichenNachfrageänderungnehmendurchdiestärkereAusdif-ferenzierungderLebensstileauchdieZeitengeringererNachfragetendenziellzu�Heutesindzu jederTages-undNachtzeitGruppenderBevölkerungunterwegs�Gleichzeitigergebensichaus derdemographischenEntwicklungaberauchChancen�DassichstarkveränderndeMobilitäts-verhaltenunddiesteigendenAnsprüchebesondersderSeniorenkönnenzueinerverstärkten Verkehrsnachfrageführen�DiesemussmitgeeignetenAngeboten,insbesondereimöffentlichen Verkehr,befriedigtwerden�

3 MOVE – Mobilitäts- und Versorgungserfordernisse im strukturschwachen ländlichen Raum als Folge des

Strukturwandels�Zwischenbericht1,InstitutfürVerkehrswesenundInstitutfürRaumplanungundLändliche NeuordnungderUniversitätfürBodenkultur,Wien2000� SinkendeEinnahmen zwingenzueiner Reduzierungdes Verkehrsangebotes,was wiederumzuweiteren Fahrgastrückgängenführt

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Altersgerechte und sichere Mobilität in der Fläche 23 HandyTicket eTicket Deutschland Beidesverfügbar Nicht flächendeckend

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InzwischenstehenmitdenneuenMedien–Mobiltelefon,Internet,dynamischerFahrgastinformation usw�–MittelzurVerfügung,diedieBestellungunddenBetriebvonflexiblenÖPNV-Angebotenin derFlächeerleichtern�IndividuellemaßgeschneiderteLösungenfürjedenlokalenEinzelfallhaben aberauchihreTücken:DieMarktkommunikationunddieFahrgastinformationbenötigensehrviel Sorgfalt,ErfahrungundgeeignetetechnischesowieadministrativeInfrastrukturen� DurchVeränderungenderSiedlungsstrukturen,aberauchdurchveränderteMobilitäts-undInfor-mationsgewohnheitenwerdeninZukunftneueHerausforderungenaufalleAkteurezukommen, dieVerkehrsleistungenanbietenoderüberdasAngebotdesöffentlichenVerkehrsentscheiden� DiezunehmendeMotorisierungderBevölkerungunddiestarkrückläufigenSchülerzahlenführen zueinerReduzierungdesFahrgastaufkommens�DiedarausresultierendenEinnahmeverlustebei denVerkehrsunternehmenwerdenvonderVerknappungderöffentlichenZuschüssebegleitetund verschärfendieGesamtsituationzusätzlich: • EinerseitsbegrenztdieangespannteHaushalts-bzw�WirtschaftslagederLeistungsbesteller (öffentlicheHand,Landkreise,Kommunen)undderLeistungserbringer(Verkehrsunternehmen) zwardieMöglichkeitenzumErhaltundzurErweiterungderInfrastrukturimÖPNVmerklich� • AndererseitswerdendieAnbieteraberauchherausgefordert,sichverstärktmitneuenInfor-mations-undKommunikationstechnologien(IKT)undAngebotsstrategienzubeschäftigen� NebendentechnischenVoraussetzungenindenZentralenmussvorallemdasNutzerverhalten geprüftwerden�DurchinteraktiveWorkshopskönnenNutzerundAnbieterineinenDialoggebracht werden,umdiegegenseitigenAnforderungenabzustimmen�HaltensichAngebotundNachfrage nichtdieWaage,kanneszuBeeinträchtigungeninderMobilitätoderzuÄnderungenimMobi-litätsverhaltenkommen�NichtimmeraberistdasfehlendeAngebotdieUrsache;häufigliegen InformationenzumbestehendenAngebotnichtvorodersindnichtingeeigneter(altersgerechter) Formverfügbar�HierkönneninnovativeDienstesowieInformations-undKommunikationstech-nologienunterstützen� Esbleibtfestzustellen,dassdietechnischeAusstattungderVerkehrsunternehmenzwischenden GroßstädtenundVerkehrsverbündenunddenVerkehrsunternehmenderwenigerbewohntenaber großflächigenKreisezumTeilstarkvariiert�DenbesonderenHerausforderungenaufdemLandwird derzeitprimärnochmitkonzeptuellenMaßnahmenbegegnet�ZudiesenoftflexiblenBedienformen zählenbeispielsweiseRufbusangeboteundKonzepte,dieaufbürgerlichemEngagementbasieren� DieKombinationsolcherAngebotemitmodernentechnologischenVerfahrenwarbisherselten GegenstandvonUntersuchungen�

Das Projekt ASIMoF

DaVerkehrsdatennurverteiltaufverschiedenstenDatenquellenzurVerfügungstehen,müssen diesezusammengeführtwerden,damitsiemitdenNutzeranfragenübereingebrachtwerden können�DafüristdieWahleinergeeignetenZwischenschichtalsInformationsmittlernötig�Zu diesemZwecksolleinStandardgewähltwerden,dervomopenURC-Konsortium(UniversalRe-moteConsole)verbreitetwird,dersogenannteURC-StandardISO/IEC24752�DieserStandardteilt dieBesonderheit,dasseinSystemmitNutzerschnittstelleimMittelpunktsteht,welchesanden NutzeranforderungenÄltererausgerichtetwerdenkann�

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Altersgerechte und sichere Mobilität in der Fläche 25 ImMittelpunktdesmethodischenAnsatzesstehtderinformierteMensch,deraufgrundvonqualita-tivhochwertigen,barrierefreizugänglichenInformationenseineMobilitätswünschebedarfsgerecht umsetzenkann�Durcheinverbessertes,altersgerechtesInformationsangebotfürFahrgästesowie durchgezielteNutzerassistenzundReisebegleitungkönnenZugangshemmnisseimÖPNVabge-bautunddasindividuelleSicherheitsempfindengesteigertwerden�DasGesamtzieldesProjektes ASIMOF(AltersgerechteundsichereMobilitätinderFläche)bestehtdarin,dieRahmenbedingungen systematischzuanalysierenundzubewerten,diefürdieGewährleistungeineraltersgerechtenund sicherenMobilitätinSachsen-Anhaltnötigsind�DanebenwirdeinintegriertesInformations-und Kommunikationskonzept4entworfenundpilothafterprobt,dasdieFähigkeitenderrelevanten Zielgruppen–Senioren,SchülerundAuszubildende–berücksichtigt(Abb. 4)� 4 U�Jumar/A�Herrmann/W�Gaeltzner:Mobilitäts-undVerkehrsinformationenfürdieRegionMagdeburg�24�Forum „KommunikationundNetze“desDeutschenStädtetages,Stuttgart,19�–20�04�2007,TagungsbandaufCD�

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AlsgrundlegendeVoraussetzungfüreinfunktionierendesMobilitätsmanagementsollendazu praxisnaheKonzeptefüreineflächendeckende,sichereundqualitativhochwertigeErfassungund barrierefreieBereitstellungvonInformationenzuunterschiedlichenVerkehrsmittelnentwickelt undumgesetztwerden�DamitsollenverschiedeneArtenvonAuskunfterteiltwerdenkönnen:über • StausundBehinderungen, • Baustellen, • Reisezeiten, • Umleitungen, • Abfahrtszeiten, • AnschlussqualitätfürdenöffentlichenPersonennah-undIndividualverkehr� DabeiwerdenstrategischeKonzepteetabliert,dieimZusammenwirkenmitregionalenundüber-regionalenForschungskooperationspartnernentwickeltwerden�„Altersgerecht“beziehtsichdabei nichtausschließlichaufdieGruppederSenioren�EbensoschließtesjungeMenschenwieSchüler undAuszubildendeein,diehinsichtlichderFahrgastzahlengegenwärtigdiewichtigsteZielgruppe derimländlichenRaumagierendenÖPNV-Unternehmensind� DurchdieAnwendungmodernerKonzepteundMethodenderInformations-undKommunikati-onstechnologienwerdenimProjektunteranderem • ZugangshemmnissezumÖPNVabgebautsowiediezielgruppen-undbedarfsgerechteFahr-gastinformationverbessert, • dieAttraktivitätdesÖPNVerhaltensowieKomfortundSicherheitfürKundinnenundKunden weiterausgebaut, • dieIntegrationvonMobilitätsinformationenindieBetriebsleitzentralenderVerkehrsunterneh-mengefördert, • dieMobilitätundErreichbarkeitfürMenschenmitundohneAutosichergestelltsowie • innovativeMobilitätskonzepte(flexibleBedienformen,Tür-zu-Tür-Reiseplanung,Fahrradverleih-systemeusw�)untersuchtundbewertet� AnforderungenundVoraussetzungenbesondersbezüglichaktuellerKommunikationskonzepte sollendurchdenaktivenDialogzwischenAnbieternundNutzernermitteltundabgestimmtwer-den�DasProjektASIMOFwirdsodurchdiezielgerichteteNutzungvonSchlüsseltechnologieneinen praxisnahenBeitraghinsichtlicheineszukunftsfähigenÖPNVbesondersinvomdemographischen WandelbetroffenenGebietenleisten�

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Schulfahrt – Demographiefeste Schulstandortplanung und -zuwegung im ÖPNV

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Schulfahrt – Demographiefeste

Schulstandortplanung und -zuwegung im ÖPNV

LotharKoppers|HolgerBaumann|ThomasWeichert|VolkerHöcht1

Problemstellung

VordemHintergrunddesdemographischenWandelsführenrückläufigeSchülerzahlenzuAuslas- tungsproblemenunddamitverbundenenStandortveränderungenvonpädagogischenEinrichtun- gen�EineflächenhafteBildungsversorgungstehtineinemSpannungsfeldzwischenAuslastungs-problemenundindividuellenZeit-bzw�FahrtaufwendungenderSchülerundentsprechenden Fahrtkosten�EinweitererwesentlicherAspektindiesemUmfeldistdieKostenstrukturfürden BetriebundUnterhaltderjeweiligenSchulstandorte–auchbezogenaufSanierungs-undInstand-haltungszyklenderjeweiligenGebäude�Zielistes,durchVorausberechnungderBedarferechtzeitig Planungsgrundlagenzuschaffen,umaufdiesichänderndenRahmenbedingungenzureagieren� AufdieserBasiskönnenkonkreteMaßnahmenfüreinedemographiefesteSchulplanungergriffen werdenundeinedengeändertenBedingungenangepassteZuwegungimÖPNV(Öffentlicher Personennahverkehr)erfolgen� DasProjekt„Schulfahrt“leistethiereinenBeitrag • durchdieEntwicklungeinesVerfahrenszurcomputergestütztenOptimierungzurVerbesserung vonSchulstandortenundSchuleinzugsbereichensowie • derErreichbarkeitderSchulenmitdemÖPNV� UntersuchungsregionsinddieStadtDessau-RoßlauunddiesieumgebendenLandkreiseAnhalt-BitterfeldundWittenberg�

Datenbasis

ZurBearbeitungdesProjektesistdieErfassungundAufbereitungnotwendigerDatenerforderlich� DazugehörenunteranderemBushaltestellen,Fahrpläne,Schulstandorte,Schülerzahlenundderen Vorausberechnung�DerAufbaueinesNetzwerkesdirektbeteiligter,regionalerPartnerausVerwal-tungundWirtschaftunterstütztdasProjektnichtnurmitDaten,InformationenundHinweisen, sondernermöglichtauchkurzeKommunikationspfadeundAbstimmungen� 1 Prof�Dr�-Ing�LotharKoppers,Prof�Dr�-Ing�HolgerBaumann,M�Eng�ThomasWeichertundDipl�-Geogr�VolkerHöcht lehrenundforschenamInstitutfürGeoinformationundVermessungderHochschuleAnhalt,StandortDessau-Roßlau� Eineflächenhafte Bildungsversorgungsteht imSpannungsfeldzwischen Auslastungsproblemen, Zeitaufwendungender Schülerundentsprechenden Fahrtkosten

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SowerdendiePositionsdatenallerÖPNV-Haltestellen(BusundBahn)inderUntersuchungsregion erfasst�InAbb. 1sindalsBeispielnebenStraßenundausgewähltenOrtendieBushaltestellenim

LandkreisWittenbergdargestellt�

WeitereDatenbasenwerdenvondenPartnernNahverkehrsserviceSachsen-AnhaltGmbH,Dessauer VerkehrsbetriebembH,VetterBusunternehmenGmbH,DeutscheBahnAGzurVerfügunggestellt� EinetechnischeBesonderheitistdieEntwicklungeinerSoftwarezurflächenhaftenBerechnung vonFahrtdauernimÖPNV�EinenEindruckdeshierzuerwartendenErgebnisseszeigtAbb. 2� Darin

istdieberechneteFahrtdauerfürdieSchülerderGemeindeMuldestauseezudenumliegenden GymnasieninSachsen-Anhaltabgebildet�DieunterschiedlichenFarbenderStraßenzeigendieauf ihnenjeweilsnotwendigeFahrtzeit�DieErgebnissederFahrtzeitberechnungsindGrundlagefürdie AnalyseunddieOptimierungdeszeitlichenAufwandsfürdenindividuellenSchulweg�Eswerden veränderlicheAspekte,wiegesetzlicheRahmenbedingungen,aberauchKapazitätsfragenindie

Abbildung 1: Bushaltestellen im Landkreis Wittenberg

0 1 2 4 6 8

N

Bushaltestelle Bundesstraße Straße Vegetation Fluss km

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Schulfahrt – Demographiefeste Schulstandortplanung und -zuwegung im ÖPNV 29 Berechnungintegriert�MitdeminnovativenAnsatzeinerausdemUmfeldsozialerNetzwerke stammendenDatenbanklässtsichdasBusliniennetzeffektivabbilden�DamitkönnenErreichbar-keitenebensowiesozialeVerbindungenabgebildetwerden� DieÖPNV-läufigeErreichbarkeitandererInfrastrukturen,wieöffentlicheEinrichtungen,Ärzteoder Banken,umnureinigezunennen,kannmitdemProgrammzurFahrzeitberechnungebenfalls optimiertwerden�

Erwartete Ergebnisse

DurcheinezusammenfassendeBetrachtungsweisederUntersuchungsparameterdemographische EntwicklungundVorausberechnung,SchulplanungunddesÖffentlichenPersonennahverkehrs lassensichZusammenhängeerkennenundaufzeigen�EswerdenSzenarienentwickelt,welche dieseZusammenhängewiderspiegelnundmöglicheVeränderungenabbilden�Dieeinfließenden

Abbildung 2: KFZ-läufige Erreichbarkeit von Gymnasien für einen teil des untersuchungsgebietes (hier bezogen auf die Gemeinde Muldestausee im Landkreis Anhalt-Bitterfeld)

0 1 2 4 Gewässer Ortschaften UmlandMuldestausee GemeindeMuldestausee Sachsen bis5min* bis10min* bis15min* bis20min* bis25min*

N

Gymnasium *Fahrtdauerzum nächstenGymnasium km G

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ParameterwerdendazuinihrerGewichtungvariiert�Sokönnen„Waspassiert,wenn…“-Fragestel-lungenuntersuchtundbeantwortetwerden� DieimProjektgewonnenenErkenntnissewerdenpraktischgenutzt�DerLandkreisWittenbergwird dieErgebnissefürdiemittelfristigeSchulentwicklungsplanungeinsetzen�Mitgeringerenzeitlichen AufwendungenfürdenSchulwegwirdderZugangzuQualifikationerleichtert�DieBildungschan-censteigen�DainSachsen-AnhaltderBuslinienverkehrmitdemBusschülerverkehrverbundenist, sindauchVerkehrsunternehmenandenErgebnisseninteressiert�Anregungenfüreinoptimiertes LiniennetzoderdieLagevonHaltestellensindBeispieledafür�Durchdiedemographieorientierte BetrachtungdesSchülerverkehrssindAussagenüberzukünftigeAuslastungenvonBussenoder BuslinienmöglichunddamitbereitsimVorfeldandieSituationangepasstePlanungendurchführbar� DieErgebnissewerdenfürdieVerwendungindigitalenKarteninsogenanntenGeoinformati-onssystemen(GIS)aufbereitet�DurchdenräumlichenBezugeinesGISkönnendieResultateund AuswirkungenaufdieRegiondiskutiertunderläutertwerden�Entscheidungsträgerkönnenschnell notwendigeInformationenerfassenundfürweiterePlanungsvorgängenutzen�

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Arbeitsplätze für die Zukunft

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Arbeitsplätze für die Zukunft

Die Bedeutung des demographischen Wandels für kleine und mittelständische unternehmen

WalterThomi|JanaMeyer|FlorianRingel1 DieAuswirkungendesdemographischenWandelsfürkleineundmittelständischeUnternehmen (KMU)sindfürdasLandSachsen-Anhaltbislangnurunzureichendthematisiertundanalysiert� ZugleichhatdieAuswertungstatistischerDatenergeben,dassHandlungsbedarfjedochdringend besteht:DasDurchschnittsalterdersozialversicherungspflichtigenBeschäftigtenistindenletz-tenJahrenebensowiedasDurchschnittsalterderBevölkerungstarkangestiegen�AuchderAnteil ältererSV-BeschäftigternimmtimGegensatzzudenjüngerenBeschäftigtendeutlichzu�(Abb. 1)

Abbildung 1: Entwicklung der Altersstruktur der SV-Beschäftigten (BundesagenturfürArbeit,eigeneBerechnungen)

1 Prof�Dr�WalterThomi,Dipl�-Geogr�JanaMeyerundDipl�-Geogr�FlorianRingellehrenundforschenamInstitutfür GeowissenschaftenundGeographieanderMartin-Luther-UniversitätHalle-Wittenberg� Sachsen-Anhaltskleine undmittelständische Unternehmensindsich derAuswirkungendes demographischenWandels aufihrewirtschaftliche Situationnichtvollends bewusst 60bis<65  DurchschnittsalterBevölkerung 50bis<60  DurchschnittsalterSVB 40bis<50 30bis<40 15bis<30 Al te r i n J ah re n An te il i n P ro ze nt 55 50 45 40 35 30 I 1999 I 2000 I 2001 I 2002 I 2003 I 2004 I 2005 I 2006 I 2007 I 2008 I 2009 I 2010 I 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0%

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InwiefernsichkleineundmittlereUnternehmeninSachsen-AnhaltdieserEntwicklungbewusstsind undwiesieihrbegegnen,wirdindenbeidenThemenschwerpunktenälterwerdendeBelegschaften sowieälterwerdendeKundschaftumfassenduntersucht�ZentraleAusgangspunktesinddabei: • Sachsen-AnhaltsKMUsindsichderAuswirkungendesdemographischenWandelsaufihre wirtschaftlicheSituationnichtvollendsbewusst�DaherwerdenbishernurwenigeMaßnahmen getroffen,umeinedemographiefesteBelegschaftaufrechtzuerhalten� • NebenderVerfügbarkeitvonqualifiziertenFachkräftenstelltdieWeitergabevonfirmenspezi-fischemWissendasgrößteProblemdar� • AngebotevondiversenNetzwerken,diedenAuswirkungendesdemographischenWandels begegnen,werdennurweniggenutzt� • KleinereUnternehmenstellensichDemographiefragenselteneralsgrößereUnternehmen� • DieUnternehmenhabendiezukünftigveränderteNachfragestrukturunddasAusmaßdes PotenzialsderAnpassungihrerProduktenochnichterkannt� • EinegezielteAnspracheältererKunden(„Seniorenmarketing“)erfolgtbisherweitgehendnicht, undselbstwenndiesgeschieht,steigertdiespezielleKennzeichnungderProdukteundDienst-leistungenfürSeniorennichtautomatischdieAttraktivitätdesAngebots� ImRahmenderUntersuchungwerden10%derkleinenundmittlerenBetriebeSachsen-Anhalts zudiesenThemenbefragt�HierfürwurdenvondenIndustrie-undHandelskammern(IHK)sowie denHandwerkskammern(HWK)AdresslistenfürdieAuswahlderUnternehmenzurVerfügung gestellt�FürdieAuswahlderbefragtenUnternehmenwurdendieKriterieninsoferngestellt,dass dieStichprobebezüglich • Beschäftigtengrößesowie • ZugehörigkeitzumWirtschaftssektor repräsentativist� FürdieUntersuchungwurdeinAbsprachemitdenKammerneinFragebogenerstellt�DieBe-fragungenwurdennachintensiverSchulungmit15InterviewernperTelefondurchgeführt�Die GeschäftsführungoderPersonalabteilungwerdenindenca�15MinutendauerndenInterviewszu folgendenThemenblöckenbefragt: • Betriebskennzahlen, • betriebsinternedemographierelevanteMerkmaleundOptionen,welchedieBelegschaftbetreffen, • NachfrageveränderungenundPotentialeder„Seniorenwirtschaft“� UmMöglichkeitendesUmgangsmitdemdemographischenWandelzuverdeutlichen,werden nebendenTelefoninterviewsweitereAnalyseschritteunternommen: • WeiterführendeTiefeninterviewsmitausgewähltenUnternehmen,diefürdieFragestellungals besondersrelevanterscheinen, • VernetzungmitanderenProjekten,dieFragenzurdemographischenEntwicklungbearbeiten (z�B�„LernenvorOrt“inDessau-Roßlau), • KooperationmitdenKammerndesLandes(IHKs,HWKs,KammernFreierBerufe), • ExperteninterviewsmitMitarbeiternderInitiativeNeueQualitätderArbeit(INQA)undUnter-nehmen,diefürihreBest-Practice-Beispieleausgezeichnetwurden�

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Arbeitsplätze für die Zukunft 33 DieKombinationderForschungsmethodenermöglichtsomiteineumfassendeUntersuchung derUrsachen,WirkungenundKonsequenzendesdemographischenStrukturwandelsfürkleine undmittlereUnternehmeninSachsen-Anhaltindenbeidenerwähntenkorrespondierenden Schwerpunktbereichen� InengerZusammenarbeitmitdenbetroffenenUnternehmenwerdenausdenUntersuchungser-gebnissenherausHandlungsempfehlungenerstelltundentsprechendeErgebnissezurVerfügung gestellt�

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Wahrnehmung, Einstellung und Verhalten

in altersdiversen Belegschaften

ManfredBecker|CindyKownatka1

Ältere am Arbeitsmarkt

EntgegenderNotwendigkeit,ältereArbeitskräfteansichzubinden,beschäftigen41Prozentder UnternehmeninDeutschlandkeineMenschen,dieälterals50Jahresind�Sielassendamitökonomi- schesPotenzialinerheblichemMaßeungenutzt�Tatsacheist,dassnegativeEinstellungengegen-überälterenArbeitskräftenkonkreteAuswirkungenaufdiePersonalarbeitinUnternehmenhaben� Bereitsvormehrals30Jahrenwurdenachgewiesen,dassältereArbeitskräfteaufgrundnegativer AltersstereotypewenigerhäufigfürMaßnahmenzurBeförderungoderQualifizierunginBetracht gezogenwerden�2 AuchaktuellrichtetsichdiePersonalpolitikhäufiganStereotypenundVorur-teilenaus�EineBefragungder100größtendeutschenUnternehmenbestätigt,dass68Prozent derbefragtenPersonalvorständeerwarten,dassdurchdieAlterungderBelegschaftenProbleme auftretenwerden,dieeineVeränderungderbisherigenPersonalarbeiterfordern�Trotzdeserkann-tenProblemdrucksplanenjedochnurachtProzentderbefragtenUnternehmenMaßnahmenzur ErhöhungderBeschäftigungsquoteältererMenschen�3 VorurteileüberdasAlteralsDefizitsindnachwievorbzw�mehrdennjevorhanden�Entgegen aktuellenStudienheißtes:Ältereseiengenerellwenigerleistungsfähig,wenigerinnovativund wenigerbelastbaralsJüngere�4StereotypeundVorurteile,diedurcheineempirischnichthaltbare DefizithypothesedesAlternsbegründetwerden,könnenhandlungsleitendwerdenundzualters-diskriminierendemVerhaltenführen�DiesbestätigenBerichteausderPersonalpraxis�Nurjedes fünfteUnternehmenbot2008Mitarbeiternab50JahrenaltersspezifischePersonalmaßnahmen an�LediglichsiebenProzentbezogenältereBeschäftigteinWeiterbildungsmaßnahmenein�Und nursechsProzentderUnternehmenhattenaltersgemischteArbeitsgruppen�5 1 Prof�Dr�ManfredBeckerundDipl�-Psych�CindyKownatkalehrenundforschenamInstitutfürBetriebswirtschaftslehre, OrganisationundPersonalwirtschaftderMartin-Luther-UniversitätHalle-Wittenberg� 2 B�Rosen/T�H�Jerdee:Theinfluenceofagestereotypesonmanagerialdecisions,in:JournalofAppliedPsychology,Vol� 61,1976,S�428–432� 3 F�G�Becker/R�Bobrichtchev/N�Henseler:ÄltereArbeitnehmerundalterndeBelegschaften�EineempirischeStudie beiden100größtendeutschenUnternehmen,in:ZeitschriftfürManagement1/2006,S�70–89� 4 B�Neubach/C�Roth/J�Wegge/K�-H�Schmidt:AltundJungineinemTeam�WiewirktsichAltersdiversitätaufdie Arbeitsleistungaus?,in:Wirtschaftspsychologieaktuell4/2006,S�37–40� 5 L�Bellmann/U�Leber:BetrieblicheWeiterbildung�InderKrisebleibtdasBildzwiespältig,in:IAB-Forum1/2010,S�16–19� 41ProzentderUnternehmen inDeutschlandbeschäftigen keineMenschen,dieälter als50Jahresind�Sielassen damitökonomisches Potenzialinerheblichem Maßeungenutzt Nurjedesfünfte Unternehmenbot2008 Mitarbeiternab50 Jahrenaltersspezifische Personalmaßnahmenan

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Wahrnehmung, Einstellung und Verhalten in altersdiversen Belegschaften 35 FasstmandieseBefundeunddenBedarfzusammen,sostelltderUmgangmiteineralterndenund schrumpfendenErwerbsbevölkerungeineenormeHerausforderungdar�DieRealisierungflexibler undandieAltersdiversitätangepassterMaßnahmenistunumgänglicheVoraussetzung,umdem demographischenWandeloptimalzubegegnen�

Wahrnehmung, Einstellung und Verhalten in altersdiversen

Belegschaften (Projekt AgeDiversityManagement II)

DasHauptaugenmerkdiesesForschungsprojektesliegtin • derUntersuchungdesZusammenhangszwischendemLebensalterundderWahrnehmung subjektiverAltersgrenzensowie • derEinstellunggegenüberdemLebensalterund(alters-)diskriminierendenVerhaltenstendenzen� (Abb. 1) DieMerkmalewerdenineinerschriftlichenBefragungerhoben,diesichinzweiAbschnitteglie-dert�DerersteAbschnittbefasstsichmitderVerhaltensabsichtundstelltmethodischdiegrößte Herausforderungdar�DazuwirdeinemProbandeneinebestimmteSituationbeschrieben,umso EinflussfaktorenaufseinVerhaltenermittelnzukönnen�SowerdenimRahmeneinerSituations-beschreibungvierPersonentypenvorgestellt:einejungeFrau,einjungerMann,eineältereFrau undeinältererMann�DieProbandenmüssensichfüreinederPersonenentscheiden,diesieals geeigneteKandidatinbzw�alsgeeignetenKandidatenauswählen�DerzweiteAbschnittderBe-fragungerfasstsoziodemographischeDaten,dieindividuelleDefinitionvonAltersgrenzensowie StereotypeundEinstellungengegenüberjüngerenundälterenArbeitskräften� ZusätzlichwerdensozialerwünschteAntworttendenzenüberprüft,daVorurteilegegenüberälteren Menschensozialsanktioniertseinkönnenunddamiteventuellgeleugnetwerden�

Diversity Management (Projekt DIM-PRAx)

DiversitätbezeichnetdasFaktum,dassdieArbeitsweltvielfältiger,heterogener,‚bunter‘wird�Di-versityManagementbeschreibtdasBemühenvonPersonenundInstitutionen,dasjeweilskonkrete OptimumanHeterogenitätundHomogenitätzufindenundzugestalten�Dieentsprechenden KonzeptesinddabeiGrundlagederoptimalenGestaltungvonFlexibilität,KreativitätundInnova-tionsfähigkeit�DiepersonaleVielfaltspielteineentscheidendeRolle�Zieleinesleistungsfähigen DiversityManagementsmussessein,dasbetriebswirtschaftlicheOptimumpersonalerAusstattung

SuBJEKtIVE WAHRNEHMuNG VoN ALtERSGRENZEN

EINStELLuNGEN GEGENÜBER ÄLtEREN uND JÜNGEREN (ALtERS)DISKRIMINIERENDES VERHALtEN Abbildung 1: untersuchungsmerkmale LEBENSALtER DieUmsetzungvon Diversity-Strategienträgt häufigFassadencharakter: EswerdenMaßnahmen unternommen,dieaus betrieblichenGründen ohnehinhäufigetabliert sind

Abbildung

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Referenzen

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