Sinn und Folgen von Strafen

Volltext

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Feinplanung Lebenskunde Namen

Raphaela Kunz, Sandra Zimmermann,

Claudia Meier, Guido Neidhart Lektion 1

Grobziel: Sinn und Folgen von Strafen beurteilen

Zeit (Min.) Sozialform Inhalt Mittel/Bemerkungen

15’ PA Plakat in Mindmap-Form:

- 1. Ast: Definition Strafe (was ist eine Strafe?) - 2. Ast: Wie sähe eine Welt ohne Strafen aus? - 3. Ast: verschiedene Wörter mit „Strafe“ finden - 4. Ast: verschiedene Formen von Strafen

Jede Gruppe erhält ein Plakat und Stift

 EA Während dem Herstellen des Plakates gehen die Sch einzeln kurz aus dem Schulzimmer, um ungestört den Fragebogen auszufüllen. Sie kreuzen in einer Liste, in welche sich alle eintragen, nur an, ob eine Aussage stimmt oder nicht stimmt. Daraus ist ersichtlich, ob die Sch unterschiedliche oder einheitliche Ansichten haben. Die LP kann während der nächsten Phase den Fragebogen auswerten. Sie schaut, in welchen Fragen Diskussionsstoff liegen könnte.

Fragebogen:

Kopiervorlage 29a-b aus "Schritte ins Leben" (Klett-Verlag)

Download unter www.zebis.ch

10’ EA

Plakate werden im Schulzimmer aufgehängt. Die Sch können im

Schulzimmer umhergehen und die verschiedenen Plakate durchlesen und anschauen. Sie machen sich Gedanken zum Gelesenen.

Flächen/ Plätze zum aufhängen

10’ KU, Kreis

Die Klasse bildet einen Kreis um zu diskutieren. In der Diskussion geht es um den Austausch der Plakate. Die Sch sollen anderen Gruppen Fragen stellen können. Die Diskussion dient der Reflexion und dem Austausch. Inputs:

- Habt ihr Fragen zu einem Plakat? Ist euch etwas unklar? - Welche Ansichten würdet ihr nicht vertreten?

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- Was hat euch an gewissen Plakaten gestört?

- War etwas auf den Plakaten, was euch vorher nicht bewusst war? - Was hat euch speziell gut gefallen?

- Welchen Gedanken würdet ihr sofort unterstützen?

10’ KU, Kreis

Die LP wechselt die Diskussionsgrundlage, indem sie einige interessante Punkte aus dem Fragebogen in die Runde gibt (Fragen, die sehr

unterschiedlich beantwortet wurden). Die Sch argumentieren für oder gegen eine Aussage. Sie haben die Möglichkeit Stellung zu beziehen.

Diskussionskreis Liste der Reslutate

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Feinplanung Lebenskunde Namen

Raphaela Kunz, Sandra Zimmermann,

Claudia Meier, Guido Neidhart Lektion 2

Grobziel: Sinn und Folgen von Strafen beurteilen

Zeit

(Min.) Sozialform Inhalt Mittel/Bemerkungen

10’

10’

KU

- Die SCH schauen als Einstieg einen Ausschnitt aus dem Film „Die Schule der Grosseltern: Griffel, Schwamm und Schiefertafel“, welcher die Schulstrafkultur von früher zeigt.

- Anschliessende Diskussion: „Was haltet ihr von der früheren Schulstrafkultur? Welche Unterschiede / Gemeinsamkeiten zur heutigen Strafkultur konntet ihr feststellen?“ → LP hält die Antworten stichwortartig an der WT fest.

„Welche Strafkultur findet ihr besser (früher / heute)? Braucht es überhaupt Strafen?“

Film SF DRS: Im Zentrum der fiktiven Geschichte stehen SCH einer Gesamtschule der 30er Jahre und ihr Lehrer. Aufgezeigt werden typische Unterrichtsszenen, im Unterricht verwendete Hilfsmittel und damals vorherrschende Unterrichts- und Erziehungsmethoden. 5’ 10’ KU GA

- Buch: Schritte ins Leben S. 124 Kunterbuntes Strafregister: SCH lesen das Strafregister durch und die LP will anschliessend von ihnen wissen, welche Strafen sie als sinnvoll / sinnlos halten. Sie sollen ihre Antworten begründen.

- LP formiert die Klasse zu vier 5-er Gruppen und teilt jeder Gruppe eine Folie aus, auf der folgende Regelverstösse stehen:

1. Hausaufgaben nicht gemacht 2. Zu spät in die Schule gekommen

3. Stören des Unterrichts (schwatzen, Aufgaben nicht lösen,

Buch Schritte ins Leben

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10’

KU

Brieflein schreiben etc.) 4. Bei einer Prüfung spicken 5. Mitschüler/innen plagen

6. Rauchen oder Alkohol auf dem Schulgelände konsumieren Jede Gruppe soll über diese Regelverstösse diskutieren und ihrer Meinung nach sinnvolle Strafen auf die Folie schreiben.

- Ein Gruppenmitglied wird ausgewählt und präsentiert anschliessend ihre Ergebnisse.

- Diskussion → was halten die SCH von den verschiedenen vorgeschlagenen Strafen? (ev. kann die LP auf die Vorschläge eingehen und das eigene Strafsystem anpassen)

HP

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Feinplanung

Lebenskunde

Namen

Raphaela Kunz, Sandra Zimmermann,

Claudia Meier, Guido Neidhart Lektion 3

Grobziel: Sinn und Folgen von Strafen beurteilen

Zeit (Min.) Sozialform Inhalt Mittel/Bemerkungen

5’ KU Die Lehrperson fasst mit Hilfe der Schüler die gesehenen Szenen aus dem Film (2. Lektion) zusammen.

10’ GA

Es findet ein Austausch zwischen den Schülerinnen und Schüler in Gruppen statt. Die Schüler sollen die Aussagen ihrer Interviewpartner vergleichen. Welche Aussagen stimmen mit dem Film überein, welche nicht? Die Schüler sollen solche Aussagen auf Zettel schreiben und diese an der Wandtafel befestigen.

Interview der Schüler

5’ KU Die Schülerinnen und Schüler lesen die Aussagen und wenn nötig, werden einige noch besprochen.

5’ EA Die Schülerinnen und Schüler lesen den Text durch. Schritte ins Leben (S.123)

10’ PA

Fragen zum Text mit dem Pultnachbarn besprechen und auf ein Blatt notieren.

 Warum bestrafen Eltern ihre Kinder so verschieden?  Welche anderen Lösungen als Strafen gibt es?  Was fühlt man, wenn man jemanden bestraft?

 Wie kann man sich gegen ungerechte Strafen wehren?  Wann wird eine Strafe als gerecht, wann als ungerecht

empfunden?

10’ EA

Verschiedene Situationen im Alltag. Wie würden die Schülerinnen und Schüler handeln, wenn sie Eltern wären?

Die Sch. füllen das Blatt aus und geben es der Lehrperson ab.

Arbeitsblatt: Wie würdest du handeln.

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Feinplanung Lebenskunde Namen

Raphaela Kunz, Sandra Zimmermann,

Claudia Meier, Guido Neidhart Lektion 4

Grobziel: Sinn und Folgen von Strafen beurteilen

Zeit (Min.) Sozialform Inhalt Mittel/Bemerkungen

Exkurs Todesstrafe! Das Ziel dieser Lektion ist, dass die Schüler noch eine weitere Dimension von Strafe kennenlernen, über den Sinn & Unsinn dieser Strafe diskutieren können und sich eine eigene Meinung dazu bilden

5’

Einführung: „Was wisst ihr schon über die

Todesstrafe?“, „In welchen Ländern wird sie noch verhängt?“

Stichworte auf Plakat festhalten.

Die Sch. sollen gedanklich in das Thema hineingeführt werden

15’ KU Film „Paula Cooper“ schauen

Video « Strafe », von Amnesty International Diskussionsvideo für Schule und

Jugendarbeit, ausleihbar in Bibliothek Sentimatt Luzern

10’ GA Gedanken über den Film in der Gruppe zusammentragen

Die Klasse wird in 4-er Gruppen eingeteilt Die Sch. sollen Gefühle & Empfindungen, die das Video ausgelöst hat, austauschen. Was empfinden sie für Paula, was für den Staatsanwalt? Ist der Bericht neutral? Wenn nicht: welche Position zeigt er?

(weitere Ideen im Beiheft zum Film)

15’ KA Diskussion über den Film

Die Sch. sollen die Gedanken, die sie sich in der Kleingruppe gemacht haben, in die Klasse bringen und über den Sinn & Unsinn der Todesstrafe diskutieren.

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Feinplanung Lebenskunde Namen

Raphaela Kunz, Sandra Zimmermann,

Claudia Meier, Guido Neidhart Lektion 5

Grobziel: Sinn und Folgen von Strafen beurteilen

Zeit (Min.) Sozialform Inhalt Mittel/Bemerkungen

20’ GA

Internetsuche: In welchen Ländern ist die Todesstrafe verboten? (Ist einfacher in die Weltkarte einzutragen, da es viel mehr Länder gibt, die die Todesstrafe noch verhängen)

Die Sch. suchen in Partnerarbeit diese Infos in Internet und tragen die

gefundenen Daten auf einer Weltkarte ein. Sie können sich so ein gutes Bild davon machen, in wie vielen Ländern die Todesstrafe noch üblich ist.

20’ KA Podiumsdiskussion

jeder Sch. erhält ein Blatt mit Argumenten für pro & contra, die Schüler werden in diese 2 Lager zugelost. Evt. Kurz

Gruppenbesprechung.

Wichtig: den Schülern bewußt machen, daß sie eine Rolle spielen & nicht ihre persönliche Meinung vertreten sollen.

5’ Den Sch. die 2 Seiten mit den Argumenten von amnesty

international austeilen

Soll den Abschluss bilden, die Sch. sollen sehen, dass die Todesstrafe nicht mit den Menschenrechten

übereinstimmt und dass es auch sonst viele Argumente gegen die TS gibt.

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Strafen: Fragebogen

Wie würdest du handeln, wenn du Mutter bzw. Vater wärst?

 Dein Kind kommt eine Stunde zu spät nach Hause.

______________________________________________________________  Die Hausaufgaben wurden von deinem Kind mehrmals nicht gelöst und du

hast vom Lehrer einen Brief erhalten.

______________________________________________________________  Dein Kind schwänzt die Schule.

______________________________________________________________  Dein Kind spielt draussen Fussball, anstatt die Küche aufzuräumen.

______________________________________________________________  Es herrscht Unordnung im Kinderzimmer.

______________________________________________________________  Du erwischst dein Kind beim Rauchen.

______________________________________________________________  Dein Kind braucht Kraftausdrücke und Schimpfwörter.

______________________________________________________________  Dein Kind stiehlt dir 10Fr. aus dem Portemonnaie.

______________________________________________________________

Welche Strafen findest du in Ordnung, welche nicht? Wieso?

 Anschreien

 Taschengeld kürzen  Schweigen

 Ohne Essen ins Bett schicken  Strafarbeiten aufgeben  Ohrfeige  Fernsehverbot  Hausarrest Antwort:_____________________________________________________________ ___________________________________________________________________ ___________________________________________________________________ ___________________________________________________________________ ___________________________________________________________________

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Die Todesstrafe

amnesty international

ai-Journal

Mai 1998

Pro und Contra

In einer Übersicht stellt das ai-JOURNAL die wichtigsten und häufigsten Argumente für sowie die überzeugendsten Argumente gegen die Todesstrafe vor.

1) Die Todesstrafe ist abschreckender als jede andere Strafe

Die abschreckende Wirkung der Todesstrafe konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Keine Statistik kann dokumentieren, daß es einen Zusammenhang zwischen der Todesstrafe und einem Rückgang der Kriminalität gibt. In den US-Bundesstaaten mit Todesstrafe ist die Zahl der Tötungsdelikte nicht niedriger als in denen ohne - in vielen ist sie sogar höher. Im

benachbarten Kanada, das 1976 die Todesstrafe abgeschafft hat, ist die Mordrate so niedrig wie noch nie und viel niedriger als in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Abschrecken könnte die Todesstrafe nur bei gezielten Verbrechen. Die meisten Morde geschehen aber im Affekt, im Streit oder aufgrund einer psychischen Erkrankung. Diese Mörder denken während der Tat nicht über mögliche Folgen nach, so daß ihre Verbrechen auch nicht zu verhindern sind. Und die vorsätzlichen Mörder rechnen in seltensten Fällen damit, gefaßt zu werden.

Statt eine abschreckende hat die Todesstrafe eher eine verrohende Wirkung. Kriminologen beklagen, daß Hinrichtungen die Schwerstkriminalität sogar fördern. Wenn selbst der Staat tötet, zeigt er, daß er das Töten billigt.

2.) Die Todesstrafe beugt weiteren Straftaten vor.

Ein toter Mörder kann nicht noch einmal morden - dieses Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Demgegenüber steht die Tatsache, daß auch ein Mörder ein Recht auf Leben hat. Außerdem ist es fraglich, ob die psychische Notsituation, in der viele Morde geschehen, sich wiederholen wird. Die Rückfallquote bei Tötungsdelikten beträgt nach Beendigung einer Haftstrafe ein bis drei Prozent. Viele Mörder haben deshalb die Möglichkeit zur

Rehabilitierung. Gleichzeitig steht eines außer Frage: Mörder verdienen eine Bestrafung. Und vor Menschen, die eine Gefährdung für die Allgemeinheit darstellen, muß die Gesellschaft geschützt werden. Dazu bedarf es aber nicht der Hinrichtung.

3) Zum Tode Verurteilte "verdienen" die Todesstrafe.

Auch Mörder haben das in der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" garantierte Recht auf Leben. Ein von Angehörigen der Opfer geäußerter Wunsch nach Vergeltung ist zwar menschlich verständlich, doch Richter müssen nach rechtsstaatlichen Grundsätzen urteilen, die bewußt dem Einfluß des "gesunden Volksempfindens" entzogen worden sind. Mit einem griffigen Slogan haben amerikanische Todesstrafengegner das Argument der

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Rache widerlegt: "Warum töten wir Menschen, die Menschen getötet haben? Um zu zeigen, daß es Unrecht ist, Menschen zu töten?"

Ein wichtiges Argument ist außerdem die Gefahr eines Fehlurteils. Kein Rechtssystem ist unfehlbar. Es gibt zahlreiche Beispiele für Justizirrtümer. Bei Todesurteilen ist das besonders schlimm, weil Hinrichtungen nicht rückgängig gemacht werden können. In den USA werden gelegentlich Menschen aus dem Todestrakt entlassen, weil ihre Unschuld nachgewiesen werden konnte. Andere werden hingerichtet, obwohl erhebliche Zweifel an ihrer Schuld bestehen. Die Wahrheit kommt nach der Hinrichtung nur selten an die Öffentlichkeit. 4) Die Todesstrafe ist gerecht.

Töten ist nie gerecht, auch nicht, wenn es staatlich angeordnet wird. Und auch die

Anwendung der Todesstrafe ist nicht gerecht. In den USA beispielsweise wird die Todesstrafe je nach Hautfarbe unterschiedlich angewendet. Ein Mord an einem Weißen zieht fast immer die Todesstrafe nach sich, bei einem Mord an einem Schwarzen ist die Wahrscheinlichkeit zehnmal seltener. Wer arm, schwarz und unterprivilegiert ist, den trifft die Todesstrafe. Wer reich und gesellschaftlich anerkannt ist, muß kein Todesurteil befürchten. In einigen Ländern wird die Todesstrafe zudem politisch mißbraucht, um Andersdenkende auszuschalten. Der Nigerianer Ken Saro-Wiwa ist nur ein Beispiel. Um eine weitere politische Arbeit gegen den Shell-Konzern zu verhindern, wurde er des Mordes bezichtigt, in einem unfairen Prozeß zum Tode verurteilt und hingerichtet.

5) Eine lebenslange Haftstrafe ist grausamer als eine Hinrichtung.

Eine Hinrichtung verletzt das Recht auf Leben, eine lebenslange Haftstrafe nicht. Das Leben im Todestrakt mit der Möglichkeit, am kommenden Tag eventuell hingerichtet werden zu können, ist viel grausamer als eine lebenslängliche Haftstrafe. Und wenn ein rechtsstaatliches Berufungsverfahren garantiert ist, dann leben die Todeskandidaten Jahre bis Jahrzehnte im Todestrakt.

6) Terroristen hinzurichten ist legitim.

Attentäter und Terroristen kalkulieren bei ihrem Handeln den Tod mit ein. Oft wird der Märtyrertod bewußt in Kauf genommen, so daß eine abschreckende Wirkung gerade bei politisch motivierten Tätern höchst unwahrscheinlich ist.

Die Todesstrafe:

• ist in 100 Ländern gesetzlich verankert und wird vollzogen

• ist in 27 Ländern gesetzlich verankert, wurde aber in den letzten 10 Jahren nicht

angewendet

• wird in 18 Ländern (darunter die Schweiz) nur im Kriegsfall angewendet. • ist in 35 Ländern vollständig abgeschafft

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Podiumsdiskussion

Pro

"Die Todesstrafe ist das einzige Mittel, die offensichtlich immer krimineller werdende Gesellschaft "in Schach" zu halten. Sie sollte auf einen viel breiteren Anwendungsbereich ausgedehnt

werden."

Contra

"Wir sind nicht Gott, also dürfen wir nicht über Leben und Tod entscheiden" "Soll Töten lehren, daß Töten falsch ist?"

„Ein Massenmörder verdient es, hingerichtet zu werden!“

Abbildung

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Referenzen

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