OPUS 4 | Wandel des Reiseverhaltens: Einfluss der Generationszugehörigkeit auf das Reiseverhalten der Deutschen

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Volltext

(1)

Wandel des Reiseverhaltens:

Einfluss der Generationszugehörigkeit auf das Reiseverhalten

der Deutschen

Von der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg zur Erlangung des Grades Doktorin der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

– Dr. rer. pol. – genehmigte

Dissertation

von Gina Wagener geboren am 31.07.1989

(2)

Eingereicht am: 09.06.2020

Mündliche Verteidigung (Disputation) am: 05.11.2020

Erstbetreuer und Erstgutachter: Prof. Dr. Edgar Kreilkamp Zweitgutachter: Prof. Dr. Torsten Kirstges Drittgutachter: Prof. Dr. Martin Lohmann

(3)

I

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ... V Tabellenverzeichnis ... VI Abkürzungsverzeichnis ... X 1. Einleitung ... 1

1.1 Gegenstand der Forschung ... 2

1.2 Ziel der Untersuchung ... 4

1.3 Eingrenzung ... 5

1.4 Vorgehensweise und Methodik ... 7

1.5 Stand der Forschung ... 10

2. Theoretische Grundlagen ... 17

2.1 Generationentheorien... 17

Grundlagen der Generationentheorie ... 18

2.1.1 2.1.1.1 Der Begriff der Generation ... 18

2.1.1.2 Entstehung einer Generation ... 20

2.1.1.3 Generationenidentität und –bewusstsein ... 23

2.1.1.4 Generationen und sozialer Wandel ... 24

2.1.1.5 Generationendifferenzen ... 26

2.1.1.6 Generationenbeziehungen ... 27

2.1.1.7 Kritik am Generationenansatz ... 29

Das Problem der Generationen (Karl Mannheim) ... 31

2.1.2 Die Generationendiagonale (Strauss und Howe) ... 36

2.1.3 Globale Generationen (Edmunds und Turner) ... 44

2.1.4 Studien zur Generationentheorie ... 50

2.1.5 2.2 Demographischer Wandel ... 54

Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ... 55

2.2.1 Folgen des demographischen Wandels ... 60

2.2.2 Bedeutung für den Tourismus ... 62

2.2.3 2.3 Lebensphasen... 65

Lebensphasentheorie ... 66

2.3.1 Lebensphasen und Alter ... 67

2.3.2 Wandel der einzelnen Phasen im Lebenslauf ... 69 2.3.3

(4)

II

2.3.3.1 Kindheit ... 69

2.3.3.2 Jugend und Postadoleszenz ... 70

2.3.3.3 Mittlere Lebensphase ... 72

2.3.3.4 Alter ... 75

3. Präsentation der Generationen ... 78

3.1 Einteilung ... 79

3.2 Einflüsse in der formativen Phase ... 82

Familie & Erziehung ... 83

3.2.1 Bildung ... 101

3.2.2 Technologie und Digitalisierung... 108

3.2.3 Wirtschaft und Gesellschaft ... 116

3.2.4 Kultur ... 125

3.2.5 3.3 Charakterisierung der Generationen ... 130

Eigenschaften und Werte der Generationen ... 131

3.3.1 3.3.1.1 68er ... 131

3.3.1.2 Babyboomer ... 135

3.3.1.3 Generation X ... 137

3.3.1.4 Generation Y ... 143

Privatleben und Familie ... 153

3.3.2 Arbeitswelt ... 160 3.3.3 Konsumverhalten ... 170 3.3.4 4. Reiseverhalten ... 180

4.1 Das aktuelle Reiseverhalten der Deutschen... 181

4.2 Reiseverhalten im Lebensverlauf ... 182

Reiseintensität und Reiseausgaben nach Lebensphasen ... 182

4.2.1 Merkmale des Reiseverhaltens nach Lebensphasen ... 186

4.2.2 4.2.2.1 Reiseverhalten Jugendlicher und junger Erwachsener ... 191

4.2.2.2 Reiseverhalten von Senioren ... 192

4.3 Generationen und Reiseverhalten ... 196

Bedeutung der formativen Phase für das Reiseverhalten von Kohorten ... 197

4.3.1 Kohorteneffekte beim Reiseverhalten... 199

4.3.2 4.3.2.1 Kohorteneffekte in anderen Ländern... 199

4.3.2.2 Kohorteneffekte in Deutschland... 200

(5)

III

Reiseverhalten der vier Generationen ... 204

4.3.3 4.3.3.1 Reiseinformation und Organisation ... 205

4.3.3.2 Merkmale des Reiseverhaltens ... 207

4.3.3.2.1 Vergleich verschiedener Generationen ... 207

4.3.3.2.1.1 Motive bei der Reiseentscheidung ... 207

4.3.3.2.1.2 Destinationswahl ... 208

4.3.3.2.1.3 Aktivitäten ... 210

4.3.3.2.2 Reiseverhalten einzelner Generationen ... 211

4.3.3.2.2.1 Babyboomer ... 211

4.3.3.2.2.2 Generation Y... 214

Reiseverhalten der deutschen Generationen ... 219

4.3.4 4.4 Einflüsse auf das Reiseverhalten im Zeitverlauf ... 224

5. Wandel des Reiseverhaltens ... 228

5.1 Hypothesen ... 228

5.2 Kohortenanalyse ... 231

Datengrundlage ... 236

5.2.1 5.2.1.1 Die Reiseanalyse ... 236

5.2.1.2 Methode der Reiseanalyse ... 236

5.2.1.3 Stichprobe... 238

Intrinsic Estimator ... 242

5.2.2 Methodisches Vorgehen ... 244

5.2.3 5.3 Darstellung der Ergebnisse ... 247

Vergleich von Mittelwerten ... 248

5.3.1 5.3.1.1 Verkehrsmittel ... 248

5.3.1.2 Unterkunft ... 251

5.3.1.3 Reisedauer ... 253

Ergebnisse des Intrinsic Estimators ... 254

5.3.2 5.3.2.1 Reiseintensität ... 257 5.3.2.2 Verkehrsmittel ... 258 5.3.2.3 Unterkunft ... 262 5.3.2.4 Reiseausgaben ... 268 5.3.2.5 Reisedauer ... 269 5.3.2.6 Destination ... 270 5.3.2.7 Reiseart ... 275

(6)

IV

5.3.2.8 Reiseorganisation ... 283

5.3.2.9 Reisebegleitung ... 284

5.3.2.10 Ergebnisse im Überblick ... 286

5.4 Interpretation der Ergebnisse ... 290

Reiseintensität ... 290 5.4.1 Verkehrsmittel ... 294 5.4.2 Unterkunft ... 300 5.4.3 Reiseausgaben ... 307 5.4.4 Reisedauer ... 309 5.4.5 Destination ... 311 5.4.6 Reiseart ... 317 5.4.7 Reiseorganisation ... 329 5.4.8 Reisebegleitung ... 331 5.4.9 5.5 Zusammenfassung der Ergebnisse... 332

5.6 Bewertung der Ergebnisse ... 337

5.7 Limitationen der Untersuchung ... 338

6. Ausblick auf das zukünftige Reiseverhalten ... 345

7. Implikationen für die Praxis ... 349

8. Beitrag zur Forschung und weitere Forschung ... 355

9. Fazit ... 357

Literaturverzeichnis ... 359

(7)

V

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die Generationendiagonale im 20. Jahrhundert ... 39

Abb. 2: Lebendgeborene und Gestorbene 1950 bis 2015 ... 57

Abb. 3: Kapitelübersicht. ... 78

Abb. 4: Urlaubsreiseintensität: Kohortenverläufe im Vergleich ... 201

Abb. 5: Anzahl der Befragten nach Forschungszeitraum ... 239

Abb. 6: Anzahl der befragten Generationenvertreter nach Forschungszeitraum ... 239

Abb. 7: Alter der Befragten ... 240

Abb. 8: Haushaltsgröße der Befragten ... 240

Abb. 9: PKW-Wahl der Generationen ... 248

Abb. 10: Flugzeug-Wahl der Generationen ... 249

Abb. 11: Bus-Wahl der Generationen ... 250

Abb. 12: Bahn-Wahl der Generationen ... 250

Abb. 13: Hotel-Wahl der Generationen ... 251

Abb. 14: Wahl der Generationen von Freunden und Verwandten als Unterkunft. ... 252

Abb. 15: Wohnwagen- und Wohnmobilwahl der Generationen ... 252

Abb. 16: Ferienhaus- und Ferienwohnungswahl der Generationen ... 253

Abb. 17: Dauer der Reise der Generationen ... 254

Abb. 18: Einfluss des Alters auf die Reiseintensität ... 257

Abb. 19: Alterseffekte bei der Wahl des Flugzeugs (1971 – 2012 / 1991 – 2012) ... 340

Abb. 20: Periodeneffekte bei der Wahl des Flugzeugs (1971 – 2012 / 1991 – 2012) .. 341

Abb. 21: Kohorteneffekte bei der Wahl des Flugzeugs (1971 – 2012 / 1991 – 2012) . 342 Abb. 22: Von der Diagonalen zum Generationenzyklus: 4 Generationentypen ... 383

Abb. 23: Die Generationendiagonale im 20. Jahrhundert ... 383

Abb. 24: Wahl des Flugzeugs als Verkehrsmittel nach Generationen im Zeitverlauf . 384 Abb. 25: Wahl des Hotels nach Generationen im Zeitverlauf ... 384

Abb. 26: Dauer der Urlaubsreise nach Generationen im Zeitverlauf ... 385

(8)

VI

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Familiäre Situation und Erziehung der vier Generationen ... 99

Tab. 2: Bildung der vier Generationen ... 107

Tab. 3: Technologische Entwicklungen während der formativen Phasen... 115

Tab. 4: Wirtschaft und Gesellschaft während der formativen Phasen ... 124

Tab. 5: Kultur während der formativen Phasen ... 130

Tab. 6: Eigenschaften und Werte der Generationen ... 152

Tab. 7: Privatleben der Generationen ... 160

Tab. 8: Die Generationen in der Arbeitswelt ... 168

Tab. 9: Konsumverhalten der Generationen ... 178

Tab. 10: Reiseverhalten der Generationen ... 222

Tab. 11: Effekteberechnung für die Reiseintensität ... 255

Tab. 12: Generationeneffekte bei der Reiseintensität. ... 258

Tab. 13: Generationeneffekte bei der PKW-Wahl. ... 259

Tab. 14: Generationeneffekte bei der Wahl des Flugzeugs. ... 260

Tab. 15: Generationeneffekte bei der Bus-Wahl ... 261

Tab. 16: Generationeneffekte bei der Bahn-Wahl. ... 262

Tab. 17: Generationeneffekte bei der Hotel-Wahl ... 263

Tab. 18: Generationeneffekte bei der Wahl eines Ferienhauses ... 264

Tab. 19: Generationeneffekte bei der Wahl einer Pension. ... 265

Tab. 20: Generationeneffekte bei der Wahl eines Privatzimmers ... 265

Tab. 21: Generationeneffekte bei der Wahl eines Zelts ... 266

Tab. 22: Generationeneffekte bei der Wahl eines Wohnwagens / -mobils. ... 267

Tab. 23: Generationeneffekte bei Freunde- und Verwandtebesuchen. ... 268

Tab. 24: Generationeneffekte bei den Reiseausgaben. ... 269

Tab. 25: Generationeneffekte bei der Reisedauer. ... 270

Tab. 26: Generationeneffekte bei der Wahl einer Destination in Deutschland ... 271

Tab. 27: Generationeneffekte bei der Wahl eines Ziels im europäischen Ausland. ... 272

Tab. 28: Generationeneffekte bei der Wahl eines Ziels außerhalb Europas ... 274

Tab. 29: Generationeneffekte bei der Wahl einer Erlebnisreise. ... 276

Tab. 30: Generationeneffekte bei der Wahl einer Vergnügungs-/Spaß-/Party-Reise. . 277

Tab. 31: Generationeneffekte bei der Wahl eines Strandurlaubs ... 277

(9)

VII

Tab. 33: Generationeneffekte bei der Wahl eines Familienurlaubs ... 279

Tab. 34: Generationeneffekte bei der Wahl eines Natururlaubs ... 279

Tab. 35: Generationeneffekte bei der Wahl eines Sport- bzw. Aktivurlaubs. ... 280

Tab. 36: Generationeneffekte bei der Wahl eines Gesundheitsurlaubs. ... 281

Tab. 37: Generationeneffekte bei der Wahl einer Kulturreise... 281

Tab. 38: Generationeneffekte bei der Wahl einer Rundreise. ... 282

Tab. 39: Generationeneffekte bei der Wahl einer Besuchsreise ... 282

Tab. 40: Generationeneffekte bei der Wahl einer Abenteuerreise ... 283

Tab. 41: Generationeneffekte bei der Wahl einer Pauschalreise ... 284

Tab. 42: Generationeneffekte bei der Begleiterzahl ... 285

Tab. 43: Ergebnisse der Hypothesentests ... 286

Tab. 44: Ergebnisse im Überblick ... 288

Tab. 45: Effekteberechnung für die Reiseintensität. ... 386

Tab. 46: Effekteberechnung für die Verkehrsträgerwahl: PKW. ... 390

Tab. 47: Effekteberechnung für die Verkehrsträgerwahl: Flugzeug. ... 394

Tab. 48: Effekteberechnung für die Verkehrsträgerwahl: Bus. ... 398

Tab. 49: Effekteberechnung für die Verkehrsträgerwahl: Bahn... 402

Tab. 50: Effekteberechnung für die Unterkunftswahl: Hotel. ... 406

Tab. 51: Effekteberechnung für die Unterkunftswahl: Ferienhaus/Ferienwohnung. ... 410

Tab. 52: Effekteberechnung für die Unterkunftswahl: Pension. ... 414

Tab. 53: Effekteberechnung für die Unterkunftswahl: Privatzimmer. ... 418

Tab. 54: Effekteberechnung für die Unterkunftswahl: Camping im Zelt... 422

Tab. 55: Effekteberechnung für die Unterkunftswahl: Wohnwagen/Wohnmobil. ... 426

Tab. 56: Effekteberechnung für die Unterkunftswahl: Freunde und Verwandte. ... 430

Tab. 57: Effekteberechnung für die Gesamtreiseausgaben pro Person. ... 434

Tab. 58: Effekteberechnung für die Reisedauer. ... 438

Tab. 59: Effekteberechnung für Inlandsreisen. ... 442

Tab. 60: Effekteberechnung für Reisen ins europäische Ausland. ... 446

Tab. 61: Effekteberechnung für Reisen ins außereuropäische Ausland. ... 450

Tab. 62: Effekteberechnung für Reisen nach Spanien. ... 454

Tab. 63: Effekteberechnung für Reisen nach Italien. ... 458

Tab. 64: Effekteberechnung für Reisen nach Frankreich. ... 462

Tab. 65: Effekteberechnung für Reisen nach Großbritannien. ... 466

(10)

VIII

Tab. 67: Effekteberechnung für Reisen nach Skandinavien... 474

Tab. 68: Effekteberechnung für Reisen in die Schweiz. ... 478

Tab. 69: Effekteberechnung für Reisen nach Griechenland. ... 482

Tab. 70: Effekteberechnung für Reisen nach Österreich. ... 486

Tab. 71: Effekteberechnung für Reisen in die Niederlande. ... 490

Tab. 72: Effekteberechnung für Reisen nach Portugal. ... 494

Tab. 73: Effekteberechnung für Reisen in die USA. ... 498

Tab. 74: Effekteberechnung für Reisen nach Südostasien. ... 502

Tab. 75: Effekteberechnung für Reisen in die Türkei. ... 506

Tab. 76: Effekteberechnung für Reisen nach Australien. ... 510

Tab. 77: Effekteberechnung für Reisen in die Karibik. ... 514

Tab. 78: Effekteberechnung für Reisen nach Nordafrika. ... 518

Tab. 79: Effekteberechnung für Reisen in das südliche Afrika. ... 522

Tab. 80: Effekteberechnung für Reisen nach Indien. ... 526

Tab. 81: Effekteberechnung für Reisen nach China. ... 530

Tab. 82: Effekteberechnung für Reisen nach Alaska. ... 534

Tab. 83: Effekteberechnung für Reisen nach Kanada. ... 538

Tab. 84: Effekteberechnung für Reisen nach Mittelamerika. ... 542

Tab. 85: Effekteberechnung für Reisen nach Südamerika. ... 546

Tab. 86: Effekteberechnung für Erlebnisreisen ... 550

Tab. 87: Effekteberechnung für Vergnügungsreisen. ... 554

Tab. 88: Effekteberechnung für Strandurlaube. ... 558

Tab. 89: Effekteberechnung für Erholungsurlaube. ... 562

Tab. 90: Effekteberechnung für Familienreisen. ... 566

Tab. 91: Effekteberechnung für Natururlaube. ... 569

Tab. 92: Effekteberechnung für Sporturlaube. ... 572

Tab. 93: Effekteberechnung für Gesundheitsreisen. ... 576

Tab. 94: Effekteberechnung für Kulturreisen. ... 580

Tab. 95: Effekteberechnung für Rundreisen... 584

Tab. 96: Effekteberechnung für Verwandten- und Bekanntenbesuche. ... 587

Tab. 97: Effekteberechnung für Abenteuerreisen... 591

Tab. 98: Effekteberechnung für Pauschalreisen. ... 595

Tab. 99: Effekteberechnung für die Reisebegleiterzahl (ohne Haushaltsgröße). ... 599

(11)

IX Tab. 101: Effekteberechnung für die Flugzeug-Wahl (1991 – 2012). ... 607 Tab. 102: Effekteberechnung für VFR-Reisen (1991 – 2012). ... 611

(12)

X

Abkürzungsverzeichnis

A Alterseffekt

Abb. Abbildung

ADAC Allgemeiner Deutscher Automobil-Club AIDS Acquired Immune Deficiency Syndrome APO Außerparlamentarische Opposition AStA Allgemeiner Studierendenausschuss BAFöG Bundesausbildungsförderungsgesetz BB Babyboomer BRD Bundesrepublik Deutschland bzw. beziehungsweise ca. circa CD Compact Disc

CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands CGLIM Constrained Generalized Linear Model CSR Corporate Social Responsibility

d. h. das heißt

DDR Deutsche Demokratische Republik

DM Deutsche Mark

et al. und andere

etc. et cetera

evtl. eventuell

FDP Freie Demokratische Partei

FOMO fear of missing out

G8 achtjähriges Gymnasium

GfK Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung GFM-GETAS Gesellschaft für Marketing-, Kommunikations- und

Sozialforschung

ggf. gegebenenfalls

GLM Generalisierte Lineare Modelle

Hg. Herausgeber

Hrsg. Herausgeber

(13)

XI

K Kohorteneffekt

LSD Lysergsäurediethylamid

Mrd. Milliarde

n Stichprobenumfang

N.I.T. Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa

NS Nationalsozialismus

o. J. ohne Jahr

P Periodeneffekt

PC Personal Computer

POI Point of Interest

r Korrelationskoeffizient

RAF Rote Armee Fraktion

S. Seite

s. siehe

SD Standardabweichung (standard deviation) SDS Sozialistischer Deutscher Studentenbund

sog. sogenannter

SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Tab. Tabelle

TUI Touristik Union International u. a. unter anderem

UNO Vereinte Nationen

USP unique selling proposition VFR visiting friends and relatives

vgl. vergleiche

vs. versus

WLAN wireless local area network

X Generation X

Y Generation Y

(14)

1

1. Einleitung

Das Reiseverhalten der Deutschen hat sich in den letzten 50 Jahren massiv verändert. Als Kreuzfahrten noch ausschließlich dem Luxussegment zugeordnet werden konnten, Flugreisen die Ausnahme waren und die Instagramfähigkeit einer Destination noch keine Rolle spielte, konnte man sich noch kein Bild davon machen, wie der Tourismus und insbesondere das Reiseverhalten der Deutschen heute aussehen würde. Es stellt sich nun die Frage, warum sich das Reiseverhalten verändert hat. Zunächst sind offensichtlich viele Entwicklungen dafür verantwortlich, die das Reisen vereinfacht haben. Hier lassen sich die Entwicklungen im Flugverkehr, die Zunahme des Wohlstands und der Freizeit, eine Verbesserung des politischen Klimas weltweit und die Digitalisierung anführen. Doch entscheiden nicht nur die genannten Entwicklungen darüber, wie gereist wird. Reiseentscheidungen werden von Menschen getroffen, deren Eigenschaften und Verhaltensweisen sich in den letzten 50 Jahren ebenfalls verändert haben. Zum einen hat sich die Bevölkerungsstruktur durch den demographischen Wandel verändert. So gibt es nun anteilig mehr ältere Reisende als früher. Zusätzlich ist aber ein 60-jähriger Reisende nicht mehr mit einem 60-jährigen von vor 50 Jahren zu vergleichen, da die Personen zu verschiedenen Generationen mit spezifischen Merkmalen gehören. Durch das gemeinsame Aufwachsen in einer bestimmten Epoche mit spezifischen Einflüssen entwickeln Generationen gemeinsame Eigenschaften, Werte und Verhaltensweisen, die für das Reiseverhalten relevant sind. So lässt sich z. B. die Tatsache, dass sich Senioren heute beim Reisen anders verhalten als früher, mit der Zugehörigkeit zu verschiedenen Generationen erklären. Um das Verhalten verschiedener Altersklassen prognostizieren zu können, ist es erforderlich Generationen zu erforschen. Aktuell organisieren beispielsweise junge Millennials – in ihrer derzeitigen Lebensphase – ihre Reisen lieber individuell ohne einen Reiseveranstalter. Für den Reiseveranstaltermarkt in Deutschland ist es nun von Interesse, ob die Generation auch in Zukunft ohne Veranstalter verreisen wird oder ob in anderen Lebensphasen Pauschalreisen auch für diese Generation attraktiv werden. Zu wissen, wie die Deutschen in Zukunft reisen, ist für alle Akteure im Tourismus, auch in Destinationen außerhalb Deutschlands, überaus relevant, um touristische Produkte zu gestalten, die langfristig Erfolg versprechen.

(15)

2

1.1 Gegenstand der Forschung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Reiseverhalten der Deutschen anhand der Generationentheorie aus der Soziologie.

Im Fall des Reiseverhaltens wird die Haupturlaubsreise untersucht. Da die Datenbasis der Arbeit die Rohdaten der Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen umfasst, wird hier entsprechend der Eingrenzung dieser Studie gefolgt. Es werden die Reisen der deutschsprachigen Bevölkerung betrachtet, die mindestens fünf Tage dauerten und von Personen ab 14 Jahren unternommen wurden (vgl. FUR, 2018, S. 2). Das Reiseverhalten lässt sich anhand verschiedener Merkmale quantifizieren. In dieser Arbeit werden die Reiseintensität, das Verkehrsmittel, die Unterkunft, die Ausgaben, die Reisedauer, die Destinationswahl, die Organisationsform, die Reiseart und die Anzahl der Reisebegleiter betrachtet. Anhand dieser Merkmale lässt sich das Reiseverhalten bereits sehr genau beschreiben. Es ist immer zu berücksichtigen, dass alle genannten Merkmale eng zusammenhängen bzw. sich gegenseitig bedingen. So hängt beispielsweise die Wahl des Reiseziels mit der Wahl des Transportmittels, der Unterkunft und der Dauer zusammen (vgl. ADAC Verlag, 2017, S. 27). Daher müssen die Merkmale immer zusammen betrachtet werden.

Im theoretischen Teil der Arbeit steht die Generationentheorie im Fokus. Das Reiseverhalten wurde in der Vergangenheit schon vielfach untersucht, häufig auch mit dem Ziel Trendprognosen zu erstellen und das zukünftige Reiseverhalten auf Basis von Zeitreihen vorherzusagen. Nicht ausreichend berücksichtigt wurden dabei bisher die Veränderungen, die durch das Eintreten neuer und das Austreten alter Generationen entstehen. Es werden daher in dieser Arbeit historische Generationen, mit jeweils gemeinsamen Werten, Eigenschaften und Verhaltensweisen aufgrund ähnlicher Erfahrungen in der Jugend und frühen Erwachsenenzeit (vgl. Kapitel 2.1.1.2), untersucht. Generationen innerhalb einer Familie werden nicht betrachtet. Die Beziehungen zwischen Kindern, Eltern und Großeltern spielen nur im Rahmen der kindlichen Prägung eine Rolle und werden im Kapitel „Familie & Erziehung“ genauer erläutert.

(16)

3 Konkret werden in dieser Arbeit die folgenden vier Generationen untersucht:1

Die älteste Generation ist die 68er Generation (1939 – 1949), welche unmittelbar nach dem Krieg mit sehr autoritären Strukturen in allen Lebensbereichen (vgl. Kapitel 3.2.1 und 3.2.2) und dem Wirtschaftswunder der 1950er Jahre aufgewachsen ist (vgl. Kapitel 3.2.4). Die 68er werden in der Literatur als Postmaterialisten dargestellt, die u. a. politisch interessiert und idealistisch sind (vgl. Kapitel 3.3.1.1).

Die Babyboomer (1955 – 1965) wuchsen mit zahlreichen Bildungsreformen (vgl. Kapitel 3.2.2) und der Verbreitung des Fernsehers auf (vgl. Kapitel 3.2.3). Die Generation umfasst große Geburtenjahrgänge, wodurch sie eine starke Wettbewerbsnatur ausgebildet hat (vgl. Kapitel 3.3.1.2). Sie sieht den Job als Mittel viel Geld zu verdienen, um sich damit alle Wünsche zu erfüllen (vgl. Kapitel 3.3.3).

Die Generation X (1966 – 1980) erlebte den Mauerfall, damit das Ende der DDR (vgl. Kapitel 3.2.4), und viele Scheidungen (vgl. Kapitel 3.2.1). In der bisherigen Literatur wird die Generation überwiegend als pessimistische und egoistische Generation dargestellt, die pragmatisch handelt und sich auf das Privatleben konzentriert (vgl. Kapitel 3.3.1.3).

Die jüngste Generation, die Generation Y (1981 – 1995), wuchs mit der Digitalisierung (vgl. Kapitel 3.2.3), dem 11. September 2001 und zahlreichen Krisen auf (vgl. Kapitel 3.2.4). Die Eltern sind Freunde, die sich sehr auf die Förderung des Nachwuchses konzentrierten (vgl. Kapitel 3.2.1). Die Generation gilt u. a. als sehr gebildet, optimistisch, anspruchsvoll und technologieaffin (vgl. Kapitel 3.3.1.4).

(17)

4

1.2 Ziel der Untersuchung

Es geht in dieser Arbeit vor allem um die Analyse verschiedener Generationen. Zunächst ist es das Ziel ein möglichst umfassendes Bild jeder einzelnen Generation zu erstellen, indem alle wichtigen Einflüsse der prägenden Jahre und alle bekannten Merkmale der Generationen zusammengestellt werden.

Danach wird das Reiseverhalten untersucht. Für die Analyse des Reiseverhaltens von Generationen muss die Kohortenanalyse (vgl. Kapitel 5.2) verwendet werden. Hierbei wiederum müssen drei verschiedene Effekte betrachtet werden – der Alters-, der Perioden- und der Kohorteneffekt. So verändert sich das Reiseverhalten zum einen mit dem Alter bzw. der Lebensphase. Senioren reisen grundsätzlich anders als Jugendliche. Dieser Zusammenhang wurde schon vielfach erforscht (vgl. Kapitel 4.2) und soll auch hier noch einmal untersucht werden. Der zweite Effekt, der Periodeneffekt, bezieht sich auf die veränderten Rahmenbedingungen im Zeitverlauf. Dass im Laufe der Jahre die Entwicklung im Flugverkehr das Fliegen in entfernte Länder vereinfachte und das Internet die Recherche- und Buchungsmöglichkeiten erweiterte, spielt eine große Rolle für den Wandel des Reiseverhaltens (vgl. Kapitel 4.4). Auch diese Einflüsse werden im Rahmen der Arbeit untersucht. Der dritte Effekt ist der Generationeneffekt bzw. der Kohorteneffekt und steht im Fokus der Arbeit. Die Frage ist, ob eine Generation Merkmale in ihrem Reiseverhalten zeigt, die sie grundsätzlich von anderen Generationen unterscheidet und die unabhängig vom Alter und Jahr bestehen bleiben. Die Forschungsfrage der Arbeit lautet daher:

Hat die Zugehörigkeit zu einer Generation einen Einfluss darauf, wie man verreist?

Das primäre Problem der Frage und der Grund der bisher unzureichenden Forschung zu diesem Thema ist, dass es einer Langzeitstudie bedarf, um alle drei Effekte trennen zu können. Betrachtet man beispielsweise das aktuelle Reiseverhalten der Generationen, lässt sich nicht sagen, ob dieses eher auf das derzeitige Alter oder auf die Generationszugehörigkeit zurückgeführt werden kann. Z. B. wird die Erkenntnis, dass die Generation Y auf Reisen öfter in Nachtclubs unterwegs ist als die Babyboomer (vgl. Huang & Petrick, 2010, S. 33), zumindest zum Teil auf das Alter zurückzuführen sein,

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5 sodass keine Aussage über den reinen Generationeneffekt möglich ist. Das Ziel ist es daher, die wirklich reinen Generationeneffekte zu ermitteln. Bisher gibt es zahlreiche Studien zum Reiseverhalten der Generationen, bei denen keine Trennung der Effekte von Alter und Generation vorgenommen wurde (vgl. Kapitel 4.3). Daher ist es ebenfalls Ziel der Untersuchung zu schauen, ob bisherige Ergebnisse auch noch zu den Generationen passen, wenn das Alter als Variable kontrolliert wird. Anschließend wird betrachtet, ob die Merkmale und prägenden Erfahrungen der Generationen als Erklärung des Reiseverhaltens dienen könnten.

Des Weiteren soll ein Ausblick auf das zukünftige Reiseverhalten gegeben werden. Wenn die Generation X und Generation Y in die nächsten Lebensphasen kommen und die Nachfrage nach touristischen Leistungen dominieren werden, sollte dies viele Veränderungen mit sich bringen. Aber auch der demographische Wandel und die weiteren Entwicklungen auf der Makroebene müssen bei der Prognose einbezogen werden. Abschließend sollen Implikationen für die Praxis erarbeitet werden, die sich an touristische Akteure richten, die einzelne Generationen langfristig an ihr Produkt binden wollen. Die aktuellen und zukünftigen Lebensphasen der Generationen müssen dabei ebenfalls berücksichtigt werden.

1.3 Eingrenzung

Nachdem der Forschungsgegenstand bereits erläutert wurde, werden die wesentlichen Eingrenzungen vorgestellt.

Zunächst werden nur vier Generationen – die 68er Generation, die Babyboomer, die Generation X und die Generation Y – betrachtet. Senioren, die vor 1939 geboren wurden, können zwar ebenfalls noch aktive Touristen sein, dennoch sind die aktuell über 80-Jährigen für die zukünftige Entwicklung des Tourismus weniger relevant. Eine weitere Generation, die keine Berücksichtigung findet, ist die Generation Z, deren älteste Vertreter gerade Anfang 20 sind. Zum einen sind viele Mitglieder dieser Generation derzeit noch so jung, dass sie noch zusammen mit den Eltern verreisen und keine eigenen Reisepläne machen. Zum anderen erfasst die Reiseanalyse erst die Reisen

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6 von Personen ab 14 Jahren, womit nur ein Teil der Generation überhaupt schon befragt wurde. Ein weiterer Grund, der gegen die Untersuchung der Generation Z spricht, ist, dass die prägende Phase dieser Generation bisher noch nicht abgeschlossen ist. Vor allem Erfahrungen prägen, die im Alter von 17 bis 23 Jahren gemacht werden (vgl. Schewe & Meredith, 2004, S. 51–52). Die Generation Z befindet sich genau in dieser Lebensphase.

Der Fokus der Arbeit liegt zudem nur auf den Reiseaktivitäten der deutschsprachigen Bevölkerung in Deutschland – ab 2010 einschließlich der deutschsprachigen Ausländer. Daher werden auch nur u. a. die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Einflüsse auf die Generationen in Deutschland präsentiert. Eine Ausnahme bilden Einflüsse, die eindeutig von internationaler Bedeutung waren, wie der 11. September 2001.

Des Weiteren wird nur die BRD in den Jahren berücksichtigt, in denen Deutschland noch geteilt war. Zum einen fehlen die Umfragedaten aus der DDR, zum anderen existierten in der DDR damals völlig andere Rahmenbedingungen als in der BRD, die separat untersucht werden müssten. Theoretisch hätten auch nach der Wende noch Ost und West separat betrachtet werden können. Lohmann et al. (2007) fanden größere Unterschiede im Reiseverhalten von Senioren, die noch getrennt in der DDR und BRD aufgewachsen sind als bei jüngeren Kohorten, die die DDR nicht mehr miterlebt haben (vgl. Lohmann, Sierck & Grimm, 2007, S. 49). Auch die Shell-Studie 1992 wies darauf hin, dass durchaus Grund zu der Annahme bestehen könnte, dass die Jugend im vereinten Deutschland die Entwicklungen nach der Wende nicht in gleicher Weise erlebt oder verarbeitet hat (vgl. Kirchhöfer, 1992, S. 20). Da jedoch die separate Betrachtung von Ost- und West-Deutschland den Umfang der Arbeit fast verdoppelt hätte, wird im Folgenden auf eine Analyse der Generationen und Einflüsse in der DDR verzichtet.

Beim Reiseverhalten wird sich nur auf die Reiseintensität, das Verkehrsmittel, die Unterkunft, die Ausgaben, die Reisedauer, die Destination, die Organisationsform, die Reiseart und die Anzahl der Reisebegleiter der Haupturlaubsreise beschränkt. Zum einen werden damit schon die wesentlichen Merkmale des Reiseverhaltens berücksichtigt und zum anderen wurden viele andere Merkmale im Rahmen der

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7 Reiseanalyse nicht in allen Jahren abgefragt. Viele Fragen, z. B. zu den Motiven, haben sich mehrmals leicht verändert, sodass eine übergreifende Auswertung nicht möglich ist. Weitere Reisen neben der Haupturlaubsreise sowie Geschäftsreisen werden nicht berücksichtigt.

1.4 Vorgehensweise und Methodik

Um einen guten Überblick über die Arbeit und einen ersten Einblick in die hier angewandte Methode zu bekommen, wird nun die Vorgehensweise der Arbeit präsentiert.

Nach den ersten einleitenden Kapiteln, die im Folgenden noch den Stand der Forschung umfassen, folgt der Theorieteil der Arbeit. Zunächst wird ein Einblick in die Grundlagen der Generationentheorie gegeben. Die Entstehung einer Generation, die Generationenidentität, die Beziehung zwischen Generationen und sozialem Wandel und auch die Beziehung zwischen Generationen untereinander werden hier unter anderem erläutert. Auch die Kritik an der Generationentheorie wird betrachtet. Im Anschluss werden drei Beiträge aus diesem Bereich vorgestellt, die besonders viel Aufmerksamkeit erfahren haben und die für den weiteren Verlauf der Arbeit von Bedeutung sind. Zunächst werden die Überlegungen von Karl Mannheim (1928) präsentiert, der als Begründer der Generationentheorie betrachtet wird. Im Anschluss erfolgt die Darstellung der Generationendiagonale von Strauss und Howe (1991). Die aktuelleren Überlegungen, im dritten Beitrag, beziehen sich auf globale Generationen, mit denen sich Edmunds und Turner (2005) beschäftigt haben. Anschließend werden Studien präsentiert, die die Überlegungen zur Generationentheorie überprüfen. Kapitel 2.2 konzentriert sich auf den demographischen Wandel. Dieser spielt eine große Rolle für den Wandel des Reiseverhaltens und auch für die Generationen selbst. Gleiches gilt für den Wandel einzelner Lebensphasen, der im nächsten Kapitel betrachtet wird.

Im dritten Kapitel werden die Generationen ausführlich präsentiert. Zunächst wird die hier vorgenommene Einteilung erläutert, bevor auf die Einflüsse in der formativen Phase eingegangen wird. Die Familie und Erziehung, die Bildung, technologische

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8 Entwicklungen, die wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Situation und die Kultur während der prägenden Jahre werden für jede der vier Generationen dargestellt. Im Anschluss werden die Eigenschaften und Werte der 68er, Babyboomer und zwei jüngeren Generationen betrachtet. Dieses Kapitel ist besonders wichtig für die spätere Interpretation des Reiseverhaltens. Als weiteren Bestandteil der Vorstellung werden auch das Privatleben und die Generationen in der Arbeitswelt beleuchtet. Abschließend wird das Konsumverhalten dargestellt. Gerade hier sind viele Aspekte enthalten, die für das Reiseverhalten von Bedeutung sind.

Das vierte Kapitel widmet sich dem Reiseverhalten. Zunächst wird das aktuelle Reiseverhalten der Deutschen vorgestellt, um alle weiteren Forschungsergebnisse in Bezug dazu betrachten zu können. Kapitel 4.2 konzentriert sich auf die bisherige Forschung zum Reiseverhalten im Lebenslauf. Besonders Senioren werden hier noch einmal separat und ausführlich präsentiert. Das Reiseverhalten von verschiedenen Generationen wurde ebenfalls schon untersucht. Die bisherigen Ansätze werden unter 4.3 dargestellt. Zunächst werden die Publikationen betrachtet, die sich gezielt auf Kohorteneffekte konzentrieren, aber noch nicht von Generationen sprechen und keine entsprechende Einteilung vornehmen. Besonders interessant ist hier der Ansatz der Reisebiographie. Anschließend werden die bisherigen Ergebnisse zum Reiseverhalten der hier betrachteten Generationen präsentiert. Hier werden zunächst die Ergebnisse aus der internationalen Forschung und anschließend die zu den deutschen Generationen aufgeführt. Um neben den Erkenntnissen zum Alters- bzw. Lebensphasen- und Generationeneinfluss auf das Reiseverhalten auch den Effekt der äußeren Umstände und Entwicklungen in den Jahren zu berücksichtigen, werden am Ende von Kapitel vier die wichtigsten Einflüsse auf das Reiseverhalten in den letzten 50 Jahren zusammengestellt.

Das fünfte Kapitel umfasst die eigene Forschung. Es werden auf Basis der Theorie zunächst Hypothesen zum Reiseverhalten der Generationen aufgestellt. Danach wird die Methode der Arbeit, die Kohortenanalyse, erläutert. Die Datengrundlage dieser Arbeit sind 42 einzelne Rohdatensätze der Reiseanalyse, welche Informationen zum Reiseverhalten der Jahre 1971 bis 2012 umfassen. Bei der Auswertung dieser Daten werden zu Beginn, als eine Art Vorstudie, in jedem einzelnen Datensatz die Verkehrsmittelwahl, die Unterkunftswahl und die Reisedauer der vier Generationen jeweils mit der Gesamtbevölkerung verglichen (Vergleich der Mittelwerte). Dadurch,

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9 dass so auch gezeigt werden kann, wie sich Generationen im gleichen Alter im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung verhalten, können erste Aussagen dazu gemacht werden, welche Generationen- und Alterseffekte existieren. Zu sehen ist z. B., ob eine Generation in ihren 20ern überdurchschnittlicher als andere mit dem Auto verreist ist. Der wichtigste Teil der Analyse ist danach die Berechnung des Intrinsic Estimators. Dieser ganz neue Ansatz ermöglicht die Schätzung von Alters-, Perioden- und vor allem Kohorteneffekten mit der Software Stata. Um die Effekte schätzen lassen zu können, müssen zunächst die einzelnen Datensätze in einen einzigen zusammengeführt werden. Dafür werden die Variablen, die in dieser Arbeit untersucht werden, zunächst in allen 42 Datensätzen einheitlich benannt und kodiert. Dann kann für jedes einzelne Merkmal der Effekt berechnet werden, der von der Zugehörigkeit zu einer einzelnen Geburtskohorte, von einer einzelnen Altersklasse und von einem Jahr mit seinen Rahmenbedingungen ausgeht. Die Ergebnisse des Mittelwertvergleichs und vor allem die des Intrinsic Estimators werden in Kapitel 5.3 vorgestellt und genutzt, um die aufgestellten Hypothesen zu prüfen. Anschließend werden die Ergebnisse anhand der bisherigen Forschung zum Reiseverhalten und anhand der vorher präsentierten Erkenntnisse zu den einzelnen Generationen interpretiert. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst, bewertet und die Limitationen der Forschung aufgezeigt.

Das sechste Kapitel zeigt einen Ausblick auf das zukünftige Reiseverhalten. Berücksichtigt man die drei verschiedenen Effekte von Jahr, Alter und Kohorte bzw. Generation können erste Aussagen dazu gemacht werden, wie das Reiseverhalten der Deutschen später aussehen könnte. Das siebte Kapitel gibt Hinweise für die Praxis. Auch wenn die Mehrzahl der Akteure im Tourismus sich nicht auf eine konkrete Generation als Zielgruppe konzentriert, ist der Generationenwechsel in den nächsten Jahren für sie relevant, da sich z. B. dadurch auch das Reiseverhalten von Familien oder Senioren verändern wird. Abschließend wird auf den Beitrag zur Forschung und die mögliche weitere Forschung eingegangen. Das Fazit schließt die Arbeit ab.

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1.5 Stand der Forschung

Im Folgenden wird ein grober Überblick über den bisherigen Stand der Forschung gegeben, welcher vor allem die wichtigsten Autoren und ihren jeweiligen Beitrag nennt. Die detaillierteren Ausführungen folgen im anschließenden theoretischen Teil der Arbeit.

Die Anfänge der Generationentheorie gehen zurück auf Karl Mannheim (vgl. Mannheim, 1928), der sich 1928 dem Problem der Generationen soziologisch und nicht nur rein naturwissenschaftlich näherte. Er prägte das Verständnis von Generationen, wie es heute noch besteht. Bis heute verweisen alle Publikationen zu diesem Thema, auch in der Tourismuswissenschaft, auf sein Werk. Eine Benennung und Beschreibung konkreter Generationen wie z. B. der „Babyboomer“ gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Das Themengebiet gewann über die Jahre zunächst nur langsam an Bedeutung. Erst ab den 1960ern gab es immer mehr Autoren die Mannheims Gedanken weiterentwickelt haben. Allen voran ist hier Ryder (1965) zu nennen, der sich dem Konzept der Kohorte widmete. Schewe et al. (2000) erweiterten wiederum die Gedanken um prägende Ereignisse („defining moment“) in der formativen Phase (zwischen 17 und 23 Jahren). Auch Rogler (2002) konzentrierte sich auf die Prägung einer Generation durch Ereignisse oder Umbrüche, wodurch nicht jeder Jahrgang auch einer historischen Generation angehört. Mehrere Autoren u. a. Preuss-Lausitz et al. (1995) beschreiben hingegen verschiedene Einflüsse in jungen Jahren – auch auf der Mikroebene – als prägend. Hier wird die Schnittstelle zur Sozialisationstheorie deutlich. Es wird sich in dieser Arbeit jedoch nur auf die Generationentheorie beschränkt, um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen. Rogler (2002) betrachtet die Bedeutung des kollektiven Gedächtnisses, das durch den Austausch mit Gleichaltrigen entsteht. Braungart und Braungart (1986) erweitern wiederum das Kohortenverständnis von Ryder um das Generationenbewusstsein. Fast alle Autoren widmen sich ergänzend dem engen Zusammenhang zwischen Generationen und sozialem Wandel. Ebenfalls eng miteinander verbunden sind verschiedene Generationen. Rosenthal (1997) betrachtet die konstituierende Wirkung der Interaktion von Generationen.

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11 Sehr umfassend wurden Generationen von Strauss und Howe (1991) erforscht. Die beiden Autoren haben die Generationen in Amerika aus vier Jahrhunderten untersucht und eine Generationendiagonale entwickelt, die es ermöglichen soll, auch das Verhalten von Generationen in der Zukunft vorherzusagen. Neben einer Reihe von grundlegenden Gedanken, die sich an die bereits genannten Autoren anlehnen, wird hier auch ganz konkret von einzelnen Generationen gesprochen und wie diese sich unterscheiden.

Edmunds und Turner (2005) erweiterten die Forschung mit Erkenntnissen zu globalen Generationen und berücksichtigen dabei entsprechend den Einfluss der Globalisierung.

Um die Validität der bisher genannten Überlegungen zu prüfen, gab es zahlreiche Untersuchungen. Eine viel zitierte Studie von Schuman und Scott (1989) betrachtet, an welche großen nationalen und internationalen Ereignisse man sich am ehesten erinnert. Auch Noble und Schewe (2003) befragten Probanden nach den für sie persönlich wichtigen externen Events. Schindler und Holbrook untersuchten die prägende Phase für den Musikgeschmack (1989), den Geschmack für das Erscheinungsbild bzw. den Stil (1993) und den Geschmack für Filmstars (1994). Den Einfluss der Kohortenzugehörigkeit auf das Konsumverhalten zeigt wiederum eine Studie von Rentz et al. (1983), die sich dem Coca-Cola Konsum in den USA widmet. Rentz und Reynolds (1991) erfassten und prognostizierten zudem Kaffeekonsum anhand von Kohorteneffekten.

Die Umweltbedingungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Prägung der Generationen beigetragen haben, wurden umfassend von Preuss-Lausitz et al. (1995) untersucht. Daher beziehen sich die Ausführungen hierzu im Fall der 68er und Babyboomer stark auf diese Ergebnisse.

Die Benennung der einzelnen Generationen und damit auch die Forschung zu ganz konkreten Generationen begannen verhältnismäßig spät. Eine Benennung z. B. der Generationen X, Y und Z begann 1991 mit der Veröffentlichung des Romans „Generation X“ von Douglas Coupland (vgl. Coupland, 1995)2

. Dieses Buch gab der

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12 Generation ihren Namen. Der Roman ist zwar kein wissenschaftlicher Beitrag, dennoch schaffte er es, eine Generation zu porträtieren, die bis heute in ähnlicher Weise dargestellt und die als Zielgruppe im Marketing behandelt wird. Es folgten daraufhin zahlreiche wissenschaftliche Studien, primär in den USA, die die verschiedenen Merkmale der hier betrachteten Generationen untersuchten. Häufig erfolgte jedoch keine Trennung von Alters- und Kohorteneffekten, sodass z. B. eine Generation Y nur mit eindeutig jugendlichen Eigenschaften beschrieben wird.

Generell sind Millennials die mit Abstand am meisten erforschte Generation. Hurrelmann und Albrecht (2014), Bund (2014), Tapscott (2009) und auch Tulgan (2009) widmeten ihnen eine Monographie. Auch die bereits genannten Autoren Howe und Strauss veröffentlichten im Jahr 2000 eine Monographie mit dem Titel „Millennials rising“, die die Generation anhand von Studienergebnissen umfassend vorstellt. Die Parallelen zwischen allen Publikationen sind so groß, dass man die meisten Merkmale der Generation Y als konsensfähig einstufen kann. Insbesondere im Bereich der Personalwirtschaft gibt es zahlreiche Studien und Monographien, u. a. von Parment (2009) und Oertel (2007), die sich mit den Generationenunterschieden in der Arbeitswelt beschäftigen. Ein großer Beitrag zur Erforschung der Millennials und vor allem zum Vergleich von Generationen kommt zudem von der Shell-Jugendstudie (1982, 1992 und 2006). Dadurch, dass die Studie die verschiedenen Generationen im jeweils gleichen Alter untersucht hat, sind diese Ergebnisse ein Gewinn für die Generationenforschung.

Ein weiteres Merkmal der Publikationen zu Generationen ist der große Anteil an populärwissenschaftlichen Beiträgen. Frei von empirischer Forschung und nur auf eigenen Erfahrungen oder Anekdoten basierend, gibt es viele Bücher und Artikel, die sich auf Generationen konzentrieren. Wer in den Medien eine höhere Reichweite seines Beitrags erzielen will, argumentiert mit Generationen und erreicht schnell sein Ziel (vgl. Jureit, 2011). Insbesondere seit den frühen 1990er Jahren ist ein deutlicher Anstieg an populärwissenschaftlichen Publikationen in diesem Bereich zu verzeichnen (vgl. Rump & Eilers, 2013, S. 49–50). Besonders betroffen ist hiervon die Generation Y, zu der eine hohe Anzahl an Beiträgen veröffentlicht wurde. Durch die Bücher „Generation Golf“ (Illies, 2000) und „Generation Golf zwei“ (Illies, 2005) richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf die Generation X. Während Zeitungsartikel in dieser Arbeit

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13 nahezu keine Berücksichtigung finden, werden die weniger fundierten Bücher, wie z. B. von Riederle (2013) zur Generation Y, zumindest als Ergänzung der wissenschaftlichen Studien herangezogen.

Was die Forschung zum Reiseverhalten anbelangt, bietet die Reiseanalyse (vgl. FUR, 2018), deren Rohdaten auch in dieser Arbeit verwendet werden, die besten Einblicke in das Reiseverhalten der Deutschen. Neben dieser Studie werden in dieser Arbeit vor allem Publikationen betrachtet, die sich dem Reiseverhalten im Zusammenhang mit Generationen oder Lebensphasen widmen.

Es sind hier zunächst die Veröffentlichungen von Lohmann et al. (2001 und 2007), die die Entwicklung der Reiseintensität im Lebenslauf betrachteten, zu nennen. Auch Alegre und Pou (2004), Bernini und Cracolici (2015), Collins und Tisdell (2002) sowie Sakai et al. (2000) untersuchten den Zusammenhang zwischen der Lebensphase und der Wahrscheinlichkeit zu reisen. Wells und Gubars (1966) Studie konzentriert sich vor allem auf die Reiseausgaben nach Lebensphasen. Lawson (1991) untersuchte das Reiseverhalten schon etwas genauer entlang der Lebensphasen von Familien. Oppermann (1995a und 1995b) analysierte ebenfalls einzelne Merkmale des Reiseverhaltens nach Lebensphasen und betrachtete dabei auch Reisende, die keine Familie gründen. Hier wurde, wie auch bei Lohmann et al. (2001 und 2007), das Verhalten deutscher Reisenden untersucht. Bojanic (1992) betrachtete auch Lebens-phasenunterschiede und hierbei ebenfalls Alleinerziehende und Paare ohne Kinder im mittleren Alter. Speziell Senioren und ihr Reiseverhalten wurden z. B. von Shoemaker (1989 und 2000), Chen und Shoemaker (2014) und Pennington-Gray und Kerstetter (2001) untersucht. Romsa und Blenman (1989) und die GfK (2017a) erforschten das Reiseverhalten deutscher Senioren. Eine große transnationale Studie der International Student Travel Confederation und der Association of Leisure and Tourism Education wurde zum Reiseverhalten von Studierenden und Jugendlichen durchgeführt und ergänzt hier die Erkenntnisse zu den jungen Altersklassen (vgl. Richards & Wilson, 2003).

Im Fall von Generationen gibt es ebenfalls schon viele Forschungsansätze. Gute Gründe für Unterschiede im Reiseverhalten von Kohorten liefern Gardiner et al. (2012). Sie erstellten das erste Modell zum Reiseentscheidungsverhalten von Generationen und

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14 untersuchten dabei unter anderem den Einfluss der Ereignisse in der formativen Phase auf das Reiseverhalten verschiedener Kohorten. Singer und Prideaux (2006) betrachteten den Zusammenhang zwischen Reiseerfahrungen in der Kindheit und späteren Reisen. Sönmez & Graefe (1998) untersuchten ergänzend die bisher gemachte oder eben nicht gemachte Reiseerfahrung mit einer Region und deren Einfluss darauf, ob man die Region in Zukunft bereisen will.

Nun gab es zudem schon einige erste Ansätze das Reiseverhalten von Geburtskohorten über mehrere Jahre zu untersuchen. Bei diesen Kohorten handelt es sich um gleichmäßige Intervalle von – häufig fünf – Geburtsjahrgängen, die nicht als historische Generationen angesehen werden. Bernini und Cracolici (2015), Alegre und Pou (2004) und Sakai et al. (2000) betrachteten neben der Lebensphase auch den Einfluss der Kohortenzugehörigkeit auf das Reiseverhalten. Chen und Shoemaker (2014) und Pennington-Gray und Kerstetter (2001) erforschten bei Senioren ebenfalls schon Kohorteneffekte. In Deutschland haben Lohmann et al. (2001 und 2007) Kohortenunterschiede im Reiseverhalten betrachtet. Oppermann (1995a und 1995b) untersuchte ebenfalls Kohortenunterschiede in Deutschland anhand der Erhebung von Reisebiographien (n=124). Diesen Ansatz verfolgte vor allem auch Becker (1998). Hier wurden die Reisen von Personen jeweils ab dem sechsten Lebensjahr betrachtet, was die beste Form der Kohortenanalyse darstellt, da man so auch sagen kann, wie sich Individuen mit den Jahren verändern. Hier wurde bereits ebenfalls die Entwicklung der Reiseintensität vier einzelner Geburtsjahrgänge untersucht.

Abgesehen von Studien, die sich in erster Linie darauf konzentrieren, echte Kohorteneffekte zu messen, gibt es zahlreiche Studien, die gezielt die genannten Generationen, wie Babyboomer oder die Generation Y, untersuchen, aber häufig weniger Wert darauf legen, ob es sich um Alters- oder Generationeneffekte handelt. Fast alle Untersuchungen sind Querschnittsstudien, in denen zwar von Generationen gesprochen wird, die aber praktisch gleichermaßen verschiedene Altersklassen betrachten. Zudem kommen die meisten Studien aus Australien oder den USA. Gardiner et al. (2014) untersuchten z. B., welche Generationen eher auf funktionale Aspekte, wie das Preis-Leistungs-Verhältnis, und welche eher auf die hedonistischen Werte der Reise bei der Reiseentscheidung achten. Später wurden von Gardiner et al. (2015) die Unterschiede bei der Destinationswahl betrachtet. Hinsichtlich der Destinationswahl

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15 untersuchten auch Li et al. (2013), Huang und Petrick (2010) sowie Singer und Prideaux (2006) die Unterschiede zwischen den Generationen. Ein weiterer Fokus der Forschung liegt auf den Aktivitäten auf Reisen. Li et al. (2013) und Huang und Petrick (2010) untersuchten hier die Unterschiede. Pennington-Gray et al. (2003) betrachteten die unterschiedlichen Präferenzen auf Reisen, also worauf die Generationen Wert legen, was ebenfalls Aktivitäten, aber auch Merkmale der Destination einschließt. Pennington-Gray und Blair (2010) betrachteten die Aktivitäten bei Natururlauben, wobei auch zwischen den verschiedenen Effekten getrennt wurde. Eine Studie von eDreams (2017) konzentriert sich u. a. auf die Reiseerfahrung der Generationen.

Ein großer Teil der Forschung fokussiert sich in erster Linie auf Babyboomer und die Generation Y.

Lehto et al. (2008) untersuchten die Unterschiede im Reiseverhalten zwischen Babyboomern und älteren Senioren. Patterson und Pegg (2009) fokussierten ebenfalls die Babyboomer und die richtige Ansprache der Generation im Marketing. Cleaver et al. (2000) segmentierten Babyboomer nach Lebensstilen und untersuchten das Reiseverhalten der verschiedenen Segmente, wobei das Segment der „Socially Aware baby boomer“ in einer weiteren Publikation noch einmal genauer betrachtet wurde (vgl. Cleaver & Muller, 2002). Das Interesse an Wohnwagen- und Wohnmobilreisen im Zusammenhang mit der Generationszugehörigkeit betrachteten Glover und Prideaux (2009).

Das Reiseverhalten der Generation Y wurde ebenfalls oft untersucht. Benckendorff und Moscardo (2010) berücksichtigten die verschiedenen Effekte und nutzten Langzeit-daten, um das Reiseverhalten der Generation Y am Great Barrier Reef in Australien genau zu bestimmen. Glover (2010) konzentrierte sich vor allem auf das zukünftige Reiseverhalten der Generation in Australien. Auch eine Studie von American Express (2016) betrachtet die Merkmale des Reiseverhaltens der Millennials. In Polen wurde die Generation ebenfalls untersucht (vgl. Kowalczyk-Anioł, 2012).

Neben der genannten Forschung gibt es bereits Studien, die auch speziell die deutschen Generationen untersuchen und die demnach für diese Arbeit besonders wertvoll sind. Die GfK (2017a und 2017b), YouGov (2017) und Allianz Global Assistance (2016)

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16 bieten gute Einblicke in das aktuelle Reiseverhalten der Generationen, vor allem der Generation Y.

Insgesamt zeigt sich, dass es durchaus einige Studien gibt, in denen es gelingt, den Kohorteneffekt von anderen Effekten zu trennen. Dennoch handelt es sich hier nur um allererste Ansätze, die nichts über das Reiseverhalten der hier betrachteten Generationen aussagen können. Es geht meistens eher um die Erkenntnis, dass es überhaupt Kohortenunterschiede gibt, die einen Wandel des Reiseverhaltens in eine bestimmte Richtung verursachen. Alle Studien, die hingegen schon die genannten Generationen untersuchen, nehmen noch keine vollständige Trennung der drei Effekte vor. Es sind zwar auch hier einige Ansätze in die Richtung zu erkennen und vor allem viele Hinweise darauf zu finden, dass jegliche Ergebnisse auch nur mit dem Alter erklärt werden könnten. Dennoch gibt es noch keine Studie, die es geschafft hat, den reinen Generationeneffekt zu berechnen, der unabhängig von Alter und Jahr wirkt. Der entsprechende Forschungsbedarf wird nahezu in jeder Publikation zu den Generationen betont. Daher ist die Berechnung des reinen Generationeneffekts das Ziel der vorliegenden Arbeit.

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2. Theoretische Grundlagen

Die theoretischen Grundlagen beginnen mit einer Einführung in die Generationen-theorien. Der Fokus liegt hierbei zunächst auf den theoretischen Überlegungen zu Generationen. Anschließend werden Studien betrachtet, die die vorherigen Theorien empirisch überprüfen. Der demographische Wandel in Deutschland und der Wandel einzelner Lebensphasen werden anschließend beschrieben. Diese zwei Themen sind neben den Generationen, die hier im Fokus stehen, wesentlich für den Wandel des Reiseverhaltens.

2.1 Generationentheorien

Men resemble their times more than they resemble their fathers.

(Altes arabisches Sprichwort)

Das Kapitel beginnt mit einer Einführung in die Generationentheorien, wobei u. a. auf die Entstehung einer Generation und die Generationenidentität eingegangen wird. Theoretische Überlegungen zu Generationen im historischen Sinne gehen unstrittig zurück auf Karl Mannheim, der als Erster umfassende Überlegungen zur Genese von Generationen anstellte. Sein berühmter Aufsatz „Das Problem der Generationen“ (Mannheim, 1928) ist die Grundlage nahezu jeder Publikation im Bereich der Generationenforschung. Daher wird nach einer Einführung in die wichtigsten Begriffe und Grundlagen der Generationentheorie ein genauerer Einblick in die Überlegungen von Mannheim gegeben. Ein aktuellerer Beitrag, der ebenfalls oft zitiert wird, ist die Generationendiagonale von Strauss und Howe (vgl. Strauss & Howe, 1991, S. 34), welche genauer vorgestellt wird. Anschließend werden die Überlegungen zu globalen Generationen von Edmunds und Turner (2005) präsentiert, bevor die Validität der genannten Generationentheorien anhand bisheriger Studien betrachtet wird.

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Grundlagen der Generationentheorie 2.1.1

Grundsätzlich kann man nicht sagen, dass es die eine Generationentheorie gibt. Vielmehr gibt es verschiedene Beiträge, die sich als Annäherung an die Generationenfrage verstehen lassen (vgl. Lüscher & Liegle, 2003, S. 237). Einige Beiträge, die sich durchgesetzt haben und bis heute viel zitiert werden, werden im Folgenden vorgestellt.

2.1.1.1 Der Begriff der Generation

Der Begriff „Generation“ wird sowohl im täglichen Sprachgebrauch als auch in der Wissenschaft vielfach verwendet, wobei die jeweilige Bedeutung und der Kontext stark variieren. Der Terminus „Generation“ geht zurück auf das griechische Wort „genesis“ und das römische Wort „generatio“. Das griechische Verb „genesthai“ bedeutet „ins Dasein gelangen“ und umschreibt das Überschreiten der Schwelle zum Leben. Mit jeder Geburt eines Kindes entsteht immer auf die gleiche Art und Weise eine neue Generation (vgl. Lüscher & Liegle, 2003, S. 36). „Generatio“ im Lateinischen bedeutet Zeugung(sfähigkeit) (vgl. Dudenredaktion, o. J.a). Durch die Gliederung nach Menschenaltern wird die Geburt eines Kindes zu einer anthropologischen-sozialen Gegebenheit. Das Verständnis von Generationen kann somit als Teil der Institutionalisierung menschlichen Zusammenlebens verstanden werden (vgl. Lüscher & Liegle, 2003, S. 36).

Grundsätzlich lassen sich drei Generationenbegriffe unterscheiden, die jedoch eng miteinander verbunden und nicht immer klar zu trennen sind (vgl. Lüscher & Liegle, 2003, S. 125). Der erste ist der genealogische-familienbezogene Generationenbegriff. Hierunter wird die Abfolge von Generationen innerhalb von Familien verstanden, also Großeltern, Eltern, Kinder. Die Zugehörigkeit zu einer Kategorie wechselt demnach im Laufe des Lebens. Der zweite Generationenbegriff ist der pädagogische und bezieht sich auf das Verhältnis von vermittelnden und aneignenden Generationen. Hier entspricht die Vorstellung dem Verhältnis von Schülern und Lehrern (vgl. Rump & Eilers, 2013, S. 50). Im Fokus stehen hier nur zwei gleichzeitig lebende Generationen, wobei die ältere Generation Normen, Kenntnisse und Fertigkeiten an die nächste Generation

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19 vermittelt. Dadurch kann kulturelle, soziale und wirtschaftliche Kontinuität über die Jahre gewährleistet werden (vgl. Höpflinger, 1999, S. 8). Heutzutage muss der pädagogische Begriff jedoch dahingehend erweitert werden, dass es keine klare Trennung mehr zwischen lernenden und vermittelnden Generationen gibt. Man geht von einem lebenslangen Lernen aus, wobei man gleichzeitig beiden pädagogischen Generationen angehören kann (vgl. Höpflinger, 1999, S. 9). Die dritte Sichtweise bezieht sich auf das historisch-soziologische Verständnis von Generationen. Personen, die zu eng beieinander liegenden Geburtenjahrgängen gehören und aufgrund ihres gemeinsamen Lebens im historischen Raum zusammen prägende Erfahrungen gemacht haben und diese entsprechend ähnlich verarbeitet haben, gehören hier zu einer Generation (vgl. Rump & Eilers, 2013, S. 50). Diese soziologische Betrachtung, die auf Mannheim zurückgeht, entspricht dem Generationenverständnis in dieser Arbeit. Dennoch ist es sinnvoll zu berücksichtigen, dass aufgrund der verschiedenen Bedeutungen von Generation, eine Person immer mehreren Generationen zuzuordnen ist. So wird eine Mutter von zwei Kindern gleichzeitig vielleicht der Babyboomer Generation angehören, was wiederum beides mit ihrem Verständnis als Erziehende zusammenhängen kann (vgl. Lüscher, 2010, S. 42).

Im Folgenden wird sich genauer dem historischen bzw. soziologischen Generationen-begriff gewidmet. Eine gute Definition bieten für diesen Begriff Eyerman und Turner:

“We shall define generation initially as a cohort of persons passing through time who come to share a common habitus, hexis and culture, a function of which is to provide them with a collective memory that serves to integrate the cohort over a finite period of time” (Eyerman & Turner, 1998, S. 93).

Generell wird in der Literatur der Kohortenbegriff häufig mit dem Generationenbegriff gleichgesetzt (vgl. Becker, 1997, S. 12). In der englischsprachigen Literatur wird der Begriff der Kohorte meistens synonym zum historisch-soziologischen Generationen-begriff verwendet, sodass keine Unklarheit darüber entsteht, welche Bedeutung dem Generationenbegriff in diesem Fall zukommen soll. Dennoch gibt es einige Autoren, die zwischen Kohorten und Generationen unterscheiden. Im Folgenden wird genauer auf soziologische Generationen eingegangen.

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20

2.1.1.2 Entstehung einer Generation

Der Frage, wie eine Generation entsteht und was eine Generation ausmacht, haben sich mehrere Autoren gewidmet. Eine der bekanntesten Definitionen, die den Begriff der Kohorte verwendet, stammt von Ryder:

“A cohort may be defined as the aggregate of individuals (within some population definition) who experienced the same event within the same time interval” (Ryder, 1965, S. 845).

Demnach schließt eine Kohorte alle Individuen ein, die z. B. Einschulung, Heirat und erste Erwerbstätigkeit zum etwa gleichen Zeitpunkt erlebt haben (vgl. Becker, 1997, S. 11). Unterschiede zwischen Kohorten entstehen vor allem durch Veränderungen im Alterungsprozess, die durch vorherrschende gesellschaftliche Konditionen herbeigeführt werden. So unterscheiden sich Kohorten schon in der Kindheit von früheren Kohorten durch die Anzahl der Eltern, der Geschwister und die erfahrene Betreuung. Im Alter unterscheiden sich Kohorten von früheren z. B. durch ihren Bildungsstand, ihre Arbeitshistorie, ihren Lebensstandard und die Lebenserwartung (vgl. Riley, Foner & Waring, 1988, S. 261).

Schewe & Meredith fassen Kohorten noch etwas enger, indem sie sagen, dass es eines konkreten Ereignisses bedarf, um eine Kohorte zu formen:

“Cohorts are not generations as each generation is defined by its years of birth. For example, a generation is usually 20 to 25 years in length, or roughly the time it takes a person to grow up and have children. But a cohort can be as long or short as the external events that define it. A cohort defined by the Second World War, for example, may be only six years long” (Schewe & Meredith, 2004, S. 52).

Hier wird bereits ein wichtiges Merkmal angesprochen, das zur Entstehung von Generationen beiträgt. Die Autoren sprechen von „defining moments“ (vgl. Schewe, Meredith & Noble, 2000, S. 50), also von externen Ereignissen, die man in seiner späten Jugend und seinen frühen Erwachsenenjahren erlebt. Diese Ereignisse prägen die Werte, Vorlieben und Einstellungen, welche über den Lebenslauf konstant bleiben (vgl. Schewe et al., 2000, S. 50; Schewe & Noble, 2000, S. 130). Nur unter spezifischen Bedingungen (wie z. B. einem Krieg) kann eine gemeinsame Weltanschauung entstehen

(34)

21 (vgl. Höpflinger & Stuckelberger, 1999, S. 70). Wesentliche Voraussetzung für die Wirkung globaler Events und die Formung von Generationen sind einmal die neuen Möglichkeiten der Massenkommunikation, Bildung und eine gesellschaftliche Konsequenz des jeweiligen Ereignisses. Der Tod von Prinzessin Diana würde daher nicht zu einem prägenden Ereignis gehören, da die gesellschaftliche Auswirkung fehlte. Der Tod von John F. Kennedy wird hingegen dazu gezählt, da dieser den Optimismus der amerikanischen Bevölkerung, den das Weiße Haus vermittelte, beeinträchtigte (vgl. Schewe & Meredith, 2004, S. 53–54). Generell können prägende Events national oder international sein. Einige Entwicklungen sind spezifisch für ein Land, wie z. B. wirtschaftliche und politische Veränderungen oder die Verbreitung von Technologien innerhalb eines Landes. Globale Events waren der Zweite Weltkrieg oder auch die Entwicklung des Internets. In jedem Fall prägen sie die Werte der Generation (vgl. Schewe & Meredith, 2004, S. 55). Bei globalen Events ist natürlich zu berücksichtigen, dass der Einfluss z. B. des Kriegs in Deutschland völlig anders aussah als in Amerika. Sozioökonomische, kulturelle, geographische, religiöse und politische Unterschiede verändern den Einfluss, den ein Event auf ein Land hat (vgl. Schewe & Meredith, 2004, S. 55–56). Ein wichtiger Punkt ist an dieser Stelle auch, dass die Annahme, dass prägende Events zu Generationen führen, auch impliziert, dass es keine immer gleiche Länge einer Generation geben kann. Viele Autoren benennen eine konkrete Anzahl an Jahren, um die Dauer einer Generation zu beschreiben (vgl. Hurrelmann & Albrecht, 2014, S. 16; Mannheim, 1928, S. 159–160; Oertel, 2007, S. 194–195; Strauss & Howe, 1991, S. 34). Dies widerspricht der Theorie und ist ohnehin eher unwahrscheinlich. Zyklische Generationen in ganz regelmäßigen Abständen können nicht der Realität entsprechen. Die Entstehung einer Generation basiert auf dem Einfluss eines historischen Ereignisses und den neuen Orientierungen, die sich daraus ergeben. Neben konkreten katalysierenden Ereignissen können auch religiöse oder weltliche Umbrüche zur Bildung einer Generation führen (vgl. Rogler, 2002, S. 1015). Rogler betont im Einklang mit Schewe & Meredith, dass nicht jeder Mensch, der sich einer Geburtskohorte zuordnen lässt, auch zu einer historischen Generation gerechnet werden kann. Jeder Mensch gehört in eine Kohorte, aber nicht jeder in eine historische Generation (vgl. Rogler, 2002, S. 1020). Schewe & Meredith verwenden jedoch den Kohortenbegriff für historische Generationen.

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22 Man kann in der Prägung der Generation zwischen zwei verschiedenen Sozialisations-wirkungen unterscheiden. So erlebt einmal jede Generation ein historisches Erlebnis in einem konkreten sozialen Kontext, aber gleichzeitig auch vor einem anderen biographischen Hintergrund. Dieser ist durch vorherige Sozialisationsprozesse bestimmt und ebenfalls generationsspezifisch (vgl. Preuss-Lausitz, Zeiher & Geulen, 1995, S. 12). Jede Erfahrung im Leben orientiert sich an vorherigen Erfahrungen. Die Erfahrungen summieren sich jedoch nicht einfach, „sondern organisieren sich immer wieder neu in Bezug auf einen tief verankerten biographischen Ausgangspunkt“ (Bude, 1995, S. 35). Insgesamt führt dies dazu, dass sich der Lebenslauf und die Sozialisation einer Generation von anderen unterscheiden (vgl. Preuss-Lausitz et al., 1995, S. 12).

Wie schon angedeutet sind vor allem Erfahrungen prägend, die im Alter von 17 bis 23 Jahren gemacht werden (vgl. Schewe & Meredith, 2004, S. 51–52). Diese prägenden Jahre, häufig auch als formative Phase bezeichnet, sorgen dafür, dass jede Kohorte ihre individuellen Merkmale und Verhaltensweisen ausbildet (vgl. DeVaney, 2015, S. 11; Gardiner, King & Grace, 2012, S. 312; Noble & Schewe, 2003, S. 981; Pendergast, 2010, S. 2; Scott & Zac, 1993, S. 330). Junge Erwachsene müssen alt genug sein, um an einer Bewegung aktiv teilzunehmen, aber gleichzeitig dürfen sie auch noch nicht in einem geregelten Leben mit festem Job, Eigenheim und Familie angekommen sein (vgl. Ryder, 1965, S. 848). Daraus ergibt sich das genannte Alter der formativen Phase. Teilweise werden jedoch auch schon gesellschaftliche Bedingungen während der Kindheit als prägend angesehen. Auch Erfahrungen in dieser Zeit können zu einer spezifischen Sozialisation und jeweils unterschiedlichen Einstellungen gegenüber späteren Entwicklungen führen (vgl. Preuss-Lausitz et al., 1995, S. 12). Für die Jugend und frühen Erwachsenenjahre spricht, dass der Mensch zu der Zeit besonders sensibel auf seine Umwelt reagiert. Er muss seinen Platz in der Gesellschaft finden, was dazu führt, dass er sich intensiver mit seiner Umwelt auseinandersetzt, als Personen in anderen Lebensphasen (vgl. Hurrelmann & Albrecht, 2014, S. 14–15). Auch Rogler erklärte, dass man identifizieren muss, wann genau Personen empfänglich sind, um auf historische Ereignisse zu reagieren. Wenn sie sich gerade in einer empfindlichen Phase befinden, sind sie potenzielle Mitglieder einer neuen Generation. Auch Rogler sieht hier junge Erwachsene in ihren frühen formativen Jahren als geeignet, die gerade für Veränderungen in ihrer Orientierung und Persönlichkeit besonders empfänglich sind. Diese Situation wird auch dadurch gefördert, dass man sich zu dieser Zeit im Übergang

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23 von der Familie mit gewissen Abhängigkeiten zur eigenen Familie mit neuen Rollen des Erwachsenenlebens befindet. Die Einflüsse prägender Events „disrupt the lives of young adults“ (Rogler, 2002, S. 1016) und verhindern, dass man nahtlos vom Elternhaus in die eigene Familie übergeht (vgl. Rogler, 2002, S. 1016).

2.1.1.3 Generationenidentität und –bewusstsein

Junge Erwachsene, die gemeinsam historische Ereignisse miterlebt haben und von den gleichen institutionellen Einflüssen geprägt wurden, entwickeln ein „kollektives Gedächtnis“. Die an vielen Stellen in der Gesellschaft vorgenommene Alterssegregation in Institutionen wie Schulen fördert diese Entwicklung. Das kollektive Gedächtnis einer Generation wird dadurch gestärkt, dass man sich mit Gleichaltrigen austauscht und die persönlichen Erzählungen zusammenführt. Auf der einen Seite beeinflusst das kollektive Gedächtnis die eigenen Erzählungen, auf der anderen Seite bildet es die Grundlage der Erinnerungskultur einer Gesellschaft. Die Gesellschaft wiederum entwickelt Symbole für ein historisches Ereignis, die auch die Personen, die zu einer Generation gehören, kennzeichnen (vgl. Rogler, 2002, S. 1017). Tatsächlich spielen symbolische Ausdrucksformen eine wesentliche Rolle für Generationen. Generationsidentitäten werden gefestigt und Orientierungen bleiben anhaltend bestehen, wenn sie regelmäßig von symbolischen Repräsentationen unterstützt werden. Sie bleiben als ein Teil der Identität ein Leben lang erhalten (vgl. Rogler, 2002, S. 1017– 1018). Die lebenslange Erhaltung dieser Orientierungen definiert historische Generationen (vgl. Rogler, 2002, S. 1016). An dieser Stelle wird deutlich, dass Aussagen über eine Generation erst sehr spät getroffen werden und erst Jahre nach prägenden Ereignissen, wie dem 11. September, und nach der Festigung von Einstellungen, valide Generationenbeschreibungen entstehen können (vgl. Rogler, 2002, S. 1020). Eine Identitätszuschreibung erfolgt immer retrospektiv (vgl. Lange & Lettke, 2007, S. 26).

Ordnet man sich bewusst einer Generation zu, kann von generationaler Identität gesprochen werden. Die bewusste Zugehörigkeit zu genau einer Generation und der entsprechenden handlungsrelevanten Perspektive ist damit zumindest eine Facette der eigenen Identität (vgl. Lüscher, 2010, S. 48). Daraus ergibt sich eine weitere

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