4. Positive Effekte von Kooperation

4.1. Wissenstransfer

4.1.3. Wissen

4.1.3.1. Abgrenzung von Wissen

Nachdem Kommunikation als wichtige Komponente im Wissenstransfer behandelt wurde, wird im Weiteren auf Wissen eingegangen. Dabei soll in einem ersten Schritt Wissen definiert, danach auf seine Abgrenzung in Bezug zu verwandten Konzepten eingegangen und daran anschließend eine Kategorisierung von Wissen vorgenommen werden.

Eine Definition von Wissen vorzunehmen und Wissen damit greifbar zu machen ist sehr schwierig. Bereits seit der Antike wird versucht Wissen genauer zu bezeichnen und abzugrenzen, wobei der Anstoß dazu meist durch Philosophen wie Plato, Wittgenstein (vgl. Müller 2009: 20f), Kant oder Descartes gegeben wurde (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 38ff). Die Abstraktheit von „Wissen“, ähnlich jener der Kommunikation erschwert das Entwickeln einer allumfassenden Definition. Plato meinte zu Wissen beziehungsweise Erkenntnis, dass sie das Ergebnis einer die Realität widerspiegelnde Vorstellung einer Erklärung ist. Sollte also nur ein geringes Zweifeln über einen Tatbestand, beispielsweise eine wissenschaftliche Theorie, herrschen, kann nicht mehr von Wissen gesprochen werden. Demgegenüber stehen die Ansätze des Rationalismus und Empirismus. Der Rationalismus spricht von Wissen, wenn durch logische Schlussfolgerungen Erkenntnis erreicht wird, auch ohne das zunutze Machen von Sinneswahrnehmungen. Der Empirismus hingegen sieht Wissen ausschließlich aus Sinneswahrnehmungen abgeleitet (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 38f). Trotz dieser verschiedenen Ansätze soll hier eine Arbeitsdefinition von Wissen vorgestellt werden, damit präzisiert wird, was mit Hilfe von Wissenstransfer weitergegeben werden soll. Die Auswahl der folgenden Definition ist in ihrer Verbindung der Konzepte des logischen, theoretischen

Erkenntnisgewinns des Rationalismus und des Erfahrungswissens durch Erleben und Wahrnehmen des Empirismus begründet. Ebenfalls wird Bezug auf die kognitive Ebene und die Handlungsebene im Konstruktivismus genommen, der im Zuge der Kommunikationstheorien erwähnt wurde.

„Wissen bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten. die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden. Es wird von Individuen konstruiert und repräsentiert deren Erwartungen über Ursache-Wirkungs- Zusammenhänge.“ (Probst et al. 2010: 23)

Um diese Definition vollends verständlich zu machen, soll noch genauer auf die Abgrenzung von Daten und Informationen zu Wissen eingegangen werden. Daten stellen Bausteine niedrigster Komplexität dar. Sie bestehen aus einzelnen Zeichen, also Buchstaben, Ziffern und manchmal auch Sonderzeichen, die durch bestimmte, festgelegte Regeln, wie Syntax oder einem Code, zu Zeichenketten angeordnet werden und so einen Symbolcharakter erhalten. Bekommen diese Daten nun einen Bedeutungszusammenhang, indem sie auf etwas Bezug nehmen, wird von Informationen gesprochen. Werden nun die neuen Informationen mit bereits gespeicherten verknüpft und verarbeitet, beispielsweise in den sie mit bereits vorhandenem bewusst verglichen und interpretiert werden, ist aus ihnen Wissen geworden (vgl. North 2016: 36f).

Wichtig bei der Unterscheidung von Daten, Informationen und Wissen ist, dass sie zwar eigenständige Konzepte sind, aber voneinander abhängen und deren Trennung fließend verläuft. Auf einem Kontinuum wird aus Daten über Informationen Wissen. So werden aus unstrukturierten, kontext-unabhängigen Daten strukturiertes, kontextualisiertes Wissen, das weiterverwendet werden kann. Umgelegt auf die Unternehmensebene bedeutet das, dass zwar im Unternehmen vorhandene Daten essentiell sind, sie ihren wahren Wert aber erst durch Aufarbeitung in weiterverarbeitbare Informationen und den Einsatz von fähigen MitarbeiterInnen, die diese Informationen mit Ihrem Erfahrungs- und Spezialwissen verknüpfen offenbaren. Erst im letzten Schritt können sinnvolle Empfehlungen für weiteres Vorgehen getroffen werden (vgl. Probst et al. 2010: 16ff; von Loh 2009: 12).

4.1.3.2. Wissensarten

Im vorangegangenen Kapitel wurde gezeigt, dass Wissen zu definieren von der zugrundeliegenden Weltanschauung beziehungsweise ihrem Verständnis abhängt. Bei der Beschäftigung mit den Wissensarten ist dies besonders relevant, da je nach dem, welche Definition von Wissen zugrunde gelegt wird, die Kategorisierung der Wissensarten unterschiedlich ausfällt. Das Konzept von Wissen basiert auf verschiedenen sozialen, kulturellen

oder wissenschaftlichen Hintergründen, die sich auf die Einteilung seiner Formen auswirkt. Das hier in dieser Arbeit verwendete Konzept von Wissen entstammt ebenso wie die angeführte Definition dem Wissensmanagement. Somit richtet sich auch die Einteilung der Wissensarten nach den im Wissensmanagement üblichen Kategorien, die im Folgenden dargestellt werden (vgl. Hug 2009: 90f).

Am häufigsten erfolgt die Kategorisierung der Wissensarten im Wissensmanagement entweder nach dem/der WissensträgerIn oder anhand der Möglichkeit das Wissen zu artikulieren (vgl. Müller 2009: 25f). Daneben können Wissensarten auch anhand der Freiheit das Wissen zu verwenden unterschieden werden (vgl. Willke 2011: 47f). Wird Wissen anhand der wissenstragenden Person eingeteilt, kann zwischen individuellem Wissen und kollektivem Wissen unterschieden werden. Individuelles Wissen ist Wissen, über das eine Person individuell verfügt. Kollektives Wissen hingegen ist Wissen, das in Gruppen dynamisch entstehen kann (vgl. Müller 2009: 25f) und wenn es sich bei der Gruppe um ein Unternehmen handelt, auch als organisationales Wissen bezeichnet wird (vgl. Ahlert et al. 2006: 48f). Anhand der Möglichkeit Wissen zu artikulieren lässt sich explizites Wissen von implizitem Wissen unterscheiden. Explizites Wissen ist Wissen, das relativ einfach kommunizieren lässt. Impliziten Wissen hingegen ist nur über Umwege anderen mitteilbar. Dazu zählen beispielsweise Intuition (vgl. Müller 2009: 26) oder das Lernen durch Zusehen (vgl. North 2016: 46f). Anhand der Freiheit der Nutzung des Wissens kann zwischen privatem und öffentlichem Wissen unterschieden werden. Privates Wissen ist jenes Wissen, zu dem der Zugang und die Nutzung beschränkt sind. Öffentliches Wissen hingegen ist für jede/n frei zugänglich und kann von jedem/jeder genutzt werden (vgl. Willke 2011: 47f).

Egal welche Einteilung von Wissensarten im Unternehmenskontext verwendet wird, essentiell ist, dass versucht wird, möglichst alles, in den Mitarbeitenden vorhandenes Wissen für das Unternehmen zu nutzen. Dazu wird das in jedem/jeder Mitarbeitenden vorhandene individuelle Wissen aggregiert und gemeinsam mit dem organisationalen Wissen als gesamtes unternehmerisches Wissen zusammengefasst (vgl. Ahlert 2006: 48f). Das organisationale Wissen bezeichnet im Allgemeinen Wissen, das nicht an bestimmte Personen gekoppelt ist, sondern unabhängig von den Mitarbeitenden im Unternehmen vorhanden ist. Es kann auch als institutionelles Wissen bezeichnet werden und umfasst unter anderem das Wissen um die Unternehmenskultur mit all seinen Teilbereichen, Traditionen und Leitlinien, Routinen und Arbeitsabläufen. Weitergegeben wird dieses Wissen durch kollektives Lernen, durch gemeinsam erlebte Erfahrungen oder die Sozialisation im Unternehmen (Willke 2001: 15ff).

Ebenfalls genauer soll die Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem Wissen betrachtet werden, da sie bereits als Problemfeld der öffentlichen Güter und Commons in Bezug auf Anti-

durch Eigentumsrechte und Copyright, geschützt. Besteht Bedarf an der Verwendung, ist die Erlaubnis der wissenstragenden Person oder Institution notwendig, die meist durch Lizenzen oder Nutzungsrechte vertraglich geregelt wird. Mögliche, auf längere Sicht daraus resultierenden Probleme wurden bereits behandelt. Aus der Sicht von Wissensmanagement ist der Umgang mit Eigentumsrechten ambivalent. Einerseits ist der Schutz der Ressource Wissen von Bedeutung, da ihre Generierung mitunter hohe Kosten verursacht, andererseits wird durch Schutzmaßnahmen der freie Wissenstransfer behindert. Ausgeklügelte Regeln bei der Nutzung des Wissens in Bezug auf diese Eigentumsrechte sind deshalb in größeren Unternehmen ein wichtiger Teil des Wissensmanagements. Dem privaten Wissen gegenüber steht öffentliches Wissen, das all jenes Wissen einschließt, dass durch Publikationen, Blog und andere Medien der breiten Öffentlichkeit zur Nutzung zur Verfügung steht (vgl. Willke 2011: 47f).

Die im Wissensmanagement aber häufigste Kategorisierung von Wissen und in Bezug auf Wissenstransfer hier wichtigste ist die Einteilung in implizites und explizites Wissen. Während es sich beim explizitem Wissen um Wissen handelt, das artikuliert und durch die Nutzung von Sprache weitergegeben werden kann, ist implizites Wissen kaum zu äußern, weil es sich beispielsweise um Hintergrundwissen (vgl. von Loh 2009: 15), Erfahrungswissen, Intuition, Heuristiken oder automatisierte Bewegungsabläufe handelt (vgl. Katenkamp 2011: 62). Implizites Wissen, auch als tacit knowlegde bezeichnet (vgl. Katenkamp 2011: 62), geht zurück auf Michael Polanyi. Er betrachtete das Wissen von Menschen aufgrund der Tatsache, „[…] daß wir mehr wissen, als wir zu sagen wissen.“ (Polanyi 1985: 14). Dies beschreibt er am Beispiel des Kennens einer Person, deren Beschreibung nicht in Worte formuliert werden kann, obwohl Menschen im Stande dazu sind, eine Person, die sie kennen, unter Tausenden oder Millionen wiederzuerkennen. Oder dem unbewussten Ablesen der Stimmung einer Person aus ihrem Gesichtsausdruck, ohne im Stande zu sein, zu präzisieren, warum genau auf ebendiese Stimmung geschlossen wird. Als Synonym zu dem von Polanyis Konzept des impliziten und expliziten Wissens führt er selbst die Unterscheidung zwischen „Wissen“ und „Können“ in der deutschen Sprache an. Er bezieht sich dabei auf die auf Gilbert Ryle zurückgehende Beschreibung (vgl. Polanyi 1985: 14ff) von „knowing that“ und „knowing how“, die seiner Unterscheidung von implizitem und explizitem Wissen sehr ähnlich ist (vgl. Ryle 2009: 16ff). Gemeinsam stellen die beiden Wissensdimensionen implizites und explizites Wissen das gesamte Wissen einer Person dar (vgl. Von Loh 2009: 15). Das implizite Wissen bildet die Grundlage für das explizite Wissen. Reziprok gilt das aber nicht, also das Vorhandensein von explizitem Wissen stellt nicht die Grundlage für implizites Wissen dar. So kann das Anwenden von explizitem Wissen beziehungsweise dem Versuch etwas zu erklären, das sonst unbewusst getan wird, als Blockade für das Abrufen des Impliziten wirken (vgl. Katenkamp 2011: 63). Als Beispiel kann sich das bewusste Vergegenwärtigen einer Technik beim Sport, zum Beispiel beim Laufen oder Radfahren, oder sonstiger Tätigkeit beim Ausführen negativ auf die Technik an sich

und Sauberkeit der Ausführung auswirken und diese blockieren. So kann es vorkommen, dass die beim Gehen gegengleich ausgeführte Bewegung des nach vorne Tretens des rechten Fußes bei gleichzeitigem nach vorne Schwingens des linken Armes bei Konzentration auf die Bewegung zu gleichzeitigem nach vorne Schwingens der rechten Extremitäten führt.

Nonaka & Takeuchi (2012) stellen das implizite, bei ihnen auch als subjektives Wissen bezeichnet, dem expliziten, objektiven Wissen gegenüber. Das Erfahrungswissen, das dem körperlichen entspringt, wird dem Verstandeswissen, begründet im logischen Nachdenken, gegenübergestellt. Wie bereits zuvor angedeutet, sehen sie die Entstehung des impliziten Wissens im „hier und jetzt“, also während dem Ausführen einer Tätigkeit. Explizites Wissen bildet sich im Vergleich dazu im „da und damals“, also in der gedanklichen Verarbeitung von Vergangenem. Ausgetauscht wird implizites Wissen „analog“, durch die gleichzeitige Ausührung einer meist komplexen Tätigkeit und deren Verarbeitung. Explizites Wissen kann in Form einer Theorie beziehungsweise Theoriewissen „digital“ vermittelt werden (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 77).

Nonaka & Takeuchi (2012) gehen davon aus, dass aus der Verbindung beziehungsweise Verknüpfung von implizitem und explizitem Wissen neues Wissen generiert werden kann. Dazu ist eine Umwandlung von Wissen notwendig, die in vier verschiedenen Formen vonstattengehen kann: Erstens, von implizitem Wissen zu implizitem Wissen. Dieser Vorgang wird als Sozialisation bezeichnet und findet sich in soziologischen Betrachtungen in Bezug auf Gruppenprozessen. Beispiele im Unternehmenskontext sind bei Arbeitsplatzwechsel das Erlernen einer neuen Unternehmenskultur und die Anpassung an diese oder das Erlernen eines Lehrberufes, bei dem der Lehrling dem/der MeisterIn bei der Berufsausübung zusieht. Zweitens, von implizitem Wissen zu explizitem Wissen, der Externalisierung. Dabei wird versucht aus implizit vorhandenen Gedankengängen durch Zuhilfenahme von Metaphern, Analogien oder Modellen in Verbindung mit Erklärungen, Gesprächen und Diskussionen Reflexion zu fördern um ein gemeinsames explizites Wissen zu erzeugen. Ein Beispiel für die Anwendung von Externalisierung findet sich bei der Konzepterstellung, bei dem die abstrakte, implizite Idee eines/einer MitarbeiterIn anderen zugänglich gemacht wird um dann als Teil des fertigen Konzepts von allen Beteiligten verstanden und präsentiert zu werden. Drittens, von explizitem Wissen zu explizitem Wissen, was als Kombination bezeichnet wird. Über die Verwendung von Medien, beispielsweise Dokumente, Nachrichten, Datenbanken oder Sprache wird explizites Wissen weitergegeben um beim/bei der EmpfängerIn mit ihrem vorhandenen expliziten Wissen verknüpft zu werden. Wesentlich bei der gewünschten Neugenerierung von Wissen ist jedoch, dass das vorhandene explizite Wissen neu aufbereitet, sortiert oder strukturiert wird um so einen Mehrwert zu erzeugen. Viertens, von explizitem zu implizitem Wissen. Bei der hier vorliegenden Internalisierung handelt es sich um ein Konzept ähnlich dem „learning by doing“. Diese Form der Wissensgenerierung tritt dann auf,

wenn gemeinsam aus den davor erwähnten Formen der Wissensumwandlung Sozialisation, Externalisierung und Kombination gemeinsame mentale Modelle, also gemeinsame Vorstellungen, Werte, Konzepte oder Ideale, entstehen oder bestimmtes technisches Know-How verinnerlichen (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 78ff).

Aus der dargestellten Verknüpfung der Wissensarten implizites und explizites Wissen ist auch zu schließen, dass ein Kontinuum zwischen ihnen existiert und keine strenge Trennung möglich ist. Bei gewissen Ausprägungsformen von Wissen kann es sich somit um teilweise explizites und teilweise implizites Wissen handeln. Zudem kann es, werden auch die TrägerInnen des Wissens berücksichtigt, sowohl individuell als auch organisational vorhanden sein. Da das Ziel von Unternehmen in Bezug auf das Wissen ihrer Mitarbeitenden, wie hier beschrieben wurde, das Nutzbarmachen des individuellen Wissens und die Steigerung des vorhandenen Wissens sein solle, stellen die vier Vorgänge Sozialisation, Externalisierung, Internalisierung und Kombination wichtige Instrumente für Unternehmen dar. Trotzdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Wissen an sich etwas Abstraktes ist und je nach Ausgangspunkt verschiedene Konzepte umfassen kann. Um also auch in Unternehmen von Wissen sprechen zu können ist es von Bedeutung, ein gemeinsames Konzept von Wissen, beispielsweise in Form eines gemeinsamen, in der Unternehmenskultur, so wie in Kapitel 3.3. vorgestellt, verwurzeltem mentalen Modell zu entwickeln und gegebenenfalls anzupassen. Der im vorangegangenen Kapitel vorgestellten nonverbalen Kommunikation kommt bei Verbindung mit implizitem Wissen eine besondere Bedeutung zu. Implizites Wissen kann nur schwer explizit ausgedrückt werden, weshalb Tätigkeiten wie beispielsweise das Vorzeigen bestimmter Vorgehensweisen oder Ausführungsmöglichkeiten hauptsächlich nonverbal vermittelt werden. Das unterstreicht die Wichtigkeit der oft unterschätzten nonverbalen Kommunikation.

4.1.4. Wissenstransfer

4.1.4.1. Modell der Wissensschaffung nach Nonaka & Takeuchi

Nachdem Wissen und Kommunikation als wesentliche Elemente des Wissenstransfers detaillierter besprochen wurden, soll hier explizit auf Wissenstransfer eingegangen werden. Dazu wird kurz ein Überblick gegeben und in weiterer Folge zwei wichtige Modelle des Wissenstransfers vorgestellt. Danach werden auch potentielle Wissenstransferbarrieren besprochen.

Im Allgemeinen kann Wissenstransfer auf grob vereinfachte Weise analog zum in Kapitel 4.1.1.1. vorgestellten Grundmodell der Kommunikation nach Shannon (1948) betrachtet werden. Um Wissenstransfer zu betreiben wird ein/e Sendende benötigt, die nicht nur das Vermögen, sondern auch den Willen dazu hat ihr Wissen weiterzugeben. Das weiterzugebende, abstrakte Wissen wird kodiert und in Form von Informationen, für deren Austausch entsprechende Instrumente,

beispielsweise Kommunikationsinstrumente oder das „Vorzeigen“ einer Tätigkeit, notwendig sind, umgewandelt. Beim/Bei der empfangenden Person werden diese Informationen decodiert und zu Wissen umgewandelt, womit der eigentliche Wissenstransfer beendet ist (vgl. Ahlert et al. 2006: 71). In diesem Zusammenhang soll auf die Wichtigkeit von Vertrauen in Bezug auf Wissenstransfer verwiesen werden. Gibt es zwischen den sendenden und empfangenden Personen ein Vertrauensverhältnis, fällt die Wissensweitergabe leichter. So gibt der/die Sendende das Wissen anderen, von ihr als vertrauenswürdig angesehenen Personen bereitwilliger weiter und wird auch besser von der/den empfangenden Person/en verstanden, verarbeitet und gespeichert, wenn sie der sendenden vertraut. Gegenseitiges Vertrauen beeinflusst somit den Wissenstransfer positiv (vgl. Fladnitzer 2006: 2017).

Im Idealfall wird das im Zuge des Transfers erhaltene Wissen in weiterer Folge mit bereits vorhandenem Wissen und/oder Erfahrungen verknüpft und so neues Wissen geschaffen beziehungsweise das erhaltene Wissen erweitert (vgl. Ahlert et al. 2006: 71). So sprechen auch Nonaka & Takeuchi (2012) von einer Erweiterung des neu erhaltenen Wissens durch die Verknüpfung mit bereits vorhandenem (Nonaka & Takeuchi 2012: 78), wie in Kapitel 4.1.2.2. beschrieben wurde. Aufbauend auf ebendieser Beschreibung der Wissensarten und Umwandlungsformen von Wissen wird genauer auf ihr fünf-Phasen-Modell der Wissensschaffung eingegangen.

Wie bereits erwähnt sehen Nonaka & Takeuchi (2012) vier Formen der Wissensumwandlung: Internalisierung, Externalisierung, Kombination und Sozialisation. Sie beruhen auf dem Austausch und der Umwandlung von implizitem und explizitem Wissen. Sozialisation als der Austausch von implizitem Wissen resultiert in sympathetischem Wissen, Kombination als Austausch von explizitem Wissen führt zu systemischen Wissen, Externalisierung durch Umwandlung von implizitem Wissen zu explizitem Wissen generiert konzeptuelles Wissen und Internalisierung, welche die Umwandlung von explizitem zu implizitem Wissen bezeichnet, zieht operatives Wissen nach sich. Durch die Verknüpfung ebendieser vier Wissensarten kann neues Wissen generiert werden. Dieses Konzept der Umwandlung der Wissensarten wird als Wissensspirale bezeichnet, weil beispielsweise sympathetisches Wissen im Rahmen von Sozialisation und Externalisierung zu konzeptuellen Wissen umgewandelt werden kann, dass das in weiterer Folge durch Kombination und Internalisierung erweitert und in andere Wissensarten übergeführt werden kann, bis es schlussendlich als erweitertes sympathetisches Wissen vorliegt (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 89ff).

Bei der Wissensspirale handelt es sich jedoch um kein zweidimensionales Konzept, wie aufgrund der angedeuteten Kreislaufbeziehung der Wissensumwandlungen angedeutet. Tatsächlich entwickelt sich die Spirale dreidimensional und steigt mit ihrem Voranschreiten der Wissensumwandlungen in höhere Ebenen im Vergleich zu ihrem Ursprungsniveau auf und breitet

sich spiralförmig aus. Ausgangspunkt bildet das jeweilige Individuum mit seinem/ihren individuellen Wissen, welches sich bei Austausch über die verschiedenen Wissensarten anreichert und neue Interaktionsebenen, die auch unternehmensübergreifend sein können, erreicht (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 92f). In Abbildung sechs wird dies zur Verdeutlichung dargestellt.

In der Abbildung links außen ist das erwähnte Kontinuum zwischen implizitem und explizitem Wissen vertikal eingezeichnet. Auf die gleiche Weise ist rechts davon die epistemologische Dimension des Wissens eingetragen, innerhalb derer sich die vier Umwandlungs- und Austauschprozesse befinden. Sozialisierung und Internalisierung finden sich auf der Achse vom implizitem Wissen, da innerhalb dieser Prozesse Wissen in implizites Wissen umgewandelt beziehungsweise implizites Wissen ausgetauscht wird. Kombination und Externalisierung finden sich auf der Achse des expliziten Wissens, weil bei diesen Prozessen Wissen in explizites umgewandelt wird oder als explizites Wissen ausgetauscht wird. Die zuvor erwähnten Ebenen, anhand der sich die Spirale der Wissensschaffung dreidimensional ausbreitet wird hier in der horizontalen dargestellt. Die verschiedenen Wissensebenen sind hier wie die ontologische Dimension dargestellt (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 92ff).

Abb. 6: Die Wissensspirale (aus Nonaka & Takeuchi 2012: 92)

Um nun die Wissensschaffung auf individueller Ebene in Gang zu setzen und auf Unternehmensebene auszubreiten, müssen verschiedene Faktoren erfüllt werden, die in fünf unterschiedlichen zusammengefasst werden können: Intention, Autonomie, Fluktuation und

kreatives Chaos, Redundanz und notwendige Vielfalt. Die Intention als erster Faktor zum Starten

festgelegten Ziele soll sie zur Beurteilung und Wertung von Wissen beitragen um all jenes Wissen erfassen zu können, dass für die Zielerreichung essentiell ist oder sein wird. Als zweite Voraussetzung ist die Autonomie der Mitarbeitenden zu bezeichnen. Diese sollte so weit von der auszuübenden Tätigkeit wie nur möglich gefasst werden, da sie die Motivation und Flexibilität der Mitarbeitenden, das eigenständige Denken, die Generierung und den Transfer von Wissen fördert. Das kann in weiterer Folge verbreitet werden und in den Wissensbestand des Unternehmens übergehen (vgl. Nonaka & Takeuchi 2012: 93ff).

Fluktuation und Chaos bezeichnen nach Nonaka & Takeuchi (2012) jenen Zustand in einem

Unternehmen, der immer dann auftritt, wenn externe Faktoren das Unternehmensumfeld in einer besonderen Weise verändern, die eine Neuausrichtung des Unternehmens beziehungsweise der unternehmerischen Prozesse und ihren zugrundeliegenden Denkweisen verlangen. Auch kontinuierliche Veränderungen, die ein Mitdenken verlangen, zählen hierzu. Durch Interaktionen, beispielsweise in Form von Dialogen, Diskussionen und Reflexionen können diese von außen induzierten Veränderungen genutzt werden um neues Wissen zu schaffen und bestehende Prozesse zu verbessern. Die vierte Voraussetzung für die Wissensspirale ist Redundanz.

Redundanz in diesem Zusammenhang bedeutet das Vorliegen von Überschneidungen in der

Daten- und Informationsspeicherung, bei der Vergabe von Tätigkeiten und auch bei Managementaufgaben. Dies soll bewirken, dass implizites Wissen über ein und denselben Tatbestand ausgetauscht wird und vorhandene Konzepte aus anderen Blickwinkeln betrachtet werden. Auch kann das Vorkommen von Redundanzen als zusätzliche, erweiterte Informationen,

Im Dokument Kooperation als Grundlage für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Unternehmen / eingereicht von Ida Christa Maria Riedl, BSc BSc (Seite 60-77)