Im Folgenden werden die Energiekennzahlen und Konzeptergebnisse für den Wärmebedarf im Bereich der privaten Haushalte dargestellt. Die Ermittlung der Konzeptergebnisse basiert auf der in Kapitel 3.2.1 beschriebenen Methodik in Verbindung mit den hier genannten spezifischen Energiekennzahlen. Es wird beim Wärmebedarf dabei nicht zwischen einer Maximal-Dezentral und Moderat-Dezentral Konzeptvariante unterschieden, wie dies beispielsweise beim Strombe- darf und im Verkehrssektor der Fall ist.

Raumwärmebedarf

Für die Ermittlung des Raumwärmebedarfs im Ausgangsjahr 2010 werden spezifische Energiekennzahlen zum nutzenergetischen Raumwärmebedarf aus dem Gebäudemodell HEAT des Wuppertal Instituts verwendet, die sich auf die beheizte Wohnfläche beziehen und sich je nach Bebauungsart und Bebauungsalter in den einzelnen Gebäudetypen unterscheiden. Dies ist dadurch bedingt, dass die Kompaktheit der Bebauung sowie die baulichen Merkmale der Bauperioden und die jeweils gültigen EnEV Verordnungen in unterschiedlichen energetischen

Nachfrage nach Strom und Wärme im MAX-DEZ Konzept 83

Eigenschaften der Gebäudehülle resultieren. Generell nimmt der spezifische nutzenergetische Raumwärmebedarf mit abnehmenden Baualter und steigender Kompaktheit der Gebäudetypen ab (Tabelle 4-1) (EFH: Einfamilienhaus; MFH: Mehrfamilienhaus, GHM: Großes Mehrfamili- enhaus).

Tabelle 4-1: Gebäudetypologie und Energiekennzahlen für die Ermittlung des Raumwärmebedarfs 2010

Gebäudetyp Energiekennzahl (kWh/(m2*a))

EFH AB=vor 1918 209 C= 1919-1948 189 D=1949-1957 206 E=1958-1968 157 F= 1969-1978 148 G=1979-1983 131 H=1984-1994 134 I=1995-2001 80 J=2002-2006 68 MFH AB=vor 1918 167 C= 1919-1948 139 D=1949-1957 169 E=1958-1968 154 F= 1969-1978 119 G=1979-1983 102 H=1984-1994 81 I=1995-2001 81 J=2002-2006 42 GMH AB=vor 1918 114 C= 1919-1948 173 D=1949-1957 134 E=1958-1968 142 F= 1969-1978 130 G=1979-1983 94 H=1984-1994 113 I=1995-2001 J=2002-2006

Für die Ermittlung des Raumwärmebedarfs im Zieljahr 2050 wird von einer ambitionierten Sanierung des kompletten Gebäudebestandes bzw. einem energieeffizienten Neubau ausgegan- gen. Es kommt insgesamt zu keiner flächenmäßigen Veränderung der beheizten Wohnfläche (d.h. der Abriss an Gebäuden entspricht bezogen auf die Wohnfläche dem Neubau). Verringe- rungen des Raumwärmebedarfs resultieren aus Verbesserungen der Sanierungsbreite und -tiefe. Es wird dabei angenommen, dass die Sanierungen jeweils entsprechend zwei Standards

erfolgen, die in zwei Raumwärmeklassen (RWK) resultieren. Die Raumwärmeklasse 1 umfasst Sanierungen entsprechend den Standards KfW 100 und KfW 70 wohingegen die Raumwärme- klasse 2 Sanierungen entsprechend KfW 55 und dem Passivhausniveau umfasst. Die Annahmen zur Verteilung der Gebäude auf die Raumwärmeklassen 1 und 2 im Zieljahr 2050 basieren auf einer Anpassung von auf Landesebene durchgeführten Szenariomodellierungen für Nordrhein- Westfalen im Rahmen des Klimaschutzplans NRW (NRW Szenario) an die regionalen Gegebenheiten der Stadt Rheine und spezifischen Annahmen zur Sanierungstiefe und -breite in den einzelnen Zeitscheiben bis zum Jahr 2050. Im Durchschnitt wird dabei von einer Sanie- rungsrate von 2,5 Prozent ausgegangen, was einer Sanierung des kompletten Wohngebäudebe- standes der Stadt Rheine bis zum Jahr 2050 entspricht. Tabelle 4-2 stellt die Energiekennzahlen der Gebäudetypen und die anteilsmäßige Verteilung der Wohnfläche innerhalb der jeweiligen Gebäudeart im Zieljahr der Konzeptmodellierung 2050 dar. Beispielsweise sind 68,9 % der Wohnfläche aller Einfamilienhäuser in Rheine zu diesem Zeitpunkt entsprechend der Raum- wärmeklasse 1 saniert und weisen in Folge dessen einen spezifischen nutzenergetischen Wärmebedarf von 60 kWh/m2 pro Jahr auf.

Tabelle 4-2: Gebäudetypologie und Energiekennzahlen für die Ermittlung des Raumwärmebedarfs 2050 Gebäudetyp Energiekennzahl (kWh/(m2*a)) Anteil 2050 am jeweiligen Gebäu- detyp EFH RWK 1 60 68,9 % RWK 2 34 31,1 % GMH RWK 1 60 65,1 % RWK 2 30 34,9 % MFH RWK 1 56 68,9 % RWK 2 42 31,1 % Warmwasserbedarf

Für die Ermittlung des nutzenergetischen Warmwasserbedarfs im Ausgangsjahr 2010 und Zieljahr 2050 werden personenbezogene spezifische Energiekennzahlen verwendet. Tabelle 4-3 zeigt, dass sich der spezifische Energiebedarf für die Warmwasserbereitstellung zwischen den Jahren 2010 und 2050 mehr als halbiert. Die Ursache hierfür sind im Wesentlichen wassertech- nische Annahmen (wassersparende Armaturen).

Tabelle 4-3: Energiekennzahlen Warmwasserbedarf 2010 / 2050 (kWh/(Person*a))

Spezifischer Warmwasserbedarf (kWh/(Person*a)) 2010 1.198

2050 586

Ergebnisse Konzeptmodellierung im Bereich Wärmebedarf

Tabelle 4-4 stellt den nutzenergetischen Raumwärme- und Warmwasserbedarf im Ausgangsjahr 2010 und im Zieljahr der Konzeptmodellierung 2050 dar. Insgesamt verringert sich der Energiebedarf von 539 GWh/ auf 198 GWh/a um ungefähr 63 Prozent. Mit 65 Prozent entfällt dabei ein relativ größerer Teil der Bedarfsminderung auf den Raumwärmebereich, wohingegen der Warmwasserbedarf um 56 Prozent gemindert wird. Insgesamt entfällt mit 84 Prozent der Großteil des nutzenergetischen Wärmebedarfs der Haushalte auf den Bereich Raumwärme. Durch Effizienzverbesserungen sind somit in diesem Bereich die größten Einsparungen für den Wärmeverbrauch der Haushalte zu erreichen.

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Tabelle 4-4: Wärmebedarf der privaten Haushalte 2010 und 2050

2010 (GWh) 2050 (GWh)

Raumwärmebedarf 450,3 158,7

Warmwasserbedarf 88,9 39,3

Wärmebedarf insgesamt 539,2 198,0

Strombedarf der Haushalte im MAX-DEZ Konzept

Die Ergebnisse des Strombedarfes im MAX-DEZ Konzept basieren auf den Berechnungen und der Methodik, die auch für das MOD-DEZ Konzept (siehe Kapitel 5.1) angewendet wird. Wie in Kapitel 3 beschrieben, ist die Eigeninitiative der Akteure (in diesem Fall der einzelnen Bürger durch beispielsweise eine Änderung des Nutzerverhaltens) ein zentrales Merkmal, durch welches sich das MAX-DEZ Konzept im Vergleich zu MOD-DEZ auszeichnet. In Bezug auf den Strombedarf in Haushalten bedeutet dies konkret, dass angenommen wird, dass Bewohner aktiv zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen, indem sie zum einen bereit sind, Geräte mit höherer Effizienzklasse zu kaufen, und zum anderen die Ausstattung mit energieintensiven Geräten vermeiden. Die Folge dessen sind Gerätebestände mit einer höheren Energieeffizienz sowie variierende Ausstattungsraten in den einzelnen Kategorien.

Im Folgenden werden die Abweichungen zum MOD-DEZ Konzept in den einzelnen Geräteka- tegorien dokumentiert und die sich daraus ergebenden Senkungen des Energiebedarfs aufge- zeigt.

Kühlen sowie Waschen/Spülen/Trocknen: Lediglich geringfügige Steigerung der Effizienz gegenüber dem im MOD-DEZ angenommenen Bestand in 2050 (durchschnittlich A+++ 2013). Jedoch wird angenommen, dass sich hier das energetische Bewusstsein weiter durchsetzt und vor allem im Bereich der Kühlung auf kleinere Kühlvolumina gesetzt wird. Dadurch steigt die Ausstattungsrate der Kühl-Gefrierkombinationen im Vergleich zu Einzelgeräten.

Durch vermehrte Trocknung an der Luft sinkt die Ausstattungsrate von Wäschetrocknern; ein Effizienzzuwachs kann im Bereich der Wasch- und Spülmaschinen durch geringere Wasch- temperaturen erreicht werden.

IKT-Nutzgeräte, Desktopcomputer, Monitore, Mobile Computer, Telefon:

In diesen Kategorien wird eine verstärkte Vereinigung der Aufgaben in zentralen Geräten angenommen, was geringere Ausstattungsraten von Geräten mit wenigen Funktionen (z.B. Festnetztelefon) zur Folge hat. Zusätzlich wird angenommen, dass sich die Effizienz der zentralen Geräte weiter verbessert.

IKT-Homeserver:

In Folge des flächendeckenden Einsatzes werden sehr anspruchsvolle Vorgaben zu Effizienz- verbesserungen erwartet, deren Realisierung trotz der weiter steigenden Ausstattungsraten dazu beiträgt das der Energiebedarf weiter verringert wird.

IKT-Peripheriegeräte:

Die Ablösung der analogen Geräte (z.B. Fax) durch Digitaltechnik vollzieht sich schneller als im MOD-DEZ Konzept, was früher zu sinkendem Stromverbrauch führt.

Haushaltskleingeräte:

Generell wird eine geringfügig bessere Energieeffizienz der Geräte unterstellt. Ausstattungsra- ten von Geräten mit Einzelfunktionen (z.B. Camcorder) werden weiter reduziert.

Einige Geräte (z.B. Mikrowelle) substituieren energieintensive Anwendungen (Elektro-Herd) etwas stärker.

Fernseher: Die Ausstattungsrate an Großbildfernsehern sinkt geringfügig zugunsten sonstiger Monitortypen (insb. Mobilanwendungen), welche verstärkt eingesetzt werden.

Beleuchtung: Effizienzsteigerung um ca. 80% gegenüber 201020

Klimageräte: Die Ausstattungsrate wird aufgrund des Energiebewusstseins der Bürger leicht abgesenkt.

Umwälzpumpe / Sonstige Verbraucher: Weitere geringfügige Effizienzsteigerung bei gleichbleibenden Ausstattungsraten.

Die hier beschriebenen Anpassungen der Annahmen im Rahmen des MAX-DEZ Konzepts ziehen eine weitere Absenkungen des Strombedarfs in Haushalten nach sich. Im Vergleich zum MOD-DEZ Konzept fallen diese jedoch relativ gering aus. Mit durchschnittlich 1.197 kWh/(HH*a) wird der Bedarf gegenüber 2010 um ca. 54% verringert (MOD-DEZ: 48%). Folgende Tabelle 4-5 zeigt die spezifischen Verbräuche der einzelnen Kategorien sowie die prozentualen Anteile am Gesamtverbrauch.

Für den Gesamtstrombedarf des Haushaltssektors in der Stadt Rheine bedeutet die Entwicklung nach dem MAX-DEZ Konzept eine Verringerung um 43,8 GWh/a (56%) auf ca. 34,3 GWh/a (2050) gegenüber einem Verbrauch von 78,1 GWh/a in 2010.

Tabelle 4-5: Verbrauchsanteile der Gerätekategorien in 2050

Gerätekategorisierung Stromverbrauch je Haushalt in 2050

kWh/a Anteil %

A Kühlen und Gefrieren 192 12%

B Waschen Spülen Trocknen 231 19%

C Kochen 158 13% D IKT Nutzgeräte 105 9% E IKT Homeserver 116 10% F IKT Peripheriegeräte 4 0% G Kleingeräte 176 15% H TV 148 12% I Beleuchtung 79 7% J Klimaanlage 5 0% K Wasserversorgung 11 1% L Sonstige 25 2% Gesamtbedarf: 1.197 kWh/a

20 gemäß FFE-Studie: Wagner et al. „Energiezukunft 2050 – Teil II Szenarien“ Forschungsstelle für Energiewirt-

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Strom- und Wärmebedarf des Industrie- und Gewerbesektors im

Im Dokument Die kommunale Effizienzrevolution für den Klimaschutz in den deutschen Städten - KomRev : Voraussetzungen, Transformationspfade und Wirkungen ; Abschlussbericht (Seite 82-87)