Um wirklich sinnvoll und effizient auf diesem Gebiet arbeiten zu können und um brauchbare Aussagen zu einem Fall treffen zu können, benötigen die Fallanalytiker vor allem eines, nämlich Vergleichsfälle. Das bereits kurz angesprochene kanadische Computersystem ViCLAS kommt inzwischen weltweit zum Einsatz und erlaubt es, Fälle von überall auf der Welt miteinander zu vergleichen.

114 Vgl. Hoffmann, Auf der Suche nach der Struktur des Verbrechens (2006) S.86

5 ViCLAS - Violent Crime Linkage Analysis System

Das Violant Crime Linkage Analysis System ist in den Jahren 1992 bis 1994 auf Basis des amerikanischen ViCAP Systems entwickelt worden. Hier werden nicht nur Mordfälle sondern auch alle Sexualdelikte gesammelt und archiviert. Aufgrund des Aufbaus des Systems ist es relativ einfach möglich, es in jede Sprache zu übersetzen. Dies ist vermutlich auch einer der Gründe, warum es bis heute in Kanada, Amerika und fast allen europäischen Ländern zum Einsatz kommt.116

In Kanada befinden sich mehr als 60 000 Datensätze im System und auch in den europäischen Staaten werden die Daten ständig erweitert. In einigen Ländern ist für einzelne Delikte eine Meldepflicht eingeführt worden, welche gewährleisten soll, dass alle relevanten Fälle auch wirklich erfasst werden. Diese Meldepflicht umfasst vor allem: Tötungsdelikte einschließlich deren Versuch, Sexualdelikte unter Anwendung von Gewalt einschließlich deren Versuch, verdächtiges Ansprechen von Kindern und Jugendlichen mit sexuellem Hintergrund und Vermisstenfälle, bei denen die Umstände auf ein Verbrechen schließen lassen.117

Österreich ist in Europa das zweite Land, welches eine Datenbank zur Analyse von DNA installiert hat, außerdem ist unter der Leitung von Dr. Thomas Müller eine Datenbank angelegt worden, mit deren Hilfe innerhalb von wenigen Sekunden 16.000 Delikte miteinander verglichen werden können, um so mögliche Gemeinsamkeiten und Parallelen zu erkennen. Für den Vergleich hat man einzelnen Variablen für den Abgleich entwickelt. Um die Datenbank so aktuell wie möglich zu halten, wird sie laufend mit neuen Daten erweitert.118

Zunächst hat man bei der Eingabe einer Tat 268 Fragen ausfüllen müssen, danach sind diese auf 168 reduziert. worden Die Eingabe ist dadurch allerdings sehr zeitaufwendig gewesen. Im Jahr 2009 sind in Österreich die Eingabekriterien erneut reformiert worden. Der von Thomas Müller gegründete kriminalpsychologische Dienst (KPsD) ist in Österreich mit der Verwaltung der Datenbank und Eingabe der Fakten aus den Kriminalakten betraut worden.119

.

116 Vgl. Nagel, Neue Wege in der Ermittlungspraxis (2006) S.301

117 Vgl. Nagel, Neue Wege in der Ermittlungspraxis (2006) S.301

118 Vgl. Vortrag Müller

6

Profiler

als

Verfahrensbeteiligte

im

österreichischen

Strafprozess

Nachdem in dieser Arbeit bereits ausführlich auf die Methoden und das Betätigungsfeld eines Profilers eingegangen worden ist, stellt sich als nächstes die Frage, auf welche Art und Weise er beim Strafprozess mitwirken kann. Das Strafverfahren ist in Österreich in der Strafprozessordnung (StPO) geregelt. Hier finden sich auch Regelungen zu den diversen Beteiligten eines solchen Verfahrens. Der gesamte Prozess gliedert sich in insgesamt drei Verfahrensteile. Diese sind das Ermittlungsverfahren, gefolgt vom Hauptverfahren und schließlich dem Rechtsmittelverfahren.120

Die Arbeit des Profilers ist sowohl im Ermittlungsverfahren als auch in der Hauptverhandlung mitunter von großer Bedeutung. Da die Rolle des Profilers im Ermittlungsverfahren, nämlich die fachkundige Unterstützung und Beratung des Ermittlungsteams, bereits in früheren Kapiteln ausführlich behandelt worden ist, soll nun in Folge ein genauerer Blick auf den Profiler als Verfahrensbeteiligten im Hauptverfahren geworfen werden.

6.1 Hauptverfahren im Strafprozess

Das gesamte Strafverfahren hat den Zweck, das Vorliegen materieller Straftatbestände, die Beteiligung von verschiedenen Personen und schließlich deren Schuld zu überprüfen, um daraus entsprechende Rechtsfolgen ableiten zu können. Das Gericht ist hierbei zur Erforschung der materiellen Wahrheit verpflichtet und sollte dazu immer alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen.121

Das Hauptverfahren schließt an das Ermittlungsverfahren an und beginnt mit dem Einbringen der Anklage. Im Zentrum des Hauptverfahrens steht die sogenannte Hauptverhandlung, diese muss mit einem Urteil enden.122

Ein wesentlicher Bestandteil der Hauptverhandlung ist das Erheben und Präsentieren der Beweise. Unter dem Beweis versteht man alle während des Prozesses eingebrachten Tatsachen zu einem Sachverhalt, welche vom Gericht zur Entscheidungsfindung herangezogen werden. Diese werden schließlich als Wirklichkeit angesehen. Beweise

120 Vgl. Birklbauer, Strafprozessrecht (2016) Rz 6 ff

121 Vgl. Plewig, Funktion und Rolle des Sachverständigen aus der Sicht des Strafrichters (1983) S.1 122 Vgl. Birklbauer, Strafprozessrecht (2016) Rz 6 ff

sind stets Tatsachen und Erfahrungssätze, jedoch nie Rechtsvorschriften. 123 Das Beweisverfahren ist in den § 246 ff StPO geregelt.124

Welche Beweismittel während der Hauptverhandlung vorgelegt und aufgenommen werden, hängt davon ab, welche Beweisanträge von den Parteien gestellt werden. Zudem kann der Vorsitzende gem. § 254 StPO auch von Amts wegen Beweise aufnehmen, wenn ihm dies als besonders notwendig für die Wahrheitsfindung erscheint.125 An das Hauptverfahren schließt sich häufig das Rechtsmittelverfahren an.126

6.2 Einordnung des Profilers als Verfahrensbeteiligter

Im Rahmen des Beweisverfahrens können verschiedene, in der Strafprozessordung genannte Beweismittel vorgebracht werden. Es gibt keinen abschließenden Beweismittelkatalog127

Nach herrschender Lehre werden die Beweise in persönliche Beweismittel nämlich die Beschuldigten-, Zeugen-, und Sachverständigenvernehmung und in die sachlichen Beweismittel, nämlich die Verlesung von Schriftstücken, die Vorführung technischer Aufnahmen und den Augenschein unterteilt. Die in der StPO genannte Aufzählung von Beweismittel ist als taxativ anzusehen.128

Der Sachverständige ist also im Strafprozess als persönliches Beweismittel einzuordnen, jedoch ist er im Gegensatz etwa zum Zeugen beliebig austauschbar und durch einen anderen Sachverständigen ersetzbar.129 Da der Profiler eine natürliche Person ist, fällt er als solche in die Kategorie der persönlichen Beweismittel und kann daher nach dieser Aufzählung ausschließlich als Zeuge, sachverständiger Zeuge oder als Sachverständiger eingeordnet werden.130

Im Dokument Kriminalpsychologische Tatortanalyse und Profiling: eine Betrachtung ihrer Bedeutung für die österreichische Strafrechtspflege / eingereicht von Cornelia Maria Pascher (Seite 33-36)