3 Ergebnisse

3.2 Kardiovaskuläres Risikoprofil

3.2.1 Nicht-nutritive und nutritive kardiovaskuläre Risikofaktoren

Raucherstatus

Bei Studienaufnahme wurden Patienten und Probanden zu ihrem aktuellen Raucherstatus befragt: In der Gruppe der gesunden Probanden lag der Anteil der Raucher bei 17,7% und bei den Patienten bei 39,4%. Diesbezüglich zeigte sich zwischen beiden Gruppen ein signifikanter Unterschied (Chi- Quadrat-Test: χ²=8,46, p=0,004).

Hypertonie

Bezüglich der Blutdruckwerte zeigte sich ebenfalls ein signifikanter Unterschied: Sowohl systolische als auch diastolische Werte wurden in der Gruppe der depressiven Patientin signifikant höher gemes- sen (systolischer Blutdruck: Mann-Whitney-U-Test: Z=-2,05, p=0,04; diastolischer Blutdruck: Mann- Whitney-U-Test: Z=-2,79, p=0,005).

Depressive Gesunde Mann-Whitney-U-Test Blutdruck systolisch (mmHg) 130,0 ±11,8 126,9 ±20,1 Z=-2,05, p=0,04 Blutdruck diastolisch (mmHg) 79,9 ±6,9 76,5 ±12,5 Z=-2,79, p=0,005 Tabelle 11: Blutdruckwerte bei Depressiven und Gesunden, Mittelwert und Standardabweichung

Adipositas

Anhand von Körpergröße und Gewicht wurde bei allen Teilnehmern der BMI berechnet. Außerdem wurde der Bauchumfang in cm gemessen. Hier zeigte sich bezüglich Bauchumfang und BMI ein signi- fikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen: Die depressiven Patienten hatten mit durchschnitt- lich 96,8cm einen größeren Bauchumfang (Mann-Whitney-U-Test: Z=-2,35, p=0,019) und mit durch- schnittlich 25,6 kg/m² einen höheren BMI (Mann-Whitney-U-Test: Z=-2,56, p=0,011) als die Proban- den.

Depressive Gesunde Mann-Whitney-U-Test

BMI (kg/m²) 25,6 ±4,1 24,0 ±2,8 Z=-2,56, p=0,011

Bauchumfang (cm) 96,8 ±13,2 87,4 ±10,6 Z=-2,35, p=0,019

Tabelle 12: BMI und Bauchumfang bei Depressiven und Gesunden, Mittelwert und Standardabweichung

Diabetes mellitus und Glucosestoffwechselstörung

Gemäß den Ausschlusskriterien war keiner der Studienteilnehmer an Diabetes mellitus erkrankt. Bei der Messung der Nüchternglucosespiegel zeigte sich ein Unterschied zwischen beiden Gruppen: Mit

96,4mg/dl im Mittel lag der Blutzuckerspiegel bei den depressiven Patienten signifikant höher (Mann-Whitney-U-Test: Z=-2,80, p=0,005).

Depressive Gesunde Mann-Whitney-U-Test Nüchternglucose (mg/dl) 96,4 ±19,0 86,7 ±12,5 Z=-2,80, p=0,005 Tabelle 13: Nüchternglucose bei Depressiven und Gesunden, Mittelwert und Standardabweichung

Fettstoffwechselstörung

Bei der Messung der Triglyceride fanden sich bei den depressiven Patienten mit 154,1mg/dl im Mittel signifikant höhere Werte (Mann-Whitney-U-Test: Z=-3,51, p<0,001). Auch der Unterschied bei den HDL-Werten war signifikant: Hier lagen die Mittelwerte der gesunden Probanden mit 67,8mg/dl hö- her als die der depressiven Probanden (Mann-Whitney-U-Test: Z=-2,40, p=0,0016). Bezüglich der Gesamtcholesterin und der LDL-Werte zeigten sich bei den depressiven Patienten zwar tendenziell niedrigere Werte, der Unterschied war aber nicht signifikant (Gesamtcholesterin: Mann-Whitney-U- Test: Z=-1,19, p=0,235; LDL: Mann-Whitney-U-Test: Z=-0,89, p=0,373).

Depressive Gesunde Mann-Whitney-U-Test Gesamtcholesterin (mg/dl) 212,1 ±52,0 226,0 ±51,9 Z=-1,19, p=0,235

LDL (mg/dl) 129,3 ±43,1 137,4 ±47,6 Z=-0,89, p=0,373

HDL (mg/dl) 59,6 ±17,3 67,8 ±20,0 Z=-2,40, p=0,016

Triglyceride (mg/dl) 152,4 ±98,4 99,8 ±49,6 Z=-3,51, p<0,001 Tabelle 14: Lipidwerte von Depressiven und Gesunden, Mittelwert und Standardabweichung

3.2.2 Metabolisches Syndrom

Die Kriterien des metabolischen Syndroms gemäß IDF wurden bereits in der Einleitung beschrieben und sind im Folgenden noch einmal abgebildet. Die Kriterien für ein metabolisches Syndrom erfüllten insgesamt nur vier Studienteilnehmer oder 2,4%, zwei in der Patientengruppe und zwei in der Pro- bandengruppe. Hier unterschieden sich die beiden Gruppen nicht (Chi-Quadrat-Test: χ²=0,005, p=0,942).

+ 2 der folgenden Kriterien:

Hüftumfang: Männern ≥94cm / Frauen ≥80cm oder BMI > als 30kg/m²

• Triglyceride ≥150mg/dl

• HDL <40mg/dl (Männern) / HDL <50mg/dl (Frauen)

• Blutdruck: systolisch ≥130mmHg oder diasto- lisch ≥85mmHg

• Nüchternblutzucker ≥100mg/dl oder Diabe- tes Typ2

Tabelle 15: IDF-Kriterien für das Metabolische Syndrom (Alberti, Zimmet et al. 2006)

Ein Unterschied zwischen Patienten und Probanden zeigte sich jedoch hinsichtlich der Risikofaktoren einmal ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Dafür wurde verglichen, wie oft in den beiden Gruppen die IDF-Kriterien „zu hoher BMI“, „zu hoher Bauchumfang“, „zu hoher Blutdruck“, „zu hohe Triglyceridwerte“, „zu niedrige HDL-Werte“ und „zu hohe Nüchternglucosewerte“ erfüllt waren. Ent- sprechend der Ausschlusskriterien war in beiden Gruppen niemand aufgrund dieser Parameter spezi- fisch medikamentös therapiert und es war niemand an Diabetes mellitus erkrankt.

Depressive Gesunde Chi-Quadrat-Test Risikofaktor Triglyceride ≥150mg/dl 39,3% 14,3% χ²=10,9, p=0,001 Risikofaktor HDL <40 mg/dl (Männer) bzw. HDL <50mg/dl (Frauen) 20,0% 6,5% χ²=4,9, p=0,027 Risikofaktor Nüchternglucose ≥100mg/dl 31,1% 8,3% χ²=10,1, p=0,001 Risikofaktor BMI>30kg/m² 12,3% 0% χ²=10,4, p=0,001

Risikofaktor Bauchumfang ≥94cm (Männer) bzw. ≥80cm (Frauen)

64,3% 48,7% χ²=1,2, p=0,283

Risikofaktor Blutdruck systolisch ≥130mmHg bzw. diastolisch ≥85mmHg

45,3% 38,8% χ²=0,7, p=0,390

Tabelle 16: Häufigkeit der metabolischen Risikofaktoren bei Depressiven und Gesunden, in Prozent

Wie obige Tabelle zeigt, waren in der Gruppen der Depressiven die Triglyceridwerte signifikant öfter über 150mg/dl, der HDL-Wert signifikant öfter zu niedrig (d.h. bei Männern <40mg/dl und bei Frauen <50mg/dl) und der Nüchternglucosewert signifikant öfter über 100mg/dl. Auch der BMI lag bei den Depressiven signifikant öfter über 30kg/m². Bezüglich der Risikofaktoren „zu hoher Bauchumfang“ und „zu hohe Blutdruckwerte“ unterschieden sich die beiden Gruppen nicht signifikant. Folgende Abbildung verdeutlicht die unterschiedliche Häufigkeit der Risikofaktoren in den beiden Gruppen:

Bei den Studienteilnehmern wurde außerdem die Summe ihrer Risikofaktoren bestimmt und die beiden Gruppen dann dahingehend verglichen. Die Anzahl der Risikofaktoren variierte stark und lag in der Gruppe der Depressiven durchschnittlich bei 0,8 ±1,0 und in der Gruppe der Gesunden bei 0,5 ±0,7. Mehr als drei Risikofaktoren erfüllte keiner der Studienteilnehmer. Hier zeigte sich kein signifi- kanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen (Mann-Whitney-U-Test: Z=-1,91, p=0,056).

Um festzustellen, ob die Entwicklung eines metabolischen Syndroms oder seiner Risikofaktoren in der Gruppe der Depressiven durch die Einnahme bestimmter Medikamente gefördert wurde, wurde die Vormedikation der Patienten untersucht. Es zeigte sich, dass bei Studieneinschluss von den insge- samt 86 Patienten 20 Patienten (23,3%) Medikamente erhielten, die das Risiko, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln, erhöhen können: Dazu gehören Risperidon (1 Patient, 1,2%), das das Risiko für ein metabolisches Syndrom mäßig erhöht und Olanzapin (1 Patient, 1,2%) das das Risiko deutlich erhöht. Beide gehören in die Gruppe der atypischen Neuroleptika. Durch ihre antihistaminergen Ei- genschaften können die Antidepressiva Mirtazapin (18 Patienten, 20,9%) und Amitriptylin (2 Patien- ten, 2,3%) das Risiko für ein metabolisches Syndrom ebenfalls erhöhen. Aripiprazol (4 Patienten, 4,7%), ebenfalls ein atypischen Neuroleptika, ist nicht dafür bekannt, das Risiko für ein metabolisches Syndrom signifikant zu erhöhen. Insgesamt wurden von den 86 Patienten 37 (43,0%) ganz ohne anti- depressive Vormedikation in die Studie aufgenommen. 11 Patienten (12,8%) erhielten eine Mono- therapie mit einem Antidepressivum, 22 Patienten (25,6%) eine Kombinationstherapie aus einem Antidepressivum und einem atypischen Neuroleptikum oder einem Hypnotikum.

Im Dokument Untersuchung nutritiver kardiovaskulärer Risikofaktoren bei depressiven Erkrankungen unter besonderer Berücksichtigung mehrfach ungesättigter Omega-3 FettsäurenU (Seite 57-63)