4. Positive Effekte von Kooperation

4.1. Wissenstransfer

4.1.2. Kommunikation

4.1.2.1. Grundmodell der Kommunikation

Der erste wichtige Faktor bei der Weitergabe von Wissen, der hier behandelt werden soll, ist die Kommunikation. Kommunikation in Form von Sprache stellt das Medium dar, mit dem Wissenstransfer erst möglich wird. In Kapitel 2.2. wurde dazu bereits in Bezug auf indirekte Reziprozität die Wichtigkeit von Sprache bei der Übermittlung von Informationen, oder wie in diesem Fall, dem Transfer von Wissen erwähnt.

Kommunikation stellt eine wichtige Basis im menschlichen Zusammenleben dar, wobei sie Aufgrund ihrer Komplexität schwer zu erfassen ist. Bei Kommunikation handelt es sich grundsätzlich um einen Prozess, bei dem Informationen beispielsweise in Form von Nachrichten zwischen einem/einer SenderIn und einem/einer EmpfängerIn ausgetauscht werden. Kommunikation kann entweder intrapersonal, wenn Sendender und Empfangender die gleiche Person sind, in Form von Selbstgesprächen oder Gedanken oder interpersonal erfolgen. Letzteres ist dann der Fall, wenn sendende und empfangende verschiedene Personen sind. Für die Kommunikation an sich, ist es dabei unerheblich ob zwei oder mehr Personen Informationen austauschen und ob der Austausch reziprok von statten geht (vgl. Ant et al. 2014: 26).

Zur Beschreibung von Kommunikation kann ein Sender-Empfänger-Modell dienen. Dabei übermittelt eine sendende Person einer empfangenden Person über einen bestimmten Kanal eine codierte Botschaft. Als Kanal kommt sowohl gesprochene und geschriebene Sprache, als auch Mimik, Gestik oder Körpersprache in Frage. Codiert ist die zu übermittelnde Botschaft deshalb, weil ihr für gewöhnlich ein Wunsch, eine Meinung oder ein Bedürfnis zu Grunde liegt (vgl. Ant 2014: 27).

Das im Folgenden beschriebene Kommunikationsmodell, das hier nur in knapper Form behandelt wird, geht zurück auf den amerikanischen Mathematiker Claude E. Shannon, der es in seiner Publikation 1948 als „mathematisches Modell der Kommunikation“ erstmals vorgestellte (vgl. Ant 2014: 49). Abbildung vier stellt dieses Kommunikationsmodell unter Auslassung der technischen Aspekte, also leicht vereinfacht, dar.

Abb. 4: Kommunikationsmodell (eigene Darstellung nach Shannon 1948: 2 & Ant et al. 2014: 50)

Der/Die Sendende einer Nachricht dient als Informationsquelle, die eine Nachricht übermitteln will. Diese Nachricht wird unter Zuhilfenahme eines Transmitters in eine Form gebracht, die sich zur Übertragung eignet. Dies können beispielsweise gesprochene Sprache bei Face-to-Face Kommunikation zwischen Menschen oder aber elektrische Signale bei der Kommunikation von elektrischen Geräten, wie Computern, sein. Diese codierte Nachricht, bei Shannon als Signal bezeichnet, wird nun mit Hilfe eines Kanals, z.B. Schallwellen oder Kabeln, übermittelt. Dabei ist sie Störeinflüssen wie beispielsweise Lärm, bei durch gesprochene Sprache übermittelten Nachrichten, ausgesetzt, die unter Umständen die Nachricht verzerren oder verfälschen können. Schließlich gelangt das (verfälschte) Signal zum Receiver, einem Empfangsgerät, der das Signal decodiert. Dabei handelt es sich um das Gegenstück der beim Transmitter durchgeführten Handlung. Ihr Ziel ist die ursprüngliche Nachricht zu rekonstruieren. Der/Die empfangene Person oder das empfangene Gerät erhält nun diese decodierte Nachricht und kann sie bei Bedarf weiterverarbeiten (vgl. Shannon 1948: 2).

Diese hier vorgestellte Kommunikationstheorie wird unter anderem von VertreterInnen des Konstruktivismus kritisiert, weil sie voraussetzt, dass Kommunikation immer zielgerichtet ist und

versucht einen bestimmten Zweck zu erreichen (vgl. von Glasersfeld 1992: 54). Der Konstruktivismus, der gemeinsam mit dem Rationalismus und Empirismus zu den drei wichtigsten Strömungen der Epistemologie zu zählen ist, beschäftigt sich genauso wie die beiden anderen Strömungen mit der Frage nach der Art und Weise wie Menschen Wissen generieren und Erkenntnisse erzeugen. Entstanden ist er aus der Kritik an Rationalismus und Empirismus. Er sieht sich als Denkrichtung, bei der die Welt und damit die Wirklichkeit aus einer dynamischen Wechselwirkung zwischen der sich außerhalb des Menschen befindenden Umwelt einerseits und der inneren kognitiven Denkleistung andererseits konstruiert. Das so entstehende Bild ergibt sich für jeden einzelnen Menschen individuell, wobei die kognitive Denkleistung dadurch sehr selektiv ist und durch individuelle Merkmale wie beispielsweise die eigene Persönlichkeit, Erziehung, die ihr zugrundliegenden Normen und weiteren persönlichen Charakteristika abhängig ist (vgl. Ant et al. 2014: 59).

Für von Glasersfeld (1997), ein Vertreter des (radikalen) Konstruktivismus, ist Kommunikation entgegen dem zuvor vorgestellten Kommunikationsmodell „[…] kein geradliniger Austausch fixierter Bedeutungen.“ (von Glasersfeld 1997: 212). Stattdessen läuft Kommunikation für ihn auf zwei Ebenen ab: einer Ebene der Re-Präsentation, in der sich Kommunikation als Sprache manifestiert und der Ebene der Assoziation, in der sich ein Begriff als Konzept einer Sache wiederfindet und ein Lautbild, das die sprachliche Komponente des Begriffs beinhaltet. Beide Ebenen und auch ihre Inhalte stehen in Wechselbeziehungen zueinander und beeinflussen sich gegenseitig (vgl. von Glasersfeld 1997: 212ff). In Abbildung fünf ist dies dargestellt.

Abb: 5: Schematische Darstellung Kommunikationsmodell von von Glasersfeld (vgl. von Glasersfeld 1997: 214)

In der Ebene der Assoziation befinden sich Begriff und Lautbild. Immer wenn ein Lautbild mit einem Konzept verbunden wird oder ein Konzept mit einem Lautbild, entsteht eine „psychologische Größe“ als eine zweiseitige Assoziation: Wird ein Wort gehört, wird es mit einem

Lautbild verknüpft, welches das zugrundeliegende Konzept, in der Grafik als „Begriff“ in

Anlehnung an von Glaserfeld betitelt, kognitiv aufruft. Soll hingegen etwas an eine andere Person durch Sprache übermittelt werden, wird zuerst in Gedanken ein Konzept aufgerufen, das mit gewissen Lautbildern verknüpft ist, von denen jenes in der Situation am besten passendes durch

Lautbild

Re-Präsentation

Begriff kognitive Ebene

Sprache mitgeteilt wird. Das gerade diese letzte Form der Umwandlung von Begriff zu Lautbild zu Sprache manchmal nicht völlig intuitiv von statten geht, lässt sich in alltäglichen Situationen wiederfinden. Von Glasersfeld führt als Beispiel das Neuschreiben von Glückwunschkarten an. Ihr Neuschreiben ist manchmal notwendig, nur weil ein einziges Wort nicht der Intention des/der Schreibenden entspricht und in der Karte als störend empfunden wird. Ein weiteres Beispiel stellt das sich selbst Ausbessern innerhalb einer mündlichen Erzählung dar, wenn ein Wort nicht der zugrundeliegenden Intention entspricht. Die Re-Präsentation bildet die Handlungsebene als Gegenstück zur kognitiven Ebene, auf der die Assoziation zwischen Begriff und Lautbild stattfindet. In den Beispielen wird die Handlungsebene durch gesprochene und geschriebene Sprache deutlich, wobei auch das Lesen oder Hören eines Wortes ebenfalls auf der Handlungsebene im Zuge der Re-Präsentation stattfindet (vgl. von Glasersfeld 1997: 211ff). Die auf der kognitiven Ebene aufeinandertreffenden Begriff und Lautbild sind zwei verschieden ausgerichtete aber zusammenhängende Bereiche, die sich spiegeln und auf den gleichen, wenn auch gegensätzlichen Wirkmechanismen beruhen. Auf der Seite des Begriffs gestaltet sich das wie folgt: Wird etwas, beispielsweise ein Apfel, das einen Begriff darstellt, gesehen, wird dieses Etwas durch Sinneswahrnehmung assimiliert (vgl. von Glasersfeld 1997: 213ff). In diesem Zusammenhang bedeutet das, dass Neues als bereits Bekanntes beziehungsweise dem Bekannten ähnliches wiedererkannt wird (vgl. von Glasersfeld 1997: 113). Gedanklich wird das Konzept des Etwas, zu einer Re-Präsentation. Es wird sprachlich oder figurativ weiterverarbeitet und entweder als das gesehene Etwas ausgesprochen, „das ist ein Apfel“ oder in einer Art kreativem Akt gezeichnet oder aufgeschrieben. Analog verläuft der Prozess auf Seiten des Lautbilds. Wird über Sinneswahrnehmung ein Wort gehört, wird es assimiliert und in ein bestehendes Wiedererkennungsmuster eingeordnet. Durch sprachliche oder figurative Re-

Präsentation wird in der Folge eine Handlung gesetzt (vgl. von Glasersfeld 1997: 213ff).

Vereinfacht lässt sich nun zusammenfassen, dass der zugrundeliegende Prozess im Kommunikationsmodell von von Glasersfeld einem Kreislauf ähnelt. Es kommt zu einer Sinneswahrnehmung, die gedanklich weiterverarbeitet wird, um schlussendlich zu einer Handlung in Form eines aktiven Tuns zu werden. Umgelegt auf das Beispiel mit den Glückwunschkarten zu Beginn bedeutet dies, dass die Wahrnehmung des geschriebenen Wortes durch Sehen in die kognitive Ebene überführt wird, wo das Gelesene mit den vorhandenen Konzepten in einer Assoziation verglichen wird. Passen diese beiden Ebenen nicht zueinander, entsteht das Bedürfnis die Karte neu zu schreiben, weil die eigentliche Intention nicht wiedergegeben wurde (vgl. von Glasersfeld 1997: 211ff).

Das zu Beginn dieses Kapitels beschriebene allgemeine Kommunikationsmodell läuft im Gegensatz zu dem von von Glasersfeld nur auf einer Ebene ab. Dabei handelt es sich um die Ebene der KommunikationspartnerInnen, auf der sowohl die Handlung des Sagens, Schreibens,

Hören und Lesens als auch die Wahrnehmung und kognitive Verarbeitung der Signale von statten geht. Von Glasersfeld hingegen trennt diese beiden Ebenen. Beide Ebenen stehen in einer Wechselbeziehung zueinander und beeinflussen sich gegenseitig, wobei auch Störungen innerhalb der Ebenen möglich sind, wie an den Beispielen gezeigt.

4.1.2.2. Arten von Kommunikation

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel angedeutet, gibt es verschiedene Formen von Kommunikation. Diese können anhand unterschiedlicher Kriterien eingeteilt werden. Im Folgenden wird der Schwerpunkt auf Kommunikation zwischen Menschen gelegt. Mensch- Maschine-Kommunikation und Maschine-Maschine-Kommunikation wird hier nicht berücksichtigt.

Eine mögliche Kategorisierung von Kommunikation erfolgt anhand der Anzahl und Art der Sendenden und Empfangenden. Dabei kann grob zwischen sechs Arten unterschieden werden: bei der intrapersonalen Kommunikation ist der/die Sendende und Empfangende die gleiche Person. Sie tritt bei den zuvor bereits erwähnten Selbstgesprächen ebenso auf, wie bei Tagträumen oder beim Tagebuchführen. Von interpersonaler Kommunikation wird gesprochen, wenn Sendende und Empfangende verschiedene Personen sind. Es ist dabei unerheblich, ob der zwischenmenschliche Kontakt im direkten Face-to-Face Gespräch oder durch Zuhilfenahme von Telefon, Brief oder E-Mails erfolgt. Wesentlich ist, dass er genau zwischen zwei Personen stattfindet. Sind mehrere Personen gleichzeitig in ein Gespräch verwickelt, beispielsweise im Rahmen einer Veranstaltung oder Besprechung, wird von Gruppenkommunikation gesprochen. Organisationale Kommunikation als vierte Form unterscheidet sich von Gruppenkommunikation dadurch, dass sie ausschließlich in Organisationen stattfindet und sich Sender und Empfänger auf unterschiedlicher Hierarchieebene befinden. Sie tritt beispielsweise in Form von Trop-Down- Kommunikation bei E-Mails an die MitarbeiterInnen in Unternehmen auf. Bei Massenkommunikation handelt es sich hingegen um Kommunikation mit einer oft unüberschaubaren Anzahl an Empfängern, zu denen der/die Sendende keine direkte Beziehung unterhält und die aufgrund ihrer Machart nur in eine Richtung, also vom/von der Sendenden zur Empfängerschaft möglich ist. Darunter fallen Kommunikation über Zeitungen, Radiosender, Fernsehen und diverse elektronische Medien wie zum Beispiel Blogs. Als letzte zu erwähnende Kommunikationsform eingeteilt nach Anzahl und Art der Kommunikationspartnerinnen soll interkulturelle Kommunikation erwähnt werden. Sie umfasst Kommunikation mit Personen anderer Kulturkreise, sowohl im eigenen Staat, als auch in anderen Ländern (vgl. Ant et al. 2014: 38).

Innerhalb dieser vorgestellten Kommunikationsarten kann jeweils zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation unterschieden werden. Bei der verbalen Kommunikation handelt es

sich primär um gesprochene oder geschriebene Sprache. Entscheidend für das Verständnis ist der Inhalt der Nachricht und zumindest ein gemeinsames Grundvokabular von Sender und Empfänger. Sie ist gekennzeichnet durch klare, eindeutige Regeln wie der Syntax und Grammatik einer Sprache, die zum Verständnis beitragen und Missverständnisse minimieren sollen (vgl. Ant 2014: 38f).

Nonverbale Kommunikation ist aufgrund ihrer Gestaltung vielschichtiger als verbale Kommunikation. Durch sie ist es beispielsweise möglich ein und demselben Satz unterschiedliche Bedeutungen zuzumessen. Zu ihr zählen unter anderem der Blick- und Körperkontakt von Sendenden und Empfangenden, ihr Gesichtsausdruck und ihre Mimik, wie lächeln oder weinen, die Körperhaltung, die zum Beispiel aufrecht oder gebückt sein kann, die Gestik, die das Gesagte durch Bewegungen mit den Händen unterstreichen kann, die räumliche Distanz, die Aufschluss über das persönliche Näheverhältnis geben und die paralinguistischen Eigenarten wie die Tonhöhe, Lautstärke oder das Sprechtempo (vgl. Ant 2014: 39f; Franken 2010: 148ff).

Die nonverbale Kommunikation, die meist unbewusst abläuft (vgl. Franken 2010: 147), kann das Gesagte einer Person unterstreichen und verdeutlichen. Im Vergleich zur geschriebenen Sprache hilft sie Mehrdeutigkeiten zu vermeiden und gibt zusätzlich zum eigentlichen Inhalt des Gesagten Aufschluss über die Absichten, wobei sie individuell und kulturell unterschiedlich sein kann, weshalb eine eindeutige, personenübergreifende Interpretation kaum möglich ist (vgl. Ant 2014: 40ff). Da sie von der sprechenden Person weit weniger kontrolliert werden kann als der Inhalt des Gesprochenen (vgl. Franken 2010: 147; Ant 2014: 40ff), gibt es Möglichkeiten zur Schulung speziell für Personen, die in ihrem Berufsfeld dem explizit Gesagten zusätzlichen Nachdruck verleihen wollen. Die Wichtigkeit der nonverbalen Kommunikation wird oft dann erst deutlich, wenn sie in gewissen Gesprächssituationen fehlt und zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen führt, wenn beispielsweise ausschließlich via E-Mail verkehrt wird, oder der/die GesprächspartnerIn einem den Rücken zudreht (vgl. Ant 2014: 40ff). Beispielsweise lässt sich Ironie erst an der mittransportierten nonverbalen Kommunikation eindeutig erkennen. Schriftlich lässt sie sich, ohne dezidiert erwähnt zu werden, nicht feststellen.

Weitere Formen von Kommunikation, die hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden sollen, sind die Objektkommunikation, die auch als passive nonverbale Kommunikation bezeichnet wird (vgl. Franken 2010: 151), und die mediengestützte Kommunikation. Unter Objektkommunikation wird jene Form von nonverbaler Kommunikation bezeichnet, die sich aus dem materiellen Erscheinungsbild einer Person ergibt. Die Botschaft wird durch die Kleidung, Schmuck oder Makeup transportiert und kann sich je nach herrschender Situation positiv oder negativ auf die Erreichung des Kommunikationsziels auswirken. Auch sind Sanktionen möglich, sollte die Objektkommunikation diversen Normen widersprechen. Mediengestützte Kommunikation bezeichnet Kommunikation, die raum- oder zeitversetzt unter Verwendung von

Medien stattfindet. Beispiele dafür sind Kommunikation via Telefon, Videotelefonie, E-Mail, SMS, Internetforen und Ähnliches (vgl. Ant 2014: 43ff).

Daneben lässt sich im Besonderen in Bezug auf die Kommunikation in Unternehmen in unternehmensinterne und unternehmensexterne Kommunikation unterscheiden. Ersteres bezeichnet die Kommunikation innerhalb eines Unternehmens, beispielsweise zwischen Mitarbeitenden oder hierarchieebenenübergreifende Kommunikation, und zweiteres die Kommunikation des Unternehmens mit seinem Umfeld, wie LieferantInnen oder KundInnen. Eine weitere Einteilung im Kontext von Unternehmen ist die Kategorisierung in formelle und informelle Kommunikation. Formelle Kommunikation ist durch ihre Institutionalisierung gekennzeichnet und läuft über offizielle Kanäle unter Einhaltung unternehmensspezifischer Kommunikationskanäle. Informelle Kommunikation ist demgegenüber nicht institutionalisiert, läuft inoffiziell und selbstorganisiert über selbstgewählte Kanäle, beispielsweise beim Austausch am Kaffeeautomaten, in der Kantine, bei sonstigen Arbeitspausen oder während Weihnachtsfeiern (vgl. Franken 2010: 164f).

4.1.2.3. Erfolgreiche Kommunikation und Kommunikationsbarrieren

Nachdem nun zwei Modelle der Kommunikation beschrieben und verschiedene Formen vom Kommunikation behandelt wurden, wird untersucht, wie Kommunikation gestaltet werden sollte, damit sie erfolgreich verläuft. Zudem wird auf mögliche Probleme eingegangen, die diesem Erfolg entgegenstehen können.

Was bedeutet nun aber erfolgreiche Kommunikation? Als erfolgreiche Kommunikation soll hier die Verständigung zwischen Personen verstanden werden, die einerseits das Verstehen des Inhalts in der Intention des/der Sendenden und andererseits die Akzeptanz dessen beim/bei der Empfangenden miteinschließt. Um die Botschaft in einer Nachricht verstehen zu können und damit die erste Bedingung zu erfüllen, müssen die sendende und empfangende Person die gleiche Sprache sprechen. Werden Fachbegriffe verwendet müssen auch diese von den Kommunizierenden auf gleiche Weise verstanden werden. Die zweite Bedingung, die Akzeptanz, meint das Anerkennen des/der Anderen in seiner/ihrer Rolle und dem als Botschaft übermittelten Inhalt der Nachricht (vgl. Franken 2010: 146). Um nun Verständnis und Akzeptanz als die beiden Bedingungen für erfolgreiche Kommunikation mit dem Modell von von Glasersfeld in Verbindung zu setzen: Verständnis und Akzeptanz bedürfen der Miteinbeziehung der jeweiligen Realitäten der sendenden und empfangenen Person(en) um erfüllt werden zu können (vgl. Gatarik & Born 2012: 133).

Ein weiterer Aspekt, der zu erfolgreicher Kommunikation beitragen kann, ist die Wahl des zum Kommunikationsziel passenden Kommunikationskanals. Mögliche Kanäle lassen sich anhand ihrer Reichhaltigkeit kategorisieren. Kanäle, die hauptsächlich auf geschriebener Sprache

basieren sind grundsätzlich weniger reichhaltig als Kanäle, die auch nonverbale Kommunikation ermöglichen. Je mehr nonverbale Signale im Zuge der verbalen Kommunikation übermittelt werden, desto reichhaltiger ist ein Kommunikationskanal. Die persönliche Face-to-Face Interaktion gilt als die reichhaltigste Form der Kommunikation, da bei ihrer Anwendung als Kommunikationskanal die meisten zusätzlichen Signale mittransportiert werden, die helfen, die volle Bedeutung des Gesagten zu erfassen. Wird als Kommunikationsziel in einem Unternehmen beispielsweise die Bekanntgabe eines wichtigen Termins verfolgt, bietet sich das schriftliche Versenden in Form eines E-Mails an, da dies von der/den betreffenden Person(en) so direkt in ihre Kalender übertragen werden kann und keine nonverbalen Aspekte zusätzlicher Berücksichtigung bedürfen. Ist das Kommunikationsziel aber komplexer und verlangt, dass der empfangende Personenkreis oder die empfangende Person sich auch aktiv einbringt und mitdenkt, bietet sich Face-to-Face Kommunikation an (vgl. Roberts 2017: 397ff), da sie, wie bereits erwähnt, das Verständnis fördert. Im Speziellen ist sie bei der Weitergabe von Wissen von hoher Bedeutung, da nicht alles Wissen explizit verbalisiert werden kann, wie später in Kapitel 4.1.2.2 über die Wissensarten noch genauer dargestellt wird.

Ein Teil von erfolgreicher Kommunikation hängt auch davon ab, inwieweit Kommunikationsbarrieren vermieden werden können. Diese können vielfältig sein und sowohl auf Sender- als auch auf Empfängerseite auftreten. Möglich ist zum Beispiel das Filtern von Informationen durch den/die Sendenden, wenn negative Konsequenzen bei der zur Verfügungstellung der vollständigen Information befürchtet werden oder anzunehmen ist, dass der/die Empfangende die Information nicht entsprechend verarbeiten kann. Ebenso ist es möglich, dass der/die Empfangende aus diversen Gründen nur einen Teil der Information bewusst aufnimmt. Diese Gründe sind für gewöhnlich persönlicher Natur und im individuellen Hintergrund, in den Erfahrungen einer Person, wobei besonders jene vergangenen Erfahrungen mit dem/der Sendenden wesentlich sind, in ihrer Motivation oder ihren Erwartungen und führen zu selektiver Wahrnehmung in dem Sinne, dass nur jene Kommunikationsbausteine aufgenommen werden, die der Erwartung entsprechen begründet sind. Dem Entgegenstehendes wird entsprechend weniger wahrgenommen und verarbeitet (vgl. Roberts 2017: 403f).

Auch eine Überflutung des/der Empfangenden durch zu viele Informationen kann die Kommunikation beeinträchtigen. Ein Information Overload, ausgelöst durch die übermäßige und nicht immer auch tatsächlich notwendige Nutzung von Informationskanälen wie beispielsweise E- Mail, kann dazu führen, dass nicht immer alle relevanten Informationen beim/bei der empfangenden Person ankommen, da sie in der Fülle an Informationen schlicht übersehen werden (vgl. Ahlert et al. 2006: 29; Roberts 2017: 405). Ebenfalls können sich Emotionen auswirken. Ein und dieselbe Botschaft können je nach aktueller Gefühlslage der/des Empfängers unterschiedlich aufgenommen werden. Daneben kann auch nicht zu kommunizieren als Barriere

gesehen werden. Wird nicht kommuniziert können Probleme nicht besprochen und dementsprechend auch nicht gelöst werden. In Unternehmen fehlt somit den Führungspersonen die Möglichkeit auf Veränderungen und auftretende Schwierigkeiten angemessen zu reagieren und entgegenzusteuern. Weitere Barrieren können sprachlicher Natur sein oder in Form von Kommunikationsangst oder Lügen auftreten (vgl. Roberts 2017: 404ff).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass für erfolgreiche Kommunikation die Ehrlichkeit in der Botschaft, die Wahl des zur Situation und Nachricht passenden Kanals, das Verhindern von

Information Overload und die Formulierung der Botschaft essentiell sind. Gerade bei der

Formulierung soll aber bedacht werden, dass die Nachricht in einer Sprache formuliert wird, die von der/den empfangenden Person(en) auch verstanden werden kann. Dabei ist nicht nur die Einfachheit der Sprache entscheidend, sondern auch der Hintergrund des/der Empfangenden von Relevanz ist, da es durch ihn möglicherweise zu Verzerrungen in der Botschaft kommen kann.

Im Dokument Kooperation als Grundlage für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Unternehmen / eingereicht von Ida Christa Maria Riedl, BSc BSc (Seite 52-60)