5. Ökonomische Maßnahmenbewertung

5.3. Heizsysteme im Vergleich

Ein Großteil der alten Ölheizungen ist, wie in Kapital 4.5. angeführt, bereits über 20 Jahre alt und nach wie vor in Betrieb. Bei vielen wird daher in nächster Zeit eine Erneuerung anstehen und zu der Frage führen, welches Heizsystem mit welchem Energieträger die Wärmeerzeugung bewerkstelligen soll und vor allem welche Kosten damit zum Zeitpunkt der Anschaffung als auch in den weiteren Jahren damit verbunden sind.356 Zweckdienlich ist deshalb auch für die

unterschiedlichen Heizungssysteme eine ganzheitliche Bewertung vorzunehmen und die anfallenden Kosten, die nach Kapital-, verbrauchsgebundene und betriebsgebundene beziehungsweise sonstigen Kosten unterschieden werden, für die übliche Kesselnutzungsdauer von 20 Jahren zu ermitteln357 und gegebenenfalls auf jährliche Annuitäten inklusive der

Berücksichtigung von Inflation, Energiepreissteigerungen und internem Vergleichszinssatz umzurechnen.358

In die Rubrik der Kapitalkosten fallen unter anderem die gesamten Anschaffungskosten für das Heizsystem samt Installation und Montagearbeiten.359 Ebenso zählen erforderliche Umbauten,

wie die Schaffung von Lagerräumlichkeiten für den Brennstoff oder die Sanierung des Kamins, dazu.360 Etwaige Förderzuschüsse von Bund oder Land werden davon abgezogen.361 Der für den

laufenden Heizbetrieb notwendige Energieträger und der Strombedarf der Heizanlage und des Pumpensystems werden den verbrauchsgebundenen Kosten zugeordnet.362 Die Aufwendungen

für die Instandhaltung, Rauchfangkehrer und Servicierung sind in den betriebsgebundenen Kosten enthalten.363

355 Eigene Berechnung, Vgl. OÖ Energiesparverband 2020a, S. 4 356 Vgl. Cerveny, M./Sturm, T. 2012, S. 7

357 Vgl. Cerveny, M./Sturm, T. 2012, S. 16

358 Vgl. Österreichische Energieagentur o.J.a, S. 1f 359 Vgl. Cerveny, M./Sturm, T. 2012, S. 16

360 Vgl. Energie- und Umweltagentur Niederösterreich GmbH (eNu) 2019a, S. 52 361 Vgl. Cerveny, M./Sturm, T. 2012, S. 18

362 Vgl. Cerveny, M./Sturm, T. 2012, S. 18 363 Vgl. Cerveny, M./Sturm, T. 2012, S. 19

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Normalerweise ist die genaue Kostenkalkulation nur mit adäquaten und an die individuellen Gegebenheiten des Gebäudes angepassten Angeboten von Professionisten sinnvoll durchführbar. Mehrere Offerte mit möglichst gleichen Parametern unterstützen zudem bei der Vergleichbarkeit und zeigen eventuelle Preisreduktionspotenziale auf. Die in Tabelle 8 dargestellten Beträge sollen daher nur einen groben Überblick über die jeweiligen Kostenbereiche ermöglichen.364

Tabelle 8: Richtwerte Investitions-, Verbrauchs- und Betriebskosten von Heizsystemen

KOSTEN1 FÜR

Investition Verbrauch p.a. Betrieb p.a. Heizöl EL (Brennwert) € 9.800 - € 14.700 € 1.500 - € 2.300 € 240 - € 360 Erdgas (Brennwert) € 7.300 - € 11.000 € 1.400 - € 1.700 € 200 - € 250 Pellets € 17.600 - € 26.400 € 1.100 - € 1.600 € 350 - € 500 Erdwärme-WP (Erdsonde) € 17.600 - € 26.500 € 730 - € 1.100 € 80 - € 120 Luft-WP € 15.700 - € 23.600 € 1.000 - € 1.500 € 60 - € 90 Grundwasser-WP € 17.300 - € 26.000 € 700 - € 1.050 € 80 - € 130 Fernwärme € 6.800 - € 10.300 € 1.600 - € 2.500 € 50 - € 90

1Berechnungsbasis: 4-Personen-Haushalt, HWB 75 kWh/m²a, Bruttogrundfl. 200 m²)

Quelle: Eigene Darstellung In Anlehnung HEINZi o.J., o.S.

Besonders die Pelletsheizung sowie alle drei angeführten Wärmepumpenarten stechen durch die vergleichsweisen hohen Investitionskosten heraus. Am günstigsten in der Anschaffung ist gemäß der Tabelle 8 der Anschluss an ein Fernwärmenetz. Bei den Verbrauchskosten spielen die jeweiligen Energieträger eine Rolle, bei den Betriebskosten liegt der Unterschied zwischen den Heizsystemen zum Beispiel bei den Aufwendungen für den Rauchfangkehrer365, die bei der

Beheizung mit Wärmepumpe und über die Fernwärme nicht anfallen.

In den letzten Jahren wurde seitens der Österreichischen Energieagentur zur Erlangung von realistischen Ergebnissen bereits mehrmals Heizkostenvergleiche auf Vollkostenbasis für ein Modellgebäude mit einer Wohnnutzfläche von 118 m² durchgeführt. Die Kostenermittlung erfolgte für den Zeitraum von 20 Jahren mittels Anwendung der Annuitätenmethode einerseits für ein unsaniertes Gebäude mit einem Heizwärmebedarf von 175 kWh/m²a anderseits in einer auf einen reduzierten Heizwärmebedarf von 60 kWh/m²a sanierten Gebäudevariante.366 In der folgenden

Abbildung 19 sind die Resultate in die jährlichen Investitions- und Energiekosten für die üblichen verwendeten Heizungen aufgegliedert. Nachdem bei bestehenden Gebäuden im Zuge der Modernisierung teilweise auf funktionstüchtige Komponenten der Heizungsanlage zurückgegriffen werden kann, gibt es hinsichtlich der Investitionskosten eine Unterteilung in Form der Minimal-

364 Vgl. Energie- und Umweltagentur Niederösterreich GmbH (eNu) 2019a, S. 52 365 Vgl. Cerveny, M./Sturm, T. 2012, S. 19

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und Maximalvariante, wobei Letztere die zusätzlichen Aufwendungen für den gänzlichen Austausch des alten Heizsystems darstellt.367

Abbildung 19: Heizkostenvergleich in thermisch un-/saniertem Gebäude

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Österreichische Energieagentur o.J.a, Österreichische Energieagentur o.J.b, Österreichische Energieagentur o.J.c, Stand Investitionskosten per Nov. 2019, Marktpreise per August 2020

Die Abbildung 19 zeigt, dass auf Basis von Marktpreisen von August 2020 und Investitionskosten per November 2019 bei der Wärmebereitstellung mit einem Erdgas-Brennwert-Heizsystem sowohl im thermisch-sanierten als auch im unsanierten Gebäude die niedrigsten Kosten pro Jahr anfallen. Etwas teurer ist im unsanierten Haus die Beheizung mit Pellets gefolgt von Öl- Brennwertkessel und weit abgeschlagen, aufgrund der hohen jährlichen Energiekosten, ist das Heizen mit Fernwärme, wo der jährliche Differenzbetrag bereits rund EUR 1.390,-- im Vergleich zu Erdgas beträgt.368 Wärmepumpen benötigen für einen effizienten Betrieb geringe

Vorlauftemperaturen sowie dementsprechende Vorkehrungen wie die Umstellung auf Flächenheizungen und dergleichen. Da dies meist bei den thermisch-unsanierten Bauten nicht der Fall ist, haben dazu keine Berechnungen stattgefunden.369 Im energetisch verbesserten

Gebäudezustand jedoch kann nach Erdgas bereits die Luftwärmepumpe mit geringen jährlichen Vollkosten von rund EUR 2.645,-- punkten, das vorrangig auf die geringen Energiekosten zurückzuführen ist. Anschließend liegen hier mit jährlichen Kosten von rund EUR 3.000,-- die

367 Vgl. Österreichische Energieagentur o.J.a, S. 3

368 Vgl. Österreichische Energieagentur o.J.a, o.S., Vgl. Österreichische Energieagentur o.J.b, o.S., Österreichische

Energieagentur o.J.c, o.S.

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Heizsysteme Öl-Brennwert, Pellets und die Erdwärmepumpe knapp beieinander. Die hohen berücksichtigten Zusatzkosten der für das Erdwärmesystem erforderlichen Tiefenbohrung sind für das schlechte Abschneiden in diesem errechneten Heizkostenvergleich verantwortlich.370

Ansonsten wäre der jährlich Kostenbedarf um rund EUR 567,-- günstiger und würde sich umgerechnet nur mit rund EUR 2.500,-- zu Buche schlagen. Auch im sanierten Modellgebäude stellt die Fernwärme derzeit mit Jahreskosten von EUR 3.168,-- die teuerste Form der Beheizung auf Basis der Vollkosten dar.371

Wie bereits in Kapitel 3.4.4. angeführt, können mittels Solarthermie die oben angeführten Heizsysteme bei der Wärmeerzeugung unterstützt werden. In Abhängigkeit ob die thermischen Solaranlage nur zur Warmwasserbereitung oder auch für die Erwärmung des Gebäudes installiert wird, ist mit ungefähren Anschaffungskosten zwischen EUR 5.000,-- und EUR 10.000,-- zu kalkulieren, wodurch sich Amortisationszeiten von um die 20 Jahre ergeben. Auch hier gilt, wie auch bei allen in dieser Arbeit angeführten Maßnahmen an der Gebäudehülle oder Heizungssystemen, dass die Amortisationszeit, neben anderen Parametern, hauptsächlich von der aktuellen Preissituation der Energieträger und deren zukünftigen Entwicklung abhängt.372 Bei

hohen Brennstoffkosten rentieren sich energiemindernde Maßnahmen schneller als bei niedrigen Energiepreisen.

Im Dokument Kostenoptimale Energie- und CO-Minderung durch Sanierungsmaßnahmen im Einfamilienhausbereich: eine ökologische und ökonomische Bewertung / eingereicht von Andreas Dreiling (Seite 89-92)