4. Problemfelder und Herausforderungen bei der Implementierung der Kreislaufwirtschaft für

4.2. Veränderung des Konsumentenverhaltens

4.2.4. Gütezeichen und Labels

Gütesiegel, Gütezeichen oder Umweltzeichen sind Produktlabels und dienen alle demselben Zweck, der Kennzeichnung von Produkten und Dienstleistungen, um für die KonsumentInnen Qualitätsunterschiede der verschiedenen Produkte transparenter zu machen. Umweltzeichen, die auch als Öko – Label bezeichnet werden, müssen gewisse Mindestvoraussetzungen erfüllen, um als vertrauenswürdig im Sinne der Nachhaltigkeit eingestuft zu werden. „Gütesiegel“ unterliegen, im Gegenzug zu „Gütezeichen“, die rein auf individuelle Vorschläge der zuständigen Vergabestelle definiert werden, den gesetzlichen Grundlagen. Da die Vorschläge meist auf gesetzlichen Regelungen und darüber hinaus aufgebaut werden, sind Gütesiegel folglich nicht automatisch vertrauenswürdiger als Gütezeichen, daher ist dieser Unterschied für Konsumenten ohne Belang.153

Um nachhaltigen Konsum zu fördern, und folglich Ressourcen zu schonen, und einen wesentlichen Beitrag für die Kreislaufwirtschaft zu leisten, ist Wissensvermittlung und Transparenz in Bezug auf die ökologischen Kriterien der angebotenen Produkt– und Dienstleistungspalette ein wesentlicher Faktor (siehe Kapitel 2.4.2.). Diese Wissensvermittlung liegt neben den staatlichen Vorgaben auch in der Verantwortung von Unternehmen, die in Bezug auf Konsum und Nachhaltigkeit mitverantwortlich sind.Aufgrund des Angebots von sozial und ökologisch wertvollen Produkten und Dienstleistungen entstehen überhaupt erst ökologisch nachhaltige Alternativen zu konventionell hergestellten Produkten und Dienstleistungen, und machen es dem Konsumenten mögliche diese auch zu konsumieren.154

Im Folgenden werden ein paar unterschiedliche Gütezeichen vorgestellt, um ihre Hintergründe kennenzulernen: 153 Vgl. Greenpeace 2018, S. 18. 154 Vgl. Belz/Bilharz 2005, S. 246 ff.

Das österreichische Umweltzeichen dient wie alle Labels dazu den KonsumentInnen eine Orientierungshilfe für den Erwerb von Produkten und Dienstleistungen zu bieten. Es zeichnet sich durch Langlebigkeit, hoher Qualität und Umweltfreundlichkeit aus, wobei Letzteres als umweltfreundlich im Vergleich zu allen anderen diesem Zweck dienenden Produkten und Dienstleistungen gemeint ist.

Abbildung 13: Das Umweltzeichen155

Es dient zusätzlich der Motivation zur Reduktion von Entwicklung und Angebot von Seiten der Hersteller und dem Handel. Dies soll Einfluss auf die Angebotspalette in Richtung nachhaltiger, umweltfreundlicher Produkte nehmen (Wettbewerbseffekt).156 Das Umweltzeichen bewertet neben den Umweltauswirkungen durch den Gebrauch auch jene, die durch Produktionsverfahren, Entsorgung und die Qualität des Produktlebenszyklus entstehen.157

Das EU - Ecolabel war ursprünglich von der Europäischen Kommission als reine Kennzeichnung für nachhaltige Produkte gedacht, wurde jedoch ab dem Jahr 2000 auch auf Dienstleistungen ausgeweitet. Es ist in allen 28 Mitgliedsstaaten als auch Island, Liechtenstein und Norwegen anerkannt. Die Entscheidung seiner Vergabe ist gleich denen des österreichischen Umweltzeichens, so erhalten jene Produkte und Dienstleistungen dieses Zeichen, wenn sie weniger Auswirkungen auf die Umwelt haben, wie auf dem Markt Vergleichbare.

Abbildung 14: Das EU – Ecolabel158

Diese Label soll den KonsumentInnen helfen umweltfreundlichere und qualitativ hochwertigere Produkte zu erkennen, um nachhaltiger agieren zu können. Bis dato beschränkt sich dieses Zeichen auf Textilien, Schuhe, Schmierstoffe, Lacke, Farben,

155

Vgl. BMK o.J., o.S.

156

Vgl. Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus 2019, S. 2.

157

Vgl. Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus 2019, S. 3.

158

Waschmittel, Reinigungsmittel bis zu Campingplätzen und Beherbergungsbetrieben. Lebens- und Arzneimittel, als auch medizinische Geräte sind aktuell noch ausgeschlossen. 159

Das EU - Ecolabel ist Bestandteil des Umweltaktionsprogrammes, als auch des Aktionsplans, welche auf die Notwendigkeit hinweisen HerstellerInnen, als auch VerbraucherInnen angemessene Signale zu senden, um einen Beitrag zum Übergang in eine Kreislaufwirtschaft zu erreichen.160

Aufgrund des erheblichen Beitrags der Lebensmittelwertschöpfungskette an Umwelt– und Ressourcenbelastungen, und den aktuellen ökologischen Anforderungen seitens der Europäischen Kommission (siehe Kapitel 6) diese Auswirkungen zu reduzieren161, soll im Folgenden zusätzlich ein paar Lebensmittelkennzeichnungen vorgestellt werden.

In der österreichischen und europäischen Lebensmittelbranche gibt es eine Vielzahl an Gütezeichen, die für spezielle Herstellungsmethoden und Produktqualitäten stehen, und den KonsumentInnen mehr Transparenz über den ökologischen Fußabdruck der angebotenen Produkte geben sollen. Die drei folgenden Zeichen unterliegen Regelungen im Hinblick auf Transparenz, Herstellung und Spezifikationen, und werden von unabhängigen Kontrollstellen geprüft.162

Abbildung 15: Das AMA – Gütesiegel163

Dieses AMA – Zeichen ist das wohl bekannteste Gütesiegel in Österreich. Anhand dieses Siegels ist es dem Konsumenten möglich Rückschlüsse auf Herkunft und Qualität die über die gesetzlichen Normen hinausgehen zu ziehen. Die österreichische Herkunft der landwirtschaftlichen Rohstoffe ist durch dieses Siegel garantiert. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeitskriterien muss an dieser Stelle allerdings erwähnt werden, dass gentechnisches verändertes Futtermittel und Antibiotikagaben erlaubt sind, und Tierschutzstandards und Pestizideinsatz nicht über die gesetzlichen Basisanforderungen hinausgehen.164 159 Vgl. BMK o.J., o.S. 160 Vgl. European Commission 2017, S. 2 f. 161 Vgl. Europäische Kommission 2020, S. 14. 162 Vgl. BMK o.J., o.S. 163

Vgl. Verein zur Förderung von Lebensmitteln mit erhöhter Qualität o.J., o.S.

164

Abbildung 16: Das AMA – Biosiegel 165

Ebenfalls von der Agrarmarkt Austria GmbH wird dieses AMA - Biosiegel vergeben. Die Produkte, die dieses Siegel unterliegen internen, externen und übergeordneten Kontrollen. In Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele erfüllt dieses Siegel sämtliche Kriterien.166

Abbildung 17: Das EU – Bio – Logo167

Dieses weit verbreitete EU – Bio – Siegel hat seit dem Jahr 2009 seine Gültigkeit, und wird Händler und Produzenten durch eine staatlich anerkannte Zertifizierungsstelle ausgehändigt. Die Überwachung der Regelungen durch die Mitgliedsstaaten erfolgt über die Europäische Kommission und findet jährlich statt. In Bezug auf den Nachhaltigkeitsanspruch entspricht dieses Gütesiegel rein den Mindestanforderungen an biologischen Produkten, und hinkt folglich anderen Bio – Siegeln hinterher.168

Auch von Unternehmen selbst ins Leben gerufene Gütezeichen können höheren nachhaltigen Anforderungen unterliegen, als andere Siegel, und tun somit den ökologischen Qualitätsanforderungen keinen Abbruch.169 Im Folgenden sollen diese, nach Greenpeace als „Sehr vertrauenswürdig“ bewerteten Gütezeichen, kurz vorgestellt werden.

165 Vgl. Greenpeace 2018, S. 22. 166 Vgl. Greenpeace 2018, S. 22. 167

Vgl. Verein zur Förderung von Lebensmitteln mit erhöhter Qualität o.J., o.S.

168

Vgl. Greenpeace 2018, S. 27.

169

Bio – Austria

Dieses Gütezeichen garantiert Bio – Qualität in ihren Produkten, indem sie deutlich über die dem EU – Bio – Siegels unterliegenden Mindestanforderungen hinausgeht.170 Dieses Gütezeichen wird von der Organisation Bio – Austria und deren Mitglieder den österreichischen BiobäuerInnen verliehen.171

Abbildung 18: Das Gütezeichen Bio – Austria172

Prüf nach!

Dieses Bio - Zeichen ist laut Greenpeace das aktuell vertrauenswürdigste und beste Bio – Gütezeichen im Hinblick auf Rohstoffherkunft und Tierschutz.173

Abbildung 19: Das Bio – Zeichen Prüf nach!174

Die nachhaltigen Richtlinien in Bezug auf Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung dieses privatrechtliche Bio – Standards geht deutlich über die biologischen Kontrollkriterien der EU – Bio – Verordnung und des AMA – Bio – Gütesiegels hinaus.175 Die regelmäßigen

Kontrollen erfolgen extern und unterliegen den übliche biologischen Kontrollkriterien.176

An dieser Stelle soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden, dass große Supermarktketten Österreichs verschiedene Bio – Linien („ja! Natürlich.“, „Natur*pur“, „Zurück zum Ursprung“, etc.) verfolgen, die sie mit eigenen Markennamen versehen. Hierbei handelt es sich um keine Gütesiegels, oder Gütezeichen, sondern Eigenmarken mit Wort und Bild für die biologische Produktpalette. Allerdings aufgrund der geschützten BIO – Begriffs in der EU, und dass als „bio“ gekennzeichnete Lebensmittel auch nachweisbar sämtlichen biologischen Kriterien entsprechen müssen, basieren auch diese Marken auf externe Legitimationen.177

Diese Flut an Siegeln, Zeichen und Marken erzeugen anstatt Aufklärung und Transparenz mehr Überforderung und Verwirrung auf Seiten der KonsumentInnen, und wirken folglich einem nachhaltigen Konsum, und den daraus resultierenden Vorteile gegenüber Natur und 170 Vgl. Greenpeace 2018, S. 24. 171 Vgl. Greenpeace 2018, S. 24. 172 Vgl. Greenpeace 2018, S. 24. 173 Vgl. Greenpeace 2018, S. 38. 174 Vgl. Greenpeace 2018, S. 38. 175 Vgl. Greenpeace 2018, S. 50. 176 Vgl. Greenpeace 2018, S. 38. 177 Vgl. Greenpeace 2018, S. 47.

Umwelt entgegen.178 Auch auf Seiten des Einzelhandels, ist die Prüfbarkeit der Einhaltung von angegebenen Nachhaltigkeitskriterien global agierender Nachhaltigkeitskonzerne aufgrund der Vielzahl von internationalen Zeichen – und Zertifizierungssystemen im Grunde sehr erschwert, wenn nicht sogar unmöglich geworden.179

Folglich spielt Vertrauen im Bereich der Gütezeichen eine wesentliche Rolle. Doch, da Gütezeichen neben dem Preis das zweitbeste Kaufkriterium darstellen, wird dieses Vertrauen seitens mancher Unternehmen regelmäßig missbraucht. So greifen Unternehmen nicht selten in die Trickkiste, und schaffen ihre eigenen Qualitätszeichen, ohne verbindliche, gesetzliche Regelungen zu unterstützen (wie dies im Biobereich geschieht), um selbst definierten „Nachhaltigkeitszielen“ zu folgen (oder auch nicht). Dieser Schwindel verursacht, dass sich die umweltschädigenden Auswirkungen auf Weltmeere und Regenwälder verschlimmert anstatt sich zu verbessern, da zwar ein falsches, aber als gut bewertetes Kaufkriterium seitens der Unternehmen geschaffen wurde, und dies zu einem Kaufakt führen kann.180

Dieser Etikettenschwindel fällt unter den Begriff Greenwashing. Er bezeichnet eine Strategie von Akteuren, die mit bewusster Verbreitung von falschen Informationen als ökologisch verantwortlich in Erscheinung treten wollen, oder von ihrem tatsächlichen umweltschädigenden Unternehmensschwerpunkt ablenken wollen.181

Diese Entwicklung führte in den letzten 20 Jahren zu einer Explosion an Produkten, die als „100 Prozent natürlich“, „nachhaltig“, „bio“, oder „grün“ bezeichnet wurden, und folglich zu einer Flut an ökologisch wertvollen Versprechungen, die anstatt Transparenz eine starke Skepsis der KonsumentInnen hervorbrachte. So wird nachhaltiger Konsum zum Vollzeitjob.182183 178 Vgl. Wittmann 2011, S. 18. 179 Vgl. Greenpeace 2018, S. 3. 180 Vgl. Greenpeace 2018, S. 3.

181 Definition im Oxford American Dictionary: “activities by a company or an organization that are intended to make

people think that it is concerned about the environment, even if its real business actually harms the environment”

182

Vgl. Wittmann 2011, S. 18.

183

Unter folgendem Link können sich InteressentInnen einen Einblick in den Gütezeichen - Dschungel verschaffen:

https://greenpeace.at/assets/uploads/publications/181030_gp_guetersiegel-

5. Die Messung der Kreislaufwirtschaft

184

Im Dokument Kreislaufwirtschaft: Das Konzept einer ökologisch nachhaltigen erweiterten Wirtschaftsform / eingereicht von Adeline Igel (Seite 55-61)