4. Problemfelder und Herausforderungen bei der Implementierung der Kreislaufwirtschaft für

4.2. Veränderung des Konsumentenverhaltens

4.2.2. Die Voraussetzung von Umweltbewusstsein

Bereits seit Beginn der 60er Jahre beschäftigen sich viele Autoren mit dem Umweltbewußtsein bei den KonsumentInnen. In Kapitel 4 der Agenda 21 der Rio – Konferenz im Jahre 1992 wird die die Wichtigkeit einer Förderung von Verbrauchs– und Produktionsmuster unterstrichen, welche das Ziel der Reduktion von Umweltbelastungen und die menschlichen Grundbedürnisbefriedigung verfolgt. Die Sustainable Development Goals beschrieben in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen von 2015, verfolgen ebenfalls entsprechende Ziele.119

Aufgrund dem stetigen Bedürfnis der KonsumentInnen dem neuesten Trend zu folgen, und folglich das aktuellste Produkt besitzen zu wollen, haben sich im Laufe der Jahre in vielen 115 Vgl. Preuss 1991, S. 180 f. 116 Vgl. Balderjahn 1986, S. 240 f. 117 Vgl. Belz/Bilharz 2005, S. 246 ff. 118 Vgl. Belz/Bilharz 2005, S. 246 ff. 119 Vgl. Brunner 2019, S. 23.

Branchen zur Befriedigung dieser Bedürfnisse verschiedene Geschäftsmodelle entwickelt. In der Elektronik– oder in der Bekleidungsindustrie ist ein deutlicher Trend in Richtung Billigprodukten mit kürzerer Produktlebensdauer erkennbar. Bedauerlicherweise läuft das häufige Wechseln von Smartphones und Kleidung der erfolgreichen Umsetzung der Kreislaufwirtschaft zuwider, deren Zielsetzung es ist den Produktlebenszyklus zu verlängern, indem Produkte so lange wie möglich im Umlauf gehalten werden.120

Jene Geschäftsmodelle, die dieser Zielsetzung der Kreislaufwirtschaft folgen, wie beispielsweise Car – Sharing – Systeme (Nutzenstatt – Haben – Prinzip), stößt bei den KonsumentInnen noch auf Widerstand. Der Besitz eines eigenen Fahrzeuges wird diesem System vorgezogen.

Um nachhaltigen Konsum zu fördern, bedarf es ein theoretisches Verständnis darüber, worum es sich bei nachhaltigen Konsumhandlungen grundsätzlich handelt.121 Laut Bruhn/Kirchgeorg kann eine nachhaltige Konsumhandlung als Teil eines bestehenden sozialen Bewusstseins verstanden werden. Dieses umweltbewusste Handeln erfordert gemäß den Autoren eine Wissens– als auch Einstellungsdimension.122 Zu dieser Erklärung

kam auch Littig, der die Ansicht vertritt, dass nachhaltige Konsumhandlungen das Wissen, um die Konsequenz der Handlung als auch die Möglichkeit zu deren Durchführung wesentlich für deren Umsetzung sind. Die innere Haltung umweltbewusst zu handeln, versteht Littig als motivierenden Teil der Handlung selbst.123 Die Beziehung zwischen den Dimensionen ist nachvollzieh-, aber nicht verallgemeinerbar. Die KonsumentInnen können auch ohne entsprechende Motivation, oder Wissen der ökologischen oder sozialen Konsequenzen nachhaltig agieren.124 So wie im Umkehrfall ein reines Wissen über ökologische Zusammenhänge und eine umweltbewusste Einstellung nicht aus, um ein entsprechende Handlung zu setzen.125

Der Begriff Umweltbewusstsein ist in der Wissenschaft nicht eindeutig definiert.126 Mit diesem Begriff wird meist eine Einstellungs– oder Wertehaltung in Verbindung gebracht. Der Fokus der Betrachtungen liegt in der Beobachtung von menschlichen Reaktionen bezüglich ihrer umweltbezogenen Einstellungen und Verhaltensweisen während physischer und sozialer Veränderungen ihrer Lebensbedingungen.127 Gemäß der Psychologie ist jedoch eine 120 Vgl. European Commission 2016, S. 4. 121 Vgl. Vgl. Kirchgeorg/Greven 2008, S. 52. 122 Vgl. Bruhn/Kirchgeorg 2007, S. 91. 123 Vgl. Littig 1995, S. 78f. 124 Vgl. Bruhn/Kirchgeorg 2007, S. 94. 125 Vgl. Empacher/Götz/Schultz 2002, S. 96. 126 Vgl. Löwe 2000, S. 231. 127 Vgl. Dierkes/Fietkau 1988, S. 11 ff.

Verbindung von Werthaltungen und Einstellungen zu möglichen einhergehenden Verhaltensweisen empirisch schwer bestimmbar. Nach Fietkau ist eine Änderung der Verhaltensweisen erst dann realistisch, wenn das erwünschte Verhalten mit den alltäglichen Lebensgewohnheiten, als auch den grundlegenden Überzeugungen eines Menschen in Verbindung stehen, und sich integrieren lassen.128 Eine Vielzahl von Studien hat gezeigt, dass wenig Verbindung von Bestehen eines Umweltbewusstseins und tatsächlichem umweltbewusstem Verhalten besteht. Mögliche Hintergründe hierfür sind gemäß Kruse, dass im Laufe der Zeit persönliche Interessen mit den Gemeinschaftsinteressen kollidieren, auch wenn die individuellen Interessen eine intensive Ressourcennutzung zur Folge haben. Bei fehlenden positiv besetzten Verhaltensanreizen ist die reine Befriedigung von umweltschonenden Verhaltensweisen nicht ausreichend, da sie an zeitlichen und finanziellen Ressourcen gekoppelt sind. Des Weiteren kommt es erschwerend hinzu, dass die umweltschädigenden Alltagshandlungen gewohnt und automatisiert, und stark an Werten wie Prestige und Status gekoppelt sind.129

Abbildung 11: Entstehung des Umweltbewusstseins130

Scherhorn ist der Meinung, dass mit den Änderungen in dauerhafte ökologische Verhaltensweisen innere Widerstände einhergehen, wenn diese Abstriche von persönlichen Ansprüchen und Routine zur Folge haben. Er meint, dass diese Widerstände soweit gehen, 128 Vgl. Fietkau 1987, S. 144f. 129 Vgl. Kruse 1991, S. 18ff. 130 Vgl. Löwe, 2000, S. 234.

dass neben den damit einhergehende Umweltbelastungen auch gesundheitliche Risiken in Kauf genommen werden.131

Die Hindernisse, die einem nachhaltigen Konsum im Wege stehen sind vielfältig. Sie beginnen bei bereits angesprochenen Mängeln an Alternativen und Informationen, und enden bei fehlenden Alltagsroutinen und unterschiedlichen Preisvorstellungen. Das Maß an Umweltbewusstsein ist hierbei leider kein verwendbarer Indikator, da empirische Untersuchungen und Ergebnisse meist stark je nach Formulierung der Fragestellungen variieren.132

Bei dieser Diskrepanz wird in der einschlägigen Literatur als „Verhaltenslücke“ beschrieben. Laut Balderjahn lässt sich diese Lücke aufgrund drei Schlüsselbarrieren ableiten:133

 Vermutung der Wirkungslosigkeit:

Die KonsumentInnen sind sich in Bezug auf ihren Beitrag zum Umweltschutz nicht sicher, und unterschätzen folglich ihre Möglichkeiten. Dadurch werden sie auch nicht umweltbewusst handeln.134 Dieses Denkmuster steht auch im Zusammenhang mit dem Verantwortungsbewusstsein dieser KonsumentInnen. So werden umweltfördernde Maßnahmen dem Zuständigkeitsbereich von Staat und Industrie zugeschrieben.135

 Opportunismusvorbehalt:

Die KonsumentInnen befürchten übervorteilt zu werden, indem sie im Vergleich zu nicht – nachhaltig agierenden KonsumentInnen durch ihr nachhaltiges Verhalten möglicherweise den Kürzeren ziehen (beispielsweise aufgrund des erhöhten Preises).136 Allerdings beschränkt sich dieses Misstrauen nicht allein auf andere KonsumentInnen, sondern auch auf die AnbieterInnen, da deren Angaben nicht kontrollierbar sind, und daher auf Vertrauen basieren (siehe Kapitel 4.2.4.). Ist dieses Vertrauen jedoch vorhanden, ist die Nachfrage der entsprechenden Güter jedoch groß.137

 Eigennutzmaxime

Die persönlichen Motive der KonsumentInnen stehen im Mittelpunkt. Der individuelle Nutzen steht vor den ökologischen, sozialen und folglich nachhaltigen Motiven. Aufgrund der 131 Vgl. Scherhorn 1989, S. 56. 132 Vgl. Schubert 2000, S. 23. 133 Vgl. Balderjahn 2004, S. 152. 134 Vgl. Balderjahn 2004, S. 153. 135 Vgl. Meffert 1999, S. 141. 136 Vgl. Balderjahn 2004, S. 155. 137 Vgl. Meffert 1999, S. 141.

persönlichen Haltung wirkt es rational seinen persönlichen Nutzen auf Kosten der Allgemeinheit zu maximieren.138

Im Dokument Kreislaufwirtschaft: Das Konzept einer ökologisch nachhaltigen erweiterten Wirtschaftsform / eingereicht von Adeline Igel (Seite 47-51)