4.4 Auswirkungen der Fehlerkorrekturen auf die accounting quality

4.4.1 Accounting quality – Definition und Messgrößen

In der wissenschaftlichen Literatur existieren viele Definitionen für accounting quality.467 Grundsätzlich wird die accounting quality über die Implementierung des Rechnungsle- gungssystems sowie seine Fähigkeit, die Unternehmensleistung zu messen, definiert.468 Im Folgenden werden einige zentrale Auslegungen des Begriffes sowie die dazugehöri- gen Messgrößen, die für das Verständnis der Ergebnisse der empirischen Studien relevant sind, dargestellt.

Der Terminus accounting quality wird oft als vorsichtige Rechnungslegung (accounting

conservatism) definiert.469 BASU interpretiert conservatism als die Forderung nach einem höheren Verifizierungsgrad für die Realisierung von schlechten Nachrichten im Gegen- satz zu positiven Nachrichten.470 Die vorsichtige Rechnungslegung zeichnet sich somit durch die zeitlich asymmetrische Erfassung von Gewinnen und Verlusten aus. Eine sol- che Interpretation lässt auch verschiedene Stufen von accounting conservatism zu - je höher die Anforderungen für die Erfassung von Gewinnen im Vergleich zu Verlusten, desto konservativer die Bilanzpolitik.471 An dieser Stelle ist wichtig anzumerken, dass die

vorsichtige Rechnungslegung nicht alleine auf konservative Rechnungslegungsnormen

466 Siehe hierzu nochmals Kapitel 4.3.1 sowie Anhang VII der vorliegenden Arbeit.

467 HERLY/BARTHOLDY/THINNGGAARD weisen darauf hin, dass die Begriffe accounting quality und earn-

ings quality sowohl als Synonyme als auch als zwei unterschiedliche Konzepte verwendet werden. Vgl. HERLY, M. u. a. (2016), S. 2.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden die beiden Begriffe ebenfalls als Synonyme verwendet.

468 Vgl. HERLY, M. u. a. (2016), S. 2.

469 Vgl. MELUMAD, N. D./NISSIM, D. (2008), S. 91f. 470 Vgl. BASU, S. (1997), S. 7.

zurückzuführen ist, sondern sich auch aus den ökonomischen Anreizen der Bilanzerstel- ler ergeben kann.472

In der wissenschaftlichen Literatur wurde eine große Anzahl473 an Verfahren zur Mes- sung der vorsichtigen Rechnungslegung entwickelt. 474 Die meistverbreitete Maßgröße für accounting conservatism in der aktuellen empirischen Forschung geht auf BASU zu- rück.475 Er hat sich dafür entschieden, die Aktienrenditen476 als externe Indikatoren für positive und negative Nachrichten heranzuziehen. Schlechte Nachrichten werden früher im Ergebnis berücksichtigt als positive. Daraus ergibt sich, dass im Fall negativer Ereig- nisse ein stärkerer Zusammenhang zwischen den Marktrenditen und den Ergebnissen als im Fall von positiven Nachrichten zu beobachten ist.477 Jedoch ist bei der Anwendung des BASU-Modells Vorsicht geboten, da es mehrere Schwächen aufweist.478

Das von KHAN/WATTS eingeführte C-Score stellt eine Weiterentwicklung des BASU-Mo- dells dar und beruht auf der Annahme, dass die vorsichtige Rechnungslegung unterneh- mens- und zeitpunktspezifisch geprägt ist. Beim firmenspezifischen Wert werden die Un- ternehmensgröße, der Verschuldungsgrad und das Markt-Buchwertverhältnis berück- sichtigt.479

BALL/SHIVAKUMAR untersuchen nicht-börsennotierte Unternehmen und entwickeln eine alternative Methode zum BASU-Modell, mit der die vorsichtige Rechnungslegung gemes-

472 Vgl. FÜLBIER, R. W. u. a. (2008), S. 1342.

473 Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden lediglich zwei der bedeutendsten Verfahren zur Messung

der vorsichtigen Rechnungslegung, die auch für das Verständnis der empirischen Studien von Bedeu- tung sind, kurz vorgestellt. Siehe ausführlich zu den verschiedenen Messmethoden der vorsichtigen Rechnungslegung FÜLBIER, R. W. u. a. (2008), S. 1328ff und WATTS, R. L. (2003b), S. 288ff.

474 Es wird grundsätzlich zwischen bedingter (conditional) und unbedingter (unconditional) Vorsicht un-

terschieden. Die bedingte Vorsicht ist an den Eintritt bestimmter Ereignisse geknüpft. Ein Bei-spiel dafür sind Rückstellungen, die nur bei hoher Unsicherheit angesetzt werden. Im Gegensatz ist die unbedingte Vorsicht mit keinem Ereigniseintritt verbunden. Ein Beispiel dafür ist das Aktivierungsver- bot von Forschungskosten. Vgl. WAGENHOFER, A. (2012), S. 1374.

475 Vgl. FÜLBIER, R. W. u. a. (2008), S. 1328.

476 FÜLBIER/GASSEN/SELLHORN und GIVOLY/HAYN/NATARAJAN weisen darauf hin, dass mit der Auswahl

der Marktrendite als Indikator für positive und negative Nachrichten die Effizienz der Kapitalmärkte unterstellt wird. Vgl. GIVOLY, D. u. a. (2007), S. 80; FÜLBIER, R. W. u. a. (2008), S. 1328;

477 Vgl. BASU, S. (1997), S. 5f; WAGENHOFER, A. (2012), S. 1375.

478 FÜLBIER/GASSEN/SELLHORN gibt einen Überblick über die Schwächen des Modells, die bereits in em-

pirischen Studien festgestellt wurden. Siehe FÜLBIER, R. W. u. a. (2008), S. 1328ff. Siehe hierzu auch GIVOLY, D. u. a. (2007), S. 80

sen werden kann. Anstelle von Marktrenditen als Nachrichtenindikator werden die Peri- odenabgrenzungen (accruals) verwendet.480 Da Verluste im Gegensatz zu Gewinnen

vollständig abgegrenzt werden, sind accruals in der Regel negativ und die kumulierten Periodenabgrenzungen unterbewertet. Das Konzept der vorsichtigen Rechnungslegung suggeriert, dass Verluste viel höhere Abgrenzungen als Gewinne verursachen, da sie auch die Reduktion der künftigen Geldabflüsse berücksichtigen, während Gewinne nur die Er- höhung des Cashflows in der Periode, in der sie entstehen, reflektieren.481 Aus diesen Gründen wird ein positiver, aber für negative Ereignisse asymmetrisch stärkerer Zusam- menhang zwischen Periodenabgrenzungen und Geldflüssen erwartet.482

Eine andere Interpretation des Begriffs accounting quality geht auf DECHOW/DICHEV zu- rück und stellt einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Rechnungslegung und jener der Rechnungsabgrenzungsposten (accruals quality) her.483 Das Modell von DE- CHOW/DICHEV basiert auf der Tatsache, dass die Rechnungsabgrenzungen der zeitlichen Verschiebung der Cashflows dienen. So kann die Unternehmensleistung besser abgebil- det werden. Da Rechnungsabgrenzungen auf Annahmen beruhen, führen falsche Annah- men zu Anpassungen der künftigen Abgrenzungsposten und der Ergebnisse. Somit ver- ringern diese Schätzungsfehler den Nutzen von Rechnungsabgrenzungsposten. DE- CHOW/DICHEV behaupten, dass ein höherer Grad der Schätzungsfehler zu einer schlech- teren accruals und accounting quality führt. DECHOW/DICHEV verwenden die Verände- rung des working capital als Messgröße für die Qualität der Rechnungsabgrenzungspos- ten.484

Nachdem die zentralen Definitionen und Messgrößen für accounting quality dargestellt wurden, werden im Folgenden die Ergebnisse der empirischen Studien präsentiert.

4.4.2 Ergebnisse der empirischen Untersuchungen

Ein Literaturstrang widmet sich der Frage, wie sich das Verhalten der Unternehmen in Bezug auf ihre Finanzberichterstattung nach einer Fehlerkorrektur ändert. Da die Anwen-

480 Vgl. BALL, R./SHIVAKUMAR, L. (2005), S. 93. 481 Vgl. WATTS, R. L. (2003b), S. 289. 482 Vgl. FÜLBIER, R. W. u. a. (2008), S. 1331. 483 Vgl. HERLY, M. u. a. (2016), S. 16. 484 Vgl. DECHOW, P. M./DICHEV, I. D. (2002), S. 35f.

dung der vorsichtigen Rechnungslegung die Möglichkeiten des Managements zum Aus- weis von zu hohen Ergebnissen einschränkt, kann die Anwendung einer konservativen Bilanzpolitik einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit der Finanz- berichte leisten,485 indem sie die Informationsasymmetrie zwischen Unternehmensfüh- rung und Investoren reduziert.486 Zwei empirische Studien untersuchen, ob Unternehmen nach einer Fehlerkorrektur eine konservativere Bilanzpolitik als in den Perioden zuvor und im Vergleich zu Unternehmen ohne Restatements anwenden. HUANG/ZHANG und ETTRIDGE/HUANG/ZHANG konzentrieren sich nur auf Fehlerkorrekturen, die zur Reduk- tion der zuvor berichteten Ergebnisse führen (overstatements). Die Autoren behaupten, dass diese Art von Restatements mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine aggressive Be- richterstattung verursacht wird und somit größere Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Finanzberichte auslösen kann.487 Unter Anwendung verschiedener Modelle488 zur Mes- sung von accounting conservatism kommen die Autoren zum Ergebnis, dass die Unter- nehmen nach einer Fehlerkorrektur konservativere Bilanzpolitik als in der Perioden zuvor und im Vergleich zu Unternehmen ohne Fehler in ihren Finanzberichten haben.489 Eine weitere Analyse von ETTRIDGE/HUANG/ZHANG zeigt, dass nur Unternehmen, die eine Verbesserung ihrer Corporate Governance nach der Fehlerkorrektur vornehmen, eine konservativere Rechnungslegung anwenden.490

Eine aktuelle Studie von CHEN/ELDER/HUNG widmet sich ebenso der Thematik der vor- sichtigen Rechnungslegung im Kontext zu Fehlerkorrekturen. Die Autoren untersuchen, ob ein Zusammenhang zwischen der Marktreaktion auf Restatements und der Anwen- dung einer konservativen Bilanzierung besteht. Sie stellen die Hypothese auf, dass Un- ternehmen nach einer negativen Marktreaktion auf eine Fehlerkorrektur bemüht sind, die

485 Vgl. HUANG, Y./ZHANG, W. (2009), S. 3f. 486 Vgl. HUANG, Y./ZHANG, W. (2009), S. 6.

487 Vgl. HUANG, Y./ZHANG, W. (2009), S. 4; ETTRIDGE, M. u. a. (2012), S. 493.

488 HUANG/ZHANG verwenden das BASU-Maß und das Modell von BALL/SHIVAKUMAR. ETT-

RIDGE/HUANG/ZHANG setzen das BASU-Modell und das C-Score von KHAN/WATTS ein. Vgl. HUANG, Y./ZHANG, W. (2009), S. 5; ETTRIDGE, M. u. a. (2012), S. 490.

489 Vgl. ETTRIDGE, M. u. a. (2012), S. 502.

490 In der Studie werden vier Näherungsvariablen für die Veränderung in der Corporate Governance unter-

sucht: 1) der Anteil der unabhängigen Vorstandsmitglieder; 2) die Anzahl der unabhängigen Vorstands- mitglieder; 3) der CEO ist gleichzeitig auch Vorstandsvorsitzender; 4) die Anzahl der Positionen des CEO in den verschiedenen Gremien. Die Ergebnisse zeigen, dass die Erhöhung des Anteils und der Anzahl der unabhängigen Vorstandsmitglieder sowie die Abschaffung der gleichzeitigen Ausübung der Funktionen vom Vorstandsvorsitzenden und CEO, zu einer konservativeren Bilanzpolitik nach einer Fehlerkorrektur führen. Vgl. ETTRIDGE, M. u. a. (2012), S. 499f.

Glaubwürdigkeit ihrer Finanzberichte wiederherzustellen und die Informationsasymmet- rie zwischen Management und Investoren zu reduzieren. Aus diesem Grund weisen sie nach einem solchen Ereignis einen hohen Grad an accounting conservatism auf. Des Wei- teren erwarten die Autoren, dass die Bilanzpolitik dieser Unternehmen nach SOX einen höheren Grad an Konservatismus als in der Periode zuvor aufweist, da die Post-SOX Periode durch eine Glaubwürdigkeitskrise in die Finanzberichterstattung geprägt ist und die Unternehmen durch eine vorsichtige Rechnungslegung das Vertrauen der Investoren stärken wollen.491 Die durchgeführten Tests können diese Erwartungen weitgehend be- stätigen. Darüber hinaus zeigt eine weitere Analyse, dass Unternehmen, deren Jahresab- schlüsse von einer Big Four Gesellschaft geprüft werden, eine vorsichtigere Rechnungs- legung in der Post-SOX-Periode im Vergleich zum Pre-SOX-Zeitraum anwenden.492

Die Studie von MOORE/PFEIFFER überprüft, ob Fehlerkorrekturen zu einer Änderung der Finanzberichterstattungsstrategie des Unternehmens führen.493 Die Autoren verwenden die total accruals als Näherungsvariable für die Finanzberichterstattungsstrategie. Die Untersuchung von MOORE/PFEIFFER beruht auf der Annahme, dass eine aggressive Bi- lanzierung, die ein wesentliches Merkmal der Finanzberichterstattungsstrategie darstellt, ihren Ausdruck in den Rechnungsabgrenzungsposten findet. Die total accruals werden als die Differenz zwischen dem Periodenergebnis vor außerordentlichen Posten und dem Cashflow aus der operativen Tätigkeit definiert.494 Um die Aussagekraft ihrer Ergebnisse

zu verbessern, verwenden MOORE/PFEIFFER zwei alternative Messmethoden für strategi- sches Verhalten – die Entwicklung des Gewinnwachstums und die Abweichung von Ana- lystenprognosen. Sie behaupten, dass ein stetig positives Ergebniswachstum und eine Tendenz, die Ergebnisprognosen der Analysten zu erfüllen oder zu übertreffen, als Zei- chen für eine aggressive Finanzberichterstattung interpretiert werden können.495 Die durchgeführten Tests zeigen, dass die Unternehmen nach einem Restatement keine Ver- änderungen in ihrer Strategie der Finanzberichterstattung vornehmen und weiterhin eine aggressive Bilanzierung anwenden.496

491 Vgl. CHEN, K. Y. (2014), S. 111f. 492 Vgl. CHEN, K. Y. (2014), S. 125. 493 Vgl. MOORE, E. A./PFEIFFER, J. R. (2004), S. 2. 494 Vgl. MOORE, E. A./PFEIFFER, J. R. (2004), S. 5. 495 Vgl. MOORE, E. A./PFEIFFER, J. R. (2004), S. 20. 496 Vgl. MOORE, E. A./PFEIFFER, J. R. (2004), S. 24f.

WIEDMAN/HENDRICKS zweifeln die Ergebnisse von MOORE/PFEIFFER an, dass keine Ver- änderungen in den Rechnungsabgrenzungsposten nach einer Fehlerkorrektur zu beobach- ten sind. Sieäußern die Vermutung, dass diese Befunde eine unzureichende statistische Aussagekraft besitzen, da die Stichprobe von MOORE/PFEIFFER lediglich 74 Unternehmen mit Fehlerkorrekturen umfasst.497 Aus diesem Grund führen sie erneut eine ähnliche Ana- lyse durch, indem sie den Stichprobenumfang auf 308 Unternehmen ausweiten.498 Im Gegensatz zu MOORE/PFEIFFER kommen WIEDMAN/HENDRICKS zum Resultat, dass

Restatements zur Verbesserung der accruals quality führen.499 Eine multivariate Analyse ergibt, dass Unternehmen mit CEO-Wechsel nach einem Restatement mit erhöhtem Pro- zessrisiko und größeren Marktwertverlust,500 signifikantere Verbesserungen ihrer accru-

als quality vornehmen. WIEDMAN/HENDRICKS weisen auf eine Einschränkung ihrer Ana- lyse hin. In ihrer Studie werden Unternehmen mit mehreren Fehlerkorrekturen von der Stichprobe ausgenommen. Dies dient zwar zur Vereinfachung des Forschungsdesigns, schließt jedoch die Unternehmen mit den möglicherweise schwerwiegendsten Problemen in der Finanzberichterstattung aus der Analyse aus.501

Das Working Paper von HERLY/BARTHOLDY/THINGGAARD stellt eine umfassende Ana- lyse der Auswirkungen von Fehlerkorrekturen auf die accounting quality dar. In der Stu- die werden 16 verschiedene Messkonzepte für die accounting quality eingesetzt.502 Des

Weiteren greift die Untersuchung eine Forschungsfrage auf, die von keiner der zuvor durchgeführten Studien beantwortet wurde, Es wird untersucht, ob die Unternehmen be- reits vor der Fehlerkorrektur eine niedrigere accounting quality als die Vergleichsunter- nehmen aufweisen.503 Die durchgeführten Tests zeigen tatsächlich, dass Unternehmen mit Restatements bereits zehn Jahre vor der Fehlerkorrektur eine schlechtere Qualität der Rechnungslegung als die Vergleichsunternehmen haben.504 Eine weitere Analyse soll Aufschluss darüber geben, ob die Unternehmen nach der Fehlerkorrektur ihre accounting

quality verbessern und das Niveau der Vergleichsunternehmen erreichen. Die Studie kann

497 Vgl. WIEDMAN, C. I./HENDRICKS, K. B. (2013), S. 1098. 498 Vgl. WIEDMAN, C. I./HENDRICKS, K. B. (2013), S. 1098, 1107. 499 Vgl. WIEDMAN, C. I./HENDRICKS, K. B. (2013), S. 1096. 500 Vgl. WIEDMAN, C. I./HENDRICKS, K. B. (2013), S. 1106. 501 Vgl. WIEDMAN, C. I./HENDRICKS, K. B. (2013), S. 1121. 502 Vgl. HERLY, M. u. a. (2016), S. 38. 503 Vgl. HERLY, M. u. a. (2016), S. 1.

504 Dieses Ergebnis wurde mit der Mehrheit der Messmethoden für accounting quality erzielt. Für einen

jedoch keine eindeutige Antwort auf diese Frage geben, da die unterschiedlichen Metho- den divergierende Ergebnisse liefern. Anhand der BASU-Methode wird beispielsweise eine Erhöhung der Qualität der Rechnungslegung nach einer Fehlerkorrektur beobachtet, während mittels der accruals-Methoden keine Verbesserungen festgestellt werden.505 Eine weitere Analyse zeigt jedoch, dass die Steigerung der accounting quality nicht direkt auf die Fehlerkorrekturen zurückgeführt werden kann, da bei den Vergleichsunternehmen ebenso eine Verbesserung der Qualität der Rechnungslegung zu beobachten ist.506

4.4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

Die bis dato durchgeführten empirischen Untersuchungen können keine eindeutige Ant- wort auf die Frage nach den Auswirkungen der Fehlerkorrekturen auf die accounting

quality geben. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass unter Anwendung des

BASU-Modells eine Verbesserung der accruals quality festgestellt wurde.507 Wie bereits in Kapitel 4.4.1 der vorliegenden Arbeit erwähnt wurde, stellt das Modell von BASU zwar das meisten angewendete Messkonzept für acconting quality dar, jedoch existiert eine Vielzahl anderer Methoden in der wissenschaftlichen Literatur. Die Vielfalt an Mess- konzepte für accounting quality und die divergierenden Ergebnisse, die damit erzielt wer- den, wird in der Studie von HERLY/BARTHOLDY/THINGGAARD veranschaulicht. Darüber hinaus liefert die empirische Arbeit von HERLY/BARTHOLDY/THINGGAARD zwei weitere zentrale Erkenntnisse. Erstens, zeigen ihre Ergebnisse, dass die Unternehmen bereits zehn Jahre vor der Fehlerkorrektur eine schlechtere accounting quality als die Vergleichsun- ternehmen aufweisen. Zweitens, kann die Verbesserung der Qualität der Rechnungsle- gung, die mittels einigen Methoden festgestellt werden konnte, nicht als Folge des

Restatement betrachtet werden, da sie auch bei Unternehmen ohne festgestellten Fehlern

beobachtet werden kann.508

505 Vgl. HERLY, M. u. a. (2016), S. 50ff. 506 Vgl. HERLY, M. u. a. (2016), S. 52.

507 Vgl. HUANG, Y./ZHANG, W. (2009), S. 5; ETTRIDGE, M. u. a. (2012), S. 490; CHEN, K. Y. (2014),

S. 108; HERLY, M. u. a. (2016), S. 52.

5 Konsequenzen von Fehlerkorrekturen für die Abschlussprüfung

5.1.1 Ergebnisse der empirischen Untersuchungen

Ein Restatement wird nicht nur mit dem Versagen des Managements, das für die Finanz- berichterstattung verantwortlich ist, assoziiert, sondern auch mit der Unfähigkeit des Ab- schlussprüfers, wesentliche Fehler aufzudecken. Daraus kann der Rückschluss gezogen werden, dass sowohl die Unternehmensführung als auch der Wirtschaftsprüfer die ent- sprechenden Konsequenzen der Fehlerkorrektur tragen müssen.509 Eine Fehlerkorrektur

führt auch dazu, dass die Beziehung zwischen dem Mandanten und dem Abschlussprüfer überdacht wird und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit des Abschlussprüferwechsels.510 Die Abberufung des Wirtschaftsprüfers nach einer Fehlerkorrektur ist eine sichtbare Maßnahme, die die Unternehmen setzen können, um das Vertrauen der Investoren zu stärken.511 Jedoch ist der Austausch des Prüfers auch mit zusätzlichem Aufwand verbun- den. Neben den anfänglichen Anlaufkosten bedeutet ein Abschlussprüferwechsel auch einen Abgang des unternehmensspezifischen Wissens. 512 Darüber hinaus kann das Un- ternehmen Schwierigkeiten haben, einen passenden Nachfolger zu finden, der über das notwendige industriespezifische Know-how und die Ressourcen verfügt.513 Wenn diese Kosten in Betracht gezogen werden, erscheint ein Wechsel des Wirtschaftsprüfers nicht zwangsläufig die optimale Lösung im Falle einer Fehlerkorrektur zu sein.514

Ein Forschungsstrang widmet sich der oben beschriebenen Thematik und untersucht, wel- che Auswirkungen eine Fehlerkorrektur auf die Beziehung zwischen dem Abschlussprü- fer und seinem Mandanten hat.515 Konkret wird untersucht, ob ein Restatement den Ab-

schlussprüferwechsel wahrscheinlicher macht516 und welche Faktoren eine Rolle dabei spielen.517 WALLACE, die 731 Unternehmen mit Fehlerkorrekturen in der Periode 1997- 2002 untersucht, kommt zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit des Abschlussprüfer- wechsels für Unternehmen mit zwei oder drei Restatements bei 50% liegt und um 10%

509 Vgl. HENNES, K. M. u. a. (2010), S. 1. 510 Vgl. HUANG, Y./SCHOLZ, S. (2012), S. 440. 511 Vgl. MANDE, V./SON, M. (2013), S. 120. 512 Vgl. HENNES, K. M. u. a. (2010), S. 2. 513 Vgl. AGRAWAL, A./COOPER, T. (2007), S. 4f. 514 Vgl. HENNES, K. M. u. a. (2010), S. 2.

515 Für einen Überblick der Forschungsmethoden und –fragen und der zentralen Ergebnisse der Studien in

dieser Kategorie siehe Anhang IX der vorliegenden Arbeit. Die Studien von AGRAWAL/COOPER und SRINIVASAN wurden ursprünglich einer anderen Kategorie zugeordnet und sind daher im Anhang VII der vorliegenden Arbeit zu finden.

516 Siehe beispielhaft dazu SRINIVASAN, S. (2005), S. 293, 324 und WALLACE, W. A. (2005), S. 32. 517 Siehe beispielhaft dazu THOMPSON, J. H./MCCOY, T. M. (2008), S. 45.

höher als jene für Unternehmen mit nur einer Fehlerkorrektur ist.518 SRINIVASAN beo-

bachtet 264 Unternehmen mit Fehlerkorrekturen im Zeitraum zwischen 1997 und 2001. Der Autor stellt fest, dass die Wahrscheinlichkeit des Abschlussprüferwechsels für Un- ternehmen mit Restatements, die zur Ergebnisreduktion führen, 44,3% beträgt und we- sentlich höher als jene bei Vergleichsunternehmen ohne Fehlerkorrekturen (20,8%) ist.519 THOMPSON/MCCOY, die sich nur auf die Fehlerkorrekturen der Fortune 500 Unterneh- men in der Periode 2001-2002 konzentrieren, können die Ergebnisse der zuvor zitierten Studien bestätigen. Die Autoren stellen fest, dass die Wahrscheinlichkeit des Abschluss- prüferwechsels höher für Unternehmen mit wesentlichen520 ergebnisreduzierenden Feh- lerkorrekturen im Vergleich zu Unternehmen mit Restatements, die das Ergebnis nicht reduzieren, ist.521 Die Befunde der drei oben erwähnten Studien können weitestgehend von den univariaten Analysen von AGRAWAL/COOPER und HENNES/LEONE/MILLER be- stätigt werden. 522 HENNES/LEONE/MILLER zeigen darüber hinaus, dass die Wahrschein- lichkeit des Prüferwechsels höher für Unternehmen mit beabsichtigten Fehlerkorrekturen und für kleinere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ist523

HUANG/SCHOLZ führen eine multivariate Analyse durch und konzentrieren sich im Un- terschied zu den anderen Studien nur auf Abschlussprüferwechsel nach einer Fehlerkor- rektur, die vom Prüfer selbst veranlasst werden. Die durchgeführten Tests ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit des Rücktritts des Wirtschaftsprüfers nach einer Fehlerkorrektur wesentlich steigt,524 insbesondere, wenn die Fehlerkorrektur schwerwiegend ist.525 IRANI/TATE/XU zeigen, dass der Schaden für den Abschlussprüfer über den Verlust des Mandates beim Restatement-Unternehmen hinausgehen kann. Die Autoren stellen fest,

518 Vgl. WALLACE, W. A. (2005), S. 32. 519 Vgl. SRINIVASAN, S. (2005), S. 293, 324f.

520 Fehlerkorrekturen, die mehr als 5% des Ergebnisses betragen, werden als wesentlich klassifiziert. Vgl.

THOMPSON, J. H./MCCOY, T. M. (2008), S. 49.

521 Vgl. THOMPSON, J. H./MCCOY, T. M. (2008), S. 50, 53.

522 Neben den univariaten Analysen, untersuchen AGRAWAL/COOPER und HENNES/LEONE/MILLER die

Fehlerkorrektur in Kombination mit anderen Variablen in einer logistischen Regression. Im Gegensatz zu HENNES/LEONE/MILLER halten die Ergebnisse vonAGRAWAL/COOPER mit Ausnahme von Fehler- korrekturen, die vom Unternehmen selbst initiiert wurden, nicht in einer multivariaten Betrachtung stand. Vgl. HENNES, K. M. u. a. (2010), S. 13ff; AGRAWAL, A./COOPER, T. (2015), S. 5, 21.

523 Die Wahrscheinlichkeit des Wechsels beträgt 61,7% für kleine Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und

24,7% für die Big Four Unternehmen. Vgl. HENNES, K. M. u. a. (2010), S. 4.

524 Es wurden zwei Gruppen von Vergleichsunternehmen herangezogen. Die erste besteht aus Unter-neh-

men ohne Abschlussprüferwechsel nach der Fehlerkorrektur, die zweite – aus Unternehmen, die ihre Abschlussprüfer nach einem Restatement abberufen haben. Vgl. HUANG, Y./SCHOLZ, S. (2012), S. 443.

525 Die Fehlerkorrektur wird als schwerwiegend klassifiziert, wenn sie im Zusammenhang mit Fraud steht,

sie sich ergebnismindernd auswirkt und mittels einer Pressemitteilung bekanntgegeben wird. Vgl. HUANG, Y./SCHOLZ, S. (2012), S. 440, 461f.

dass der Wirtschaftsprüfer aufgrund der Fehlerkorrektur bei einem Klienten auch von anderen seiner Mandanten abberufen wird.526

Ein weiterer Forschungsstrang widmet sich der Frage nach den Auswirkungen des Ab- schlussprüferwechsels auf den Aktienkurs nach einer Fehlerkorrektur. Laut CALDE- RON/OFOBIKE werden, obwohl bereits bekannt ist, dass der Markt unterschiedlich auf vom Prüfer selbst und vom Klienten initiierten Abschlussprüferwechsel reagiert,527 weiterhin Untersuchungen durchgeführt werden, wo diese wichtige Unterscheidung nicht berück- sichtigt wird.528 Ein Beispiel dafür ist die Studie von MYERS/MYERS/PALMROSE/SCHOLZ, die den Zusammenhang zwischen der Dauer der Beziehung Abschussprüfer-Klient und der Marktreaktion auf den Prüferwechsel nach einer Fehlerkorrektur untersucht.529 Der Aktienkurseffekt fällt nach dem Austausch des Prüfers nach einem Restatement positiver aus, je länger die Mandatsdauer ist.530 Zwei spätere Studien widmen sich ebenso der Frage nach der Reaktion des Aktienmarktes auf den Abschlussprüferwechsel und unter- scheiden dabei, ob es sich um einen Rücktritt (resgination) oder eine Abberufung (dis-

missal) handelt. Die Untersuchung von HENNES/LEONE/MILLER führt zum Ergebnis, dass die Marktreaktion auf den Rücktritt des Abschlussprüfers nach einem Restatement signi- fikant negativ (6,1%) im Gegensatz zur signifikant positiven (1,6%) Reaktion auf Abbe- rufungen ist.531 Eine weitere Erkenntnis der Studie von HENNES/LEONE/MILLER ist, dass

ein Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit des Abschlussprüferwechsels und den daraus entstandenen Kosten besteht. Laut HENNES/LEONE/MILLER nimmt die Wahr- scheinlichkeit eines Abschlussprüferwechsel für Unternehmen mit hoher operationeller

Im Dokument Konsequenzen von Restatements: ein Literaturüberblick über die Ergebnisse und den aktuellen Stand der empirischen Forschung / von: Maier Denitsa (Seite 70-83)